Odenwald - Erfahrungsaustausch gewünscht

  • Ich bin nunmehr 35 Jahre verheiratet. Unser Leben war nicht einfach - meine Eltern sind früh verstorben - unser Nachbar hat unsere 2 Mädels missbraucht - danach folgte

    Gerichtverhandlung - Freispruch mangels Beweisen - wir mussten wegziehen (es war mein Elternhaus) und woanders neu beginnen. Mittlerweile sind unsere 3 Kinder erwachsen und teilweise selbst Eltern. Mein Mann selbstständiger Handwerker hatte zudem Erbstreitereien mit den Geschwistern und immer seine Gefühle gern weggespült.

    Dass er schwerer Alkoholiker ist - weiß ich seit mindestens 2019 - vorher hatte ich alles auf unser schweres Schicksal und die Umstände geschoben. Er hat den Führerschein

    3x weg - 3 MPU - und immer wieder lässt er sich komplett volllaufen und setzt sich ans Steuer seines Autos. Wenn er nüchtern ist arbeitet er bis zur kompletten Erschöpfung.

    In Therapie war er immer nur, um seinen Führerschein wieder zu bekommen oder zur Entgiftung (3 Wochen Klinik) - eine mehrwöchige Suchttherapie hat er bisher nicht gemacht, weil er nicht Rentenversichert ist und seine Private Krankenkasse es wohl nicht bezahlt??

    Letze Woche kam er wieder aus der Klinik und hat schon in den nächsten 12 Stunden das Trinken angefangen - Exzessiv - endete am Donnerstag mit der Polizei, die ihn

    aus dem geparkten Auto gezogen haben - ich denke, der Führerschein ist jetzt endgültig weg - was mich auch beruhigt.

    Die Kinder und ich sind seelisch und körperlich am Ende - er klammert und will uns nicht verlieren. Im Suff beschimpft er uns aber aufs Übelste.

    Sich nach 35 Jahren zu trennen (im Grunde ist er ja ein lieber Kerl, der alles für seine Familie tut) fällt mir unsagbar schwer, weil ich dann auch weiß,

    dass er verloren ist. Freunde hat er keine, es gab nur Arbeit und Familie für ihn. Kennt jemand die Situation - und wie soll es weitergehen?:cry:

  • Das Problem ist, dass er das Problem zwar erkennt, dann 10 Schritte vorwärts und 20 zurück geht. Man versucht ihn vor sich selbst zu schützen und er eskaliert trotzdem.

    Ich selbst bin schon in Psychologischer Behandlung. Aktuell - seit gestern - ist er wieder zur Entgiftung in der Klinik. Ich hatte immer die Hoffnung, dass er es in den Griff bekommt. Habe aber auch Angst, dass er alles (finanziell)was wir uns aufgebaut haben, an die Wand fährt. Allein die Strafen, wegen Trunkenheit am Steuer...

  • Herzlich willkommen hier in der Selbsthilfegruppe für Alkoholiker und Angehörige, Odenwald .

    Demnächst wird sich bei dir ein zuständiger Moderator melden.

    Viele Grüsse

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • hallo Odenwald,

    herzlich Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Leider kannst du deinem Mann nicht helfen, er scheint noch keine Krankheitseinsicht zu haben.

    Wie es weitergehen kann, kannst nur du für dich entscheiden, du und deine Kinder seid doch schon am Limit, soll es denn so weitergehen?

    Wenn du dich hier austauschen willst, klicke unten auf den Link, schreib noch einen kurzen Satz dazu, dann schalten wir dich für den Austausch frei.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Aurora 3. August 2025 um 20:46

    Hat den Titel des Themas von „Neu hier - Erfahrungsaustausch gewünscht“ zu „Odenwald - Erfahrungsaustausch gewünscht“ geändert.
  • Hallo Odenwald,

    herzlich willkommen. Ich hab dich für den Austausch freigeschaltet. Du kannst hier überall schreiben, nur bitte die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich. Das erkennst du daran, dass dort die Namen in rot erscheinen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Herzlich willkommen Odenwald,

    deinen Namen mag ich schon mal sehr!

    Du schreibst viel über deinen Mann- klar ist ja auch das Problem.

