Die Wut eines Co-Abhängigen auf den Alkoholiker-Gerecht?

  • Hallo Zusammen,

    es findet ja gerad ein toller Austausch hier statt. Darum möchte ich mal ein weiteres, sensibles Thema ansprechen, das mir bei vielen Beiträgen aufgefallen ist.
    Viele Angehörige und Co-Abhängige beschreiben hier ihre Wut auf den alkoholabhängigen Partner, daß er alles zerstört hat. Manchmal wird eine Einschränkung angeführt, daß es ja dann doch *nur* der Alk war, nicht die Person.

    Aber ist dies wirklich so? Ist meine Wut auf den kranken Menschen, der in seiner Sucht steckt, angebracht, gerecht? Wohin sollte sich meine Wut eigentlich richten? Kann es sein, daß meine Wut eigentlich mehr zu mir geht, weil ich es solange ausgehalten habe, weil ich mich eigentlich aufgegeben habe und nicht in der Lage war/bin, meine eigene Unfähigkeit in der Sucht zu erkennen, für mich zu sorgen?

    Wut ist ja wichtig,um ein Stück weit loszulassen aber ist es gerecht, dem kranken Partner mit Wut zu begegnen, weil er frendbestimmt handelt, Dinge tut, die er als trockener Mensch vielleicht nicht machen würde? Ist die Wut auf den kranken Partner anfangs *normal*, weil ich es noch nicht anders erkennen kann?

    Ich finde es persönlich oftmals sehr ungerecht, wenn mit Attributen:*Der böse Alki, der böse Co usw.* gearbeitet wird, denn wir sind alle lange, lange Zeit fremdgesteuert durch die Welt gelaufen. Aber dies nur mal am Rande.

    Lieben Gruß
    und einen sensiblen Austausch

    S.Käferchen

  • dank dir, käferchen, für diesen thread.

    ich kann die wut nachvollziehen, hab sie zu anfang selbst empfunden. und im grunde war es die wut auf mich selbst, die eine große rolle spielte. je mehr ich mich mit dem thema alkohol- und vor allem co-abhängigkeit auseinandersetzte, desto besser konnte ich die wut loslassen. dies wiederum war für mich die voraussetzun bei mir selbst etwas zu verändern und zu genesen.

    lg
    ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebes Käferchen,
    auch von mir ein Dankeschön für diesen Thread.

    Wut ist ein natürliches Gefühl und somit nicht zu werten.
    Die Wut zeigt MIR, STOPP zu sagen, weil mir eine Situation/Beziehung nicht guttut, weil Ich mir nicht guttue.
    Lebe ich diese Wut nicht aus, oder verdränge sie, ist das fatal. Denn ich ignoriere Alarmzeichen.
    Oft entstehen dadurch Krankheiten oder Autoaggressionen.

    Als Kind durfte ich meinen Eltern gegenüber nicht wütend sein, nicht widersprechen.
    Ich richtete meine Wut, die nun mal da war, teilweise gegen mich selbst, ich geriet unter Druck, weil ich ja nicht wusste, wohin damit.
    Ich bekam Magenkrämpfe, kaute mir die Fingernägel blutig.
    Später begann ich, andere präventiv zu verletzen, bevor mir jemand hätte zuvor kommen können.
    Ich war eine Zynikerin par exellence, sarkastisch, zielgenau in den wunde Punkte treffend, immer in Alarmbereitschaft.
    Meine nicht gelebte Wut nahm somit pervertierte Ausmaße an.

    Also finde ich es sehr wichtig, Wut rauszulassen, wenn sie da ist.
    Sie ist doch ein Motor, etwas zu verändern.

    Ich gebe Ette recht, letztlich ist es immer die Wut auf mich selbst, dass ich mich zu lange fremdbestimmen ließ, mich nicht abgrenzte, Dinge zu nah an mich ranließ, die mir nicht guttun.

    Bleibt eine Wut auf Dauer nach außen gerichtet, kann sie destruktiv werden,
    erkenne ich aber, dass ich nur auf mich selbst wütend bin, besteht die Chance, selbst etwas zu ändern.
    So meine Meinung.

