Somadi - Mein Mann, der Alkohol und wieder ein zerstörtes Weihnachtsfest

  • Ja, das war früher bei meinem Mann auch so, dass es im Winter am schlimmsten war. Und er hatte übrigens jahrelang überhaupt gar keine Abstürze, er ist Spiegeltrinker. Filmriss auch fast nie.

    Mein Mann hatte auch schon zig kalte Entzüge Zuhause gemacht, nix passiert, bis er irgendwann dann doch, scheinbar aus dem Nichts, einen epileptischen Anfall hatte. Dann erst hatte ICH gemerkt, dass es für mich so nicht weiter geht. Dass ich trotz allem Meckern und Klagen, Ignorieren, ins Gästezimmer umziehen - das Ganze ja dennoch irgendwo toleriere. Und ein Feigenblatt der Normalität bin.

    Abstinenzphasen waren eher Trinkpausen. Die ihm wohl das trügerische Gefühl vermittelt haben, dass es jetzt ja wieder geht, dass er diesmal ja aufpasst. Der Kopf war ja immer noch nass.

    Ich hab mal in einem wissenschaftlichen Bericht gelesen, dass der Abbau der weißen Substanz im Frontalhirn auch mindestens sechs Wochen nach dem Entzug noch weiter geht. Und damit auch die große Rückfallgefahr in den ersten Wochen erklärt wird. Keine Ahnung. Aber wenn du hier liest bei den Alkoholikern, dann wird jedenfalls klar, dass zwischen nüchtern sein und wirklich trocken sein ein großer entscheidender Unterschied ist.

    Du scheinst finanziell auf eingenen Beinen zu stehen. Wieso ziehst du nicht zumindest in eine eigene Wohnung?

  • Danke, stef2303, für Deine Worte. Mir ist bewusst, dass die Krankheit jeden treffen kann, egal welchen Bildungsgrad man hat. Ich denke nur, dass jemand, der so intelligent ist wie mein Mann, vielleicht in abstinenten Phasen das Problem auf intellektueller Ebene erfassen könnte. Er ist so ein bisschen wie der von Benedict Cumberbatch gespielte Sherlock Holmes in der BBC-Serie. Ein hochfunktionaler Soziopath. Das macht den Zugang zu ihm vielleicht noch schwerer… Ich weiß es nicht…

    Wichtelmama, ich wollte ihn ja liegen lassen, aber nachdem er schon 30min laut nach mir gerufen hat, ich nicht weiterschlafen konnte, der Hund hysterisch wurde und Angst hatte, dass die Nachbarn geweckt werden und womöglich noch die Polizei rufen (was mit meiner beruflichen Stellung problematisch ist), gab ich ihm geholfen. Derartige Ausfälle sind nicht an der Tagesordnung, meist schafft er es noch selbst ins Bett… bloß wie - laut, rumpelnd, sarkastisch…

    Ich hatte auch schon mal die Schlafzimmertüre abgesperrt, aber das Theater war unerträglich…

  • Jump!, wir haben mehrere Wohnungen in verschiedenen Städten. Das Wochenende verbringen wir (wie auch jetzt den Urlaub) auf dem Land in meiner Heimat. Während der Woche (wo wir arbeiten) habennwir zwei Wohnungen. Da kann ich mich zurückziehen. In dieser Zeit gibt es aber auch zusammen kaum Probleme, denn er muss ja auch morgens zu seiner Arbeit und kontrolliert dann seinen Konsum. Nur Abende vor freien Tagen sind kritisch. Im Frühjahr und Sommer wie gesagt eigentlich kaum, da gehen wir viel Golfen. Da steht er früh auf und ist abends oft erledigt… vielleicht hat er ja auch eine Winterdepression, die alles verschlimmert…

    Ich lese hier, dass es unterschiedliche Trinkformen gibt… ich weiß nur, dass der Asperger Autismus alles nur komplizierter macht.

  • Das Problem mit der Intelligenz ist, dass man auch die besseren Ausreden für sich selbst hat als jemand, der einfacher gestrickt ist, warum man nicht aufhören muss.
    Damit lässt sich die Kontrollillusion länger aufrecht erhalten.

