Mace2910 - Mein Alkoholkranker Vater ist seit 1,5 Jahren tot

  • Guten Morgen,

    Endlich traue ich mich meine Geschichte auch zu teilen, und erhoffe mir sehr einen Austausch mit anderen Menschen.

    Ich bin 26 Jahre alt und mein Alkoholkranker Vater ist seit 1,5 Jahren tot. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das schon wirklich realisiert habe. Aber erstmal zu unserer Geschichte.


    Ich kann euch nicht genau sagen, wann es angefangen hat dass er getrunken hat. Nach Erzählungen meiner Mutter, hat er aber auch schon als Jugendlicher gerne getrunken (was allerdings damals wohl auch normal war). Er war immer schon recht unsicher, aber ich habe trotzdem eine schöne Kindheit gehabt. Hier liegt aber wahrscheinlich schon eines meiner Verarbeitungsprobleme: ich hatte doch eine schöne Kindheit und mir hat es nie an irgendwas gefehlt. Mein Leben lang nicht. Mein Vater hätte wohl alles für meinen großen Bruder und mich getan. (Bis aufs Aufhören mit den Trinken natürlich)


    Als ich älter würde (schätzungsweise 15?) hat es angefangen, dass ich mich immer öfter mit meinem Vater gestritten habe. Ich habe gemerkt, dass er und meine Mutter sich oft in den Haaren lagen (er wurde NIE körperlich). Sie haben einfach nur ständig gestritten und meine Mutter hat oft geweint. Da Mama wie meine beste Freundin ist, habe ich das sehr viel mitbekommen.. und mich emotional abgewendet von meinem Vater. Ich bin hochsensibel und habe gemerkt, dass irgendwie noch mehr dahinter stecken muss als bloße Unstimmigkeiten. Bis ich selbst irgendwann gesehen habe wie er in seinem Büro im Haus Alkohol versteckt hat. Jahrelang. Und auch dementsprechend hat man es gerochen als er Abends nach der Arbeit bei uns gewesen ist.
    Jahrelang haben wir (Mama und ich) ihm gesagt, dass er nach Alkohol stinkt. Was er wieder getrunken hat. Ich habe aber wohl mehr die Problematik dahinter erkannt, als Mama noch meinte es sei alles nicht so schlimm wie ich denke dass es ist. Mein Bruder hat sich früh abgewendet, meinte er will nichts davon wissen und dass es deren Problem ist..

    Ich habe ständig mit meinem Vater gestritten. Wir hatten immer Meinungsverschiedenheiten. Er kann auch irgendwie nicht mehr darauf klar, dass ich kein Kind mehr bin und sehr wohl richtige Meinungen habe und ich auch immer mit allem konfrontiert habe.
    So habe ich ihm auch mehrfach (nach Eskalationssituationen wo wir alle geschrien haben im Streit) gesagt, dass er ein Problem hat und wir es alle wissen und er was ändern muss. Interessiert hat es ihn nicht? Ich weiß es nicht. Denn geändert hat sich nie was.

    Bei uns war es immer Nachmittags/Abends nach der Arbeit am schlimmsten. Er wurde jähzornig, agressiv (wie gesagt nie körperlich), hatte die letzten Jahre ganz komische Ansichten und Meinungen, hat es bei der Arbeit nicht mehr geschafft mit der Zeit mitzugehen und hat mit vielen Menschen immer gestritten.
    Beim Abendessen ist immer der Tiefpunkt gewesen. Gegessen hat er sowieso die letzten Jahre auch immer weniger, da kann man dann natürlich auch das Essen der anderen Menschen versauen.

    Vor 1,5 Jahren ist er plötzlich ganz gelb geworden.
    Man muss sagen, dass er mehrere Jahre von Arzt zu Arzt von meiner Mutter geschickt worden ist wegen mehreren körperlichen Beschwerden aber angeblich (lauter Vater) hat nie irgendein Arzt gesagt dass was nicht stimmt (was nicht der Wahrheit entspricht). Seine Blutwerte betreffend der Leber sind jahrelang schon nicht super gewesen.