    Aber wer bist du? Und was tust du für dich während der ganzen Zeit? Bist du finanziell abgesichert falls er alles ausgibt?

    Erzähl mal gerne.

  • Hallo, mittlerweile habe ich mich beruflich weiterentwickeln können, sodass ich das Haus, das wir vor 3 Jahren bezogen haben alleine finanzieren könnte.

    Aber natürlich ist alles noch verflochten - nichts läuft auf meinen Namen allein. Ja - und Geldausgaben für Anwälte und Strafen wegen Führerschein sind da.

    Ich würde mich gerne lösen, aber er tut mir irgendwie leid - wir haben so viel erlebt zusammen - Gutes - wie Schlechtes, so viel bewältigt und dass ist jetzt

    das Ende - weil er die Sucht nicht in Griff bekommt - schlimm! Ich bin ähnlich, wie er gestrickt - Arbeit - Familie - Arbeit. Viele Freizeitaktivitäten habe ich nicht.

    Bin auch unsagbar müde und traurig.

  • Bin auch unsagbar müde und traurig

    Und das ist doch kein Wunder! Ich würde wegen dem Geld mal mit einer Anwältin reden, kostet zwar auch aber lohnt sich.

    Dass du finanziell gut aufgestellt bist ist schon mal toll- jetzt musst du nur dafür sorgen dass du nicht für Dinge aufkommen musst die er verbockt.

    Deine Kinder sind groß und du könntest nochmal für dich Dinge tun auf die du mal richtig Lust hättest. Hast du mal drüber nachgedacht alleine zu verreisen? Mit Abstand sieht man vieles klarer…

  • Einen Termin bei einer Anwältin habe ich gemacht - dauert noch. Hoffe nur, dass bis zur Klärung der evt. Trennung nicht unendliche Kosten entstehen.

    Ich fühle mich innerlich total lehr - weiß gar nicht mehr worauf ich Lust habe - bin auch kein Mensch, der gerne alleine verreist - mit Sorgen schon gar nicht:((

  • Mittlerweile ist er seit 2 Tagen nach 5 Wochen Klinikaufenthalt (mit Unterbrechungen - akutes Nierenversagen) wieder zuhause.

    Er ist am Boden zerstört - wegen dem Führerschein - seiner Sucht und weiß nicht wie es weitergehen soll.

    Er will nun ambulant bei der Caritas Gespräche führen und zur Kreuzbund Alkoholiker Gruppe gehen (dort ist er seit dem letzten Führerschein Entzug - geholfen hat das

    nichts, den schweren Rückfall zu vermeiden). Eigentlich wollte ich die räumliche Trennung - er will aber nicht alleine sein. Er tut mir so leid, dass er sein Leben so an die Wand

    gefahren hat - und unseres dazu - wir leiden alle. Ich bin zornig auf mich selbst, weil ich hier nicht klar genug bin, habe aber Angst, dass er sich umbringt.

    Was sagt Ihr dazu bzw. wie habt ihr euch verhalten?

  • 3 MPU - und immer wieder lässt er sich komplett volllaufen und setzt sich ans Steuer seines Autos. Wenn er nüchtern ist arbeitet er bis zur kompletten Erschöpfung.

    In Therapie war er immer nur, um seinen Führerschein wieder zu bekommen oder zur Entgiftung (3 Wochen Klinik) - eine mehrwöchige Suchttherapie hat er bisher nicht gemacht, weil er nicht Rentenversichert ist und seine Private Krankenkasse es wohl nicht bezahlt??

    Letze Woche kam er wieder aus der Klinik und hat schon in den nächsten 12 Stunden das Trinken angefangen - Exzessiv - endete am Donnerstag mit der Polizei, die ihn

    das klingt alles überhaupt nicht danach, dass er eingesehen hat, dass er Alkoholiker ist und nie wieder trinken kann/ darf. Will er denn aufhören? Oder verspricht er dir das nur, damit er seine Ruhe hat? Und dass er mal zur Caritas gehen will und zu ner Gruppe - wirkt auch so, als ob er das nur macht, um dich wieder einzufangen.

    So schlimm es sich anhört - du musst ihm seine Verantwortung zurückgeben. Er ist für sich verantwortlich. Und wenn er nicht bereit ist, sein Leben radikal zu verändern und zwar für ihn selbst, nicht weil du das von ihm verlangst - dann wird das wohl nichts. Wenn er sich totsaufen will, ist das seine Entscheidung.

