R/no - "lauf R/no lauf"

  • Mal ehrlich, hättest du als Teenager auf jemanden gehört, der dir erzählt, dass Alkohol ungesund ist? Irgendwann ist es zu spät. Wer sich an dieser Naivität festhält, ignoriert die Realität. Wenn Alkohol verharmlost wird, dann sag einfach: "Genau wegen solcher Sprüche bin ich zum Alkoholiker geworden."

    Ich garantiere dir, danach herrscht erst mal Stille. Und wenn es weiter interessiert, fragt nach.

    Wegen irgendwelcher Sprüche, egal in welche Richtung wird man bestimmt nicht zum Alkoholiker.

    Es gibt aber Grundbausteine für Eltern, die das Risiko deutlich minimieren, dass die Kinder zu Alkoholikern werden.

    Der wichtigste dabei ist, dass die Kinder in einem liebevollen, wertschätzenden und sicheren Zuhause aufwachsen.

  • Hi R/no,

    wie geschrieben, alles gut.<3

    Zu Deinen Kids. Da ich selbst eine traumatische Kindheit hatte und EKA bin, finde ich Hartmuts Sicht zu hart. Heißt, Deine Kids werden Dich alkoholisiert erlebt haben. Öfters auch drüber. Und sie werden Dich und Deine Frau zusammen auch alkoholisiert erlebt haben. Auch drüber. Und das ist für Kinder nicht normal und auch nicht gut. Deshalb würde ich schon versuchen Ihnen zu erklären, was da los war. Und ich würde auch versuchen heraus zu finden, ob sie vielleicht etwas dazu loswerden möchten. Ich teile allerdings Hartmuts Einschätzung, das ich es mir nicht zur Aufgabe machen würde, dass sie Alkohol verteufeln. Das kann nach hinten losgehen.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

    ------------------------------

    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Immer wieder schön, Tipps von CO zu erhalten, wie jemand nicht zum Alkoholiker wird.

    Wegen irgendwelcher Sprüche, egal in welche Richtung wird man bestimmt nicht zum Alkoholiker.

    Nein, sicherlich nicht, aber jegliche Wunschvorstellungen aus psychologischen Büchern darüber, wie etwas sein sollte – insbesondere in Bezug auf Wertschätzung und grundlegende Prinzipien für Eltern – werden von der Realität des Alltags eingeholt. Die ideale Familienmentalität ala "Rama Familie in der Werbung" existiert nicht, und schon gar nicht, wenn Kinder mit alkoholkranken und suchtabhängigen Eltern aufgewachsen sind.

    Warum werden auch Kinder, die wohlbehütet aufgewachsen sind, zu Alkoholikern, und warum versuchen Co-Abhängige immer wieder, sich von der Verantwortung reinzuwaschen, obwohl sie jahrelang toleriert haben, dass Kinder so aufwachsen?

    Suchtkrankheit ist Familienkrankheit, und da reicht es nicht aus, mit Wissen zu glänzen, da müssen eben auch Grenzen gesetzt werden.

    Und auch nasse Alkoholiker sind in dem Glauben, dass es Kindern nicht schadet, wenn sie hier und da mal etwas trinken, und denken, dass sie ihre Kinder wertschätzend und liebevoll aufwachsen sehen. Ich frage mich immer wieder, in welcher Welt so mancher lebt, der vieles ausblendet.

    Wir sprechen hier nicht von Eltern oder Kindern, die nie mit Alkohol in Berührung gekommen sind, und auch nicht von User, die keine Kinder haben. Dieses Forum ist ausschließlich für suchtkranke und Familien gedacht.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Es klingt ein bisschen so als würde hier die Verantwortung für das Wohl der Kinder auf den Co-Abhängigen abgeschoben. Er soll dafür sorgen, dass die Kinder in Sicherheit kommen und nicht mit einem Alkoliker-Elternteil aufwachsen müssen.

    Der Alkoholiker selbst kann ja die Verantwortung nicht übernehmen, der ist ja suchtkrank.

    Aber sind die Cos nicht mit krank- wie der Name schon sagt? Ist es für sie nicht genauso hart wie für uns aus dem Sucht-System auszusteigen?

    Einer muss handeln, ja. Und hier sind es in den allermeisten Fällen die Cos die das Handeln übernehmen. Aber es sind die Cos die sich hier melden- die also den ersten Schritt schon getan haben.