    Er ist 2 Tage davor bei der Blutabnahme gewesen. Sonntags war er so gelb, dass wir ihn ins Krankenhaus geschickt haben. Da hat er sich selbst entlassen. Noch 2 Tage später war es dann so schlimm, dass meine Mutter ihn nach Anruf der Ärztin sofort ins KH gebracht hat. Wo er dann nicht mehr nach Hause gekommen ist. Wir haben ihm tagelang zugesehen wie er vor unseren Augen elendig verstorben ist. (Nehmt mir meinen Ausdruck bitte nicht übel).

    Meinen Bruder hat es eiskalt erwischt. Denn der hätte nie gedacht, dass es so schlimm ist.

    Ich bin so sauer, dass er uns das angetan hat und ich kann niemals verstehen warum Menschen sich fahrlässig in den Tod (in dem Fall) trinken, während andere ungewollt krank sind und sterben müssen…

    Ich bin auch sauer, weil er mir viele Sachen einfach genommen hat. Viele Situationen die in meinem Leben noch passieren werden, wo ich keinen Vater mehr habe oder wenn ich mal Kinder bekommen sollte, die keinen Opa haben.
    Ich habe aber auch so ein schlechtes Gewissen, weil ich mich von ihm abgewendet hatte die letzten Jahre.

    Mit 23 bin ich ausgezogen weil ich ihn nicht mehr ertragen habe. Die Aura ist so schlecht gewesen es hat mich fertig gemacht. Ich bin trotzdem zu meiner Mutter gefahren, konnte ihn aber nicht einmal anschauen.. ich habe ihn jahrelang nicht richtig angeschaut… ich hätte vielleicht doch noch öfter was sagen sollen? Hätte ich ihm trotzdem Liebe geben müssen? Er hat mir schließlich immer noch alles ermöglicht und alles für mich gemacht? Bin ich einfach zu undankbar gewesen?

    Nach seinem Tod, haben wir am gleichen Tag dann noch freudigerweise herausgefunden, dass er meine Mutter über 20 Jahre lang betrogen hat. Von der Frau musste ich mich dann am Todestag noch beleidigen lassen.


    Ich bin so sauer, so enttäuscht, und er hat mir wohl letzendlich echt das Herz gebrochen.

    Ihr merkt, meine Geschichte ist lang, und ich danke jedem einzelnen der sich Zeit genommen hat um sie zu lesen.

    Danke <3

  • Guten Morgen Mace,

    trotz allem tut es mir leid, für den Verlust Deines Vaters. Meiner ist auch gerade am Alkohol gestorben. Das hat sich aber sehr viele Jahre hingezogen und ich bin schon einiges älter als Du.

    Aber ich kenne dieses hilflose Gefühl sehr gut, wenn da nichts zu machen ist.

    Interessiert hat es ihn nicht? Ich weiß es nicht. Denn geändert hat sich nie was.

    Er war abhängig. Und bei vielen kommt nie der Moment, an dem sie aufwachen.

    Bei mir hat es sehr viele Jahre gedauert. Ich bin selbst Alkoholiker geworden.

    Hier kannst Du Dich austauschen und vielleicht hilft es Dir. Mir hat es geholfen. Und trocken geworden bin ich, mit Hilfe dieses Forums, auch.

    Hier ist der Bewerbungslink. Bitte darauf klicken. Einen kurzen Satz schreiben. Dann können wir Dich für den weiteren Austausch freischalten.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    VG

    Alex

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hallo Mace,

    ich bin mit 18 daheim ausgezogen, weil ich das destruktive Umfeld nicht mehr ertragen konnte.
    Später gab es phasenweise Kontakt, aber auch mal 10 Jahre komplett ohne Kontakt.

    Ich bin nicht alkoholsüchtig, sondern eßsüchtig geworden. Es ist so traurig, wie die kranken Suchtstrukturen von Generation zu Generation weitergegeben werden. Statt lebendig ins eigene Leben zu starten, quälen sich EKA mit solchen Gedanken wie du sie auch hast.

    Nichts und niemand kann die Eltern vom Trinken abhalten. Das Ohnmachtsgefühl und der Dauerstress macht krank.

