Fünf-Jahres-Faden :-)

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später hier dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Ich müsste diesen Thread eigentlich umbennen: diese Woche bin ich fünf Jahre trocken. Irre... Ich kann es kaum glauben.


    Ich sage, wie auch in den vergangenen Jahren, allen hier DANKE, die mich in mein trockenes und nüchternes Leben begleitet haben und mich weiter begleiten :-)


    Ohne Euch wäre ich heute nicht, wie ich heute bin.


    Vielen Dank :D


    Peter

  • huhu peter,



    meinen herzlichsten glückwunsch dazu....


    vor dieser leistung habe ich sehr viel respekt, da gehört soviel stärke und selbstdisziplin zu...


    viel erfolg weiterhin, wünsche dir alles gute.


    liebe grüße

  • Hallo zusammen,


    ich freue mich einfach jedes Jahr aufs Neue :-)


    Klar ist es das Ergebnis an der Arbeit an mir selbst, der Arbeit in Gruppen und Foren.
    Im Jahr fünf meiner Trockenheit sind fünf meiner ehemaligen "Sauffreunde" tot. Das ausgerechnet ich es war aus dieser Gruppe, der den Absprung geschafft hat, betrachte ich einfach als Glück und als Wunder.


    Ich kann nicht wissen, ob ich rückfällig werde. Aber ich kann alles tun, um dem Vorzubeugen. Der Affe Alkohol auf meiner Schulter gibt Ruhe, aber ich brauche ihn nur zu füttern und werde ihn nicht mehr los.


    Ich freue mich, daß es Euch und dieses Forum gibt!


    Lieben Gruß
    Peter

  • Herzlichen Glückwunsch!
    Das ist eine enorme Leistung!!!
    Ich selbst habe mich hier angemeldet nachdem ich deinen drei Jahres Faden angefangen habe zu lesen. Wirklich toll! Es gibt einem Mut das es funktionieren kann wenn man nur wirklich WILL!!!
    Mach weiter so.


    Ciao einafets 03

  • Hallo zusammen... Drei-Jahres-Faden, Fünf-Jahres-Faden... mittlerweile ist es ja schon fast ein 12-Jahres-Faden :-)


    Ich schreibe zum einen, weil ich es schon lange wieder wollte, aber es irgendwie nicht auf die Reihe bekommen habe. Zum anderen schreibe ich heute, weil ich in der vergangenen Woche ein traumatisches Erlebnis hatte, daß mich sehr in Anspruch nimmt.
    Wer schwache Nerven hat, lese besser nicht weiter.


    Am Dienstag um 14 Uhr hat sich ein Mann auf einem Bahnübergang vor meinen Zug gelegt. Ich habe den armen Kerl mit ca. 100 km/h überfahren. Gerade noch rechtzeitig und wie gelernt habe ich alles richtig gemacht und vom Überfahren nur ein Gerumpel mitbekommen. Ich habe das Rollo runtergerissen und mir die Ohren zugehalten und irgendwas geschrieen, damit ich so wenig wie möglich mitbekomme.
    Es waren etwas über 100 Fahrgäste im Zug und ich kann kaum beschreiben, wie leid mir es für alle Beteilgten war. Die Strecke was fast vier Stunden gesperrt.


    Schlimm war und ist für mich, daß am Schrankenbaum eine Frau vergeblich versucht hat, den Mann zurückzuhalten und alles mit ansehen musste. Die Feuerwehr hat mir berichtet, wie die Leiche aussah und angeordnet, daß niemand den Zug verlassen darf, bevor nicht alles unter und hinter dem Zug entfernt wurde.


    Nach alldem bin ich erstmal ins Krankenhaus zum Durchgangsarzt (weil es ein Arbeitsunfall war) und danach zu meiner Hausärztin, um mir ein Schlafmittel für die Nacht zu holen. Sie weiss natürlich, daß ich Alkoholiker bin und vertraut mir. Ich habe ein starkes Beruhigungsmittel bekommen und die Nacht durchgeschlafen, wenn auch komisch und irgendwie in Watte gepackt. Ich werde das nicht nochmal nehmen; es hat mir zwar durch die Nacht geholfen, aber es fühlt sich für mich nicht gut und nicht richtig an. Ich habe ein anderes Schlafmittel bekommen, daß ich dann im Fall der Fälle nehmen kann.


