Bergdohle - Fliege, mein Vogel

  • Ich bin gerade ziemlich durch den Wind, da es meinem Mann so alleine in der Wohnung schlecht zu gehen scheint. Und seine Schwester würde gerne von mir wissen will, was los ist, damit sie ihm helfen kann. Und ich will ich es ihr nicht sagen, dass er ein Alkoholproblem hat. Ich denke, wenn er Hilfe möchte, dann kann er sich seiner Schwester gegenüber öffnen und es ihr selber sagen. Ich überlege, ob ich ihn ermuntern soll es seiner Schwester zu sagen, da sie ihm doch helfen möchte. Oder ist es tatsächlich meine Aufgabe oder sogar Pflicht diese Information an seine Schwester weiterzugeben. Ich weiß es nicht. Wie habt ihr das denn gehandhabt?

    Ehrlich gesagt kämpfe ich gerade heftig mit mir selbst. Was ist richtig, was ist falsch. Ich fühle mich unfassbar schuldig und ich will doch nur endlich in Frieden leben. Ich habe oft Angst, dass alles wieder rückgängig gemacht wird. Dass der Druck von Außen so stark wird, dass ich wieder mit ihm zusammen leben muss, nur damit gewisse Menschen um mich herum mich nicht weiter bedrängen. Ich fühle mich schlecht und ich fühle mich undankbar für all das, was er in den guten Jahren für mich getan hat. Tut mir leid für den Schwall.

  • Nur ein Punkt, den ich dazu schreiben will.
    In Punkto hilflose Person.

    Ich hab mich da wegen meinem Vater erkundigt, der Hilfe verweigert hatte, bis er absolut nicht mehr selbst konnte und am Verhungern war.
    So,lange er konnte, hat er auf jedes Hilfsangebot aggressiv und mit Rausschmissen reagiert. Seinen Brüdern Hausverbot erteilt, solche Sachen. Mir angedroht, er könnte mich immer noch verprügeln. Tja nun, das hat eben Konsequenzen, mit denen er dann leben musste..

    Du bist zu gar nichts verpflichtet. Nur, wenn er direkt vor Dir liegt, und nicht mehr selbst in der Lage ist, zum Telefon zu greifen und die Rettung anzurufen, und Du bist tatsächlich Augenzeuge und direkt neben ihm, bist Du verpflichtet, die Rettung zu rufen. Angehöriger zu sein, verpflichtet zu gar nichts..

    Ansonsten, die Aussage des Arztes, zu dem ich ihn irgendwann bringen konnte:
    Die Freiheit des Menschen, sein Leben so zu gestalten, wie er das will und für richtig befindet, beinhaltet auch die Freiheit, sich selbst gesundheitlich komplett zu ruinieren.

    Er ist nicht entmündigt und Du bist nicht seine Erzieherin, und Du bist nicht für ihn verantwortlich.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • der einzige der dich zwingen kann ihn zurück zu nehmen bist du selbst. in guten wie in schlechten zeiten, ja damit wird druck aufgebaut, von der gesellschaft von einem selbst.

    es hat gedauert bis ich kapiert habe das es einen unterschied gibt zwischen schlechten zeiten die von außen kommen und unvermeidlich sind und schlechten zeiten die durch gleichgültigkeit und selbstsucht des partners auftreten. er will ja nichts ändern, und du kannst es nicht. also tschö. würde es dir auch so schwer fallen wenn er die ganze nacht löcher in die wände bohren würde um dich wach zu halten?

    und warum willst du deiner schwägerin nicht sagen warum du dich getrennt hast? ist doch dein gutes recht. mit hoher wahrscheinlichkeit wirst du auch vorwürfe von der seite kriegen. da sind die leute ja immer gaaaanz schnell mit dabei, weil sie sich schlicht und ergreifend nicht vorstellen können was es heißt mit einem alki zu leben. mein ex ist damals zu seiner mutter zurück. die hat vor den kindern ja kein gutes haar an mir gelassen, aber das tat sie vorher schon nicht. nach paar jahren sagte sie aber dann zu meiner ältesten, ich hab eurer mutter ja soooo unrecht getan. mir hat sie es im übrigen nie gesagt. egal, alle längst unter der erde.

