Beiträge von Hartmut

    Es ist spannend zu lesen, welche Dynamik diese einfache -neutrale- Frage ausgelöst hat.

    Spannend ist, dass du es nicht einordnen kannst, nicht willst oder wie auch immer eben nicht möchtest. In der Sucht gibt es keine Erklärung, die allgemeingültig wäre – es gibt nur bestimmte Muster.

    Aber warum trennt er sich nicht vorher oder während der Trinkphase?

    Das ist schon mehrfach erklärt worden, lies es einfach mal nochmal durch.

    Kurz umschreiben . Weil er eben ein Nest hat, in dem er ungestört saufen kann, eventuell sogar Nachschub bekommt – und weil er das Herumgemecker der Partnerin /Partner mit all ihren Ansprüchen nur als temporär ansieht. Sie war ja schon immer da.

    Jetzt wie Aurora gesagt hat, mache weiter in deinem Faden .

    Wenn du hier keine Antwort bekommst, die für dich schlüssig ist, dann frag ihn doch selbst. Wenn er keine gibt, dann ist das eben so – aber das ist nicht unser Problem hier.

    Wir können keine Antwort für dich generieren.

    hm, ich meine, ich habe hier schon auch mal in Fäden von Alkoholikern gelesen, dass sie sich über die Unterstützung ihrer Familie freuen und froh sind, dass sie Frau und Kinder nicht verloren haben.

    Natürlich gibt es das, es ist auch erstrebenswert und gut, jedoch sollte jeder immer erst bei sich selbst schauen, wie es bei einem aussieht. Deswegen ist vieles zwar gut gemeint, hilft aber nichts, wenn es beim anderen ganz anders aussieht.


    Die Kernfrage war ja hier: Warum reagiert der Alkoholiker so? Und er reagiert eben nicht so, wie es in der Vorstellung des Partners abläuft. Sei es der Co‑Abhängige – der es eigentlich am besten wissen müsste, weil all seine Versuche, den Alkoholiker „trocken zu legen“, regelmäßig gescheitert sind – oder einfach der Partner, der das jahrelang versucht hat.

    Und mal ehrlich: Wenn ich jahrelang eine Partnerschaft führe, weiß ich doch, wie der andere tickt. Meistens wird das Gebrüll erst dann groß, wenn ich meine Felle davonschwimmen sehe – auf beiden Seiten, beim Säufer wie beim Partner.

    Und ja, es gibt Trennungen wegen der Sucht, egal ob nass oder trocken. Aber in den wenigsten Fällen lässt sich das allein darauf zurückführen. Immer wieder wird sich regelrecht verbissen darauf gestürzt, dass „die Sucht schuld“ sei, anstatt eine ganz normale Entwicklung zu sehen, die ohnehin gekommen wäre.

    Das ist eher eine Beziehungskiste und hat weniger mit einem Suchtforum zu tun. Trotzdem kann es helfen, wenn ich die Sache auch mal von dieser Seite betrachte. Zu viel Klartext mag natürlich auch keiner.

    Ok versuche es anders

    Die Erklärung, warum ein Alkoholiker froh sein kann, in ein Zuhause/Partnerschaft zurück zu können, habe ich oben versucht zu erklären.

    Alkoholiker, egal ob Quartalstrinker oder täglich am Saufen – unterliegen immer dem Suchtdenken, solange sie trinken. Das verschwindet auch in der ersten Zeit nach dem Wegstellen des Glases nicht einfach. Trotzdem kann man Alkoholiker nicht pauschalisieren, als wären sie entmündigt.

    Jeder entscheidet selbst, ob er nach der Entgiftung froh ist, wieder nach Hause zu kommen oder ob er jemanden verlässt. Er ist ja keine Sache , genau das war mit „Sache“ gemeint. Wenn jemand sein Zuhause nur noch besoffen ertragen hat, war das natürlich suchtgesteuert. Aber genau dieser Mechanismus fällt nach der Entgiftung weg, und damit verändert sich auch die Wahrnehmung.

    Ich fand die Aussage „er kann doch froh sein, wieder nach Hause zu kommen“ anmaßend und übergriffig. Als könnte jemand von außen bestimmen, worüber ein Mensch – oder in diesem Fall auf die Sucht reduziert ein Alkoholiker – froh zu sein hat.

