Lullaby_76 - Leben geht in Richtung Abgrund!

  • Hallo zusammen, wollte mal wieder etwas schreiben und habe auch ein Anliegen. Nach nun fast zwei Monaten Abstinenz muss ich sagen das Ganze ist schwieriger als gedacht (das mit der Abstinenz). Die Stimmen und das Verlangen wird seit einiger Zeit stetig lauter. Es geht mir im allgemeinen sehr gut und manchmal besonders wie heute montags auch etwas schlecht. Beide Zustände verlocken mich zur Flasche zu greifen. Irgendwas in mir ruft und wird lauter, so oft ich auch versuche mit Logik dagegen zu gehen und mir vor Augen führe an welchem Riesen-Tiefpunkt ich war, kommt mit fortschreitender Zeit gerade wieder das:

    „Komm, hast es so lange geschafft, nur ein oder zwei Bier werden dich schon nicht umbringen, das Ganze war doch gar nicht so schlimm.“


    Denke mal ich werde nicht der Einzige sein der das durchmacht und bin deswegen auf Feedback froh und angewiesen.

    Grüße 🖖🏻

  • Lullaby_76 Erst einmal: Du bist absolut nicht allein damit, denn dieses „Vergessen“, wie schlimm es wirklich war, ist der klassische Trick deines Suchtgedächtnisses, um dich wieder einzufangen.

    Dass du nach zwei Monaten so kämpfst, zeigt nur, dass du gerade mitten im entscheidenden Umbauprozess steckst – lass dich von der Stimme nicht einlullen, sie lügt dich schlichtweg an.

    Bleib heute einfach stur gegenüber diesem Flüstern, denn du hast dir die Freiheit der letzten Wochen hart erarbeitet und dein „Zukunfts-Ich“ wird dir morgen sehr dankbar sein, wenn du standhaft geblieben bist. Und so geht es Tag für Tag weiter. Vielleicht hilft Dir das Folgende: Wenn die Stimme sagt: „Eins geht schon“, antworte ihr laut (oder im Kopf) ganz direkt: „Netter Versuch, aber ich kenne den Trick schon. Heute nicht.“ Und vergiss nicht, Du bist nicht allein und schau auch drauf, dass Du schöne und gesunde Dinge tun kannst, die Dich ablenken.

    VG

    Man muss nicht die ganze Treppe sehen, man muss nur die erste Stufe nehmen.

    (trocken seit 21. Januar 2026)

  • so oft ich auch versuche mit Logik dagegen zu gehen

    Die Sucht hat ihre eigene Logik und die ist anders als deine.

    „Komm, hast es so lange geschafft, nur ein oder zwei Bier werden dich schon nicht umbringen, das Ganze war doch gar nicht so schlimm.“

    Deine Suchtstimme.

    Sobald sie bei mir aufkommt, würge ich sie ab, kann auch mal drastischer ausfallen. Wichtig, keine Diskussion. Raus aus der Situation und ablenken. Die Suchtstimme als solche erkennen und entlarven.

    "Du schon wieder, lass mich in Ruhe, geh in deine Ecke und trockne weiter vor dich hin". Punkt, Ende!

    Das kannst du erlernen. Das Suchthirn kann sich immer mal wieder melden, aber es wird weniger, wenn es keinen Ansatzpunkt findet.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • hallo lullaby

    versteh es jetzt nicht falsch, aber du bist zu wenig hier, du mußt dich mit dem thema richtig auseinander setzen um aus den alten mustern zu kommen. nur nicht trinken reicht einfach nicht aus.

    ich vergleiche das immer mit den tiefen fahrrinnen die die alten wagen auf burgen tief in den stein gegraben haben. da kommste nicht mit etwas schieben und hoffen raus. da muß du tatkräftig anfassen und dann müssen neue spuren gegraben werden um nicht schnell wieder in die alten zu rutschen.

