Beiträge von Carl Friedrich

    liest sich für mich als Durchhalteparolen zum ersten Jahr hin an

    Die Auffassung teile ich nicht. Das erste Jahr ist das schwierigste, anschließend wird es leichter. Und die Gedanken sind bekanntlich frei, für sie kann ich nichts. Was ich lernen kann, ist mit ihnen umzugehen.

    Im Übrigen sind wir nicht alle gleich, was auch gut so ist. Es gibt Probanden, die auch gedanklich mit dem Thema abgeschlossen haben, was ich für sie Klasse finde, bei anderen flackert das Thema KT doch noch mal auf. Und das hat nichts mit einem permanenten Aufenthalt in einem "nassen" = notorischem Säuferumfeld zu tun, sondern letztlich mit den Tücken des Suchtgedächtnisses, das vom eigenen Willen leider nur teilweise zu steuern ist. Kommen entspr. Gedanken auf, gilt es gegenzusteuern. Dafür habe ich mir meine eigenes Programm zurecht gelegt, das sofort abgespult wird.


    Auch hab ich mir die Frage gestellt, ob ich ein kontrolliertes Trinken nun schaffen würde.

    Aber ganz tief in mir weiß ich, dass es schief geht.

    Dennoch kommen halt diese Gedanken..... für mich ein Zeichen dass ich nicht komplett gefestigt bin.

    Ich trete bei diesem Thema eher auf der Stelle, akzeptiere es aber.

    Mir kamen diese Gedanken aus den Tiefen des Suchtgedächtnisses in den ersten Jahren öfter und sie wurden rasch verworfen.

    Ich habe mich an gelegentliche Gedankengänge gewöhnt, sie zeigen mir, dass ich niemals über dem Berg sein werde. Gerade diesen Anstoß empfinde ich für mich auch schon irgendwie positiv, solange er nicht in heftiges Suchtverlangen umschlägt.

    Ich bezeichne mich als gefestigt und bin 7 1/2 jahre unfallfrei unterwegs.

    Meine Frau gibt mir jedoch oft das Gefühl, dass ich ja mal wieder normal trinken könnte.

    Sie meint zu besonderen Anlässen wäre das doch voll okay.

    Darin sehe ich eine erhebliches Risiko. Deine Frau hat das Problem leider noch nicht richtig in seiner ganzen Tiefe erfasst und geht wohl von einer Heilung aus.

    Schau Dir mal mit ihr zusammen den Beitrag: DER TROCKENDOC an, den findet man noch im Netz und ggf. Mediatheken. Da wird es eindringlich beschrieben. Sucht ist eine Einbahnstraße, es gibt kein zurück in ein früheres Stadium.

    Hätte ich eine Frau, die mir permanent klar machen will, wie toll doch Anstoßen an Geburts- und Feiertagen bzw. sonstigen Anlässen doch sei, weiß ich nicht, ob ich so lange clean geblieben wäre.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Angeblich soll vereinzelt es Alkoholiker geben, die es können. Das wäre dann die berühmte Ausnahme von der Regel. Ich kann es nicht, werde es niemals können und daher ist es nicht meine Baustelle. Auch habe ich persönlich noch niemand persönlich kennen gelernt, bei dem es funktioniert.

    Daher finde ich es hervorragend, dass in diesem Forum nicht dem Prof. Krökel gehuldigt wird. Liest man mal die ersten Passagen bei dem Herrn nach, meine ich, merken zu können, dass er sich wohl eher an Leute wendet, die viel zu viel (z.B. riskanter Hochkonsum), jedoch noch nicht abhängig trinken.

    Als Parallele mal die Qualmerei, auch bei ihr half mir nur die Abstinenz. Kontrolliertes Qualmen z.B. 3x wöchentlich 'ne halbe und womöglich zuvor geschnorrte Kippe funktionierte nicht. Beim Qualmen konnte ich zwar besser Maß halten als beim Alk, aber auch davon bin ich jetzt frei.

    was meint ihr ?

    Hallo!

    Du hast Dir selbst die Antwort gegeben: Nein. Dieser Geburtstag sollte besser ohne Dich begossen werden. Du bist keine 3 Wochen clean, da könntest Du mit einer alkohollastigen Feier überfordert sein.