    der punkt ist, du hast nichts falsch gemacht und ein recht auf ein leben in ruhe und frieden. du bist nicht dazu verpflichtet erwachsenen menschen den hintern nachzutragen die sich entschieden haben ihr leben durch missbrauch von substanzen aufs spiel zu setzen. dein herz sagt dir zwar ständig was anderes, aber dein verstand muß hier siegen, sonst geht ihr nu mal beide unter.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Ehrlich gesagt kämpfe ich gerade heftig mit mir selbst. Was ist richtig, was ist falsch. Ich fühle mich unfassbar schuldig und ich will doch nur endlich in Frieden leben. Ich habe oft Angst, dass alles wieder rückgängig gemacht wird. Dass der Druck von Außen so stark wird, dass ich wieder mit ihm zusammen leben muss, nur damit gewisse Menschen um mich herum mich nicht weiter bedrängen. Ich fühle mich schlecht und ich fühle mich undankbar für all das, was er in den guten Jahren für mich getan hat. Tut mir leid für den Schwall.

    Du musst gar nichts machen und ganz bestimmt nicht zurück zu ihm, er hat sich selbst dazu entschieden, dass er sich ruinieren möchte. Da es seine Schwester ist, die verstehen möchte, was mit ihm los ist, würde ich ihr sagen, was los ist und dann vielleicht auch einfach klar machen, warum du dich getrennt hast. Und sie kann dann auch selbst entscheiden, ob sie ihm auf dieser Basis tatsächlich helfen möchte.

  • Liebe dorothea . Auch danke für Deine aufbauenden und klaren Worte. Du bist hier auch jemand, dessen Beiträge ich sehr gerne lese. Ich antworte Dir später. Mein Mann kommt jeden Moment vorbei, da wir etwas wegen einem gemeinsamen Notartermin zu bereden haben. Wahrscheinlich bewirkt das, dass ich hier völlig hohl drehe. Ich reagiere auf ein Zusammentreffen mit ihm ganz schlecht, psychisch, wie auch körperlich. Allein das zeigt schon, dass es genug war.

  • Ähm, jetzt wahrscheinlich unpassend, aber das:

    Und nun weiß ich wieder, das ich vieleicht lieber doch nicht auf andere posts antworten sollte. Andere hier können viel bessere, konstruktiviere und respektvollere Unterstützung bieten.

    wollte ich natürlich keinesfalls bewirken. Wie gesagt lese ich dich gerne.

    Ich denke dann eher, dass ich selbst mich vielleicht einfach komplett aus dem Offenen raus halten sollte. Ich weiß ja auch selbst noch wie verletzlich ich am Anfang war und wie jede kleinste Kritik mich direkt durch und durch erwischt hat innerlich. Anscheinend komme ich trotz Bemühen auch immer wieder viel härter rüber als ich will. Dabei verstehe ich dich wirklich gut.

    Wahrscheinlich bewirkt das, dass ich hier völlig hohl drehe.

    Dann schreib danach hier. Das festigt die inneren Schrauben 😉.

    Und by the way: ich würde es der Schwester erzählen, wenn sie fragt was los ist. Ist ja sonst so ein ungutes, belastendes "Geheimnis" und eigentlich auch Teil der Co-Abhängigkeit den xy zu "decken". Geht ja nicht drum ihn "schlecht zu machen" oder die Schwester anzuspitzen ihm zu helfen. Ist eine sachliche Antwort. Und bedeutet du gehst den geraden Weg und lässt dich nicht auf Versteckspiele ein.

    Ich selbst habe damals die Geschwister meines Mannes informiert. Von mir aus. Weil ich fand sie sollten das wissen, bevor er irgendwann tot da liegt und sie mir Vorwürfe machen, weshalb ich nie was gesagt habe. Ich habe dann vor allem Hilfe und Unterstützung für mich selbst bekommen. Ein Bruder hat sogar den Umzug für mich organisiert...

    Okay, ich schreibe schon wieder zu viel 🙈.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Liebe Jump, alles gut. Du machst das schon richtig. Ich bin nur einfach ein unsicherer und empfindlicher Mensch. Ich habe das auch nicht als Angriff gewertet, was Du geschrieben hast. Ich ticke nur so, dass ich dann so frustriert darüber bin, dass ich mir nicht selber darüber Gedanken gemacht habe, dass mich das dann total runter zieht. Ich sehe dann nur meine eigene Unzulänglichkeit und will dann wieder einfach unsichtbar werden.

    ich würde es der Schwester erzählen, wenn sie fragt was los ist. Ist ja sonst so ein ungutes, belastendes "Geheimnis" und eigentlich auch Teil der Co-Abhängigkeit den xy zu "decken". Geht ja nicht drum ihn "schlecht zu machen" oder die Schwester anzuspitzen ihm zu helfen. Ist eine sachliche Antwort. Und bedeutet du gehst den geraden Weg und lässt dich nicht auf Versteckspiele ein.