    Vielleicht habe ich es auch falsch verstanden, aber ich reagiere extrem empfindlich, wenn jemand anderen „vorschreiben“ will, wie sie zu denken oder zu fühlen haben. Es kann natürlich auch dein Co‑Denken sein, also der Impuls, für den Alkoholiker mitzudenken – aber genau das gehört dann nicht mehr in diesen Bereich.


    Hier im Bereich „Fragen an Alkoholiker“ geht es darum, welche Auswirkungen die Sucht hat und wie ein Alkoholiker in der Suchtphase denkt. Das ist der Fokus. Alles andere, Austausch über Co‑Abhängigkeit, eigene Erfahrungen oder Bewertungen kann du gern wieder im eigenen Thread machen , aber nicht hier.

    Eine Beziehung nach über 20 Jahren hat einen gewissen Alltag, aber man schätzt sich auch, sonst wäre man doch nicht mehr zusammen.

    Vielleicht hat das Saufen im Zusammenleben auch bestimmte Dinge überdeckt oder weggeschoben unter der Sucht kann vieles, was man eigentlich schätzt, einfach verblassen. Aber genau das gehört dann in deinen eigenen Thread.

    Ich sage es mal ganz deutlich:

    Du musst dich hier nicht austauschen, wenn dir die Art und Weise nicht gefällt, wie wir Hilfe anbieten.

    Unsere Zeit ist zu wertvoll, um sie mit dem Verdrehen von Tatsachen, willkürlichen Interpretationen und endlosen Diskussionen zu verbringen.

    Das ist natürlich Quatsch, keiner hat dir irgendwas verboten, dich zu melden, sondern du sollst dich melden, wenn du entgiftet bist.

    Wir haben hier auch Verantwortung gegenüber anderen Usern, die so einen kalten Entzug dann irgendwie nachmachen wollen, und das unterbinden wir sofort.

    Das Forum ist voll mit Artikel also lesen wäre ja auch eine Möglichkeit gewesen um dran zu bleiben oder nicht?

    Wir sprechen hier über Sucht, nicht über gewaltfreie Kommunikation, die stets subjektiv interpretiert werden kann. Es ist jedoch positiv, dass du nichts mehr getrunken hast.

    Eine gute Basis für einen weiteren Austausch.

    Bei mir ist es ja so, dass mein Ex weiterhin trinkt und ich in seinen Augen die Schuld daran trage, dass es ihm so schlecht geht

    Wenn ich jemandem die Schuld zuschiebe, hab ich ja die Verantwortung schon abgegeben. Und im nassen Kopf ist auch nicht viel Spielraum oder sagen wir mal die Denkweise sehr begrenzt.

    Ich hatte es ja auch erst alles beim Trockenwerden verstanden.

    Ich weiß auch nicht, ob ich heute noch mit meiner Ex zusammen wäre, weil sie ja weiterhin das Co-Verhalten in sich trägt.

    Das macht eine Beziehung auch nicht einfacher, man wird ja dann weiter selbst als "Trockener" kontrolliert.

    Nach der Trennung war es erst möglich die Sucht zu stoppen.

    Ich habe meine Sucht ganz allein überwunden ohne Therapie, ohne Therapeuten und ohne eine Partnerin, die mir etwas „offenbart“ hätten. Durch einen Tiefpunkt bin ich selbst zu der Erkenntnis gekommen, dass es so nicht weitergehen kann.

    Ich muss aber dazu sagen: Ich hatte mich schon in der nassen Zeit von ihr getrennt und jemanden gefunden, die meinen Konsum damals tolerierte. Es ging also nicht darum, eine Beziehung zu retten , die war längst aufgelöst. Wenn ich darum hätte kämpfen müssen, weil ich der Annahme gewesen wär, dass es allein am Alkohol lag, dann weiß ich nicht, was passiert wäre.

    Das hatte nicht allein mit der Sucht zu tun. Manchmal werden Gründe für eine Trennung gesucht, und die Sucht wird dann als Rechtfertigung vorgeschoben. Und nicht jeder ist automatisch Co‑abhängig in einer Beziehung. Aber wenn jemand , wie hier oder anderswo, Hilfe sucht, dann ist es letztlich egal, welche Rolle er offiziell hat. Entscheidend ist, dass er hinschaut.

    Mein Post oben bezog sich auf eine klassische Co‑abhängigen‑und‑Alkoholiker‑Dynamik. Die habe ich jahrelang erlebt.. Meiner Einschätzung nach kann das aber nur jemand wirklich nachvollziehen, der selbst einmal so eine gegenseitige „nasse“ Beziehung erlebt hat.

