Dry_Steve - Hallo in die Runde - Meine kleine Vorstellung

  • kaltes Bitterlemon mit viel Mineralwasser gönnen

    Hast Du es früher mit Wodka oder sonstigem Fusel getrunken, dann lass die Finger davon. Allein Optik, Geruch und Geschmack können enorm triggern.

    Wir bekamen in unserer Therapie völlig zurecht eingebleut: "Alles, was aussieht wie Alk, riecht wie Alk oder schmeckt wir Alk ist tabu." Damit bin ich die ganzen Jahre hervorragend gefahren und kann es nur wärmstens zur Nachahmung empfehlen.

  • Nein. Ich trank nur Bier. Wein hab ich getrunken, wenn kein Bier im Haus war. Vodka, Whiskey und Co käme mir tatsächlich nie in den Sinn. Ansonsten nur Wasser und Mineralwasser. Trinke normalerweise auch keine Softgetranke, weil mir die zu süß sind.

    Bitterlemon oder Grapefruitsaft oder Zitrone mische ich aktuell ganz gerne ins Wasser dazu. Gerne auch mit paar Eiswürfel. Passt auch mit Gartenminze ganz gut zum Sommer. Sehr erfrischend bei 40 Grad und triggert bei mir NIX mit Alkohol.

  • ch denke derzeit von Tag zu Tag und freue mich über jeden Tag an dem ich nicht getrunken haben. Momentan fällt es mir wie gesagt recht leicht.

    Schön, das ist ein guter Anfang.

    Denken und Fühlen allein haben bei mir nie gereicht. Das hatte ich in meinen Trinkpausen auch. Ein paar Tage, eine Woche oder zwei waren nie das Problem. Auf Dauer hat das als Alkoholiker nicht funktioniert. Es mussten Veränderungen her.

    Deshalb interessiert mich bei dir weniger, was du denkst, sondern was du konkret verändert hast.

    Hast du außer dem Wegstellen des Glases noch etwas geändert? Wie sieht dein alkoholfreies Umfeld aus? Machst du eine Suchttherapie oder eine andere? Hast du etwas am Umfeld zu Hause geändert, um es alkoholfrei zu machen?

    Das sind für mich die entscheidenden Fragen. Abstinenz entsteht nicht dadurch, dass man das Glas abstellt, sondern dadurch, dass man sein Leben verändert. Genau dort entscheidet sich meist, ob es bei einer Trinkpause bleibt oder eine dauerhafte Abstinenz daraus wird.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut, dass mit der Suchttherapie habe ich oben bereits geschrieben. Ich habe nun 3 (kostenlose) Einzelgespräche danach komm ich in die "Orientierungsphase". Das weitere Vorgehen, wird mit meiner Therapeutin abgestimmt. Vermutlich werde ich in eine moderierte Selbsthilfegruppe gehen. Mit ist der persönliche Kontakt sehr wichtig. Das "Internet" nutze ich nur ergänzend.

    Abstinenz entsteht nicht dadurch, dass man das Glas abstellt, sondern dadurch, dass man sein Leben verändert.

    Abstinenz entsteht nicht, wenn ich weitertrinke. Natürlich ist heute erst Tag 10 aber wie heißt es so schön: "Wege entstehen dadurch, dass man sie geht". Es ist ein langsamer Prozess. Ich versuche derzeit meine schlechten Trink-Gewohnheiten durch "gute" im Gehirn zu überschreiben.

    Was ich verändert habe/ Was mir aktuell hilft:

    • professionelle Suchttherapie angefangen. Zweck: persönliche Betreuung von Profis.
    • Podcasts/ Dokus/ Foren/ Bücher. Zweck: Informationssammlung, Mindset.
    • Alkoholtagebuch. Zweck: Selbstreflektion, Schärfung des Willens
    • Grundsatz: "Alles außer Alk ist erlaubt". Zweck: Kompensationswirkung zum "Verlust".
    • Im Keller-Kühlschrank die "Bierecke" mit Grapefruit bzw. "bittere" alkoholfreie Getränke aufgefüllt. Zweck: Neue Gewöhnung trainieren. Trigger "Bierecke" bewusst beseitigen.
    • Beim Kochen trinke ich aus dem alten Bierglas alkoholfreie Getränke: Zweck: Neue Gewöhnung trainieren. Trigger "Bierglas" bewusst beseitigen bzw. umwidmen.
    • Im Supermarkt Bierdose und Weinflasche in die Hand nehmen und mit einem beharrlichem Gefühl zurückstellen: Zweck: Konfrontationstherapie. Alkohol im Alltag nicht ignorieren; sondern bewusst annehmen und ablehnen.