    Und es ändert nichts daran, dass man vielleicht gar keine Lust auf ein nüchternes Leben hat.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Danke, stef2303, für Deine Worte. Mir ist bewusst, dass die Krankheit jeden treffen kann, egal welchen Bildungsgrad man hat. Ich denke nur, dass jemand, der so intelligent ist wie mein Mann, vielleicht in abstinenten Phasen das Problem auf intellektueller Ebene erfassen könnte. Er ist so ein bisschen wie der von Benedict Cumberbatch gespielte Sherlock Holmes in der BBC-Serie. Ein hochfunktionaler Soziopath. Das macht den Zugang zu ihm vielleicht noch schwerer… Ich weiß es nicht…

    Liebe Somadi !

    Ehrliche Antwort meinerseits: NEIN, solange keine grundsätzliche Akzeptanz der Sucht bzw. Krankheit besteht. Da helfen auch Intelligenz und Bildungsgrad rein gar nichts.

    Weil: Warum sollte ich als Abhängiger (ganz unabhängig vom Intelligenz- und Bildungsgrad) über etwas Überlegungen anstellen, wenn doch ohnehin alles in meinem Sinne läuft!? Mir war das früher ja auch alles so etwas von egal. Was ich damit meiner Frau und Familie angetan habe, das wurde mir erst viel später bewusst - als es vorbei war...

    Ich fürchte, so, wie Du es schreibst, kommst Du wohl nicht weiter.

    Früher gab es mal die Redewendung vom "Wink mit dem Zaunpfahl", später vom "Wink mit dem Atommeiler". Wenn Du nicht klar die Karten auf den Tisch legst, liebe Somadi , wird sich da bei euch wohl nicht viel ändern.

    Schlaf mal eine Nacht drüber!

    LG, Stef.

    2 Mal editiert, zuletzt von stef2303 (25. Dezember 2025 um 19:41)

  • Ich denke nur, dass jemand, der so intelligent ist wie mein Mann, vielleicht in abstinenten Phasen das Problem auf intellektueller Ebene erfassen könnte.

    Intelligenz schützt nicht vor Sucht. Der IQ interessiert die Sucht überhaupt nicht. Sie arbeitet nicht logisch, nicht moralisch und schon gar nicht vernünftig. Sie setzt nicht im Denkzentrum an, sie übernimmt es. Der Intellekt wird dabei nicht ausgeschaltet, sondern benutzt. Zweckentfremdet. Zynisch betrachtet: Die Sucht hat eine Vorliebe für intelligente Menschen, sie liefern ihr das perfekte Werkzeug.

    In der Sucht gibt es genau ein Ziel: den Stoff zu bekommen und ihn zu sichern. Alles andere ist Beiwerk. Die üblichen Rechtfertigungen – „Ich hab’s im Griff“, „Ich verstehe das“, „Ich bin reflektiert“ – klingen gut, bedeuten aber nichts. Das sind nur Sätze, mit denen sich die Sucht tarnt.

    Das Absurde ist ja, dass sieht man bei den COs . Gerade die „normal gesund Denkenden“ glauben, sie könnten die Sucht des anderen austricksen , den Säufer motivieren, gut zureden, diskutieren, streiten, einfühlsam sein. Und genau daran erkennt man, wie sehr sie selbst schon von der Sucht in ihrer Helferrolle vereinnahmt wurden.

    Ich komme nicht aus der Co-Ecke, deshalb nur eine kurze Stippvisite.

    Dir einen hilfreichen Austausch

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Danke für Eure offenen Worte, Stef und Hartmut… Ihr habt so Recht. Wahrscheinlich liegt das Problem bei mir. Ich schaffe es im Moment einfach nicht, die Konsequenz zu ziehen. Ich bin auch ein etwas ambivalenter Mensch. Im Job kann ich sehr rational und auch knallhart sein. Im Privaten, wo die Emotionen „wohnen“, bin ich nachgiebig, weich und vielleicht einfach ein bisschen zu schwach…

  • Wahrscheinlich liegt das Problem bei mir. Ich schaffe es im Moment einfach nicht, die Konsequenz zu ziehen.

    Nun hast du es schon einmal bis hierher geschafft. Das schaffen nicht viele, sich Hilfe zu holen, gerade bei der „unter den Teppich gekehrten“ Sucht.;)

    Alles Weitere folgt.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Während der Woche (wo wir arbeiten) habennwir zwei Wohnungen. Da kann ich mich zurückziehen.

    Was hält dich davon ab, auch die Abende vor den freien Tagen deines Mannes dort zu verbringen?

    Ein Versuch wäre es wert, meinst du nicht? Zumindest mal einen Abend dem Theater entkommen? Oder hast du Sorge, was in der Zeit zuhause passieren könnte. Was die Leute denken? Oder gar, was dein Mann dazu sagen würde, wenn du dich dem Ganzen entziehen möchtest?

