kamarasow - Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  • Hallöchen!
    Ja - ich versteh, was Du meinst. Eine Nacht drüber schlafen, ist sicher auch nicht verkehrt. Denn oft braucht man eben auch Zeit, um etwas zu überdenken. Spürst Du dnen selbst, wenn es ok ist, etwas herunterzuschlucken und wann eher nicht?

    Mich regt auch mal so was auf, aber ich denk mir dann halt auch: wer sagt mir denn, dass ich richtig liege? Das wäre doch jetzt anmaßend, andere an meinen Idealen zu messen. Ich versuche immer, nicht zu bewerten. V.a. nicht sofort negativ. Ich denke, andere haben eben auch ihre Gründe, warum sie Dinge machen, wie sie sie machen und warum sie die Menschen sind, die sie eben sind. Genau wie ich auch. Entfernte Bekannte - da denke ich oft nur: leben und leben lassen. Wenn mir etwas an einem Menshcen liegt, dann frage ich auch mal noch oder stelle in Frage - aber ich hab immer im Hinterkopf, dass ich nicht werten möchte.
    Ich komme so gut mit Menschan klar, aber ich kann das alles erst so sehen und v.a. bewusst so gestalten, seit ich trocken bin. Ich frag mich grad, was ich vorher überhaupt bewusst gemacht habe.....
    Jedenfalls geht es mir so ganz gut damit.
    Viele Grüße
    Calida

  • Hallo Karamasow!

    Es ist müßig zu spekulieren, warum Leute, die hier mit Elan eingestiegen sind, plötzlich wegbleiben. Rückfälle gehören sicherlich dazu. Dann dürfte die Scham hinzu treten, sich hier zu outen.

    Zum Thema Gelassenheit: Du bist noch recht frisch im Geschäft der Abstinenz. Da ist es normal, dass es zu Stimmungsschwankungen und gelegentlichen Ausschlägen kommt.

    Diese Schwankungen haben bei mir mit der Zeit deutlich nachgelassen. Der Geist muss halt auch sorgfältig trocken gelegt werden, nachdem er jahrelang und konsequent verseucht wurde. Bis das Hirn wieder in sog. "normalen" Bahnen denkt und die Gefühle sich wieder einpegeln, das nimmt halt geraume Zeit in Anspruch. Wir sollten die nötige Geduld aufbringen.

    Ich bin jetzt im dritten Jahr und es geht mir stetig besser.

    So wie Du dich liest, bist Du auf einem wirklich guten Weg.

    Gruß
    Carl Friedrich

  • Hallo zusammen,
    14 Tage seit dem letzten Post. Hm. Die Abstände werden größer. Auch jetzt sitze ich da und überlege was man überhaupt schreiben könnte.

    Das größte Risiko geht für mich derzeit vom gesellschaftlichen Druck im Umgang mit Alkohol aus. Alkohol ist beim Gang vor die Tür quasi omnipräsent. Mein Blick bleibt dann auch kurz an Weinflaschen oder Gläsern der Restaurants vor der Haustür hängen. Bei Bierflaschen kommt auch ein Gedanke an Alkohol. Die Kumpels aus der Mannschaft ändern logischerweise auch nicht ihr Trinkverhalten nur weil ich Alkoholiker bin. Sie respektieren es und schauen nicht blöd drein beim Griff zur Cola. Mit einem konnte ich sogar ein tieferes Gespräch hinsichtlich seines Alkrisikos führen. Das fühlte sich gut an. Neulich gab es auch Spitzen von einem, dass ich, seitdem ich nüchtern sei, komisch geworden bin. Hm. Gut möglich, wenn ich auf die alkoholisierten und flachen Witze nicht mehr mit einsteige. Ich konterte damit, dass ich ihn aktuell auch komisch finde. Nunja. Es mag auch sein, dass ich im Moment nicht so locker und eher empfindlicher bin wie früher. So ist es eben. Menschen kommen, Menschen gehen.
    Meine Frau stichelte neulich auch, dass ich jetzt viel komplizierter und weniger gelassen wäre. Hierauf der Konter, ob ich wieder mit saufen anfangen solle. Das verneinte sie vehement. Insgesamt führen wir, denke ich, eine sehr gute Ehe. Was vor allem an einer offenen und ehrlichen Kommunikation liegt. Man kann zwar nicht alle Knoten mit Reden lösen, aber immerhin doch recht viele. Manchmal hilft einfach nur machen.