    Abstand ist gut! Und wenn es soweit ist: darüber reden. Die Verletzungen tun jahrelang weh. Wir sind hier eine gute Gruppe genau für solche Themen. Ich habe für mich selber mit der Zeit die Wende hinbekommen und schaue jetzt nach vorne.
    Ich bin 58. Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt: Wann fängt eigentlich mein Leben an? Da bin ich aufgewacht und habe die Verantwortung für mich übernommen. Ich habe die Verantwortung der Eltern bei denen gelassen.
    Ab da ging es vorwärts.

    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe, Mace!

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet.

    Und Du kannst Du überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Abstand ist gut! Und wenn es soweit ist: darüber reden.

    So habe ich das auch erlebt, ich bin ebenfalls in einem sehr destruktiven Suchthaushalt groß geworden, ohne die Dynamiken irgendwie zu überblicken, habe ich die Auswirkungen auf die Atmosphäre zuhause immer als durchtränkt von seelischer Not, Schwere, Wut und Stagnation empfunden. Ich bin auch früh ausgezogen, weil es buchstäblich nicht zum Aushalten war, nicht ganz ohne schlechtes Gewissen, weil ich meinen Bruder damit alleine liess, aber ich bin froh, daß sich da eine Art Überlebenssinn durchsetzte, der mich darin bestärkte, mir ein Zuhause zu suchen und zu schaffen, an dem ich mich sicher fühle, und an dem ich frei atmen kann. Das Drüber reden kam deutlich später, ich bin auch jahrelang in den Rückzug, und ich bin nachwievor sehr vorsichtig, was ich mit meinen Eltern besprechen möchte. Als hilfreich habe ich immer eher den Austausch mit anderen empfunden. Auch das Schreiben, und Tagebuchführen hat mir sehr geholfen.

    Trotzdem habe ich mich Anfang des Jahres an der Seite eines triefnassen Alkoholikers wiedergefunden, und habe über die Auseinandersetzung in diesem Drama eine neuerliche Auseinandersetzung mit meinem Elternhaus begonnen. Vorallem die Beziehung und Rolle meines Vaters sehe ich gerade mit anderen Augen, sehr lange bin ich einfach seiner Opfererzählung gefolgt, und konnte aus seiner Sicht immer nachvollziehen, warum er getrunken hat. Was aus heutiger Sicht völliger Quatsch ist, denn woher soll ein Kind wissen, warum ein Erwachsener trinkt – und wie kommt der Erwachsene überhaupt dazu, sein Kind darüber aufzuklären, warum er trinkt, außer mit der Intention es zu seinem Ally zu machen, was das Zuhause mehr zu einem Kriegsschauplatz macht, als zu einem sicheren Hafen.

    Den Prozess empfinde ich auch gerade am schmerzhaftesten: die eigene Erzählung aus meiner Kindheit zu überarbeiten, daß die Täter-Opfer-Dynamik so eindeutig nie war, und ich als Kind gehörig instrumentalisiert wurde. Anders wahrnehmen, anders aufschreiben, und das Geschriebene sowie das hier jetzt auch als Momentaufnahme sehen. DIe Wahrheit gibt es nicht, es gibt nur meine Sichtweise darauf. Woran orientiere ich mich? Ist mir seit ich hier angemeldet bin und mitlese, manchmal schreibe, auch immer wieder eine Frage: mein Körper erscheint mir da ein wichtiger Partner, vielleicht mein wichtigster. Gedanken, auch, z.B. wenn ich nachts vom Grübeln wachwerde, aber es ist vorallem mein Körper, der sie vor mir hört, oder sie als bewusst/wach wahrnimmt.

    Drüber reden würde ich für mich weiter fassen. Einen Ausdruck finden, es aus meinem Kopf (ungeordnet, fragmentiert, ein Gebilde aus Erinnerungen, Momentaufnahmen, Gefühlen) hinüber in die materielle, physische Welt befördern, ordnen, sortieren, als Text, als Gespräch, als Bild. Hatte jetzt schon öfters ein Gefühl der Erleichterung, weil es anderen hier ähnlich ging/geht wie mir. Das Gefühl nicht alleine zu sein, und dranzubleiben, mich zu bewegen.

