Guten Morgen,
vielen Dank erstmal für die Denkanstösse, ich werde mal versuchen, mich daran abzuarbeiten.
bin heute morgen müde und unkonzentriert. Das Gedankenkarusell von gestern ist immer noch da und innere Unruhe, weil ich mich wieder auf den Weg gemacht habe und einige Dinge anstehen. Evtl bin ich heute Abend etwas ruhiger, nach dem Besuch in der realen Selbsthilfegruppe und dem klärenden Gespräch mit einem Freund. Oder sind das doch minimale Entzugserscheinungen?
Wann hast Du letztem Mal Alkohol getrunken ?!
Habe mich ja erst Montag zum letzten Mal abgeschossen.
Der Ordnung halber wollte ich noch mitteilen, dass ich gestern als nächster Schritt beim Arzt war. Sie hat mich ohne größere Bedenken nach Hause "entlassen" und wir haben einen Termin zum Blutabnehmen und für ein weiteres Gespräch vereinbart.
Du schreibst etwas von alten Muster gefallen? Wie sahen die aus?
Eigentlich waren die "alten Muster" erstmal eine Umschreibung für meinen Rückfall. Oder auch die Konsumphase. Aber eigentlich war der Begriff doch treffender als gedacht.
Was mich hierzu führt....
als du beschlossen hast dir weihnachten einen anzutrinken warst du ja längst auf der falschen spur. also noch weiter zurück.
und hierzu....
Die ganze nüchterne Zeit oder die ganze Zeit nach dem Rückfall?
Wenn du nicht weißt, warum du dich so schwer tust, kannst du denn erkennen, wobei du dich so schwer tust?
Ich war schon viel früher falsch abgebogen und auch in alte Muster zurückgefallen. Dass ich hier nicht mehr schrieb und nicht mehr in der SHG war, und damit die Nüchternheit ein Selbstläufer wurde, liegt in meinem mangelnden Selbstwert und in Schwierigkeiten mit Nähe und Distanz begründet. An diese Themen muss ich unbedingt ran.
Es viel mir zB schwer, in der SHG vor Ort Freundschaften zu knüpfen und mich wirklich einzulassen und zu öffnen, hintergründig schwebte auch immer der Gedanke von mir, als "besserer" Alki. Ich war ja noch nicht ganz so weit unten, wie die Mehrheit dort.
Weiterhin kann ich Gedankengänge wie "ich muss vielleicht noch eine Runde drehen", "irgendwann kann ich wieder trinken" ausmachen, die mich nie ganz losließen, quasi die Hintertüren. Und auch, wenn ich nicht mehr total unglücklich nüchtern war und die positiven Veränderungen sehen und fühlen konnte, war ich von zufrieden nüchtern noch ein Stück entfernt. Ich konnte die Lücke, die der Suff hinterliess, nicht komplett füllen.
Erzähle mal. Vielleicht ist dann einfacher zu finden, was für die Zukunft noch fehlt.
Was bleibt mir also von der vorherigen Trinkpause?
Eine Menge Rüstzeug und das Wissen, dass es geht und mein Leben nicht total sinnlos und leer wird. Die Hoffnung, dass ich relativ rasch wieder in die Nüchternroutine hineinfinde, nachdem ich jetzt erstmal wieder aus dem Karussell ausgestiegen bin. Dass ich gedanklich nicht wieder bei 0 anfange. Ein anderes Gefühl als beim ersten Versuch. Nicht diese starke Verzweiflung und Angst.
Das ist alles immer noch ein wenig konfus, aber eine erste oberflächliche und nicht allumfassende Sammlung meiner Gedanken, und immerhin eine kleine Sammlung von Themen, an denen ich arbeiten kann.
Ich verabschiede mich nun mit einer positiven Grundstimmung in den Tag und wünsche allen eine ebensolche:
LG Erna