Diesmal wird es klappen

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Für beide Gruppenbereiche kannst du hier Vorstellen und hier bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Erst mal ein herzliches Hallo an alle hier.


    Gelesen habe ich hier schon sporadisch letztes Jahr, nur fehlte damals noch die letzte Entschlossenheit, mein Problem ernsthaft in Angriff zu nehmen. Ich bin 51 Jahre und lebe in NRW in geordneten familiären und gesicherten beruflichen Verhältnissen (öffentlicher Dienst).


    Nach Anmeldung bei der Suchtberatung bin ich seit dem 01.05.2015 clean. Entzogen habe ich selbst und allein, ja ich weiß die Risiken. Aber meine früheren trockenen Phasen habe ich auch alleine hinbekommen. Ich habe runterdosiert und am 30.04. die letzten 4 Flaschen Bier sowie 0,1 l Obstler gebechert. Am 01.05. ausgeschlafen und danach erst mal nach einem guten Frühstück ins Fitnessstudio, anschließen noch 3 Stunden mit dem Rad durch die Gegend. Da war ich abends so kaputt, dass ich wie ein Toter einschlief. Entzugserscheinungen hatte ich an dem Tag keine.

    Abhängig bin ich seit ca. 18 Jahren. Warum? Das wüsste ich gerne, da ich kein Problemtrinker bin. Allerdings sehe ich eine gewisse familiäre Vorbelastung väterlicherseits. Getrunken habe ich gerne, zumeist Bier, weil es mir schmeckte. Daraus entwickelte sich dann eine Gewohnheit bis hin zum Kontrollverlust. Ich konnte halt nicht mehr aufhören, zumindest nicht an Frei- und Samstagen, an denen ich mein gemäßigtes Trinken unter der Woche kompensieren musste und Bier wie Wasser trank. Hinzu kamen dann noch Kräuterschnäpse bzw. Obstler. Beides jedoch nicht in rauen Mengen, sondern quasi als Sahnehäubchen oben drauf. Sonntags wurde dann wieder runterdosiert, um die Woche über arbeiten zu können.


    Ich strebe jetzt eine ambulante Therapie an. Die Vorgruppe habe ich bereits absolviert und warte auf die Bewilligung durch die Kostenträger. Vorbereitet habe ich mich durch mehrmalige Lektüre u.a. der "Suchtfibel" sowie dem herrlichen Werk ALK des Herrn Borowiak.


    Craving hatte ich selbstverständlich auch, aber ich konnte mich bislang erfolgreich abgelenken. Ich merke schon, wie die Abstände größer und das Begehren geringer werden.


    Alkoholvorräte habe ich keine. Nur für meine Frau, die überhaupt keine Probleme mit dem Stoff hat und nur sehr selten kleine Mengen konsumiert, lagern noch ein paar Flaschen Wein und Sekt im Keller, die für mich ungefährlich sind, da ich mir aus beiden nichts mache. Aber vielleicht entsorge ich die doch besser, um für den Fall der Fälle nicht doch in Versuchung zu geraten. Meine Frau wäre einverstanden.


    Privat meide ich Zusammenkünfte, wo heftig getrunken wird. Meine Fußballkneipe, in der ich ca. 2x monatlich aufschlug, habe ich gestrichen und werde mir zur neuen Saison eine andere suchen, um mir gewisse Begegnungen bei Wasser, Zero-Cola und Apfelschorle anzuschauen.


    Meine Einkäufe erledige ich immer noch in denselben Läden, wie früher. Nur lassen mich die Alkoholabteilungen inzwischen kalt, im ersten Monat war das anders, da musste ich innerlich heftig gegensteuern.


    Mein Privatleben hat sich in den letzten Wochen deutlich verbessert, kein Wunder die Saufzeit wird halt anders und z.T. gemeinsam genutzt. Meine Familie unterstützt mich in einen Bemühungen, die hoffentlich von Erfolg gekrönt sind.


    Kontrolliertes Trinken? Kann ich nicht, habe ich schon mehrfach in den letzten Jahren probiert, der alte und hochriskante Konsum stellte sich binnen kürzester Zeit wieder ein. Und der Kampf gegen den inneren Schweinehund, der sich nach einer Flasche Bier meldet, weiter zu saufen, ist mir zu anstrengend. Das war für mich heftiger, als ganz auf den Stoff zu verzichten.