    Liebe Grüße,

    Thelma

  • Hallo Ihr Lieben,

    danke Käferchen, da bin ich aber froh, denn beim Laufen passierte mir das Gleiche wie gestern, nur musste ich daran denken ob Mütter die besseren Kerle sind. Ich meine, eine Frau kann ihren Mann stehen, aber kein Mann kann seine Frau stehen. Die Frage ob der Mann die bessere Mutter ist erübrigt sich also. Definitiv ist die Mutter der bessere Vater, hat sie doch seit Geburt den Zwang das zu sein was sie nicht ist.

    Wir Kerle sind hier in der Minderheit, Alkoholiker unterliegen eh der Frauenbewegung und hier bin ich scheinbar wieder einziger männlicher Coabhängige, werde sowieso platt gewalzt und muckse einfach mal auf.

    Meine Frau ist Alkoholikerin. In guten Zeiten wog sie nur meine rechte Hälfte, wäre sie unzurechnungsfähig auf mich losgegangen, hätte jeder Richter mich fragend und kopfschüttelnd angesehen. Andersrum wäre ich in den Klingelpütz gewandert. Als sie schon 1 Jahr trocken war und es eskalierte, hatte sich körperlich wenig verändert, auch die Zurechnungsfähigkeit hätte nichts geändert. Sie war 1 Jahr trocken, ich war 1 ½ Jahre trocken, 2 Jahre hier im Forum, hatte eine reale SHG, therapeutische Hilfe und war auf einem festen Weg zu einer neuen Lebensführung, immer als Co und deshalb denke ich mal als Kerl bei den Damen mitreden zu können dürfen.

    Gebrechen, ein fehlendes Auge, eine Funktion, etwas – wie eine liebe Freundin sagt: sie hat eine geistige Behinderung und muss immer etwas dafür tun, wer Rückenschmerzen hat geht in die Gymnastik, wer bestimmte Sachen nicht verträgt, isst sie nicht, sonst kommt es wieder. Deshalb bin ich in diesem Forum, damit ich etwas für meine Gesundheit tue, denn die Krankheiten, die habe ich ja und wenn ich anfange wütend zu werden, meldet sich eine Krankheit, da muß ich was für meine Gesundheit tun.

    Die meisten Kinder haben keine anderen Eltern, bei mir war das zu mindest so, ich konnte mir das nicht aussuchen. Außerdem war es mir lieber bei meinen Erzeugern zu sein, als bei anderen. Als es mir nicht mehr passte, ging ich. Mein Vater war nur Spieler, meine Mutter nur tablettenabhängig, da hat keiner gesoffen, auch wenn sie präsent waren, waren sie nicht da, sie waren nur anders als meine Bedürfnisse aus heutiger Sicht.

    Da bekommt doch der Satz: ich war dumm und verirrt in einem haufen Verrückter eine ganz neue Bedeutung. Neulich kam mir wieder gewaltig was hoch, weil ich akzeptieren musste, wie dumm, irr und ver-rückt ich lange Zeit war.

    Da fällt mir ein: saufen ist ja nicht verboten, denn es liegt ja im Ermessen der Eigenverantwortlichkeit. Sagt das Gesetzt. So wie auch keinem zusteht zu sagen: Karl, du blöder Alkoholiker, meine Krankheit wird durch mich bestimmt und blöd, ja, jeder der etwas nicht weiß ist blöd. Karl, der …. Co. Wird zwar auch durch mich bestimmt, hört sich aber irgendwie geheimnisvoller, angenehmer, intelligenter an. Ich finde, dass wir Coabhängigen die besseren Schlächter sind. Wir maßen uns zumindest an, mit „ohne Alkohol“ im Kopf über Dinge zu lamentieren, über die wir kein Recht haben zu entscheiden.

    Ich habe mir, nachdem einige böse Sachen in meiner Ehe passierten die zur Endtrennung führten, nachdem meine Frau hier auftauchte und versuchte sich zu rechtfertigen das Recht herausgenommen, aufgrund meiner Personenkenntnis, der gemeinsamen Erfahrungen und Zeit und des mir angeeigneten Wissens darüber zu entscheiden, ob meine Frau ein nasses Denken hat und ob sich etwas an ihrer Denke verändert hat. Sie wurde einfach unpassend anders als ich es begreifen konnte. Ich glaube fest daran, dass sie eine liebevolle und gute Mutter ist, sie war es auch wenn sie nicht bei sich war.


    Während mit Hingabe impulsiv über die besseren Elternteile diskutiert wird, sitzen wahrscheinlich die meisten Kinder abgeschoben vor der Glotze, ziehen sich irgendeinen Krams rein, ballern und treten in Fußstapfen.