    Da hast Du auch recht. Aber sogleich schaffe ich das nicht. Da muss ich erst noch mehr Mut fassen.

    Liebe Grüße!

  • es hat gedauert bis ich kapiert habe das es einen unterschied gibt zwischen schlechten zeiten die von außen kommen und unvermeidlich sind und schlechten zeiten die durch gleichgültigkeit und selbstsucht des partners auftreten

    Liebe dorothea , ja, so ist es. Dem kann ich nur zustimmen.

    und warum willst du deiner schwägerin nicht sagen warum du dich getrennt hast?

    Darüber habe ich eine geraume Zeit nachgedacht. Ich habe das bisher aus Repekt meinem Mann gegenüber nicht gemacht. Ich habe die Vorstellung, dass ich dann sein Geheimnis preisgebe, was er um alles in der Welt nicht verraten möchte. Seine Schwester hat ihn ja schon des öfteren darauf angesprochen, was denn los sei mit ihm. Und auch sein Vater. Und unsere Söhne wurden auch schon gefragt. Und wir haben alle 3 geschwiegen, weil wir dachten, wir dürfen es nicht sagen. Derjenige, der das Geheimniss hat, muss es von sich aus offenbaren und wird es tun, wenn es ihm so schlecht geht, dass er bereit ist sich zu öffnen und um Hilfe zu bitten und dann anzunehmen. Alles andere würde ihn nur stigmatisieren. So der (vieleicht abstruse) Gedanke.

    Ein weiterer Grund ist der, dass ich mir nach 7 Jahren Entdeckung seines Alkoholproblems (vor 7 Jahren wurde es mir bewußt, vieleicht bestand es schon länger?) immer noch nicht meiner Wahrnehmung traue. Was wenn ich das alles übertrieben sehe. Vieleicht trinkt er einfach nur gerne mal was und ist definitiv nicht alkoholabhängig. Und ich reite ihn da in was rein. Oute ihn als etwas, was er nicht ist. Tut mir leid, aber so empfinde ich. Und das würde ich nicht wollen.

    Und ein weiterer Grund ist natürlich auch, wie du es beschreibst, die Angst vor der Schuldzuweisung. Ich habe Angst, dass mich seine Familie verurteilt. Meine liebe und treue Freundin am Ort sagt dann immer "Was kümmert dich das. Du brauchst die nicht". Mei, die ist halt anders drauf wie ich. Ich kann schwer damit umgehen, dass man mir die Schuld an allem gibt. Reicht schon wenn meine eigene Mutter mir mal sagte, dass es kein Wunder sei, wenn mein Mann trinkt bei meinem egoistischen Verhalten (habe es damals gewagt mit meiner Freundin in den Urlaub zu fahren ). Und wie Du auch schon sagtest: Niemand, der je mit einem Alkoholabhängigen zusammengelebt hat kann nachempfinden, wie das ist.

    Ich denke auch, dass ich es ihr wohl sagen muss. Aber jetzt kann ich es noch nicht sagen. Ich muss mich noch weiter stabilisieren.

    Liebe Grüße!

  • Du musst gar nichts machen und ganz bestimmt nicht zurück zu ihm, er hat sich selbst dazu entschieden, dass er sich ruinieren möchte. Da es seine Schwester ist, die verstehen möchte, was mit ihm los ist, würde ich ihr sagen, was los ist und dann vielleicht auch einfach klar machen, warum du dich getrennt hast. Und sie kann dann auch selbst entscheiden, ob sie ihm auf dieser Basis tatsächlich helfen möchte.

    liebe MatildaWormwood , danke Dir!!! Bezüglich der Offenbarung seines Problems gegenüber seiner Schwester habe ich schon ausführlich geantwortet auf den Beitrag von dorothea . Ihr habt beide recht. und ich finde deinen letzten Satz, dass die Schwester das dann selbst entscheiden kann, sehr tröstlich. Aber wie gesagt, brauche ich noch etwas Zeit.


    Liebe Grüße!

  • nun, du mußt ihn ja nicht als alki bezeichnen. das zu beurteilen liegt eh in der regel bei ihm selbst. aber fakt ist, er hat sich in den letzten jahren immer öfter betrunken und ist dir gegenüber dann extrem geworden. wie auch immer. und das du damit einfach nicht länger umgehen kannst und willst. weil jede bitte das zu ändern ungehört blieb ist es ihm wohl egal. nicht mehr und nicht weniger.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Was wenn ich das alles übertrieben sehe. Vieleicht trinkt er einfach nur gerne mal was und ist definitiv nicht alkoholabhängig. Und ich reite ihn da in was rein. Oute ihn als etwas, was er nicht ist.

