Beiträge von Vivian1

    Liebe Mia,

    ich hatte eine zeitlang schlimme Angstzustände und habe daraufhin meine Therapie angefangen. Erst nach einer ganzen Weile, habe ich gemerkt, was für eine grosse Wut in mir steckt.
    Ich hatte früher öfters mal den Gedanken, dass ich froh wäre, wenn meine Mum einfach sterben würde. Es war schrecklich, wie konnte ich mir nur den Tot meiner eigenen Mutter wünschen. Heute weiss ich, dass ich ein Recht habe/hatte, mehr als wütend auf Sie zu sein. Das Sie es in Ihrer Kindheit nicht einfach hatte, gab ihr noch lange nicht das Recht es an mich weiter zugeben. Kein Mensch, egal mit was für einem Hintergrund, hat verdammt nochmal das Recht einem anderen Menschen leid zu zufügen. Es ist einfach nicht rechtens.

    Nachdem ich all das verstanden hatte, habe ich einen sehr langen Brief an meinen Mum geschrieben (da war sie bereits gestorben). Ich habe all, aber auch wirklich all meine Wut und Entäuschung niedergeschrieben. Ich habe dabei Ausdrücke benützt, die ich so nicht wiederholen würde, aber es tat gut sooo gut.

    Wenn Du es deiner Mum nicht persönlich sagen kannst, versuch es mit einem Brief. Mir hat es wirklich geholfen. Ein riessen grosser Stein ist von meinem Herzen fallen und auch meine Familie hat in gewissen Situationen ihr Fett wegbekommen. Sie waren ganz erschrocken darüber. Es war mir egal. Es tat gut und ich glaube ein es hat auch ein Stücken zum gemeinsamen Verständnis beigetragen.

    Noch etwas hilft: Sandsack. Einfach mal drauf schlagen. Genial :lol:

    Wünsche dir viel Spass beim raus lassen deiner Agressionen.

    Alles liebe.
    Vivian

    Hallo ihr Lieben,
    ihr sprecht mir alle so aus der Seele, dass ich einfach nur heulen könnte.

    Ich habe gerade mal wieder so einen Fall. Habe mich nun endlich mal wieder getraut, mich mit einem Mann zu treffen. Wir haben uns übers Internet kennen gelernt. Bisher habe wir uns zwei Mal getroffen. Es waren zwei super schöne, ungezwungene Tage. Ich hatte wirklich spass.

    Kaum Daheim, überkommen mich die Zweife. Fand er mich auch net, hatte ich das Richtige an. Hab ich zu viel geredet....
    Da wir weiter auseinander wohnen ist es ziemlich schwierig sich zu treffen. Er ist sehr zurück haltend, was mir gleich wieder das Gefühl von Ablehnung vermittelt. Ich hab ihn gefragt, ob wir diese Woche ins Kino gehen möchten, können uns ja in der Mitte treffen, dass ist eigenlich für beide ganz gut machbar. Seine Antwort: Mal sehen, muss mal schauen, was die Woche so ansteht. Suuuper. Genau das wollte ich hören.
    Gleich nach diesem Satz bin ich super entäuscht. Habe sofort das Gefühl - das wars! Ich habs wieder mal verbockt.
    Meine Körper schlägt sofort Alarm. Schwitzen, Kopfschmerzen....

    Das ist doch echt krank, oder? Er hat nen neuen Job angefangen, ist auf Wohnungssuche und hat vielleicht einfach keine Zeit - oder rede ich mir auch das einfach nur ein. .... Mein Gedanken kreisen und kreisen und kreisen. Ich suche ausreden warum er nicht kann... ich mache mir Gedanken warum er nicht kommen will, was hab ich falsch gemacht. Chaos über Chaos.

    Ich sollte mich einfach nur freuen, dass ich mal wieder ein Date habe und nicht an das schlimmste denken, aber ich bekommen die dunklen Gedanken und die panische Angst vor Ablehnung einfach nicht in den Griff. Obwohl ich weiss, dass es Blödsinn ist und man eine Beziehung vielleicht auch einfach mal langsam angehen sollte.

    Bisher haben die paar Beziehungen, welche ich hatte immer im Bett angefangen, nie bei einem Gespräch. Ohhh man, bin heute wirklich nicht gut drauf. Ich hoffe nur, dass ich durch meine Panik, dieses kleine Flämmchen nicht gleich wieder ersticke. Aus Angst verlassen/abgelehnt zu werden, benehme ich mich so daneben, dass er freiwillig geht. Das hatte ich schon.

