Endo67 - Ja, hallo erstmal

  • Hi zusammen,

    ich bin in meinem Leben ziemlich an mein Limit gekommen und möchte mich mit anderen austauschen, wie sie den Weg aus der Sucht gemeistert haben. Ich trinke seit 13 Monaten nicht mehr, allerdings unfreiwillig, da ich 12 Monate Abstinenz für die MPU vorweisen muss. Damit das auch nach der MPU so bleibt - egal ob die positiv oder negativ ausfällt, suche ich Hilfe im Internet.

    Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich alle Kriterien eines Alkoholikers erfülle, alle Ärzte mit denen ich gesprochen und von meinem erhöhten Konsum erzählt habe, haben mich "nur" in den missbräuchlichen Gebrauch gestuft. Ich hatte auch nie Entzugserscheinungen, wenn ich einfach aufgehört habe zu trinken. Die Schwierigkeit war eher dabei zu bleiben. Zusätzlich dazu habe ich allerhand andere Symptome, die mich in der Vergangenheit zum Trinken animiert hatten. Ich habe mit Alkohol versucht diese Symptome zu lindern. Ich hatte die Hoffnung, dass es mir ohne Alkohol besser gehen würde, leider Fehlanzeige. Jetzt stehe ich quasi mit einem riesengroßen Scherbenhaufen und versuche nach und nach alles aufzuräumen.

  • Hallo Endo67,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe für Alkoholiker.
    Glückwunsch zu einem Jahr Abstinenz!

    In dieser Selbsthilfegruppe tauschen sich ausschließlich Alkoholiker aus, die sich dazu bekennen und eine lebenslange Abstinenz anstreben.

    Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich alle Kriterien eines Alkoholikers erfülle,

    Das kannst nur du alleine beurteilen. Ich wusste es lange bevor es mir Ärzte bescheinigt haben.
    Der Weg vom Missbrauch zur Sucht ist schleichend und irgendwann fällt die Tür zu und es gibt kein zurück mehr.

    Du kannst dich hier durch die Threads der Alkoholiker lesen

    Erste Schritte für Alkoholiker - Alkoholiker Forum

    Du wirst herausfinden, ob du Alkoholiker bist oder nicht.
    Bist du es nicht, dann hast du noch Glück gehabt und solltest gut auf dich aufpassen.
    Bist du es doch, dann melde dich hier wieder bei uns.

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo Endo67,

    man muss nicht alle Kriterien erfüllen, nur genügend. Es müssen nicht erst körperliche Entzugserscheinungen auftreten, bis der Übergang zur Sucht eintritt. Auch Leberwerte sind oft nicht aussagekräftig.

    Es kommt auch öfter vor, dass Ärzte das Ausmaß des Problems nicht sehen (wollen), hab ich selbst erlebt, ein guter Freund ebenso. (Er trinkt immer noch.)

    Denn zum einen kommt das Thema Sucht in der Medizinerausbildung wohl immer noch viel zu kurz, und/oder sie trinken selbst "gern etwas mehr".

    Darum folge Nayouks Empfehlung, lies hier, so viel wie Du kannst, und sei vor allem eins: ehrlich zu Dir selbst. Da hast Du ja schon einen guten Anfang gemacht.

    Denn DU musst mit den Folgen Deines Konsums leben - und eventuell Deine Angehörigen.

    Alles Gute!

  • moin,

    ich finde es immer wieder beängstigend wie sich ärzte zur sucht stellen. man muß absolut nicht erst bei ner flasche vodka am tag sein um abhängig zu sein. im grunde reicht auch ne flasche bier. den ausschlag gibt das unstillbare verlangen danach. das man sich und andere belügt um an die flasche zu kommen, das man jedwede vernunft und jeden noch so guten vorsatz einfach bei seite schiebt nur um wieder trinken zu können. das ist sucht, nicht die menge nicht die zeitabstände sondern das verhalten das man an den tag legt um an sein zeug zu kommen wenn es wieder so weit ist.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Ich war in der Psychiatrie, da war ich schon sehr ehrlich zum Arzt, damit ich nicht wieder nach Hause muss - das wäre für mich damals der Untergang gewesen. Inzwischen habe ich die Muster erkannt, die mich zum Trinken animiert haben.

    Ich hatte nie den Drang einfach so trinken zu müssen, es gab immer wieder die gleichen Trigger und zum Teil war es auch schon Gewohnheit.

    Höchstwahrscheinlich war es eine Sucht und nicht als solche erkannt. Ich blicke auf eine Vielzahl an Fehldiagnosen zurück. Die Dame von der Suchtberatung hatte zu mir gesagt, wenn ich aufhöre zu trinken, werde ich mich besser fühlen. Dann ist der Körper entgiftet und die Psyche kann sich vom Konsum erholen. Die Verkehrspsychologin hat mich dermaßen traumatisiert, dass ich mich alleine auf die MPU vorbereiten musste.

    Inzwischen war ich 9 Wochen auf Reha und da stellte sich heraus, dass es mehr als Alkohol dahintersteckte.

