Mausezahn11 - Vater alkoholkrank

  • Hallo,

    ich bin Anfang 30 und sehe seit einigen Jahren sehr klar, dass mein Vater Alkoholiker ist. Meine Kindheit war ein Traum, ich werde als Tochter von meinen Eltern geliebt und wir haben eine großartige Familie. Alles wäre perfekt, wäre die Alkoholsucht nicht und ich ertrage es einfach nicht mehr.

    Mein Vater trinkt offensichtlich und auch heimlich und niemand anderes realisiert es, obwohl wir so oft Situationen haben wo es KLAR DEUTLICH IST. Vor einigen Jahren habe ich meine Mutter öfters drauf angesprochen, sie möchte es offensichtlich nicht sehen. Ich habe meinem Vater mehrfach einen Brief geschrieben, aber er ist suchtkrank. Seit ein paar Jahren bin ich still. Und ich leide.

    Vor zwei Jahren war ich ein paar mal in einer Beratungsstelle für Kinder alkoholkranker Eltern. Der nächste dort besprochene Schritt wäre mit meinem Bruder zu sprechen - damit ich nicht mehr alleine mit der Last bin. Ich habe mich bis heute nicht getraut, wollte sein Bild unserer „perfekten“ Familie nicht zerstören. Er geht so locker mit meinem Vater um, kocht freiwillig mit Alkohol etc. - obwohl er super sensibel und feinfühlig ist. Eine Zeit lang war ich abends nicht mehr bei meinen Eltern um nicht konfrontiert zu werden und mich abzugrenzen. In letzter Zeit gab es immer wieder „gute“ und „nüchterne“ Abende und ich hatte das Gefühl, dass es weniger geworden ist - hatte Hoffnung, hab mich dann wieder mehr getraut auch Wochenenden bei ihnen zu sein.

    Jetzt ist Tag 5 von Weihnachten bei meinen Eltern. Gestern musste ich sehen wie sich mein Vater um 15:55 heimlich (direkt 3m neben mir in der Küche) Rum einschenkte. Heute Nachmittag wieder. Ich erkenne SOFORT wenn er getrunken hat oder Durst hat. Es wird grundsätzlich jeden Tag offen getrunken - Alkohol ist kein Tabu-Thema. Aber er trinkt halt auch heimlich. Er bleibt zum Glück immer nett - halt betrunken, lauter, lustiger und müde. Sobald er trinkt kann ich ihn nicht mehr anschauen. Kann meine Fassade nicht halten. Darauf reagiert meine Mutter super sensibel, fragt sofort was los ist wenn ich leiser bin. Das will sie sehen, aber die Alkoholsucht nicht.

    Ich fühle mich so alleine. Mit meinem Partner würde ich darüber nicht sprechen, weil ich nicht möchte, dass er meinen Vater so sieht wie ich es tue.

    Mit ChatGPT versuche ich hier die Zeit (ab nachmittags - vorher trinkt er nicht) zu überstehen. Und das hilft mir in manchen Situationen schon sehr. Ich sage mir Mantras auf, bleibe ruhig, grenze mich ab. Aber mir fehlen echte Menschen, ein Austausch für die reale Zukunft. Wie kann ich meine Liebe aufrecht halten? Wie kann ich meine Kontroll-Polizei abstellen? Wie soll ich mein Leben damit leben? Ihnen irgendwann ein Enkelkind schenken?

    Es tut auf jedenfall schonmal gut diese ehrliche Zeilen zu schreiben. Ich öffne mein Herz und auch meine Welt für die Realität.


    Liebe Grüße und ich hoffe, dass ihr warme Weihnachten hattet!

  • Liebe/r Mausezahn11,

    hier wirst du ähnliche Erlebnisse finden, fein dass du hier her gefunden hast, hab n bisschen Geduld, einer der Moderatoren wird sich bald bei dir melden…

    Ich erkenne in deinem Bericht auch etliche Elemente aus meinem Erleben…

    Trau deiner Wahrnehmung…

    LG Simsalabim

  • Linde66 27. Dezember 2025 um 20:52

    Hat den Titel des Themas von „Vorstellung - Vater alkoholkrank“ zu „Mausezahn11 - Vater alkoholkrank“ geändert.
  • Hallo Mausezahn,

    herzlich Willkommen hier bei uns im Forum. Du hattest dich bereits für die Teilnahme beworben. Ich habe dich gerade freigeschaltet und in den EKA-Bereich (erwachsene Kinder) verschoben. Jetzt kannst du dich im Forum austauschen, nur bitte in den ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den Usern mit den orangeroten Namen.

