Es macht mich kaputt

  • Hallo ins Forum,


    eine ganze Weile lese ich hier mit, und habe mich kürzlich angemeldet. Ich kopiere ersteinmal meine Vorstellung, hoffe es ist korrekt so.


    Ich bin 51 jahre alt, Krankenschwester und seit 1,5 Jahren mit einem Alkoholiker zusammen ( Trias: Burn out, Depression, Alkohol). Er trinkt massiv viel Alkohol ( ca 3l -4l Wein + Hochprozentigem am Tag) Es beginnt morgens und dann Non-Stop. Irgendwann folgen dann etwa 10-12 abstinente Wochen. Dann ist es die schönste Beziehung, die ich jemals hatte. Der liebevollste Partner, kultiviert, charmant, aufmerksam. Machte mir einen Heiratsantrag, den ich annahm. Spricht über sein Inneres, dass der Alk ihm das Gefühl gibt, überlegen zu sein. Klaren Blickes und klaren Verstandes zeigt er sich einsichtig und verspricht, nie wieder solchen Exzessen zu verfallen Und dann geht es wieder los...
    Was mich zusätzlich tief verletzt: Er war 25 jahre verheiratet. Seine Ex ist wegen Co-Abhängigkeit in Therapie. Lässt ihn aber nicht wirklich los Wenn sie "einen im Tee" hat bombadiert sie ihn stundenlang mit Liebesbotschaften Und sobald er säuft, kontaktiert er sie auch wieder.
    Nach einer wundervollen trockenen Phase, in der er sogar einen Termin für eine Therapie suchte und fand , war jetzt vor Kurzem seine Scheidung durch. Das war der Starschuss zur neuen Sauf-Phase. Kaum aus dem Gerichtssaal raus, wurde die Buddel angesetzt. Er scheint sie zu lieben und mich zu benutzen. Ich kann nicht mehr und habe es beendet. Er reagiert regelrecht hasserfüllt, attackiert mich mit unmöglichen Dingen, unterstellt mir Untreue und Ähnliches. Ich habe es lediglich gewagt, ihn mit seinem Verprechen und dem Therapieplatz zu konfrontieren und gefordert, dass der Kontakt mit der Ex in der Form nicht stattfinden sollte. Ich hoffe, hier Unterstützung zu finden und vielleicht die Möglichkeit zu erfahren, was in ihm vorgeht. Ich möchte nicht in der Co-Abhängigkeit landen, wenn ich es schon bin, will ich da raus. Momentan bin ich durcheinander, verletzt und weiß gar nichts mehr- außer, dass es so nicht weitergeht.
    Danke fürs Lesen.


    Ich bin einfach nur verzwiefelt und endschuldige mich im voraus schon einmal dafür, dass ich wenig strukturiert schreibe, sondern einfach nur drauflos tippe. Meine Geschichte steht im kopierten Vorstellungsbeitrag.
    Momentan schickt er mich in ein Wechselbad. Wir haben nur schriftlichen Kontakt jetzt. Mal einsichtig, dann wieder eiskalt. Das kann mit jeder Zeile wechseln. Er gibt mir die Schuld für das Scheitern der Beziehung. Schiebt mir die Verantwortung in die Schuhe. Aber verdammt noch mal, es ist doch SEINE Entscheidung für die Flasche nicht meine. Sicher bin ich auch schwierig, aber das lässt sich doch nicht mit Alkohol kompensieren.
    Am meisten verletzt mich der Kontakt mit seiner Ex.Ich bin kein übermäßig eifersüchtiger Mensch, aber es geht mir zu weit. Während sie ihn in regelmäßigen Abstand mit Liebesbotschaften bombadiert, wenn sie voll ist, lässt er sie nicht in Ruhe, wenn er voll ist. Er schreibt zwar keine Liebesbotschaften, aber mit Mitteilungen, wie depressiv er doch ist und wie schön die alten Zeiten waren. Was ist das für eine Verbindung? ich fühle mich wie ein Bauernopfer in einem schlechten Schachspiel, das beide miteinander spielen. Habt ihr Erfahrungen damit? Wie muss ich das einordnen?
    Ich weiß, ich muss jetzt da raus. Gleichzeitig hoffe ich...wenn er nichts trinkt, dann ist es so wunderbar. Aber dann kommt irgendwann wieder das Monster namens Alkohol und ich habe nur noch Angst, was er ihr hinter meinem Rücken schreibt..zusätzlich zu den anderen Dingen, die wir alle kennen. Was soll ich denn jetzt tun? Er hatte schon einen Therapiplatz, den er jetzt absagen will. Alles nach der Scheidung. Was habe ich falsch gemacht. Man muss doch etwas Altes loslassen, um etwas Neues wachsen zu lassen. Warum reicht Liebe ( ich glaube ihm, dass er mich liebt) nicht aus?


