tired - Wenn Sucht alles zerstört

  • LHallo zusammen,

    ich bin neu hier und ehrlich gesagt ziemlich erschöpft – körperlich, seelisch und nervlich.

    Ich lebe seit mehreren Jahren in einer Beziehung mit einem Partner, der alkoholabhängig ist.

    Was anfangs nach „gelegentlichem Trinken“ aussah, hat sich mit der Zeit zu einer Sucht entwickelt, die unser ganzes Leben bestimmt.

    Ich habe versucht zu verstehen, zu helfen, Grenzen zu setzen, Gespräche zu führen, Hoffnung zu behalten.

    Aber mit der Zeit wurde aus Nähe immer mehr Unsicherheit.

    Statt Einsicht gab es Schuldumkehr, Gaslighting, Manipulation und Lügen.

    Er verdreht Situationen, macht mich zur Ursache seiner Probleme und lässt mich an meiner Wahrnehmung zweifeln.

    Vor drei Monaten hat er mich im Streit am Hals gepackt und war danach drei Tage verschwunden.

    Vor Kurzem kam es wieder zu einer Eskalation nach Alkohol, bei der er mir ins Gesicht geschlagen hat.

    Ich kann mich an vieles nur bruchstückhaft erinnern – vermutlich aus Schock oder Überforderung.

    Am nächsten Morgen hat mich meine Familie abgeholt, und ich habe ihm einen Abschiedsbrief hinterlassen.

    Ich bin hier, weil ich nicht mehr weiß, wie man in so etwas atmet.

    Ich schwanke zwischen Mitleid, Liebe, Wut und Selbstschutz – und will verstehen, warum ich trotzdem bleibe, warum ich immer wieder Hoffnung habe, obwohl sich nichts ändert.

    Ich weiß, dass ich ihn nicht retten kann.

    Aber ich möchte endlich lernen, wie ich aufhören kann, dabei selbst kaputtzugehen.

    Danke, dass ich hier sein darf.

  • Hallo tired,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht. Auf keinen Fall solltest du Mißhandlungen hinnehmen und sofort den Kontakt abbrechen, so etwas braucht kein Mensch. Hier bist du genau richtig denn viele Angehörige haben mehr oder weniger schlimm solche Erfahrungen gemacht.

    Aber es gibt einen Weg aus so einer Beziehung die nur Leid und Kummer bringt.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Marie04 20. Oktober 2025 um 22:07

    Hat den Titel des Themas von „Wenn Sucht alles zerstört“ zu „tired - Wenn Sucht alles zerstört“ geändert.
  • Hallo Marie04 ,

    vielen lieben Dank. Ja, ich hab mich in den letzten Monaten ein wenig eingelesen und weiß, dass diese Verhaltensmuster (auch die emotionale Gewalt) oft begleitsyptome der sucht sind. Aber es frustriert mich sehr, dass null Einsicht von seiner Seite kommt und dass alles meine Schuld ist - immer. :(

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, tired.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo tired!

    Aber es frustriert mich sehr, dass null Einsicht von seiner Seite kommt und dass alles meine Schuld ist - immer. :(

    Das ist nicht ungewöhnlich daß er dir für alles die Schuld gibt daß hat mein alkoholkranker Mann auch liebend gerne gemacht. Er ist süchtig und er sucht immer einen Grund um zu trinken, die Sucht vernebelt regelrecht das Gehirn. Er kommt nicht von seiner Sucht weg und macht andere verantwortlich. Mein Mann hat mich öfters auch beschimpft und mir Dinge unterstellt.

    Wenn man co-abhängig ist fällt es oft sehr schwer einen Schlußstrich zu ziehen denn man hofft immer weiter daß er Einsicht zeigt und aufhört zu trinken. Oft ist das aber nur verschwendete Lebenszeit, leider ist es so.

    Aber lese dich erstmals hier ein das kann sehr hilfreich sein.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo und herzlich willkommen, tired.

    Als langjährige, bald zwei Jahre trockene Alkoholikerin ist es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass nicht jeder Alkoholiker gewalttâtig wird, egal, ob psychisch oder körperlich.

    Da kommen wohl mehrere Faktoren (Krankheit, Charakter, ???) zusammen, bis das passiert. Keiner davon kann jedoch Gewalt in irgendeiner Form rechtfertigen. Lass Dir das bitte nicht einreden.

    will verstehen, warum ich trotzdem bleibe, warum ich immer wieder Hoffnung habe, obwohl sich nichts ändert.

    Mir ist nicht ganz klar: Bist Du denn nach dem jüngsten Vorfall zu ihm zurückgekehrt? Hadt Du keine Angst? Und was sagen Familie und Freunde dazu?

  • Rennschnecke ,


    erstmal herzlichen Glückwunsch zu den zwei Jahren. Mir ist schon bewusst, dass das nicht immer der Fall ist. Aber eben häufig.

    Nein, aktuell bin ich nicht bei ihm, sondern bei meiner Familie. Doch, ich habe Angst. Zwischenzeitlich so sehr, dass er wenn er mal wieder getrunken hatte, auf der Couch schlafen musste, damit ich die Schlafzimmertür abschließen konnte.

    Er hat durchaus seine liebenswerte Seiten, aber die überwiegen nicht mehr. Er hat viel Stress und vermutlich mittlerweile ein Burnout, was er ersäuft statt sich Hilfe zu suchen.

  • Hallo tired,

    auch von mir herzlich Willkommen hier in der SHG.

    Gut, daß du erst einmal in Sicherheit bist und überlegen kannst, was du jetzt machst.

    Er hat dich gewürgt und geschlagen.

