Bergdohle - Fliege, mein Vogel

  • Hallo Berdohle!

    Jetzt stelle ich mir auf der Heimfahrt von der Arbeit oft vor, wie es wäre in eine ruhige Wohnung zu kommen. Und es fühlt sich gut an.

    An diese Vorstellung habe ich mich auch geklammert, ich stellte mir immer ein helle Wohnung vor in der es total friedlich ist. Ich konnte mein Leben so gestalten wie es mir gefiel.

    Wie oft lag er betrunken auf der Couch und hat mir irgendeine Pöbelei an den Kopf geworfen. Die Küche sah oft aus wie ein Schweinestall weil er sich irgendwas zum Essen gemacht hatte. Mein Weg nach der Arbeit war immer erst die Küche sauber machen, danach habe ich mich in eines der Kinderzimmer zurückgezogen.

    Die Kinder waren zu der Zeit schon ausgezogen und ich wohnte mit ihm alleine im Haus. Irgendwann ist das Ganze so eskaliert daß es mir reichte und ich mich auf den Weg machte. Mein neues Heim ist so wie ich es haben wollte, hell und ruhig und sehr gemütlich, endlich kam ich zur Ruhe, unbeschreiblich schön war das.

    Das hätte ich schon viel früher haben können.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Leider bedeutet das Signalwort ‚durchstarten‘ bei Männern, dass sie sich gleich ne neue Frau suchen wollen. Und egal wie unansehnlich, unausstehlich oder saudoof sie sind- klappt trotzdem fast immer.

    Ja, liebe AnnaBlume, genau das ist wohl auch sein Wunsch. Er will schließlich wieder eine vollwertige Partnerin an seiner Seite, so seine Worte. Oft habe ich mir gewünscht, dass er jemanden kennenlernt. Damit ich dann endlich meine Ruhe habe und ich nicht die Trennung innitiieren muss. Ganz schön feige von mir, ich weiß.

  • Hallo ihr Lieben. Nachdem ich ja meist nur der stille Mitleser bin, hier nun ein kurzes Update. Nach wochenlanger Abstinenz trinkt mein Mann nun wieder. Es ist ein Trauerspiel anzusehen, wie ein intelligenter Mann, der dazu noch mit einem, trotz seiner Trinkgewohheiten, relativ gesunden Körper gesegnet ist, sich so gehen lässt. Ich weiß, ich weiß, es ist die Krankheit. Dennoch tut es weh das anzuschauen. Und immer wieder schleicht sich auch der Gedanke ein: Was bin ich doch für ein schlechter Mensch, dass ich egoistisch all das hinter mir lassen möchte. Aber ich habe es so satt. Ich habe ihm nun das erste Mal deutlich gesagt, dass wir uns räumlich trennen müssen. Ich will alleine leben. Ich will Ruhe und Frieden. Das allein war schon ein riesen Schritt für mich. Nun kommt der nächste schwierige Schritt. Wie machen? Das ist keine Frage ans Forum. Das überlege ich mir für mich. Wichtig war, dass ich schon mal den Entschluss gefasst habe. Ein Schritt getan. Nun geht es weiter....Danke an alle, die ihre Geschichte, ihre Gedanken und Gefühle hier teilen. Das macht mir Mut weiter zu gehen.

  • Hallo Bergdohle,

    ich war lange nicht mehr hier und bin jetzt als erstes auf deine Worte gestoßen. Ich habe mich in so unheimlich vielen Punkten wiedererkannt.

    Mein Mann ist Spiegeltrinker und ich habe sehr lange Zeit gebraucht meiner Wahrnehmung zu trauen. Als ich aber an meinem eigenen Tiefpunkt war, habe ich mir Hilfe gesucht und bin hier gelandet.

    Ich hatte und habe oft den Gedanken mich von meinem Mann zu trennen, aber ich weiß nicht wie. Ich habe keine Angst alleine zurecht zu kommen, aber ich habe keine Vorstellung wie ich das finanzieren soll. Hört sich immer blöd an wenn es ums Geld geht, ist aber ein wichtiger Punkt. Mutter mit zwei Kindern, wovon mittlerweile nur noch einer Zuhause wohnt. Hund, Teilzeitjob..... Ich habe noch nicht den Absprung geschafft. Andererseits denke ich, dass es immer Wege gibt. Vielleicht kann man Wohngeldzuschuss beantragen usw.