    ich weiß das du viel zu tun hast. trotzdem solltest du dir alle paar tage mal die zeit nehmen um mal nen kurzen alltagsbericht hier zu lassen. wir sehen dann wo du mal hinsehen solltest und was verändern könntest so das die neuen spuren schnell an substanz gewinnen.

    aus der sucht raus kommen ist harte arbeit und es dauert in der regel ein jahr bis die neuen spuren stabiel sind. versuch dich hier wirklich öfter zu melden, hier zu lesen, fragen zu stellen oder deine meinung da zu lassen. das hilft ungemein, es sortiert vieles im kopf und gibt ein gewisses gefühl der sicherheit.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • ok ich stalke ja niemanden, ist mir nicht bewußt das du täglich liest. es macht durchaus sinn einfach kurze einträge da zu lassen, was so am tag war, wie ein tagebuch. gerade wenn man so "gedankenstolperer" hatte macht es sinn die mal aufzuschreiben. auch für dich selbst weil du dann sehen kannst ob es zu oder abnimmt. man vertut sich ja doch mal wenn man es nicht schriftlich hat. und von anderen kommt dann auch die ein oder andere idee wie man es abstellen kann. dafür sind wir ja hier um uns gegenseitig auf die füße zu treten wenn wir zu nah an abgrund hinlatschen. man selbst sieht ja gern den wald vor lauter bäumen nicht.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • so essen kocht, dann gehen wir mal von den allgemeinplätzen weg und machen nägel mit köpfen.

    was konkret ist gerade bei dir los? hast du probleme die dir die luft zum atmen nehmen und dir die flasche als lösung vorgaukeln? was kannst du tun um probleme zu lösen und aus dem druck zu kommen. evtl hilft es wenn du dich hinsetzt und anfängst das mal schriftlich zu fixieren. problem und lösungsansätze und auch dinge die nicht gehen weil.... das hilft im kopf ordnung zu kriegen und vermindert den saufdruck der ja oft aus hilflosigkeit resultiert. wenn du leute hast mit denen du tacheles reden kannst hilft das auch oft sehr. wäre dein mann da der richtige? oder ein bruder, die mutter, freundin, wer auch immer.

    oder geht es dir jetzt gerade sau gut, sonne kommt raus, vögel singen. herrlich. wie kannst du dich anders belohnen als durch alk? was würde dir spaß machen? ein schönes schaumbad? eine runde auf der liege in der sonne, ne radtour, ein schwimmbadbesuch, sauna, meditation? was auch immer, du mußt hier eine neue verknüpfung herstellen, geh ins kaffee und gönn dir da ne std für dich. irgend sowas.

    wie sieht es mit deinen zielen aus? hast du da schon irgend welche pläne? ich wußte damals absolut nicht wo ich hin wollte. ich wußte eigentlich nur was ich nicht mehr wollte. ich hab mir ein kleines notizbuch gekauft. in der mitte geteilt. im vorderen bereich sollte hin was ich will, im hinteren was ich nicht will. hinten wurde es ruck zuck gut voll. vorne hat es gedauert. aber es wurde. es half mir meinen kopf zu sortieren. vielleicht ist das auch was für dich.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Du hattest dich ja unter anderem hier angemeldet und beschlossen, nicht mehr zu trinken, weil du im Rausch so unangenehm eskaliert bist. Es ist jetzt Zeit vergangen, die Scham und die Erinnerungen verblassen, dein Hirn suggeriert dir vielleicht, dass es gar nicht sooo schlimm war bliblablubb...

    Hol dir das Gefühl zurück, wie furchtbar du dich gefühlt hast. Wie elend es dir ging. Dann hast du genügend Gründe, am Ball zu bleiben.

    Gruß, Hera

  • Du bist jetzt zwar körperlich promillefrei, aber Dein Suchthirn versucht Dich immer noch auszutricksen. In den ersten Monaten fiel es mir auch schwer, musste viel an mich „ arbeiten“ und es dauert noch an.
    Hast Du schon mal an eine ambulante oder stationäre Therapie in Bezug auf Sucht gedacht? Gehst Du in eine reale Gruppe?