    Ich bin auch EKA und mir kommt vieles bekannt vor, was du schreibst. Mir sind zwei Sätze aufgefallen.

    grenze mich ab

    Das habe ich auch gemacht und mit jedem Kilometer mehr und mit jeder Woche, jedem Monat mehr hat das besser geklappt. Es war nicht einfach und es hat sich vollkommen verkehrt angefühlt, aber nur so konnte ich verhindern im Elternhaus unterzugehen.

    Ihnen irgendwann ein Enkelkind schenken?

    Äm, wir sind nicht mehr in den 50er Jahren, wo die Töchter ihren Eltern ein Enkelkind schenken müssen, um einen Stammhalter vorzuhalten. Die Zeiten sind echt vorbei.

    Bitte versuche den Fokus auf dich zu lenken, gerade was solche für dich sehr persönlichen Lebensentscheidungen angeht. Es ist in allererster Linie dein Kind und das Kind deines Partners.

    Viele liebe Grüße,
    Linde :)

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Linde66,

    danke für deine Worte.

    Es war nicht einfach und es hat sich vollkommen verkehrt angefühlt, aber nur so konnte ich verhindern im Elternhaus unterzugehen

    Es fühlt sich für mich unvorstellbar an, mich dermaßen abzugrenzen. Je nachdem wie es sich entwickelt, wird das aber mein Ausweg sein. Es freut mich zu lesen, dass du deinen Weg und dein Leben so finden konntest!


    Gerade sitze ich hier mit meinem Vater und trinke Kaffee. Er nüchtern, ich emotional absolut distanziert und fühle mich schuldig, obwohl die Schuld nicht bei mir liegt. Ich bin müde von meiner Maske.


    Eine klare Frage habe ich nun: wie sinnvoll ist es mit meinem Bruder zu sprechen? Ich habe (durchs mitlesen hier im Forum) schonmal verstanden, dass der Wunsch eines Entzuges und eines trockenen Lebens von einem selbst kommen muss. Ich kann meinen Vater nicht zwingen. In meiner Wunschwelt würde ich nach vielen Jahren endlich mit meinem Bruder sprechen, dann wäre ich nicht mehr alleine, aber seine Wunschwelt zerstört. Wir wären ein Team, würden zu zweit mit meiner Mutter sprechen. Dann wäre sie nicht mehr alleine. Wir wären zu dritt und könnten mit meinem Vater sprechen. Gut. Es könnte etwas bewirken, es könnte aber auch das Traumschloss meines Bruders und vorallem das Leben meiner Mutter zerstören.

    Ich habe das Gefühl dass ich dauerhaft Verantwortung trage. Entweder die Verantwortung für meinen Vater und das Umfeld zu schweigen oder jetzt die Verantwortung die Fassade zu zerstören und deren Welt zu erschüttern - weil ich die Stille nicht mehr ertrage.

  • Du würdest dir ein Universum von Co‘s basteln, die alle synchron um den Alkoholiker kreisen?
    Wenn einer allein ihn nicht trocken bekommt, dann vielleicht alle zusammen?

    Das wird nicht funktionieren.

    Mein Bruder und ich sind ja beide EKA. Er hat über die Jahre seinen eigenen Weg gefunden. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber manches deutet darauf hin, daß er meinen Weg da raus anfangs weder begriffen noch gutgeheißen hat. Aber heute ist es gut wie es ist.
    Aus eigener Erfahrung kann ich nur raten, keine anderen Menschen zu instrumentalisieren, um beim Alkoholiker etwas zu erreichen.
    Wenn ich um - zu - Gespräche aufgedrückt bekomme, bin ich weg. Ich lasse mich nicht instrumentalisieren. Auch nicht für ein hehres Ziel.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Aus eigener Erfahrung kann ich nur raten, keine anderen Menschen zu instrumentalisieren, um beim Alkoholiker etwas zu erreichen.

    das ist so hart zu lesen. In meiner Wunschwelt würde es etwas bringen. Dachte an eine schöne Intervention, bei der es sicherlich viele Tränen geben wird und er dann einen AHA Moment hat. Aber nur mein Vater muss es wollen. Er sieht es aber sicherlich nicht als Problem. Und wenn doch, frag ich mich auch oft, ob er es spürt oder hinterfragt.

