• Weiter im Text.

    Was mir über die Jahre immer wieder aufgefallen ist: Da wird analysiert, wissenschaftlich auseinandergenommen, der neueste Podcast gehört, die nächste Erkenntnis gesucht und wieder irgendeine Theorie diskutiert.

    Da frage ich mich manchmal: Wozu eigentlich? Was davon brauche ich konkret, um heute trocken zu bleiben?

    Natürlich kann es interessant sein, sich mit neuen Erkenntnissen über die Sucht zu beschäftigen. Nur muss ich deshalb nicht jede neue Erklärung gleich auf meine eigene Abstinenz übertragen. Ob irgendwelche Neurotransmitter dieses machen und die Neuronen jenes veranstalten, mag wissenschaftlich durchaus interessant sein. Nur hat mich dieses Wissen nicht trocken gemacht.

    Ich musste verstehen, dass ich alkoholabhängig bin, wie meine Sucht grundsätzlich funktioniert und welche Konsequenzen ich daraus ziehen muss. Und dann musste ich entsprechend handeln. Das war für mich der entscheidende Punkt.

    Und manchmal frage ich mich schon: Wenn jemand seit Jahren trocken ist, zufrieden lebt und für sich einen funktionierenden Weg gefunden hat, warum muss er sich dann ständig mit neuen psychologischen Modellen, Podcasts und Erklärungen beschäftigen? Aus Interesse? Kann ich eventuell noch verstehen. Weil er sie für seine Abstinenz braucht? Oder weil er immer noch nach Erklärungen für seine eigene Sauferei sucht? ;)

    Da würde ich schon genauer nachfragen.

    Denn wenn mein Weg funktioniert, muss ich ihn doch nicht bei jeder neuen Erkenntnis wieder auf den Prüfstand stellen. Ich muss meine Sucht auch nicht wissenschaftlich bis in die letzte Gehirnzelle zerlegen, um keinen Alkohol mehr zu trinken.

    Das ist doch wie mit dem Rad. Das muss auch nicht ständig neu erfunden werden. Man kann es verbessern, hier etwas verändern, dort etwas ergänzen, damit es vielleicht noch runder läuft. Aber am Ende bleibt es ein Rad. Und Alkoholabhängigkeit gab es sogar schon, bevor irgendjemand auf die Idee kam, eines zu erfinden. :whistling:

    Natürlich wissen wir heute wesentlich mehr darüber, was bei einer Sucht im Gehirn passiert. Nur ändert das nichts daran, dass ich als Alkoholiker keinen Alkohol mehr trinken kann. Ich muss meine Trockenheit schließlich nicht bei jeder neuen Erkenntnis neu erfinden. Ich bin Alkoholiker. Deshalb saufe ich nicht mehr.

    Und wenn morgen jemand wissenschaftlich herausfindet, warum das Rad rund ist, muss ich deshalb noch lange keine eckigen Räder ausprobieren. Obwohl das vielleicht sogar Spaß machen könnte. Nur meine Sucht versteht keinen Spaß. Die will saufen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

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    Hin und wieder frage ich mich schon, wie der eine oder andere eigentlich mit seiner Sucht umgeht. Da wird philosophiert, psychologisiert, analysiert und diskutiert, bis die Schwarte kracht. Der eine lehnt Dogmen ab, der Nächste braucht keine Regeln, wieder einer hält Risikominimierung für übertrieben. Schließlich ist jeder anders, hat seinen ganz persönlichen Weg und lässt sich sowieso nichts vorschreiben. ;)

    Kann man alles machen. Nur interessiert das die Sucht einen Kehrricht

    Der Suchtmechanismus fragt nicht danach, ob ich meine Alkoholabhängigkeit philosophisch, psychologisch oder mit irgendwelchen Motivationssprüchen betrachte. Dem ist völlig egal, welche Lebensweisheit ich mir gerade zurechtgelegt habe.