    Es ist eine fürchterliche Erfahrung, auch wenn ich allen Beteiligten und Kollegen gegenüber sehr gefasst und sachlich erscheine. Dennoch erlebe ich trotz aller äußeren Gelassenheit einen Gemütszustand in mir, der mich hart beutelt. Schneller Puls, Nervosität, Selbstgespräche.. So bin ich eigentlich nicht; die Seele arbeitet und ich muss mich beruhigen. Es ist schwer, aber es wird jeden Tag ein wenig milder.


    An Alkohol habe ich nicht gedacht. Ich habe aber gedacht „Früher!“… „Früher hätte ich mich jetzt mit Alkohol abgeschossen.“ Aber das ist ja nun schon eine ganze Weile her und dieser Teufel hat mich diesbezüglich in Ruhe gelassen.


    Ich bin nun erstmal drei Wochen krank geschrieben und aus dem Verkehr genommen. Am 4.5. muss ich zum Bahnarzt, ich vermute, daß ich dann wieder arbeiten darf. Eine zu lange Auszeit möchte ich nicht. Es muss weitergehen, es muss wieder Normalität einkehren. Der Mann auf dem Bahnübergang wollte sich umbringen, es ist nicht mein Fehler gewesen. Zuerst hatte ich Mitleid, dann war ich sauer auf ihn. Mittlerweile bin ich stinksauer und fühle mich sehr missbraucht.


    Nun habe ich Zeit und kann im Garten buddeln. Das Wetter soll die nächsten Tage schön werden, die Vögelchen machen Konzerte, ich habe Ort und Zeit, es mir gut gehen zu lassen. Ich versuche, das Beste draus zu machen.


    Ich danke Euch, daß ich das loswerden darf. Gut, daß es dieses Forum gibt, auch wenn ich nur noch selten schreibe. Vielleicht ändere ich das wieder.


    Peter

  • Hallo Peter,


    es tut mir unendlich leid, daß du sowas ätzendes erleben mußtest! :evil:


    Wenn er Schlußmachen wollte, dann ist das sein Ding, schlimm genug.


    Aber dafür einen Lokführer mißbrauchen, da könnte ich ausrasten! Deine Wut ist absolut berechtigt.


    Lieber Gruß, Linde

  • Hallo Petter,


    Du bist stinksauer auf den Selbstmörder? Richtig so :!:


    Er hat seinen Tod nicht alleine durchgezogen, sondern dich als Werkzeug benutzt. Statt Seil oder Waffe hat er einen Zugführer gewählt.


    Auch wenn ich viel Mitgefühl für Menschen habe, die derart verzweifelt sind, dafür fehlt mir jedes Verständnis. Genauso wie für Menschen, die noch andere Menschen mit in den Tod nehmen.


    Deine Reaktion im Moment des Erkennens finde ich beeindruckend gut. Auch wenn du es vorher vielleicht gelernt hast, musstest du es erstmal umsetzen.


    Gut, dass du bezüglich Alkohol nur an " früher" gedacht hast. Wow, 12 Jahre! Das ist toll :!:


    Ich wünsche dir, das du das Erlebnis gut und zügig verarbeiten kannst. Du hast vermutlich über deinen Arbeitgeber die Möglichkeit, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei deinen körperlichen Symptomen wäre das eine ernsthafte Überlegung wert.


    Alles Gute für dich,
    MieLa

  • Moin Petter,


    üble Geschichte. :?


    Ich weiß ja nicht, bei welcher Fa. du gerade arbeitest. Bei DB Regio sollte es aber so sein, dass der AG dir Betroffenengespräche anbietet.
    Hilfestellung gibt es auch bei der ias, der "Bahnarztfirma" der DB.
    Außerdem bietet auch unsere Gewerkschaft EVG so etwas an.


    Einfach nach drei Wochen wieder in den Führerstand steigen wäre nicht angebracht, wenn dich das so belastet. Es gibt Kollegen, die sind da anders drauf (oder tun zumindest so), aber die sind nicht der Maßstab.


    Hol dir am besten Hilfe von Kollegen, denen das auch so ergangen ist. Such das Gespräch.


    Im Übrigen: Schön, mal wieder was von dir zu lesen. Habe ich schon mal geschrieben, dass du mir hier abgehst? :wink:

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

  • hallo petter


    es tut mir leid das su so etwas erleben musstest.
    es war aber nicht deine schuld, das weißt du ja selbst.
    ich kann mich dante eigentlich nur anschließen, hole dir hilfe damit du dieses schreckliche ereignis verarbeiten kannst.
    grüße
    NNGNeo

  • glück auf petter


    ich kann mich nur annähern hineindenken, was in dem moment und danach mit dier passiert (ist).
    aber ich bin davon überzeugt, dass du das verarbeiten kannst.
    du (bzw. dein faden) warst der grung, weswegen ich mich im forum angemeldet habe.
    ich hab dich als einen soooooooooooooo wertvollen menschen kennengelert ...
    daumen gedrückt


    und trotz allem ne


    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Liebe Freunde!