    Und ich frage mich oft, ob sich mein Bruder vielleicht auch alleine fühlt.

    In der Beratungsstelle wurde ich natürlich darüber aufgeklärt, dass EKA immer wissen dass etwas los ist. Und nun sind wir sogar erwachsen. Er muss es doch wissen oder spüren.. oder realisieren, dass es einfach nicht normal ist, dass jeden einzelnen Abend Wein geöffnet wird. Selbst wenn er das heimliche Trinken nicht realisiert.

  • Ich weiß nicht, ob Dich das entlastet aber im Grunde hast du nur die Verantwortung für dein Leben.

    Danke, das trifft es glaub ich sehr auf den Punkt. Gerade fühlt es sich an, dass ich die Verantwortung für die gesamte Familie trage und nicht nur meine eigene. Bin ja auch noch sehr am Anfang die ganze Situation und mein Verhalten und meine Gefühle zu verstehen und zu sortieren.

  • hallo Mausezahn,

    ich musste einen Beitrag von dir aus dem Vorstellungsbereich herausnehmen.

    Jetzt kannst du dich im Forum austauschen, nur bitte in den ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den Usern mit den orangeroten Namen.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Er muss es doch wissen oder spüren.. oder realisieren, dass es einfach nicht normal ist, dass jeden einzelnen Abend Wein geöffnet wird.

    Mein Vater hatte in den 56 Jahren, die ich ihn kannte, meines Wissens keinen einzigen Tag ohne Alkohol. In meiner Kindheit waren es täglich mindestens drei Bier, ein Liter Wein, mehrere Schnäpse. Später hatte ich lange keinen Kontakt mehr mit ihm. Ich habe es aber auch völlig normal empfunden, jeden Tag zu trinken, ich habe noch viel mehr getrunken als er.

    Bei meinem Vater kam in späteren Jahren nur noch die Frage "willst Du mich kontrollieren", wenn ihn irgendwer auf seinen Konsum oder auf sein Leben ansprach.
    Und er erteilte Hausverbote, ganz einfach.
    Als er starb, habe ich zwanzig Liter Schnaps und ein halbvolles Weinfass mit vielleicht 50 Litern Rest entsorgt.
    Das Hirn war kaputt und die Leber auch.

    Nicht mein Problem. Mein Leben war unabhängig von seinem. Und ich war da längst trocken und ich wusste aus eigener Erfahrung, Hilfe wird abgelehnt. Habe ich ja auch so gemacht.
    Ich hab zwar den Pflegedienst organisiert und ihm einen Heimplatz besorgt, als es nicht mehr ging, aber meine eigene Befindlichkeit beeinträchtigte das nicht.

    Wozu brauchst Du das, dass er aufhört? Du bist erwachsen.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Er muss es doch wissen oder spüren.. oder realisieren, dass es einfach nicht normal ist, dass jeden einzelnen Abend Wein geöffnet wird. Selbst wenn er das heimliche Trinken nicht realisiert.

    Hallo Mausezahn,

    Du bekommst immer deutlicher mit, dass die Situation für dich zuhause so nicht mehr tragbar ist. Und nimmst aus dem was du hier liest auch mit, dass du nur dein eigenes Verhalten ändern kannst. Du kannst deinen Vater nicht trocken legen.

