Adventszeit für Neutrockene - Erfahrungen / Tipps / Fragen

  • Thema: Erfahrungen, Tipps und Fragen rund um die Adventszeit für frisch trockene Alkoholiker

    Hallo,

    ich war noch nie ein besonders leidenschaftlicher Weihnachtsmarktgänger, aber ich erinnere mich an den November/Dezember 2013, als ich ganz frisch trocken war, und dass die Adventszeit besondere Hürden für viele frisch Abstinente bereit halten kann. Und so denke ich mir: Lasst uns doch mal berichten (diejenigen, die bereits Erfahrungen haben) oder fragen (diejenigen, die von den Erfahrungen profitieren wollen), was so anfallen kann in den kommenden Wochen.

    Ich habe meine Firmenweihnachtsfeier im ersten Winter meiner Trockenheit tatsächlich ausfallen lassen. Ich hatte Angst, dass ich zur Abmilderung der Anspannung, die solche Veranstaltungen für mich immer bedeuten, etwas trinken würde. Denn das war vorher mein Muster: soziale Unsicherheit wegtrinken. Bei mir war es also gar nicht der Verzicht auf’s ausgiebige „Feiern mit Alkohol“, sondern der Wegfall des „sozialen Schmiermittels“.
    Ich habe mich krank gemeldet am Tag der Weihnachtsfeier.

    Ich würde mich freuen, wenn dieser Thread für einen Austausch rund ums Thema „Adventszeit für frisch trockene Alkoholiker“ genutzt würde, und werde auch selber noch mal nachdenken, was ich aus meiner Erfahrung für wichtig halte.

    Allen einen schönen Tag!

    Viele Grüße
    Thalia

  • Liebe Thalia,

    Schön, dass Du zu diesem Thema einen Thread aufmachst:-)

    ja, bei mir wars ja auch ein Schmiermittel, um mir soziale Hürden wegzutrinken.
    Glühwein kam mir in meiner nassen Vergangenheit sehr gelegen. Mit Kollegen auf den Weihnachtsmarkt, da ist es nicht weiter aufgefallen, dass ich nicht nach zwei Tassen Stopp sagen konnte.
    Ob in der Weihnachtszeit oder auch nur so: Soziale Zusammentreffen, bei denen ich mich unwohl finde, meide ich. Ich habe letztes Jahr auch auf die Weihnachtsfeier verzichtet. Ich habe an den meisten Leuten kein Interesse, das über den Job hinausgeht, dann brauche ich auch solche künstlichen Treffen nicht. Ich würde mir schon zutrauen, dass ich das ohne Alkohol schaffen würde, aber warum sollte ich mir das antun wenn ich in der gleichen Zeit einen schönen Abend mit meiner Familie verbringen kann?
    Auf den Weihnachtsmarkt werden wir einmal mit den Kindern gehen. Haben wir letztes Jahr auch gemacht. Ich habe mich da vor allem auf das leckere Essen konzentriert und genossen, dass ich es genießen konnt, ohne an den ekligen Glühwein zu denken. Und es war schön mit den Kindern.
    Für mich ist entscheidend, mit wem ich Zeit verbringe. Fühle ich mich wohl mit Familie oder Freundin, dann sehe ich da auch keine Gefahr, was Alkohol angeht.
    Und Situationen, in denen ich mich unwohl fühle, die meide ich, wie gesagt.

    Bin gespannt, was andere noch schreiben.

    Liebe Grüße
    Calida

  • Weihnachtsmarkt war für mich in den letzten Jahren immer damit verbundenen, dass ich mir im Kreis von netten Leuten den Kopf mit Glühwein zugeschüttet habe. Mit Schuss, na klar.

    ich werde also in diesem Jahr nicht mit einem Kreis netter
    Leute auf den Weihnachtsmarkt gehen. Ich werde gar nicht gehen. Mich zieht nichts dahin, es wäre nur Rummel , kann ich super entspannt drauf verzichten.

    Ich hatte letztens kurz das Vergnügen an einem Rummel vorbeizulaufen. Die Glühweinwolke war sowas von eklig.... Da wusste ich, das ich das nicht brauchen werde. Gut so.

  • Zitat von lalu14

    Die Glühweinwolke war sowas von eklig.... Da wusste ich, das ich das nicht brauchen werde.