    Ich kann meine Sucht auch dreimal umbenennen, ihr einen schicken psychologischen Begriff verpassen und anschließend erklären, warum bei mir sowieso alles anders ist. Alkoholiker bleibe ich trotzdem. So ein Mist aber auch. ;)

    Und genau deshalb braucht meine Sucht klare Grenzen. Nicht, weil ich besonders gerne nach Regeln lebe, sondern weil mir meine nasse Zeit ziemlich eindrucksvoll gezeigt hat, wie hervorragend ich damals mit Grenzen umgehen konnte. Nämlich gar nicht.

    Da wurde verhandelt, verschoben, gerechtfertigt und sich selbst belogen. Und wenn die Grenze im Weg stand, wurde sie eben versetzt. Irgendeinen passenden Grund fand mein Saufhirn schließlich immer. Und heute soll ich ausgerechnet mit diesem Saufhirn darüber diskutieren, welche Regeln mir gefallen und welche nicht? Da kann ich mir die Flasche auch gleich wieder auf den Tisch stellen und fragen, ob wir uns diesmal vielleicht besser vertragen.

    Ich habe damals jedenfalls nicht aufgehört zu saufen, weil ich irgendeine besondere Weisheit entdeckt oder mir täglich einen Motivationsspruch vor den Spiegel gehängt habe. Ich wurde Alkoholiker, hatte meine Grenzen längst überschritten und stand irgendwann vor einer ziemlich einfachen Entscheidung: Aufhören oder verrecken. Da gab es für mich nichts mehr schönzureden.

    Ich musste verstehen, was mit mir los war, erkennen, was ich ändern musste, und dann auch entsprechend handeln. Natürlich kann sich jeder mit seiner Sucht auseinandersetzen, Fragen stellen und versuchen, Zusammenhänge zu verstehen. Habe ich schließlich auch gemacht. Nur sollte irgendwann aus der ganzen Erkenntnis auch etwas werden.

    Denn zwischen dem Wissen, was richtig wäre, und dem tatsächlichen Handeln liegt manchmal ein ziemlich großer Haufen Ausreden. Und die Sucht ist bekanntlich ein ausgesprochen guter Lieferant dafür. Ich brauche heute keine tägliche Motivation, um keinen Alkohol zu trinken. Ich brauche auch keine neue Philosophie, die mir nach fast zwanzig Jahren erklärt, warum ich eigentlich trocken bin.

    Ich bin Alkoholiker. Deshalb saufe ich nicht mehr.

    Die Risikominimierung gehört für mich dazu. Nicht als Strafe, nicht als Dogma und schon gar nicht, weil mir jemand etwas vorschreibt. Sondern weil ich weiß, wohin mich meine Sucht gebracht hat und was passiert, wenn ich wieder anfange, mir Ausnahmen zu erlauben. Ob jemand das nun für altmodisch, übertrieben oder zu einfach hält, darf er gerne selbst entscheiden.

    Meine Sucht interessiert nicht, was ich über sie denke oder wie schön ich sie mir erkläre. Sie interessiert nur, ob ich ihr wieder eine Tür öffne. Und die bleibt zu. Da gibt es nichts zu verhandeln.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

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    Wenn jemand neu ins Forum kommt und sich mit der Bezeichnung Alkoholiker noch schwertut, kann ich das durchaus nachvollziehen. Aber irgendwann sollte auch klar sein, womit man es zu tun hat.;)

    Als ich damals hier angekommen bin, war für mich jedenfalls klar, dass ich Alkoholiker bin. Ich hatte weder das Bedürfnis, mir eine andere Bezeichnung zu suchen, noch mich irgendwie umzudefinieren, nur weil das Wort Alkoholiker angeblich schambehaftet, stigmatisierend oder unpassend ist.

    Was ich mich allerdings frage: Wenn ich mich einmal klar als Alkoholiker erkannt und auch so bezeichnet habe, warum muss ich mich dann irgendwann wieder umetikettieren? Warum plötzlich schönere Begriffe suchen, damit sich das Ganze nicht mehr so hart anhört? Für mich ist das "nasses Geschwätz". Beschönigen, schönreden, sich etwas vormachen.

    Genau so kenne ich meine Sucht. Die sucht sich gerne einen Weg, auf dem alles wieder ein bisschen harmloser aussieht. Ich bin Alkoholiker. Fertig und gut ist.