    Schütz Dich selbst, Deine Nüchternheit ist für Deine Gesundheit mitentscheident, und die ist wesentlich wichtiger als eine Geburtstagsfeier.

    Bei mir stand die erste kleine Feier anlässlich des Geburtstags meiner Frau nach knapp 5 Monaten an, als ich schon 4 Monate Therapie hinter mir hatte und mich mit meinem Therapeuten abgestimmt hatte. Allerdings war das ein Essen im Restaurant, bei dem ganz moderat von gerade mal 2 Leuten ein Glas Wein und vorher ein Prosecco getrunken wurde. Die berteffenden Gläsen standen nicht in meinem direkten Sicht- und Griffbereich.

    Zu einer förmlichen Feier, bei der auch alte Saufkumpels teilnehmen, bin ich nie mehr gegangen. Ich bin knapp 7 1/2 Jahre abstinent. Ich wüsste nicht, was ich dort sollte. Das gemeinsame Bindeglied ist weggefallen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Da lese ich heute in der Zeitung, dass ein Gastronom in einem etwas abseits gelegenen Bereich des Sauerlandes einen Landgasthof eröffnet hat. Es soll dort ohne Alk gekocht und auch kein Alkohol ausgeschenkt werden.

    Kleiner Wermutstropfen: Angeblich alkoholfreies, in Wirklichkeit jedoch zumeist schwach alkoholhaltiges Bier sowie entsprechenden Wein und Sekt gibt's dennoch.

    Dieses Zeug ist nichts für abstinente Alkoholiker, weil es viel zu nah am Original ist, nämlich optisch, geschmacklich und geruchlich.

    Zu dem Gastronom war zu lesen, dass er selbst seit Jahren abstinent sei und vorher infolge des eigenen Konsums Schäden an Leber und Bauchspeicheldrüse hatte. Da kann sich jeder einen eigenen Reim darauf machen, ob er Alkoholiker ist.

    Ob der Gastronom das Teil auch ohne Alkohol ans Laufen bekommt, bleibt abzuwarten.

    Ich bin auch davon überzeugt, dass eine stationäre Reha für mich das Richtige ist….wenn da nicht die Familie (Alleinerziehend mit Kind und Mutter, die nicht mehr mobil ist) wäre…..da kann ich nicht einfach mal 16 Wochen “verschwinden”

    Hallo!

    Erörter das doch mal mit der Suchtberatung, Du bist nicht die Erste mit dem Problem.

    Ich habe eine ambulante Therapie gemacht. Vielleicht kommst Du ja mit ihr wider Erwarten doch klar. Die Termine sind eindeutig festgelegt. Bei mir war es der Montag ab 17.00 und zusätzlich alle 2-3 Wochen ein Einzelgespräch, bei dessen Terminierung auf berufliche und private Belange weitgehend Rücksicht genommen wurde. Das hatte nichts mit Stress zu tun, ganz im Gegenteil der Stress wegen der Stoffbeschaffung fiel ja gerade weg.

    In meiner Therapie gab es ein paar Kandidaten, die schalteten aus der ambulanten in die stationäre um, als sie sie merkten, dass letztere doch das geeignetere Mittel war.


    Gruß

    Carl Friedrich

    Da las ich unlängst vom Versterben des Herrn Ferfried von Hohenzollern. Dieser war zu Lebzeiten Alkoholiker und hat nach 15 Jahren Abstinenz einen Rückfall hingelegt. Zu den Gründen wurde er wie folgt zitiert:

    "Ich war 15 Jahre trocken! Dann wollte ich wieder wie ein normaler Mensch leben. Also fing ich an, abends regelmäßig ein Viertel Wein zu trinken. Das ging vier, fünf Monate gut. Ich musste einsehen, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die das können.“

    Der werte Herr wurde angeblich mit sieben leeren Flaschen Whisky und Medikamenten bewusstlos in seinem Ferienapartment gefunden und in eine Klinik eingeliefert.