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • so essen kocht, dann gehen wir mal von den allgemeinplätzen weg und machen nägel mit köpfen.

    was konkret ist gerade bei dir los?

    Danke, dass du so genau nachfragst und hinterhergehst! Hoffe es gibt was Gutes zu essen bei dir.

    Es geht mir sehr gut, bis auf den typischen Montagsblues der aber nur heute anhalten dürfte.

    Mit meinen Hobbies die mir der Alkohol großteils genommen hat, fange ich langsam wieder an, und da das sehr viele sind habe ich Ziele und auch mehr zu tun als eigentlich Zeit da ist.

    Meine Eskapaden und Eskalationen der jüngsten Vergangenheit auf der Arbeit und in der Nachbarschaft bleiben wie es momentan ausschaut ohne Folgen, sodass ich diesen Riesensorgenbatzen auch langsam abhaken kann.

    Wäre oder sollte also alles schön sein.

    Jetzt kommen die Dinge die ich denke sind das Problem oder zumindest ein Teil davon und dafür verantwortlich, dass die Stimmen gerade wieder lauter werden.
    Der Ekel vor dem Alk wird weniger und gerät in Vergessenheit. Die ersten Wochen habe ich mich nur bei dem Gedanken an Alk fast wieder übergeben müssen, dass wird spürbar weniger.
    Die Zeit fängt an Wunden und Schockzustände zu heilen und das verstärkt die ‚war alles nicht so schlimm Stimmen‘ wieder.

    Die Lust, das Craving und die Stimmen war/ist alles nicht so schlimm kommen weder wegen der schlechten noch der guten Laune, oder vielleicht auch bei beidem, aber mit Sicherheit sitzen sie immer permanenter und immer lauter auf meiner Schulter. Notfallkoffer, erste-Schritte, und viele andere Tipps die ich lese und kenne helfen bis jetzt nicht, die Stimmen sind da.

    Eine der Gründe weshalb ich nicht zur Flasche gegriffen habe, war tatsächlich weil ich an diese Online und meine reale SHG denken musste und mir vor Augen geführt habe wie es sein wird hier und in der realen zu beichten und posten, dass ich rückfällig geworden bin, und darauf hatte ich buchstäblich „keine Lust“. Das fühlt sich aber nicht stabil an und ich weiß auch nicht wie lange mich das noch abhalten wird.

  • Du hattest dich ja unter anderem hier angemeldet und beschlossen, nicht mehr zu trinken, weil du im Rausch so unangenehm eskaliert bist. Es ist jetzt Zeit vergangen, die Scham und die Erinnerungen verblassen, dein Hirn suggeriert dir vielleicht, dass es gar nicht sooo schlimm war bliblablubb...

    Hol dir das Gefühl zurück, wie furchtbar du dich gefühlt hast. Wie elend es dir ging. Dann hast du genügend Gründe, am Ball zu bleiben.

    Gruß, Hera

    Genauso ist es wie du schreibst. Um das Ganze nicht zu vergessen habe ich sogar ein Poster entwickelt mit Bilder und Text aller Situationen in denen ich mich befand. Schlägerei auf Feier und Treppenhaus, Notfallstation etc. und es mir immer vor Augen zu führen. Meinem kleinen Teufel auf der Schulter interessiert das relativ wenig

  • dem suchtteufel das maul stopfen ist eine der schwersten übungen überhaupt. da hilft oftmals tatsächlich nur mit jemandem darüber quatschen bzw hier schreiben wenn der kessel droht hoch zu gehen. das hält ja oft nur ne std oder so an, danach wird es wieder erträglicher und für die zeit braucht es wen zum quatschen und einen riesen abstand zur nächsten pulle. diesen druck kennen wir alle und deswegen nehmen wir es auch extrem ernst.