    Natürlich kann ich mir heute auf YouTube, in Podcasts oder sonst wo Erklärungen und Wohlfühlmodelle suchen, bis ich etwas finde, das sich angenehmer anhört und besser zu meinem Empfinden passt. Dazu noch die neuesten psychologischen Erkenntnisse, ein bisschen Selbstfindung und ab in die persönliche Wohlfühloase. Nur interessiert das meine Sucht einen Sch***dreck.

    Ob ich mich heute gut fühle, mit meiner Sucht im Reinen bin oder glaube, alles im Griff zu haben, sagt noch lange nichts darüber aus, was morgen in meinem Kopf los ist. Heute macht mir etwas nichts aus. Morgen sieht die Sache vielleicht schon anders aus.

    Mag für den einen oder anderen hilfreich sein. Nur hat sich die Rückfallquote wenig davon beeindrucken lassen, ob ich mich Alkoholiker nenne oder mir irgendeine angenehmere Bezeichnung dafür suche. Meine Alkoholabhängigkeit verschwindet jedenfalls nicht, nur weil ich ihr einen schöneren Namen gebe, mich spirituell neu entdecke oder gedanklich in irgendein Wohlfühl-Zen-Kloster zurückziehe.

    Wer seine innere Mitte finden möchte oder durch Spiritualität und andere Maßnahmen sein Leben angenehmer gestaltet, soll das gerne tun. Das ist hier gar nicht das Thema. Ich will das weder kritisieren noch irgendjemandem absprechen.

    Nur sollte man das nicht mit dem Umgang mit einer Suchterkrankung verwechseln.

    Für mich zählt, dass ich weiß, womit ich es bei meiner Sucht zu tun habe, die Konsequenzen daraus ziehe und entsprechend handle.

    Denn trocken bleibe ich nicht durch schöne Gedanken, sondern durch das, was ich tue.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Zitat in der Vorstellung : „Ich stelle mir als Alkoholiker etwas anderes vor, als ich es bin“.
    „Die Alkoholabhängigkeit hat viele Gesichter“.

    Es gibt nicht den besseren oder schlechteren Alkoholiker und die Suchtmechanik bleibt die Gleiche. Der eine schafft den Absprung eher, der andere erst kurz vorm abnippeln und viele schaffen es nie. Das ist das wahre Gesicht, welches die Sucht zeigt.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Es gibt nicht den besseren oder schlechteren Alkoholiker und die Suchtmechanik bleibt die Gleiche.

    Eben. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit. Ob einer noch funktioniert oder schon alles verloren hat, ändert daran nichts. Ich habe mir früher auch etwas anderes unter einem Alkoholiker vorgestellt als mich selbst. Den dauerbesoffenen Typ auf der Parkbank, morgens schon die Flasche in der Hand.

    Solange ich noch arbeitete, meine Rechnungen bezahlte und halbwegs funktionierte, konnte ich mir wunderbar einreden, dass ich damit nichts zu tun habe.

    Nur hat das meine Sucht herzlich wenig interessiert.

    Alkoholabhängigkeit hat tatsächlich viele Gesichter. Der eine verliert alles, der andere funktioniert noch jahrelang. Deshalb ist es aber keine andere Krankheit. Bei Krebs käme ich schließlich auch nicht auf die Idee, die Diagnose umzubenennen, nur weil jemand weniger Symptome hat als ein anderer.

    Entscheidend war für mich irgendwann die Erkenntnis, dass ich mit Alkohol nicht umgehen kann. Und daraus musste ich meine Konsequenzen ziehen.

    Allerdings werde ich niemanden überreden, sich als Alkoholiker zu bezeichnen. Diese Einsicht muss von einem selbst kommen. Was man sich nur einreden lässt, bringt einen erfahrungsgemäß nicht besonders weit.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut ,

    Danke für deine klaren Worte hier .

    Ich habe mich jahrelang nicht als Alkoholikerin gesehen . Konnte ich doch wochenlange Pausen einlegen zwischen meinen tagelang dauernden Abstürzen .

    Alkoliker waren für mich die , die Alkohol jeden Tag tranken .