    Seine Rückfallschilderung kommt mir bekannt vor, ich habe sie schon von mehreren Rückfälligen hinsichtlich ihres Rückfalls genau so erzählt bekommen. Erst schlich sich der Konsum so langsam wieder ein, bis er immer stärker wurde und der Proband wieder "voll drauf war".

    Was mich stört: Der Begriff "wie ein normaler Mensch leben." Das halte ich für abgehoben. Es gibt Millionen Menschen, die keinen Alkohol trinken, sei es aus religiösen, gesundheitlichen oder sonstigen Gründen, weil sie halt nicht die Kontrolle über ihren Verstand verlieren möchten. Sind sie keine "normalen" Menschen? Das leuchtet mir irgendwie nicht ein.

    3 Punkte sind für mich für einen Rückfall entscheident, so meine Beobachtungen in den letzten Jahren.

    • Der Proband hat sich wirklich nie richtig vom Alkohol gelöst und in seinem Hirn schlummerte vorborgen der Gedanke, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Stoff.
    • Das Umfeld: Wer sich regelmäßig in einer trinkenden Umgebung aufhält, kommt womöglich leichter auf den Gedanken, sich für geheilt zu halten, so dass er doch wieder mal was trinken könne.
    • Sich regelmäßig mit dem Problem auseinander setzen, sich mit ihm zu befassen, dass es nicht komplett in den Hintergrund gedrängt wird.

    Es geht mir nämlich mehr um die Situation, in welche man sich begibt

    Meine Worte, ein Abstinenter hat auf einer Veranstaltung, auf der der heftige Konsum im Vordergrund steht, nichts verloren, er dürfte sich dort auch nicht wohl fühlen. Deshalb gehe ich da auch nicht hin.

    Eine mir Bekannte Person (trockener Alkoholiker) gibt beispielsweise noch regelmäßig Vodkarunden in seinem privaten Umfeld, eben mit genau den Kollegen von damals.

    Und eines Tages trinkt er dann aus purer Solidarität, aufgrund eines spontanen Verlangens oder weil es an ihn heran getragen wurde, er sei doch schon so lange trocken, da könne er doch mal wieder, einfach doch mal einen mit. Ich halte das für eine Hochrisikonummer, die im Rückfall enden kann.

    Da spielt es aus meiner Sicht keine Rolle, ob die Anwesenden Gästen nur an genau diesem Abend trinken und sonst keinen Alkohol konsumieren.

    Entscheident ist für mich, dass der Alkohol dort das wahre Bindeglied der Zusammenkunft zu sein scheint und nicht nur beiläufig mal 1-2 Gläser getrunken werden. Ich würde mich in der Runde nicht wohl fühlen und wäre schnell weg.

    Gruß

    Carl Friedrich

    "Ja, ohne Therapie wissen Sie ja gar nicht, warum Sie überhaupt getrunken haben? Das MÜSSEN Sie doch wissen!" Verdammt nochmal NEIN, muss ich nicht, irgendwann muss doch auch mal gut sein.

    Da ist was dran. Meine Therapeuten waren nicht in der Lage, den Grund für mein Versagen herauszufiltern, halt das typische multikausale Geschehen, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen, angefangenen bei einer familiären Prädisposition.

    Vielleicht kommt später ja noch mal der Punkt, an dem es Dich, nur das ist wichtig, interessiert, warum es so passiert ist. Dann kannst Du immer noch forschen.

    Ich fang schon an Gespenster zu sehen vor lauter Selbsthilfe und hinter jeder Ecke lauert der Rückfall, der ja eh immer eine Armlänge entfernt ist (dieser Vergleich regt mich auf bis zum Mond und zurück

    Wenn Du Dich von Suchtstoffen, so gut es eben geht, fern hälst, ist der Rückfall nicht wenige cm entfernt, sondern ziemlich weit weg. Ich nenne es Risikominimierung.

    Stell Deine Abstinenz für Dich, nicht für Dritte, an oberste Stelle. Gehe in Dich und sieh zu, dass Du von dem Gedanken Abschied nimmst, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Stoff. Die Abstinenz unter Vorbehalt stellen, lässt keinen langfristigen Erfolg erwarten.