    Was meine Kinder wohl sagen, wenn ich sie frage ob ich ein guter Vater war, denn ich hatte eine schlimme Krankheit: ich war arbeitssüchtig. Ich war stolz darauf tagelang durchzuarbeiten, für eine glückliche Familie.

    Meine Kinder sind gute Kinder, so lange mein Maßstab gut ist. Selbst wenn mal was in die Hose geht, bleiben es gute Kinder und ich ein guter Vater, das bleibe ich mir wert.

    Danke.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo,

    ich kenne sie auch, diese Wut...

    Sie hat sich verändert im Laufe meiner Entwicklung! Sie richtete sich immer auf etwas anderes, je nachdem, wo ich gerade war, auf meinem Weg.

    Bevor ich mich auseinandersetzte mit der Krankheit: Alkoholsucht, war ich wütend auf Männe. Darauf, dass er so schwach war, so unzuverlässig, so gemein, so böse zu mir und allen. Da war Männe das Ziel meiner Wut. Und ich war wütend auf seine Sippe, die ihn, meiner Meinung nach, dahingetrieben hatte.

    Als ich immer mehr wusste, was es heißt, abhängig zu sein, war ich wütend auf den Alkohol.

    Dann erkannte ich meine Rolle, beschäftigte mich auch mit meinem Leben. Und da war ich wütend auf mich, darauf, dass ich so viele Jahre zu feige war, mich habe manipulieren lassen, dass ich immer wieder so gutgläubig war, immer wieder dachte, er kann ja auch aufhören...einfach so. Und ich war wütend auf mich, weil ich erkannte, auch ich habe meinen Anteil am Scheitern der Beziehung, auch ich bin ja krank, habe ihn manipulöiert und kontrolliert.

    Für mich war diese Wut wichtig, ein Teil meiner Auseinandersetzung mit allem. Ein Ventil, um die Gefühle rauszulassen. Wut ist ein Teil der großen, menschlichen Gefühlspalette, sie gehört dazu wie Trauer, Freude usw. Das heißt, ich habe auch meine Wut angenommen, habe sie rausgeheult, geschrieen manchmal und dann - war es irgendwann gut.

    Das sind meine schnellen Gedanken mal dazu

    Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Ja, ich habe auch öfter Wut auf meinen Mann, wenn ich ihm ansehe, er hat getrunken, dann kann man sich nicht nicht auf der gleichen Ebene unterhalten, wie fast nüchtern.
    Wenn er sich zusammenreißt, dann denke ich, mir gehts noch gut , im Gegensatz zu manchen hier im Forum??

  • Zitat

    Wut ist ein natürliches Gefühl und somit nicht zu werten.
    Die Wut zeigt MIR, STOPP zu sagen, weil mir eine Situation/Beziehung nicht guttut, weil Ich mir nicht guttue.
    Lebe ich diese Wut nicht aus, oder verdränge sie, ist das fatal. Denn ich ignoriere Alarmzeichen.
    Oft entstehen dadurch Krankheiten oder Autoaggressionen.

    Als Kind durfte ich meinen Eltern gegenüber nicht wütend sein, nicht widersprechen.
    Ich richtete meine Wut, die nun mal da war, teilweise gegen mich selbst, ich geriet unter Druck, weil ich ja nicht wusste, wohin damit.

    Danke Thelma, das hast Du gut in Worte beschrieben, wenn wir unsere Wut nicht leben, was sie dann anrichten kann.

    Dass Kinder ihre Wut nicht zeigen und leben dürfen ist der Anfang von krankmachenden Verhaltensmustern.

    Ich wurde dafür noch bestraft, daraus entstand Angst vor den Eltern, Wut wurde darufhin eher unterdrückt, ein wichtiges Gefühl um gesund zu bleiben und Antrieb, Dinge zu ändern, die uns nicht gut tun.

    Wie oft lassen Eltern ihre Wut an ihren Kindern aus? Diese bleiben verwirrt zurück. Schliesslich sind es die Menschen die uns doch angeblich so sehr lieben. Die Angst vor den Eltern wird grösser. Das 4.Gebot schützt Eltern vor der Wut ihrer Kinder auf sie, lieber entwickelten Kinder/Jugendliche Aggressionen nach aussen und andere Menschen (Fremdenhass) oder Autoaggressionen.

    Es darf nicht an der Stelle ausgelebt werden, die unsere Wut ausgelöst haben, unsere berechtigte Wut.