    Ja, vielleicht merkt dein Bruder durchaus etwas und hat ebenfalls Ängste, sich dir zu öffnen. Ich lese bei dir auch viel Angst, verantwortlich zu sein, wenn du deinen Bruder auf deine Beobachtungen ansprichst. Dein Vater ist für sein Trinkverhalten verantwortlich, nicht du. In meinen Augen ist es auch völlig legitim mit deinem Bruder ins Gespräch zu kommen, wenn es dabei in erster Linie um dich geht und dass du dich deinem Bruder mitteilen möchtest. Wenn das hauptsächliche Ziel beim Gespräch mit deinem Bruder ist, den Vater trocken zu legen - da hat Linde ja schon etwas dazu gesagt.

    Liebe Grüße und schön, dass dich dein Weg hierher geführt hat!
    Seepandarine

  • Hallo Lebenskuenstler und Seepandarine,

    danke für eure Worte.

    Wozu brauchst Du das, dass er aufhört?

    Weil es zu einem Zeitpunkt unsere liebevolle, warme Familie und die große Liebe meiner Eltern zerstören wird. Aber ich verstehe, dass es nicht in meiner Verantwortung und Macht liegt.

    dass du nur dein eigenes Verhalten ändern kannst. Du kannst deinen Vater nicht trocken legen.

    Ich habe gestern angefangen auf mich zu achten und habe nach vielen Jahren endlich etwas Last abgegeben und bin sehr stolz auf mich selbst. Ich habe meinem langjährigen Partner erzählt, dass mein Vater Alkoholiker ist. Er hat es erst gar nicht verstanden, hat aber trotz der Wahrheit sehr viele liebe Worte für meinen Vater gefunden. Und ich denke das zerquetscht mein kindliches Herz: ich werde loyal von meinem Vater geliebt, ohne Ausfälligkeiten. Er tut mir und meiner Familie gar nichts schlechtes, nur ALLES für uns. Aber er enttäuscht mich maximal, weil er sehr krank ist und es verheimlicht. Ich empfinde Liebe für meinen großartigen Vater und brutale Wut und Abneigung gleichzeitig. Und halt Verantwortung und Last die nicht meine ist. Weil ich still bin.
    Ich bin auch stolz auf mich, weil ich mich wieder bei der Beratungsstelle gemeldet habe und die Termine einfacher werden, weil ich es meinem Freund nicht mehr verheimlichen muss. Bin in Aktionismus und liege seit 2Uhr wach. Die ersten Sekunden war ich nach dem aufwachen leicht, dann kam die Realität von Weihnachten mit Wucht zurück.

    völlig legitim mit deinem Bruder ins Gespräch zu kommen, wenn es dabei in erster Linie um dich geht und dass du dich deinem Bruder mitteilen möchtest

    Ich ertrage die Stille nicht mehr. Die Stille die mich und die Familie zerdrückt. Es ist ein Elefant im Raum.

  • Hallo Mausezahn, das könnte fast 1:1 mein Text sein, nur dass es sich bei mir um meine Mutter handelt. Diese Hilflosigkeit, das mit niemandem sprechen können, diese Wut auf meine Mutter, wenn sie getrunken hat, die Hoffnung, mit einer Intervention etwas ändern zu können,...

    Im Endeffekt hat bei mir nur Abgrenzung geholfen (Kontakt runterfahren und nichts mehr erwarten) und die Erkenntnis, ich kann ihr nicht helfen, wenn sie nicht selbst etwas ändern will. Es gab mehrere wirklich schlimme Momente, wo ich dann explodiert bin und sie konfrontiert habe inkl. Angebot sie zu unterstützen bei einem etwaigen Entzug,... - aber nichts - da kam nichts zurück - wurde komplett wegignoriert, beim nächsten Treffen wurde getan, als wäre nie etwas passiert.

    Meinem Exfreund habe ich auch nie etwas davon erzählt, weil ich mich irgendwie geschämt habe, im Nachhinein hätte ich das aber anders gemacht - sehr gut, dass du deinem Freund davon erzählt hast!

    Du machst das schon richtig mit der Beratungsstelle. Ich würde vielleicht versuchen zusammen mit deinem Bruder einmal (!) ein Gespräch mit deinem Vater zu suchen, alles auf den Tisch zu legen, und ihm nahezulegen sich Hilfe zu suchen und ihm zu sagen, dass ihr ihr gerne dabei unterstützt - wenn er allerdings so weitermacht würdest du dir das nicht mehr mitanschauen und den Kontakt reduzieren. Mehr kannst du nicht machen. Kannst mir auch gerne per PN schreiben wenn du möchtest!