    Hallo!

    Das ging mir letztes Jahr genau so, als ich an unserem innerstädtischen Markt nur vorbei kam.

    Mal schauen, wie mein Körper dieses Jahr reagiert. Ich gehe mal davon aus, ebenso wie letztes Jahr.

    Fazit: Ein Weihnachtsmarkt ist nichts für relativ frisch Abstinente, weder allein, noch in Begleitung.

    Gruß Carl Friedrich

  • Guten Morgen,

    die Weihnachtszeit wird für einen frisch Abstinenten einiges an Kopfarbeit abverlangen. So zumindest mein Gefühl. Feste Mechanismen und Abläufe, wie der Wein zum Fest oder vorher der Glühwein auf Weihnachtsmärkten müssen angepasst werden. Ja vor allem auch die Firmenweihnachtsfeier.
    Und da landet man unweigerlich bei Karstens Frage. Ehrlichkeit zu sich selbst. Ich denke, dass nicht wenige Menschen nicht ehrlich zu sich selbst sind. Manche schaffen das ein Leben lang, ohne es selbst zu bemerken.
    Als Beispiel die Firmenweihnachtsfeier: Hand auf Herz, wer will schon mit seinen z.T. nervigen Kollegen oder auch seinen Chef freiwillig die Freizeit verbringen. Das ist doch alles Mumpitz. Einzig die Aussicht auf Alkohol lässt die Firmenfeier in einem guten Licht dastehen. Sozusagen ein schöner Anlass sich die Rübe vollzuschütten. Damit kommt auch kein schlechtes Gewissen auf, dass man wieder säuft. Denn es machen ja alle. Oder dann der Weihnachtsmarkt. Was sind denn Weihnachtsmärkte? Ein Ort der Völlerei und des Besaufens mit haufenweise Schnulli und wenigen handwerklichen Ständen. Der ehrliche Gedanke wäre: Dort gehe ich nur wegen dem Alkohol hin. Gemütliche, besinnliche und alkfreie Weihnachtsmärkte. Gibts sowas überhaupt? Es wäre überhaupt ein tolles Experiment, einen alkfreien Weihnachtsmarkt aufzumachen. Ob da jemand hingeht?

    Viele Grüße

  • .. noch eine Ergänzung: Ist ein Alkoholiker überhaupt fähig, ehrlich zu sich selbst zu sein? Also klar, indem was er tut? Zumindest merke ich nach 5 Wochen Abstinenz, dass das nicht so ist.

    Viele Grüße

  • Mir fällt noch was ein.
    Ich habe zur allgemeinen Weihnachtsfeier eine Alternative geschaffen: ein Essen mir nur zwei lieben Kolleginnen und mir. Da fühle ich mich wohl und die Sache passt. Davon abgesehen wird niemand von uns trinken, da wir alle noch Auto fahren müssen. Alles, was mich früher hat denken lassen: nüchtern ertrage ich das nicht, ist damit ausgeräumt. Morgen ist es soweit. Ich werde berichten, wie es war.

    LG - Calida

  • Hallo kamarasow,

    Zitat

    Hand auf Herz, wer will schon mit seinen z.T. nervigen Kollegen oder auch seinen Chef freiwillig die Freizeit verbringen. Das ist doch alles Mumpitz. Einzig die Aussicht auf Alkohol lässt die Firmenfeier in einem guten Licht dastehen.

    Also das kann ich jetzt mal nicht so verallgemeinernd stehen lassen :lol:
    In der letzten Firma, in der ich arbeitete, gab es viele enge Freundschaften, die außerhalb der Arbeitszeit bestanden.
    Da wurde viel zusammen gesportelt, und ich fand dort einen Fotofreund, mit dem ich mein Hobby teilen konnte.
    Es wurde sich ebenso gegenseitig beim Hausbau oder Renovierungen geholfen.
    Für mich war diese Erfahrung ganz neu, denn ich der vorherigen Firma waren Freundschaften unter Kollegen beinahe verpönt.
    (was man so gesehen dann auch als "Mumpitz" bezeichnen könnte :wink: )
    Ich fand es dann ganz erfrischend, das auch mal anders rum erleben zu dürfen.
    Kann das also nicht mit unterschreiben, was Du schreibst.
    Es kann auch ganz anders sein... kommt immer auf die Menschen und das Team drauf an :wink:

    Zitat

    Ist ein Alkoholiker überhaupt fähig, ehrlich zu sich selbst zu sein? Also klar, indem was er tut?