  • Ich danke euch allen schon sehr!
    Es ist echt erstaunlich, wieviele Menschen ähnliches erlebt haben.
    Wenn man drin ist, denkt man immer dass es nur bei einem selber so schlimm ist…

    Ich habe wirklich extreme Probleme mein schlechtes Gewissen loszuwerden.. obwohl mein Verstand weiß, dass es seine eigene Entscheidung war.
    Ich rede sehr viel mit meiner Mutter darüber, allerdings will ich sie auch nicht permanent volllabern damit, weil sie es doch selber auch irgendwie verarbeiten muss.

    Irgendwo bin ich aner auch „sauer“ dass es nie so ernst genommen worden ist, wenn ich gesagt habe dass mein Vater ein Alkoholiker ist :(

  • Naja, es hätte sich nichts geändert. Er wollte trinken, sie wollte bei ihm bleiben und du warst ein Kind/eine Jugendliche. Das ist ein festzementiertes Gefüge.

    Viel wichtiger ist, daß dir dadurch deine Gefühle und Gedanken abgesprochen worden sind.

    mein Körper erscheint mir da ein wichtiger Partner, vielleicht mein wichtigster.

    So wahr, koda!

    Daher hilft mir mein Sport sehr, denn dabei komme ich vom Kopf in meine Füße und Hände: Ich erlebe Beweglichkeit und Handlungsfähigkeit.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Irgendwo bin ich aner auch „sauer“ dass es nie so ernst genommen worden ist, wenn ich gesagt habe dass mein Vater ein Alkoholiker ist :(

    Diese Gleichzeitigkeit an Gefühlen und Gedanken, die scheinbar so widersprüchlich sind, kenne ich auch nur zu gut. Mir wurde manchmal vorgeworfen, daß ich nicht genug Position beziehe, weil ich doch diejenige war, die den meisten Einfluss, weil engste Bindung zu unserem Vater hatte. Das hat immer solch einen Druck erzeugt, als hinge es an mir, und mir alleine, meine Verbindung zu nutzen, um ihm ins Gewissen zu reden. Ich bin so dankbar für dieses Forum, weil ich hier zum ersten Mal seit Jahren lesen durfte, was ich schon seit langem gespürt habe, daß es nicht in meiner Macht steht, meinen Vater zu ändern, und das auch nie der Fall war. Ich habe meistens darauf beharrt, daß ich das nicht kann und auch nicht will, aber es war nicht einfach, den Vorwurf auszuhalten, daß ich mich nicht genug "reinhänge".

    Willkommen hier, Mace. Schön, daß du hierher gefunden hast.

  • Naja, es hätte sich nichts geändert.

    Genau das wollte ich antworten. Dann hat Linde es schon geschrieben.

    Wir konnten gar nichts ändern. Nur der Alkoholiker kann das. Und als Kinder schon zweimal nicht. Nachdem mir das klar ist, ist es nicht mehr so schwer.

    weil engste Bindung zu unserem Vater hatte.

    Das macht es vielleicht noch schwerer. Meiner hat mich misshandelt. Da fällt die Abgrenzung später sehr leicht. Also zumindest war das bei mir so. Ich weiß nicht, ob ich jemals ganz damit abschließen kann. Aber leben kann ich damit. Das reicht mir eigentlich.

    Eigentlich bin ich hauptsächlich von meiner Mutter enttäuscht, die uns nicht geschützt hat.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Ich habe meistens darauf beharrt, daß ich das nicht kann und auch nicht will, aber es war nicht einfach, den Vorwurf auszuhalten, daß ich mich nicht genug "reinhänge".

    Willkommen hier, Mace. Schön, daß du hierher gefunden hast.