    Sorry, dass ich so viel geschrieben habe, aber in meinem persönlichen Umfeld, kann niemand nachvollziehen, wo nun genau das Problem liegt. Bei Euch weiss ich, dass ich verstanden werden - dass tut einfach so gut.

    Für Tipps wie ich mich verhalten soll, wäre ich natürlich sehr dankbar. LG

    Liebe Caroline,

    deine Mutter und auch der Rest deiner Familie haben leider recht, in dem sie sich von deinem Vater zurück ziehen. Sie und auch Du, werden ihm nicht helfen können.

    Wir sind auf eine Weise alle Mama und Papakinder. Es sind unsere Eltern und es gibt nicht wichtigeres für ein Kind als seine Eltern. Dein Vater hat sich allerdings für diesen Weg entschieden. Er hört sich nicht so an, als ob er von irgend jemandem Hilfe annehmen wird, auch von Dir nicht. Es ist hart und ein schxxx Gefühl, es ist aber leider die Realität.

    Du sollten auf Dich aufpassen, dein Vater ist erwachsen, er weiss was er tut und er möchte es nicht anders. Ich weiss, dass man solche Sachen in deiner Situation nicht hören will, aber es ist nun mal die ungeschminkte Wahrheit.

    Ich wünsche Dir alle Kraft dieser Welt.

    Vivian

    Ohhh wie gut ich diese Gefühle nachvollziehen kann, die Du beschreibst. Auch mir geht es heute schon um einiges besser als die letzten zwei Jahre.

    Aber auch ich habe diese "Rückfälle". Es passieren irgendwelche Geschichten - Sie haben auf den ersten Blick, nichts mit meiner Situation als EKA zu tun, allerdings schmeissen Sie mich vollkommen aus der Bahn.

    Tja, wie gehe ich damit um ? Ich nehme mir die Zeit darüber nachzudenken, welche Situation diese Unruhe in mir auslöst. Dann versuche ich zu analysieren, wie diese auf meine Gefühle wirkt und warum. Wenn ich den Kern der Sache verstanden habe, versuche ich Sie als "Aussenstehender" zu betrachten und mache mir bewusst, dass dies eine Situation im Leben eines anderen Menschen ist. Nicht mir ist diese Geschichte passiert, Sie geht mich auch nichts an und ich muss vor allen Dingen nicht versuchen die Situation unter Kontrolle zu bringen.
    Zauberwort: "Abgrenzung".

    Seit ich diese innere Grenze "ich" - "andere" ziehe, kann ich gelassener in solchen Situationen sein. Berühren tut mich die Situation dann immer noch, aber die Magenschmerzen lassen nach und nach einer Runde spazieren durch den Wald, bin ich wieder bei "mir" angekommen.

    Ich bin mir bewusst, dass es immer wieder solche Situationen geben wird, aber ich habe gelernt, mich emotional besser abzugrenzen. Es ist nicht mein Kampf - ich muss niemanden und nichts retten - nur mich selbst.

    Ich wünsche Dir auf deinem Wege alles Gute.

    Alles Liebe

    Vivien

    Na, da hast du ja schon lange durchgehalten.

    Leider kann ich Dir nichts schreiben, was du nicht selber weisst. Wenn Du dich, dein Kind und evtl. sogar deine Ehe retten möchtest, musst du gehen. Dein Mann legt die Scheuklappen an und weigert sich Verantwortung zu übernehmen. Umso mehr Du auf ihn einredest um so weiter wird er sich von dir entfernen.

    Du musst den grossen Schritt wagen. Du hast die wage Hoffnung, dass er dir nach einiger Zeit folgen wird. Wenn nicht wird er sich in Selbtmitleid und Vorwürfen Dir gegenüber vergraben. Aber wenn Du dir und vor allen Dingen auch deinem Kind eine "schöne" Zukunfts wünschst, dann liegt es an dir zu handeln. Von alleine ändert sich leider im Normalfall nichts.

    Die Situation ist wirklich sch.... und es ist mit Sicherheit ein grosser Schritt, aber wenn du den Ersten gemacht hast, dann gehen die zweiten schon besser.... Ich drücke Euch ganz arg die Daumen und dir wünsche ich viel Kraft aus dem System Alkoholikerfamilie auszusteigen.