    Ist damit ein trockener oder nasser Alkoholiker gemeint?
    Ein nasser Alkoholiker wird sich oft selbst belügen, nicht nur die Angehörigen etc. Um weiter der Sucht frönen zu können.
    Unsere Krankheit bringt einfach im nassen Stadium Lügen mit sich, das ist sogar ein ganz typisches Symptom unserer Krankheit.

    Warum sollte ein trockener Alkoholiker nicht ehrlich sein können?
    Ich persönlich halte mich für relativ ehrlich.
    Und ich kann auch selbstkritisch auf mich schauen und auch mal sagen, "also neee, das haste aber echt nicht gut gemacht".
    Ich kann aber auch ebenso gute Leistungen und Eigenschaften an mir selbst erkennen und mich darüber freuen und stolz drauf sein.

    Zitat

    Ehrlichkeit zu sich selbst. Ich denke, dass nicht wenige Menschen nicht ehrlich zu sich selbst sind. Manche schaffen das ein Leben lang, ohne es selbst zu bemerken.


    Sich selbst zu belügen ist keine Straftat und somit völlig legal :lol:
    Und selbst wenn sich jemand ein Leben lang selbst belügen würde, darf er das.
    Wer bestimmt denn, was "sich selbst belügen" ist?
    Das eigene Verständnis der Dinge, und so sollen das andere gefälligst auch sehen und selbstverständlich auch leben? :wink:
    Das finde ich sehr anmaßend.
    Desweiteren hat jeder seine eigene "Wahrheit", seine eigene Realtät, in der er lebt.
    Es gibt nicht DIE allgemeingültige Wahrheit für alle Menschen !
    Wenn ich also finde, das sich jemand selbst belügt, ist das nur MEINE Ansicht. Und ab und an äußere ich das auch so :wink:
    Ich weiß aber zugleich, das der andere das evtl. völlig anders sieht und das auch so sehen DARF.
    Meine Meinung, meine Ansichten und meine "Wahrheit" muss nämlich noch längst nicht die Wahrheit für jemand anderen sein.

    Zitat

    Gemütliche, besinnliche und alkfreie Weihnachtsmärkte. Gibts sowas überhaupt?
    Es wäre überhaupt ein tolles Experiment, einen alkfreien Weihnachtsmarkt aufzumachen. Ob da jemand hingeht?


    Das ist wirklich ne tolle Idee, und ja natürlich würden da auch welche hingehen !
    Unserer Krankheit ist weit verbreiteit und es gibt auch viele trockene Alkoholiker.
    UND es gibt viele Menschen, die gar nix oder nur wenig mit Alk am Hut haben.
    Die würden da bestimmt auch hingehen.
    Unser Land besteht doch nicht nur aus nassen Säufern!

    Ich denke, da ist unsere eigene Sichtweise noch sehr eingeschränkt, solange wir noch trinken oder erst kurz abstinent leben.
    Wir wollten doch die anderen, die nix mit Alk am Hut haben, gar nicht sehen.
    Haben sie insgeheim sogar mitunter als Langweiler abgestempelt, nur weil sie nicht mittranken.
    Es gibt viele Menschen, die nix mit Alk am Hut haben, man muss nur mal genauer hinschauen. :wink:

    Von daher.... Ja, ich denke, auch ein alkoholfreier Weihnachtsmarkt kann erfolgreich sein. Muss nur ansprechend genug aufgezogen und beworben werden :)
    Ich muss allerdings dazu sagen, das ich nme Hobbyoptimistin bin :lol:

    LG Sunshine

  • Hallo Sunshine,
    zugegeben, etwas überspitzt formuliert war es schon. Wenn du der Hobbyoptimist bist, dann bin ich der Hobbypessimist :).

    Zu den Firmenfeiern der Weihnachtszeit: Es ist sicherlich so, dass man nette Kollegen, ja auch Freunde, dabei hat. Prozentual auf alle Weihnachtsfeiern betrachtet sind die vermutlich aber in der Minderheit. Und so bleibt es meist unterm Strich ein Besäufnis. Die Einschätzung beruht aber eher einem Gefühl bzw. Erfahrungswert. Über prozentuale Anteile lässt sich daher vermutlich durchaus streiten.

