Ulrike - Mutter eines alkoholkranken Sohnes

  • Ich bin die Mutter eines alkoholkranken erwachsenen Sohnes. Ich habe vor ca.3 Jahren das komplette Ausmaß (nach Trennung von seiner Frau) dieser furchtbaren Krankheit realisiert. Er war 7x entgiften und 3 x zur Reha. Ich bin in diesem Prozess zur Coabhängigen Mutter geworden. Seit 2 Jahre arbeitet er wieder, ist aber immer nur kurz trocken. Seid ein paar Wochen trinkt er wieder mehr und ich habe meinen Unmut darüber geäußert. Gestern hat er den Kontakt zu mir abgebrochen, ich soll ihn in Ruhe lassen. Ich war immer da und habe alles für ihn gemacht, bestimmt war das nicht immer angebracht. Er wirft mir vor dass ich ihn bevormunde und kontrolliere. Ich sehe das nicht so. Ich habe ihn vor 3 Jahren quasi das Leben gerettet indem ich einen Arzt gerufen habe nachdem er nach 9 Tagen nur noch im Bett lag und trank. Ich habe eine furchtbare Angst dass dies wieder so schlimm wird. Nun habe ich mich hier angemeldet weil ich mit der Situation nicht klar komme und dringend Hilfe benötige.

    Lg. Ulrike

  • Hallo Ulricke,

    herzlich willkommen in unserer Online-Selbsthilfegruppe.

    Ein abhängiges Kind zu haben ist eine sehr schlimme Sache. Als Mutter ist es unglaublich schwierig, sich da abzugrenzen. Deine Ängste und Sorgen kann ich gut verstehen.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/ mit diesem Link kannst du dich für den Austausch bewerben. Klick einfach drauf und bitte um Freischaltung. Nach der Freischaltung wird dein Thema in den Bereich für Angehörige und Coabhängige verschoben.

    Ach ja, wenn Ulricke den richtiger Name ist wäre es gut wenn du überlegst, ob nicht ein Nick besser ist. Wegen der Anonymität. Wenn du es ändern möchtest, sag einfach Bescheid.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Ulricke.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Ulrike,

    Er wirft mir vor dass ich ihn bevormunde und kontrolliere.

    Dieser Vorwurf kam ähnlich auch von meinem Exmann. Und im Grunde genommen habe ich mich oft auch so verhalten. Ich hab das nicht mit böser Absicht gemacht sondern weil ich echt dachte, dass ich damit bei ihm was bewirke.

    Dass sowas bei einem nassen Alkoholiker sinnlos ist, wusste ich damals nicht. Im Gegenteil, ich hab mich noch mehr angestrengt und verdreht.

    Dass er den Kontakt abgebrochen hat, ist mit Sicherheit schlimm für dich. Vom Gefühl her. Aber es ist auch eine Chance, dass du selbst zu allem Abstand bekommst. So schwer das ist, er ist erwachsen und für sein Leben selbst verantwortlich. Da hast du keinen Einfluss drauf.

    Einfluss hast du aber darauf, was du für DICH daraus machst. Du lebst doch auch und das darf auch gut für dich sein, sich wie Leben anfühlen. Du kannst dir kleine Oasen schaffen, nur für dich. Dinge tun, die dich eine zeitlang von deinen Gedanken um ihn ablenken. Und wenn es erstmal nur für 30 Minuten ist...

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Danke für deinen Rat.

    Ich bin total am Boden zerstört, er war nicht auf der Arbeit. Wahrscheinlich kann er nicht fahren und war demzufolge auch nicht beim Arzt. Die Spirale beginnt. Was ist wenn er in seiner Wohnung liegt und er stirbt wenn ihm keiner hilft. Es kann ja keiner rein.

  • Hallo Ulrike,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Kennst Du einen seiner Freunde und könntest den aktivieren, nach dem Sohn zu schauen?

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Ulrike, ich kann gut mit Dir fühlen, auch wenn es bei mir um den Partner geht und nicht um den Sohn.
    Wir haben jahrelang eine Fernbeziehung geführt und er hatte niemanden in der Stadt, in der er gelebt. Wenn er dann plötzlich wieder tagelang abgetaucht ist und ich nicht wusste, was er macht, und ob er schon irgendwo tot oder halbtot liegt, hat mich das schier wahnsinnig gemacht.

    Ich finde den Vorschlag gar nicht schlecht, jemand Bekannten vorbeizuschicken und wenigstens mal Sturm zu klingeln und zu klopfen.

    Im allerschlimmsten Notfall kann man auch immer noch die Polizei um Hilfe bitten, wenn Suizidgefahr im Raum steht. Ich habe oft darüber nachgedacht, das zu machen, habe mich aber am Ende immer dagegen entschieden.

  • Er hat gute Freunde die ich heute aktivieren konnte und die kontaktieren ihn im Wechsel und geben mir ein kurzes Feedback. Darüber bin ich unheimlich dankbar und so langsam beruhige ich mich gerade. Die Polizei kann ich nicht rufen, er würde zwangseingewiesen und das würde er mir niemals verzeihen, das weiß ich noch vom letzten Mal, lieber stirbt er hat er gesagt.

  • Diese Aussage kenne ich auch von meinem Partner, dass er lieber stirbt, als eingewiesen zu werden.