  • In diesem Forum geht es darum, ob du dich als Alkoholiker siehst und ob du ein dauerhaft abstinentes Leben anstrebst.
    Wie du dich "Draußen" gibst, das entscheidest du.

    Der Austausch hier erfolgt auf der Basis der Grundbausteine.

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Den Artikel habe habe ich bereits gelesen und alles schon umgesetzt. Und ich will in Zukunft auch nicht mehr trinken und auch nicht moderat oder ein bisschen, weil das kann ich nicht. Wenn mich das zum Alkoholiker macht, dann bin ich einer.

  • Mit anderen Worten sagst du, du bist Alkoholiker, weil du nicht kontrolliert trinken kannst.


    Ein Alkoholiker kann nicht kontrolliert trinken.

    Für den weiteren Austausch folge dem Link zur Bewerbung für den offenen Bereich:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Bitte anklicken und einen kurzen Satz schreiben, da du dich ja schon ausführlicher vorgestellt hast.

    Nach erfolgter Freischaltung werden wir Dein Thema zu "Erste Schritte für Alkoholiker" verschieben.

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich hatte nie den Drang einfach so trinken zu müssen, es gab immer wieder die gleichen Trigger und zum Teil war es auch schon Gewohnheit.

    ein süchtiger findet am anfang immer einen grund trinken zu müssen, man muß sich ja noch selbst was vor machen und allen anderen natürlich auch. das verschwindet tatsächlich erst mit fortschreiten der sucht und wenn im grunde die erkenntniss kommt das man süchtig ist. aber dieses nach gründen zum trinken suchen habe ich gemeint. da waren es magenprobleme die einen bitter erforderten, oder allgemeines unwohlsein die den melissengeist brauchten, der streit mit dem mann, mutter, nachbar, kinder........ die liste ist unendlich genau wie die ausreden die wir uns einfallen lassen. all das ist die sich schleichend manifestierende sucht. es gibt keinen klaren punkt ab dem man sicher sagen kann ab hier bin ich süchtig, einzig ab hier war mir klar das es so ist. irgendwie wie aus einem traum erwachen, ein übergang bei dem man erst klar sieht das man geschlafen hat wenn man aufgewacht ist. im aufwachen selbst ist ja alles irgendwie verwaschen mit der traumwelt. so ungefähr ist der übergang von missbrauch zur sucht. und das kann dir auch von außen niemand sagen. deine gefühle kannst du beschreiben, aber sehen tut sie nun mal niemand und daher wird auch nie jemand wirklich sicher sagen können wie es dir geht.

    hinzu kommt das der alk als nervengift eine menge neurologische probleme mit sich bringt. mal ist es depression mal neurodermitis und was es da sonst noch alles gibt. womit sich dann die frage nach dem huhn und dem ei stellt. aber das kriegt man tatsächlich erst sortiert wenn der alk ne weile weg ist. und sollte es zutreffen das der alk nach den problemen kam, dann hat man hoffentlich eine guten neurologen der mehr kapiert als nur das was in seinen büchern steht.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Nayouk24 17. April 2026 um 09:46

    Hat den Titel des Themas von „Ja, hallo erstmal“ zu „Endo67 - Ja, hallo erstmal“ geändert.
  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Endo67

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch in den nächsten 4 Wochen bitte nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Diese erkennst du am „orangeroten“ Namen.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • So ähnlich wie du das beschreibst, kenne ich das auch.
    In einem Umfeld fällt es nicht auf, weil andere sogar noch heftiger sind. Der Arzt meinte dann wegen den Leberwerten auch mal, dass ist über dem Maß, das solle man stoppen oder sich Hilfe suchen.
    Hat zwar Angst gemacht aber so richtig kam es nicht an, Man wollte ja nicht drauf verzichten. Bei mir war es das klassische Bier. Kein Schnaps oder Wein, das mochte ich nie. Aber beim grillen ne Cola? Mit Anfang 30? Undenkbar


    Irgendwann hörte ich von jetzt auf gleich auf, ohne mir Gedanken zu machen. Erst Woche und Monate, dann ein Jahr. War halt abgestempelt unter der Rubrick Jugend, jetzt bist du erwachsen.


    Es war dann für einfach völlig normal gar nichts oder wenn mal alkholfrei zu trinken. Aber immer klar im Kopf bleiben.


    Und vor etwa 1,5 Jahren kam dann alles zurück. Diesmal aber nicht wegen dem grillen oder so, sondern ein absoluter Missbrauch wegen Gefühlen. Ich erkannte mich selber nicht mehr aber es war wie eine Medizin, die ich brauchte. Natürlich wurde es schlimmer.


    Ab da ging ich zur Suchtberatung und hab offen mit denen gesprochen.

    Man muss an dieser Stelle auch anmerken, dass der Fokus dieser Beratungen auf der Abstinenz und nicht auf den Ursachen liegt. Das machen so nachgeschaltete Organe wie Psychologe usw.

    Mir musste keiner erzählen was Alkohol macht, wirkt und was passiert.

    Ich wollte ja auch nicht trinken. Es war ein absolutes Sträuben dagegen.