    Der Prozess im Kopf ist noch lange nicht abgeschlossen. Der Suchtdruck ist wesentlich zurückgegangen. Häufig muss ich mich aber gedanklich mit dem visuell wahrgenommenen Alkoholsymbolen insbesondere in Gesellschaft auseinandersetzen. Es reicht, wenn eine Frau mit Weinflasche am Mittagstisch sitzt. Schon beginnt der gedankliche Prozess. Irgendwie auch etwas Übelkeit und ernste Fragen, ob sie auch Alkoholikerin ist. Meine Frau meint dann ab und an: "Du wirst sie nicht retten können. Sie ist eine erwachsene Person, die es selbst entscheiden kann.". So ist es wohl. Bei dem Thema kann man nur sich selbst helfen. Das ist schwer genug.

    Das verlängerte Wochenende war sehr schön. Viel Familie, Sport und Natur.

    Viele Grüße

  • Hallo Kamarasow,
    Ja, wir verändern uns. Aber für uns gut, oder siehst Du das anders? Ich mag auch keine Witze von Angetrunkenen und meide ihre Gesellschaft. Und für sie und ihre Bedürfnisse sind wir doch schon kompliziert, weil wir allein durch unsere Anwesenheit ihr Getrinke in Frage stellen.
    Eine frühere Bekannte will mich mit allen Mitteln überreden, mit ihr an einem Saufgelage teilzunehmen. Sie meint, ich müsste doch mal ne Ausnähme machen und ich wäre nicht mehr ganz dicht, mich so zu kasteien. Die kapiert nicht, dass ich mich nicht kasteie, sondern endlich lebe. Solche Menschen brauch ich nicht. Sie erzeugen Leere in mir. Dann bin ich lieber nur mit mir und wem ich zu kompliziert bin, der ist ja nicht gezwungen, zu mir zu kommen.
    Und glaub mir, es gibt auch andere. Die besten, die auch nicht trinken und die mir nass vermutlich nicht aufgefallen sind, habe ich erst getroffen, als ich trocken war.
    Kennst Du Menschen, die nicht trinken und mit denen Du etwas anfangen kannst?
    Viele Grüße
    Calida

  • Hallo Calida,
    ja, für uns ist die Veränderung gut. Man kehrt wieder zurück zum eigentlichen Wesen. Das Umfeld hingegen hat und wird damit u.U. Probleme haben. Aktuell komme ich mir manchmal vor wie das wandelnde schlechte Gewissen für andere Alkoholiker / Risikopatienten. Da saß der Nachbar schon Mittags mit der Flasche Bier auf der Hollywood-Schaukel und ich ging nüchtern mit den Kindern in das Schwimmbad. Es gibt Momente im Leben, da erzählen Blicke mehr als hunderte Worte.

    Deine frühere Bekannte ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenig über die Krankheit bekannt ist. Sie würde einem an Diabetes Erkrankten sicherlich auch kein Zucker aufzwängen. In meinem Umfeld hält sich die Drängelei zu Alkohol sehr in Grenzen. Die meisten respektieren meine Entscheidung.

    Ob ich Menschen kenne, die Alkoholverweigerer sind? Nun, zuerst wäre meine Frau zu nennen. Der ich dafür sehr dankbar bin. Dann noch ein guter Nachbar und ein Kumpel aus dem Verein. Der Rest der Leute hat einen normalen bzw. grenzwertigen Umgang mit Alkohol. Kurzum: Die Anzahl derer, die gar keinen Alkohol trinken ist stark in der Unterzahl. Vielleicht wird sich das jetzt im Laufe der Zeit ändern.

    Grüße

  • Zitat

    Ob ich Menschen kenne, die Alkoholverweigerer sind? Nun, zuerst wäre meine Frau zu nennen. Der ich dafür sehr dankbar bin.
    Dann noch ein guter Nachbar und ein Kumpel aus dem Verein. Der Rest der Leute hat einen normalen bzw. grenzwertigen Umgang mit Alkohol.
    Kurzum: Die Anzahl derer, die gar keinen Alkohol trinken ist stark in der Unterzahl. Vielleicht wird sich das jetzt im Laufe der Zeit ändern.