    Vivian

    Nachdem ich realisiert habe um was es überhaupt geht, wollte ich nur eines "helfen". Ich hatte Mitleid mit meiner Mum, vor allen Dingen, weil Sie aufhören wollte, aber doch nicht konnte.
    Dann war ich sauer auf meinen Vater, weil er sie überhaupt nicht unterstütz hat, sonder weiterhin sein Bier vor ihren Augen getrunken hat.
    Dann war ich wiederum sauer auf meine Mum, weil Sie nicht durchgehalten hat - nicht für "mich / uns".

    In Phasen in welchen es besonders schlimm war, habe ich ihr den Tod gewünscht und meinen Vater für sein Nichtstun verachtet.
    Meine Mum ist vor einigen Jahren gestorben und heute weiss ich ein wenig mehr über ihre Vergangenheit und ich weiss, dass auch Sie ein EKA war und es verdammt schwer hatte.
    Die Schuld für ihre Sauferei habe ich allerdings nie bei mir gesucht - ich dachte einfach nur immer ich sei nicht genug oder einfach nicht da.

    Aber wie auch hier schon gesagt, empfinde ich keine Mitleid. Jeder ist für sich selber verantwortlich. Die einen sind eben stärker und vielleicht auch intelligenter und mutiger. Sie lassen sich helfen und andere sind schwächer und tappen in die Gleiche Falle bzw. erkennen die Fehler ihrer Eltern nicht und werden bei Problemen selber zu Alkoholikern. Sie kennen eben keine andere Problemlösung.

    Ich denke alle Gefühle sind grundsätzlich erlaubt und auch wichtig. Wir sollten Sie zulassen und uns nicht hinter einer Mauer aus Scham und Angst verstecken.

    Superunknown,
    die Hoffnugn stirbt zuletzt und auch heute als EKA denke ich hast du immer noch die Hoffnung das er das trinken aufhört. - Für Dich - Wir geben es zwar nicht gerne zu, aber es geht doch oft auch darum, dass man sich wünscht, wichtiger zu sein als der sch... Alk. Das, das Kind, welches Sie in die Welt gesetzt haben, das Wichtigste für Sie ist. Die Erkenntnis, dass es nicht so ist .... löst jedes Mal aufs neue diese Traurigkeit in uns aus.

    So ist es zumindest bei mir. Es macht mich manchmal heute noch sehr traurig, dass Gefühl zu haben, nicht wirklich wahr genommen zu werden.

    Ich versuche mich dann selber wichtiger zu nehmen und besonders darauf zu hören, was mir gerade gut tut.

    Liebe Finchen,

    dein Verhalten ist das einzig richtige. Lass dich nicht weiter in dem System gefangen halten. Ein Tip meinerseits. Ändere deine Handy-Nummer und breche den Kontakt zu ihm und deiner Tante vollends ab. Nur so kannst du zur Ruhe kommen. Der Kampf gegen alle anderen Co-abhängigen nimmt dir die Kraft die Du nun für Dich brauchst. Sei stolz auf Dich und hör auf damit dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Er hat kein Recht dein Leben zu zerstören. Du bist so jung und hast nun die Chance dein Leben neu zu gestalten. Lass dich nicht erpressen. Wenn du finanzielle Unterstützung brauchst, kannst du dich sicherlich ans Jugendamt wenden, Sie werden dich sicherlich beraten.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

    Pass auf Dich auf.

    LG
    Vivian

    Es tut mir leid um den Verlust deiner Mum.

    Meine Mum ist nach vielen, vielen ach soooo vielen Krankenhausaufenthalten vor 4 Jahren an Krebs gestorben. Wir haben Sie ein halbes Jahr zuhause gepflegt.
    Als sie gestorben war, hatte ich tierische Weinkrämpfe, danach habe ich wie immer funktioniert und dann kam der grosse Zusammenbruch.... danach die grosse Leere.
    Ich habe meine Mum über alles geliebt und gleichzeitig gehasst. Irgendwann ist mir allerdings bewusst geworden, dass ich nicht nur meine Mum verloren hatte sondern auch meine Lebensinhalt. Ich wusste gar nichts mit mir anzufangen. Ich habe ihr Leben gelebt. Hat mich jemand nach meine Bedüftnissen gefragt, habe ich sie unterbewusst auf meine Mum abgestimmt. Ich wusste gar nicht - wer oder was ich bin. Selbst nach so vielen Jahren - versuche ich immer noch rauszufinden, wer ich bin und was ich fühle. Aber es wird langsam.