    Gesundheitlich habe ich mich komplett durchchecken lassen, aber erst nach 3 1/2 Wochen Karenz. Hatte keine Lust auf einen dreistelligen Gamma GT-Wert. Demzufolge lag dieser Marker auch "nur" bei 41. Meinen Arzt habe ich eingeweiht, der war überrascht. Auch alle inneren Organe wurden zusätzlich per Ultraschall überprüft. Zum Abschluss ging es noch zum Urologen und dann nächste Woche noch eine Darmspiegelung. Bislang alles im grünen Bereich. Froh war ich, dass nur eine leichte Fettleber diagnostiert wurde und die wird zur Zeit dank einer gründlichen Ernährungsumstelung und mehr Sport reduziert. Habe bislang 8 kg abgespeckt, ein paar weitere sollen noch folgen.


    Zum Thema Umgang mit der Sucht: Ich habe nur den engsten Kreis der Familie und unsere beiden besten Freunde informiert. Das reicht aus meiner Sicht aus. Da ich auf der Arbeit nie konsumiert habe, mit Ausnahme von Festivitäten -und da nur moderat-, sehe ich keine Veranlassung, da den sogenannten Kollegen was zum Tratschen zu geben. Außerdem möchte ich noch die letzte für mich mögliche Beförderungsstufe erreichen und dass kann ich mir abschminken, wenn mein Problem publik wird. Dann gilt man als nicht belastbar und man wird kaltgestellt. Eine Suchterkrankung gilt da trotz des so vordergründigen Verständnisses, als erheblicher charakterlicher Mangel.


    Jetzt möchte ich erst mal schließen und sehe Kritik und Verbesserungsvorschlägen mit Interesse entgegen.

  • Hallo Carl Friedrich,


    herzlich Willkommen im offenen Bereich unseres Forums.


    Zitat

    Meine Fußballkneipe, in der ich ca. 2x monatlich aufschlug, habe ich gestrichen und werde mir zur neuen Saison eine andere suchen, um mir gewisse Begegnungen bei Wasser, Zero-Cola und Apfelschorle anzuschauen.


    Ich gehe heute nur noch in ein Lokal um dort zu essen bzw. wenn ich zum Essen eingeladen bin.


    Um mir eine Sportsendung anzusehen würde ich nicht in eine Kneipe gehen, da wird mir zu viel getrunken.


    Hätte ich früher beim Fußballspielen in der Kneipe gesoffen ändert es ja auch nichts wenn ich nur die Kneipe ändere.


    LG Martin

  • Ich habe mir schon was ausgeguckt, ist eine Sportsbar. Die haben eine Menge von TVs rumhängen und übertragen alles Mögliche, was mit Sport zu tun hat. Der Alkoholkonsum ist dort deutlich geringer, als in herkömmlichen Kneipen. Ich werde sie zu Saisonbeginn mal ausprobieren und nehme sicherheitshalber den volljährigen Sohn, der demselben Verein wie ich die Daumen drückt, als Aufpasser mit. Sollte es mir dennoch nicht zusagen und der Alk-Konsum auf mich irritierend wirken, werde ich wohl sky abonnieren.

  • Hallo Carl Friedrich!


    Herzlich willkommen bei uns im offenen Bereich des Forums und Glückwunsch
    zu Deinem Entschluss gegen Deine Krankheit vorzugehen!


    Es ist nunmal so, das man einiges verändern muss, wenn man sein Leben umstellt.
    Da ist es nicht mit getan nur "nicht mehr" zu trinken.


    Aber auch Du wirst merken, das Dir manche Situationen und Begegnungen
    nicht mehr so unbeschwert vorkommen, wie früher. Und das ist auch gut so.


    Du veränderst eine ganze Menge in Deinem Leben und das bleibt nicht ohne Konsequenzen.


    Liebe Grüsse und weiterhin viel Kraft bei der Umsetzung Deiner guten Vorsätze!


    Elly

    Das Leben ist nicht immer einfach, aber eindeutig einfacher ohne Alkohol zu bewältigen!

  • Zitat von Carl Friedrich

    Ich habe mir schon was ausgeguckt, ist eine Sportsbar. Die haben eine Menge von TVs rumhängen und übertragen alles Mögliche, was mit Sport zu tun hat. Der Alkoholkonsum ist dort deutlich geringer, als in herkömmlichen Kneipen. Ich werde sie zu Saisonbeginn mal ausprobieren und nehme sicherheitshalber den volljährigen Sohn, der demselben Verein wie ich die Daumen drückt, als Aufpasser mit. Sollte es mir dennoch nicht zusagen und der Alk-Konsum auf mich irritierend wirken, werde ich wohl sky abonnieren.