  • hallo Mausezahn11

    bin auch EKA sowohl als auch alki.

    Hallo Mausezahn, das könnte fast 1:1 mein Text sein, nur dass es sich bei mir um meine Mutter handelt. Diese Hilflosigkeit, das mit niemandem sprechen können, diese Wut auf meine Mutter, wenn sie getrunken hat, die Hoffnung, mit einer Intervention etwas ändern zu können,...

    Im Endeffekt hat bei mir nur Abgrenzung geholfen (Kontakt runterfahren und nichts mehr erwarten) und die Erkenntnis, ich kann ihr nicht helfen, wenn sie nicht selbst etwas ändern will. Es gab mehrere wirklich schlimme Momente, wo ich dann explodiert bin und sie konfrontiert habe inkl. Angebot sie zu unterstützen bei einem etwaigen Entzug,... - aber nichts - da kam nichts zurück - wurde komplett wegignoriert, beim nächsten Treffen wurde getan, als wäre nie etwas passiert.

    bei mir ist es auch die mutter die nicht von dem zeug loskommt. es ist nicht nur die hilflosigkeit mit niemanden zu sprechen , sondern auch das mit zusehen zu müssen wie sich jemand den man eigentlich liebt, zugrunde richtet. ich habe aus eigener erfahrung lernen müssen das du nichts machen kannst! rein gar nichts! die sucht ordnet alles unter, völlig egal was... hab jetz seit jahren kein kontakt mehr mit ihr und mir gehts gut damit. ich konnte auf dauer die energie nicht mehr aufbringen, mich damit zu beschäftigen. das was bleibt ist die wut die aber mehr oder minder der hilflosigkeit entspringt und nicht auf die person gerichtet ist sondern auf die sucht.

    Du machst das schon richtig mit der Beratungsstelle. Ich würde vielleicht versuchen zusammen mit deinem Bruder einmal (!) ein Gespräch mit deinem Vater zu suchen, alles auf den Tisch zu legen, und ihm nahezulegen sich Hilfe zu suchen und ihm zu sagen, dass ihr ihr gerne dabei unterstützt - wenn er allerdings so weitermacht würdest du dir das nicht mehr mitanschauen und den Kontakt reduzieren. Mehr kannst du nicht machen. Kannst mir auch gerne per PN schreiben wenn du möchtest!

    ich kann dir aus erfahrung sagen das es nichts bringt. hab ich alles durch und ich dachte gerade durch meine suchtgeschichte hätte ich eine bessere pespektive...tja pustekuchen. das ging sogar soweit dass das gespräch als vorwand benutzt wurde um den rückfall zu erklären, zitat "... ihr habt mich dazu gebracht was zu tun was ich eigentlich gar nicht wollte und so müsst ihr mit dem rückfall leben...". tja was willste da noch sagen? solang der betroffene nicht selbst zur einsicht gelangt, kannst du dich auf den kopf stellen, du wirst nichts erreichen sondern sogar noch als der böse hingestellt. glaub mir die energie die du da verschwendest, kannst du sinnvoller einsetzen.

    gruss eternal

  • Hallo markomaier123 ,

    deine Worte zu lesen tut so gut. Es fühlt sich besser an, weil ich nicht alleine bin. Und es tut mir natürlich sehr Leid, dass auch du diese Erfahrung machen musst. Ich werde dich anschreiben.

    ihm nahezulegen sich Hilfe zu suchen und ihm zu sagen, dass ihr ihr gerne dabei unterstützt - wenn er allerdings so weitermacht würdest du dir das nicht mehr mitanschauen und den Kontakt reduzieren. Mehr kannst du nicht machen.

    Vielleicht ist das einfach wirklich mein Weg. Die Stille brechen, meinen Bruder aufklären über etwas, was er sicherlich im Inneren weiß und wirklich einmal den Versuch wagen gemeinsam unseren Vater anzusprechen.

    ich habe aus eigener erfahrung lernen müssen das du nichts machen kannst! rein gar nichts! die sucht ordnet alles unter, völlig egal was...