    Ich kenne dieses Gefühl man ist jemandem etwas schuldig. Man muss doch an der Beziehung arbeiten und kann nicht einfach so viele Jahre gemeinsame Zeit zunichte machen. Ich hatte sogar immer das Gefühl, ich würde meinen Mann verraten wenn ich mit jemanden darüber spreche.

    Mein Mann legt öfter Trinkpausen ein. Anfangs war ich dann immer voller Hoffnung und bin gleich darauf angesprungen und habe geglaubt, dass er es wirklich will und das wir es schaffen werden. Das ist heute nicht mehr so. Ich spüre wenn sein Suchtdruck so hoch ist, dass er wieder zur Flasche greifen wird. Ich weiß, dass er es nicht schaffen wird wenn er sich keine Hilfe sucht.

    Ich gehe mittlerweile anders mit der Situation um, übernehme keine Aufgaben mehr für ihn usw. und habe gelernt, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich an mich denke. Es tut mir sogar gut. Ich muss zugeben es fällt mir nicht immer leicht, weil gleich der Gedanke kommt, dass man sich egoistisch verhält, aber da muss ich durch. Ich bin auch wichtig. Ich muss lernen loszulassen und dann wird sich auch mehr ergeben. Schritt für Schritt neue Wege gehen.

    Du hast für dich einen Entschluss gefasst und weißt schonmal was du nicht haben möchtest. Vielleicht kannst du übergangsweise zu deiner Freundin?

    Viele Grüße

  • Hallo liebe Julia, danke für Deine lange Nachricht. Ja das Problem mit dem Geld und Teilzeitjob kenne ich auch. Meine Kinder sind glücklicherweise erwachsen und aus dem Haus. Und das ist gut so, so müssen sie dieses Trauerspiel hier nicht ertragen. Als er diese fast 3 monatige Abstinenz hatte, da sind 2 Dinge passiert. Ich habe mich für ihn gefreut, dass er vieleicht doch seinen Weg findet zurück in ein Leben ohne Alkohol....und gleichzeitig habe ich gemerkt, dass das für mich keine Rolle mehr spielt. Ich will dieses Leben nicht mehr. Dieses ewige Lauern, ob er vieleich wieder trinkt. Mein Mißtrauen ist inzwischen so groß. Ich will einfach wieder frei sein von dem Allem. Er hat mir dann sogar, bevor es wieder losging, angeboten, dass er auszieht, so dass wir einfach beide mal in Ruhe wieder zu uns finden können ohne uns ständig gegenseitig zu triggern. Dem habe ich gleich zugestimmt. Und einen Tag später ging das große Saufen los. Ich weiß nicht was da in seinem Kopf vorgeht. Hat er erwartet, dass ich sage " oh nein, lass es uns doch zusammen im Haus nochmal versuchen"...oder ist ihm die ganze Tragweite seines Angebots bewusst geworden. Was weiß ich. Ich bin gerade so unfassbar wütend. Und ich weiß, dass Wut bei mir gut ist. Lieber Wut , als Angst und Verzweiflung.

    Tja, mal sehen, wie das hier weitergeht. Seit 4 Tagen wird durchgesoffen. Ich glaube er hat seine Klamotten seit Tagen nicht gewechselt...oder geduscht. So, jetzt muss ich schlafen, morgen läutet mein Wecker für meinen Teilzeit Job. Mein Mann arbeitet übrigens nicht mehr...schön für ihn.