    Das sind alles Punkte, die mir jetzt die ersten 10 Tage sehr gut geholfen haben. Das alles ist meine persönliche Reise in die anhaltende Abstinenz. Aktuell fällt es mir sehr leicht, bin aber auch noch im anfänglichen Motivationshoch. Diese ist bei mir in der Regel nach 3-4 Wochen vorbei (nicht direkt bezogen auf Alk, sondern allgemein). Danach könnte es schwieriger werden; dann muss die Disziplin und der eiserne Wille greifen. Körper und Geist werden anfangen mich ins "alte Leben" ziehen zu wollen.

    Aber ich bin hier der Chef ;)

  • Beim Kochen trinke ich aus dem alten Bierglas alkoholfreie Getränke: Zweck: Neue Gewöhnung trainieren. Trigger "Bierglas" bewusst beseitigen bzw. umwidmen.
    Im Supermarkt Bierdose und Weinflasche in die Hand nehmen und mit einem beharrlichem Gefühl zurückstellen: Zweck: Konfrontationstherapie. Alkohol im Alltag nicht ignorieren; sondern bewusst annehmen und ablehnen.

    Inzwischen nehme ich Alkohol beim Einkaufen nicht mehr war. Es ist nicht mehr Teil meines Lebens. Sehr entspannend.

    Wenn ich jetzt die Dosen und Flaschen auch noch extra in die Hand nehme, wird das nie etwas. Dann behalte ich das ja in meinem Kopf.

    "Beharrliches Zurückstellen" klingt für ich nach Verzicht.

    Denn das passiert mir öfters mal bei Schokolade so.

    Verzicht = Kampf

    Von Konfrontationstherapie halte ich gar nichts. Das kannst du bei Spinnen machen.
    Mit Konfrontation hältst du dir nur die Suchtstimme fit.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Disziplin und "eisener Wille" sind persönliche Eigenschaften, die einem dabei helfen seine Ziele zu erreichen. Im Kontext von "Verzicht" kann man es so sehen: Der Verzicht ist die kurzfristige Versuchung, das langfristige Ziel wird durch Disziplin erreicht. Das eine bedingt dabei das andere.

    Ich muss auf Alkohol verzichten (kurzfristige Versuchung), wenn ich nüchtern leben will (langfristiges Ziel).

    Aber ich glaube verstanden zu haben was Du meinst. Und ja, Alkohol ist nach 10 Tagen abstinenz immer noch eine Gefahr, auf die ich lernen muss dauerhaft zu verzichten. Das Gehirn muss umprogrammiert werden, jahrelang einstudierte "Trinkrituale" müssen verblassen und durch neue ersetzt werden. Das dauert alles seine Zeit.

  • Deine "Therapie" klingt für mich komplett leichtsinnig und gefährlich. Du wärst bei weitem nicht der erste, der daran scheitert. Kingt ein wenig wie ein Spiel "Wer ist stärker, der Alkohol oder ich".

    Nur ist Alkoholismus echt kein Spiel. Daran kann man elendig zugrunde gehen. Von daher finde ich solche Mutproben oder Konfrontationstherapien echt fehl am Platz. Wenn es einmal schief geht und du den Absprung dann nicht mehr schaffst? Was dann?

    Hier schreiben wirklich viele, die schon einige Zeit trocken sind. Vielleicht hörst du lieber auf die. Denn auch viele von denen, mich eingeschlossen, haben verschiedene Dinge alleine ausprobiert und sind damit gescheitert. Alles einfach nur Erfahrungswerte. Wenn du deine eigenen Erfahrungen machen möchtest, ist das natürlich ok. Hier wird niemand zu etwas gezwungen, jeder darf seinen Weg gehen.

    Die nächste Stufe der Konfrontrationstherapie wäre dann was? Evtl. alkoholfreies Bier? Und dann bist du schon näher am nächsten Glas als du selber glauben möchtest. Damit möchte ich dir jetzt auf GAR KEINEN FALL dazu raten. Ich möchte lediglich aufzeigen, was schon so manches Mal passiert ist, wenn trockene Alkoholiker ihren Weg in einen Rückfall bereit gemacht haben.

    Ich würde dir wirklich wünschen, dass du die Krankheit etwas ernster nehmen könntest. Dann würden solche komischen Mutproben gar nicht stattfinden.

  • Hallo, Steve,

    auch von mir ein herzliches Willkommen! Mir gefällt, wie klar und analytisch du deine Abstinenz angehst. Dass dieses Vorgehen allein nicht reichen dürfte, merkst du an den Beiträgen derjenigen, die schon jahrelang trocken sind. Ich selbst bin nun seit elf Monaten abstinent und ich habe einiges so gemacht wie du. Persönliche Betreuung, Mindset ändern, Selbstreflektion und vor allem: Alles außer Alk ist erlaubt. Die ersten drei Monate habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, ob ich noch einen Nachschlag nehme oder zu viel Schokolade futtere - alles erlaubt. Alles außer Alk. Das pendelte sich dann später von allein wieder bei mir ein.