    Alkohol enthemmt und er wird weitermachen. Kann sein, daß jetzt die große es-tut-mir-so-leid-ich-mache-es-nie-wieder-Show abgezogen wird. Halte weiterhin Abstand.

    Leider ist es so, daß laut Bundeskriminalamt fast täglich eine Frau durch die Hände ihres Mannes oder Lebensgefährten stirbt. Wir haben hier einige Infos zum Thema häusliche Gewalt zusammengestellt.

    Das Forenteam
    2. November 2021 um 16:19

    Nimm das was er dir angetan hat sehr, sehr Ernst.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Guten Morgen tired,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Hier bist du nicht allein. Nutze das um Kraft zu sammeln, damit du dich aus dieser kranken Beziehung lösen kannst.

    Niemand muss sich sowas gefallen lassen. Und er scheint nicht einsichtig zu sein. Bei ihm bist du in großer Gefahr.

    Du hast Familie, die dich unterstützt. Das ist super. Nutze das für dich.

    LG ☀️

  • erstmal herzlichen Glückwunsch zu den zwei Jahren.

    PS: Da ich (auch mit Co-Erfahrung betr. andere Suchtmittel)nicht ganz frei von Aberglauben und immer noch am Anfang meiner Abstinenz bin, nur zur Klarstellung:

    "Bald" 2 Jahre sind bei mir erst Anfang Januar erreicht, das habe ich gestern für meine Verhältnisse ungewöhnlich optimistisch formuliert.

    Aber nun zurück zu Dir. Wie geht es Dir heute, auch nach den Rückmeldungen hier?

  • Guten Morgen,

    Er hat dich gewürgt und geschlagen.

    Direkt gewürgt hat er nicht, aber mich heftig am Hals gepackt.

    Aber nun zurück zu Dir. Wie geht es Dir heute, auch nach den Rückmeldungen hier?

    Ich fühle mich das erste Mal seit langem verstanden. Nach seinem dreitägigen Verschwinden hatte ich versucht seine Geschwister ins Boot zu holen. Das Resultat war, dass ich zum Problem gemacht wurde und man mich ziemlich angegangen ist. Man muss dazu sagen, dass die Familie eine ziemliche Alkohol Karriere vorzuweisen hat. Mutter und Vater beide Alkoholabhängig. Opa auch. Mein Mann und eine seiner Schwester. Die Mutter hatte nach der Trennung eine langjährige Beziehung mit einem Alkoholiker...

    Dennoch fühle ich mich sehr ambivalent. Ich weiß schon lange, dass ich gehen muss und das sich nichts ändern wird. Es kommt keine Eigeninitiative oder Einsicht. Ich hab ihn zur Suchtberatung geschleppt, zur mittlerweile dritten Paarberatung, war bei der Angehörigenberatung, sagte beim letzten Mal Therapie oder Trennung, aber wenn ich ihm nicht das Messer auf die Brust setze passiert nichts. Dennoch kann ich nicht schlafen, mache mir ständig Sorgen um ihn, schaue permanent aufs Handy etc. Ich weiß, welche Muster hier wirken, von Co-Anhangigkeits, über Trauma Bonding bis zu reaktivieren Missbrauch. Und ich weiß mittlerweile auch, welches Ausmaß an Manipulationen über die Jahre statt fanden, trotzdem oder ganau deswegen fällt es mir so schwer mich zu lösen, auch wenn ich es wirklich tun sollte und eigentlich auch will.

  • Hallo,

    Wenn du etwas ankündigt, solltest du dir selbst ganz sicher sein, dass du es auch durchziehen kannst. Denn sonst wirst du nicht mehr ernst genommen.

    Es freut mich, dass du dich hier verstanden fühlst.


    Lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Nach seinem dreitägigen Verschwinden hatte ich versucht seine Geschwister ins Boot zu holen. Das Resultat war, dass ich zum Problem gemacht wurde und man mich ziemlich angegangen ist. Man muss dazu sagen, dass die Familie eine ziemliche Alkohol Karriere vorzuweisen hat. Mutter und Vater beide Alkoholabhängig. Opa auch. Mein Mann und eine seiner Schwester.

    Das kenne ich nur zu gut. Mein XY und seine Familie sind auch allesamt abhängig.

    Und ich war auch das Problem. Die Spaßbremse, die die ihren Mann unglücklich macht, immer nur am meckern etc...

    Wie habt ihr es geschafft, euch aus solchen Beziehungen zu befreien und wie lange hat es gedauert?

    Indem ich mich endgültig unbeliebt gemacht habe, indem ich ganz klar die Grenze gezogen habe zum Schutz der Kinder.

    Zusätzlich habe ich es noch gewagt meiner Schwiegermutter den Spiegel vorzuhalten und habe auch klar kommuniziert, dass ich wehement ablehne so wie sie in der Co-Abhängigkeit zu leben.

    Hat nicht lange gedauert, dann haben die mich "entsorgt". Sie haben mir quasi die Entscheidung abgenommen. Und das war auch gut so. Aber dem Moment ging es mir jeden Tag besser.

  • Ich bin noch immer bei meiner Mutter, ja.

    Wir schreiben täglich und es endet immer im Streit. Er wollte, dass wir eine Liste anfertigen, was wir verändern wollen im Bezug auf die Beziehung. Ausgetauscht haben wir sie bereits. Neues steht nicht drin. Es sind die selben Themen wie seit Jahren. Es ist anstrengend mit ihm zu kommunizieren. Ich habe das Gefühl, er bekommt absichtlich alles in den falschen Hals. Es ist nur noch Abwehr und Angriff seinerseits und das ist zermürbend. Gestern war ich in der Wohnung ein paar Sachen holen. Er war nicht da. Und wieder die Tüte voller Pfand und der Alkohol im Kühlschrank.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!