• Trotzdem werden trockene Alkoholiker rückfällig. Nicht, weil plötzlich ein Grund auftaucht – sondern weil vorher etwas anderes passiert.

    Dazu habe ich als Neueinsteiger einmal eine (evtl für euch naive) Frage: "Heute trinke ich nicht" wird hier ja recht häufig genannt und so wie ich es den Schilderungen der UserInnen entnehme ist dieser auch erfolgreich.

    Ist es nicht aber so, wenn ich mir den Satz täglich sage um mich über den jeweiligen Tag zu "retten", mein Sucht Gedächniss darauf konditioniere oder besser gesagt legitimiere: Du kommst irgendwann schon zu deinem Recht . Rückfall also im wahrsten Sinne vorprogrammiert?

    LG

  • Hi Gaarder,

    mir hat der Satz ganz am Anfang, also in den ersten Wochen, einfach geholfen, nicht zu denken "oh mein Gott, ich darf mein Leben lang nie wieder trinken".

    Hab auch schon von Leuten gehört, die ihn bei Suchtdruck auf "die nächsten fünf Minuten trinke ich nicht" runtergebrochen haben und das dann beispielsweise 3x hintereinander, bis das Schlimmste vorüber war.

    Ich finde, kleine, erreichbare Ziele motivieren gerade am Anfang mehr, da man sofort das ganze Leben eh nicht überblicken kann und dann vielleicht eher denkt "40 Jahre nix trinken, aussichtslos, da kann ich auch sofort wieder saufen".

    Es wird ja mit der Zeit auch leichter, wie ich von mir berichten kann. Auch wenn ich selbst erst 14 Monate trocken bin, denke ich den Satz nicht (mehr) jeden Tag, aber doch zumindest vor den Wochenenden.

    VG Soapstar

  • Vielleicht denkt sich aber das Suchthirn auch: Morgen will er sicher auch nicht trinken….und wird immer leiser und leiser.

    Für mich ist der Satz gerade am Anfang der Abstinenz sehr wichtig gewesen. Da habe ich mich sehr aufs jetzt und hier fokussiert. Kein aber, kein Morgen usw.

  • Heute trinke ich nicht! Das ist ein überschaubarer Zeitrahmen und klang zu Beginn meiner Abstinenz besser wie "Nie wieder!" Nie wieder klang mir zu unübersichtlich für meine Abstinenz. Nur heute nicht war einfacher und daraus wurden Wochen und Monate.

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

    Trocken seit 11.07.2025

  • Ist es nicht aber so, wenn ich mir den Satz täglich sage um mich über den jeweiligen Tag zu "retten", mein Sucht Gedächniss darauf konditioniere oder besser gesagt legitimiere: Du kommst irgendwann schon zu deinem Recht .

    So hätte es sich für mich persönlich angefühlt. Deshalb bin ich anders an die Sache heran gegangen. Ich habe mir von Anfang an gesagt „Ich werde für den Rest meines Lebens kein Alkohol mehr trinken, nie wieder“.

    Mir hat gerade dieses endgültige unglaublich viel Erleichterung verpasst.

    Ich habe hier aber schon oft gelesen, dass dieses „heute trinke ich nicht“ sehr hilfreich für manche User ist oder war und dann ist es auch genau richtig, es so zu machen.

    Es gibt halt unterschiedliche Empfindungen zu gewissen Themen die Alkoholsucht betreffend. Ich finde es spannend zu lesen, was User hier berichten, was ihnen leichter fällt oder sogar zwingend nötig ist, um sich wohl zu fühlen. Wichtig ist, einen Weg zu finden, trocken zu bleiben. Wie der aussieht entscheidet jeder für sich selbst.

    LG Cadda

  • Ist es nicht aber so, wenn ich mir den Satz täglich sage um mich über den jeweiligen Tag zu "retten", mein Sucht Gedächniss darauf konditioniere oder besser gesagt legitimiere: Du kommst irgendwann schon zu deinem Recht . Rückfall also im wahrsten Sinne vorprogrammiert?

