Hallo ich bin Pug und Alkoholikern.
Hier meine Geschichte - tw. in Stichworten. Ich hoffe, es ist nicht zu viel...
Aufgewachsen in einem stark alkoholaffinen Kontext in einer Kleinstadt. Vater Alkoholiker, 2 Onkel Alkoholiker, restliche Verwandte ebenfalls dem Trinken nicht abgeneigt, gesamter „Freundeskreis“ der Eltern bestand nur aus Säufern. Von diesen Menschen leben nur noch wenige, die meisten haben sich totgesoffen.
Erste Berührungspunkte als Kind. Mit 8-9 Jahren zu Anlässen Sprite aus Sektgläsern, für das Zugehörigkeitsgefühl zu den Erwachsenen beim Anstoßen. Probieren dürfen von Bier aus fingerhutgroßem Gläschen. Im gleichen Alter mal Apfelwein (heimlich) aus dem Schrank des Großvaters getrunken, da höchstwahrscheinlich den ersten Rausch (unbewusst) erlebt – bin nach 4-5 Schluck eingeschlafen.
Mit 14 dann der erste bewusste Rausch, Schützenfest, Freundin (12 Jahre) gab uns Mädelsgruppe jedem 3 Bier aus. Hat sie einfach so am Bierstand bekommen.
Nächster Absturz mit 16 Jahren auf einer Schools Out Party. Konsequenz: Krankenhaus mit Magenauspumpen.
Mit 17 noch einmal KH, eigene Erklärung: Vertrage halt keinen Schnaps. Den habe ich seitdem nie wieder getrunken.
Dann lange Phase des angeblich „moderaten“ Trinkens. Partys, Geburtstage, Weihnachten, Wochenenden, zu Anlässen, das, was gesellschaftlich akzeptiert ist. Jedoch zusätzlich Freundeskreis aufgebaut, der der Punkerszene zugehörig war, in der Alkohol auch mit Stolz getrunken wurde.
Durchgängig immer gern getrunken, ab dem Alter von etwa 35 dann auch regelmäßig unter der Woche, zum „Abschalten“ nach der Arbeit 2-3 Gläser Wein, 1–2-mal die Woche. Hatte ich nie hinterfragt, machen ja alle so.
Bruch kam dann etwa ein Jahr nach dem Ausbruch von Corona. Herausforderung im Job durch Stress als Führungskraft vieler Menschen. Homeoffice und die ständige Verfügbarkeit vom Stoff. Erst freitags mal so um 14 Uhr vorm Rechner schon ein Glas Wein trotz Arbeit getrunken, das wurde dann innerhalb eines Jahres zur Gewohnheit und lief am Ende jeden Tag ab ca. 10-11 Uhr, um besser zu funktionieren. Natürlich dann in Tassen eingefüllt oder in farbige Gläser, damit keiner sieht, was ich trinke. Hatte einfach das Gefühl, selbstbewusster zu sein, besser zu funktionieren und auch ohne Hemmungen unschöne Dinge ansprechen zu können.
Generell habe ich dabei nie die Strenge überschlagen, konnte auch nach einer gewissen Menge aufhören, wenn ich gemerkt habe, der Rausch wird unangenehm. War niemals gewalttätig oder beleidigend, hatte nie Blackouts oder Verletzungen davon. All das verwandelte mein Gehirn dann in den Klassiker: „Ich hab das ja unter Kontrolle.“
Am Ende hat mich mein Mann dabei erwischt und ich habe mir eingestanden, dass das krankhaft ist. War bei Suchtberatung, beim Arzt und ging zu einer SHG.
Bin zur Therapie, habe 3-4 Monate gar nicht mehr getrunken, mir danach aber eingeredet, ich hätte es im Griff und die Vereinbarung mit meinem Mann getroffen, dass Alkohol nur noch am Wochenende ein Thema sein darf.
Natürlich Trugschluss, nach 2 Monaten war alles wieder so wie vorher. Dazu kamen einige Schicksalsschläge, die meiner Sucht in die Karten spielten, sodass ich einfach unter der Woche heimlich weitertrank.
Dann jedoch Besinnung Anfang des Jahres und kompletter Verzicht, bis vor einem Rückfall vor 14 Tagen. Seitdem wieder trocken. Gehe weiterhin zu lokalen SHG und möchte dieses Angebot hier zusätzlich wahrnehmen, um Unterstützung von Gleichgesinnten zu erfahren und sich auszutauschen. Ich möchte mein Leben lang abstinent und trocken bleiben und endlich/weiterhin mein Leben ohne Benebelung genießen!
LG
Pug