  • Ja das glaube ich dir sofort. Es ist wirklich traurig zu sehen, wie der Partner der Sucht verfällt und man das nüchterne Ich einfach nur vermisst.

    Es wird ja auch nicht leichter mit der Zeit. Der Konsum hinterlässt seine Spuren. Bei allen Beteiligten.

    Du hast ja schon angefangen etwas für dich zu tun. Das ist doch was. Du musst auch dringend auf dich selbst schauen, sonst bist du auch irgendwann völlig am Ende. Deinen Mann kannst du nicht ändern, aber du kannst was für dich tun.
    Schritt für Schritt. Veränderung kommt meist nicht von heute auf morgen, es ist ein Prozess.

  • Ausreden.

    Ich habe mir Ausreden erst ausgedacht, als es Andere störte und sie mich fragten, warum ich so viel trinke. Für mich brauchte ich nie welche.

    Meine eigene Einstellung dazu war lange, das Trinken macht das Leben schöner, und dafür opfere ich lieber einige Jahre meines Lebens und sterbe dementspechend früher, bevor ich das Leben nüchtern erlebe. Erschien mir einfach nicht erstrebenswert. Es war auch meine Angst, den Verstand zu verlieren,und dass es mir sehr schlecht ging und ich dann schon so viel vertrug, dass nur noch der Körper umkippte, ich aber keine Filmrisse mehr hatte. Dann tats mir nämlich erst weh.

    Und sehr lange, wenns mir schlecht ging, habe ich auch Trinkpausen gemacht und war überzeugt, dadurch kriege ich das wieder unter Kontrolle oder halte meine Schäden so in Grenzen, dass ich bis zu meinem Ableben eben nicht aufhören muss. was wegen dem Kontrollverlust halt nicht wird, aber weil mans auch vergisst, für mich als Trinker nicht weiter schlimm war. Da kenne ich ein paar Intellektuelle, die machen das genau so. Ich bin doch viel zu schlau, einer Sucht zu erliegen....

    Und der Beruf kann sich noch so gut und wichtig anhören, ob er deswegen so glücklich macht, dass man deswegen mit dem Trinken aufhören will, ist fraglich.

    Ausserdem steuern Gefühle die Gedanken und umgekehrt. Du müsstest das eigentlich nachvollziehen können, den Du hast ja auch verschiedene Gründe, die Situation nicht zu verlassen, die ich als Aussenstehendeer ja auch nicht nachvollziehen kann bzw. nur, wenn ich ernsthaft versuche, mich reinzuversetzen. Du brauchst ihn ja nicht aus finanziellen Gründen und könntest auch ohne ihn leben, wie Du willst. Und wenn der Suchtdruck, oder auch die Liebe kommt, findet jeder viele Gründe, warum das fortgesetzt wird. Oder greift einfach zu.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ja, Ausreden, vielleicht sind es bei mir auch Ausreden. Objektiv schaffe ich alles alleine. Es sind die Emotionen, die es mir schwer machen. 15 Jahre lang gehen wir gemeinsam durchs Leben… vielleicht ist es auch Gewohnheit oder Angst vor Veränderung.

    Im Moment weiß es ch das alles nicht. Ich bin voller Gedanken, Emotionen, Ängsten. Rational bin ich gerade jedenfalls nicht.

    Und ich formuliere all diese Sache hier und jetzt zum ersten Mal. Noch nie habe ich mit jemandem darüber gesprochen. Das ist ein erster Schritt für mich, aber die Lösung habe ich damit noch nicht gefunden. Ich denke, ich brauche noch Zeit…

  • Hallo Somadi

    für mich ist das Forum immer eine gute Möglichkeit, mich selbst, indem ich von mir schreibe, auch so ein bisschen von „außen“ zu betrachten. Wenn ich die Gefühlssuppe in mir in Worte fasse, kann ich sie manchmal erst richtig erkennen und unterscheiden.

    ich formuliere all diese Sache hier und jetzt zum ersten Mal.


    Und merkst du bereits, dass sich dadurch bei dir irgend etwas Kleines verändert hat?

    Hier zu schreiben (statt nur im eigenen privaten Tagebuch) bedeutet ja auch, gelesen zu werden und eine Verbindung zu spüren mit (anonymen) anderen Menschen, die vielleicht Ähnliches erleben / erlebt haben. Das finde und fand ich auch immer sehr hilfreich am Austausch hier im Forum.