    Die Frage finde ich gar nicht naiv.

    Heute trinke ich nicht“ war bei mir am Anfang durchaus mal ein Durchhalte-Mantra. Gerade ganz am Anfang. Jahrzehntelanges Saufen lässt sich ja gedanklich nicht sofort abstellen, nur weil ich das Glas weggestellt habe. Wenn der Gedanke ans Saufen aufkam, ging es darum, trocken zu bleiben, nicht um Philosophie.

    Wenn der Satz allerdings im Kopf bedeutet: „Heute nicht, aber irgendwann komme ich schon wieder dran“, dann wäre er für mich gefährlich. Denn allein wenn ich so denke, habe ich mir im Hirn schon etwas gepflanzt oder vom Suchthirn pflanzen lassen.

    Die Erkenntnis, Alkoholiker zu sein, war für mich final. Damit war auch die Entscheidung grundsätzlich gefallen: Ich trinke nicht mehr.

    Heute“ war ja am Anfang nur der Zeitraum, den ich tatsächlich beeinflussen konnte. Mal so gesagt: Morgen kann ich heute sowieso nicht trocken bleiben. Wenn morgen da ist, ist es wieder heute. Das Suchthirn bekommt damit keinen späteren Termin im Kalender, sondern jeden Tag dieselbe geschlossene Tür.

    Ich hoffe, mein Kauderwelsch versteht jeder.:saint:

    Heute weiß ich nicht mal mehr, wann ich den Satz zuletzt bewusst gebraucht habe. Der ist irgendwo im Alltag verschwunden. Natürlich gibt es trotzdem Tage, an denen die Sucht lauter wird. Ganz weg ist sie für mich nicht.

    Aber auch dann ist „Heute trinke ich nicht“ nur dann mehr als ein Kalenderspruch, wenn das Fundament stimmt, die Erkenntnis, dass ich Alkoholiker bin und Alkohol für mich keine Option mehr ist.

    Fehlt dieses Fundament, kann ich mir den Satz auch dreimal täglich an den Kühlschrank kleben. Dann verwalte ich vielleicht nur den Saufdruck, statt meine Sucht wirklich anzunehmen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Heute“ war ja am Anfang nur der Zeitraum, den ich tatsächlich beeinflussen konnte. Mal so gesagt: Morgen kann ich heute sowieso nicht trocken bleiben. Wenn morgen da ist, ist es wieder heute. Das Suchthirn bekommt damit keinen späteren Termin im Kalender, sondern jeden Tag dieselbe geschlossene Tür.

    Das ist echt gut.

    Für mich bedeutet der Satz auch : „Heute trinke ich nicht!“
    dass ich mir heute die Freiheit rausnehme nicht zu trinken. Weil in der Zeit vom Saufen hatte ich diese Freiheit nicht und konnte sie mir nicht nehmen! Ich musste trinken.
    (…)


    Und zum Thema Rückfall:
    für mich ist es auf jeden Fall die Einstellung. Wenn man sich garkeine Grenzen setzt oder nach kürzerer oder längerer Zeit der Abstinenz, bzw. größeren Trinkpausen denkt, dass alles in Ordnung ist und man wieder ‚normal‘ trinken kann ….
    Für mich muss klar sein, ohne mich selbst zu belügen:
    Ich bin Alkoholiker , Ich trinke nie mehr!

  • Mich hielt dieses „ nie wieder“ lange davon ab, mit dem Trinken aufzuhören, weil es mir Angst machte. Es war noch der Gedanke da, auf etwas zeitlebens verzichten zu müssen.
    Diese Angst nahm mir dann anfangs der Gedanke raus : „Ich kann ja, wenn ich will- ich möchte aber nicht“.

    Wohlwissend natürlich, dass jeder 1. Schluck mich wieder dahin bringt, wo ich vorher geendet habe und das wollte ich nicht. Es nahm mir aber den Druck raus.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

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