    Wut entsteht nicht einfach mal so nebenbei, Auslöser sind vorhanden.

    Ich merke heute Wut in mir hochkommen, wenn ich ungerecht behandelt werde, nicht von meinem Gegenüber verstanden, oder wenn ich sehe wie mit Kindern umgegangen wird.

    Auch heute passiert es noch oft, dass die Gefühle der Kinder einfach übergangen und nicht wahrgenommen werden. Dabei braucht Frau/Mann sich nur mal einzufühlen in das kleine Wesen, von dem sie mehr Mitmenschlichkeit lernen könnten, als von ihren Vorfahren.


    Zitat

    Während mit Hingabe impulsiv über die besseren Elternteile diskutiert wird, sitzen wahrscheinlich die meisten Kinder abgeschoben vor der Glotze, ziehen sich irgendeinen Krams rein, ballern und treten in Fußstapfen.

    DANKE für diese AUSSAGE Kaltblut, Kinder leben nur das nach, was Erwachsene ihnen vorleben.


    Zitat

    Aber ist dies wirklich so? Ist meine Wut auf den kranken Menschen, der in seiner Sucht steckt, angebracht, gerecht? Wohin sollte sich meine Wut eigentlich richten? Kann es sein, daß meine Wut eigentlich mehr zu mir geht, weil ich es solange ausgehalten habe, weil ich mich eigentlich aufgegeben habe und nicht in der Lage war/bin, meine eigene Unfähigkeit in der Sucht zu erkennen, für mich zu sorgen?

    Demjenigen der meine berechtigte Wut auslöst, zudem gehört meine Wut gerichtet. Oft steckt noch Wut auf meinen Vater/Mutter dahinter, die dann mein Partner abbekommen hat. Nachdem ich meinen Vater nicht mehr verherrlichte, sondern ihn sehen konnte wie er war, war die Wut auf meinen Partner, nicht mehr so massiv wie vorher.

    Ein Beispiel noch, ich hatte mit meinen Nebenhöhlen Probleme, Nase war verstopft, konnte damals nach einer Therapiestunde mir meinen Vater mal ansehen wie er wirklich zu mir war, liess Wut auf ihn zu und meine Nase öffnete sich und alles angestaute konnte aus meiner Nase fliessen.

    Die Angst, die wir als Kinder vor unseren Eltern hatten, denn aufkommende Wut wurde bestraft,(Angst vor Strafe) sitzt heute noch in unserem Körper, dieser speichert all unsere Erfahrungen, lässt nicht zu, dass wir konstruktiv mit unseren Wutgefühlen umgehen gelernt haben.

    Deshalb MUT zur WUT tut GUT, aber nur auf die Personen die die Wut bei uns auslösen, hier sollte ich mich schon mal hinterfragen, ob sich ne Menge Wut aus meiner Vergangenheit noch angesammelt hat, da ich sie eher unterdrückte, aus Angst vor Strafe, nicht an den falschen, bitte nicht an den Kindern, die Wut die anderen gilt, auszulassen.

    Alles Liebe Weitsicht

  • Liebe S. Käferchen,

    danke, dieses ist wirklich ein recht sensibles Thema.

    Für mich ist diese anfängliche Wut völlig normal, zumindest habe ich die meinige auch nach meinem eigenen Rhytmaus ausgetragen. Später in der Selbsthilfegruppe durch direktes Nachfragen wurde ich dann auf meine eigenen Anteile gestoßen und konnte sehen, dass meine Wut sich hauptsächlich gegen mich selbst richtet. Es ist ein ganz natürlicher menschlicher Entwicklungsprozeß, die Wege dorthin sind ganz individuell.
    Ich habe mir manchmal in der Gruppe auf die Lippen gebissen, weil ich eine andere Teilnehmerin gerne schon dort haben wollte, wo ich gerade stehe, obwohl mein eingener Weg vor mir steht. Heute habe ich für mich erkannt, dass es von mir auch co.-abhängig ist, wenn ich eine andere Entwicklung beschleunigen möchte. Zum Reifen gehört auch, die Anderen so sein zu lassen und ihnen den Rahmen einzuräumen, den sie brauchen. Manche halten gerne an ihrer Wut auf den Betroffenen fest, auch dies ist m.E. ihr gutes Recht, solange es ihnen vermeintliche Vorteile einbringt. Der Leidensweg war oft sehr lang, die Sicht der Dinge kann nicht innerhalb kurzer Zeit völlig verändert werden. Eine Entwicklung ist auch manchmal unbequem, da war die Co.-Abhängigkeit weitaus bequemer, das sind alles Schritte, die auch mit Rückschritten gepflastert sind. Ich denke, das Erkennen kommt irgendwann ganz von selbst, wenn man lange genug wütend war.
    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Zitat

    Ist meine Wut auf den kranken Menschen, der in seiner Sucht steckt, angebracht, gerecht?