    Hallo Koda,

    Danke ebenfalls für deine Offenheit. Es macht mich sehr traurig zu lesen, dass man dir solche Vorwürfe gemacht hat. Das blieb mir gottseidank erspart. Nur ich selber mache mir Vorwürfe.. Meine Freunde meinten immer zu mir „DU bist das Kind, es ist NICHT deine Aufgabe sich um deinen Vater zu kümmern. Es soll andersrum sein. ER hat die Entscheidung getroffen zu trinken und vor allem hat er sie getroffen nicht damit aufzuhören, und es wohl nicht ernst zu nehmen wenn man ihn darauf aufmerksam macht.“

    Ich weiß nicht wie es mit dir ist, aber mein Verstand weiß wohl dass alle recht haben.. nur meine Gefühle sind leider ein totales Chaos immer noch.. hätte ich es verhindern können, das ist meine meist gestellte Frage. Und obwohl viele hier schreiben dass es nicht so wäre und auch das eigentlich klar ist, setzen meine Gefühle ein und hinterfragen es trotzdem…


    Danke dass du dich mit mir austauschst!

  • Das macht es vielleicht noch schwerer. Meiner hat mich misshandelt. Da fällt die Abgrenzung später sehr leicht. Also zumindest war das bei mir so. Ich weiß nicht, ob ich jemals ganz damit abschließen kann. Aber leben kann ich damit. Das reicht mir eigentlich.

    Eigentlich bin ich hauptsächlich von meiner Mutter enttäuscht, die uns nicht geschützt hat.

    Lieber Alex… danke dass du uns das anvertraust. Es tut mir so leid, dass du so etwas schreckliches noch zusätzlich erleben musstest :(

    Niemand wird wohl die richtigen Worte dafür finden aber ich wünsche mir für dich aus tiefstem Herzen, dass du irgendwann damit abschließen kannst.

    Jemand der so etwas tut, ist einfach eine total verlorene Seele und lässt es an unschuldigen Menschen aus. Ich hoffe du weißt, dass das niemals deine Schuld gewesen ist.

    Fühl dich gedrückt!

  • Naja, es hätte sich nichts geändert. Er wollte trinken, sie wollte bei ihm bleiben und du warst ein Kind/eine Jugendliche. Das ist ein festzementiertes Gefüge.

    Sie ist geblieben, weil sie die klassische Hausfrau von früher gewesen ist. Sie hätte nichts mehr gehabt. Und das mit zwei kleinen Kindern.. ich glaube einfach, dass das der Grund gewesen ist wieso sie geblieben ist.

    Ich verstehe bloß nicht, wie deine Familie so unwichtig sein kann, dass du es nicht ernst nimmst als Vater wenigstens eine Therapie machen zu wollen? Hat er denn nicht gemerkt wie jeden Tag riesige Konfliktsituationen gewesen sind? Hat er nicht wahrgenommen, dass er sich total verändert hat? Hat er nicht gemerkt, dass alles aus dem Ruder läuft? Ich bin so traurig

    Ich konnte mich nie mit ihm versöhnen, das hat er mir auch genommen…

  • Ich hoffe du weißt, dass das niemals deine Schuld gewesen ist.

    Ja, das weiß ich absolut. Danke.

    Sie ist geblieben, weil sie die klassische Hausfrau von früher gewesen ist. Sie hätte nichts mehr gehabt. Und das mit zwei kleinen Kindern.. ich glaube einfach, dass das der Grund gewesen ist wieso sie geblieben ist.

    Exakt so war es bei mir auch. Sie meinte z. B. "wir müssten in eine kleinere Wohnung ziehen".

    Das ging natürlich nicht. Phu. Meinen restlichen Text habe ich gerade wieder gelöscht. :saint:

    Hat er nicht wahrgenommen, dass er sich total verändert hat?

    Er wollte das nicht wahrnehmen. Als Alkoholiker kann ich Dir sagen, dass ich all die Jahre felsenfest geglaubt habe, ich hätte kein Problem. Das musste so sein. Sonst hätte ich ja nicht mehr trinken können. Das war einfach undenkbar für mich.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Das ging natürlich nicht. Phu. Meinen restlichen Text habe ich gerade wieder gelöscht. :saint:

    Er wollte das nicht wahrnehmen. Als Alkoholiker kann ich Dir sagen, dass ich all die Jahre felsenfest geglaubt habe, ich hätte kein Problem. Das musste so sein. Sonst hätte ich ja nicht mehr trinken können. Das war einfach undenkbar für mich.