    Hallo Carl-Friedrich,


    herzlich Willkommen hier...


    sag mir jetzt bitte, daß Du von Beruf kein Pathologe bist...:-)


    Gut, daß sich bei Dir die Einsicht durchgesetzt hat, daß kontrolliertes Trinken nicht wirklich hilft und ganz hervorragend finde ich die Aussage, daß es viel anstrengender ist, kontrolliert zu trinken, als die Finger ganz von dem Zeugs zu lassen...letztendlich weiß man im Hinterkopf ja doch, daß man alle paar Tage die nächste Niederlage einstecken muß, wenn man es mit Trinkpausen und ähnlichen Späßken versucht.


    Was den Fuppes betrifft - bin selbst leidenschaftlicher Fan und habe meine Präsenz in den Fußballkneipen dieser Welt extrem reduziert. Ich habe mir seit ein paar Jahren Sk* zugelegt, weil ich mir die Spiele gerne in Ruhe ansehe, ohne dämliche Zwischenkommentare und hanebüchenen Unsinn.


    Ein paarmal im Jahr gehe ich ins Stadion und ab und zu begleite ich meine Mannschaft auch auf Europa-Tour...im Fanbus fahre ich da allerdings nicht mehr mit, da wird mir dann doch zu viel gesoffen...


    Insgesamt funktioniert "trockener Fußballfan" aber wirklich sehr gut...anstatt meinem früher obligatorischen Spieltagsbier gibts inzwischen halt Kaffee oder Eis...


    Ich wünsch Dir alles Gute für die Zukunft.


    Schönen Gruß und schöne Zeit


    Andreas

  • Hallo Carpenter!


    Nein Pathologe bin ich nicht.


    Zum kontrollierten Trinken: Ich habe es in den letzten Jahren zigmal probiert. Klappt bei mir genau ein bis zwei Abende lang. Dann will mein innerstes Ich partout nicht aufhören, sondern weiter befüllt werden. Habe es auch probiert mit 6 Flaschen Bier pro Woche, 3 am Freitag und 3 am Samstag. Sonntag wurde dann an der Tanke nachgeordert. Montag bis Donnerstag "gedarbt" und mich wie verrückt auf Freitag gefreut. Nach dem folgenden Wochenende gleich montags bzw. spätestens am Mittwoch mit 3 Flaschen weiter gemacht, da die Zeitspanne bis Freitag zu lang war und sich die Gedanken zu sehr um den Stoff drehten.


    Das ging mir mehrfach so, obwohl ich mir stets fest vorgenommen hatte, mein Limit von 6 Flaschen pro Woche einzuhalten. Da war die Sucht, die in einem Teil des Gehirns verankert ist, vom bloßen Willen nicht beherrschbar.


    Für mich gibt es nur die eine Lösung: Das erste Glas bereits stehen lassen. Habe ich dieses nämlich intus, gibt es kein Halten mehr.


    Ein wenig Angst habe ich eher, dass mein zur Zeit trocken gelegtes "Säufer-Ich" mir in ein paar Monaten oder Jahren vorgaukeln möchte, ich sei absolut geheilt und könne es daher doch mal probieren, wenn auch nur in kleinen Mengen. Daran muss ich mit Nachdruck arbeiten, um nicht rückfällig zu werden.


    Ich hoffe, meine angestrebte ambulante Therapie wird zügig bewilligt.


    Heute bekam ich etwas Nachschub, das Buch "Lieber schlau, als blau". Ich werde es mal in Ruhe durcharbeiten.

  • Zitat von Carl Friedrich

    Sollte es mir dennoch nicht zusagen und der Alk-Konsum auf mich irritierend wirken, werde ich wohl sky abonnieren.


    genau das habe ich vor 7 jahren auch gemacht :D .Nur mit dem Unterschied ich war kein Fernseh Fussball Zuschauer.Ich war aktiv in der Fan Szene tätig . Ich habe es bis heute nich bereut mir dieses Abo zu gönen
    LG
    Günter

  • Hallo Carl,
    Willkommen hier im Forum !