    Es gibt hier den schönen Satz Hilfe zur Nichthilfe. Solange du immer bei der Stange bleibst und machst und tust und ihn unterstützt - solange hat er immer noch weniger Grund, wirklich was zu ändern.

  • Nach dem Nierenversagen von vor 2 Wochen scheint er "geläutert". Ich weiß aber selbst, dass die Situation sehr fragil ist.

    Mir tut es halt weh, ihn des Hauses zu verweisen, dass er erst vor 2 Jahren für uns gebaut hat. Er wirkt so labil auf mich.

    Solange er aber hier mit mir unter einem Dach lebt, übernehme ich automatisch die "Versorgung bzw. das Kümmern". Tut mir nicht gut.

  • Hallo Odenwald,

    genau DAS ist ja das Dilemma. Er ist durch die Sucht kaputt und du als Angehörige ja auch. Trotzdem versuchst du immernoch, ihm zu helfen. Alles zu richten. Weil er krank ist, labil und irgendwie hilflos erscheint. Und du Angst hast, dass alles immer mehr den Bach runtergehen.

    Eigentlich wollte ich die räumliche Trennung - er will aber nicht alleine sein. Er tut mir so leid, dass er sein Leben so an die Wand

    gefahren hat - und unseres dazu - wir leiden alle.

    Er will nicht alleine sein... Aber er ist doch dafür selbst verantwortlich, dass er jetzt so drauf ist. Und dass du beschlossen hast, es für sich zu verändern. Und deine Kinder sind auch mitbetroffen. Ihr leidet alle. Und nur jeder für sich kann das ändern. Anders geht das garnicht. Also auch ER sollte endlich die Verantwortung für sich übernehmen.

    Und nicht rumjammern und alles wieder auf DICH schieben. Du bist doch nicht seine Pflegerin. " Er will nicht alleine sein", das löst irgendwie richtig bisschen Wut in mir aus. Weil ich es von meinem ersten Mann auch so kenne. Er hatte doch schon einige Möglichkeiten, Hilfe, abstinent zu werden. Und doch hat er immer wieder getrunken. Und im Prinzip dich und die Kinder alleine gelassen...

    Es ist eine schwierige Situation. Na klar tut er dir leid, du bist eine empathische Frau, ihr habt viel zusammen gemeistert, all sowas. Aber das bedeutet nicht, dass du etwas bei ihm " abzuleisten" hast. Du hast doch ganz viel für ihn gemacht. Nicht nur ER hat was zum Familienleben beigetragen. Und durch die Sauferei hat er euch noch zusätzlich belastet.

    Das sind so meine Gedankengänge bei dem, was du geschrieben hast. Entscheiden, wie es für dich weitergeht, kannst nur du. Du musst ja nicht morgen einen tollen Plan haben aber Vorstellungen davon, wie dein Leben letztendlich für dich aussehen soll. Das wäre sinnvoll.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Danke für diese klaren Worte - ich bin in meinem Gefühlschaos gefangen. Ich will nichts kaputt machen - aber eigentlich weiß ich, dass unser Leben schon ruiniert ist.

    Ich bin selbst gespannt, wie wir eine räumliche Trennung hin bekommen. Er "funktioniert" ja gerade - von daher erwartet er, dass ich mich verhalte, wie all die Male vorher :((

  • Hallo Odenwald,

    jaaa, das Gefühlschaos... mit einem Bein stehst du noch drin, mit dem anderen schon draußen. Das ging mir auch so. Aber immerhin bewegt sich ja was und das ist gut. Du bewegst dich und dein Mann bewegt sich dadurch auch. Wie beim Mobile. Wenn sich ein Teil davon bewegt schwankt das ganze Konstrukt. Jetzt ist die Sache, WIE er sich bewegt.

    Er "funktioniert" ja gerade - von daher erwartet er, dass ich mich verhalte, wie all die Male vorher :((

    Du kannst ja anders funktionieren als vorher. Zumindest zum Teil. Dass er merkt, dass du es ernst meinst mit dem, was du sagst.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Odenwald, ich verstehe deine Verzweiflung. Es ist schwer hilflos zuzusehen wie sich der eigene Mann komplett ruiniert. Und es nicht aufhalten zu können.

