Boss, Wenn das erste Bier den Tag beendet

  • was bringt es Dir zwischen lauter angetrunkenen Freunden zu sitzen

    Im ersten Jahr ist es ratsam, darauf zu verzichten. Und dann bist Du wahrscheinlich so trocken, dass Dir das angesoffene Geschwätz zu blöd geworden ist. Ich fühle mich dabei überhaupt nicht mehr wohl. Deswegen habe ich auch nicht das Gefühl auf etwas zu verzichten.

    Wenn das bei Dir bis jetzt nicht so ist, solltest Du einfach auf die Erfahrungen der anderen vertrauen.

    Abends habe ich zum Beispiel gar kein Bedürfnis mehr.
    Außer … heute.

    Das kann auch gut die Nachwirkung Deines Besuches dieser Party sein. Das Suchthirn vergisst nicht so schnell, wenn es etwas für sich gebrauchen kann.

    Viele haben natürlich getrunken, es gab reichlich Wein

    Auch wenn nicht gerade Wein Dein Lieblingsgetränk war. Die Wirkung auf die anderen Gäste, hast Du ja gesehen.

    Ich selbst kann mich erinnern, dass ich gerne auch mal zu irgendetwas anderem gegriffen habe, wenn mir das Bier ausging. Weil ich mal wieder gehofft hatte, dass ich mit weniger auskommen würde.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • zuerst mal Entschuldigung das ich meinen kleinen "Bro" so vernachlässigt habe ist sonst nicht meine Art und das finde ich selbst blöd wie ich jetzt merke.

    Kein Thema. Bei mir ist gerade selbst nicht viel los. Der Suchtteufel hält sich – abgesehen von einem kurzen Aufploppen gestern Abend – komplett zurück. Entsprechend habe ich aktuell auch kein großes Bedürfnis, viel zu schreiben. Ist für mich eher ein gutes Zeichen. 🙂

    Aber mal im Ernst was bringt es Dir zwischen lauter angetrunkenen Freunden zu sitzen und wahrscheinlich krampfhaft die Contenance zu wahren. Du hast ja selber geschrieben das viel getrunken, wahrscheinlich gesoffen, wurde. Die Freundin hat sich ja auch entschuldigt und mal Hand aufs Herz, so nebenbei würde ich meine Suchterkrankung nicht mitteilen, an Silvester war mir zum Beispiel ja schon der Konsum meiner Frau und unseren zwei Freunden zuviel und ich hab mich zurück gezogen, zum Glück hatte ich Husten.

    Es sind Freunde, keine klassischen Saufkumpels. Wir treffen uns auch unabhängig von Partys und Alkohol. Contenance musste ich nicht wahren – nichts zu trinken fällt mir aktuell leicht. Ich habe viel Freude an meinem nüchternen Leben und habe null Interesse, dahin zurückzugehen, wo ich herkomme. Alkohol interessiert mich im Moment schlicht nicht.

    Ich habe nicht mal mitbekommen, wie viel die anderen getrunken haben, weil es mir egal war. Als es in Richtung „besoffen“ ging, bin ich gegangen – ganz selbstverständlich, weil ich da einfach fehl am Platz bin. Davor war alles entspannt: gut gegessen, viel gelacht. Ich brauche keinen Alkohol, um locker oder gut gelaunt zu sein.

    Meine Trigger sind eher Stress und das Bedürfnis, runterzukommen. Dafür habe ich inzwischen funktionierende Strategien. Essen hilft mir enorm – das war schon früher so, ich habe nie auf vollen Magen getrunken.

    Dass ich mein Problem erwähnt habe, war beiläufig, weil gefragt wurde, warum ich nichts trinke. Antwort: Es war zu viel, ich habe ein Problem damit. Punkt. Thema erledigt.

    Was macht deine Selbstständigkeit BTW? Ich hoffe alles läuft gut für Dich.

    Die Selbstständigkeit läuft bewusst langsam an. Ich weiß, dass Stress ein Trigger für mich ist, deshalb gehe ich es entspannt an. Aktuell blocke ich eher 50–60 % meiner Zeit, nicht 120 %. Das fühlt sich richtig an – und genau so mache ich weiter.

    Das kann auch gut die Nachwirkung Deines Besuches dieser Party sein. Das Suchthirn vergisst nicht so schnell, wenn es etwas für sich gebrauchen kann.

    Nee, das kann ich ausschließen. Das war ein klassischer Standard-Trigger bei mir: Stress.

    Ich hatte einen Stromausfall in der Wohnung. Eine Phase war tot, auf dem Neutralleiter habe ich Phantomspannung gemessen, und ich dachte erst an eine Neutralleiterunterbrechung – was lebens- und brandgefährlich sein kann. Ich bin aber Laie und musste auf den Elektriker warten.