    Liebe Julia, bleibe "egoistisch", denk an Dich. <3

  • Hallo, nun melde ich mich mal wieder, da ich wiedermal eine Frage habe, 4 Monate sind seit meiner letzten Reaktion hier auf diesem Forum vergangen. Ich habe immer wieder fleißig mitgelesen und mich inspirieren lassen von all dem, was in Bezug auf Co-Abhängigkeit geschrieben wurde. Vor 3 Wochen ist mein Mann ausgezogen, auf meinen insistierenden Wunsch hin. Alles schien gut zu laufen. Ab und zu treffen wir uns, um Organisatorisches zu besprechen und immer war er offensichtlich nüchtern. Nun rufe ich ihn vorhin an und es geht seine Schwester an sein handy und sagt mir, er liegt bei seinen Eltern auf der Couch, ist einfach nur müde und wäre vorhin vorm Haus zusammengebrochen. Sie wollte von mir wissen, ob ich weiß was los ist mit ihm. Ich war völlig geschockt und meinte nur, ich weiß es nicht und hab vorgeschlagen einen Krankenwagen zu rufen. Das haben sie anscheinend auch schon überlegt. Nun sitzen da seine Eltern mit seiner Schwester und überlegen was zu tun ist. Sie wissen (wahrscheinlich?) nichts von seiner Trinkerei. Und ich habe es Ihnen am Telefon auch nicht gesagt. Ich habe ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil ich nicht sofort ins Auto gesprungen bin, um die 3/4 h zu ihm zu fahren. Aber ganz ehrlich, ich will nicht zu ihm fahren. Ich mache mir Sorgen um ihn, aber ich will endlich mal nicht entscheiden müssen, was zu tun ist. Will nicht irgendwie da rein gezogen werden. Will mich nicht emotional gedrängt fühlen ihn wieder aufzunehmen. Ich weiß, dass er mit der Trennung und dem neuen Wohnumfeld schlecht zurecht kommt. Kann sein, dass er nüchtern ist. Sicher hat er eine Depression. Ich weiß es nicht. Und ich bin kein Arzt. Und seine ganzen Gesundheitschecks waren ja immer super (so meinte er). Ich sehe keinen Sinn darin, dass ich auch noch aufschlage bei seinen Eltern. Das bringt doch auch nichts. Und mir geht es dabei schlecht. Ihr seht schon, ich versuche mich da rauszureden, warum ich nicht zu ihm fahre. Oder liege ich völlig daneben? Objektive Meinungen wären mir wichtig. Ich habe aber seine Schwester gebeten mich auf den Laufenden zu halten.

  • Hallo Bergdohle,

    das sind doch drei erwachsene Leute und wenn sie schon selber auf die Idee mit dem Krankenwagen gekommen sind, was willst du dann da?

    Laß die mal machen.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe Linde, ich danke Dir. Ich bin völlig durch'n Wind. Ich habe solche Panik, dass ich mich nun wieder intensiv mit ihm beschäftigen muss. Gerade jetzt, wo ich endlich wieder durchatmen kann. Nochmal danke für Deine Antwort.

  • Du mußt gar nichts. Auch nicht dich auf dem Laufenden halten zu lassen. Das katapultiert dich doch geradewegs zurück.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Bergdohle,

    versuche dich zu beruhigen. Atme bewusst und mach dir einen schönen Tee. Oder lenk dich ab. Lauf um den Block bis du total erschöpft bist. Das sind Dinge, die mir immer helfen, wenn ich gerade vor lauter Überforderung den Kopf verliere.

    Er ist erwachsen und wusste was er tut und kann über seinen Zustand Auskunft geben. Das ist nicht deine Aufgabe. Seine engsten und ebenfalls erwachsenen Familienmitglieder sind bei ihm und können angemessen handeln. Das fällt nicht in deine Zuständigkeit.

    Du möchtest informiert werden, dass kann ich nachvollziehen. Allerdings musst du dann mit den Informationen klar kommen können, ohne gleich wieder die Hilfe anzubieten. Kannst du das?

    LG ☀️

  • Liebe Sonnenschein CoA. Jetzt kam noch mein "Jüngster" vorbei, der gleich bei mir um die Ecke wohnt. Und er hat im Prinzip das Selbe gesagt wie Du: "Du bist nicht zuständig und Papa ist erwachsen".

    Und Du hast recht, wenn Du sagst er kann über seinen Zustand Auskunft geben. Er könnte ja auch mal ehrlich auf den Tisch packen, was Sache ist. Seine Schwester ins Vertrauen ziehen.....

    Ja, dass mit dem Informiert werden ist so eine Sache. Da muss ich tatsächlich aufpassen, dass ich da nicht wieder in was reinrutsche. Bis jetzt hat sich niemand mehr bei mir gemeldet und ich werde jetzt auch nicht hinterhertelefonieren. Was auch immer mir da gesagt wird, es würde mich nur wieder aufregen.

    Ja, laufen bis zur Erschöpfung, das kenne ich auch. Ausdauersport war und ist immer das Mittel meiner Wahl, wenn ich rastlos bin und die Gedanken kreisen. Und wenn das gerade nicht geht, dann tut es auch ein Spaziergang. Hauptsache raus und Bewegung.

    Ich werde jetzt noch eine abendliche Spazierrunde durchs Viertel drehen. Irgendwie komme ich gerade schwer zur Ruhe.