    Hallo kamarasow,
    in meinem Bekanntenkreis sieht das anders aus.
    Was die Nachbarn machen, kann ich ja nicht beeinflussen und das will ich auch gar nicht.
    Aber ich kann MEIN PERSÖNLICHES UMFELD ganz gezielt beeinflussen.
    Und das habe ich auch getan.
    So sind in meinem Bekanntenkreis keine grenzwertig trinkenden Menschen, die nicht mal ein paar Stunden ohne Stoff auskommen können.

    Ich denke, man macht(e) es sich auch zu einfach, wenn man sagt, das "ja alle Alkohol trinken".
    Oftmals wollte man doch in nassen Zeiten genau diese Menschen sehen, die trinken/saufen, als Rechtfertigung für den eigenen Alkoholgenuß.
    Am besten machte es sich sogar noch, wenn man ein paar Leute hatte, die noch "erheblich mehr" soffen. :roll:
    Das relativerte ja das eigene Gesaufe, war also "nützlich".

    Es gibt viele Menschen, die kein Alkoholproblem haben, nur ganz selten mal was trinken oder auch gar nichts.
    Man muss nur mal etwas aufmerksam in die Gegend schauen, dann sieht/erkennt man sie auch.
    Früher habe ich diese Menschen in meiner kaputten Säufernbirne auch noch ganz frech als "Langweiler" verunglimpft . :oops:
    So ein Schwachsinn.

    Wenn man einen konsequent trockenen Weg einschlägt, wird sich auch der eigene Bekannten-und Freundeskreis verändern, kamarasow.
    Wahrscheinlich nicht gleich heute oder morgen... denn neue Bekannte und Freunde regnen ja auch nicht vom Himmel.
    Dazu gehört schon Eigeninitiative und das aufeinander-zugehen und suchen und finden :wink:
    Man kann sich ein trockenes Leben aufbauen, ebenso wie einen trockenen Bekanntenkreis.
    Man muss es aber auch WOLLEN und dazu etwas aktiv werden.
    Bequemer wäre es natürlich, zu sagen "ach, es saufen ja sowieso alle... also lasse ich alles beim alten und treffe mich halt weiter mit den alten Kumpels".
    Ist allerdings kein guter bzw. wenig erfolgsversprechender, weil brandgefährlicher Weg.

    LG Sunshine

  • Hallo Sunshine,
    das was du schreibst ist nachvollziehbar. Insbesondere beim zweiten Absatz erkannte ich mich wieder. Solange es jemanden gab, der mehr soff, war doch alles gut. Allein all die eigenen Helden. Was die alles soffen und trotzdem noch am Leben waren. Moment, Leben die noch oder sind sie mal wieder in der Entzugsklinik?

    Auch was den dritten Absatz anbelangt kann ich dir zustimmen. Ich empfand es ähnlich. Jetzt als Abstinenzler ist man eher der verkrampfte Langweiler. Nuja, kurz ist man nachdenklich. Aber grundsätzlich löst das bei mir Schulterzucken aus. Wenigstens lebe ich nicht mehr ferngesteuert.

    Beim letzten Absatz wird es schwieriger. Den Sport den ich treibe kann man nicht allein treiben. Will ich den Sport treiben, werde ich immer in Gesellschaft sein. Im Moment ist mir der Sport wichtiger, als das Risiko. Der Sport entspannt mich und bedeutet mir etwas. Keinen Sport mehr machen zu können, würde mich unglücklich machen. Die Sportart zu wechseln ist keine Option.

