Nori - Alkoholikerin mit 35 Jahren

  • Hallo R/no,

    Danke dir. Deine Worte geben mir ein bisschen Hoffnung. Bei mir ist es nur so, dass jegliche Muskeln fast verschwunden sind. Früher war ich mal sportlich, jetzt hängt alles und ich habe fast keine Körperkraft mehr.
    Habe mir jetzt vorgenommen jeden Tag 30 Minuten Sportübungen zu machen.
    Gibt es keine Diagnose oder wartest du noch auf diese?

  • Das ist verständlich, Nori. Aber auch wenn Du jetzt entgiftet bist, wirkt der Alkohol noch lange nach, vor allem auf die Seele.

    Und am Ende ist Alkoholscht kein moralisches Versagen, sondern eine schwere psychische Erkrankung.

    Geißel Dich also nicht zu sehr, sondern schau vor allem nach vorn und stabilisiere Deine Abstinenz. Einen größeren Gefallen kannst Du auch Deinen Lieben nicht tun. Aber zuerst mal geht es um Dich.

    Wie sind Deine weiteren Pläne?

  • Einfach unten im Feld weiterschreiben. Wenn du zitieren willst kannst du direkt unter dem grauen Kästchen schreiben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Danke

    Ich war beim Orthopäden, Neurologen, Phlebologen, Aterienchirurg und vir zwei Tagen beim Betriebsarzt aber bisher sind alle ratlos. In meinen Beinen sind die Muskeln um gefühlt 50% zurück gegangen aber durch mein Training wird es langsam besser, am Oberkörper ist alles zurück, sogar noch besser als davor. Ich denke das der Muskelschwund schon durch den Alkoholkonsum kommt, in Kombination mit meinen Bandscheiben verursacht es wahrscheinlich meine motorischen Probleme. Ich muss nochmal ins MRT danach zum Neurologen den ich dann nochmal auf meine Krankheit hinweisen werde und dann weiß ich hoffentlich mehr. Bis dahin mache ich weiter meine Übungen/Sport, was auch meinem Kopf sehr gut tut.

    Mach auf jedenfall Sport, ess viel Quark oder andere Lebensmittel mit Proteinen

    Einmal editiert, zuletzt von R/no (27. Juni 2025 um 15:02)

  • Früher war ich mal sportlich, jetzt hängt alles und ich habe fast keine Körperkraft mehr.

    Leider geht Muskelabbau schnell. Mach erst mal kleine Einheiten und nimm dir nicht zu viel vor. Eine kleine Einheit immer um die selbe Uhrzeit kann aber auch ganz toll sein um wieder mehr Struktur in den Tag zu bekommen. Da schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe. Mach es erst mal leicht, damit es Spaß macht und du dich nicht so zwingen musst. Du bist jung, dann geht der Aufbau schneller als bei uns älteren Frauen.

  • Nori, bei chronischen Alkoholismus kommt es zu vielseitigen Mangelerscheinungen im Körper. Besonders Vitamin B1 ist davon betroffen, zuständig für die Versorgung und Aufbau von Nerven- und Muskelzellen. Deim Abbau von Alkohol hat die Leber einen erhöhten Verbrauch an B1, welches dann dem restlichen Körper nicht mehr zur Verfügung steht und das über eine lange Zeit.
    Du warst doch beim Arzt und ein Blutbild wurde gemacht. Besprich das mit deinem Arzt, er kann über differenzierte Blutuntersuchungen Mängel feststellen und die richtige Therapie einleiten. Wichtig ist jetzt auch eine gesunde Ernährung, viel Flüssigkeit trinken und Bewegung, eventuell auch Physiotherapie, die dir dein Arzt auch verschreiben kann.
    Das Allerwichtigste ist jetzt aber, dass du 100% abstinent bleibst. Da kannst nur du ganz viel für dich tun und dein Körper wird es dir danken, denn viele Mangelerscheinungen sind reversibel.
    Wie sieht den dein Tagesablauf derzeit aus, wie ist dein Plan, was hast du schon verändert?

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Was meine nächsten Pläne sind, gute Frage.
    Ich habe ja keine Entzugserscheinungen und merke, dass ich keinen Alkohol brauche.

    Warum ich nicht schon früher aufgehört habe: keine Ahnung.

    Ich bin gerade eher dabei mit den Folgeschäden zurechtzukommen.

    Ich habe am Dienstag einen MRT Termin, weil bei mir zwei Arterien im Kopf nicht mehr miteinander verbunden sind.

    Am Mittwoch dann nochmal einen Termin für ein PET CT.

    Dies hat aber laut den Ärzten nichts mit meinem Alkoholkonsum zu tun sondern ist einfach Pech.