    Zudem kam mit ihrem Tod auch eine grosse Erleichterung über mich. Für viele die keine EKAs sind, muss es sich fürchterlich anhören. Aber mir ist die Last der Verantwortung von den Schultern gefallen. Endlich musste ich mich nicht mehr um meine kranke Mum kümmern. Endlich hatte ich Zeit für mich - auch wenn ich am Anfang nicht wusste wie ich diese für mich nutzen konnte.

    Lass dir nicht vorschreiben wie du zu trauen hast. Wie bereits gesagt, trauert jeder anders. Setzte dich nicht unter Druck. Lass dir Zeit.

    Ich wünsche dir alle Kraft dieser Welt.

    Alles Liebe
    Vivian

    Lieber Mondscheinengel,
    es tut mir leid, dass ich dir die Illusion nehmen muss. Aber ein bisschen Alkoholiker gibt es nicht. Dein Vater ist definitiv Alkoholiker und du solltest dich nicht dafür verantwortlich fühlen. Du bist nicht der Auslöser das er trinkt. Er trinkt weil er süchtig ist.
    Er muss lernen auf eigenen Beinen zu stehen. Die Ärzte haben mit ihrer Vermutung, dass dein Vater unter Depressionen leidet, wahrscheinlich recht. Er wird eine Psychotherapie machen müssen um seine Depressionen in den Griff zu bekommen. Zeig ihm, dass du ihn liebst und dass du zu ihm stehst. Sag ihm, dass er sich nicht schämen muss, sondern stolz darauf sein kann, wenn er das durchsteht.

    Mehr liegt nicht in deiner Macht. So weh dies auch tut. Versuche dein eigenes Leben zu leben und gib ihm das Gefühl nicht alleine zu sein. Ich denke, dass hilft ihm am meisten. Ich wünsche ihm und dir viel Kaft und Erfolg.

    LG
    Vivian

    Du schreibst, dass deine Mutter deinen sogenannten Rückzug als Grund zum Trinken sieht.

    1. Du hast dich niemals zurück gezogen.
    2. Deine Mutter trinkt, weil sie alkoholkrank ist.

    Dein Arzt meinte mit Rückzug, du sollst dich komplett aus dem Leben deiner Mutter zurück ziehen. Nicht, dass du nicht mehr mit ihr einkaufen gehen sollt.

    Stelle dir folgende Fragen: Ist deine Hochzeit mit einer vollgesoffenen Mutter schön ??? Ist es nicht so, dass Sie dir das Fest versauen würde. Möchtest du dein ungeborenes Baby aufgrund des psychischen Stresses in Gefahr bringen ???
    Du schreibst, dass deine Mutter schon etliche Entgiftungen hinter sich hat und gleich das trinken wieder anfängt. Sie möchte es noch nicht mal versuchen trocken zu werden. Sie wird es weder für dich noch für ihr ungeborenes Enkel tun. Du musst dir bewusst werden, dass du es nicht schaffen wirst, dass sie nicht mehr trinkt.

    Ich kann dir nur raten, dich von deiner Mutter so gut wie möglich fern zu halten und dich auf deine kleine Familie zu konzentrieren. Es tut weh, aber es ist der einzige Weg, dich und deine Lieben vor der Sucht zu schützen.

    Nimm dir die Zeit und lese hier im Forum. Du wirst viele ähnliche Geschichten hören ... und vielleicht auch dort deine Antworten finden.

    Ganz viel Kraft.

    Gruss
    Vivian

    So wie es sich anhört, bist du genau so weiten unten wie deine Mutter. Du bist kurz davor an der Situation zu zerbrechen, aber du kannst nicht aufhören für Sie da zu sein. Das Taubheits und Leeregefühl ist für mich eines der extremsten Wahnsignale, welches unser Körper uns gibt. Geist und Körper trennen sich. Du existierst einfach nur noch.

    Du meist du könntest die Situation kontrollieren, aber Sie kontrolliert dich. Du bist ein Spielball des Systems ....

    Mach dich frei. Schicke Sie nachhause. Lass dich nicht kaputt machen. Du kannst es. Du lässt Sie nicht im Stich. Du setzt Grenzen, Grenzen um zu überleben und nicht mit unter zu gehen. Sei dir selber der beste Freund. Behandle dich mit Respekt und achte dich. Du kannst Nichts für Sie tun "Nichts" - aber du kannst etwas für "Dich" tun. Tu es.