    Zum Alkoholiker: Ja, ich meinte einen nassen Alkoholiker.

    Zum sich selbst belügen: Klar, jeder kann sich seine Welt malen wie es ihm beliebt. Alles gut. Meine Aussage zielte eher auf den nassen Alkoholiker ab. Der Vorwände sucht, wie z.B. den Weihnachtsmarkt, um Alk zu konsumieren. Allen anderen, insbesondere auch seiner Familie, aber erzählt, wie schön besinnlich der Markt war. Man das wieder machen könnte. Gleich morgen. Denn da im hinteren Eck gab es ja noch die schönen Holzschnitzereien. Neben dem Glühwein.

  • Zitat

    Meine Aussage zielte eher auf den nassen Alkoholiker ab. Der Vorwände sucht, wie z.B. den Weihnachtsmarkt, um Alk zu konsumieren. Allen anderen, insbesondere auch seiner Familie, aber erzählt, wie schön besinnlich der Markt war. Man das wieder machen könnte. Gleich morgen. Denn da im hinteren Eck gab es ja noch die schönen Holzschnitzereien. Neben dem Glühwein.

    Ja verstehe.
    Darum hatte ich auch nochmal nachgefragt, ob es sich auf trockene oder nasse Alkoholiker bezog.

    Naja, ich kann da wenig mitreden, ich habe auch zu nassen Zeiten keine Weihnachtsmärkte besucht.
    Hatte nie Bock, da inner Kälte rumzustehen.
    Habe natürlich trotzdem gebechert, auch Glühwein... dann eben Zuhause.
    Und es war ja auch so "gemütlich"...konnte auch gleich am ersten Advent losgehen.
    Oder im September oder Oktober... :roll:
    Heute wird mir beim Geruch von Glühwein speiübel. Dieses Getränk ist von daher schon extrem abschreckend für mich.

    Ich freue mich trotzdem auch in diesem Jahr schon auf Weihnachten.
    Wir haben in unserer Familie längst neue Rituale entwickelt und mittlerweile gibt es auch 3 Enkelkinder. :)
    Bei uns wird Weihnachten ganz traditionell gefeiert, es gibt auch viele kleine Leckereien usw.
    Ich liebe die Beschaulichkeit um die Feiertage herum, die nicht erst künstlich durch Alkohol hergestellt werden muss.
    Und ich verbringe viel Zeit beim Spielen mit den Enkelkindern.
    So kanns meinetwegen bleiben :)

    LG Sunshine

  • Vielen Dank für dir Beteiligung! :)

    Häufig (auch potentiell bei mir) ist die (Vor-)Weihnachtszeit ja gar nicht so sehr von Lebkuchenduft und Kerzenschein geprägt, sondern von ganz viel Stress. Da "müssen" Geschenke gekauft, Adventskalender gebastelt, Rezepte herausgesucht, Wohnräume geputzt und weihnachtlich dekoriert werden usw., und bei all dem "muss" man fröhlich und besinnlich gestimmt sein. Ich übertreibe mal etwas. Aber auch ohne Glühweinschwaden ist alleine durch den erhöhten Stresslevel, den viele Menschen haben, der Alkohol näher als vielleicht sonst; die vermeintliche Entspannung, die er verschafft.

    Ich finde, es hilft, sich dies klarzumachen, wenn man vor der Entscheidung steht, "gehe ich mit den Kollegen auf den Weihnachtsmarkt oder nicht".

    Und ich finde auch, es kann überhaupt auch generell nicht schaden, sich mal zu fragen, wieviel "müssen" denn eigentlich sein muss, auch und gerade in der Adventszeit. Und das schreib ich mir auch ganz groß hinter die eigenen Ohren.

    Viele Grüße und einen schönen Sonntag!

    Thalia

  • Hallo!
    Ich wollte ja von meinem Kollegenessen berichten.
    Leider ist kurz vorher etwas passiert, das mir die Stimmung versaut hat. Ich fühlte mich den Abend benebelt als hätte ich getrunken. Ich war so sauer, dass ich mich da früher betrunken hätte. Und das hätte böse enden können. Es hat mir gezeigt, dass es nicht reicht, mich nur mit Leuten zu verabreden, mit denen ich mich wohlfühlen. Hinzu muss kommen, dass ich mich gut fühle. Sollte sowas noch mal so kommen, würde ich absagen, auch wenns doof für die anderen ist.

