Fragen an einen Alkoholiker

  • Ich habe auch eine Frage: ab wann merkt man denn tatsächlich krasse körperliche Auswirkungen?


    Mein Ex Mann trinkt ja schon seit Jahren, das Augenweiß verfärbt sich langsam gelb, aber ich bin der Ansicht da müsste doch schon längst mehr negatives passiert sein. Vor allem bei täglichem Konsum.

  • ab wann merkt man denn tatsächlich krasse körperliche Auswirkungen?

    Hallo SummerSun,

    ich hatte schon lange körperliche Auswirkungen bemerkt und habe trotzdem weiter getrunken. Die Sucht hat es verlangt. Ich schlief jahrelang extrem schlecht, war ständig gestresst und getrieben.

    Sobald das Augenweiß sich gelb verfärbt ist ein sofortiges Handeln notwendig (Arzt). Gelbe Augen und Haut weisen auf eine starke Leberbelastung hin.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

    Trocken seit 11.07.2025

  • Ich habe mich da rausgenommen. Aber mich wundert es einfach, dass er noch keinen Einschlag spürt. Ich trinke ja selbst fast nur noch alkoholfrei, aber ich finde ein Getränk hat schon so starke Auswirkungen auf den Organismus.

  • Aber mich wundert es einfach, dass er noch keinen Einschlag spürt. Ich trinke ja selbst fast nur noch alkoholfrei

    Der Unterschied ist. Du bist nicht süchtig, er ist süchtig.

    Die Sucht überdeckt vieles. Beschwerden werden kleingeredet, Warnsignale übersehen und Gründe gefunden, warum alles noch gar nicht so schlimm ist.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Die körperlichen Auswirkungen sind sehr individuell. Meine Leberwerte waren in der nassen Zeit nur leicht erhöht und körperlich war ich fit- machte immer Sport.

    Erst im Nachhinein merke ich ein paar Dinge. Die ständige Gereiztheit, schlechter Schlaf, schlechte Haut und vor allem hatte ich Tränensäcke, die ich aufs Alter schob. Die sind komplett verschwunden.

    Viel schlimmer waren die seelischen Auswirkungen und die Unfallgefahr- das redete ich mir schön, obwohl es schon zu heftigen Stürzen gekommen war.

    Selbst manche Ärzte stufen Alkoholkonsum erst dann als alarmierend ein, wenn starke körperliche Symptome auftauchen- ich glaube das ist ein großer Fehler.

    Gelbe Augen sind wirklich ein Hinweis auf eine heftige Leberproblematik. Das darf man schon ‚krass‘ nennen.

  • Durch meine Krebserkrankung war ich immer medizinisch unter Kontrolle. Keine auffälligen Leberwerte, nichts.

    Stürze, manchmal Blackouts, Tränensäcke, die heute weg sind. Gereiztheit, mieser Schlaf, Unkonzentriertheit, soziale Isolation, Passivität.

    Irgendwie unter dem Radar geflogen. Es war aber nur eine Frage der Zeit, bis ich mich zu Tode gesoffen hätte. Vor allem mit den Medis. Gute Kombi, Medis und Alk!

    Aber nach Aussen: immer gut funktionierend 🥲

  • Tiramisu schmeckt auch ohne Alkohol super. Genauso wie Schwarzwälder Kirsch usw.
    Ich backe und koche nie mit Alkohol

    Hallo orangeblau,

    du bist selbst keine Alkoholikerin, sondern EKA. Deine Tipps, die für dich funktionieren, können für frisch trockene Alkoholiker der Einstieg in den Rückfall bedeuten.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ich danke euch. Ich finde es so spannend, was der Körper oder der Geist alles kompensieren kann, nur um nicht auf die eigenen Probleme schauen zu müssen.

    Und ich kann nur den Vergleich zu Hormonen herstellen. Beispiel Pille, davor nie große Probleme gehabt und nach dem Absetzen erst einmal gemerkt, wie sehr das Medikament beeinflusst hat.

  • Auch ich bin sehr lange "unter dem Radar geflogen". Von funktionierendem Alkoholiker halte ich auch nichts mehr. Nach außen habe ich wohl irgendwie funktioniert. Ich habe mich irgendwie durchgemogelt.Letztendlich eine Fassade.

    In meinem Umfeld war es normal, wenn die Leute " mal " über die Stränge geschlagen haben. Als Quartalstrinker fiel es mir auch nicht schwer, immer wieder Trinkpausen einzulegen. Wenn ich zur routinemäßigen Blutkontrolle muste, habe ich für 2-3 Wochen nicht mehr getrunken und die Werte waren ok. Ich konnte mich gut verkaufen.

    Ich habe meine Verpflichtungen irgendwie erfüllt. Im Nachhinein ist das für mich aber kein "Funktionieren",sondern ein duchmogeln. Ich habe alle getäuscht und mich am meisten. Typich Alkoholiker! Das ich Alkoholiker geworden bin, war mir schon lange klar. Jetzt nach 22 Monaten Abstinenz funktioniere ich endlich und nicht nur 40,30 oder sogar auch oft nur "0%??"!

