Tobina - Ein neuer Anfang mit Schuldgefühlen

  • Hallo, ich möchte mich hier vorstellen.

    Ich habe mich vor 3 Wochen von meinem alkoholkranken Partner getrennt, 3 Tage vor unserer Hochzeit. Einerseits bin ich jetzt sehr erleichtert, nachdem ich auch hier gelesen habe, wie zerstörerisch und hoffnungslos eine Beziehung zu einem Alkoholiker ist, der sich keines Problems bewusst ist und ständig Fremd Zuschreibungen vornimmt, andererseits schäme ich mich über meine Blindheit und Naivität, obwohl ich lebenserfahren und gebildet bin.

    Mir fällt es gerade sehr schwer, die Selbstachtung zu bewahren. Besonders meinen erwachsenen Kindern gegenüber habe ich ein sehr schlechtes Gewissen.

  • HalloTobina,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht. Du brauchst dich nicht zu schämen, hier gibt es einige Angehörige die auch in so einer Beziehung gelebt haben. Ich bin auch eine Angehörige und habe sehr lange an meiner Ehe festgehalten obwohl ich sehr unglücklich und verzweifelt war dass mein Mann getrunken hat.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Marie04 16. Juni 2026 um 08:51

    Hat den Titel des Themas von „Ein neuer Anfang mit Schuldgefühlen“ zu „Tobina - Ein neuer Anfang mit Schuldgefühlen“ geändert.
  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Tobina.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo, ich möchte mich hier vorstellen.

    Ich habe mich vor 3 Wochen von meinem alkoholkranken Partner getrennt, 3 Tage vor unserer Hochzeit. Einerseits bin ich jetzt sehr erleichtert, nachdem ich auch hier gelesen habe, wie zerstörerisch und hoffnungslos eine Beziehung zu einem Alkoholiker ist, der sich keines Problems bewusst ist und ständig Fremd Zuschreibungen vornimmt, andererseits schäme ich mich über meine Blindheit und Naivität, obwohl ich lebenserfahren und gebildet bin.

    Mir fällt es gerade sehr schwer, die Selbstachtung zu bewahren. Besonders meinen erwachsenen Kindern gegenüber habe ich ein sehr schlechtes Gewissen.

    Puh, das klingt wirklich heftig und nicht nach einer leichten Entscheidung. Du hast dich sicher sehr lange mit vielen verstrickten Gefühlen beschäftigt. Ich finde das sehr mutig von dir. Also ich habe viel Achtung vor dir.

    Warum hast du deinen erwachsenen Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen?

  • Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich das Offensichtliche nicht sehen konnte, oder nicht sehen wollte. Weil ich die Warnungen meiner Tochter nicht ernst genommen habe und weil mein Ex es immer wieder geschafft hat einen Keil zwischen mir und meinen drei Kindern zu treiben. Wir haben uns oft über die " Fehler" meiner Kinder gestritten und ich musste mich zwischen den Bedürfnissen die Ex an mir hatte und die der Kinder zerreißen.

    Auch da war er egoistisch, er wollte mich, wenn er hier war nur für sich. Ich war von seinen tollen Eigenschaften geblendet und konnte vor rosaroter Brille nicht mehr klar wahrnehmen.

    Er pendelte ständig zwischen Ausland und Deutschland, sodass ich,wenn ich zu sehr von der Situation hier gestresst war, eine Pause hatte und das dann doch alles OK fand und ihn trotz seiner Unfairheit, seines ständigen Alkoholkonsums und Kiffens weiter geliebt habe und nur seine tollen Eigenschaften sah.

    Jetzt schäme ich mich meiner extrem selektiven Wahrnehmung und dass ich meine Kinder im Stich gelassen habe, obwohl wir so eine innige Beziehung haben. Ich verstehe nicht, dass ich meinen Ex , jedenfalls die schöne Zeit mit ihm , so vermisse, obwohl er mir insgesamt nicht gut tat.

    Einmal editiert, zuletzt von Linde66 (16. Juni 2026 um 16:04) aus folgendem Grund: Bitte keine Details.

  • Du bist ja auch Frau, nicht nur Mutter.

    Und auch als Frau solltest du für dich entscheiden, ist es das was ICH will, unabhängig von den Kindern.