    Gruß, Selene

  • Was muss denn noch erst alles passieren, Selene, ehe Du die Sache endgültig aufgibst und Dich wieder ausschließlich Deinen eigenen Belangen widmest?
    Die Sache mit dem Alkoholkranken XY ist doch aussichtslos, also lasse mal lieber los und lass ihn machen, was er lustig ist.
    Und noch eine Sache:
    Alkohol verändert einen Menschen nicht völlig, also glaube mal nicht, Du bekommst ohne die Sauferei einen Menschen, der das alles nicht mehr tun wird, was er so tut.
    Bestimmte Dinge sind einfach Charakterzüge und die ändern sich auch trocken wenig bis überhaupt nicht.


    Es macht auch überhaupt keinen Sinn, sich weiter den Kopf über ihn zu zerbrechen, denn das führt zu rein gar nix.


    Zitat

    Er gibt mir die Schuld für das Scheitern der Beziehung. Schiebt mir die Verantwortung in die Schuhe. Aber verdammt noch mal, es ist doch SEINE Entscheidung für die Flasche nicht meine.
    ....
    ich fühle mich wie ein Bauernopfer in einem schlechten Schachspiel, das beide miteinander spielen


    Ist doch völlig egal, ob er Dir die Schuld zuschiebt, und wenn schon, na und?
    Dann lass ihn doch.
    Also ganz ehrlich, ich wäre lieber das "Bauernopfer" und ließe mir auch GERNE die "Schuld" am Scheitern der Beziehung zuschieben.
    Die Hauptsache ist nur, ich komme aus der Nummer so schnell wie möglich wieder raus.
    Alles andere ist nur verbrannte Lebenszeit, glaub mir das bitte.


    Du trägst auch keinerlei Verantwortung für ihn oder sonstwas. Das alles sind eh nur "Ausreden" eines CO, um nicht in die Handlung zu kommen.
    Dein Säufer weiß ja, wo es Hilfe gäbe. Was übrigens im Grunde auch jeder Alkoholabhängige weiß in der heutigen Zeit.
    So arg hat nämlich keiner das Hirn versoffen.


    Es liegt ganz allein an Dir, Selene, ob Du weiterhin das Spiel mitspielst.
    Es wird so immer auf ein Schachmatt hinauslaufen, und zwar hält er Dich mit den üblichen Manipulationen in Schach und Du wirst dabei immer matter!
    Denn die ganze Schei*e macht auch was mit Dir, sie brennt Dich aus, macht Dich fix und fertig und nicht wenige CO-Abhängige zeigen auch psychosomatische Auffälligkeiten.
    Der Titel hier heißt ja sogar "Es macht mich kaputt".
    Und das stimmt auch so!


    Also mach Nägel mit Köpfen, breche den Kontakt ganz ab und geh Deinen eigenen Weg weiter.
    Es gibt genug sehr nette Männer, die nicht Saufen müssen und mit denen man sich wirklich eine tolle Zukunft aufbauen kann.
    Dein Säufer gehört nicht dazu, und das sollte Dir auch langsam mal klar werden, bzw. ist es das ja auch schon, nicht wahr?


    LG und ein schönes Osterfest, in dem Du Dich ausschließlich um DICH kümmerst wünsche ich Dir.
    Und NEIN, es muss nix mehr geklärt werden, es braucht kein abschließendes Gespräch mehr, und auch keine weiteren Whatsapp-Nachrichten, die Dich an dieses unsägliche Karussell der Abhängigkeiten ketten.
    Es liegt nur an Dir, auszusteigen. Niemand zwingt Dich, weiter mitzufahren.
    Und es ist oft im Leben so, das Dinge keinen Abschluss haben, davon geht weder die Welt unter noch man selbst wird davon sterben.
    Es ist eher der normale Ganz der Dinge, und darum darf man das auch ruhig mal so akzeptieren.
    Desweiteren sind auch das alles nur Ausreden (die Sache mit den abschließenden Gesprächen und dieser ganze Unsinn), um weiter seiner eigenen Sucht zu frönen, und die heißt CO-ABHÄNGIGKEIT!