    _Eternal_ und dann hast du total recht. Es ist leider einfach immernoch die Entscheidung meines Vaters und leider in der Hand der Sucht. Aber dann kann ich vielleicht die Situation hinnehmen. Weil ich die Stille breche und Verantwortung abgebe, die nicht meine ist und seit Jahren heimlich trage. Habe hier gelernt, dass man selbst die Priorität ist. Was wir EKA aber ja nicht lernen, aus Rücksicht.

    Es ist spannend deine Worte aus beiden Perspektiven zu lesen.


    Und dann gibt es noch etwas:

    ich habe Angst um meine Mutter. Sie möchte es nicht sehen, unterstützt grundsätzlich offenen Alkoholkonsum und sie leben ein soziales Umfeld wo immer gerne getrunken wird. Sie haben ein tolles Leben. Wenn sie das Ausmaß und das heimliche Trinken einmal realistisch realisiert (egal ob durch ein erneutes Gespräch oder durch ihre eigene Erkenntnis) wird ihre Welt zerbrechen und sie „muss“ mit einem Alkoholiker zusammenleben, welcher ihre große Liebe ist. Und auch (zum Glück) im Vollrausch sehr süß zu meiner Mutter ist. Davor habe ich Angst. Und ich will sie damit nicht alleine lassen.

  • Liebe Mausezahn11,

    deine Mutter tut dir leid und du willst sie mit etwas nicht alleine lassen, worum sie dich noch gar nicht gebeten hat…?!?

    Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie einsam und besch… es sich anfühlt, umgeben zu sein von Verwandten/Angehörigen die den Elefant im Raum stillschweigend umrunden und wehe, ich spreche es an, dann wird der Dickhäuter (die ich übrigens sehr mag/die echten) verniedlicht, verharmlost, beschwichtigt, verallgemeinert…

    Ich finde es gut dass du dich deinem Partner bezüglich deiner Sorge um deinen Vater anvertraut hast…

    Insgeheim bewundere ich deine Wärme u Liebe die aus deinen Zeilen deinem Vater gegenüber sprechen…

    Und ich wünsche dir, dass du mit dir ähnlich liebevoll und besorgt umgehen kannst…

    Deine Sorge bzgl deines Vaters mit deinem Bruder zu besprechen… und wie dich das belastet finde ich generell gut, jedoch müsstest du auch mit einer Reaktion rechnen, die dir womöglich gar nicht gefällt… probieren geht über studieren…

    Ich wünsche dir den Mut und die Kraft, dich in deinem Leben ganz gesund egoistisch an die 1. Stelle zu setzen… mir wünsche ich das auch…!


    LG Simsalabim

  • Mein Vater und ich haben uns sogar über seinen Alkoholismus unterhalten.
    Irgendwann, nachdem ich selbst aufgehört hatte, kam es bei einem Besuch zur Sprache, dass ich eben aufgehört hatte, weil ich Alkoholiker bin.
    Er hat mir was angeboten und ich habe es abgelehnt, und da habe ich das klargestellt.

    Und ein oder zwei Jahre später kam er selbst damit, dass er mit seinem Verbrauch Alkoholiker ist.
    Und erklärte mir zwei Sätze weiter, dass sich aufhören für ihn nicht rentiert, da ein nüchternes Leben kaum Gewinn für ihn wäre, der es rechtfertigen würde, dafür die Anstrengungen des Aufhörens auf sich zu nehmen. Und natürlich hat er nicht aufgehört.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich habe gestern angefangen auf mich zu achten und habe nach vielen Jahren endlich etwas Last abgegeben und bin sehr stolz auf mich selbst. Ich habe meinem langjährigen Partner erzählt, dass mein Vater Alkoholiker ist.

    (...)


    Ich bin auch stolz auf mich, weil ich mich wieder bei der Beratungsstelle gemeldet habe und die Termine einfacher werden, weil ich es meinem Freund nicht mehr verheimlichen muss.

    Guten Abend Mausezahn,

    prima, dass du weitere Schritte für dich gehst, dich mitteilst und wieder Kontakt zur Beratungsstelle aufgenommen hast!