    Trotzdem erhoffe ich mir viel von diesen Terminen und möchte diese erstmal abwarten.

    Ansonsten natürlich weiterhin keinen Alkohol mehr trinken, versuchen wieder Sport zu treiben und positiver in die Zukunft zu blicken.

    Ich habe auch meine tägliche Hygiene vernachlässigt was mir sehr unangenehm ist. Daran arbeite ich zur Zeit auch.

    Denn Haushalt habe ich auch vernachlässigt also wird zur Zeit viel geputzt und ausgemistet.

    Natürlich sind auch Phasen dabei in denen ich nur in die Luft schau und mir Vorwürfe mache. Dann bekomme ich nichts auf die Reihe.
    Hoffe dass ich diese Phasen bald überspringen kann.

    Ansonsten gehe ich viel mit meine Hunden spazieren, die geben mir sehr viel Kraft und Halt.

  • Danke dir!
    Es tut mir schon mal gut zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin.
    Deine Antwort hat mich sehr motiviert, werde auf jeden Fall dran bleiben und versuchen disziplinierter Sport zu treiben.

  • Ich habe ja keine Entzugserscheinungen und merke, dass ich keinen Alkohol brauche.

    Enzugserscheinungen können bei körperlicher Abhängigkeit während des Entzuges auftreten, müssen aber nicht. Die psychische Abhängigkeit bleibt jedoch ein Leben lang, Nori.

    Ich weiß nicht, ob ich es evtl. falsch interpretiere, aber bei Dir liest es sich ein bisschen so wie: Alkohol ist für mich kein Thema mehr, nur noch die Folgeschäden.

    Ganz so einfach ist es nicht, eine Grunderfahrung in diesem Forum lautet: Nur nicht trinken reicht nicht.

    Wie bist Du denn in die Sucht gerutscht? Und was trinkst du jetzt?

  • Mangelerscheinungen sind reversibel.
    Wie sieht den dein Tagesablauf derzeit aus, wie ist dein Plan, was hast du schon verändert?

    Aber auch die Muskelmasse und die faltige Haut? 😓.

    In der ersten Woche in der ich nüchtern war hat sich eigentlich nicht viel verändert. Ich habe meine Aufgaben erledigt und dann dumm in die Luft geschaut, mir Vorwürfe gemacht, viel geweint.
    Diese Phasen sind inzwischen weniger geworden.

    Mein Tagesablauf schaut ungefähr so aus:

    Ich stehe auf, trinke einen Kaffee. Füttere die Hunde und gehe eine Runde.
    Danach kommen die Hühner.

    Was wieder neu dazugekommen ist, ich gehe vor der Hunderunde erstmal ins Bad, putze Zähne, mache mir einen ordentlichen Zopf und die tägliche Gesichtsreinigung (Habe das 2 Jahre vernachlässigt).

    Dann setzte ich mich an meinem PC und mache so drei/vier Stunden Home Office.
    Jetzt steht eine Flasche Wasser davor und vorher hat ich, meistens um 10:00 Uhr schon mein erstes Bier (ging auch ungefähr so 3 Jahre).

    Inzwischen esse ich eine Kleinigkeit zu Mittag.

    Dann mach ich „jetzt“ (mit Alkohol habe ich gar nichts getan) ein bisschen Haushalt.

    Danach eine große Runde mit den Hunden (früher einfach nur in den Garten gelassen um weiter trinken zu können).

    Trinke dann einen Kaffee und mach noch ein bis zwei Stunden Home Office.

    Dann Abendessen, Hunde füttern und dann lesen, Podcast hören oder fernsehe schauen aber inzwischen alles ohne Alkohol.

    Ich glaub das war es im Großen und Ganzen….

    Die Sportübungen möchte ich aber regelmäßiger in meinen Alltag integrieren, da bin ich ehrlicherweise noch etwas nachlässig.

    Die Antworten von R/no gaben mir tatsächlich einen Motivationsschub

  • Ich weiß nicht, ob ich es evtl. falsch interpretiere, aber bei Dir liest es sich ein bisschen so wie: Alkohol ist für mich kein Thema mehr, nur noch die Folgeschäden.

    Ich glaube Alkohol wird immer ein Thema für mich bleiben aber ich will ihm nicht mehr so viel Raum im Leben geben.
    Und ich gebe dir Recht, bis jetzt bin ich noch nicht über den Berg. Vielleicht rede mich dass auch bisschen schön aber so fällt es mir leichter damit umzugehen.

    Und Alkohol will ich einfach nicht mehr trinken, es hat so viel zerstört.

  • Wie bist Du denn in die Sucht gerutscht? Und was trinkst du jetzt?

