Co /Alkoholiker gestoppt. Was bleibt?

  • Ich glaube, sowohl Suchtkranke als auch Co-Abhängige haben ähnliche Herausforderungen zu meistern: Selbstzerstörung stoppen … Selbstwert erkennen, Selbstliebe praktizieren, Traumen verarbeiten, innere Leere aushalten bzw. überwinden

    Ich spreche nur von mir.

    Ich hatte außer der Selbstzerstörung nur die Sucht zu stoppen. War ja dem Tode nach einem Rückfall gerade so von der Schippe gesprungen.

    Ich war jedoch nicht depressiv oder litt an einer Depression, hatte irgendeinen Selbstwert oder Selbstliebe zu kitten. Traumen hatte ich auch nicht. Zumindest nicht in Verbindung mit der Sucht. Obwohl, EKA und Alkoholiker.

    Ich sehe bei vielen Alkoholiker aus meinem Blickwinkel heraus, dass sie auf einmal zu viel wollen und je umfangreicher sie sich Hilfe suchen, um zu sehr interpretieren sie Ihre persönlichen Defizite in die Sucht herein. Ich war von Anfang an bemüht, es zu trennen. Step by Step und nur das, was mir guttut und nicht das, was andere dachten, es wäre notwendig. Jedoch klar und ohne viel Kompromisse nach den Grundbausteinen.

    Bei EKA , bei Co mag das anders sein.

    Aber kommen wir mal wieder zurück in das Thema. :)

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Bei mir war nicht das Materielle im Vordergrund,

    ich dachte damals in erster Linie an meine vier Kinder.

    Ich war ein funktionierender Alkoholiker.

    Ich wollte keinen Partner mehr, der lügt, betrügt, manipulliert und nur das nimmt, was für Ihn passt.

    Wie Hartmut schreibt, am Anfang sucht und sucht man, will alles auf einmal.

    Es bricht ja erstmal alles zusammen, so war es wenigstens bei mir,

    Erst die Zeit bringt klarheit, was will ich, wo will ich hin und vor allem was will ich nicht mehr.

    Ich denke sogar, daß ich auch Co Anteile hatte, da ich versuchte meinen Partner zu retten.

    Heute sehe ich auch einige Partnerschaften, die nichts mit Alkohol zu tun haben wie krank diese sind.

    Liebe verbinde ich heute mit Achtung, Respekt, gesunder Egoismus, Gespräche, Gemeinsamkeiten.....

  • Als Erstes spiele ich nicht mit dem Überbegriff Depression. Das ist eine schwerwiegende Krankheit.

    Warum hast du dann gesoffen?

    Gegenfrage. Muss es dafür einen Grund geben? Reicht da nicht auch aus , dass der Alkohol griffbereit war?

    Einen Grund suchen, etwas zu finden und sich die Frage ständig stellen zu müssen, warum? Selbst wenn es ein Grund vorgeschoben wird, wer sagt mir das es dieser war und vor allem was ändert es an dem IST Zustand? Ich hatte ja über Jahrzehnte gesoffen. Wo fange ich an, wo höre ich auf?

    Ich beschäftigte mich ganz wenig mit der nassen Zeiten, mein Augenmerk ist das trockene Leben. Für mich ist oder war das akzeptieren der Weg, nicht das ergründen.

    Begünstigt hatte meine Sucht. In einem nassen Umfeld aufgewachsen, als Kind nachgemacht, als Jugendlicher mit der Clique an der Tagesordnung. Am Wochenende Party/Festivals "Es gehörte auch später im Beruf dazu" dann irgendwann den Point off Return nicht mehr geschafft.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Ich weiss, das Depression eine schwere Krankheit ist, ich will damit auch niemand zu nahe treten.

    Wollte nur deinen Satz aufgreifen von oben.

    Ich lese ja schon sehr lange mit und weiss, das du deinen Weg so gehst und dieser für dich gut ist.

    Du schreibst begünstigt hat deine Sucht.....

    das sind doch alles Dinge, die wir nicht anders kannten, die uns vorgelebt wurden, als "normal" betrachteten.

    Hast du mit deinem Trinken niemand verletzt, hast du nur für dich allein gelebt.

  • Mir gefällt Hartmut seine Denkweise, vermutlich trifft sie auf sehr viele Abhängige zu.