    Du schriebst:

    Zitat

    Ich habe mir schon was ausgeguckt, ist eine Sportsbar. Die haben eine Menge von TVs rumhängen und übertragen alles Mögliche,
    was mit Sport zu tun hat.
    Der Alkoholkonsum ist dort deutlich geringer, als in herkömmlichen Kneipen. Ich werde sie zu Saisonbeginn mal ausprobieren und nehme
    sicherheitshalber den volljährigen Sohn, der demselben Verein wie ich die Daumen drückt, als Aufpasser mit.
    Sollte es mir dennoch nicht zusagen und der Alk-Konsum auf mich irritierend wirken, werde ich wohl sky abonnieren.


    Ich mache es mal kurz:
    Annoniere lieber gleich sky und gut is.
    Was soll das rumhängen an Orten, auch wenn da der Alkkonsum "deutlich geringer" ist ??
    Als frisch abstinent Lebender hast Du an solchen Orten nix zu suchen.
    Oder willst gleich alles wieder in den Sand setzen?
    Habe grad kein Bock, das nett zu umschreiben, darum heute mal so :wink:


    Dein Sohn ist außerdem nicht für Dich verantwortlich!
    Bürde ihm bitte keine Aufpasserfunktion auf, Du bist für Dein weiteres abstinentes Leben selbst zuständig.
    Unterstüzung nimmt sicher jeder dabei gerne an und ist auch richtig so.
    Aber mache niemanden für Deine Tockenheit verantwortlich.
    Das ist allein DEIN DING!


    Ich wünsche Dir alles Gute für Deinen weiteren Weg, und allem voran wünsche ich Dir dabei,
    das Du die Erfahrungen längerer Trockener für Dich annehmen kannst.
    Denn die wissen bereits, wo es lang geht, so als alte Trockenheits-Hasen :wink:


    LG Sunshine

  • Zitat

    Und im Urlaub passt die liebe Gattin schon auf, dass ich nichts alkoholhaltiges in die Finger bekomme.


    Und hier nochmal ! :shock:
    Was hat Deine Frau denn mit DEINER Trockenheit zu tun, um Himmels Willen?? :shock::shock:
    Die soll jetzt auch noch auf Dich aufpassen?
    PLUS der Sohn? :shock:


    Sorry Carl, aber da läuft was komplett schief, die SIND nicht für Deine Trockenheit verantwortlich und müssen auch nicht auf Dich aufpassen.
    Du hast selbst dafür zu sorgen, nix alkoholisches in die Finger zu bekommen.
    Warum willst Du anderen Verantwortungen für DEIN WEITERES LEBEN aufdrücken ?
    Das finde ich ja echt krass.
    Deine Lieben haben sicher ein eigenes Leben, um was sie sich zu kümmern haben, oder?


    Vielleicht hat auch Deine Frau ein Trauma aus Deiner Saufzeit und braucht evtl. sogar selbst Hilfe ?
    Für Dich ist sie aber ganz sicher nicht verantwortlich, Du bist ein erwachsener Mann und nicht das Kind Deiner Frau.


    LG Sunshine

  • Interessante Antworten, wenn auch z.T. nicht gerade
    diplomatisch formuliert, aber das stört mich nicht.


    Bislang weiß die Therapeutin nur vom Urlaub und hat ihn respektiert. Ich habe ihr klar zu verstehen gegeben, dass ich nicht auf ihn verzichten werde. Damit war für mich die Frage des "Ob" erledigt. Jetzt kommt es nur noch auf das "Wie" an. Und da wird vorgesorgt.


    Fußball: Hab ich noch nicht mit ihr erörtert. Bis Saisonbeginn ist es ja noch was hin. Werde die Angebote des Senders S.. mal im Auge behalten.


    Behördenfest: War ich in den letzten Jahren stets auf Wasser. Ich geb mir vor den ganzen so "lieben" Kollegen doch nicht die Blöße. Die warten doch nur um des eigenen vermeintlichen Vorteils willen darauf, dass man sich angeschickert verplappert und in die Nesseln setzt.


    Und Aufpassen kann ich durchaus schon auf mich. Nachdem mein Problem in der Familie ausdiskutiert ist, dient mir die Mitnahme von ihr als zusätzliche Stütze. In ihrem Beisein kann ich mir zur Zeit nicht vorstellen, noch mal zu saufen. Da steh ich im Wort. Dass sie nicht für mich verantwortlich sind, ist mir mehr als klar.


    Wir waren heute bei dem schönen Wetter in NRW auch an einem See mit angeschlossenem Biergarten. Wir haben da ohne mit der Wimper zu zucken und ohne das geringste Bedürfnis auf Bier, Kaffee geordert und getrunken.