    Dies ging irgendwie schleichend.
    Meine Eltern haben auch schon immer viel getrunken aber ihr Leben auf die Reihe bekommen. Mein Papa war auch in leitender Position und hat gut verdient. Bin also irgendwie mit Alkohol aufgewachsen.

    Will aber um gottes Willen nicht meinen Eltern die Schuld geben. Ich hatte eine gute Kindheit und es hat mir an nichts gefehlt.

    Ich komm vom Land und irgendwie war es normal, dass man mit 14 Jahren auf Dorffesten trinkt.

    Dann kam die Studienzeit und dann ging es richtig los. Hab nebenbei in einer Weinbar gearbeitet und irgendwie war Alkohol was völlig normales.
    Wir haben uns tatsächlich öfters zum lernen gegen Mittag getroffen und dann schon ein Bier geext um den Kater von gestern zu bekämpfen.

    Als ich meinen ersten Job angetreten habe, habe ich tatsächlich weniger getrunken. Aber ein zwei Feierabendbier mit den Kollegen ging immer.

    Na ja dann habe ich meinen Partner kennengelernt.
    Bin irgendwann zu ihn nach H. *edit* gezogen und dort bin ich auch nie wirklich angekommen.

    Irgendwann haben wir uns ein Haus in MV gekauft. Habe dann einen Job angefangen, der eigentlich nichts für mich war.

    Dann kam Corona und ich habe eine Stelle im Home Office angefangen und irgendwie war ich unglücklich mit der Situation. Ich wollte eigentlich Kinder aber mein Partner (er *edit* jünger als ich) war noch nicht bereit dazu.
    Er *edit* war nur noch alle 2 bis 3 Wochen daheim. In den Semesterferien hat er gearbeitet und war nur am Wochenende zu Hause.

    Mit dem Studium ist er bald fertig und so Stolz und will dann endlich eine neues Leben mit mir anfangen…

    Na ja nur bin ich in der Zeit zum vollen Wrack geworden.

    Es war einfach so leicht, man konnte daheim bleiben, sich den ganzen Tag betrinken und die Sorgen und Selbstzweifel einfach wegsaufen.

    Ich mach kurz mal eine Pause mit dem Schreiben und melde mich gleich nochmal

  • Also wie gesagt, es war ein schleichender Prozess und ich hatte oder habe sicher immer noch Depressionen.
    Im August 2024 waren dann Freunde bei mir zu Besuch und einem ist aufgefallen, dass ich plötzlich ganz dunkel und viele Nasenhaare habe und ein ziemlich rotes Gesicht.

    Hatte damals schon öfters Magen-Darm-Problem, mal Herzrasen oder kurze starke Schmerzen im Oberbauch.
    Ich habe dies aber immer auf den Stress bezogen, zu dieser Zeit und davor habe ich ziemlich viel gearbeitet.
    Wir haben in Eigenregie Haus und Hof renoviert, musste alleine die Tiere versorgen, hatte durch den Umzug kaum Freunde vor Ort.
    Alle bekamen Kinder und hatten ihre Familien und Freunde vor Ort.

    Bin schon im Jahr 2022 in Selbstmitleid verfallen und habe mich darin gesuhlt und mir gesagt: komm trink doch einfach, dann geht es dir besser und wenn dein Partner fertig ist mit dem Studium wird sich alles ändern.

    Und dann gab es wirklich keinen Tag mehr ohne Alkohl und dann auch schon zum Frühstück.

    Kann es mir bis heute selber nicht erklären.

    Na ja Ende August hatten sich meine Zähne rapide verschlechtert aber immer noch kein Grund endlich mit dem Saufen aufzuhören. Ich habe tatsächlich noch mehr getrunken…

    Kurze Paus 😓

  • Bin schon im Jahr 2022 in Selbstmitleid verfallen und habe mich darin gesuhlt und mir gesagt: komm trink doch einfach, dann geht es dir besser

    Eine ganz wichtige Erkenntnis, Nori. Nasse Alkoholiker finden immer einen "Grund" zum Saufen, vor allem Selbstmitleid ("ich arme Sau", kurz: IAS).

    Dabei sind es nur willkommene Saufanlässe für den eigentlichen Grund: die Sucht.

  • Die Antworten von R/no gaben mir tatsächlich einen Motivationsschub

    Das freut mich ehrlich! Wir bekommen das hin, ich hab zumindest ein gutes Gefühl das meine motorischen/Muskel Probleme verschwinden oder wenigstens eine Verbesserung eintritt.

    Wir müssen nur geduldig sein, ich habe ca. 40 Jahre Alkohol getrunken, jetzt braucht der Körper seine Zeit um alles wieder zu reparieren, in ein paar Wochen wirst du erste Erfolge sehen, sei geduldig es lohnt sich.

    LG R/no

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