    Ferner ist es auch schwierig die Leute nicht mehr zu sehen, nur weil ich Alkoholiker bin. Damit meine ich jetzt Leute, die einen normalen Umgang mit Alkohol pflegen. Dort sind gute Menschen dabei, die man über die Jahr lieb gewonnen hat und die einen akzeptieren so wie man ist. Ich bin der Meinung, dass sich das Verhältnis zu Trinkkumpels ohnehin schnell auflöst (aufgelöst hat). Bei den normalen Menschen (man hat ja nicht nur Trinkkumpels) wird sich zeigen, ob sich das Verhältnis untereinander verändert. Einer fragte mich z.B., ob es Ok sei, wenn er in meiner Gegenwart eine Flasche Bier aufmacht. Das bejahte ich. Warum soll er darauf verzichten, nur weil ich ein Alkoholiker bin? Ich bin mir bewusst, dass ich hierfür zusätzliche Konzentration benötige, um wachsam zu sein. Die Treffen strengen mich in der Regel auch mehr an. Ich benötige die Treffen aber um sozial nicht völlig zu veröden. Nunja. Wie gesagt schwierig für einen selbst, aber aus meiner Sicht ein Grauzonenrisikobereich. Kurz: Risiko ja, aber Balsam für die soziale Seele.

    Viele Grüße

  • Hallo kamarasow,

    Du schreibst:

    Zitat

    Ich bin der Meinung, dass sich das Verhältnis zu Trinkkumpels ohnehin schnell auflöst (aufgelöst hat).
    Bei den normalen Menschen (man hat ja nicht nur Trinkkumpels) wird sich zeigen, ob sich das Verhältnis untereinander verändert.
    Einer fragte mich z.B., ob es Ok sei, wenn er in meiner Gegenwart eine Flasche Bier aufmacht.
    Das bejahte ich. Warum soll er darauf verzichten, nur weil ich ein Alkoholiker bin?

    Da frage ich mal ganz schlicht:
    Und was wäre, wenn Du gesagt hättest, das es für Dich nicht okay ist, wenn er sich gerade jetzt in Deiner Anwesenheit ein Bier aufmacht?
    Meinst Du nicht, das er Dir zuliebe drauf verzichtet hätte?

    Meinst Du vielleicht, das Du ihn damit einschränkst?
    Und könnte es sein, das man sein eigenes Denken aus der nassen Zeit auf jemand anderen projeziert?
    Für uns wäre es doch undenkbar gewesen, wenn wir wegen jemand anderen aufs Saufen hätten verzichten sollen.
    Da hätten wir doch gleich lautstark protestiert und rumgetönt, das der andere doch n Problem mit Alk hat... und was habe ich damit zu tun ??

    So, nun schreibst Du aber, Dein Gegenüber hat eher einen unproblematischen Umgang mit Alk. So lese ich das zumindest heraus.
    Dann ist seine Denke aber auch ganz anders und er wird das wahrscheinlich gar nicht als Verzicht sehen ! :idea:
    Ich finde es grundsätzlich geradezu unfair, jemand anderen einfach meine eigene Denke überzustülpen (wenn auch nur insgeheim),
    anstatt einfach mal nachzufragen, wie er das denn sieht.
    Du hättest doch auch einfach mal fragen können, wie das für ihn wäre, wenn Du sagst, DAS es Dich stört.
    Vielleicht hätte Dich seine Antwort überrascht 8):wink:
    Manchmal trauen wir anderen einfach zu wenig zu.

    Ich finde, das meine Familie und meine Freunde sehr wohl auf mich Rücksicht nehmen können.
    Ich wäre im Gegenzug doch ganz selbstverständlich auch dazu bereit.
    Ich biete ja auch nicht n Kranken etwas an, was ihn gefährdet oder verhalte mich gefährdend.
    Und wir sind nun mal ALKOHOLKRANK.

    Zitat

    Ich benötige die Treffen aber um sozial nicht völlig zu veröden.


    Es wäre geradezu menschenverachtend, jemanden Treffen zu untersagen.
    Isolation ist sogar eine Foltermethode.
    Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen Kontakte zu anderen Menschen.
    Und ich bin die letzte, die was dagegen hat.
    Ich bin auch gern unter Leuten, mache gern was zusammen mit anderen und lache auch gern und habe Spaß mit anderen zusammen.
    Ich sag Dir mal was:
    Als ich noch gesoffen habe, war ich einsam. Ich habe mich selbst isoliert.
    Um in Ruhe saufen zu können.
    Aus Scham.
    Habe Treffen abgesagt, weil ich zu besoffen war, um Auto zu fahren.
    Und ich habe darunter gelitten.
    Nun kann ich wieder alles machen, was ich möchte... und ich freue mich immer noch darüber und nutze das auch.
    Aber mein Freundeskreis ist ein anderer geworden.
    Einsam hat mich das aber nicht gemacht, sondern nur ungemein bereichert.