    Dieser Satz hat mich schon wieder wütend gemacht. :lol::lol:

    Ich hab im Augenblick einfach eine totale Wut darauf, dass ich alles ausbaden muss, jedenfalls kommt es mir so vor.
    Ich habe gestern und heute richtige Rachegefühle.
    Leider (?) sind die erfahrungsgemäß meist schnell verraucht und dann kommen wieder diese anderen dummen Gefühle wie Mitleid usw.

    Also nochmal zu dem Satz da oben:
    Dass er krank ist, ist für mich jetzt langsam echt keine Entschuldigung mehr. Ich hab jetzt gelernt, dass ich für ihn keine Verantwortung übernehmen soll. Die muss er alleine übernehmen für sein Leben.
    Dann soll er bitteschön auch für sein Versagen Verantwortung übernehmen. Sein Versagen besteht darin, dass er sich nicht behandeln lässt. Warum er versagt: Da kann man lange drüber nachdenken. Aber wenn man diese Gedanken immer weiterdenkt, ist irgendwann niemand mehr für irgendwas verantwortlich.
    Schlechte Kindheit, verursacht durch Eltern, die ein Kriegstrauma hatten, verursacht durch manipulierte Menschen, usw und so fort.

    Indem ich auf ihn wütend bin und nicht nur auf irgendein abstraktes WEsen "Alkoholismus", nehme ich ihn als selbstverantwortlichen Menschen ernst.

    Auf mich bin ich auch manchmal wütend, aber heut grad nicht.

    Liebe Grüße
    Doro

  • Mir ist vorhin im bus noch was zur wut eingefallen. Meine wut ist in der regel nur das vordergründige gefühl. Dahinter versteckt sich oftmals ganz viel. Z. b. verlassensangst, machtlosigkeit, verletzter stolz, das gefühl ausgenutzt zu sein, hilflosigkeit, überforderung, das gefühl, die kontrolle zu verlieren, ausgeliefert und benachteiligt zu sein zu sein, sind nur einige der empfindungen, die ich bei wut immer wieder bei mir ausmachen kann. auch als es um die wut auf "meinen alki" ging.

    Lg
    ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • hallo zusammen

    hier ein zitat das die faust aufs auge passt und mich genau so wütend macht:

    Zitat

    Dann soll er bitteschön auch für sein Versagen Verantwortung übernehmen. Sein Versagen besteht darin, dass er sich nicht behandeln lässt. Warum er versagt: Da kann man lange drüber nachdenken. Aber wenn man diese Gedanken immer weiterdenkt, ist irgendwann niemand mehr für irgendwas verantwortlich.
    Schlechte Kindheit, verursacht durch Eltern, die ein Kriegstrauma hatten, verursacht durch manipulierte Menschen, usw und so fort.

    das macht in mir die wut. nicht auf die krankheit ansich, sondern das er es nicht nötig hat sich behandeln zu lassen. das er es für sich nicht nötig hat gesund zu werden. das er es immer und immer wieder geschafft hat, diese krankheit zu pflegen indem er sich hängen gelassen hat, als ein ach so armer.das gilt auch für meine mutter.

    die wut ist in mir darauf, das die meinen nicht gesund werden zu müssen, weil sie sich im kranken zustand noch wohl fühlen. es schaffen andere menschen zu verheizen.

    ich auf der anderen seite hab für mich die wut gefunden, die darin besteht, das ich mich auf den wahnsinn immer und immer wieder eingelassen habe.

    aber die wut macht mit mir etwas, was ich nicht gedacht hätte, nämlich das ich genau das nicht mehr haben will! sie bringt mich nun dazu etwas zu ändern. nicht die beiden verändern zu wollen.sollen die machen was sie wollen. sondern meine wut zu refflektieren, mich zu refflektieren, und verändert mit der situation umzugehen. da steckt so viel energie dahinter. denn wenn ich die wut umwandle in positive energie für mich, dann schaff ichs mich von diesen menschen zu lösen!

    lg melanie

    ps
    ich lese hier wieder und wieder von menschen, die es geschafft haben, die das nicht mehr nötig haben. die offen da stehen, mit der situation umgehen lernen und zu leben um gesund zu werden.vor diesen menschen habe ich sehr grossen respekt!