    Es muss doch nicht immer einen schlimmen Grund geben, Kindheit, Eltern, Job.

    Vielmehr ist es Tatsache, was dem Mensch in der Jugend gemacht hat, womit er aufwächst, und gelernt hat, trägt er durch ganze Leben, das war schon immer, und so wird es bleiben.

    Das ist die elementare Prägephase.

    Wir alle sind ein Produkt unserer Umgebung, ob wir es wollen oder nicht.

    (Aus diesem Grund können unsere Eltern oder Großeltern am Fernseher keinen Sendersuchlauf starten, oder sind nicht im Internet unterwegs. Damit sind sie nicht aufgewachsen, das haben sie in ihrer Jugend nicht aufgenommen. Mal abgenommen von einigen Prozent, wie hier das Forum zeigt.

    Dafür kann Oma den Weltbesten Apfelkuchen backen, und Opa kennt alle Pilze im Wald und kann Tapezieren. So ist es eben)

    Wann fangen wir denn gewöhnlich an, mit Alkohol und Zigaretten in Kontakt zu kommen?

    Richtig, in der Jugend.

    Rauchen ist cool, und sichert den Platz in der Clique.

    Ich denke, das ist bei den MEISTEN Betroffenen der Startschuss, relativ grundlos also.

    Es wird dann bei einigen zum Selbstläufer, mit Zigaretten ist es noch viel stärker ausgeprägt.

  • Hast du mit deinem Trinken niemand verletzt, hast du nur für dich allein gelebt.

    Mit dem Trinken verletzt? Meinst du in der Partnerschaft? Natürlich gab es da und da psychische Verletzungen. Ich habe ja sehr lange in einer klassischen CO-Alkoholiker-Beziehung gelebt. Nur wurde nicht alles auf das Saufen heruntergebrochen. Co und der nasse Alkoholiker ist ja eine wundervolle, leidtragende Symbiose

    Aber wann war es durch den Alkohol ab wann nicht? Im Nachhinein bringt es mich auch nicht weiter, es zu wissen. (mich nicht)

    Dann kam die Trennung von mir, weil ich mich anderweitig umgeschaut hatte. Die Beziehung, davon bin ich heute auch überzeugt, hätte auch ohne Alkohol keinen Bestand mehr gehabt. Natürlich sind Trennungen nicht so dolle. Gerade für meine damalig EX hatte massive Probleme damit und alles Recht der Welt ihre Wut herauszuschreien. Auch irgendwelche auch irrsinnigen Schuldzuweisungen zu geben.

    Ich sehe gerade am Anfang des Weges, dass die Sucht für vieles herhalten muss. Sie wird instrumentalisiert oder ein Verhalten darin begründet. Natürlich ist Sucht ein Arsc....aber wenn ich es auf Beziehungen herunterbreche, ist es nach näheren Hinsehen auch mal nur ein vorgeschobener Grund.

    Nun wollte ich auch aus der Sucht raus und irgendwie schaffen, dass die Sucht zwar als gegeben, aber nicht mehr maßgebend ist. Den Weg der Akzeptanz zu erreichen, dass sie da ist, aber ich bestimmend bin. Das geht ja nicht, wenn ich die Sucht ständig instrumentalisiere. Ich halte sie damit auch im trockenen Zustand am Leben. Es reicht mir mittlerweile auch das Wissen für immer süchtig zu bleiben und es keinerlei Heilung gibt.

    Oder wie es immer wieder heißt. Loslassen können.

    So sehe ich es auch mit dem Alkohol. Er ist da, aber er tut mir ja nichts. Er rennt mir nicht nach, er legt sich nicht freiwillig in den Einkaufswagen oder ich werde mit vorgehaltener Waffe gezwungen einem Werbeversprechen nachzugehen.

    ABER, es war nicht immer so. Es ist ein Prozess, der nie endet. Das erste Jahr, die ersten Schritte waren das Grundgerüst für mein heutiges zufriedenes Leben.

    .

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Mal rausholen aus der Versenkung den alten Thread. :whistling:

    Immer wieder schön zu sehen, wie sich das eigene Denken entwickelt und die eigenen Erkenntnisse verändern.

    Wie läuft eigentlich die Beziehung mit Co-Abhängigen und Alkoholikern, da es gerade wieder Thema war bei "Fragen an Alkoholiker?"