    Aber du kannst tatsächlich nichts dagegen machen.

    Du schreibst du bist müde, innerlich leer, ausgelaugt. Du steuerst auf einen eigenen Zusammenbruch zu, wenn du dich nicht raus ziehst.

    Er kann mit der Suchtberatung klären, welche Möglichkeiten es noch gibt. Und velleicht einen Psychiater aufsuchen, wenn er suizidal ist.

    Hier kannst du aber selbst ansetzen:

    Solange er aber hier mit mir unter einem Dach lebt, übernehme ich automatisch die "Versorgung bzw. das Kümmern". Tut mir nicht gut.

    Was heißt "Automatisch"? Wenn es dir nun bewusst ist, dann kannst du doch gegensteuern. Vielleicht überlegst du mal wo du dich rausziehen kannst?

    Ich selbst habe mich räumlich getrennt, nachdem mein Mann zum x-ten Mal wieder getrunken hat. Deshalb mein Name Jump!, weil ich mich hier angemeldet hatte, um den Absprung zu schaffen, wenn es wieder los geht.

    Und ich hatte auch diese extreme Panik mein Mann könnte dann bewusstlos da liegen, verbluten, sich umbringen. Ich habe ja schon so oft den Rettungswagen gerufen. Ich habe jetzt seit 10 Monaten eine eigene Wohnung und es ist viel weniger dramatisch geworden. Ich habe den Eindruck er passt jetzt mehr auf sich auf, weil er weiß, dass ich nicht mehr als Superwoman angeflogen komme.

    Das war für mich aber auch ein Prozess. Ich hatte einmal die Polizei gerufen (war aber unnötig/ich hatte mich rein gesteigert in meine Horror-Fantasien) und er war stocksauer. Ich fand es aber trotzdem gut, damit er merkt, dass es Konsequenzen hat, wenn er mir kryptische Nachrichten schickt, die sich für mich suizidal anhören. Macht er seitdem auch nicht mehr. Und einmal hatte ich die Rettung alarmiert, nachdem er mir quasi einen Notruf geschickt hatte. Er hatte aber nicht damit gerechnet, dass statt mir dann direkt die Sanitäter an seinem Bett stehen. Ist dann aber dankbar mitgegangen.

    Seither kümmert er sich jedenfalls selbst und ich "lerne" mehr und mehr mich raus zu halten, was mir immernoch schwer fällt. Aktuell ist er in der Entgiftung, wo er sich eigenständig angemeldet hat und mal nicht per Rettungswagen hin gebracht wurde, sondern frühzeitig hin ist. Wieder will er es schaffen. Diesmal. Unbedingt. Wissend er steht mit dem Rücken an der Wand. Ich glaube ihm das, aber erlebe die Sucht als zu mächtig für ihn.

    Ich sehe ihn nur, wenn er nüchtern ist, sonst nicht. Das ist eine klare Ansage. Da gibt es nichts zu diskutieren.

    Ich muss aber betonen, dass er niemals beleidigend war. Odenwald das ist etwas was du auf keinen Fall aushalten solltest! Ein No-Go!

    Die Kinder und ich sind seelisch und körperlich am Ende - er klammert und will uns nicht verlieren. Im Suff beschimpft er uns aber aufs Übelste.

    Wenn ich dich lese, dann habe ich außerdem den Eindruck, dass du im Grunde nur noch aus Mitleid bei ihm bist, aber selbst längst weit weg sein möchtest. Dann mach' das! Es ist doch auch dein Leben! Du kannst dich doch nicht aufopfern und dein eigenes Leben weg schmeißen. Du bist doch auch selbst was wert.

    Ja, es kann sein, dass er stirbt. Aber wenn du so weitermachst wie bisher, dann sterben zwei!

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Und wenn du es nicht für dich alleine schaffst, dann tu das für die Kinder!! Du bist für sie verantwortlich. Das war auch meine größte Motivation damals, als es bei uns immer schlimmer wurde. Ich wusste auch, dass ich so nicht mehr leben wollte, aber mir war auch klar, dass ich den Kindern das nicht weiter zumuten darf.

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