    Meine Ex ist heute wieder mit einem „aktiven“ Alkoholiker zusammen und weiterhin auf der Suche nach Gründen, Erklärungen oder Rechtfertigungen trotz Therapien und Therapeuten. Schade drum.

    Nach der Trennung war es erst möglich die Sucht zu stoppen. Für mich war das so,denn im System das vorher lief habe ich es oft versucht aber nie wirklich geschafft

    Das meine ich ja damit.

    Der Co hat mich nicht süchtig gemacht und mich nicht zum Saufen gezwungen. Aber er hat das System stabilisiert , mal durch Versorgen, mal durch Kämpfen. Beides hat die Sucht am Laufen gehalten.

    Ein beidseitiges Suchtverhalten stabilisiert das System und hält beide „nass“.

    Mal rausholen aus der Versenkung den alten Thread. :whistling:

    Immer wieder schön zu sehen, wie sich das eigene Denken entwickelt und die eigenen Erkenntnisse verändern.

    Wie läuft eigentlich die Beziehung mit Co-Abhängigen und Alkoholikern, da es gerade wieder Thema war bei "Fragen an Alkoholiker?"

    Trennung ist nicht immer von einer Sucht abhängig, das war beim ersten Mal meine wichtigste Erkenntnis.

    Ich habe als Alkoholiker genauso wenig neutral gehandelt wie ein Co-Abhängiger. Ich habe nicht gesoffen, weil ich „Lust“ hatte oder weil es logisch gewesen wäre, sondern weil meine Sucht das Programm gesteuert hat. Ich habe mich nicht bewusst in die Sucht hineingesoffen , ich bin hineingerutscht, nicht weil ich es wollte.

    Genauso handelt auch der Co-Abhängige aus seiner eigenen Dynamik heraus. Beziehungssucht, Kontrollbedürfnis, das Übernehmen von Verantwortung für etwas, das gar nicht seine Aufgabe ist. Nicht aus Bosheit, sondern weil er es nicht anders kann. Genau deshalb hält dieses System oft so lange.

    Der Co hat mich nicht süchtig gemacht und mich nicht zum Saufen gezwungen. Aber er hat das System stabilisiert , mal durch Versorgen, mal durch Kämpfen. Beides hat die Sucht am Laufen gehalten. Und solange sich alles um mich als Alkoholiker drehte, musste der Co nicht bei sich selbst hinschauen. Das habe ich erst verstanden, als ich selbst aufgehört habe zu trinken.

    Der entscheidende Punkt ist nicht Schuld, sondern Verantwortung. Meine Verantwortung war es, meine Sucht zu stoppen. Und als ich das getan habe, hat sich mein Leben neu sortiert. Nicht automatisch besser, aber klarer. Und vieles, was im Suff noch „ging“, ging nüchtern nicht mehr.

    Für mich war der Entzug der Alkohol. Für den Co ist es oft der Entzug von Kontrolle. Und beides hat seine eigene Härte.

    Wenn ein Co den Alkoholiker aus seiner eigenen Selbsthilfe ausschließt, schützt er nicht sich selbst, sondern stabilisiert sein eigenes System weiter. Warum sonst hängt man jahrelang an etwas fest, das offensichtlich nicht funktioniert, sucht immer neue Erklärungen und rutscht in jede weitere Beziehung nach demselben Schema?

    Und genau deshalb kommt es nach dem Stoppen der Sucht so oft zu Trennungen. Wenn beide ihre Süchte und Verhaltensmuster richtig einordnen und sich davon lösen, wird erst sichtbar, was die Beziehung überhaupt zusammengehalten hat – und ob da nüchtern noch etwas trägt.

    Ich meinte eigentlich, gibt es Literatur darüber, warum sich Alkoholiker NACH einer Therapie von der Partnerin trennen?

    Da musst du selbst hinschauen. Hier geht es um Selbsthilfe und persönliche Erfahrungen. Bücher können Zusammenhänge im Allgemeinen erklären, ja , aber persönlich ändern sie nichts. Denn die Sucht deines Partners spricht nicht die Sprache der Bücher.

    Nach meinem Verständnis sollte man als trockener Partner doch froh sein, wenn er nach dem Entzug udn der Therapie noch eine Zuhause mit Frau, Tieren etc. hat.