  • Zitat

    Wir waren heute bei dem schönen Wetter in NRW auch an einem See mit angeschlossenem Biergarten.


    Lieber Carl,
    könnte es sein, das Du Dir der ganzen Tragweite Deiner Krankheit nicht mal ansatzweise klar bist?
    Das Du ein äußerst gut funktionierendes Suchtgedächtnis hast, was gerade so frisch abstinent nur aufs Anspringen wartet?
    Das braucht Monate bis Jahre, um da was zu überschreiben.


    Ich sehe, das Du Dein Leben im Grunde wie vorher weiterleben willst.
    Nur ohne Saufen.
    Dazu gibt es hier eingen ganz alten Spruch:
    Nur nicht mehr Trinken reicht nicht.
    Ich kann das nur bestätigen.


    Hast Du eigentlich mal unsere Grundbausteine gelesen?
    Woran wir uns hier zu einem großen Teil dran orientieren (und das sicher nicht grundlos :wink: )


    Da ist ein "Behördenfest", wo Du meinst, hinzumüssen.
    Niemand muss zu sowas hin, sorry.
    Und schon gar nicht so frisch abstinent lebend.


    Da ist der Urlaub, der UNBEDINGT statt finden muss.
    Wer bestimmt sowas?
    Ich war 1,5 Jahre überhaupt auf keiner Feier und in den Urlaub wollte ich die ersten 2 Jahre in meinem trockenen Leben erst gar nicht.
    Das hätte ich mir so frisch trocken gar nicht zugetraut.
    Ich musste mich erstmal mit der neuen Situation vertraut machen, mich darin einrichten und mir ein zufriedenes Leben aufbauen.
    Alles andere kam für mich erst danach.


    Damals kannte ich noch gar keine Grundbausteine.
    Aber allein mein Bauchgefühl gepaart mit meinem zurückkehrenden Verstand hat mir gesagt, was gut für mich ist und was nicht.
    Ich habe lieber darauf gehört, als mich irgendwelchen vermeintlichen Zwängen zu beugen.
    Denn es ging um mein LEBEN !
    Ich habe schließlich keinen Schnupfen, der nächste Woche wieder vorbei ist.
    Ich habe also lieber mein Leben umstrukturiert, und nur das belassen, was bleiben konnte, ohne mich zu gefährden.


    Ich habe bei Dir ein bisschen das Gefühl, das Du Dich aus der Sucht ausschleichen willst, kann das sein?
    Niemand soll groß was merken, es soll alles beim alten bleiben, und Du gehst weiter in Biergärten, trinkst dort ein Glas Wasser und bist am Ende auch noch stolz darauf?
    Dann hast du leider (noch) nichts von unserer Krankheit begriffen.
    Meine Meinung.


    Ich will es mal dabei belassen.
    Ich weiß ja, wie es weiter geht... es wird meist weiter darauf beharrt, das alles gut so ist, und das nichts weiter geändert werden soll.
    Und sogar die Therapeutin wurde schon dazu gebracht, das abzunicken.
    Da kann ich nur noch sagen: Glückwunsch und weitermachen.
    Und vielleicht auch ganz rasch wieder "Prost" !!


    LG Sunshine

  • Hallo Carl Friedrich,


    ich finde die besten Erfolge hat man bei der Umsetzung bestimmter Ziele dann,
    wenn man wirklich mit ganzem Herzen dahinter steht.


    Dazu gehört für mich oft auch, auf Dinge zu verzichten, die dem Erreichen des Zieles im Weg stehen könnten ( nicht müssen aber eben unter Umständen könnten ) und da bin ich dann, im Gegensatz zu anderen Lebensbereichen, ziemlich radikal in der Umsetzung und der Konsequenz.


    Ich glaube die Chancen steigen, etwas zu erreichen, wenn man das Gewünschte zumindest eine Zeitlang zur Priorität macht und irgendwie ist es ja auch eine Wertschätzung des eigenen Willens und Wunsches, wenn man ihn ernst nimmt.


    So als ob er etwas Feierliches oder fast etwas Heiliges ist, das behütet oder geschützt werden sollte.


    Dieses Gefühl hatte ich am Anfang, mindestens das erste Jahr in Bezug auf meine Trockenheit, habe es auch innerhalb des Verhältnisses zu meinen Kindern und ein paar anderen Menschen.


    Vielleicht hört sich das etwas crazy an aber ich denke schon, dass es irgenwie eine Ehre ist, trocken werden zu dürfen und wir sollten ihr gerecht werden..........