    Ja genau… naja dazu sagen wir jetzt einfach nichts mehr..


    Aber wenn deine Familie vor dir steht, weint, immer alles wieder und wieder zerbricht, wie kann einen das nicht mitnehmen..?
    Komisch fand ich bei meinem Vater auch, dass er 5 Minuten nach einer Eskalationssituation aufeinmal wie ausgewechselt war und es wäre als sei nie irgendwas gewesen? Das hat mich nur noch mehr auf die Palme gebracht :(

  • Hallo Mace,

    von den anderen ist Dir schon so viel Wichtiges gesagt worden, deshalb von mir erstmal ein ganz herzliches Willkommen <3. Der Austausch hier hat mir (auch EKA) dabei sehr geholfen, die Schuldgefühle hinter mir zu lassen. Es ist gut, dass Du da bist :!:

    Liebe Grüße Siri

  • Hallo Mace,

    von den anderen ist Dir schon so viel Wichtiges gesagt worden, deshalb von mir erstmal ein ganz herzliches Willkommen <3. Der Austausch hier hat mir (auch EKA) dabei sehr geholfen, die Schuldgefühle hinter mir zu lassen. Es ist gut, dass Du da bist :!:

    Liebe Grüße Siri


    Hallo Siri,


    Vielen Dank! Möchtest du über deine Erfahrungen erzählen?


    Liebe Grüße auch an dich!

  • Technische Info. Auch für die, die es noch nicht wissen.

    Wenn Du auf den Namen klickst, dann auf das Feld mit der Lupe "Inhalte suchen" und dann auf "Themen" bekommst Du alle Threads (im blauen Bereich) der jeweiligen Person angezeigt.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hallo Mace,


    ich lese jetzt Deinen Faden zum zweiten Mal und staune ehrlich gesagt sehr, wie sehr sich doch die EKA-Geschichtlichen gleichen. Wir beide teilen die Erfahrung, dass der alkoholkranke Vater mehr oder weniger überraschend verstorben ist. Bei mir war es so, dass es vor ca 4 Monaten einfach tot im Bett lag. Wahrscheinlich oder ziemlich sicher hat er sich buchstäblich totgesoffen.

    Deine Gefühlslage kann ich total nachvollziehen. Auch ich schwanke immer Mal wieder zwischen Mitleid, Enttäuschung, Wut und Trauer. Auch bei mir kommen die Fragen nach der Rolle meiner Mutter auf - vor allem im Hinblick darauf, welche Priorität wir Kinder eigentlich hatten. Wäre es besser gewesen, zu gehen? Wahrscheinlich schon. Wäre das einfach gewesen? Wahrscheinlich nicht. Auch mir wollte übrigens scheinbar niemand glauben, dass das mit dem Alkohol immer ein Problem ist. Es wurde immer geleugnet. Langsam erfahre ich aber häppchenweise, dass es die ganze Zeit über da war. Mittlerweile fallen im Gespräch mit meiner Mutter Begriffe wie Anonyme Alkoholiker, Therapie, Entzug und „Kontrolliertes Trinken“.

    Ich bin so sauer, dass er uns das angetan hat und ich kann niemals verstehen warum Menschen sich fahrlässig in den Tod (in dem Fall) trinken, während andere ungewollt krank sind und sterben müssen…


    Es ist eine Krankheit und die wenigsten schaffe es. Ich habe dazu mittlerweile viele teils sehr gute Bücher (ich glaube, das Posten der Titel ist nicht erlaubt; korrigiert mich gerne, liebe Moderatoren) gelesen und meine, den Verlauf ein bisschen besser nachvollziehen zu können. Dazu die Berichte hier aus der Gruppen und man bekommt eine relativ gute Vorstellung von Alkoholismus.

    By the way - wollte ich schon lange mal loswerden. Meine Hochachtung für alle, die sich entscheiden, sich vom Alkohol loszusagen und ein Leben ohne das Gift zu führen. Das ist eine Leistung, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann!

    So viel für den Moment. Herzlich willkommen auch von mir. Du wirst sehen, wie gut der Austauch hier ist.


    Viele Grüße


    Seb

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