    In meiner späteren SHG habe ich mich auch genau so mit dieser Meinung vorgestellt .

    Mit mir wurde sofort Tacheles geredet mit klaren Aussagen so wie deine hier.

    Tatsächlich war nur ein einziges Gruppenmitgleid so wie ich Quartalssäufer .

    Die besseren Alkoholiker waren wir deshalb nicht .

    Ich fand mein Leben , meinen krankhaften Umgang mit dem Alkohol schlimm genug sonst hätte ich mir keine Hilfe in einer SHG gesucht .

  • Ich war anfangs auch irritiert wie hartnäckig die Bekenntnis Alkoholiker verlangt wird. Nicht dass ich mich nicht so sah, vielmehr war ich durch einen für Frauen ins Leben gerufenen Podcast zum Thema, beeinflusst gewesen.

    Da hieß es wir bezeichnen uns bewusst nicht als Alkoholiker, weil das Wort mit Vorurteilen behaftet ist und man es sich ja nicht unnötig schwer machen muss.

    Bei manchen Neuen, die sich dagegen wehren denke ich oft: ah du hast den Podcast bzw. Bücher von N.... auch gelesen. Los trau dich es zu sagen, hier ist es so wunderbar.

    Letztendlich war aber die klare Bekenntnis der Befreiungsschlag denn es gibt nicht schönzureden.

  • Da hieß es wir bezeichnen uns bewusst nicht als Alkoholiker, weil das Wort mit Vorurteilen behaftet ist und man es sich ja nicht unnötig schwer machen muss.

    Natürlich ist das Wort Alkoholiker mit Vorurteilen und Stigmatisierung behaftet. Ich war da früher nicht anders und hatte auch mein ganz eigenes Bild davon.

    Aber ich muss doch auch wissen, wo ich hier aufschlage. Über dem Forum steht schließlich „Alkoholiker“. Wenn ich mich dort anmelde, muss doch vorher schon irgendetwas in meinem Kopf passiert sein. Oder melde ich mich als Nichtalkoholiker in einem Alkoholikerforum an, um erst einmal zu prüfen, ob ich vielleicht einer bin?

    Nee. Da hatte ich längst sämtliche Alkoholikertests gemacht, mir Ausreden zurechtgelegt und die Sache von allen Seiten beleuchtet.

    Wenn ich Hämorrhoiden habe, ist mir der Gang zum Proktologen vielleicht auch unangenehm. Trotzdem muss ich mich mit dem Problem auseinandersetzen. Ich diskutiere ja dort auch nicht erst darüber, ob mir die Bezeichnung Hämorrhoiden gefällt.

    War ich erleichtert, als ich mich als Alkoholiker erkannt habe? Nö. Ist mir eine riesige Last von den Schultern gefallen? Auch nicht. Ich habe schlicht akzeptiert, dass meine Krankheit einen Namen hat. Fertig. Bin ich deshalb heute froh, entspannt oder gar stolz darauf? Natürlich nicht. Es bleibt eine Krankheit.

    Entscheidend war für mich etwas anderes. Ich musste begreifen, was dieser Name für mich bedeutet. Nämlich, dass ich nie wieder zu einem normalen Trinkverhalten zurückkehren kann. Und genau darum geht es. Nicht um die Wirkung des Wortes auf andere, sondern um die Einordnung für mich selbst.

    Schön ist das nicht. Muss es auch nicht sein.

    Es ist eben so, wie es ist.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

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    Herzprobleme? Ab zum Augenarzt. Brötchen und Teilchen? Auf zum Metzger. Beide meinten, ich wäre bei ihnen falsch. Idioten, oder? ;) Also bin ich zum Kardiologen und zum Bäcker. Geht doch!

    Nur bei meiner aktiven Sucht, als ich noch gesoffen habe, habe ich es genau andersherum gemacht. Da habe ich mir ausgerechnet die Leute als Ratgeber ausgesucht, die von Alkoholabhängigkeit keine Ahnung hatten. Hauptsache, ihre Antworten passten zu dem, was ich hören wollte, damit ich weitersaufen konnte.

    Erst als ich wirklich trocken werden musste, habe ich angefangen, auf diejenigen zu hören, die wussten, wovon sie reden.