    .........und schauen, dass wir einfach mal halblang machen.


    Was ist denn schon dabei, die erste Zeit mal nicht in den Biergarten zu gehen....?


    LG Slowly

  • BTW:
    Ich bin im übrigen nicht hier, um diplomatisch zu fomulieren.
    Ich bin hier in einem Forum für Alkoholiker und nicht in einem Formulierforum für Feingeistige.
    Da gibt es bestimmt bessere Adressen.
    Bei unserer Krankheit heilt es sich um eine unheilbare und chronische Krankheit, und nicht um ein paar Pickel.


    Ich schreibe das, was ich denke.
    Das mag nicht jedem gefallen, macht aber nix.
    Und wenn ich hier der Proll vom Dienst bin, auch schnurz.
    Aber ich bin trocken, nun bereits über 13 Jahre.
    Da habe ich wohl irgendwas richtig gemacht... :wink:


    LG Sunshine

  • Hallo Carl


    wenn damals eine Therapeutin es für gut heißen hätte ,das ich im Urlaub austesten kann, dann hätte sie fragen müssen ob sie sich überhaupt in der Sucht auskennt oder warum sie es so leichtfertig hinnimmt . Es gibt nun mal Unterschiede zwischen dem anfänglichen nassen oder dem Denken der Therapeuten und gelebte Erfahrungen der langjährigen trocknen Alkoholiker.


    Mit dem was mich jahrelang nass gehalten hatte kann ich ja nicht trocken werden . Sonst wäre ich ja nie nass geworden . Ich brauchte erstmal ein Stabilität um überhaupt mich wieder kennen zu lernen .


    Ich habe ja schon im anderen Thread geschrieben. Ich kopiere es mal hier rein .

    Zitat

    wenn ich deine Post lese, dann lese ich von allem etwas aber bloß nicht ganz. Da kommen Worte wie Fußball, Kneipe, Urlaub Pflichtveranstaltungen . Wenn du in diesen Fällen gesoffen hast wird es dich auch dort wieder Triggern . Egal wer da dabei ist, wer aufpasst oder was du dir im Kopf vornimmst . Es ist nun mal mit dem Saufen verknüpft.
    Zudem das ja vorgeschoben Gründe sind. Es wird dich keiner mit Waffengewalt dazu bewegen wenn deine Gesundheit davon abhängt.


    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ---------------------


    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Moin Carl-Friedrich,


    Du siehst schon, hier herrscht Zuckerbrot und Peitsche...ein altbewährtes Konzept...:-)


    Es gibt hier verschiedene Sichtweisen, was das Trockenwerden anbelangt. Einig sind sich die User hier aber v.a. in einem Punkt: Ein "weiter so, nur ohne Alkohol" führt früher oder später zum Rückfall.


    Mal ein Beispiel:


    Wenn Du nen Bandscheibenvorfall hast, dann können Schmerztabletten ziemlich schnell dafür sorgen, daß die Schmerzen verschwinden und das Leben wieder "normal" laufen kann. Gegen den Bandscheibenvorfall selbst ist dadurch allerdings noch nix gewonnen - da brauchts dann Physiotherapie und ein verändertes Verhalten, damit sich die Bandscheibe erholen kann...ganz heil wird die dadurch auch nicht und wird immer ein Schwachpunkt im Körper bleiben...es gibt aber Möglichkeiten, einem erneuten Bandscheibenvorfall vorzusorgen.


    Vielleicht nicht ganz treffend, dieses Beispiel, aber man sollte die Macht des Alkohols nicht unterschätzen...


    Nun bist Du ja auch einer der Fraktion (der ich auch angehöre), die sich jahrelang von Trinkpause zu Trinkpause geschaukelt haben ohne nennenswerten Erfolg. Nicht saufen hat also nicht gereicht...das könnte logischerweise zu der Schlußfolgerung führen, daß es da mehr braucht als nur nicht mehr Saufen wollen.


    Ich denke, das wollten meine Vorredner damit ansprechen.


    Sich ein alkfreies Umfeld schaffen hat oberste Priorität...man tappt leicht in die "hat mir gestern gar nix ausgemacht"-Falle, fühlt sich stark, sicher und hat dann trotzdem urplötzlich Saufdruck, quasi aus dem Nichts heraus...


    Plötzlich zum Asketen wurde ich z.B. auch nicht. Meinen Fußball wollte ich mir durch das Trockenwerden nicht nehmen lassen, aber ich hab halt grad am Anfang dafür gesorgt, daß ich Fußball in alkoholfreier Umgebung gesehen habe...z.B. zuhause.