    Ich habe in diesem Zusammenhang eine generelle Bitte: Wenn du bei anderen schrieben möchtest, bleib bitte auch bei dir.

    Wir denken alle an Dich.

    Das hast Du heute in einem anderen Thread geschrieben, und das ist bestimmt nett gemeint, aber ich möchte dich bitten, nicht von „wir“ und damit für andere zu sprechen.

    Ich wünsche dir hier weiterhin einen hilfreichen Austausch!

    Herzliche Grüße

    Thalia

  • Danke, Thalia.
    Entschuldige, das war mir so nicht bewusst. Ich werde daran denken.

    Ja, es tut schon gut, seine Gedanken mal auszuformulieren.
    Nach dem schrecklichen Heiligabend scheint er gemerkt zu haben, dass ich traurig und enttäuscht bin. Es gab seither keinen Alkohol. Nicht dass ich glauben würde, es würde dabei bleiben oder sich langfristig ändern. Natürlich glaube ich auch nicht, dass er einsichtig ist und das für mich macht. Wahrscheinlich hat er nur gesehen, dass ich so verärgert, traurig und wütend bin, dass es nun eng für ihn selbst werden könnte. Dennoch tut mir diese Atempause gut…

  • Liebe Somadi, seit ich meine eigene Wohnung habe sage ich nun ganz konsequent, dass wir uns nur sehen, wenn er nüchtern ist. Also komplett.

    Und seit seiner letzten Entiftung klappt das. Es ist so "einfach" und klar: Zusammensein will ich nur (noch) mit ihm, wenn er keinen Alk im Blut hat. Auch nicht 0,1 und auch nicht, wenn er erst aufhört, wenn ich komme. Und auch nicht, wenn ich Sorge haben muss, er kommt auf Entzug. Dann gehe ich sofort, ohne Diskussion, ohne Anklage, ohne Meckern.

    Was er macht, wenn ich nicht da bin ist seine Sache. Aber für mich kann ich das Festlegen. Ich mache das nicht mehr mit.

    Ich hätte niemals gedacht, dass das funktioniert und ich gehe auch davon aus, dass es nicht lange so klappt. Aber zur Zeit geht es. Wir sehen uns regelmäßig am Wochenende in unserem Haus und einen Tag unter der Woche besucht er mich. Also es ist nicht so, dass ich springe, wenn er mal zufällig nüchtern ist, sondern das ist fest.

    Wenn er nicht mehr aufhören kann zu trinken, breche ich den Kontakt ab. Dann sehen wir uns nicht mehr. Erst nach der Entgiftung.

    Letztes Jahr bin ich auch zwei Mal ohne ihn in Urlaub gefahren, weil ich ihn betrunken oder entzügig nicht mehr mitnehme.

    Anfangs habe ich mir nach meinem Auszug noch sehr schlimme Sorgen gemacht. Einmal den Rettungswagen gerufen, was auch mit vier Promille notwendig war. Einmal die Polizei hin geschickt, was übertrieben war. Aber im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer.

    Jedenfalls hat mir erst der Abstand ermöglicht so klar aufzutreten. Außerdem schaue ich nicht mehr zu wie er sich komplett ruiniert. Das muss er dann alleine machen. Ich toleriere das nicht mehr. Und das ist es doch solange ich weiter "mitspiele".

    Wenn du so viele Wohnungen hast, dann wäre es einfach mit deinem kleinen Hündchen zu gehen, sobald er trinkt oder auf dem Boden liegt oder sonstwas passiert, was dich stresst, oder? Ins Auto und weg. Oder erst gar nicht mit ihm in die Heimat fahren, sondern nur, wenn er nüchtern ist. Falls er das noch kann ohne auf Entzug zu kommen.

    Du kannst ihn nicht ändern. Aber für dich selbst Grenzen setzen. Deine Werte und Standards verteidigen oder überhaupt erst mal für dich selbst klarer kriegen. Wo ist deine Grenze? Was müsste passieren damit du sagst: jetzt reicht es, das mache ich nicht mehr mit?

  • Hallo Jump.

    Ja, während der Woche habe ich ja die andere Wohnung. Am Wochenende haben wir nur die eine in meiner Heimat, 200 km entfernt. Da muss und will ich auch hinfahren, denn das Hündchen ist ein 30kg schwerer Labrador, der seinen Auslauf auf dem Land liebt und braucht.

    Du hast in allem Recht, was Du sagst, man braucht Zeitinseln für sich selbst. Und Freiraum, in dem man keine Verantwortung übernehmen muss bzw. man denkt, dass man sie übernehmen muss.