    Und trotzdem bleiben solche Sprüche nicht aus. „Ach, bei dir war es doch gar nicht so schlimm.“ „Du bist doch kein Alkoholiker.“ „Trink halt weniger und reiß dich zusammen". Manchmal sogar aus der eigenen Familie oder vom Partner. Nicht unbedingt böse gemeint. Aber Ahnung von Alkoholabhängigkeit steckt oft nicht dahinter.

    Wobei ich früher selbst ein Meister darin war, meinen Angehörigen Geschichten aus Tausendundeiner Nacht aufzutischen. Glaubhaft, überzeugend und mit einer Darbietung, für die manche Schauspielschule vermutlich noch Geld verlangt hätte.

    Mein Saufhirn brauchte keinen Unterricht. Das ging aus dem Effeff.

    Und warum sollte ich heute meine Abstinenz davon abhängig machen, ob andere sie anerkennen oder gut finden? Manche meinen es ehrlich. Andere sagen es vielleicht aus Höflichkeit. Und die alten Saufkumpane? Die heuchelten mir zwar vor, dass sie meine Abstinenz toll fanden, aber in Wirklichkeit war ihnen das gar nicht so recht. Schließlich hatten sie immer mitgesoffen. Und wenn ich plötzlich trocken werde, müssten sie sich womöglich noch mit ihrem eigenen Trinkverhalten beschäftigen. ;)

    Dann wird man eben mit der Zeit aussortiert. Sauffreunde sind meistens solange Freunde, wie das Bier kalt und der Nachschub gesichert ist. Danach wird es oft erstaunlich still.;)

    Nur mein Saufhirn hört bei solchen Sprüchen gerne mit: „Siehste, so schlimm war es doch gar nicht.“ Und genau da liegt für mich die Gefahr. Wenn ich wieder anfange, auf solche Sprüche zu hören, mein altes Umfeld beibehalte und mir einrede, dass schon alles gut gehen wird, mache ich meiner Sucht die Tür wieder einen Spalt auf.

    Deshalb geht es bei der Risikominimierung nicht nur darum, keinen Alkohol zu trinken, sondern auch darum, mir ein Umfeld zu schaffen, das mich dabei unterstützt. Gerade im ersten Jahr, wenn ich meine Abstinenz erst einmal stabilisieren muss.

    Risikominimierung. Risikominimierung. Und nochmals Risikominimierung. Amen :saint:

    Ist das immer angenehm? Nö. Geht es einem manchmal auf die Nerven? Absolut. Und natürlich kann ich nicht jedes Risiko vermeiden. Aber die Risiken, die ich erkenne, kann ich minimieren.

    Wenn ich sie trotzdem bewusst eingehe und mir dabei erzähle: „Wird schon gut gehen“, dann fange ich wieder an, mit meiner Sucht zu verhandeln. Und warum ich überhaupt aufgehört habe zu saufen, rückt dabei langsam immer weiter in den Hintergrund.

    Natürlich kann ich ausprobieren, wie weit ich damit komme. Nur kennt meine Sucht das Ergebnis dieses Experiments aus der Vergangenheit bereits. Ergebnis dieses Experiments schon längst ials Möglichkiet abgheftetet

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hi Ihr,

    sondern auch darum, mir ein Umfeld zu schaffen, das mich dabei unterstützt.

    ich erwarte von meinem Umfeld nicht im eigentlichen Sinne das es mich bezüglich meiner Abstinenz unterstützt. Dafür bin ich allein verantwortlich.

    Aber. Mein Umfeld privat und beruflich weiß das ich jetzt abstinenter Alkoholiker bin. Und ich habe zu meinem Selbstschutz und zur Risikominimierung Regeln aufgestellt.

    Wenn ich mich mit meinem Umfeld verabrede oder Zeit verbringe ist die Verabredung das in meiner Gegenwart kein Alkohol getrunken wird. Wenn ich von meinem Umfeld zu Gelegenheiten eingeladen werde, bei denen der Konsum von Alk im Vordergrund steht dann habe, ich bisher freundlich abgesagt. Falls erforderlich (wenn es etwa was zu feiern gab) habe ich mich ohne Alk verabredet.