    Der Psychologe hat dann erstmal das Innere rausgeholt und da kam es auf den Tisch. Ich will damit nicht sagen, dass es bei jedem so ist oder man das pauschal sagen kann, manchmal gibt es aber einen Grund, gerade wenn es ein Missbrauch ist und nicht nur das Maß nicht halten. Ich hab auf Feiern später auch nie mitgetrunken, nur in Phasen für mich allein.


    Der Wille und Wunsch keinen Alkohol zu wollen und Vorallem zu brauchen, die Ursache und ein bewusster Umgang mit sich selbst haben mich erst da wieder rausgeholt.

    Ich musste ewig auf einen Termin warten und denke oft, wenn man das früher bekommen hätte, wäre einem viel erspart geblieben.

    Die klassische Medizin kennt nur Entgiftung, Entwöhnung, Therapie und Umgang.


    In keiner der genannten Form kommen die inneren Gefühle bzw Muster vor, die sich im Leben in vielen Bereichen eingeschlichen haben.

    Ich möchte anmerken, dass man nicht von einer (vollständigen) Heilung sprechen wird und einfach weiter macht, sondern für sich selber sein Lebensmuster erkennt. Das hilft enorm, wenn man sich diesem stellt weil es die Wahrheit ist. Und die ist anders als man es sich selber einredet.

    Aber damit fährt man bewusster und Vorallem, so geht es mir, ist das Gefühl wieder da: es kann alles passieren aber Alkohol hat keinen Platz mehr. Es geht einem in Fleisch und Blut über, dass man nicht trinken würde, weil es absolut gar nichts verändert. Es ist völlig egal.

    Daher: wozu dann?

    Ich habe eins gelernt: es gibt Menschen die trinken und können es dann lassen und es gibt welche, da verändert sich etwas.

    Das kann eine Erfshrung sein, eine Situarion, ein Gefühl. Und das speichert der Kopf ab und dann dockt irgendwann Alkohol da jedesmal an. Das ist von der Gehirnchemie bis heute nicht richtig erforscht um so erschreckender ist aber eigentlich, wie leichtsinnig wir Menschen mit einer so hochgefährlichen Droge umgehen und diese in unser Leben wie ein Familienmitglied integriert haben. Und da ist es egal ob psychische Abhängigkeit. Emotionaler Missbrauch und was es alles gibt… den Weg da raus schafft man nur für sich allein. Egal wie viel Hilfe man bekommt.

    Ich wünsche dir nur, dass du an den richtigen gerätst und für dich das Glück findest, auch wenn du wieder „darfst“ oder könntest, es gar nicht mehr zu wollen.


    Mit ganz viel Glück hast du nur Lehrgeld bezahlt.

  • Die klassische Medizin kennt nur Entgiftung, Entwöhnung, Therapie und Umgang.

    In keiner der genannten Form kommen die inneren Gefühle bzw Muster vor, die sich im Leben in vielen Bereichen eingeschlichen haben.

    Zwar habe ich selbst keinerlei Erfahrung mit dem klassischen Hilfesystem, auch nicht mit Psychologen.
    Jedoch habe ich mich intensiv mit Fachbüchern und noch mehr mit Schilderungen von trockenen Alkoholikern (Lebensweg wie Ausweg - u.a. mit Therapie, schriftlich wie mündlich) beschäftigt.

    Ich bezweifle es daher, dass Gefühle und Muster in solchen Therapien keine Rolle spielen sollen.

  • Es geht darum nicht wieso du trinkst, sondern wie du nicht trinkst. Weil Alkoholismus nicht heilbar ist.

    Das ist nicht: der Job ist stressig, mach was anderes und dann kannst du wieder normal trinken oder alles ist wieder gut.


    Es gibt gewisse Auslöser, die auf einmal Verlangen oder Rückfälle begünstigen.

    Das muss nicht nur das Bier im Regal sein, also was sehr offensichtliches. Das kann auch was ganz banales sein wie Verlustangst, Einsamkeit o.ä. Es geht um das eigene Innere, sich mit sich selber beschäftigen. Und da kommt manchmal viel raus, was man so nie wahrgenommen hat.
    Wie gesagt es muss nicht so sein. Die wenigstens Alkoholiker hatten eine schwere Kindheit, arbeitslos oder haben Depressionen. Es gibt nicht den einen Grund oder den einen Moment.

    Es geht um eben das Nicht mehr trinken und das auch wollen. Nicht weil man „krank“ ist oder nicht darf, sondern wirklich es nicht mehr braucht. Und da können solche seelischen Trigger manchmal sein.

    Ein Klassiker, gerade bei Männern, ist Schüchterheit und das Gefühl andere Männer sind besser oder toller. So half das Glas in der Disco locker zu werden oder mit Frauen in Kontakt zu kommen. Jahre später ist sowas im Job und beim Vortrag hilft vorher der Kurze. Und so kann sich ein Kreis schließen. Der Kern ist also ein nicht-stabiles Selbstbewusstsein. Und das kann man psychologisch erlernen ohne Alkohol zu brauchen.


    Das ist jetzt ein einfaches Beispiel aber ich hoffe so in etwa verstehst du, was ich meine. Manchmal sind Dinge verborgen und man weiß nicht, wieso man auf einmal eine Drink will.

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