    Wünsche dir viel Kraft !

    Vivian

    Liebe Linde,
    ich denke wir beschäftigen uns alle mit dieser Frage. Ich glaube in jeder zweiten Sitzung sagt meine Therapeutin zu mir, dass sie mich nicht fühlt. Ich wollte aus diesem Grund die Therapie schon hinschmeissen, weil ich die Hoffnung meine Gefühle zu zeigen schon aufgegeben hatte, obwohl es ihr hin und wieder gelingt, durch diese Wand der Kontrolle "Kopf" durchzudringen.

    Wir haben uns darüber unterhalten und mir ist dabei bewusst geworden, dass wenn ich mich zu schnell und zu weit öffnen würde, ich daran kaputt gehen würde.

    Nachdem Sie nur für sekunden bruchteile zu mir durchgedrungen ist, fühle ich mich manchmal tagelang super schlecht. Ich bin dann traurig und niedergeschlagen und kann mich zu fast nichts aufraffen. Da ich im Altag aber auch "funktionieren" muss, blocke ich ihren Versuch zu mir durchzudringen von vorneherein ab und laber Sie 1h mit irgendwelchem belanglosen Zeug zu - nur damit ich nicht diese riesen Welle der Gefühle spüren muss, bei der ich Angst habe, dass ich Sie nicht ertragen kann.

    Aber wenn ich mir die Zeit nehmen und die Gefühle zulasse und durch diese Gefühlshölle gehe, dann fühle ich mich danach wie neu geboren. - Ich weiss, dass ich nach jeder "Trauer"-Phase einen Teil meiner Vergangenheit verarbeitet habe und wieder positiver in die Zukunft schaue.
    Leider kosten diese Phasen sehr viel Kraft. Weshalb ich Sie nicht immer zulassen kann.

    Nie hat sich jemand um unsere Gefühle geschert, Sie wurden immer weg gewischt. Das hat uns so sehr verletzt, dass wir sie heute gar nicht mehr zulassen können. Sie sind so tief vergraben. Und wenn wir Sie zulassen, "denken" wir, dass es sowieso niemanden interessiert wie es uns "wirklich" geht. Wieso sie dann zeigen, warum uns wieder und wieder verletzen lassen.

    Ich komme mir als ein wenig blöd vor, indem ich meine Therapeutin fragen, ob dies oder jenes Gefühl richtig ist, oder ob ich es nur fühle, weil ich in einer Alkoholikerfamilie gross geworden bin. Ich traue mir selber nicht mehr. Ich weiss nicht, was ich "denke" weil es so richtig scheint oder was ich fühle, weil ich es bin - Leider fühle ich mich meist selber nicht :(

    Aber ich hoffe, dass die Phasen in denen ich mich öffnen kann und ich welchen ich mich selber fühle, mit der Zeit länger werden und der Personenkreis in welchem ich das kann grösser wird.
    Das wünsche ich allen hier !

    Liebe Mond im Fisch,

    ohhh ja, ich kann sehr gut verstehen was du meinst. Entweder ich gehe erst gar keine feste Beziehung ein oder es geht nicht viel länger wie bist zum ersten grossen Streit. Ich überlegen mir schon seit Ewigkeiten, was ich falsch mache. Ich habe vor kurzem mit meiner Psychologin darüber gesprochen. Sie hat ein paar Sätze gesagt, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Ich würde diese Einsichten gerne mit dir teilen, vielleicht hilft es auch dir weiter.

    Wir ziehen uns zu Menschen hingezogen, die uns gleichzeitig ablehen, weil wir nichts anderes kennen gelernt haben. Genau diese Liebe haben wir erfahren. Je nachdem in welchem Alkstadion unsere Eltern gerade waren, haben sie uns abgöttisch geliebt und kurz drauf, haben sie uns weggestossen. Genau dieses Verhalten verstehen wir als "Liebe" - als "Normal". Wir ziehen es magisch an, weil wir uns in dieser Situation sicher fühlen. Bei Menschen denen es ebenfalls sch... geht können wir unser Helfersyndrom voll ausleben und bei Menschen die uns Lieben und uns gleichzeitig wie sch... .behandeln fühlen wir uns geborgen. Zuviel Aufmerksamkeit - zuviel Stabilität macht uns Angst, wir versuchen diese Harmonie zu zerstören, wir sind es einfach nicht gewöhnt, wir fühlen uns verloren und hilflos.
    Also zerstören wir diese Harmonie, wir tun alles um unseren Partner vor den Kopf zu stossen - nur um eine für uns "normale" Situation zu schaffen.