    Es Ist natürlich auch eine fragwürdige Leistung trotzdem unter dem Radar zu bleiben.Beruf, Führerschein,Familie u.s.w. Aber es ist kein Grund darauf stolz zu sein. Es brauchte zum Schluss wirklich einen Tiefpunkt, der dafür sorgte, endlich die Reißleine zu ziehen und die Frage , warum nicht schon eher? Die Frage ist aber völlig unwichtig geworden. Besser spät als garnicht.

  • Es ist nicht immer der Alkohol selbst, der einen wieder zum Saufen bringt. Oft sind es die vielen Verknüpfungen, die man sich in der nassen Zeit aufgebaut hat.

    Alkoholfreies Bier, alkoholfreies Tiramisu oder Schwarzwälder Kirschtorte. Irgendwann taucht vielleicht der Gedanke auf: „Da fehlt doch was!“ Bei mir ist es beispielsweise Bitter Lemon.

    In einem anderen Thread habe ich geschrieben, dass ich gegen Ende meiner nassen Zeit morgens Blut und Galle gekotzt habe. Habe ich deshalb aufgehört? Nö. Da musste eben ein Konterbier her oder irgendein anderer Blödsinn.

    Wer das unbedingt an sich ausprobieren möchte, kann das natürlich tun. Ich brauche solche Feldversuche nicht mehr. Ich muss auch nicht herausfinden, wo meine persönliche Absturzkante heute genau verläuft. Es reicht zu wissen, dass sie da ist.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Bono59 wie hast du es denn geschafft "nur" Quartalstrinker zu sein? Ist das einfach normal gewesen oder war das notwendig um den Schein nach außen aufrecht zu erhalten? Waren die Trinkpausen zum Ende hin verkürzter oder gleichbleibend?

    Nich dein ernst,oder?

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Nich dein ernst,oder?

    Das ist mein Ernst. Und sollte nicht angreifend sein. Aber ich nehme einfach stark an, dass der Suchtdruck immer größer wird. Also auch die Cravings stärker und dementsprechend könnte ich mir vorstellen, dass es schwieriger wird Trinkpausen einzulegen. Das alles gleich schlimm und gleich belastend ist, möchte ich hier nicht in Frage stellen.

  • SummerSun ich persönlich kenne keinen der sich sein trinkverhalten ausgesucht hat. Ich war spiegeltrinker und hab mir nie den kopf darüber zerbrochen über das wie und warum. Da gehts auch nicht um trinkpausen oder mir irgendwelche hintertüren offen zu halten. Das ist sucht ...

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    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Ich hatte fälschlicherweise angenommen, dass man irgendwann noch mehr braucht und gar nicht ohne Pausen kann.

    alles gut SummerSun , ich hab das auch nicht persönlich genommen. heist ja nicht umsonst "fragen an einen alkoholiker".

    und ja du hast recht es wird über die jahre mehr und mehr alk. das ist leider das wesen der sucht und das was vielen dann das genick bricht wenn sie nicht den absprung schaffen. dann gehts nur noch bergab und dann hat man nichts mehr im griff.

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    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Das ist mein Ernst. Und sollte nicht angreifend sein. Aber ich nehme einfach stark an, dass der Suchtdruck immer größer wird. Also auch die Cravings stärker und dementsprechend könnte ich mir vorstellen, dass es schwieriger wird Trinkpausen einzulegen. Das alles gleich schlimm und gleich belastend ist, möchte ich hier nicht in Frage stellen.

    Hallo Summer Sun. Ich finde die Frage nicht abwegig. Viele können sich dieses Trinkverhalten nicht vorstellen, weil es prozentual nicht so häufig vorkommt. Zuallererst mal ein Quartalssäufer "also ich" kann nach einem Absturz problemlos Tage,Wochen,Monate das Trinken abbrechen ohne Saufdruck und irgendwelchen Entzugserscheinungen. Ausnahme natürlich "The Day after".

    Dann nach Wochen kommt dann wie aus heiterem Himmel ein Totalabsturz, der nach ein paar Tagen dann wie aus heiterem Himmel wieder bendet wird und das ganze beginnt wieder von vorn. Nach Jelinek als Delta -Trinker klassifiziert.

    Das können Viele natürlich nicht verstehen, weil die landläufige Meinung besteht, ein Alkoholiker müsse immer saufen. Kann sein, das sich der Körper bei einem Quartalssäufer in den längeren Pausen wieder gut erholen kann.

    Was ich sagen kann, ist, das mit zunehmendem Alter die Abstürze mehr wurden. Das alles Ist für die Vorstellung der Nichtalkoholiker nicht nachzuvollziehen, weil die landläufige Meinung ist, das ein "richtiger" Alkoholiker, abgesehen von kürzeren oder auch längeren Trinkpausen ständig saufen muss.

    Die Gefahr ist, das durch die oft langen alkoholfreien Zeiten, die Meinung, , so auch bei mir entstand, ist ja nicht so schlimm, ich muss ja nicht saufen. Das Entscheidende ist aber der immer wiederkehrende Konntrollverlust.

    Ein gutes Beispiel für einen Quartalssäufer ist Harald Juhnke. Werden sich noch einige dran erinnern. Fakt ist, das dieses Trinkverhalten auch NUR!! durch absolute Abstinenz gestoppt werden kann. Also bin ich bekennender Alkoholiker. Ich habe nur anders getrunken.

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