    Mich erstaunt übrigens immer wieder, wie sehr CO-Abhängige selbst in einer tiefen Abhängigkeit stecken, die sie aber völlig anders einordnen (wenn überhaupt) als die Alkoholabhängigkeit des Partners, Angehörigen oder Whatever.
    Dabei sind die Parallelen beinahe unübersehbar, und das Hauptmerkmal ist für mich, das ein CO-Abhängiger genau so lügt wie ein Alkoholabhängiger.
    Es wird alles abgewiegelt, die engsten Verwandten werden geradezu hemmungslos belogen, um den Säufer zu decken und die eigene Misere zu verharmlosen.
    Und man belügt sogar sich selbst.
    Wo ist da noch der Unterschied zu einem Säufer, frage ich mich oft?
    Ich habe das alles selbst im engsten Familienkreis miterleben müssen, und es tut unglaublich weh, derart belogen zu werden.
    Und es tut auch weh, zuzuschauen, wie jemand für einen anderen Menschen sein eigenes Leben wegschmeisst, leidet und am Ende selbst körperlich und psychisch krank wird.
    Mich hat das hilflos und auch letztendlich ratlos gemacht, und meine einzige Möglichkeit war am Ende, mich da völlig rauszunehmen, weil ich sonst noch größeren psychischen Schaden genommen hätte als eh schon eingetreten.


    LG Sunshine (trockene Alkoholikerin)

  • Zitat

    Momentan schickt er mich in ein Wechselbad.


    Nur, wenn Du Dich schicken LÄSST, Selene !!
    Du bist ja nicht seine Gefangene noch musst Du irgendwelche Wechselbäder nehmen, die er Dir einlässt.
    Du bist doch kein hilfloses Opfer, also lass Dich auch bitte nicht dazu machen, indem Du weiter zur Verfügung stehst für Spielchen, wie er sie nun mal treibt.


    Es liegt einzig und allein an Dir, wie lange Du dieses Affentheater noch mitmachen möchtest!
    Hör auf, Dich in einer Opferrolle zu suhlen, komm in die Handlung!


    LG Sunshine


  • Danke Sunsheine für deine schonungslosen, hilfreichen Worte.
    Ich habe das Bedürfnis, eines zu korrigieren: Ich habe ihn nie gedeckelt und mein Umfeld nie belogen. Ihm nie Dinge abgenommen oder für ihn geregelt. Die Misere nie verharmlost
    Mich selbst habe ich belogen- oder gehofft, dass Liebe ( wie liebt ein nasser Alkoholiker?) etwas bewirkt. Eine sehr naive, romantisierte Vorstellung, die vermutlich viele Co-Abhängige teilen.


    Ob seine mails im Suff letzendlich der Enthemmung geschuldet ist oder einer Veränderung seines alkoholgeschwängerten Empfindens, ist tatächlich egal. Geschrieben ist geschrieben mit allen Konsequenzen. Ich versuche etwas zutiefst Verletzendes mit Alkohol zwar nicht zu rechtfertigen, aber zu erklären und stoße an meine Grenzen. Und das ist der Punkt, an dem ich gehen muss. Und das tut höllisch weh. Zu wissen a) Nichts war ich für ihn, nur Ablenkung für seinen Schmerz, ein Trostpflaster, Helfersyndrom gleich gratis mit und b) nichts kann jemand tun, um den Trinker zur Umkehr zu bewegen.

  • Hallo Selene,


    es kann sogar sein, dass er Dich nicht nur benutzt und liebt. Aber was ändert das? Mit einem Alkoholiker kann man nicht glücklich werden und man kann ihm auch nicht helfen.


    Und ganz ehrlich gesagt, seid ihr ja noch gar nicht lange zusammen. Wie soll es erst später werden, wenn die erste Verliebtheit vorüber zieht? Ich kann Dir nur sagen, dass Alkoholiker sich in der Abwärtsspirale befinden. Die Respektlosigkeiten nehmen zu. Die Demütigung wird größer, die Enttäuschung auch.