    Echt jetzt? Er soll froh sein? Warum bitte? Ein Partner oder Alkoholiker ist doch keine Sache, die man einfach an und ausschaltet, um sie nach eigenen Vorstellungen zu formen. Ein Alkoholiker lässt sich auch nicht auf seine Krankheit reduzieren. Und materielle Dinge sollen eine Partnerschaft aufrechterhalten? Irgendwie habe ich da eine ganz andere Vorstellung von Partnerschaft.

    Wir reden hier auch nicht allgemein oder in Buchkategorien. In Büchern findet man oft Begründungen, die bequem davon ablenken, wirklich bei sich selbst hinzuschauen. Hier geht es immer um den Einzelnen, um den konkreten Menschen egal ob Co oder Alkoholiker. Und genau dieses Hinschauen ist nicht angenehm, aber notwendig.

    Sucht hebelt eben auch jedes Verständnis aus. Und wenn in der nassen Zeit am Ende sowieso nur noch eine Zweckgemeinschaft übrig war und es mit der Partnerin nicht mehr gepasst hat, warum sollte der Alkoholiker, wenn die Sucht gestoppt ist, froh sein, genau dort zu bleiben? Wenn ich etwas nur "im Suff" ertragen habe um es mal drastisch auszudrücken, dann funktioniert es nüchtern nicht mehr.

    Ist die Sucht gestoppt, ordnet sich das Leben neu. Und dann passt manches schlicht nicht mehr zusammen. Das hat dann nichts mehr mit der aktiven Sucht zu tun. Da kommt all das an die Oberfläche, was vorher weggesoffen wurde. Die Sucht zerstört während des Saufens Beziehungen und da bleibt eben nicht mehr viel übrige wenn sie gestoppt ist.

    Das ist auch nur der Thread „Fragen an einen Alkoholiker“, alles andere Persönliche ist zwar übel aber gehört dann wieder in deinen Thread.

    Soviel Wind wollte ich jetzt in die ganze Geschichte nicht blasen. Eher nur deutlich machen dass eine gewalttätige Beziehung mit nichts zu rechtfertigen ist.

    Da hast du recht, aber mit Vulgarität hilft es auch nicht, es besser zu machen.

    Ich habe zunächst gedacht, du könntest wieder saufen, weil es nicht unüblich ist, erst einmal einen Rundumschlag zu starten. Das sieht man öfter. Aber es scheint bei dir noch im trockenen Tüchern zu sein.

    Es werden in einem Forum wie diesem auch Spiegel vorgehalten. Und dazu gehört leider auch, dass Alkohol und Gewalt häufiger zusammen auftreten, als viele wahrhaben wollen. Die Realität bei Sucht ist auch nichts, was man schönreden sollte.

    Ich habe zwar keine Gewalt gegen Frauen ausgeübt, war aber in gewalttätige Straßenschlägereien und all das verwickelt, was nicht nur die Sucht aus einem Menschen macht, sondern einem auch schon mal nach einen riesigen Rausch bescherte.

    War bei dir immer alles ohne irgendwelche "nassen" Ausbrüche? Eine rhetorische Frage muss ja nicht beantwortet werden.

    Und ich vermute ich werde jetzt au belächelt und gedacht wieder so nen neuer Grünschnabel

    Warum glaubst du eigentlich, dass es für irgendwen wichtig wäre, wie du denkst oder ob jemand das belächelt?;) Und selbst wenn es so wäre , würde dich das wirklich beeinflussen? Es geht hier doch nur um dich. Du stehst und fällst mit deinem eigenen Weg.

    Es geht ja nicht um richtig oder falsch, nicht um Erwartungen von außen. Es geht darum, ob du deinen Weg findest und ihn gehst. Genau dafür ist eine SHG da, damit du Orientierung bekommst, nicht Bewertung.

    Viel Erfolg damit.

    Ich bin Alkoholikerin und seit 2 Woche Abstinenz

    und

    Bevor ich da an eine Flasche geh würde ich mir lieber Kippen kaufen, das Nichtrauchen stresst mich wahnsinnig und das Rauchen fehlt mir. Alk fehlt mir tatsächlich nicht!

    Die Anfangseuphorie läuft anscheinend bei dir gerade auf Hochtouren. ;) Alles cool, alles easy, so lese ich deinen Post. Das ist aber nicht ungewöhnlich – die bekommt fast jeder, der trocken werden will und ein paar Tage ohne Alkohol ist.