    Am Ende war es „nur“ eine verkokelte Leitung im Keller. Thema erledigt. Hat mich trotzdem extrem gestresst.

    Moin Bossi,

    also ich werde mir diese Nähe zum Alk nicht geben. Weiterhin 0 Kontakt und den größtmöglichen Abstand. Sicher ist sicher, zu riskant und garkein Bock drauf

    Verstehe ich. Von Events, bei denen es von vornherein nur um Alkohol geht, halte ich mich ebenfalls fern. Davon gibt es ja genug.

    Ansonsten macht es mir nichts aus, wenn andere trinken. Der Geruch ist für mich mittlerweile eher ekelhaft. Früher habe ich das gar nicht wahrgenommen.
    Gestern habe ich sogar gerochen, dass der Elektriker schon ein Bier intus hatte. 😄

    LG

  • Ich habe nicht mal mitbekommen, wie viel die anderen getrunken haben, weil es mir egal war. Als es in Richtung „besoffen“ ging, bin ich gegangen – ganz selbstverständlich, weil ich da einfach fehl am Platz bin. Davor war alles entspannt: gut gegessen, viel gelacht. Ich brauche keinen Alkohol, um locker oder gut gelaunt zu sein.

    Na ja, klassisches Beispiel dafür, sich etwas schönzureden? ;)

    Ich bekomme jedenfalls immer mit, wenn getrunken wird. Und ich weiß auch nach 19 Jahren nicht, ob mir das wirklich egal ist oder nicht. Unabhängig davon, wer wie viel trinkt – ein Glas reicht, und ich bin gedanklich wieder mit dabei.

    Sobald ich anfange, eine "nasse" Situation zu bewerten oder mir danach Rechtfertigungen zurechtzulegen, macht das etwas mit mir. In dem Moment bewertet mein Suchthirn automatisch mit. Ich kann versuchen, neutral zu bleiben, aber genau da liegt der Haken: Neutralität ist bei Sucht keine stabile Position. Entweder ich halte Abstand, oder ich bin innerlich wieder drin.

    Ansonsten macht es mir nichts aus, wenn andere trinken.

    Es macht immer etwas mit mir.

    Beispiel. Wenn ich bei so einem Treffen unter Stress gerate, was ist dann ? Stress ist doch genau dein Thema, oder nicht? Wenn das Suchthirn dann laut schreit, schneller als die Füße sich in Bewegung setzen können, wird daraus ein Kampf.

    Nur mal objektiv drüber geschaut.

    Wenn ich Risiken eingehe, dann bewusst, mit dem Wissen, dass es auch schiefgehen kann. Aber ich habe sehr schnell aufgehört, mir selbst etwas vorzumachen oder mir Dinge schönzureden, die mit Alkohol zu tun haben. Denn je länger ich mir selbst etwas vormache, was ich real gar nicht überprüfen kann, desto mehr glaube ich es irgendwann auch. Genau da spricht die Sucht ihre eigene Sprache.

    Ich habe mir das ja selbst jahrelang erzählt:. Morgen höre ich auf. Ich bin nicht süchtig. Ich habe das im Griff. Dieses Denken hat nie aufgehört – es hat mich nur ruhiggestellt.

    Wenn ich mir die Rückfallquoten anschaue, war es am Ende oft nicht das einzelne Risiko, das Menschen rückfällig gemacht hat. Es war die Überheblichkeit, zu glauben, man stünde über dem Alkohol. Genau die Illusion, die die Sucht am Leben hält.

    Schön, dass du wieder schreibst.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Eine Phase war tot,

    Ich kann Dir mal zeigen, wie man es schafft gleich zwei auf einmal durchbrennen zu lassen. ^^

    Das habe ich geschafft, als ich vor genau 30 Jahren meinte, ich schließe mal einen Herd an.

    Übrigens spüre ich auch nach vier Jahren, dass es sich nicht gut anfühlt wenn da gebechert wird. Und das ist auch gut so.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Danke dir für deine Einschätzung.

    Ich verstehe deinen Punkt und nehme ihn ernst. Für dich ist Abstand die einzig stabile Position, und das ist absolut legitim. Bei mir ist die Lage aktuell eine andere – nicht besser, nicht schlechter, nur anders.

    Ich bewerte die Situation nicht, um sie mir schönzureden, sondern um sie für mich einzuordnen. Ich gehe bewusst nicht auf Events, bei denen Alkohol im Mittelpunkt steht. In dem beschriebenen Rahmen war für mich kein innerer Kampf da. Als sich die Stimmung verändert hat, bin ich gegangen. Genau das ist mein Sicherheitsmechanismus.

    Stress ist mein Trigger, ja, aber nicht jede soziale Situation mit Alkohol erzeugt bei mir Stress. Der Stress entsteht bei mir eher durch Kontrollverlust, Druck oder Überforderung. Das war dort nicht der Fall.