    Der Trennungsschmerz ist erst einmal schlimm. Aber es wird besser und zwar schneller als Du denkst!


    LG Cadda


  • Danke, @Cadda...ich will diese Sache auch nicht Jahrzehnte mitmachen..


    Was mache ich, wenn er mir jetzt verichert, die Therapie zu machen? Soll ich sagen " komm wieder, wenn Du therapiert bist, und wir sehen, ob Du clean bleiben kannst". Soll ich bleiben und ihn bestärken und unterstützen? Wie gehe ich mit den seelischen Grausamkeiten um, die geschehen sind.
    Es ist das erste Mal, dass er eine Therapie wegen Alk macht. Ich fühle mich so hilflos, nicht zu wissen, was ich tun soll. Ich habe selbst erst im Mai einen Termin bei Fachleuten. Er jetzt nächste Woche wegen Traumata und Alkohol.

  • Hallo Selene,


    wenn ich ehrlich bin, brauchst Du Dir über die Vorgehensweise glaube ich gar nicht so lange Gedanken machen. So wie ich es rausgelesen habe, will er diese Therapie doch eigentlich nur antreten, weil es von ihm gefordert wird. Das ist eh zum Scheitern verurteilt. Wenn man wirklich trocken werden möchte, dann möchte man selbst von ganzem Herzen etwas ändern. Dabei spielt es dann auch keine Rolle, ob jemand bei einem ist, um einen zu „unterstützen“ (wie??) oder nicht. Man hat einfach das Bedürfnis, das Verlangen nicht mehr zu trinken. Das hat man dann, egal ob jemand nun bei einem bleibt oder nicht.
    Wie willst Du da unterstützen? ER muss verändern. ER muss den Willen haben.


    Ich habe bei meinem Ex versucht, zu unterstützen. Ich bin selbst Alkoholikerin, seit bald 4 Jahren trocken. Bei der Trennung habe ich aufgehört zu trinken. Er wollte es auch. Ich wollte ihn unterstützen. Habe mir den Mund fusselig geredet, stand ihm bei. Habe mein erlerntes Wissen hier aus dem Forum, vom Arzt und von meiner Therapie/Suchtberatung an ihn weitergegeben und zwar komplett. Ich bin darin sogar ganz gut, ich bin wirklich Hobbypsychologin :-D
    Er hat es in der Theorie komplett verstanden. Konnte alles nachvollziehen, wollte es so gern. DAS wäre wirklich unterstützend gewesen. Wir haben uns geliebt. Keine Untreue, keine fehlende Leidenschaft. Wir hatten gemeinsam diesen Weg gehen können. Mehr Unterstützung ging nicht. Er säuft heute noch........


    Was ich damit sagen will: Du kannst nichts tun. Die Mühe ist verschwendete Energie. Du kannst Dich selbst nur schützen und retten vor den Verletzungen.


    Wie es mit ihm weitergeht und OB es überhaupt vorwärts geht, das kannst Du aus der Ferne beobachten. Aber bitte versuche nicht, ihn zu überzeugen. Das raubt so sehr die Energie und zwar umsonst. Ich fühle mich heute noch ausgelaugt, wenn ich daran denke, wie sehr ich mich bemüht habe. Während ich das schreibe, säuft er vermutlich gerade sein erstes Konterbier ;-)


    Es ist sooooo befreiend, ein Leben ohne Alkoholiker zu führen.


    LG Cadda

  • Cadda, @sunshine: ich habe in diesem Forum vieles gelernt. Leider unterstreicht alles die Hilflosigkeit. Ich habe geglaubt, dass ein Halt oder ein Ziel, eine Aufgabe, den Wunsch aufzuhören, verstärken, vielleicht sogar initiieren könnte. Der berühmte Tiefpunkt, an dem Alkoholiker aufhören wollen, wird bei ihm nie eintreten. 1) Seine finanzielle Situation wird ihm immer erlauben, seinen Alk zu kaufen und 2) seine körperlicher Zustand wird sich durch seine Trinkpausen immer wieder erholen. Mit der Absolution der Ärzte in der Tasche- die natürlich nur nach wochenlanger Abstinenz besucht werden- geht es dann weiter. Der periodische Alkoholismus ist so tückisch. Er gestattet nicht nur Selbsttäuschung, sondern auch Täuschung gegenüber behandelnden Ärzten. Und wie ein Köder wirken diese abstinenten Phasen auf den liebenden Partner.
    Noch befinde ich mich im Prozeß der Loslösung. Das geht nicht auf Schalterdruck.