    Du bist jetzt etwas mehr als zwei Wochen ohne Alkohol. Das ist lobenswert, klar – aber mehr auch nicht. Wenn du dann sagst „Das stört mich nicht“ oder „Alkohol fehlt mir nicht“, frage ich mich, woher du das nach so kurzer Zeit wissen willst?

    Wenn es dich wirklich nicht stören würde, wäre es nie zur Sucht gekommen. Oder? Dann hättest du das alles längst im Griff gehabt. Ich kenne keinen Alkoholiker, der sich bewusst und freiwillig in die Sucht hineingesoffen hat. Also gibt es in deinem Kopf irgendeinen Schalter, der das Programm „jetzt saufen“ startet.

    Diesen Schalter legst nicht du um , das macht das Suchthirn ganz allein.

    Tu dir selbst den Gefallen und weg mit dem Zeug. Oder willst du es aufheben, falls es irgendwann wieder „angenehm“ wäre, es zu trinken? ;) Dann würde es natürlich wieder Sinn machen.

    Und natürlich auch von mir ein Willkommen hier.

    mein Mann hat mir gerade erklärt, dass es sein kann, dass er sich nach einem Entzug von mir trennt und irgendwie habe ich hier im Forum auch was davon gelesen.

    Und das sind genau die üblichen "nassen" Drohgebärden eines Alkoholikers, der noch nicht aufhören will zu saufen, noch nicht so weit ist, seinen eigenen Punkt aber kommen sieht. Also wird Druck aufgebaut – auf einen Partner, der noch an die Beziehung glaubt.

    Was sind denn die Hintergründe, warum sich der Alkoholiker selbst vom Partner trennt?

    Weil der Partner der Grund war, sich zu trennen – nicht die Sucht. Die Sucht hat das nur übertüncht. Der Nachschub war bei den meisten ohnehin gesichert, denn viele Co-Abhängige beschaffen den Alkohol mit oder ertragen zumindest den Säufer weiter.

    Das reicht dann völlig aus, um die Beziehung künstlich am Laufen zu halten.

    Die Sucht steht vor jeder Beziehung , egal ob Liebe da ist oder nicht.

    Aber kann man sich im wahren Leben wirklich komplett davor schützen ?

    Komplett schützen kannst du dich nicht.

    Mein Grundsatz war am Anfang ganz simpel , nicht auf den Alkohol zulaufen, sondern Strategien entwickeln, wenn ich ihm begegne. Das ist in erster Linie Selbstschutz. Und ja, das bedeutet massive Veränderungen im Leben. Aber es geht hier um mich – darum, nicht wieder saufen zu müssen.

    Das Umfeld passt sich mir nicht an. Warum sollte es auch? Die Welt da draußen wird nicht trocken, nur weil ich aufgehört habe. Also passe ich meine Wege an, oder ich lasse sie bleiben. Alles andere ist Wunschdenken.

    Trotzdem habe ich in fast 19 Jahren mehr gelebt, mehr begriffen und mehr Freiheit erlebt als je zuvor. Ein alkoholfreies Leben war für mich früher völlig undenkbar.Die Sucht kannte nur ein durchnässtes Leben, alles andere existierte nicht. Ich habe es nicht wahrgenommen oder abgewertet, weil es dort nichts zu saufen gab.

    Dieses alkoholfreie Leben musste ich mir erst erarbeiten. Mit den Jahren kommt Stabilität, und man erkennt Trigger schneller. Verschwinden tun sie nie – wer das glaubt, belügt sich selbst.

    Aber man lernt, ihnen nicht mehr die Kontrolle alleine zu überlassen und selbst das Steuer in die Hand zu nehmen.

    Aber bei solchen Firmenevents kennt man die Personen nur oberflächlich, und weiß nicht, was bei steigender Feierlaune passiert.

    Bei meiner Veranstaltung haben tatsächlich die Hälfte der Teilnehmer keinen Alkohol getrunken,

    Und wo bitte ist der Unterschied, ob ich jemanden kenne oder nicht? Oder wer wo, wie viel und warum säuft, wenn ein Glas für mich reicht, um wieder saufen zu müssen? Es gibt keine Lücke, die sich schließen lässt, nur weil ich unbedingt an irgendeinem Event teilnehmen will.

    Es geht hier auch nicht darum, Dinge grundsätzlich nicht zu tun. Es geht darum, dass ich mir, wenn ich etwas unternehme, der Konsequenzen bewusst bin. Und die sind bei Sucht nun mal klar.