    Mir ist völlig bewusst, dass Überheblichkeit gefährlich ist. Deshalb behaupte ich auch nicht, „über dem Alkohol zu stehen“. Ich sage nur, dass er mich aktuell nicht interessiert und ich aufmerksam bleibe. Sollte sich das ändern, ziehe ich die Konsequenzen.

    Ich mache mir nichts vor und ich teste keine Grenzen, um etwas zu beweisen. Ich beobachte mich nüchtern, reagiere früh und halte meine Linie. Mehr kann und will ich im Moment nicht tun.

    Trotzdem danke für deinen Blickwinkel, solche Rückmeldungen helfen, wach zu bleiben.

    Naja, jedenfalls liebe ich mein neues nüchternes leben und will da nie wieder zurück. :)

    Ich kann Dir mal zeigen, wie man es schafft gleich zwei auf einmal durchbrennen zu lassen. ^^

    Das habe ich geschafft, als ich vor genau 30 Jahren meinte, ich schließe mal einen Herd an.

    Übrigens spüre ich auch nach vier Jahren, dass es sich nicht gut anfühlt wenn da gebechert wird. Und das ist auch gut so.

    Bei mir ist das einfach so passiert. Der Elektriker meinte, dass vermutlich zu viel Last auf einer Phase lag und man das bei Gelegenheit mal umlegen sollte, falls es öfter vorkommt.
    Ich wohne seit fünf Jahren hier – das war jetzt das erste Mal. Schauen wir mal. ^^

  • Für dich ist Abstand die einzig stabile Position, und das ist absolut legitim.

    Nein, es geht um Risikominimierung, das ist die einzige stabile Position, um nüchtern zu bleiben. Das bedeutet nicht, dass ich automatisch Abstand halten muss. Es heißt nur: Ich muss wissen, was es für mich bedeutet, wenn ich diesen Abstand nicht einhalte.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ja, Hallo Boss,

    wie läuft es denn bei Dir? Schon länger nichts mehr von Dir hier in Deinem Faden gehört. Ich hoffe es geht Dir gut.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Upss... Gerade erst gesehen, dass ihr geschrieben habt. Im Moment kann ich ehrlich gesagt gar nicht so viel berichten, deswegen meld ich mich auch nich so oft.

    Mir geht’s mit der Nüchternheit echt gut. Abends fühlt sich das inzwischen völlig normal an. Cravings hab ich eigentlich keine mehr, höchstens ganz selten mal ’nen kurzen Gedanken an Alkohol.

    Vor zwei Tagen hatte ich allerdings mal ’nen Alkoholtraum. Warum, weiß ich bis heute nich. War weder auf irgendeinem Event noch gab’s vorher irgendwas Besonderes. Im Traum hatte ich voll das schlechte Gewissen und der Alk wurde mir irgendwie "reingezwungen". Komische Nummer.

    Aber unterm Strich: Mir geht’s wirklich ziemlich gut. Ich hab gerade selber keinen Plan, wie viele Tage oder Wochen ich jetzt schon trocken bin, aber ich glaub, die drei Monate knack ich die Tage. 😊

    LG

  • Guten Morgen Boss,

    schön das Du Dich mal wieder meldest und prima das es Dir gut geht.

    Ich helfe Dir mal kurz für Deine Rechnung. 8o

    Am 23.11.2025 schriebst Du, Du bist 8 Tage trocken. Also müsstest Du am 16.11.2025 Deinen ersten trockenen Tag gehabt haben. Bedeutet, wir können Dir am 16.02.2026 zu 3 Monaten Freiheit gratulieren. Bloß mal so. :thumbup:

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Hallo Boss,

    Schön zu hören dass es dir gut geht 😊

    Vor zwei Tagen hatte ich allerdings mal ’nen Alkoholtraum. Warum, weiß ich bis heute nich. War weder auf irgendeinem Event noch gab’s vorher irgendwas Besonderes.

    Das kenne ich, das habe ich auch schon gehabt. Manchmal mit Auslöser aber auch ohne. Das zeigt mir immer wieder auf das es im unterbewussten noch arbeitet obwohl die Gedanken an den Alkohol verblassen.

    Viele Grüße Bingo

  • Na dann nachträglich Glüchwunsch zu drei (***) Monaten Abstinenz:thumbup:

    Wie gestaltet sich dein abstinenter Alltag mittlerweile?

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Da hab ich wohl mein 3 monatiges verpennt. Macht nix. War am 16. :D Irgendwie auch gut, dass mir der Alkohol so egal ist.

    Weiter so und Glückwunsch auch von mir :thumbup:

    Man muss nicht die ganze Treppe sehen, man muss nur die erste Stufe nehmen.

    (trocken seit 21. Januar 2026)

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