  • Hallo,

    erstmal vielen Dank für die vielen Antworten.

    Eine kurze Zwischenfrage habe ich, die auch ein bißchen provokant ist: :wink:

    Melanie schreibt:

    Zitat

    die wut ist in mir darauf, das die meinen nicht gesund werden zu müssen, weil sie sich im kranken zustand noch wohl fühlen. es schaffen andere menschen zu verheizen.

    Kann die Wut auch sein, daß ich nicht die Kontrolle über die Entwicklung meines Partners habe?

    Liebe Grüße
    S.Käferchen

  • Zitat von Doro


    Aber wenn man diese Gedanken immer weiterdenkt, ist irgendwann niemand mehr für irgendwas verantwortlich.

    Liebe Doro,

    stimmt, zum Schluss bleibst nur Du, Du bist für Dich verantwortlich.

    Zitat von Doro


    Auf mich bin ich auch manchmal wütend, aber heut grad nicht.

    Da kann ich Dich beruhigen, das kommt wieder.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • liebe käferchen,

    bei mir nicht. lediglich die tatsache ist es, das die sich noch wohl darin fühlen, das sie mich ausnützen. das ich mich ausgenutzt fühle. das sie nichts unternehmen.das hat nichts mit kontrolle zu tun.

    das ichs nicht kontrollieren kann, macht mich nicht wütend. das hab ich mittlerweile akzeptiert.das ist ihr leben.sie sollen mich aber da dann auch raushalten ich will nur meine ruhe.
    ich will nur noch eins, mir und meinem leben wieder einen anderen lebenswerten sinn geben und mich nicht dauernd um deren süchte kümmern.kontrolle darüber hab ich nicht, den drang danach spür ich nicht, nicht mehr. eventuell hatte ich das noch wärend meiner ehezeit, doch die zeiten sind schon lange vorbei.

    selbst die zeit nach der trennung hatte ich gemeint , es kontrollieren zu können. geht nicht.schon kapiert, schon lange.

    eher die wut auf mich das ich mich darin fast verausgabt habe, die anzuschubbsen sich hilfe zu holen.das hat auch nichts mit kontrolle zu tun.eher damit, es war verschwendete energie.

    das mich das jetzt schmerzt, weil ich sehe, wie sehr ich mich in meinem leben für dieses thema eigendlich sinnlos eingesetzt habe.den schmerz beschreibe ich darin, das ich so viel lebenszeit verloren habe, die ich nie mehr wieder herholen kann.im moment bin ich dabei diesen schmerz aufzuarbeiten.mir bleibt noch zeit. zum glück. hätte anders ausgehen können.zeit zum leben. mein leben leben.meinen leben einen anderen sinn zu geben und mich selbst zu sehen.

    danke für deine denkanstösse.

    lieben gruß melanie

  • Hallo an euch,
    das Thema ist für mich im Moment ziemlich zutreffend.
    Auch ich bin seit fast 2Monaten in einer ständigen Wut, teils auf den Alki und teils auf mich selber, wie einige schon schrieben, warum hat man das alles über Jahre mitgemacht, Energie und Schmerzen investiert um dann immer wieder feststellen zu müssen..."das war wohl nichts". Ette schrieb das auch auf den Punkt: Verlustängste, die Machtlosigkeit einzugestehn, völlige Hilflosigkeit...etc.
    Und meine Wut auf den Alki ist diese, sich auf der Krankheit auszuruhen und andere für sein Versagen sich nicht um seine pers. Dinge (Ämter, Post etc.) zu kümmern verantwortlich zu machen. Ich habe im Moment so eine Wut!..seit über 5Wochen ist er fort und sucht ne neue Wohnung, in den 5Wochen kein Zeichen von ihm und meine Schlüssel und seine Sachen..alles wie gehabt, Sachen da, meine Schlüssel nicht. Und da habe ich eine grenzenlose Wut, Lust zum arbeiten ist auch nie da gewesen und da hat er doch eine Fallmanagerin die er manipuliert und in deren Augen ich noch die Schuld an allem habe...Schulzuweisung des Alki gegen mich beim Amt (derarme Mann!)...und sie hilft noch wo es unangebracht ist, das er ja nicht tief fällt, aber Arbeit?,und macht mich schlecht..Ende vom Lied:meine Wut geht zur Zeit noch stark zu dieser Person.
    Aber ich denke Wut an sich ist normal, und ich las auch dies hier schon: erst Wut auf den Alki, dann Wut auf mich und das Ende vom Lied ist das ich in Trauer und Mitleid verfalle...und den Alki kümmert es gar nicht. Ich denk die Wut auf den Alki ist doch mitunter schon angebracht...diese Gleichgültigkeit und teilweise auch Faulheit..wie auch immer ihr dies jetzt interpretieren möget...
    Jetzt wo ich dies schreibe habe ich WUT und haue in die Tasten...grins
    und einen schönen Tag, liebe Grüße Nele