    Ich fang schon an Gespenster zu sehen vor lauter Selbsthilfe

    Im Sport nennt man es "übertrainiert". Es ist wichtig, mit der Zeit das angemessene Verhältnis zwischen Vorsorge und normalem Leben zu finden. Zum normales Leben zählt für mich, nicht dem Alkohol und trinkenden Bekannten hinterher zu laufen. Treffen mit stark zechenden Leuten waren und sind für mich tabu. Ich halte so was nicht mehr aus. Allerdings habe ich mir den Respekt vor der Krankheit bewahrt, ich nenne es Respekt, andere Demut, mir ist dieser Begriff zu unterwürfig.

    Ja und dann muss der Proband einfach loslegen. Schwimmen lernt man nicht am Beckenrand, sondern nur im Wasser. Beachte die Grundbausteine hier und Du hast es selbst in der Hand, Dich zu befreien.

    Zum Schluss eine kleine Anekdote. 2 Polytoxikomanen aus meiner Anfangszeit berichteten mir jeweils in der Sommerzeit, dass sie keinerlei Verlangen nach Alkohol hätten, aber der Gedanke, einfach mal 'ne Tüte zu quarzen, käme öfter auf. Sie konnten den Qualmdruck abwenden, indem sie sich sagten: "Wenn ich jetzt nachgebe, fängt die ganze Schei... wieder von vorne an.

    Alles Gute wünscht

    Carl Friedrich

    Ich hätte jemanden besuchen sollen oder so, um die Umgebung zu wechseln

    Eine vernünftiger Ansatz, nur sollte der Besuchte dann nicht als erstes 'ne Pulle Bier auf dem Tisch stehen haben.

    Bei Suchtdruck hat sich bei mir bewährt, sofort die Umgebung zu wechseln, um andere Reize zu setzen und am besten irgendetwas tun, was mir Freude bereitet.

    Beim letzten Druck habe ich meine Sporttasche gepackt und bin ins Fitnesstudio geradelt. Kaum war ich dort angekommen, war der Druck wie weggeblasen. Dennoch habe ich mich an dem Tag dort besonders intensiv ausgetobt.

    Pferde sind bekanntlich Fluchttiere, bei Suchtdruck werde ich zum Zossen :winking_face: .

    Gruß

    Carl Friedrich

    So, gestern war das etwas weniger seriöse Grillen mit meinen alten Kumpels aus meiner Kleinstadt

    Das zweite Grillen, ja das wird wohl etwas heftiger

    andererseits stand der Alkohol schon sehr zwischen mir und den anderen

    Das sind so 3 Aspekte, die mir schon vor ein paar Wochen ins Auge sprangen.

    Du bist saufenden Leuten zu nahe gekommen und zwar nicht versehentlich, sondern mit voller Absicht. Solche Saufevents können gewaltig nachwirken.

    Du hast einfach die nötige Distanz zum Alkohol vermissen lassen.

    Ich konnte erst dann vom Stoff loskommen, als ich bereit war, meiner Abstinenz alles andere unterzuordnen. Dazu gehört, riskanten Veranstaltungen aus dem Weg zu gehen, bis eine gewisse Festigung eingetreten ist. Die kann man nicht an einer einzelnen Monatszahl der Abstinenz festmachen, das hängt von jedem selbst ab, der eine braucht länger, der andere kürzer.

    Gruß

    Carl Friedrich

    ich will aber den Suchtdruck vermeiden

    Da bin ich gespannt, wie Du das bewerkstelligen willst. Gelegentlicher Suchtdruck gehört für viele Aussteiger aus dem Alk einfach dazu, nur die Abstände werden immer größer. Bei mir ist es schon mehr als 2 Jahre her, eher 3.

    setzen auf Zeit und den Suchtdruck unterdrücken

    Und ich muss gar nichts unterdrücken. Wenn er denn mal wieder um die Ecke kommt, bin ich gewappnet und weiß, was zu tun ist, damit er ins Leere läuft.