    Trennung ist nicht immer von einer Sucht abhängig, das war beim ersten Mal meine wichtigste Erkenntnis.

    Ich habe als Alkoholiker genauso wenig neutral gehandelt wie ein Co-Abhängiger. Ich habe nicht gesoffen, weil ich „Lust“ hatte oder weil es logisch gewesen wäre, sondern weil meine Sucht das Programm gesteuert hat. Ich habe mich nicht bewusst in die Sucht hineingesoffen , ich bin hineingerutscht, nicht weil ich es wollte.

    Genauso handelt auch der Co-Abhängige aus seiner eigenen Dynamik heraus. Beziehungssucht, Kontrollbedürfnis, das Übernehmen von Verantwortung für etwas, das gar nicht seine Aufgabe ist. Nicht aus Bosheit, sondern weil er es nicht anders kann. Genau deshalb hält dieses System oft so lange.

    Der Co hat mich nicht süchtig gemacht und mich nicht zum Saufen gezwungen. Aber er hat das System stabilisiert , mal durch Versorgen, mal durch Kämpfen. Beides hat die Sucht am Laufen gehalten. Und solange sich alles um mich als Alkoholiker drehte, musste der Co nicht bei sich selbst hinschauen. Das habe ich erst verstanden, als ich selbst aufgehört habe zu trinken.

    Der entscheidende Punkt ist nicht Schuld, sondern Verantwortung. Meine Verantwortung war es, meine Sucht zu stoppen. Und als ich das getan habe, hat sich mein Leben neu sortiert. Nicht automatisch besser, aber klarer. Und vieles, was im Suff noch „ging“, ging nüchtern nicht mehr.

    Für mich war der Entzug der Alkohol. Für den Co ist es oft der Entzug von Kontrolle. Und beides hat seine eigene Härte.

    Wenn ein Co den Alkoholiker aus seiner eigenen Selbsthilfe ausschließt, schützt er nicht sich selbst, sondern stabilisiert sein eigenes System weiter. Warum sonst hängt man jahrelang an etwas fest, das offensichtlich nicht funktioniert, sucht immer neue Erklärungen und rutscht in jede weitere Beziehung nach demselben Schema?

    Und genau deshalb kommt es nach dem Stoppen der Sucht so oft zu Trennungen. Wenn beide ihre Süchte und Verhaltensmuster richtig einordnen und sich davon lösen, wird erst sichtbar, was die Beziehung überhaupt zusammengehalten hat – und ob da nüchtern noch etwas trägt.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Und genau deshalb kommt es nach dem Stoppen der Sucht so oft zu Trennungen

    Umkehrschluss ,bei mir jedenfalls, und nach Aussage und Erfahrungen meines damaligen Therapeuten und schließlich meinen eigenen Erfahrungen. Nach der Trennung war es erst möglich die Sucht zu stoppen. Für mich war das so,denn im System das vorher lief habe ich es oft versucht aber nie wirklich geschafft

    Als die Verantwortung ganz alleine an mir hing,ich alleine dafür zuständig war ging es bergauf auf meinem Weg.

    Durch das ständige Besorgtsein,achten das mir ja nix im Weg liegt, das weg und hinterher räumen, das entschuldigen und später auch das Mitleid mit dem "armen Alkoholkranken" hatte die Sucht nicht nur Hintertürchen, sondern Scheunentore zum erneuten Angriff.

    Erst heute sehe ich das so klar, damals hats mich mitgezogen, in der Sucht gehalten.

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Nach der Trennung war es erst möglich die Sucht zu stoppen. Für mich war das so,denn im System das vorher lief habe ich es oft versucht aber nie wirklich geschafft

    Das meine ich ja damit.

    Der Co hat mich nicht süchtig gemacht und mich nicht zum Saufen gezwungen. Aber er hat das System stabilisiert , mal durch Versorgen, mal durch Kämpfen. Beides hat die Sucht am Laufen gehalten.

    Ein beidseitiges Suchtverhalten stabilisiert das System und hält beide „nass“.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Nach der Trennung war es erst möglich die Sucht zu stoppen.

    Ich habe meine Sucht ganz allein überwunden ohne Therapie, ohne Therapeuten und ohne eine Partnerin, die mir etwas „offenbart“ hätten. Durch einen Tiefpunkt bin ich selbst zu der Erkenntnis gekommen, dass es so nicht weitergehen kann.