    Aber ist es nicht seine dauerhafte Trinkerei an sich, die Dich unglücklich macht, egal ober nun abhängig oder un-abhängig so trinkt, wie er trinkt?

  • Wie wäre es mit "weil er einen für mich zunehmend problematischen Umgang mit Alkohol an den Tag legt und daran nichts ändern möchte"?

    Mehr (wg.Trinkmengen etc. ) würde ich gar nicht ins Detail gehen, den Rest können die Geschwister dann ggf. unter sich ausmachen.

    So verschweigst Du nichts, lässt Dich aber auch auf keine Diskussionen ein.

  • Wie wäre es mit "weil er einen für mich zunehmend problematischen Umgang mit Alkohol an den Tag legt und daran nichts ändern möchte"?

    Das finde ich auch gut. Eine Sache, die ich durch das Forum begriffen habe, ist, dass wir uns viel zu oft und viel zu sehr auf die Frage der Abhängigkeit konzentrieren. Dabei sollte viel mehr unser eigenes Wohlbefinden im Vordergrund stehen: Das, was er/sie tut, macht mich unglücklich, Punkt. Warum er damit nicht aufhören will oder nicht kann, ist zweitrangig und kann von uns eh nicht beeinflusst werden.

  • Danke liebe Rennschnecke und liebe sorrowful . Gute Vorschläge. Ich muss ja weder.von Abhängigkeit reden noch von der Alkoholmenge. Auf die Idee wäre ich jetzt gar nicht gekommen. und gut dass du das geschrieben hast, sorrowful , mit dieser Fixierung auf die Abhänggkeit. Da lag immer mein Fokus drauf. Vieleicht weil das so eine Entgültigkeit bedeutet. Dann ist er definitiv Alkoholiker und ist es für den Rest seines Lebens. Auch wenn er trocken werden sollte.. Aber im Grunde ist es egal, denn die Wesensveränderung, wenn er trinkt und das Nichtsändern wollen ist ja das was uns unglücklich macht. Danke für die (für mich) neue Erkennnis.

    Liebe Grüsse!

  • Hallo, nun muss ich mir mal wieder was von der Seele schreiben. Vor einem Monat ist mein Mann ausgezogen und heute ist so ein Tag voller Selbstzweifel. Immer wieder flüstert mir ein Teufelchen ins Ohr: Das schaffst Du nicht alleine. Wenn ich mich dann frage, was vermisse ich an meinem alten Leben, dann muss ich ganz ehrlich sagen: Es ist die finanzielle Sicherheit und dass mir jemand alles Lästige abgenommen hat (Steuer, Versicherungen, Behördenkram etc.) . Nirgendwo kommt darin mein Mann als Mensch vor. Ich bin Zeit meines Lebens versorgt worden und habe das auch zugelassen, da ich glaubte mein Leben ginge ewig so weiter. Vom Elternhaus bin ich mit einer Freundin zusammengezogen (meine Freundin war eine Macherin und hat bestimmt wo es lang ging...und ich fand das angenehm) und dann habe ich vor 34 (!) Jahren meinen Mann kennengelernt und bin dann zu ihm gezogen. Gearbeitet habe ich nur 50% und hatte auch viele Jahre, als die Kinder kamen, wo ich nicht gearbeitet habe. Ganz schön blauäugig und erbärmlich. Nun steh ich da, voller Selbstzweifel, ob ich mein Leben alleine wuppen kann. Ich danke Gott, dass ich wenigstens diesen 50% Job habe (leider ohne Möglichkeit auf Stundenerhöhung). Da das auf Dauer nicht reicht, brauche ich einen Minijob. Heute habe ich ein Vorstellungsgespräch + Probearbeiten in einer Privatklinik im Gastrobereich der Klinik. Ich habe sowas noch nie gemacht und ich weiß jetzt schon, wenn ich scheitere, dann bin ich heute am Boden zerstört und mein Selbstvertrauen rutscht in den Keller. Ich bewundere all die Frauen hier, die schon immer finanziell unabhängig waren und sind. Überlege mir, ob ich das abschicken soll und mich als so unselbstständig und outen soll....aber es ist wie es ist. Ich muss der Wahrheit ins Auge sehen, in jeder Beziehung und überall.

    Liebe Grüße!

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