  • Hallo Selene,


    Zitat

    Was mache ich, wenn er mir jetzt verichert, die Therapie zu machen? Soll ich sagen " komm wieder, wenn Du therapiert bist, und wir sehen, ob Du clean bleiben kannst". Soll ich bleiben und ihn bestärken und unterstützen? Wie gehe ich mit den seelischen Grausamkeiten um, die geschehen sind.


    Ich stecke nicht in Deinen Schuhen, ich bin Deinen Weg nicht gegangen. Ich kann Dir erzählen was mir geholfen hat (das ist mir aber alles erst im Nachhinein bewusst geworden, in der akuten Situation bin ich damals auch mehr schlecht als recht durch's Leben gestolpert). Abstand war für mich das Zauberwort. Ich war damals 42 Jahre alt und 20 Jahre mit meinem Mann verheiratet. Ich brauchte Zeit für mich, die ich in seiner Nähe nicht bekommen konnte, da ich durch unser "normales" Leben immer wieder den Kämpfen ausgesetzt war. Ich selbst war ja auch nicht gesund (ich meine meine Co-Abhängigkeit). Ich war an einem Punkt wo mir klar wurde: entweder ich mach so weiter und geh an seiner Seite langsam unter oder ich muss was grundlegendes ändern. Ich hab mich für eine Trennung entschieden. Mir war erstmal egal, was aus unserer Beziehung wird, ich musste da nur erstmal raus, damit ich zur Ruhe komme und mich um mich selbst kümmern kann. Dieses sich um mich Kümmern war enorm wichtig für meine Entwicklung. Ich hatte Zeit für mich, rauszufinden, was ich wollte, schiefe Sichtweisen wieder gerade zu rücken, Hobbies neu entdecken und mein Selbstwertgefühl wieder zu entdecken und zu stärken. Das ging nicht geradlinig, es war eine Zeit voll widersprüchlicher Gefühle und mein Mann hat mich nicht einfach so ziehen lassen, aber ich bin diesen Weg gegangen und es war das Beste was ich tun konnte - allein anfangen gesund zu werden. Kümmere Dich um Dich selbst, sorge dafür, dass es Dir gut geht. Was Dein Partner macht, ist seine Sache. Du kannst Dir das doch erstmal von Weitem anschauen, wie er sich in seiner Therapie entwickelt, ob er das wirklich ernst meint und Du brauchst Dir nicht seinen Kopf zu zerbrechen - dafür hat er einen eigenen und er ist erwachsen.


    Ich wünsche Dir für Deinen Weg Mut, Kraft und Geduld


    sonnige Grüße
    Lütte

  • Zitat

    Der berühmte Tiefpunkt, an dem Alkoholiker aufhören wollen, wird bei ihm nie eintreten. 1) Seine finanzielle Situation wird ihm immer erlauben, seinen Alk zu kaufen und 2) seine körperlicher Zustand wird sich durch seine Trinkpausen immer wieder erholen. Mit der Absolution der Ärzte in der Tasche- die natürlich nur nach wochenlanger Abstinenz besucht werden- geht es dann weiter. Der periodische Alkoholismus ist so tückisch. Er gestattet nicht nur Selbsttäuschung, sondern auch Täuschung gegenüber behandelnden Ärzten.


    Dann ist das eben so, liebe Selene
    Ein Arzt ist nicht verantwortlich für das Tun eines Patienten!
    Ein Partner ist ebenfalls nicht verantwortlich für die Sauferei des Alkies!


    Ich habe es übrigens ebenso gemacht, habe am Ende sogar jeglichen Arztkontakt gemieden.
    Denn ansonsten wäre mein Alkoholismus evtl. raus gekommen.
    Und hätte mich evtl. unter Handlungsdruck gesetzt.
    Das wollte ich aber nicht!
    Ich wollte zu dem Zeitpunkt offenbar eindeutig weiter saufen, so würde ich das jedenfalls heute beurteilen.
    Damals hätte ich das aber sicher anders gesehen :wink:
    Denn Alkies sind nicht nur gut darin, anderen was vorzumachen, sie machen sich auch selbst gern was vor.