    Irgendetwas an deinen Beiträgen hat mich nicht losgelassen, ich glaube ich weiß jetzt, was es ist. Ich lese zwischen deinen Zeilen einen großen Druck raus, deine Familie überzeugen zu müssen von der Alkoholabhängigkeit deines Vaters, dass deine Mutter und dein Bruder dass doch auch sehen müssen. Dass du jetzt "die Böse" bist, die die heile Welt zerstört. Hierzu aus deinem ersten Beitrag:

    Mein Vater trinkt offensichtlich und auch heimlich und niemand anderes realisiert es, obwohl wir so oft Situationen haben wo es KLAR DEUTLICH IST. Vor einigen Jahren habe ich meine Mutter öfters drauf angesprochen, sie möchte es offensichtlich nicht sehen. Ich habe meinem Vater mehrfach einen Brief geschrieben, aber er ist suchtkrank. Seit ein paar Jahren bin ich still. Und ich leide.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass es wesentlich leichter ist, wenn man jemanden hat, der die eigene Empfindung teilt. Für meine Schwester und mich war die Alkoholabhängigkeit meines Vaters klar (für ihn auch - er hat es trotzdem nicht aus der Sucht geschafft). Und es kann gut sein, dass du deinen Bruder und deine Mutter nicht von deine Perspektive überzeugen kannst. Was wäre dann? Wie könntest du auch unabhängig von den beiden, für dich, gut mit der Situation umgehen?

  • Hallo ihr,

    Es sind nun über 2 Wochen vergangen in denen ich nochmal sehr viele Emotionen durchlebt habe, aber bei mir zuhause auch wieder glücklich wurde. Auf Distanz halt.

    Es ist auch einiges passiert: morgen habe ich meinen ersten Termin bei der Psychotherapie. Darauf freue ich mich. Ich habe zusätzlich zu meinem Freund auch meine beste Freundin in meiner Realität eingeweiht. Es tut wirklich so gut nun mit jemanden sprechen zu können und ich bin weiterhin sehr stolz auf mich, dass ich mich priorisiere nachdem ich Jahrelang niemanden einweihen wollte. Und ich war bei der Beratungsstelle. Das war ebenfalls gut, aber zeitgleich auch verwirrend, weil es keinen richtigen und falschen Weg gibt und ich die Fäden in der Hand halte und die Balance durch mein schweigen innerhalb der „heilen“ Familie aufrecht erhalte. Sie sah auch so viel Liebe für meine Eltern und die Liebe, die zurück kommt.. Ich hab nun aber auch nochmal ganz klar verstanden, dass ich keine Verantwortung trage. Es ist die Krankheit meines Vaters. Mein Problem ist, dass ich meine Familie retten möchte. Solange ich es nicht sage, ist es für sie in ihrer Bubble nicht real = Ich rette sie. Das verknüpft mein Kopf miteinander.

    das passt auch zu deinen Worten Seepandarine :

    Und es kann gut sein, dass du deinen Bruder und deine Mutter nicht von deine Perspektive überzeugen kannst. Was wäre dann? Wie könntest du auch unabhängig von den beiden, für dich, gut mit der Situation umgehen?

    Ich verstehe nun, dass es mir gar nicht darum geht, dass ich sie überzeugen möchte. Ich ertrage den rosanen Elefanten im Raum nicht. Das ist es, was mich zusätzlich zur Krankheit einfach so sehr belastet.

    Gerade lerne ich für mich damit umzugehen indem ich mich mitteile und mir nun auch einfach Hilfe gesucht habe. Und ich gerade wieder meine Grenzen setzen muss. Zwei Einladungen meiner Eltern habe ich nun erstmal abgelehnt. Ich merke, dass ich wachse und an einem ganz anderen Punkt stehe. Auch wenn ich überhaupt gar nicht in dieser Situation sein will - aber das ist ja nunmal meine Realität. Es fühlt sich gerade besser an. In Wellen. Aber ich träume nachts leider viel von meinem Vater und der Sucht.

    Und ich wünsche dir, dass du mit dir ähnlich liebevoll und besorgt umgehen kannst…

    Genau so! Das wünsche ich uns allen

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