    Ich muss aber dazu sagen: Ich hatte mich schon in der nassen Zeit von ihr getrennt und jemanden gefunden, die meinen Konsum damals tolerierte. Es ging also nicht darum, eine Beziehung zu retten , die war längst aufgelöst. Wenn ich darum hätte kämpfen müssen, weil ich der Annahme gewesen wär, dass es allein am Alkohol lag, dann weiß ich nicht, was passiert wäre.

    Das hatte nicht allein mit der Sucht zu tun. Manchmal werden Gründe für eine Trennung gesucht, und die Sucht wird dann als Rechtfertigung vorgeschoben. Und nicht jeder ist automatisch Co‑abhängig in einer Beziehung. Aber wenn jemand , wie hier oder anderswo, Hilfe sucht, dann ist es letztlich egal, welche Rolle er offiziell hat. Entscheidend ist, dass er hinschaut.

    Mein Post oben bezog sich auf eine klassische Co‑abhängigen‑und‑Alkoholiker‑Dynamik. Die habe ich jahrelang erlebt.. Meiner Einschätzung nach kann das aber nur jemand wirklich nachvollziehen, der selbst einmal so eine gegenseitige „nasse“ Beziehung erlebt hat.

    Meine Ex ist heute wieder mit einem „aktiven“ Alkoholiker zusammen und weiterhin auf der Suche nach Gründen, Erklärungen oder Rechtfertigungen trotz Therapien und Therapeuten. Schade drum.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Der entscheidende Punkt ist nicht Schuld, sondern Verantwortung. Meine Verantwortung war es, meine Sucht zu stoppen.

    Da stimme ich dir zu und beim Co liegt die Verantwortung zu erkennen, dass durch das eigene Verhalten das System mitgetragen wird und sich daraus zu lösen. Bei mir ist es ja so, dass mein Ex weiterhin trinkt und ich in seinen Augen die Schuld daran trage, dass es ihm so schlecht geht. Fühlt sich recht wohl in seiner Opferrolle, noch sehr weit entfernt von der Verantwortung.

  • Bei mir ist es ja so, dass mein Ex weiterhin trinkt und ich in seinen Augen die Schuld daran trage, dass es ihm so schlecht geht

    Wenn ich jemandem die Schuld zuschiebe, hab ich ja die Verantwortung schon abgegeben. Und im nassen Kopf ist auch nicht viel Spielraum oder sagen wir mal die Denkweise sehr begrenzt.

    Ich hatte es ja auch erst alles beim Trockenwerden verstanden.

    Ich weiß auch nicht, ob ich heute noch mit meiner Ex zusammen wäre, weil sie ja weiterhin das Co-Verhalten in sich trägt.

    Das macht eine Beziehung auch nicht einfacher, man wird ja dann weiter selbst als "Trockener" kontrolliert.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Wenn ich jemandem die Schuld zuschiebe, hab ich ja die Verantwortung schon abgegeben. Und im nassen Kopf ist auch nicht viel Spielraum oder sagen wir mal die Denkweise sehr begrenzt.

    Ja, das ist so. Und das erschwert die Kommunikation sehr, wenn die eine Person in der Opferrolle bleibt. Gilt ja auch umgekehrt, wenn der Alkoholiker die Verantwortung übernimmt und Co aber in der Opferrolle verharrt. Ich würde auch rückblickend sagen, dass die Beziehung gescheitert wäre, wenn mein Ex trocken geworden wäre - zu viel Vertrauen bereits zerstört und es war auch keine Liebe mehr; also, jeglicher Basis fehlte.

  • Und genau deshalb kommt es nach dem Stoppen der Sucht so oft zu Trennungen. Wenn beide ihre Süchte und Verhaltensmuster richtig einordnen und sich davon lösen, wird erst sichtbar, was die Beziehung überhaupt zusammengehalten hat – und ob da nüchtern noch etwas trägt.

    Als meine Beziehung noch von seiner Sucht und meinen Versuchen, seine Sucht zu stoppen geprägt war, wurde die Beziehung auch genau dadurch zusammengehalten. Die Basis der Beziehung war quasi die Mischung aus seinem Konsum und meiner Rettungsmission. Hätte mich damals jemand gefragt, warum ich diese Beziehung überhaupt führe, hätte ich wahrscheinlich keine klare Antwort geben können. Hat halt "irgendwie" gepasst, aber konkret hätte ich es gar nicht benennen können.