    Die sogenannte "Konfrontationstherapie" wird im Forum generell sehr kritisch gesehen - altes Bierglas mit Neuem füllen, im Supermarkt Weinflasche in die Hand nehmen ... Das kann nach hinten losgehen. Ich habe im Gegenteil meine wunderschönen Weingläser (so farbige Kelche) schweren Herzens verschenkt. Ich brauche die ja nicht mehr. Mein Haushalt ist alkoholfrei. Und im Supermarkt habe ich in der Anfangszeit die Sprit-Abteilung gemieden. Heute gehe ich daran vorbei, ohne die alten Trigger wahrzunehmen.

    Ich wünsche dir weiterhin so viel Elan auf deiner persönlichen Reise in die lebenslange Abstinenz, und würde mich freuen, wenn du hier heimisch wirst :)

    Liebe Grüße

    Mattie

    Einmal editiert, zuletzt von Mattie (10. Juli 2026 um 15:39)

  • Disziplin und "eisener Wille" sind persönliche Eigenschaften, die einem dabei helfen seine Ziele zu erreichen.

    Steve, eine Frage. Ist es derselbe Wille, der dich hat Alkoholiker werden lassen? Und dieselbe Disziplin, die dich früher nicht davon abgehalten hat, immer weiter zu saufen?

    Kann man mal drüber nachdenken.;) Oder hat die Sucht vielleicht mehr Hebel als ein Podcast, ein YouTube‑Video oder sonstige Konfrontations‑Impulse?

    Den Schalter für „Ich will aufhören“ hast du bereits umgelegt. Sonst wärst du nicht hier. Nur gibt es leider keinen zweiten Schalter mit der Aufschrift: „Ab heute regelt mein Wille alles.“

    Genau deshalb reicht Wollen allein einem Alkoholiker nicht aus. Die Abstinenz muss im Alltag abgesichert werden. Nicht durch Gedankenspiele, sondern durch Veränderungen.

    Ich bin seit 20 Jahren hier. Solche Modelle tauchen immer wieder auf – besonders, wenn man den einfachsten Weg sucht. ‚Wird schon klappen‘ ist ein falscher Ansatzpunkt. Da hängt ein Menschenleben dran, falls es schiefgeht

    Das Gehirn muss umprogrammiert werden,

    Das Suchtgedächtnis bleibt erhalten. Ich kann es nicht löschen und nicht umprogrammieren. Ich kann lernen, damit zu leben und ihm keinen Raum mehr zu geben. Für mich ist das wie eine Festplatte. Man kann vieles überschreiben, aber nicht so tun, als wäre nie etwas darauf gewesen.

    Dir alles Gute

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Mir ist das ziemlich egal, wie das jemand macht. Ich muss nicht mit dem Ergebnis Deiner Bemühungen leben, Du schon.

    Aber wenn Du das so machst, solltest Du wissen, was Du tust.

    Der ganze starke Wille und die Disziplin nützen nichts, wenn Du einen Zielkonflikt hast, denn Du kannst auch mit starkem Willen plötzlich wieder trinken wollen und mit der Disziplin alles aus dem Weg räumen, was Dich am Trinken hindert.

    Gerade, wenn Du das auch noch als Verzicht erlebst, kann das plötzlich umkippen. Denn Verzicht heißt nach meiner Lesart, dass Du im Grund gerne trinken würdest, wenn Du dich nicht beherrschen würdest. Da bringst Du Dich schon in herausfordernde Situationen. Kannst Du machen, wenn Du Saufdruck widerstehen kannst. Bis vor ein paar Tagen konntest Du das anscheinend nicht, sonst hättest Du kein Problem.

    Als ich Trinkpausen gemacht habe, habe ich verzichtet. Und für den Verzicht wollte ich mich irgendwann belohnen. War ja gut und hatte was geschafft. Und womit belohne ich mich als Trinker? Mit dem, was ich meistens dafür verwendet habe, trinken.

    Das Hirn macht zwar neue Verbindungen, es baut die anderen aber nicht ab oder zumindest sehr verzögert. Nicht in 10 Tagen und auch nicht in einem halben Jahr. Du legst einen neuen Pfad neben die bestehende Autobahn, aber die Autobahn bleibt Dir erst mal.

    Viele Trinker haben sozusagen zwei Seelen in der Brust. Die eine will aufhören, die andere will trinken. Und so wie ich das verstehe, willst Du ja an Deinem Leben ansonsten nicht viel ändern. Was ich nachvollziehen kann, ich habe es zuerst genauso gemacht. Allerdings habe ich das Aufhören nicht als Verzicht erlebt, sondern von Anfang an als Erleichterung. Und durch das, dass es ohne Alkohol so viel schöner war, hatte ich mehr oder weniger einen Panzer an, der mich vor dem Verzichtsgedanken schützte. Mich hat Alkohol dann angeekelt.

    Ich wünsch Dir viel Erfolg und dass Du rechtzeitig merkst, wenn es so nicht geht.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

    Einmal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (10. Juli 2026 um 19:01)

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