    Zu Thalia: ich hab eben schon Plätzchen gebacken. Einige dieser Bräuche machen mir auch Spaß. Damit ich nicht ständig muss, versuche ich anderswo kürzer zu treten. Keine Arzttermine im Dezember, keine Einladungen, die auch bis Januar warten können. Wenn das wegfällt, dann verfalle ich nicht so sehr in die Mussgedanken, Sonden genieße auch backen und Co.
    Liebe Grüße
    Calida

  • Noch ein paar Gedanken zum Trockenbleiben in der Weihnachtszeit.

    Ich hab jetzt gerade meine Einladung für eine Familienfeier fertig gemacht und dort auch das Menü vermerkt inklusive der (nicht alkoholischen) Getränke, die es bei mir geben wird. Da wurde mir klar, wie wichtig es ist, gerade am Anfang der Trockenheit, und gerade in der Adventszeit und zum Weihnachtsfest die Karten offen auf den Tisch zu legen. Denn bei vielen gehört Alkohol zum Weihnachtsmenü dazu, und wenn ich das anders handhaben möchte, sollte ich das auch rechtzeitig kommunizieren und mich nicht hinterher wundern, dass Onkel Tom und Tante Grethe mit Wein und Eierlikör vorbeikommen. Das ist meine Aufgabe, meine (Eigen-)Verantwortung.

    Ich kenne Menschen, die sich selbst nicht als Alkoholiker sehen, die es aber sehr schwer finden, Weihnachten ohne Alkohol zu feiern. Aber wenn ich für mich erkannt habe, dass ich Alkoholikerin bin, dann trage ich auch mir selbst gegenüber die Verantwortung, das Fest so zu gestalten, dass ich nicht kämpfen muss, um trocken zu bleiben. Die Zeit des Kämpfens ist vorbei.

    Das ist schwer, wenn dann jemand davon spricht, dass ich selbstsüchtig und egoistisch bin. Dann zu sagen: Ja, ich bin egoistisch, aber nur so egoistisch, wie es jeder sein sollte, damit die Gesellschaft aus gesunden Menschen besteht, das ist mir gerade am Anfang schwer gefallen. Keiner möchte doch "egoistisch' sein, und schon gar nicht ein gerade trocken werdender Alkoholiker, der sowieso oft noch mit schlimmen Schuldgefühlen belastet ist.

    Die Gefahr ist groß, dann zu sagen, ach komm, egal, serviere ich halt Alkohol, ich muss ihn ja nicht trinken. Die anderen können ja nichts dafür, warum sollen sie jetzt, da ich trocken bin, immer noch unter mir leiden, nur anders.

    Und dann steht da abends, wenn ich gestresst und vielleicht genervt, oder vielleicht auch nur fröhlich bin, ein halbleeres Glas Wein eines Gastes in der Küche, und zack, ist er drin. In mir. Und so weiter.

    Ich bin so froh, dass ich diesen inneren Kampf nicht mehr kämpfe. Das bin ich mir heute wert.

    Viele Grüße
    Thalia

  • Hallo Thalia,
    Danke für deine Zeilen.

    Hast du deiner Familie / Bekannten, die zu deiner Feier kommen, wirklich vorgeschrieben keinen Alkohol trinken zu dürfen?

    Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich Heilig Abend gestalten soll. Da erhalten wir auch Besuch. Gewöhnlich gibt es Bier und Wein zur Gans. Alle wissen auch über meine Absichten Bescheid. Dieses Jahr muss es daher irgendwie anders werden. Fraglich ist, ob die Einsicht bzw. Selbstreflexion bei allen Besuchern vorhanden ist. Die paar Stunden wird für einige sicher schwer (weil sie selbst unreflektierte Alkoholiker sind).
    Mein Plan ist, dass wenn einer schon unbedingt nicht darauf verzichten kann und will, er dann wenigstens vor der Tür oder der Terasse den Alk konsumieren sollte. Wie Raucher eben. Das Haus bleibt alkfrei. Punkt. Wer das nicht hinbekommt, soll zu Hause bleiben. Sinnvoll oder Blödsinn?

