Mal rausholen aus der Versenkung den alten Thread. 
Immer wieder schön zu sehen, wie sich das eigene Denken entwickelt und die eigenen Erkenntnisse verändern.
Wie läuft eigentlich die Beziehung mit Co-Abhängigen und Alkoholikern, da es gerade wieder Thema war bei "Fragen an Alkoholiker?"
Trennung ist nicht immer von einer Sucht abhängig, das war beim ersten Mal meine wichtigste Erkenntnis.
Ich habe als Alkoholiker genauso wenig neutral gehandelt wie ein Co-Abhängiger. Ich habe nicht gesoffen, weil ich „Lust“ hatte oder weil es logisch gewesen wäre, sondern weil meine Sucht das Programm gesteuert hat. Ich habe mich nicht bewusst in die Sucht hineingesoffen , ich bin hineingerutscht, nicht weil ich es wollte.
Genauso handelt auch der Co-Abhängige aus seiner eigenen Dynamik heraus. Beziehungssucht, Kontrollbedürfnis, das Übernehmen von Verantwortung für etwas, das gar nicht seine Aufgabe ist. Nicht aus Bosheit, sondern weil er es nicht anders kann. Genau deshalb hält dieses System oft so lange.
Der Co hat mich nicht süchtig gemacht und mich nicht zum Saufen gezwungen. Aber er hat das System stabilisiert , mal durch Versorgen, mal durch Kämpfen. Beides hat die Sucht am Laufen gehalten. Und solange sich alles um mich als Alkoholiker drehte, musste der Co nicht bei sich selbst hinschauen. Das habe ich erst verstanden, als ich selbst aufgehört habe zu trinken.
Der entscheidende Punkt ist nicht Schuld, sondern Verantwortung. Meine Verantwortung war es, meine Sucht zu stoppen. Und als ich das getan habe, hat sich mein Leben neu sortiert. Nicht automatisch besser, aber klarer. Und vieles, was im Suff noch „ging“, ging nüchtern nicht mehr.
Für mich war der Entzug der Alkohol. Für den Co ist es oft der Entzug von Kontrolle. Und beides hat seine eigene Härte.
Wenn ein Co den Alkoholiker aus seiner eigenen Selbsthilfe ausschließt, schützt er nicht sich selbst, sondern stabilisiert sein eigenes System weiter. Warum sonst hängt man jahrelang an etwas fest, das offensichtlich nicht funktioniert, sucht immer neue Erklärungen und rutscht in jede weitere Beziehung nach demselben Schema?
Und genau deshalb kommt es nach dem Stoppen der Sucht so oft zu Trennungen. Wenn beide ihre Süchte und Verhaltensmuster richtig einordnen und sich davon lösen, wird erst sichtbar, was die Beziehung überhaupt zusammengehalten hat – und ob da nüchtern noch etwas trägt.