    Muss nicht noch mehr das Umfeld in die Pflicht genommen werden? Freunde und Familie, die sehen was läuft und nur den Kopf schütteln? Das Dorf, das sich das Maul zerreißt über den ständig besoffenen schlägernden Vater aber keiner bietet der Mutter und den Kindern z.B. eine Zuflucht an? Diese Familien gab es doch schon immer. Warum zeigt man mit dem Finger auf sie statt zu helfen?

  • Hi Ihr,

    noch einmal zwei Gedanken zu Kindern. Ich bin absolut sicher nicht in einer Rama Familie aufgewachsen. Und ich kann mich nur Anna anschließen, wie wichtig es ist, dass Menschen im Umfeld von dysfunktionalen und/oder missbräuchlichen Familien ins Handeln kommen. Das hätte mich geschützt und vor vielem bewahrt.

    Zweitens. Während meiner Schulzeit besonders auf dem Gymnasium habe ich dann Freund*innen gehabt, die in guten Familien lebten. Und ich war immer sehr froh, wenn ich mich dort aufgehalten habe und praktisch erlebt habe, dass auch vernünftig mit Kindern und Jugendlichen umgegangen werden kann. Ich lebe heute in einer sehr großen Hausgemeinschaft mit sehr vielen Kindern, Jugendlichen und Ihren Eltern. Und hier wird vernünftig mit den Kindern und Jugendlichen umgegangen. Ich weiß das, weil ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen da sehr drauf achte und in Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen gehe. Und ich glaube, dass sich über die Jahrzehnte schon etwas im Umgang mit Kindern und Jugendlichen getan hat. Besser geht natürlich immer.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

    ------------------------------

    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Das hätte mich geschützt und vor vielem bewahrt.

    Woher willst du das wissen? Du bist doch Alkoholiker geworden.

    Nun, ich bin kein Freund von Hypothesen, aber eine gewisse Aufklärung gehört auch zum Erwachsenwerden dazu. Das Forum ist jedoch voll von Usern , die behütet aufgewachsen sind, sei es mit Co-Abhängigkeit oder Alkoholikern. Warum sind sie dann süchtig geworden?

    Warum werden nicht alle in einer Familie als EKA süchtig?

    Wenn ein Kind jahrelang mit suchtkranken Menschen aufgewachsen ist, orientiert es sich doch an dem, der ihm emotional am nächsten steht. Und was sieht es da? Trinkende Eltern oder Teile davon.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Woher willst du das wissen?

    Ich meinte, es hätte mich vor dem missbräuchlichen gewalttätigen Verhalten meiner Eltern geschützt. Und auch wenn es eine Hypothese ist, weniger oder keine Gewalt meiner Eltern mir gegenüber hätte womöglich dazu geführt, dass ich nicht so einen Hau (wortwörtlich) weg hätte. Und vielleicht wäre ich kein Alkoholiker geworden. Es hätte mein Leben auf jeden Fall leichter gemacht.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

    ------------------------------

    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich meinte, es hätte mich vor dem missbräuchlichen gewalttätigen Verhalten meiner Eltern geschützt

    Das ist korrekt, ich hatte es lediglich auf die Sucht bezogen.

    Und vielleicht wäre ich kein Alkoholiker geworden

    Das weiß ich nicht, und wenn ich sehe, dass viele erst 20-40 Jahre nach ihrer Kindheit Alkoholiker werden, dann hat das nichts mit der Kindheit zu tun, auch wenn möglicherweise begünstigende Begleiterscheinungen für die Sucht später zum Alkoholiker gegeben sind.

    Aber zurück zu R/no,

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich habe nicht von einer Rama Familie geschrieben.

    Ich meinte eine Familie, in der das Kind weder körperlich noch psychisch misshandelt wird. Und in der die Eltern keine Alkoholiker sind. In so einer Familie hat ein Kind gute Chancen, selbst nicht zum Alkoholiker zu werden. Dass es auch Kinder gibt, die so aufwachsen und trotzdem Alkoholiker werden, habe ich nicht abgestritten, aber der Anteil ist deutlich geringer, das ist durch Untersuchungen nachgewiesen und kann man auf diversen offiziellen Internetseiten und in der Fachliteratur nachlesen.

    Mein Empfinden hier im Forum nach, ist der Anteil der Alkoholiker, die eine problematische Kindheit hatten (Elternteil oder beide Alkohliker, körperliche oder psychische Misshandlungen), wesentlich höher als der, die "behütet" aufgewachsen sind.

  • Mein Empfinden hier im Forum nach, ist der Anteil der Alkoholiker, die eine problematische Kindheit hatten (Elternteil oder beide Alkohliker, körperliche oder psychische Misshandlungen), wesentlich höher als der, die "behütet" aufgewachsen sind.