    Grüße
    kamarasow

  • Hallo kamarasow,

    Zitat

    Mein Plan ist, dass wenn einer schon unbedingt nicht darauf verzichten kann und will, er dann wenigstens vor der Tür oder der Terasse den Alk konsumieren sollte.

    wie soll das genau ablaufen, steht der Alk den ganzen Abend auf der Terasse und wer besorgt ihn überhaupt :?:

    Das Wichtigste ist aber dass wenn du jetzt bereits eine Ausnahme machst wird ruckzuck generell versucht bei dir zu trinken :!:

    LG Martin

  • Hallo Kamarasow,

    Danke für deine Nachfrage. :)

    Wenn ich Gastgeber bin, bestimme ich, was getrunken wird, und insofern schreibe ich das den Gästen vor, ja. Ich möchte mich bei mir zu Hause auch nicht mit Menschen umgeben, die (vorher/draussen/auf dem Klo) Alkohol trinken. Insofern wäre deine Variante B für mich derzeit nichts.

    Und stimmt, du kannst diese "Einsicht" oder Rücksichtnahme bei deinen Besuchern nicht voraussetzen. Ich seh es als deine Verantwortung (bzw, meine Verantwortung für mich), die Situation für dich zu gestalten.

    Klar, das bedeutet Änderungen. Vielleicht kommt jemand nicht, der wirklich nicht aufs Trinken verzichten kann.

    Dass ich trocken wurde, ist eine so große Veränderung, dass es zwangsläufig das ganze System, in dem ich mich bewege, verändert. Das System nicht zu verändern, obwohl ich mich verändere, bedeutet ewige Reibung.

    Wenn du Veränderung (Trockenheit) anstrebst, ist es wichtig, einige Weichen neu zu stellen.

    Viele Grüße
    Thalia

  • Hallo ihr beiden,
    ja, der Alk würde auf der Terasse stehen und die Frau kauft ihn. Wenns nicht alle wird, dann solls mitgenommen werden.

    Hm, irgendwie fühlt sich das alles halbherzig an. Ich werde die Gäste mal telefonisch vorbereiten. Wenn Weihnachten bei uns stattfinden soll, dann eben unter unseren Randbedingungen. Die paar Stunden werden sie aushalten müssen. So. Es muss mir egal sein, dass für sie Wein/Bier zu Weihnachten dazugehört.

    Danke euch.
    Viele Grüße

  • Zitat von kamarasow

    Ich werde die Gäste mal telefonisch vorbereiten. Wenn Weihnachten bei uns stattfinden soll, dann eben unter unseren Randbedingungen. Die paar Stunden werden sie aushalten müssen.

    Hallo!

    Du hast dir die erforderliche Antwort soeben selbst gegeben.

    An die Terrassennummer glaube ich nicht. Der erste wird jaulen, es sei so kalt draußen und schon hockt der schneller drin, als Du gucken kannst und zwar mit Glas in der Hand.

    Warum willst Du das Fest nicht komplett alk-frei gestalten? Wenn dann gewisse Gäste nicht erscheinen wollen, sollen sie doch woanders aufschlagen.

    Letztlich ist es deine Entscheidung, wie Du dein Weihnachten feierst.

    Nur solltest Du nicht den Fehler machen, zu sehr auf die Befindlichkeiten der Gäste zu achten. Die kommen zu dir und Du bist der Hausherr.

    An meinem ersten alk-freien Weihnachten (2015) hatte ich keine Gäste eingeladen. Warum: Um mich vor meinem blendend funktionierenden Suchtgedächtnis zu schützen. Das war genau die richtige Entscheidung. An Weihnachten hatte ich früher immer kräftig gebechert. Letzten Heiligabend stellte sich massiver Suchtdruck ein. Das entsprechend gepolte Hirn verlangte nach dem scheinbar edlen Festtagsstoff. Hätte ich da noch trinkende Gäste beherbergt, weiß ich nicht, ob ich standhaft geblieben wäre. Sicherheit geht vor.

    Gruß Carl Friedrich

  • Hallo Carl Friedrich,
    gänzlich ohne die Leute wäre irgendwie auch doof. Das alk-freie Fest wird also vorab per Anruf geklärt. Wer nicht spurt der bekommt vom Weihnachtsmann nur ne Rute. :)

    Grüße
    kamarasow

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