  • Hallo S. Käferchen,

    da bin ich ja mal froh das du eine Thread eröffnet hast und ich nicht allein da stehe , für provokanten Fragen. :wink:

    Das da als erstes , aus der Entäuschung heraus ,hilflos zu sein, eine Wut auf dem Partner entsteht , der alkoholkrank ist, kann ich nachvollziehen .
    Ich würde sogar sagen , das es im ersten Moment , die auch durch Unwissenheit über die Sucht entsteht , eine gerechte Wut ist.

    Was mir aber nicht gefällt, ist dann, eine Verallgemeinerung, die das Bild des Alkoholikers vorverurteilt.

    Wenn mir dann klar wird ,das auch hinter der Wut ,die eigene CO-Krankheit steckt , wäre es doch sinnvoller sich erstmal um sich zu kümmern , als immer wieder seine Wut dazu verwenden, um sich im Kreis zu drehen. So lässt sich die Wut nicht mehr kontrollieren und das macht dann noch wütener.

    Kaputilation war für mich als Alkoholiker das Zauberwort um mich gesunden zu lassen.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Zitat von Melinak

    die wut ist in mir darauf, das die meinen nicht gesund werden zu müssen, weil sie sich im kranken zustand noch wohl fühlen. es schaffen andere menschen zu verheizen.

    hallo meli,

    ausmeiner realen gruppe weiß ich, dass die meisten betroffenen lange bevor sie etwas unternehmen, sich bereits im klaren darüber sind, dass ihr verhalten problematisch ist und sie etwas dagegen unternehmen müssten. sie fühlen sich in der regel alles andere als wohl in ihrer krankheit. scham und ein schlechtes gewissen sind immer mit dabei. und zum verheizen gehören immer zwei. einer der verheizt und einer, der sich verheizen lässt. sucht und abhängigkeit haben eben ihre eigenen gesetze. das kannst du auch an unserem co-verhalten sehen. unser suchtmittel ist der trinkende partner. ich habe in acht jahren noch keinen angehörigen getroffen, der oder die einfach ihr suchtmittel "absetzen" kann. auch hier unterscheiden wir cos uns überhaupt nicht von einem betroffenen.

    lg
    ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Hartmut,

    tja, hast mich angesteckt mit der Provokation :wink:
    Nein, ernsthaft, das Thema Wut ist ja auch für mich derzeit ein Thema, was nur schwer zu greifen ist.

    Zitat

    Wenn mir dann klar wird ,das auch hinter der Wut ,die eigene CO-Krankheit steckt , wäre es doch sinnvoller sich erstmal um sich zu kümmern , als immer wieder seine Wut dazu verwenden, um sich im Kreis zu drehen. So lässt sich die Wut nicht mehr kontrollieren und das macht dann noch wütener.

    Das ist ja genau der Punkt, der unter anderem bei mir als Co-Abhängige lange, viel zu lange, nicht greifen konnte, weil ich ja meinen Fokus nur auf den alkoholabhängigen Partner gestellt hatte.Ich und selbst krank? NEEEEIIIINNN, ich doch nicht. :roll:
    Als ich verstand, fühlte, daß ich selbst an mir arbeiten mußte, änderte sich der Fokus der Wut, nämlich weg vom Alkoholiker, sondrn er ging in meine Richtung. Aber dafür mußte ich ja wirklich erst kapitulieren.Da gebe ich Dir vollkommen Recht, aber bis dahin ist es auch für manchen Co ein langer Weg.