    probier doch wirklich mal hier täglich etwas zu schreiben. das kann ganz banales zeug sein. mein tagebuch ist im geschlossenen und da wirst du nach fast 25 jahren nur noch alltagsbanlitäten finden, aber ich bin noch hier weil unsere krankheit mich auch nach dieser zeit übermannen könnte. und die anderen sehen da webfehler rechtzeitig und hauen die bremse rein. das hilft wirklich. mach dir keine gedanken darüber was du hier schreiben sollst und was nicht, sondern das was dich gerade umtreibt ist genau das was hier her gehört. sehr oft reicht allein das um zu verhindern das sich überhaupt erst groß druck aufbauen kann.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Lullaby,

    nur zur Erinnerung, du hast 1 Flasche Wodka am Tag getrunken, bist ausfallend und körperlich aggressiv geworden.

    Mir hilft bei Suchtdruck am besten, mir ordentlich den Bauch vollzuschlagen mit richtigem, warmen Essen, danach werde ich wohlig ruhig und wundere mich, wo der Suchtdruck hin ist.

    Nach 2 Monaten war das bei mir auch sehr schlimm, glaub mir, es wird besser, ich hab monatelang aktuell schon Ruhe.

    LG Matcha

  • Meinem kleinen Teufel auf der Schulter interessiert das relativ wenig

    Dann schnippe ihn mal von der Schulter. Aber mit Überschlag. ;)

    Ich habe jetzt mal in mich rein gefühlt um festzustellen, wieso ich so glücklich abstinent bin. Dabei ist mir aufgefallen, dass mein Antreiber gar nicht "wie schlecht alles war" ist. Obwohl ich, wenn ich länger darüber nachdenke eine Menge Dinge aufzählen könnte.

    Aber das war mal. Und es hat am Anfang ja auch dazu geführt, dass ich mit der Sauferei aufgehört habe. Ich kann aber auf meinem Weg (siehe Name) ja nicht ständig nach hinten sehen, wie es war. Denn dann sehe ich nicht wo es hingeht und "stolpere" gerade erst recht.

    Das Leben wird nach hinten verstanden und nach vorne gelebt. Ich muss nicht mehr trinken. Mir Gedanken deswegen machen und mir ständig etwas besorgen und entsorgen. Ich bin frei und habe Energie um gefestigt voranzuschreiten.

    Ich will, dass es so bleibt und ggfs. noch besser wird. Es gibt viele Dinge, auf die ich mich noch freue im Leben. Das geht nur ohne Alk. DAS ist mein Motivator.

    Es geht Dir besser. Dein Leben wird besser. Es ist wohl noch mal gut gegangen. Sei froh darum. Ich bin es auch. Geh nach vorne. Entwickle Dich weiter. Setze Dir kleine Ziele und ggfs. auch ein Großes.

    VG
    Alex

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Genauso ist es wie du schreibst. Um das Ganze nicht zu vergessen habe ich sogar ein Poster entwickelt mit Bilder und Text aller Situationen in denen ich mich befand. Schlägerei auf Feier und Treppenhaus, Notfallstation etc. und es mir immer vor Augen zu führen. Meinem kleinen Teufel auf der Schulter interessiert das relativ wenig

    Ich würde das nicht so von mir abtrennen. Oder das als Suchtteufel auf der Schulter personalisieren. Es ist eine Krankheit, die ein Teil von dir ist und keiner sitzt auf deiner Schulter und flüstert dir irgendwelche Dinge ein. Das wirkt, als gäbe man seine Macht über sein Verhalten an was Fiktives ab. (Ist aber meine Meinung.)

    Suchtteufel, Suchstimme, Suchthirn...du kannst es so bezeichnen, aber unterm Strich bist das du mit einer Scheißkrankheit, die einen aber nicht zwangsläufig in die Knie zwingen muss, wie du hier lesen kannst.

    Akzeptanz zuerst und dann kommt die Freiheit und das ist ein richtig gutes Gefühl.

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