    Ich habe das akzeptiert, auch wenn ich mich an Situationen erinnere, in denen ich vor Angst um ihn zitternd vor seiner Tür stand, er nicht anzutreffen war, sein Handy tot war und ich nicht wusste, wie ich irgendwie wieder zu mir selbst finden kann. Denn trotz allem war mir auch irgendwie klar, dass es niemandem hilft, wenn ich mich selbst dabei verliere.


    Und ich vermute, dass sich das noch viel schlimmer anfühlt, wenn es um das eigene Kind geht - auch, wenn es schon erwachsen ist.


    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, Ulrike,

  • Würde es gehen, jetzt wo die Freunde über die Gefahr informiert sind, das Feedback zu lassen und ihnen sozusagen das Feld zu überlassen? Sie werden ja sicher wenn nötig einen Krankenwagen oder die Polizei rufen- sind ja keine Teenager mehr.
    Ich finde wichtig für dich, dass du innerlich ein Stück Verantwortung abgibst. Er ist schwer krank, ja, aber er ist erwachsen und entscheidet selbst.
    Ich hoffe das klingt jetzt nicht hart- ich bin in einer ähnlichen Situation und habe mich in dieser Verantwortung total aufgerieben und bin letztendlich zusammengebrochen. Immer wenn ich die Verantwortung ein Stück abgeben konnte ging es mir besser.
    Und ich weiß wie schwer das ist und wie weh das tut, aber es geht hier auch um dich!

  • ich finde, dass es nicht zu hart klingt. AnnaBlume

    Ulrike es ist gut, dass du jetzt erst einmal ein wenig zur Ruhe kommen kannst, was ich aber nicht in Ordnung finde ist, dass du anderen die Verantwortung übergibst, die du ja selbst auch nicht hast, denn dein Sohn ist erwachsen. Ich weiß wie schwer es ist hilflos daneben zu stehen, aber da jetzt den Kreis noch größer zu machen, ich weiß nicht.

    Die Polizei kann ich nicht rufen, er würde zwangseingewiesen und das würde er mir niemals verzeihen, das weiß ich noch vom letzten Mal, lieber stirbt er hat er gesagt.

    Natürlich kannst du die Polizei oder den Notarzt rufen, wenn eine Fremd- oder Eigengefährdung vorliegt, egal was er mal gesagt hat.

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Guten Morgen, Ab

    Ich habe eine Nachricht erhalten in welcher mir mitgeteilt wurde dass es einen WhatsApp Kontakt zu meinen Sohn gab.

    Das ist für mich sehr wichtig und ich weiß dass ich hart an mir arbeiten muss. Mir wird bewusst dass die emotionale Bindung zu meinem Sohn viel zu stark ist.

    Aber was kann ich außer Ablenken noch tun um mich wieder besser zu fühlen?

  • Hallo Ulrike,

    bei dir ist es die Bindung zum Sohn, bei mir die Bindung zur Mutter. Es fühlt sich völlig falsch an auf Abstand zu gehen. Aber ohne Abstand wäre ich kaputt gegangen.

    Es ist ein Prozess und der Abstand kann - wenn er mal grundsätzlich in einem etabliert ist - jederzeit variiert werden. Ich habe heute wieder Kontakt zu meiner Mutter, aber ich bin gefestigter als früher und kann sie ihr Ding machen lassen.

    Vertrauen in den eigenen Weg hab ich zäh und zweifelnd über die Jahre doch gewonnen.

    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Ulrike, ich denke auch, dass es ein Prozess ist. Ich stecke selbst mittendrin und es fühlt sich manchmal so unerträglich schmerzhaft an.

    Was mir neben Beschäftigung mit Dingen, die mir gut tun hilft, ist es, mir immer wieder ins Bewusstsein zu holen, dass ich Fremdverantwortung übernehme, wenn ich zwanghaft versuche, alles irgendwie im Blick und unter Kontrolle zu behalten.


    Auch, wenn es bei mir „nur“ um den Partner geht, steht der Wunsch dahinter, ihn zu retten, ihm die Augen zu öffnen… etc.


    Es hilft aber alles nichts. Ich habe mich fast selbst zerstört und muss immer noch täglich sehr sehr gut aufpassen, dass ich so gut es geht bei mir bleibe. Es geht manchmal besser, manchmal schlechter.


    Ich habe alles versucht und bin nicht zu ihm durchgedrungen. Das berichten so viele hier. Es hat mich vor Verzweiflung schier wahnsinnig gemacht.

    Aber irgendwann ist die Erkenntnis durchgesickert, dass ich tatsächlich nichts tun kann. Mir hilft es manchmal, mir mantra-artig vorzusagen: „Er ist ein erwachsener Mann. Es ist sein Leben. Es ist seine Entscheidung. Es ist nicht meine Verantwortung, es ist seine.“

    Alles Liebe, hiiumaa

  • Liebe Linde, wahrscheinlich ist der Abstand gut, aber im Moment glaube ich daran zu zerbrechen.

    Danke für deine Worte

    Das Gefühl kenne ich aus Erfahrung. Es ist so surreal.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • aber im Moment glaube ich daran zu zerbrechen

    Auch das kenne ich sehr sehr gut. Aber tatsächlich wird es besser je länger der Abstand dauert. Ich konnte nach und nach die Situation wieder mehr von außen sehen und nicht wie ein ‚Muttertier mit Scheuklappen‘ agieren. Tapfer bleiben- es wird besser, auch wenn du das gerade nicht glauben kannst.

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