Als ich so einen ähnlichen Brief verfasst habe (war ein bisschen anders, ein Geschwister mit anderem Suchtmittel wollte am liebsten gar nicht darüber sprechen), gab es noch keine Sprachnachrichten.
Mach es so, wie es sich für Dich stimmig anfühlt, wie bei allem im Leben.
Und ja, das ist so schrecklich schwer: sich selbst zu erlauben, auch mal Freude zu empfinden, sein eigenes Leben zu leben, auch wenn es dem geliebten Familienmitglied (vor allem in meinem Kopfkino) gerade furchtbar gehen muss.
Ich bin auch fast zusammengebrochen deswegen, hätte fast meine Ausbildung versemmelt, hab ja auch noch versucht, meine Eltern in der Lage zu stützen, aber irgendwann kam wohl doch noch der Überlebensinstinkt bei mir durch und ich konnte mich etwas besser abgrenzen und für mich wieder Freude empfinden.
(Allerdings bin ich spätestens in der Zeit endgültig selbst süchtig geworden, weil ich zu wenig auf mich selbst geachtet habe und immer nur für die abderen "stark" sein wollte und den Alk nun erst recht zur Selbstmedikation benutzt habe.)
Ein paar Jahre später hat mein Geschwister tatsächlich aus eigenem Antrieb noch gerade rechtzeitig die Kurve gekriegt und steht wieder auf eigenen Füßen.
Bei mir (lange Zeit vermeintlich "funktionierende" Alkoholikerin) hat es noch Jahrzehnte gedauert, bis ich den Splitter im eigenen Auge erkannt habe.)