    Danke Dir, für Deine Worte!


    Lieben Gruß!

  • Guten Morgen liebe SonnenscheinCoA. Das ist ja lieb, dass du frägst 😍. Konnte gut einschlafen und 6 h durchschlafen. Und jetzt steht der Tag wie eine Wand vor mir. Ich habe weder von seiner Schwester noch von meinem Mann was gehört. Diese Ungewissheit plagt mich. Warum? Weil ich ein schlechtes Gewissen habe. Er war so viele Jahre (wir sind 31 Jahre verheiratet) ein guter Mann und er ist ein guter Mensch....bis er vor 7 Jahren "falsch abgebogen" ist. Und ich habe ihm 2 wunderbare Kinder zu verdanken. Ich habe das Gefühl ich benehme mich absolut schäbig und herzlos, wenn ich jetzt nicht nachfrage. Ich bin gerade überfordert mit der Situation.

    Lieben Gruß

  • moin meine liebe

    ich kann es gut nachfühlen, aber du mußt hier wirklich ne trennlinie hin bekommen. es hat eine veränderung gegeben, eine veränderung zum schlechten. ja es ist eine krankheit, aber es liegt in seiner hand sich hilfe zu holen. wenn er das nicht tut dann möchte er am ist nichts ändern. der alk verändert die menschen, und zwar nicht zum besseren.

    ich habe mich vor 24 jahre fürs leben entschieden mein mann für seine flasche. wir haben uns dann auch getrennt denn ich wollte ihm nicht beim verrecken zusehen. anders kann ich es nicht sagen. natürlich spielten auch unsere kinder und ihr schutz eine rolle. vor 9 jahren haben wir ihn beerdigt denn das war die konsequenz aus seinem nichts ändern wollen. bei aller liebe und allem respekt, die liebe eines anderen ersetzt nun mal nicht die nötige selbstliebe die einen das eigene leben wertschätzen läßt. da wird eher noch so viel abgezogen das auch der partner die lebenslust verliert.

    zermarter dich nicht mit fragen und selbstvorwürfen. er kann ja was ändern wenn er denn will. und du solltest dein leben nicht von ihm abhängig machen, mach es dir schön, das ist dein recht.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Liebe Dorothea, Du hast recht...ja, Du hast recht. Er kann sich alle Hilfe holen, die er braucht. Er muss es nur tun. Danke für das Teilen Deiner eigenen Erfahrung. Sowas finde ich immer sehr sehr hilfreich und beruhigend.

    Vor deiner Antwort habe ich tatsächlich seine Schwester kontaktiert und war danach völlig aufgewühlt. Er hat sich, für alle Anwesenden (Eltern und Schwester), anscheinend eigenartig benommen. Hat murmelnd Selbstgespräche geführt und irgendwas von Schuld oder nicht Schuld gemnurmelt.

    Und ich merke, wie ich da irgendwie wieder reingezogen werde, emotional. Un ich habe das Gefühl, dass sich da um mich herum so Erwartungshaltungen aufbauen, seitens der Familie meines Mannes. Aber ich kann mir das ebensogut einbilden. Ich glaube manchmal ich ticke nicht mehr ganz richtig und kann mich nicht mehr auf meine Wahrnehmungen verlassen.

    aber du mußt hier wirklich ne trennlinie hin bekommen

    Ja, das muss ich UNBEDINGT.

    zermarter dich nicht mit fragen und selbstvorwürfen. er kann ja was ändern wenn er denn will. und du solltest dein leben nicht von ihm abhängig machen, mach es dir schön, das ist dein recht.

    Das werde ich jetzt tun. Erst was essen und dann mache ich einen langen Spaziergang.

    Liebe Grüße:)

  • Hallo Bergdohle,

    ich hole das mal in deinen Thread. Hattest du bei releaseme geschrieben.

    Es ist keine gute Aktion.

    auch wenn es keine gute Aktion war, heißt es aber nicht, dass du hier nichts beitragen kannst.
    Das kannst du sicherlich, mir zeigt dein Beitrag auch für mich etwas.
    Jump hat ja recht, mit dem was sie schreibt, aber es ist keine Ablehnung für dich. Ich kenne auch solche Situationen, wo ich mich gleich abgelehnt gefühlt habe.
    Möchte dich ermuntern weiter zu schreiben, du tust es für dich.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

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