    Ärzte wissen übrigens oftmals anhand der Daten, ob jemand säuft. Da braucht es ja nur mal ein kleines Blutbild oder so.
    Und auch das Verhalten von Alkoholikern wird oft richtig gedeutet, jeder Arzt hat auch alkoholkranke Patienten, unsere Krankheit ist weit verbreitet.
    Aber was soll denn ein Arzt dagegen tun?
    Er ist da ebenso machtlos-oder hilflos wie ein Angehöriger, Freund oder wer auch immer...
    Ein Ansprechen macht die Sache vielleicht noch schlimmer, denn so meidet ein Patient erst recht den Arzt und er verliert komplett den Zugang.


    Es ist im übrigen so, das ein alkoholkranker Mensch um Hilfe bitten muss, es hilft nix, wenn ihm Hilfe aufgedrängt wird, das führt zu nix.
    Mir sagte mal ein Betroffener, das es erst soweit kommen musste, das er auf Knien bei seinem Arzt lag und weinte und um Hilfe bat, sofort in eine Klinik zu können zum Entzug.
    Erst an diesem Tag war er soweit, wirklich aufzuhören. Davor lagen Jahrzehntelanges Leid durch seine Sauferei.
    Und genau dann erst kann ein Arzt wirklich helfen, vorher hat er auch keine Möglichkeiten.


    Selene, höre auf, nach Verantwortlichkeiten für Deinen saufenden Ex? zu suchen, er selbst ist für sein Leben verantwortlich und niemand anderes.
    Und er darf es so gestalten, wie er das möchte.
    Wo es Hilfe gäbe, weiß jeder Säufer. Aber nicht jeder möchte auch Hilfe.
    Manch einer entscheidet sich ganz schlicht und ergreifend für die Sauferei und auch letztendlich fürs Totsaufen am Ende.
    Niemand kann etwas dagegen tun, und der Säufer darf auch saufen, er tut ja nix verbotenes oder illegales.
    DIR passt seine Sauferei doch nicht, für IHN ist alles okay!
    Entweder Du akzeptierst das und lebst damit oder lässt es sein.
    Ich kann nur ganz dringend dazu raten, es sein zu lassen!
    Ansonsten gehen nämlich 2 am Suff kaputt, es reicht schon, wenn sich einer dafür entscheidet.


    Zitat


    Noch befinde ich mich im Prozeß der Loslösung. Das geht nicht auf Schalterdruck.


    Das sehe ich nicht ganz so... :wink:
    Auf Schalterdruck wird es wohl nicht gehen, aber ich glaube auch ganz fest an Entscheidungen.
    Und die können einem ganz gewaltig das Leben einfacher machen.
    Triff eine Entscheidung für Dich, und dann halte Dich daran und gehe Deinen Weg entsprechend Deiner Entscheidung, möglichst ohne Dich nochmal (in diesem Fall nach dem Alkoholkranken) umzuschauen.
    Lasse keine Kontakte mehr zu, und zwar auf keinerlei Art.
    Sieh zu, das Du nichts mehr über ihn erfährst. Bitte andere auch, Dir nichts mehr über ihn zu erzählten.
    Du wirst sehen, dann fällt es viel leichter, loszulassen.
    Glaub mir, ich spreche da auch eigener schmerzhafter Erfahrung.
    Solange ich immer noch Kontakte zuließ, konnte ich mich von einem Ex-Partner nicht trennen, meine Gedanken waren immer wieder bei ihm.
    Bis er irgendwann das Fass mit seinem Verhalten zum Überlaufen brachte. Ich weiß nicht mal mehr, was es genau war.
    Da traf ich meine Entscheidung und ging, ohne mich nochmal umzudrehen.
    Und ab da war es eigentlich einfach...jedenfalls hundert mal einfacher als vorher, als ich noch Kontakte zuließ.
    Ich war schon nach einigen Wochen heilfroh, diese Entscheidung so getroffen zu haben, denn da merkte ich schon, was für ein unglaublicher Ballast immer mehr von mir abfiel.
    Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
    Und man sagt nicht umsonst, das sich eine andere Tür öffnet, wenn man eine hinter sich schließt.
    Bei mir hat sich das noch immer bewahrheitet!
    Aber erstmal muss man die eine wirklich endgültig zu machen.


    LG an Dich und viel Kraft und Entscheidungsfreude auf Deinem weiteren Weg!
    Sunshine

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