    Mein Mann kann total gut switchen. Ich sehe null Entzugserscheinungen an ihm. Vielleicht bin ich zu doof dazu, aber ich sehe es einfach nicht. Jetzt hat er drei Tage nichts getrunken. Der Bierkasten ist unangetastet. Sonst gibt’s nichts in diesem Hsushalt und er konnte und kann sich hier in der Pampa auch nichts besorgen. Was er mitgebracht hatte, hat er am 22. und 24.12. vernichtet. Aber er ist nicht zittrig, schwitzt nicht, ist nicht aggressiv, angespannt oder depressiv. Es ist da gar nichts zu sehen… Er schreibt gerade an einem wissenschaftlichen Aufsatz, hochkomplex und das nach dem Desaster Anfang der Woche. Ich kapiere es einfach nicht.

    Heute Abend sind wir bei Freunden eingeladen. Da trinkt er sowieso nie. Er trinkt nur alleine zu Hause. Ich verstehe dieses Trinkverhalten nicht… dennoch bin ich dankbar für die Atempause.

    Morgen Abend fahren wir an unseren Arbeitsort zurück. Ab Montag wird wieder gearbeitet. Und dann kommt Silvester… mir graut davor.

    Jump, ich bewundere Dich für Deine Stärke. Wie lange geht das schon bei Euch? Hattest Du jemals an Trennung gedacht, nicht nur eine räumliche?

    Wo ist meine Grenze? Körperliche Gewalt (mir und dem Hund oder anderen Personen gegenüber) wäre eine klare Grenze, aber das befürchte ich nicht wirklich. Eine Grenze wäre auch ein derartiger Ausfall in der Öffentlichkeit oder gegenüber Familie und Freunden. So etwas passiert aber auch nicht, da er nur zu Hause trinkt… alles im Verborgenen.

    Wenn ich das jemandem erzählen würde, der ihn/uns kennt, würde es mir keiner glauben.

    So, jetzt gehe ich mal mit dem Hund raus. Bin mit einer Freundin verabredet.

    Liebe Grüße an alle.

  • Liebe Somadi, klar solltest du weiter in deine Heimat fahren. Aber was hält dich ab zu sagen, dass du ihn nur dabei haben möchtest, wenn er nüchtern bleibt? Du kannst alleine fahren. Oder mit zwei Autos, so dass du jederzeit weg kannst.

    Das hat mich stutzig gemacht:

    So etwas passiert aber auch nicht, da er nur zu Hause trinkt… alles im Verborgenen.

    Es ist eben nicht im Verborgenen, sondern vor DIR! Woanders würde er das den Leuten anscheinend nicht zumuten oder schämt sich oder passt sich an oder warum auch immer er das da nicht macht. Aber bei dir , da sind die Hemmungen gefallen? Da ist keine Grenze? Genau diese Grenze meine ich. Es ist ja auch meine Grenze. Die ich setze. Oder eben nicht.

    Was bedeutet das in puncto gegenseitigen Respekt. Wenn er doch anscheinend so spielend auch nüchtern sein kann. Ist es ihm mittlerweile egal wie peinlich er sich dir gegenüber verhält? Zählst du nicht?

    Und warum wäre es auch für dich erst ein Punkt, wenn es öffentlich auffallen würde?

    Habe mal gelesen, dass mehr als die Hälfte der Alkohliker keine körperlichen Entzugserscheinungen hätten. Keine Ahnung. Bei meinem Mann war das eine Frage der Zeit. Früher war da auch nix zu merken.

    Was würde dein Labrador zu dir sagen? Nein, kein Witz, du hast ja beschrieben wie er reagiert. Das kann wie ein Seismograph sein, um selbst zu spüren wo etwas aus dem Ruder läuft.

    Bewundern brauchst du da gar nix bei mir. Ich mache das alles schon viel zu lange mit und es hat ewig gedauert bis ich den Jump! geschafft habe. Da solltest du lieber mal bei Sonnenschein CoA , Aurora oder Lanananana lesen.

    An Trennung habe ich schon eine Millionen Mal gedacht, vor allem bevor ich ausgezogen bin. Ich sag's mal so: von dem betrunken Mann habe ich mich getrennt. Von dem nüchternen nicht. Wie es weiter geht weiß ich nicht. Da ich mir sowieso keine neue Partnerschaft vorstellen könnte, habe ich keinen Druck irgendwas zu entscheiden.

    🏵️

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