    Zusammengehalten hat uns im Grunde der Fakt, dass wir aneinander unsere dysfunktionalen Verhaltensweisen (sein Gesaufe und mein Bedürfnis nach aussichtslosen Rettungsmissionen und Dramatik) richtig ausleben konnten.

    Erst nachdem dann jeder für sich seine Themen angeguckt hat und auch bereit war, sich aus der gewohnten Komfortzone heraus zu bewegen fand eine Veränderung der Dynamik statt.

    Ich war sehr überrascht und bin es auch heute immer wieder neu, wieviel Fundament und Verbindung diese Beziehung hat- aber das konnte sich tatsächlich erst bilden, als jeder seine Themen in Arbeit hatte.

    Wir haben uns auch nicht lange damit aufgehalten, vergangenes aus der Beziehung in nassen Zeiten aufzuarbeiten, es gab auch keine Vorwürfe für Vergangenes oder die Forderung nach Entschuldigung.

    Im Grunde haben wir den Resetknopf gedrückt und uns bewusst dafür entschieden, den Menschen kennenzulernen, der sich hinter der Sauferei (er) und hinter dem unbändigen Drang, die Menschheit retten zu wollen und der furchtbaren Angst vor einem Kontrollverlust (ich) versteckt hat.

    Dafür war es aber auch notwendig, die entstandenen Kränkungen aus der Vergangenheit beiseite zu schieben, all die verletzten Gefühle zu akzeptieren, sie aber auch nicht mehr immer wieder hochzuholen, sobald es mal etwas im Getriebe knirscht.

    Natürlich war es auch nicht einfach und es hat mir auch einiges abgefordert, nicht den "leichten" Weg zu gehen, ihn für vergangenes zu verurteilen und ihn für meine schlechten Gefühle aus der Vergangenheit verantwortlich zu machen. Ich musste immer wieder bei mir bleiben oder zu mir zurückkehren, wenn ich dann doch mal gedanklich in die Richtung kam, dass sein Konsum "die Wurzel allen Übels war".und ich glaube, dass es ihm da ähnlich ging.

    Wir sind (es fühlt sich für zumindest richtig an und er scheint auch nicht so ganz unglücklich zu sein) also gut damit gefahren, die Beziehung ganz neu zu starten und damit auch ein neues Fundament zu bilden und den Beton neu abzuwischen.

  • Ich habe jahrelang gedacht, ich sei keine richtige Co. Selbstverständlich habe ich ihm niemals Alk gekauft, mein eigenes Leben gelebt, niemals sein verwahrlostes Bett frisch für ihn gemacht oder gar endlose Diskussionen geführt. Was ich dabei gar nicht bemerkt habe, war, dass meine Gedanken trotzdem ständig um ihn kreisten. Diese innere Anspannung, das fehlende Vertrauen, das war durchgehend präsent. Ich merke erst jetzt, seit er weg ist, wieviel leere da plötzlich in mir ist. Ich habe plötzlich viel zu viel Zeit. Die Anspannung ist eher schlimmer, als wenn er da wäre und ich mich über ihn ärgern könnte. Ich bin diejenige, die hier gerade einen Entzug durchmacht. Von ihm.
    In unserer Beziehung hatten wir auch mal längere trockene Phasen. Diese waren für mich zeitweise belastender als die nassen Phasen. Er hat sich für mein Empfinden überall eingemischt, obwohl ich vorher ohne ihn bestens zurecht gekommen bin. Das Vertrauen war komplett zerstört, er hat trotzdem viel eingefordert, da er ja jetzt schliesslich trocken sei und seine nasse Zeit eh nicht richtig mitgekriegt hat. Vielleicht deswegen, hat er sich mir gegenüber niemals dankbar oder gar reumütig gezeigt. Das hat mich sehr verletzt aber auch gerettet. Wer weiss was ich sonst noch alles für ihn gemacht hätte, ohne dass er sich jemals auch nur ein klitzekleines bisschen erkenntlich gezeigt hätte.
    Ich wünschte euch allen viel Kraft und viel Ehrlichkeit euch selbst gegenüber. Es ist kein schönes Gefühl, sich nach Jahren einzugestehen, dass man einem Traum oder einer falschen Versprechung aufgelegen ist.

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