    Die Sucht hat genau ein Angebot für dich. Das ist fest im Suchthirn gespeichert und nicht verhandelbar: Sauf wieder.
    Egal wo, egal wann, egal wie. Steht Alkohol griffbereit, beginnt das Mahlwerk der Sucht zu laufen. Immer. Ohne Ausnahme.

    Alles andere ist Wunschdenken.

    Dafür muss ich mich eben so gut wie möglich schützen.

    Willkommen bei uns

    Beruflich war diese wichtig für mich, darum habe ich nicht abgesagt

    Was wäre denn die Wichtigkeit wert gewesen, wenn du bei dem Treffen oder danach rückfällig geworden wärst? Ist ein Rückfall am Ende weniger wichtig? Nur mal ein paar Fragen in den Raum gestellt.;)

    Es war nicht so schlimm, wie erwartet hatte. Ausser mir haben auch viele Andere keinen Alkohol getrunken.

    Subjektive Wahrnehmung ist immer nur eine Momentaufnahme, aber kein Schutzkonzept. . Selbst beim nächsten Treffen mit denselben Leuten kann genau das schon zum Verhängnis werden.

    ch werde zukünftig versuchen, solche Veranstaltungen zu meiden.

    Ich versuche nur, trocken zu bleiben, und alles andere muss sich diesem Versuch unterordnen.

    Wie ernst meinst du es eigentlich mit dem Aufhören? Oder anders gefragt: Ist dir wirklich bewusst, wie wichtig es ist, trocken zu bleiben , weil das bei Alkoholsucht die einzige echte Chance ist?

    Und mit „Chance“ ist hier nicht „vielleicht klappt’s“ gemeint, sondern die einzige realistische Möglichkeit, die Krankheit zu stoppen.

    Dazu ein gutes Gelingen.;)

    Ich habe nicht mal mitbekommen, wie viel die anderen getrunken haben, weil es mir egal war. Als es in Richtung „besoffen“ ging, bin ich gegangen – ganz selbstverständlich, weil ich da einfach fehl am Platz bin. Davor war alles entspannt: gut gegessen, viel gelacht. Ich brauche keinen Alkohol, um locker oder gut gelaunt zu sein.

    Na ja, klassisches Beispiel dafür, sich etwas schönzureden? ;)

    Ich bekomme jedenfalls immer mit, wenn getrunken wird. Und ich weiß auch nach 19 Jahren nicht, ob mir das wirklich egal ist oder nicht. Unabhängig davon, wer wie viel trinkt – ein Glas reicht, und ich bin gedanklich wieder mit dabei.

    Sobald ich anfange, eine "nasse" Situation zu bewerten oder mir danach Rechtfertigungen zurechtzulegen, macht das etwas mit mir. In dem Moment bewertet mein Suchthirn automatisch mit. Ich kann versuchen, neutral zu bleiben, aber genau da liegt der Haken: Neutralität ist bei Sucht keine stabile Position. Entweder ich halte Abstand, oder ich bin innerlich wieder drin.

    Ansonsten macht es mir nichts aus, wenn andere trinken.

    Es macht immer etwas mit mir.

    Beispiel. Wenn ich bei so einem Treffen unter Stress gerate, was ist dann ? Stress ist doch genau dein Thema, oder nicht? Wenn das Suchthirn dann laut schreit, schneller als die Füße sich in Bewegung setzen können, wird daraus ein Kampf.

    Nur mal objektiv drüber geschaut.

    Wenn ich Risiken eingehe, dann bewusst, mit dem Wissen, dass es auch schiefgehen kann. Aber ich habe sehr schnell aufgehört, mir selbst etwas vorzumachen oder mir Dinge schönzureden, die mit Alkohol zu tun haben. Denn je länger ich mir selbst etwas vormache, was ich real gar nicht überprüfen kann, desto mehr glaube ich es irgendwann auch. Genau da spricht die Sucht ihre eigene Sprache.

    Ich habe mir das ja selbst jahrelang erzählt:. Morgen höre ich auf. Ich bin nicht süchtig. Ich habe das im Griff. Dieses Denken hat nie aufgehört – es hat mich nur ruhiggestellt.

    Wenn ich mir die Rückfallquoten anschaue, war es am Ende oft nicht das einzelne Risiko, das Menschen rückfällig gemacht hat. Es war die Überheblichkeit, zu glauben, man stünde über dem Alkohol. Genau die Illusion, die die Sucht am Leben hält.

    Schön, dass du wieder schreibst.