    LG Sunshine

  • Guten Morgen Sunshine,
    zu deinem ersten Teil: Ich bin mir sicher, er hätte dann nichts getrunken. Mir ging es jedoch darum, dass sich wegen mir niemand einschränken soll. Ich will kein Mitleid und keine Rücksichtnahme. Hat derjenige Lust auf Alkohol, dann soll er machen. Im Grunde das Gegenteil von "jemandem seine Denke aufstülpen". Ich weiß nicht, wie du das bei mir herausgelesen hast.

    Zum zweiten Teil: Betrachtet man das Risiko, dann ist es gefährlich sich in Gesellschaft zu bewegen (reine Saufveranstaltungen ausgeklammert). Insbesondere am Anfang der Abstinenz. Auf der anderen Seite ist es auch gefährlich sich sozial völlig zu isolieren. Ab und an liest man als Empfehlung, sämtliche bisherige Kontakte zu meiden. Wie man es dreht und wendet, die Ideallösung gibt es vermutlich nicht. Das Maß, was man sich zutraut und verkraftet, muss wohl jeder für sich selbst herausfinden.

    Viele Grüße

  • Hallo Kamarasow,

    Zitat

    Wie man es dreht und wendet, die Ideallösung gibt es vermutlich nicht.


    Doch, die gibt es. Im Zweifel für die Trockenheit, also gegen das Risiko. Dazu müsste "man" es aber als solches (Risiko) akzeptieren.
    Das Risiko zu trinken, ist allein in einer alkfreien Wohnung ungleich niedriger, als in direkter Gesellschaft mit Alkohol konsumierenden Leuten. Da beißt die Maus keinen Faden ab.
    Du gehst es ein. Das darfst du natürlich!

    Zitat

    Warum soll er darauf verzichten, nur weil ich ein Alkoholiker bin?


    Genau. Der Alkoholiker bist du. Er muss/will/kann/soll nicht verzichten.
    Er bot von sich aus an, nicht zu trinken.
    Die Frage muss sein, warum du darauf verzichtest, die Zeit mit ihm alkoholfrei zu verbringen, obwohl er es anbietet?
    Für ihn scheint das Bier nicht unbedingt dazu zu gehören. Für dich offenbar schon.

    Zitat

    Grauzonenrisikobereich


    Dazu fiel mir dein Threadtitel ein. "Man" stolpert nicht über Berge, sondern über Hügel. Womöglich aber auch über die Verharmlosung von Risiken.

    Viele Grüße, Penta

  • Hallo Penta,
    mir liegt es fern das Risiko zu verharmlosen. Das Risiko ist mir bewusst. Meine Aufgabe ist es, wachsam zu sein und ein Gefühl und Strategien dafür zu haben, wann es zu viel ist.
    Gemäß der Theorie jedes Risiko zu vermeiden, dürfte man defacto gar nicht mehr aus dem Haus heraustreten. Weiterhin sollte man nur diejenigen Freunde/Bekannte haben, die keinen Alkohol trinken. Ist das der Weg? Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass Langzeittrockene ausschließlich Alkoholverweigerer als Bekanntschaft haben.

    Viele Grüße

  • Hmmmm... ich frag mal so, kamarasow
    Wärest Du denn bereit, auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen?
    Insofern, als das Du Dein Verhalten anpasst, wenn sie an einer lebensgefährlichen Krankheit erkrankt sind?
    Oder würdest Du sagen, mir doch egal... is doch ihr Ding.

    Falls Du bereit wärest, Rücksicht zu nehmen, warum kannst du dann anders herum nicht annehmen, das Menschen auf Dich Rücksicht nehmen würden?
    Darf man das als Mann nicht?
    Verletzt sowas das männliche Ego?
    Oder bist Du Dir selbst so wenig wert, das Du meinst, Du darfst sowas nicht erwarten?
    Da würde ich mal hinterschauen... warum Du das Angebot des Bekannten nicht angenommen hast, OBWOHL er es von sich aus angeboten hat.