    Also meine Kindheit war hart, ich schreib noch was darüber, mein Vater hat auch getrunken...ich bin aber zwiegespalten und hab den Eindruck das Alkoholismus auch in "Ramafamilien" auftreten kann, also das Kinder die eine "schöne" Kindheit hatten auch Alkoholiker werden/können

  • Viele Menschen sehen ihre Vergangenheit als Erklärung für ihren Alkoholismus, doch ich betrachte das anders – genauso wie einige wissenschaftliche Studien, die unterschiedliche Sichtweisen dazu bieten.

    Ich suche nicht nach einer bequemen Erklärung, sondern gehe offen und unvoreingenommen an das Thema heran. Denn die Suche nach einem Grund für die eigene Alkoholabhängigkeit könnte dazu führen, sich als Opfer der Umstände zu sehen und die Verantwortung von sich zu schieben. Es wäre leicht zu sagen: „Meine schwierige Kindheit hat mich dazu gebracht.“

    Doch erwachsen zu sein bedeutet, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen – so wie es Generationen vor uns getan haben und auch künftige tun werden.

    Statistisch gesehen sind die Mehrheit der Alkoholiker zwischen 45 und 65 Jahren alt. In dieser Lebensphase ist man sich bewusst darüber, was man über Jahre hinweg konsumiert hat. Ich möchte nicht darüber hinwegtäuschen und sehe meine Vergangenheit nicht als eine Entschuldigung dafür.

    Natürlich gibt es Menschen, die psychische Belastungen erlebt haben. Doch das allein bestimmt nicht ihre Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Wer kann wirklich behaupten, durch seine Kindheit völlig handlungsunfähig geworden zu sein?

    Extreme psychische Belastungen und Traumata sind ernst zu nehmen – doch sie betreffen nicht die Mehrheit und lassen sich nicht einfach in einem Forum klären.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Aber meinen Jungs geht es gut, obwohl die auch schon viel gesehen haben, ich glaube den Absprung noch früh genug geschafft zu haben. Eine Ramafamilie sind wir zwar nicht aber dafür lieben sie uns auch, die Freunde der Kinder hängen auch gerne bei uns ab und fühlen sich wohl

  • Meine schwierige Kindheit hat mich dazu gebracht.“

    Aber das hat sie, klar bin ich selbst für mich verantwortlich wenn ich erwachsen bin aber ich war 13-14 Jahre alt als ich mich zum ersten Mal betrunken habe....

    Wer kann wirklich behaupten, durch seine Kindheit völlig handlungsunfähig geworden zu sein?

    Sehe ich auch so

  • Aber das hat sie, klar bin ich selbst für mich verantwortlich wenn ich erwachsen bin aber ich war 13-14 Jahre alt als ich mich zum ersten Mal betrunken habe....

    Wir waren eine Clique von 8-12 Leuten, und in dem Alter haben wir alle getrunken, aber nicht, weil zu Hause getrunken wurde, sondern weil es in der Clique üblich war. Und da sind nur zwei in den Sumpf abgerutscht.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Bei mir war es eine Flucht, ähnlich wie bei Kazik, ich bin auch immer gerne zur Schule denn dann musst ich nicht zuhause sein, später dann der Alkohol. Mit 14 hab ich schon mal einen ganzen Kasten geschafft, das war eine Auszeichnung vor den älteren...es war nicht dieses ich probiere mal von der verbotenen Frucht, es war eine Flucht vor meinem Elternhaus.

  • Ich denke es ist wie mit allen Risikofaktoren. Schwierige Familienverhältnisse sind nur ein Risiko für Sucht, genauso wie Übergewicht nur ein Risiko für Herzinfarkt ist. Es gibt Leute die werden mit einer üblen Kindheit trotzdem zufriedene Menschen und solche die mit Übergewicht 100 Jahre alt werden.

    Es geht um die gesamtbetrachtung. Ich kenne die Zahlen zur Sucht aktuell nicht, aber erinnere mich dass das Risiko Alkololiker zu werden bei Alkoholikereltern schon deutlich erhöht ist. Risiko heißt aber nicht zwangsläufig muss es passieren. Nicht jeder Raucher stirbt an Lungenkrebs - sogar wenige, da es insgesamt eine seltene Erkrankung ist.

    Will sagen: Einiges haben wir in der Hand, manches nicht und bei den eigenen Kindern viel weniger als wir denken. Das Alter in dem die Peer Group wichtiger ist als die Eltern ist viel jünger als man denkt.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!