    Ich war einige Tage abgetaucht und musste mich erstmal etwas ausruhen und sortieren.


    Ich danke Euch ganz herzlich für die Nachrichten. Auch wenn ich weiss, daß ich keine Schuld trage, tun mir die Worte unendlich gut! Offenbar ist hier mindestens ein Kollege, der das Prozedere der DB kennt ;) Ich habe alle Hilfe in Anspruch genommen, die geboten wird und werde auch in Zukunft Hilfe annehmen. Bin ich ein Held? Natürlich nicht; ich weiss nicht, wann mein Bauch sich meldet, auch wenn das Gehirn meldet: "Alles supi!"


    Zweimal bin ich nun an der Unfallstelle als Fahrgast vorbeigefahren und beide Male waren nicht schön, aber aushaltbar. Wie das ist, wenn ich da selber wieder entlang fahren muss, weiss ich nicht. Abwarten. Ich werde mir insgesamt mindestens einen Monat Auszeit gönnen, bis ich (und nur ich, und nicht ein Arzt oder mein Chef) merke, das es mir gut geht.


    Dem Himmel sei Dank habe ich bis heute keine Träume von diesem Ereignis. Manchmal denke ich vor dem Einschlafen kurz daran und versuche ich, es wegzudrücken (was auch gelingt). Träumen will ich davon nicht, es soll mich nicht gefangen nehmen.
    Letzten Donnerstag war ich bei einer Psychologin. Sie ging das Erlebte mit mir durch und ich habe mir nochmal alles von der Seele geredet. Es hat gut getan, mit einem Profi zu sprechen und das irgendwie strukturierter anzugehen: Schuld, Zufall, Berufsrisiko, Folgen... Alles gar nicht so einfach, auch wenn die Ursache klar ist. Ich bin im Augenblick ziemlich sicher, daß ich diese Geschichte gut bewältigen kann.


    Drei Tage war ich in Berlin, meiner ehemaligen Sauf- und Verwahrlosungsstätte. Im August bin ich dort 10 Jahre weg - wo ist die Zeit nur geblieben... Mein Wegzug aus Berlin, war das Beste, was ich meinem Leben getan habe - neben der Entscheidung für ein suchtfreies Leben ohne Alk und Kippen. So viele ehemalige Freunde sind gestorben in diesen vergangenen Jahren, mit denen ich in der immer gleichen Kneipe am immer gleichen Tisch über immer die gleichen Dinge geredet habe. Den letzten habe ich im August zu seiner letzten Ruhestätte begleitet. Auch diesmal war wieder ein Freund im Lokal, der über Suizid faselte, während er sich ein Bier nach dem anderen gab. Ich mag ihn sehr, er ist witzig, intelligent und ein sehr angenehmer Mensch. Aber ich bin machtlos, es ist sein Leben, ich sitze daneben und denke "Gut, daß ich das nicht mehr muss und dieses Leben hinter mir lassen konnte." ...


    Matthias, Linde, Dante.. und alle anderen auch... Ich danke Euch ganz herzlich! Schön, daß es Euch alle gibt :-)


    Peter

  • Hallo Miela,
    hallo zusammen!


    Danke für die Frage, MieLa. Es geht mir wieder ganz gut. Ich habe mit vielen Freunden (und Kollegen) über das Erlebte gesprochen, das hat sehr gut getan. So ganz tief darüber nachdenken kann ich nicht; ich habe auch nicht weinen können, vielleicht sollte das auch so sein? Es nicht ganz tief an mich ranlassen, sollte wohl wirklich nicht sein. Es war nicht meine Schuld; ich wurde für diesen Suizid benutzt, vielleicht lasse ich es deshalb nicht so an mich ran.


    Es hat mich aber stark mitgenommen, die ersten Tage waren sehr anstrengend, aber nun wird es deutlich besser! :D


    Alles Gute! Und: danke fürs Lesen!


    Peter

  • Hallo Peter,


    schön, dass es aufwärts geht! Ich finde es gut, dass du dieses Ereignis, dass dir von einem völlig fremden Menschen aufgezwungen worden ist, nicht so tief an dich rankommen lässt. Warum auch? Je mehr du dich abgrenzen kannst, umso besser ist es für dich!


    Alles Gute,
    MieLa

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