    Ich verstehe nicht, dass ich meinen Ex , jedenfalls die schöne Zeit mit ihm , so vermisse, obwohl er mir insgesamt nicht gut tat.

    Ich denke du vermisst nicht ihn, sondern eine Vorstellung, wie es schön sein kann.

    Laut deinem Bericht ist er es nicht.

    Lg

  • Ich vermisse die wirklich schönen Zeiten mit ihm sehr. Es war sehr intensiv und interessant. - edit, bitte keine Details über ihn schreiben - aber der Alkohol und seine Veränderung dadurch hat unsere wirklich gute Zeit immer mehr überschattet.

    Ich habe mich so gut in seiner Nähe gefühlt, er war mein Herzensmensch, ich konnte zeitweise nicht genug von ihm bekommen und ihm ging es genauso. Wir waren wie zwei Magnete, wie zwei passende Puzzleteile.

    Das macht eine eigentlich notwendige Trennung so schwierig und die selbstschützende Loslösung auch.

    Einmal editiert, zuletzt von Linde66 (16. Juni 2026 um 16:03) aus folgendem Grund: Bitte keine identifizierenden Details über ihn veröffentlichen. Achte auf deine und seine Anonymität, danke.

  • War es so oder nur der Wunsch? Er hat ja da schon getrunken, und der Wunsch war dennoch da, dein Wunsch nämlich es muss funktionieren, weil..

    Mit einem Alkoholiker an deiner Seite wird es das nicht, dass was du du dir wünscht.

    Ich schreibe dir hier als Alkoholikerin und ich hatte auch Partner, die Alkohol soffen.

  • Ja ich habe diese wunderbaren Eigenschaften, aber wenn ich soff war mir alles jeder egal. Und ich habe auch ein Kind. Im Alkoholkopf war das alles egal. Du wirst einen Alkoholiker niemals durch deine Wünsche, Träume was auch immer dazu bekommen zu sein wie du ihn haben willst, oder es dir vorstellst. Er muss den Weg finden, du kannst und sollst es auch nicht tun. CO.

  • Hi,

    ich bin lange trockener Alkoholiker.

    Ich habe gute und schlechte Seiten.
    Und ich sehe das bei mir so, früher habe ich nüchtern meine guten Seiten ausgelebt, und wenn ich vom Suff enthemmt war, habe ich meine schlechten Seiten ausgelebt.

    Jetzt lebe ich die guten und die schlechten Seiten nüchtern aus und damit bin ich nüchtern für Andere sicher nicht immer nur angenehm. Und mir ist das egal, denn nüchtern muss ich es nicht allen recht machen.

    Viele Angehörige denken nach meiner Wahrnehmung, an nüchternen Tagen würde sich die eigentliche und gar so tolle Persönlichkeit zeigen. Das ist ja die übliche Darstellung, Jekyll und Hyde, nüchtern der tollste Mensch. Ich sehe das anders, ich hab die ungeliebten Seiten in den Suff ausgelagert und jetzt lebe ich sie nüchtern aus.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Oder einfach nur die Wundschvorstellung.

    Ich hab die Autokorrektur jetzt so gelassen.

    Du kannst ihn nicht ändern, nur dich und deine Einstellung.

    Ja das tut weh.

    Einmal editiert, zuletzt von NIKA. (16. Juni 2026 um 17:47)

  • Deine, was sind deine Vorstellungen von Partnerschaft usw. Ich kenn sie nicht, und ist auch egal.

    Ich wollte nur erklären einem alkoholabhängigen, sind Wünsche von außen einfach egal.

    Da gibts nur einen der Recht hat, die Suchtstimme.

    Aber ich bin hier wieder raus, und sorry wenn es hart ist.

  • Ich vermisse die wirklich schönen Zeiten mit ihm sehr. Es war sehr intensiv und interessant. - edit, bitte keine Details über ihn schreiben - aber der Alkohol und seine Veränderung dadurch hat unsere wirklich gute Zeit immer mehr überschattet.

    Ich habe mich so gut in seiner Nähe gefühlt, er war mein Herzensmensch, ich konnte zeitweise nicht genug von ihm bekommen und ihm ging es genauso. Wir waren wie zwei Magnete, wie zwei passende Puzzleteile.

    Das macht eine eigentlich notwendige Trennung so schwierig und die selbstschützende Loslösung auch.