    Hinzu kommt bei mir noch, dass ich meine Partner in die Wüste schicke bevor er meine Fehler kennelernt - bevor ich nicht mehr perfekt für ihn bin. Mein Verlustangst ist so gross, dass ich den Verlust steuer. Ich bestimme, wann die Beziehung vorbei ist. Ich "kontrolliere" die Situation. Niemand kann mir was - auch er nicht. Ich habs unter Kontrolle. ----(wie überheblich muss man sein). Nicht einer meiner Freunde hat "mich" verlassen. Ich habe Sie alle in die Wüste geschickt, aus lauter Angst, dass sie es sowieso bald getan hätte - wer will mich schon.

    Mein Lerneffekt daraus war, dass ich erst einmal lernen muss, mich selber zu lieben. Mit allen meinen Schwächen und Unvollkommenheiten. Ich weiss heute, dass ich erst einen anderen Menschen lieben kann, wenn ich mich selber lieben und dass ich erst dann eine gesunde Beziehung führen kann, wenn ich nicht alles auf mich und meine Person beziehe. Die Angst vor der Ablehnung war sooo gross, dass ich gar nicht gemerkt habe, dass diese Ablehnung nicht auf mich bezogen ist, sondern mein Freund hatte vielleicht einfach einen sch... Tag, er hat Kopfschmerzen oder auch mal seine Tage.
    Ich werde in Zukunft versuchen auch Männern eine Chance zu geben, die mich verwöhnen und nett zu mir sind und dass ich keine Mann mehr das Recht gebe, mich wie sch.... zu behandeln.

    Ich falle immer noch in das alte Verhaltensmuster zurück. Aber es fällt mir immer öfters auf, ich mag mich schon ein bisschen mehr und ich arbeite jeden Tag daran mich noch ein bisschen mehr zu lieben :D

    Liebe Ex-Unbeschwert,
    erst einmal fiende ich es super, dass du zur shg gegangen bist. Es hat dich sicherlich viel Kraft gekostet dort hinzugehen.
    Du darfst allerdings keine Wunder erwarten. Wie jeder Therapeut, hört man sich auch in den Gruppen eigentlich nur zu. Du darfst deine Geschichten erzählen, aber kein Rezept für Wunderheilung erwarten. Gehe einfach weiter hin, hören auch den anderen zu und versuche nicht die Abwehrhaltung einzunehmen. Jeder dort versucht dir zu helfen, aber wir müssen lernen das gesagte anzunehmen.

    Ich verstehe was du meinst mit deiner Therapeutin, meine sagte letztes Mal zu mir, dass wir uns im Kreis drehen und sie mich mich nicht spürt. Sie würde nicht wissen, ob es noch sinn macht die Therapie weiterzuführen. Diese Aussage hat mich schwer getroffen, aber ich habe auch verstanden was sie meint. Auch ich habe immer noch die super hohe Gefühlsmauer um mich rum gebaut und selbst nach 1,5 Jahren kann ich mich nur sehr schwer öffnen. Aber ich möchte nicht aufgeben. Ich bin auch gerade dabei über einen Therpeutenwechsel nachzudenken. Aber egal wie ich mich entscheiden werde - ich werde weitermachen.

    Ich würde versuchen über meinen Hausarzt ein geeigneten Therpeuten zu finden. Evtl. könne Sie dir auch in der shg weiterhelfen. Ansonsten würde ich auch mal im Internet nachforschen. Ganz wichtig ist allerdings, dass du den Menschen, der vor dir sitzt sympatisch findest und dich wohl in seiner Gegenwart fühlst.
    Wenn du einen Therapeuten kennelernst und merkst, dass du ihn nicht magst, geh zum nächsten und wenn nötig zum übernächsten - bist du den Richtigen für dich gefunden hast.

    Es gab auch Freunde in meiner Umgebung dir mir eine Pause empfohlen haben. Aber ich glaube in dieser Pause würde ich die Mauer, die ich mühsam abgetragen habe, wieder Stück für Stück aufbauen. Nein, ich will nicht aufgeben, ich möchte um Mich kämpfen und das solltest Du auch machen. Du wirst es schaffen.