    "Der andere soll meinetwegen auf nichts verzichten müssen".... hmmm... da steckt vielleicht noch anderes dahinter 8)
    Mal davon abgesehen, das es eben gar kein Verzicht ist für nicht alkoholabhängige Menschen.

    Ansonsten kann ich mich nur Penta und Karsten anschließen.
    Man stolpert tatsächlich eher über Hügel, und nicht unbedingt über Berge.
    Nur bestimmst nicht DU, was die Hügel sind und was die Berge, sondern die Krankheit.

    LG Sunshine

  • Hallo Kamarasow,

    Zitat

    Gemäß der Theorie jedes Risiko zu vermeiden, dürfte man defacto gar nicht mehr aus dem Haus heraustreten. Weiterhin sollte man nur diejenigen Freunde/Bekannte haben, die keinen Alkohol trinken. Ist das der Weg?


    diese Theorie, jedes Risiko zu vermeiden, kenne ich nicht. Ich kenne Risikominimierung.
    Sollte man? ... Freunde haben, die Alkohol vermeiden?
    Ich habe Freunde und auch Familie, die sehr wohl Alkohol trinken. Der eine oder andere vielleicht auch etwas viel, wie ich finde.
    Allerdings wissen sie, dass es bei mir keinen Alkohol gibt und ich mich vom Acker mache, wenn es zuviel wird. Ganz oft ist es aber so, dass ich mich nicht vom Acker machen muss, weil sie die Zeit mit mir ohne verbringen.
    Was sie tun, entscheiden sie allein. Und was ich tu, entscheide ich.
    Dir wurde angeboten, dass jemand nicht trinkt. Du hattest die Chance an dieser Stelle dein Rückfallrisiko zu verringern und hast es ganz bewusst nicht getan - deine Entscheidung.

    Alles Gute weiterhin,
    Penta

  • Hallo zusammen,
    in Zukunft werde ich es begrüßen, wenn mir jemand in meiner Gegenwart anbietet nichts trinken. Das war falsch.
    Rückfallgefährdet bin ich bis zum Tod. Die Entscheidung nichts mehr trinken zu wollen ist für mich das Wesentliche.

    Penta : Danke dir für die Zeilen. In dem von dir beschriebenen Ansatz finde ich mich wieder.

    Viele Grüße

  • Hallo Kamarasow,

    ich bin zum Beispiel psychisch so aufgestellt, dass ich manchmal gar nicht merke, wenn mir etwas nicht gut tut. Also, ich lasse es nicht zu, das zu merken. Das läuft ganz automatisch. Irgendwie bin ich jemand geworden, der die Erwartungen anderer versucht zu erfüllen - oder das, was ich dafür halte in meiner teilweise verqueren Innenwelt.

    Seit ich trocken bin, versuche ich, einige Automatismen zu durchbrechen, weil ich erkenne, dass mich auch dieses "nicht auf mich selbst achten" dazu hingeführt hat, im Alkohol einen Ausgleich, ein Ventil, irgendsowas zu suchen.

    Wenn ich jetzt mit jemandem zusammen bin, der Alkohol trinkt, dann versuche ich zumindest herauszufinden, ob es mir wirklich nichts ausmacht, oder ob ich nur will, dass es mir nichts ausmacht. Meist stelle ich fest, dass es mir doch was ausmacht. Und dann habe ich immer noch die Option, daraus eine Handlung abzuleiten oder eben nicht.

    Für mich ist die Entscheidung, nicht mehr trinken zu wollen, erst der Anfang.

    Viele Grüße
    Thalia

  • Hallo Forum,
    mir geht es gut. Der Urlaub war wunderschön - auch erstmalig seit vielen Jahren ohne Alkohol. Die Gedanken an Alkohol sind noch vorhanden, doch neu ist dabei ein Übelkeitsgefühl. Das kannte ich noch nicht.
    Nunja, auf Arbeit gibt es gerade viel zu tun. Wollte mich nur kurz melden.
    Viele Grüße

  • Zitat von kamarasow

    Die Gedanken an Alkohol sind noch vorhanden, doch neu ist dabei ein Übelkeitsgefühl. Das kannte ich noch nicht.