    Ich habe mich in meinem abstinenten zweiten Jahr selten mal mit meinem Umfeld verabredet wo sehr moderat Alk getrunken wurde. Und das werde ich auch so beibehalten und es gab bisher damit auch keinerlei Probleme. Hätte es Probleme gegeben hätte ich die Konsequenzen gezogen.;)

    Mir ist es in meiner abstinenten Zeit nicht passiert das Menschen aus meinem Umfeld angezweifelt haben, das ich Alkoholiker bin. Es ist niemand mit Alkohol an mich herangetreten oder hat mich zum Konsum überreden wollen. Liegt vermutlich daran das meine freundlich, aber bestimmte Art bekannt ist.;)

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

    Einmal editiert, zuletzt von Kazik (6. November 2026 um 12:38)

  • ich erwarte von meinem Umfeld nicht im eigentlichen Sinne das es mich bezüglich meiner Abstinenz unterstützt. Dafür bin ich allein verantwortlich.

    Deshalb geht es bei der Risikominimierung nicht nur darum, keinen Alkohol zu trinken, sondern auch darum, mir ein Umfeld zu schaffen, das mich dabei unterstützt.

    Servus Kazik,

    danke für deinen Beitrag. Genau so lassen sich Missverständnisse ausräumen, wenn man sich miteinander austauscht, statt die eigene Interpretation zum Maßstab zu machen. ;)

    Ich habe geschrieben, dass ich mir ein Umfeld schaffe, das meine Abstinenz unterstützt.

    Damit meine ich nicht, dass mein Umfeld für meine Abstinenz verantwortlich ist. Ich bin selbst dafür verantwortlich, wie ich mein Umfeld gestalte und welche Risiken ich vermeide.

    Und wenn ich lese, wie du das handhabst, machst du doch im Grunde nichts anderes.;)

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • moin

    ja die ersten monate, jahre waren etwas holperig was das outen angeht...

    Und trotzdem bleiben solche Sprüche nicht aus. „Ach, bei dir war es doch gar nicht so schlimm.“ „Du bist doch kein Alkoholiker.“ „Trink halt weniger und reiß dich zusammen". Manchmal sogar aus der eigenen Familie oder vom Partner. Nicht unbedingt böse gemeint. Aber Ahnung von Alkoholabhängigkeit steckt oft nicht dahinter.

    kann ich so bestätigen. aber mal ganz offen gesagt, heute nach all den jahren interessiert das keine sa... mehr;)

    wer sich ab anfang an an seinen fahrplan hält und risikominimierung betreibt sein köfferchen gepackt hat sollte dieses minenfeld gut umschiffen können. wie gesagt mit den jahren kommt die gelassenheit, weil man sein leben um die abstinenz herum aufbaut.

    grüsse

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Mein Umfeld muss mich nicht unterstützen.

    Aber es darf gerne so sein, dass es mir gefällt. Dafür sorge ich.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Kleiner Nachtrag. Stimmt Hartmut das war ein Missverständnis oder vielleicht eine unnötige Richtigstellung. ;) Denn ich handhabe es genauso wie Du, was mich wiederum nicht wundert den ich habe diesen Umgang von Dir gelernt.;)

    Zum outen, ich verwende diesen Begriff nicht für meine Sucht.

    Meine Sucht ist eine schwere chronische Erkrankung. Und wie bei meinen anderen schweren chronischen Erkrankungen (z.B. meinen Depressionen) weiß mein Umfeld darüber Bescheid. Damit habe ich kein Problem. Es ist eine Information damit mein Umfeld weiß was bei mir los ist.

    Und wie ich geschrieben habe ich diese Information auch geteilt weil ich damit Regeln begründet habe.

    Außerdem ist das teilen dieser Information, wie auch bei meinen anderen Erkrankungen mein Beitrag um Bewusstsein/Awareness dafür zu schaffen das es diese Erkrankungen gibt und das garnicht mal so selten. Aber das es eben auch Möglichkeiten gibt wie ich lernen kann mir selbst zu helfen.;)

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

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