    Versuche deine extreme Abwehrhaltung ein wenig zu lockern. Hören den Menschen in der shg und auch hier gut zu. Sehe es nicht als Angriff auf deiner Person - sonder als Hilfe dich selber zu finden und zu lernen. Vor allen Dingen gibt dir Zeit, erwarte keine Wunde. Auch mit vielen kleinen Schritten kommt man zum Ziel..... GIB NICHT AUF !!!

    ... Kann ich wirklich lernen, die "guten" von den "schlechten" Menschen zu unterscheiden, ich mir selbst genug sein, aufhören ständig eine Fassade nach außen zu tragen, endlich echte Freunde zu finden, mich nicht ständig einsam zu fühlen, Sport zu machen anstatt den Frust runterzuessen und die innere Zufriedenheit zu finden? Oder ist soviel früher kaputt gegangen bzw. gar nicht erst entstanden, dass alles was jetzt kommt, nur ein Versuch ist das schlimmste zu verhindern?
    ....

    Liebe Ex-unbeschwert:

    Lernen können wir alles, wir haben vieles nicht gelernt, aber man kann auch noch im erwachsenen alter lernen. eine gewisse fassade haben alle menschen, aber du kannst dich selber beobachten und versuchen, die fassade bei manchen situationen fallen zu lassen - du wirst merken, dass die meisten menschen positiver auf dich reagieren werden.
    wenn du offen und erlich auf menschen zu gehst, wirst du auch freunde finden, die zu dir halten.

    du könntest dir überlegen, welche sportart dir evtl. spass machen würde. vielleicht könntest du einem verein beitreten (bogenschiessen, rudern, kapfsport, etc.) oder gruppenfitness im studio machen. oder, oder, oder.
    so könntest du deine wut in positive engergie umwandeln.
    schreibe dir evtl. eine liste mit deinen wünschen und zielen auf. nehme dir vor 1 ziel jeden monat vor und setze ihn in die realität um. ´

    es gibt so viele beispiele, was du für dich tun könntest. aber du musst es wollen und du musst den ersten schritt machen. leg deine ängste und zweifel beiseite, nimm alle deinen mut zusammen und gehe schritt für schritt in ein neues leben. - dein leben.

    Liebe Ex-Unbeschwert,
    du hörst dich wirklich super traurig an und wenn ich könnte würde ich dich jetzt in den arm nehmen. diese leere ist einfach nur furchtbar, ich kenne es nur zu gut und auch diese unendliche traurigkeit. lass die traurigkeit und den hass raus, aber verkrieche dich nicht. gehe in die shg - tausche dich mit menschen aus, die dich verstehen, vor ihnen brauchst du dich nicht verstellen. sie werden dir zuhören und viele deiner geühle mit dir teilen.

    ich kenne deine geschichte zu wenig. bist du in einzeltherapie ? ich bin seit ca. 1,5 jahren in therapie. ich hatte auch schon eine ganz schlimme phase mit innerer leere, schweren körperlichen problemen, etc. die therapie hat mir wirklich geholfen. es geht alles nicht von heute auf morgen und es kostet sooo viel kraft, aber es lohnt sich.

    liebe ex-unbeschwert,
    ich freue mich, dass du aus meinen worten neue hoffnung schöpfen konntest. ich finde es klasse, dass du den mut aufbringst zur shg zu gehen. sicherlich wird es ein weiterer baustein zur selbstheilung für dich sein. du wirst mit der zeit lernen, diese unbändige wut raus zulassen und mit ihr umgehen zu können.

    daher schreibe und lese was das zeug hält. du findest das thema wut und hass auch in älteren kapiteln. vielleicht hast du auch die möglichkeit diese überschüssige energie in eine sportart oder in kreativer arbeit wie z.b. malen oder in gestaltung umzusetzen.