    Trotzdem steht man vor der Entscheidung: Was ist mir wichtig und läßt sich mit meiner Trockenheit vereinbaren und von was muß ich mich trennen, um Trocken bleiben zu können...zu Letzterem gehören z.B. Gewohnheiten, bei denen man vermehrt gesoffen hat.


    Jeder Weg ist individuell, jeder hat seinen eigenen Weg vor sich...aber aus meiner Sicht sind viele der Bausteine schon sehr hilfreich.


    Was die Sache mit Frau und Sohn betrifft:


    Die Verantwortung für seine Trockenheit kann man ganz sicher nicht auf andere Menschen übertragen...aber so hab ich Dich ehrlich gesagt auch nicht verstanden. Deine Frau und Dein Sohn sind ja eingeweiht in Deine Krankheit, also sind sie letztendlich die Einzigen, die Dich im Notfall vom Alkohol abhalten können, wenn urplötzlich Saufdruck aufkommen sollte...ich halte so eine Sicherung durchaus für sinnvoll und das zeigt mir eher, daß Du verstanden hast, Hilfe anzunehmen.


    Und Hilfe angenommen haben meines Wissens sogar diejenigen hier, die schon 13 Jahre trocken sind...:-)
    Und letztendlich sind wir alle deshalb hier gelandet, weil wir erkannt haben, daß wir es alleine nicht packen...schon das war ein wichtiger Schritt.


    Laß Dich von etwas direkter formulierten Antworten nicht schrecken...später, wenn Du ein, zwei Jahre trocken bist, wirst Du erkennen, daß oft grade diese Aussagen weitergeholfen haben.


    Schönen Gruß und schöne Zeit


    Andreas

  • Hallo Carl Friedrich,


    Zitat

    Wir waren heute bei dem schönen Wetter in NRW auch an einem See mit angeschlossenem Biergarten. Wir haben da ohne mit der Wimper zu zucken und ohne das geringste Bedürfnis auf Bier, Kaffee geordert und getrunken.


    Das was du da schreibst, kommt mir vor wie ein kleines Kind, das seinen Finger in eine Flamme hält und ruft, "Ätsche Bätsche, es tut überhaupt nicht weh". ;)


    In dem Moment wo du so empfindest, so finde ich, kämpfst du noch gegen den Alkohol.


    Du führst einen Kampf, in dem doch eh fast schon klar ist, wer der Stärkere sein wird, wenn man die hohen Rückfallquoten betrachtet.


    Kapitulation sieht anders aus und ist in meinen Augen die bessere Wahl, um dauerhaft trocken zu werden und zu bleiben.


    Durch dich erkenne ich überhaupt erst, dass das was ich am Anfang meiner Trockenheit gemacht hatte, bedinungslose Kapitulation war.


    Irgendwie konnte ich mit diesem Bild seither gar nicht so richtig etwas anfangen :shock: .


    Jetzt gehen mir ein paar Lichtlein auf. :lol:


    Grüße Slowly

  • Zitat von Carpenter

    ...später, wenn Du ein, zwei Jahre trocken bist, ...


    Dazu wird's vorläufig nicht kommen. Ja, auch hier bin ich mir sicher. Und ja es gibt keinen guten Ratschlag, weil es hier keinen gibt. Noch gibts keinen, aber: Kommt Zeit, kommt Rat (Drei Euro für's Phrasenschwein.). Vielleicht nicht von mir, aber er kommt.


    Ich denke (?) mal, bei Carl Friedrich ist zwar die Einsicht da, jedoch es fehlt die Notwendigkeit. Ihm geht's also - meiner Meinung nach - noch zu gut.

  • Interessante Antworten. Werde mehr in die Achtsamkeit investieren. Bin vielleicht etwas zu gut drauf, da alles bei mir zuletzt ausgesprochen gut lief, da kann sich dann ein gewisser Schlendrian (Leichtsinn) einschleichen.


    Fußballkneipe wird durch den Bezahlsender ersetzt. Das habe ich mit meiner Frau, die bislang immer gegen ihn war, so vereinbart. War überrascht, wie schnell das durch war. Früher meinte sie und da hat sie Recht, wir haben schon genug Programme.