    Für mich war die Wut auf Ihn lange auch ein Grund, nicht zu mir zu sehen, gefördert durch seine Argumente, daß ich als Co ja sowieso der Grund sei für viele seiner Handlungen, die mich wütend machten.

    Heute, mit sehr viel Abstand durch den Kontaktabbruch kann ich die Wut auf mich anders betrachten. Ich würde es auch nicht mehr als Wut ansehen, sondern als meine *Anteile*, die ich hatte durch meine Unfähigkeit zu erkennen, daß ich total abhängig war von ihm.
    Die Wut auf ihn habe ich lange Zeit nicht spüren können,denn diese habe ich ja durch meine *liebevolle, noch mehr liebende, helfende Art*heruntergeschluckt.
    In der Zeit, als wir noch zusammen waren, war ich wütend, daß er nicht imstande war, meine doch*krankhafte* Liebe zu erkennen, diese nicht annehmen zu können. Heute bin ich wütend auf ihn, weil ich sehe, daß viele Handlungen bei ihm nicht nur am Alkoholkonsum lagen, sondern, daß er ein Mensch ist, der sich bewußt Frauen *hält*, um seinen Zwecken zu dienen.

    Darin liegt auch für mich heute der Unterschied, daß die Wut auf den abhängigen Partner sich verändert, umso mehr der Abstand wächst, ich immer mehr an mir arbeite.
    In der Zeit, als er noch an meiner Seite trank, sich oft unfair verhielt, Sachen sagte, Dinge tat, die für mich schmerzhaft waren, war ich wütend, weil ich meine Bedürfnisse nicht leben konnte. Heute ist es eine Wut, die sich gegen meinen Unfähigkeit richtet, nicht eher erkannt zu haben, daß ich mich völlig aus den Augen verloren hatte.

    Die Wut, die ich auf ihn habe, hat aber nichts damit zu tun, daß er für mich ein *mieser Alkoholiker ist, die sowieso egoistisch sind, etwas bewußt machen etc...*, sondern eine Wut, die auch ganz viel mit Loslassen zu tun hat, mir hilft, ihn einfach auch als Mensch zu sehen, der auch im scheinbar trockenen Zustand Eigenschaften hat, die mir zeigen, daß ich mit meiner Trennung das Richtige getan habe.

    Wut ist für mich jetzt gegeben, weil ich erkenne, daß ich für Zwecke benutzt wurde, die sich auch außerhalb seiner Trinkzeiten bei anderen Frauen wiederholen zu scheinen. Also untern Strich wieder die Wut auf mich, daß ich mich habe ausnutzen lassen.

    Aber die Erkenntnis, daß es hauptsächlich bei mir um die Wut auf mich war, brauchte Zeit. Zeit zu erkennen, daß ich mich aus den Augen verloren hatte.
    Dennoch weigere ich mich,die Wut als positiv zu betrachten, wenn der Zeigefinger nur auf den Alkoholiker oder Co-Abhängigen gezeigt wird, denn es gehören immer zwei dazu. Einer, der handelt; der Andere, der behandeln läßt!

    Dies auf die Schnelle dazu.

    Lieben Gruß

    S.Käferchen

  • Hallo

    Ich verstehe schon, was Ette meint, aber ich habe mein Suchtmittel abgesetzt und versuche, mein Leben in den Griff zu kriegen. Und ich übernehme die Verantwortung für Kinder, Haus und was sonst noch alles.
    Und das tut er nicht, müsste vielleicht heißen, Wut auf den nassen Alkoholiker, trocken würd es vielleicht ganz anders aussehen.
    Vielleicht hat meine Wut gar nichts mit dem alkoholiker zu tun, sondern einfach auf den Mann, der mich im Stich gelassen hat, machen ja andere Männer auch.
    Aber in meinem Fall ist die Wut ganz hilfreich, schütz mich davor, nicht rückfällig zu werden.

    Schöne Grüße

    julchen

  • Hi,

    Julchen hat was ganz Ausschlaggebendes geschrieben:

    Zitat

    Aber in meinem Fall ist die Wut ganz hilfreich, schütz mich davor, nicht rückfällig zu werden.

    Ein gutes Beispiel dafür, dass Wut ein Motor ist, Dinge zu ändern oder in diesem Fall, nicht in alte Muster zu fallen.
    Auf jeden Fall ein Motor, bei sich hinzuschauen, bei sich zu bleiben, an sich zu ändern.

    LG

    Thelma

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