    Oh, ja. Das kommt mir so bekannt vor. Ich habe meine Geschichte hier im Forum auch aufgeschrieben. Aktuell schmerzt meine Trennung und das Vermissen sehr. Wir hatten auch eine wahnsinnige Anziehung, wie 2 Magnete. Er hat mich so gesehen, wie ich zuvor noch von keinem Mann gesehen worden bin. Erst heute morgen im Bad beim Zähneputzen kamen mir wieder Dinge in den Sinn, die ich vermisse, die ich so nie mehr erleben werde. Es gibt einen erwachsenen Teil in mir, der total klar sieht und ich schlafe seit der Trennung viel besser, mein Nervensystem ist ruhiger geworden. Die Trennung ist absolut richtig und notwendig. Und ein anderer bedürftiger Teil in mir ist total traurig, vermisst die schönen Seiten und kann sich überhaupt nicht vorstellen, jemals wieder etwas ähnliches für einen anderen Mann empfinden zu können. Die emotionale Abhängigkeit besteht immer noch. Im Alltag funktioniere ich, gehe Arbeiten, mache Aktivitäten, Sport, treffe Leute, gehe in die Sauna. Aber zu Hause kommt dann diese Traurigkeit und das Vermissen.

    Ich komme mir wie "brainwashed" vor, als ob ein kleiner Parasit in meinem Gehirn sitzt und nicht locker lässt. Das Loslassen fällt mir schwer.

    Mir ist aber klar geworden, dass ich diese Lücke in meinem Selbstwert, mich selbst wieder wertvoll und wichtig zu finden, selbst füllen muss. Sonst übertrage ich diese Aufgabe und diese Verantwortung an den nächsten Partner und wenn es mit dem nicht klappen würde, "verliere" ich das ja dann wieder, weil er es mitnimmt.

  • Liebeskummer und Trauer ist doch ganz normal. Ich hab schon früher ewig gebraucht um über jemand hinwegzukommen (teils 2 Jahre), obwohl ich nur ne Woche was mit demjenigen hatte.

    Mir hat es sehr geholfen, immer wieder an die schlimmen Dinge zu denken. Immer wieder die übelsten Erlebnisse im Kopf abspielen zu lassen und dann verstummten die Gedanken "ach, so schlimm war es doch gar nicht" und die Stimme, die sagte, "so will ich nicht weiterleben, das will ich in der Form nicht mehr mitmachen" wurde immer lauter.

  • Hallo Engel, so wie du das beschreibst geht es mir auch, ich befürchte auch, dass ich so eine Intensität nicht mehr erleben werde.Das ist bei den Höhen wirklich wunderbar aber bei den Tiefen sehr schwer zu ertragen.

    Die wirklich interessanten Partner waren für mich, die mit viel Profil, was eine Beziehung sehr intensiv aber auch schwierig macht. Die angepassten, konventionellen, Versicherungsvertreter haben mich nicht interessiert. Eher die Abenteurer, die aus der Reihe tanzen....tja ausgelassen getanzt haben wir auch 😉

  • Erst heute morgen im Bad beim Zähneputzen kamen mir wieder Dinge in den Sinn, die ich vermisse, die ich so nie mehr erleben werde.

    ich befürchte auch, dass ich so eine Intensität nicht mehr erleben werde

    Es ist aber auch möglich, dass noch was viel Intensiveres wartet … ich zum Beispiel habe unbemerkt meine Beziehung zu mir sehr intensiviert. Ich wusste vorher gar nicht, dass da noch so viel Luft nach oben ist …

    Der eigentliche Punkt ist allerdings, dass solche Gedanken bremsen und runterziehen. Warum nicht überzeugt sein, dass die nächste Beziehung definitiv noch intensiver und vor allem eine ohne Suchtproblematik ist?!

  • Ja da hast du Recht und ich löse diese Gedanken mit positivem Erleben häufig ab.

    Aber ich denke auch, dass ein Trauerprozess zum Verarbeiten für mich wichtig ist. Innehalten und zu mir selbst kommen , wie du schreibst die Beziehung zu dir intensivieren, sind für mich auch sehr bereichernd und wichtig.

    Meine Oma hat immer gesagt: neuer Anfang, neues Leben, neues Glück ☺️

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