    Ins Leere laufen lassen, das ist meine Devise. Suchtdruck entspringt dem Suchtgedächtnis, ausgelöst durch äußere oder innere Schlüsselreize. Das Suchtgedächtnis lässt sich leider nicht komplett dem eigenen Willen unterordnen, so sehr wir es uns auch wünschen mögen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Die klare Erkenntnis, quasi zum anfassen, dass es ohne Lebenslange Abstinenz nicht funktioniert.

    Das ist genau der Punkt, den ich schon seit Jahren als wichtig heraus streiche: "So lange irgendwo im Hirnkasten noch der Gedanke herumgeistert, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Alkohol, so lange wird das nichts mit der zufriedenen Abstinenz." Dieser Gedanke führt letztlich dazu, dass die eigene Abstinenz unter Vorbehalt steht.

    Und wenn ein Rückfall diesen dummen Gedanken vertrieben haben sollte, dann war der Rückfall durchaus nützlich.

    Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer es sein kann, diesen dämlichen Gedanken aus dem Kopf zu verbannen. Anfangs habe ich auch geglaubt, nach 1 Jahr ohne Alk sei ich so gesundet, dass ich wieder ein Normaler etwas trinken kann. Geholfen haben mir die Kontakte zu Rückfälligen in meiner ambulanten Therapie, das Studium von Fachliteratur und dieses Forum hier.

    Kopf hoch Hanseat, es geht weiter. Du stehst nicht bei null wie ein Neuling, Du kannst schon auf die Erfahrungen des ersten Jahres zurückgreifen. Der Rest ist Feinarbeit.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Nicht aus Angst sondern weil es mir nicht guttut bei einer trinkenden Gesellschaft dabeizusitzen und mitzubekommen wie im Laufe der Zeit das normale Niveau immer tiefer sinkt.Irgendwann wäre ich dann sowieso verschwunden.

    Du machst es für Dich genau richtig, nennt sich Risikominimierung.

    In meinem ersten Jahr der Abstinenz, ich bin mittlerweile im achten angelangt, wäre ich nicht zu dem Treffen gegangen.

    Mit zunehmender Dauer der Abstinenz wurde ich routinierter und weiß mittlerweile, wie weit ich gehen kann. Andererseits bin ich sofort weg, falls ich anfange mich unwohl zu fühlen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Das schrieb ich heute im Grünen Bereich des Forums, bin aber der Meinung, es passt irgendwie besser hier hinein:

    Gestern gab es ein kleines Treffen der Nachbarschaft. In der einen Ecke saßen die Trinkfreudigen, in der anderen die Nicht- oder "Moderattrinker". Wie selbstverständlich, ohne nur eine Sekunde nachzudenken oder gar zu zögern, begab ich mich zu Letzteren. Als die Trinkerfraktion dank des angestiegenen Alkoholpegels immer lauter und ihre Gespräche sichtlich niveauärmer wurden, zog ich mich zurück und ging nach Hause.

    Ich bin schon weit voran gekommen. Früher hätte ich bei den Zechern gehockt und mich voll laufen lassen. Heute schreckt mich schon die Vorstellung, jedoch nicht aus Angst vor einem Rückfall, sondern wegen der Szenerie als solche. Das ist nicht mehr meine Welt, da gehöre ich defintiv nicht zu.

    Die Gäste, bei denen ich saß, fragten mich nicht, ob und warum ich nicht mittrinke, sie boten mir nichts an, für sie war der Nichtkonsum etwas völlig Normales. Sie hatten es nicht nötig, andere zum Trinken zu animieren, um ggf. ihr eigenes Saufen zu kaschieren.

    Ansonsten geht's mir gut.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Herzlich willkommen und Glückwunsch zu deinen richtigen Schritten.

    dass ihr auf Widerstand gestoßen seid ? Weil die Veränderung nur bei einem selbst statt gefunden hat ?

    Ich nenne es nicht Widerstand. Bei vielen Beziehungen zu Trinkzeiten war doch in Wirklichkeit der Alkohol das Bindeglied. Fällt der weg, endet häufig, nicht immer, die jeweilige Beziehung. Denn weiter so wie früher, nur ohne Alk, das funktioniert meistens nicht.