    Reizthema Biergarten: Das lief bei uns schon etwas anders ab, als einige vermuten. Wir waren schwimmen und die Thermoskanne Kaffee war schon leer, als wir noch einen wollten. Und genau so wurde es gemacht. Auch das werde ich in der Zukunft etwas anders organisieren. Dann darf meine Frau dort einen zum Mitnehmen besorgen.


    Behördenfest: Habe ich nicht als gefährlich auf dem Schirm, da ich dort in den letzten Jahren nur Wasser getrunken habe. Aber klar, andere Zecher könnten einen Schlüsselreiz auslösen. Ich denk noch mal über die Teilnahme nach. Da es in der Woche steigt, kann ich mir auf den Tag auch einen Außentermin legen, damit wäre ich aus der Nummer raus.


    Urlaub: Steht, ist schon zur Hälfte bezahlt und wird gemacht. Ich werde mich aber darauf vorbereiten: Wir haben ein Apartment mit SV, kein AI-Hotel. Strandbars werden genau wie Bodegas oder Kneipen gemieden. In Restaurants fahreich nur mit dem Mietwagen und das reicht bei mir zur Abschreckung. Und im Apartment haben wir keinen Alk.

  • Hallo Carl,


    Das alles hört sich jetzt schon WESENTLICH besser an ! :)
    So geht schon eher der Weg in eine dauerhafte, stabile und auch zufriedene Trockenheit ! :D
    So zumindest meine bescheidene Meinung.


    Carl, manches mag Dir am Anfang evtl. wie eine Einschränkung Deines Lebens vorkommen.
    Du wirst aber mit der Zeit merken, das vieles davon gar keine Einschränkung ist,
    sondern ganz im Gegenteil, sich als Bereicherung entpuppt.


    Und das ganze hat auch noch eine ganz andere Dimension, die Trockenheit ermöglicht ein viel bewußteres Leben.
    Das ist zumindest meine Erfahrung und diese Erkenntnis kam so mit der Zeit.
    Andere mögen das anders empfinden/empfunden haben, bei mir war es eben so und ich weiß, das viele andere die gleichen Erfahrungen mach(t)en.
    Von daher schäme ich mich nicht für meine Krankheit, im Gegenteil, sie hat mir sogar einiges ermöglicht, was gesunden Menschen vielleicht so nicht möglich ist.
    Aber das mal nur am Rande... :wink:


    Achtsamkeit halte ich für ein wichtiges Thema.
    Auch wenn ich dieses momentan überall herumgeisternde Modewort nicht so gerne mag.
    Zu sich selbst gut sein, sich neue Belohungen ausdenken anstatt Alk, ein bewußteres Leben führen etc.pp.
    Und vor allem wieder innere Zufriedenheit erlangen zu können.
    Oder hattest Du die während der Sauferei noch wirklich ?
    Das alles halte ich für ganz wichtig.
    Und von mir aus kann man das auch dann gerne Achtsamkeit nennen :wink:


    Entschuldige bitte, wenn meine ersten Antworten an Dich etwas schroff waren.
    War ganz sicher nicht böse gemeint.


    Vielleicht wäre der Austausch im Erweiterten Bereich auch was für Dich?
    Der ist dort wesentlich intensiver als hier im Offenen Bereich.
    Und es gibt auch mehr Resonanz.
    Kannst Du Dir ja mal in Ruhe irgendwann überlegen :wink:


    LG Sunshine

  • Momentan läuft es ausgesprochen gut. Auch die letzten internistischen Untersuchungen waren absolut unauffällig. Riesenglück gehabt. Jahrelanger Alkoholabusus und keine Organe geschädigt. Das wäre bestimmt nicht mehr lange gut gegangen.


    Die Kostenzusage für meine ambulante Therapie ist auch eingetrudelt. Die haben die im Schnelldurchgang in nicht mal 2 Wochen durchgewunken. Einen Platz habe ich auch in Aussicht. Spätestens im August kann es losgehen.



    Ach so: Clean bin ich auch. Mittlerweile zähle ich schon nicht mehr die Tage und Wochen, die musste ich heute erst ausrechnen (11), sondern denke schon in Monaten.


    Kann es kaum fassen, wie glatt alles läuft. Habe aber auch hier wieder richtig Glück, da ich sozial, beruflich und familiär voll integriert bin.


    Gleichzeitig versuche ich nicht leichtsinnig zu werden, denn die größten Fehler macht man bekanntlich im Übermut und der darf gar nicht erst nicht aufkommen. Also versuche ich immer schön wachsam zu bleiben, indem ich u.a. täglich hier vorbeischaue.

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