    bei mir kam nach der wut die unendliche trauigkeit. ich habe soooo geweint und oft hatte ich das gefühl, dass ich nie wieder aufhören würde. aber jedesmal - auch heute noch - fühle ich mich jedes mal etwas leichter und auch irgendwie befreiter.
    danach gehe ich mit neuer kraft an die umsetzung meines eigenen lebens. ich habe immer wieder rückschläge und es gibt immer noch sch.... phasen, in welchen ich denke, dass es niemals besser wird. aber die guten phasen werden länger und die schlechten verblassen zunehmend. also - mach alles was dir das gefühl gibt, dass es dir gut tut - aber GIB NICHT AUF !!! ich bin mir sicher, dass du es wert bist, für dich zu kämpfen.
    und ein gutes hat das aufwachsen in alk familien. wir sind stark, wir haben den ganzen sch.... überlebt. nun ist es an der zeit all unsere stärke in unser wohlergehen und unsere zukunft zu investieren.
    viel glück dabei !!!

    ich habe nun das meiste gelesen und finde es sehr interessant und eindrücklich, wie über dieses thema diskutiert wird.

    es gab zeiten in meinem leben, da habe ich meiner mutter den tod gewünscht - nur um mich gleich darauf für dieses gefühl zu schämen.
    lange habe ich den hass auf meine mutter unterdrückt.

    aber heute scheisse weiss ich: ich habe verdammt nochmal das gute recht sie zu hassen weil sie mich im stich gelassen hat und weil es doch ihre pflicht war mich zu lieben und für mich da zu sein - sie war schliesslich meine mutter. ich habe dieses gefühl "hass" als ein teil meiner gefühle gegenüber meiner mutter akzeptiert. ich habe sie über alles auf dieser welt geliebt und gleichzeitig habe ich sie gehasst. ich habe es ausgesprochen und ich habe meiner mum (obwohl sie bereits vor 4 jahren gestorben ist) einen langen brief geschrieben. ich habe dort reingeschrieben, wie sehr sie mich verletzt und entäuscht hat und wie sie mich nur in die welt setzen konnte, obwohl sie doch schon getrunken hat. wie sie mir diese sch... aufbürden konnte.
    nein, dass ist kein jammern und keine unnötige kraftverschwendung. das ist all das, was ich ihr sagen wollte - weil ICH mich so fühle - !!!!
    sie wird den brief niemals lesen und ich werde die zeit nicht zurück drehen können und ja sie war krank, aber indem ich all meine gefühle an sie geschrieben habe - habe ICH mich besser gefühlt. --- und darum geht es hier doch---- wir möchten doch unsere gefühle nicht mehr kontollieren, wir möchten Sie doch leben und da gehört es auch dazu seinen hass und seine entäuschung zum ausdruck zu bringen.
    ich glaube erst wenn wir unseren kopf und unsere seele von all den schlechten gedanken befreit haben, können wir uns für neues öffnen.
    ich wünsche allen hier, welche noch diese bittere entäuschung und diesen tiefen hass empfinden, dass sie einen weg finden, diesen loszulassen und danach die kraft finden, sich auf heute und jetzt zu konzentrieren und das leben in die eigene hand zu nehmen.

    Liebe Jinx,
    deine Worte und Gefühle kommen mir so bekannt vor, dass mir gleich die Tränen in die Augen geschossen sind.
    Auch die Unkonzentriertheit kenne ich im Job nur zu gut. Leider liegt es oft an unserer Überlastung. Die innere Unruhe die uns immer wieder antreibt und nicht zur Ruhe kommen lässt.
    Wenn du den Mut aufbringen kannst, sprich mit deiner Vorgesetzten. Sie muss nicht deine Beichtmutter werden, aber du könntest zugeben, dass du Konzentrationsschwierigkeiten hast und das du daran arbeitest.

    Versuche durch evtl. Joga o. Atemübungen zu deiner inneren Ruhe zu finden, dann wir es auch mit deiner Konzentration wieder besser klappen.
    Und nicht zu vergessen, überfordere dich nicht - du bist keine Maschine.

    Ich würde dir zudem gerne das Buch "Familienkrankheit Alkoholismus" empfehlen, welches du hier in der Buchliste findest. Mir hat es sehr geholfen. Man sieht sich und das "Anders sein" aus einer ganz anderen Perspektive.

    Zudem möchte ich dir noch dazu gratulieren, dass du den ersten Schritt in die Gruppe gewagt hast. Das ist sehr mutig und kostet viel Kraft. Aber du wirst merken, dass es ein gutes Gefühl ist, sich endlich verstanden zu fühlen. Seine Scham ein Stückweit ablegen zu können und lernen sich selber der beste Freund zu sein.

    Es ist ein verdammt langer und sehr steiniger Weg, aber wir gehen ihn nicht alleine.

    Alles Gute weiterhin. LG