    Hallo!

    Die Gedanken kommen mir bekannt vor. Das einsetzende Gefühl der Übelkeit konnte ich an mir bislang nicht feststellen.

    Evt. hat aber das eine nichts mit dem anderen zu tun, sprich die Übelkeit hat ganz andere Gründe.

    Gruß
    Carl Friedrich

  • Hallo Forum,

    10 Monate sind rum und ich weiß nicht was ich schreiben soll. Am besten ist es wohl, einfach anzufangen. Man lernt viel über sich selbst in der Abstinenz. Irgendwie entdeckt man sich neu, weil man anders geworden ist. Hier bin ich mir nicht sicher, ob es daran liegt, dass ich biologisch oder durch den Suff älter - anders - geworden bin. Viele Dinge und Menschen bewertet man nun aus einer anderen Sichtweise. Man hat die gleichen Schwächen wie vorher, jedoch auch neue Stärken. Der Suff schien bei mir unbemerkt eine Depression / Burnout (bin nicht in ärztlicher Behandlung, deswegen fällt mir die Definition schwer) auszulösen, mit der ich mich immer noch etwas rumschlage. Es gibt Phasen, da ist auf einmal alles schlecht. Man kann es nicht erklären, aber was ich gelernt habe ist, diesbezüglich gelassen zu bleiben und sich da durchzuatmen. Die Phasen des "Niedergeschlagen-Seins" werden von Zeit zu Zeit seltener und kürzer. Während der Suff-Phase dachte ich, das sei der Kater. Nun bin ich mir sicher, dass ich auf die Niedergeschlagenheit gesoffen hatte und damit die Depression / Burnout katalysiert habe. Nach außen war das kaum wahrnehmbar.
    Zwei Begriffe haben für mich derzeit einen hohen Stellenwert: Gelassenheit und Entspannung. Der erstere Begriff klappt nicht immer, aber mittlerweile ziemlich oft. Dinge gelassen zu betrachten löst oft den Anspannungsknoten. Und von den Knoten gibt es viele, wenn man im Pegida-Town heimisch ist und sich mit Fremdenfeinden auseinander setzen muss. Der zweite Schwerpunkt ist Entspannung: Der ist noch ausbaufähig. Der Sport hilft mir. Oft ist es so, dass ich keine Lust habe, nach der Arbeit Sport zu treiben. Einfach anfangen hilft. Der nächste Tag läuft dann meist richtig gut.
    Was ich außerdem bestätigen kann, ist, dass der Alkohol mit fortschreitender Zeit in den Hintergrund rückt. Man verschwendet immer weniger Gedanken daran. Aber ich habe das Gefühl belauert zu werden. Wie so ein Tiger, von dem man im Dschungel nur seine Augen sieht und der nur auf den schwachen Moment wartet. Damit werde ich wohl in Zukunft leben müssen. Vielleicht gelingt es mir ihn einzuzäunen und ab und zu vorbeizugehen und ihm in die Augen schauen. Aus entsprechender Entfernung versteht sich - per Sie.

    Viele Grüße

  • Hallo Kamarasow,

    Zitat

    Aber ich habe das Gefühl belauert zu werden. Wie so ein Tiger, von dem man im Dschungel nur seine Augen sieht und der nur auf den schwachen Moment wartet. Damit werde ich wohl in Zukunft leben müssen.

    Vielleicht hängt das auch zusammen mit .....

    Zitat

    Der Suff schien bei mir unbemerkt eine Depression / Burnout (bin nicht in ärztlicher Behandlung, deswegen fällt mir die Definition schwer) auszulösen, mit der ich mich immer noch etwas rumschlage....

    ....und wird besser oder geht vorbei, bei weiterer Übung Anwendung deiner Hilfestellungen....

    Zitat

    Gelassenheit und Entspannung, nach der Arbeit Sport zu treiben,

    Mach einfach weiter und dann wird das schon !

    Und wenn nicht, dann kannst du das ja ändern:

    Zitat

    (bin nicht in ärztlicher Behandlung, deswegen fällt mir die Definition schwer)


    LG Slowly ( schreibfaul )

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