    Ich führe nach mehr als 7 Jahren Abstinenz ein völlig anderes Leben wie früher. Zu alten Saufkumpanen ist der Kontakt eingeschlafen und das schon im ersten Jahr.

    Ich habe nur noch Kontakt zu Leuten, die gar nicht oder nur gelegentlich und moderat etwas trinken und zwar so wie ich es in den letzten Jahren meiner Trinkperiode nie konnte. Und es geht mir richtig gut damit. Ich will nie mehr zurück an den Punkt, von dem ich hergekommen bin.

    Du erlebst den typischen "Schock" nach einer stationären Therapie, die ja unter einer abgeriegelten Dunstglocke erfolgte. Jetzt begegnet Dir das reale Leben, das Du nicht mehr durch den Boden einer leer getrunkenen Flasche betrachten darfst (ist nicht vorn mir, sondern aus Alk von Borowiak).

    Lies Dich hier ein, geh regelmäßig zur Nachsorge und such Dir ggf. auch eine "analoge" SHG.

    Weiter alles Gute

    wünscht Carl Friedrich

    Mundspülungen, die alkoholfrei sein müssen

    Ich habe keine Mundspülungen missbräuchlich getrunken :wink:

    Ich weiß noch nicht mal, ob in meiner überhaupt Alkohol enthalten ist, da ich sie nur zum Spülen benutze. Und wenn Alk darin ist, steht noch gar nicht fest, ob es sich um den einwertigen (uns betreffenden) oder den mehrwertigen Alk handelt, der uns kalt lässt.

    Ich wüsste auch keinen Grund, warum meine behandelnden Ärzte nichts von meiner Alkoholkrankheit wissen dürfen

    Es ist die alte Leier hier im Forum. Es gibt Herrschaften, die sehr offen damit umgehen und andere, zu denen ich zähle, die exakt die einweihen, die es im konkreten Einzelfall auch was angeht. Und die suche ich mir immer noch selbst aus. :winking_face:

    Was geht's den HNO an, der meine Gehörgänge säubern darf oder den Hautarzt, der mal eben z.B. 'ne Warze weg schnibbelt? Exakt gar nichts, da die konkrete Behandlung davon nicht mal ansatzweise tangiert ist.

    Ich bin mit meinem restriktiven Kurs zufrieden und unfallfrei unterwegs. Ergo habe ich für mich wohl alles richtig gemacht.

    Da hier vornehmlich Neuankömmlinge aktiv sind, habe ich diese Zeilen zum Zweck des Nachdenkens geschrieben, damit sie ihren eigene Vorgehensweise finden, zu der sie dann auch stehen können und vor allem mit ihr auch zufrieden sind. Und das lässt sich sicherlich unterschiedlich handhaben.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Da ich zumeist im Grünen Bereich unterwegs bin, ziehe ich meinen allgemeinen thread mal nach oben.

    Bei mir läuft auch im 8. Jahr alles nach Plan. Nur ganz gelegentlich kommen mal dezente Trinkgedanken auf, die rasch verworfen werden können.

    denke bitte daran, dass Alkoholiker ein schnelleres Abklingen von Schmerzmittel haben

    Das las ich heute woanders im Hinblick auf zahnärztliche Behandlungen. Meine Zahnärztin habe ich nicht eingeweiht. Ihre Betäubungen wirken lange, da musste noch nie was nachgespritzt werden.

    Bei mir weiß es nur mein Hausarzt, der mir ja auch die Therapienotwendigkeit attestiert hatte. Gehe ich zu einem Orthopäden, Hautarzt oder HNO Doc falle ich dort nicht mit dem Bemerken zur Türe rein: "Gestatten, trockener Alkoholiker." Warum auch? Nur wenn sich mir die Notwendigkeit einer Einweihung im konkreten Einzelfall im Hinblick auf eine bestimmte Behandlung erschließt, schreite ich zur entsprechenden Tat.

    Nur nach einer Darmspiegelung fiel mir auf, dass ich sogleich nach Abklingen der Betäubung topfit war, während andere dann schon mal "in den Seilen hängen". Das dürfte mit meiner früheren Sauferei zusammen hängen.

    Gruß

    Carl Friedrich