Ich fange jetzt mal an zu leben

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Die Freischaltung für den geschützten Bereich kann nach frühstens 4 Wochen erfolgen. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Ich möchte mir heute einfach mal was von der Seele schreiben: Ich habe vorhin die Stimme meines Bruders gehört, er hatte meinen Vater angerufen und ich stand in der Nähe. Mein Bruder und Ich wurden getrennt, als ich 8 Jahre alt war (er ist 5 Jahre älter) und meine Eltern sich geschieden haben. Mein Vater nahm mich mit nach Berlin, mein Bruder blieb in Süddeutschland bei meiner Mutter. Wir konnten nie ein gesundes Verhältniss zueinander aufbauen und irgendwann wurden auch normale Konversationen eher schwierig. Während ich die Alkoholsucht und Drogenexperimente mitgenommen habe, hat mein Bruder massive psychische Störungen mitgenommen. Ich brauchte beispielsweise mal dringend eine Unterkunft und er hatte zu diesem Zeitpunkt eine ungenutzte Mietwohnung. Er hatte mir ohne große Diskussionen den Schlüssel übergeben, aber diese Wohnung war fast das schlimmste was ich in meinem Leben gesehen habe - und ich habe jede Menge übles Zeug gesehen.


    Es gab zwischen dem ganzen Müll in der Wohnung exakt einen freien Pfad, den man noch nehmen konnte. Klar, irgendwie musste er ja noch vom Computer zur Toilette und zurück kommen. Zu der Zeit kam ich noch halbwegs zurecht und ich habe die Wohnung im Rahmen meiner Möglichkeit und mit Unterstützung eines Freundes zwar nicht grundsaniert, aber in einen deutlich besseren Zustand gebracht. Irgendwann brauchte ich die Wohnung nicht mehr, gab ihm den Schlüssel zurück. Tenor danach war: Ich hätte seine Wohnung verwüstet. Ich bin heute noch, nicht wütend, aber verdammt traurig wenn ich daran denke, wie kaputt das eigentlich alles war. Auch an das Lachen meiner Mutter erinnere ich mich noch, als ich sagte, dass ich die Wohnung nur betrunken aushalte. Das fand sie lustig, warum auch immer.


    Als wir uns ca. ein Jahr später, ich hatte dann was zur Untermiete in Berlin gefunden, wieder trafen und ich mir dabei ein Bier kaufte, da lag so viel Ekel in seinem Blick, kann ich gar nicht beschreiben, aber war schon richtig so. War dann auch erstmal unser letztes Treffen.


    Heute scheint er ganz gut zurechtzukommen. Er hat eine Frau gefunden, mittlerweile eine Tochter und einen ordentlichen Job. Solange das läuft, wird er zurecht kommen, da bin ich recht zuversichtlich, aber sollten die sich mal trennen: Der Sturz könnte sein letzter sein.


    Was mein Bruder bräuchte, wäre eine Therapie denke ich, aber darum soll es nicht gehen. Ich wollte mir das gerade wirklich nur von der Seele schreiben, weil das meine Gedanken sortiert und etwas von dieser tiefen Trauer, die ich irgendwo in mir wohl immer mitragen werde, ein Ventil gibt. Er ist mein Bruder, ein Mensch für den ich fast alles zu tun bereit wäre, aber gleichzeitig ist er mir immer fremd geblieben. Vermutlich wird es einfach Zeit für eine Aussprache zwischen uns, er muss furchtbar gelitten haben unter dem Alkoholismus meiner Mutter und der Behandlung durch deren geisteskranke Eltern. Die waren übrigens von Beruf Zahnärzte, was sie nicht daran gehindert hat, dem Kind Süßigkeiten zu geben, bis ihm die Zähne einfach weggefault sind. Das glaubt mir aus irgendwelchen Gründen nie jemand, aber es gibt Bilder davon und klar hat mein Bruder eine Macke weg, was seine Zähne angeht. Mittlerweile trägt er vermutlich zumindest ein Teilgebiss, aber das Reime ich mir nur zusammen, weil damals Gebisshaftcreme zwischen dem ganzen Müll in seinem Badezimmer lag.


    Abgesehen davon, geht es aufwärts. Ich bin immer noch etwas genervt davon, dass die Cannabisselbsthilfegruppe durch den Servercrash weg war, aber ich habe da Dienstag nochmal eine Chat-Beratung vereinbart. Ansonsten komme ich mit dem Entzug gut zurecht, hin und wieder denke ich dran was zu holen, ja, aber der Entschluss ist final. Gedanken stattdessen Alkohol zu trinken, bringen mich eher zum schmunzeln, weil die Vorstellung so bescheuert ist: Ich will gesund sein und mich nicht umbringen, folglich kann Alkohol keine Lösung sein. Alles andere kriege ich schon irgendwie geklärt, aber dorthin will ich nie mehr zurück.

  • Tag 408: So, das war's: Der letzte Kontakt ist blockiert, die letzte Nummer gelöscht und die Cannabis SHG hat mich auch genommen. Der Entzug ist durch, ich träume wieder und im Moment habe ich vor allem eins: So richtig die Schnauze voll.


    Ich habe mir jetzt über ein Jahr lang hier, da und dort Selbsthilfe gegeben, mich täglich mit dem Thema auseinandergesetzt und jetzt kommen die auch noch an mit "Ja, ohne Therapie wissen Sie ja gar nicht, warum Sie überhaupt getrunken haben? Das MÜSSEN Sie doch wissen!" Verdammt nochmal NEIN, muss ich nicht, irgendwann muss doch auch mal gut sein.


    Versteht mich nicht falsch, ich habe diese Angebote alle gebraucht und gerne genutzt, ich habe nur über eine Sache nie nachgedacht: Das damit irgendwann auch mal wieder Schluss sein muss. Nicht im Sinne von "Ich nutze jetzt gar keine Selbsthilfe mehr", sondern ohne mir da irgendwelchen Druck zu machen. Ich fang schon an Gespenster zu sehen vor lauter Selbsthilfe und hinter jeder Ecke lauert der Rückfall, der ja eh immer eine Armlänge entfernt ist (dieser Vergleich regt mich auf bis zum Mond und zurück): So kann man sich das Leben auch versauen. Indem man sich am Ende einfach gar nichts mehr zutraut, weil es könnte ja sein das und...nö, Schluss jetzt!


    Ich habe, im Gegensatz zu vielen anderen, eine komplett Drogenfreie Jugendzeit verbracht. Bei mir ging das erst mit 22 so richtig los, soll heißen, ich habe das durchaus gelernt, wie man zufrieden ohne Drogen und Alkohol leben kann und das in einem Alter, das für unser ganzes Leben so prägend ist, wie kein anderes. Ich muss das jetzt einfach mal runterfahren, sonst wird mir das zu viel, ist es ehrlich gesagt schon. Ich habe mich teils schon fast genötigt hier mitzulesen und zu schreiben, weil das ja dazugehört und was weiß ich, dabei war das nie die Intention. Ich wollte mein freies, selbstbestimmtes Alkoholfreies Leben zurück, das habe ich schon längst. Das ich dazu jetzt auch noch Cannabisfrei sein möchte, ist ein Bonus, aber dafür hatte ich mich überhaupt nicht hier angemeldet und hätte deshalb auch niemals so ein Trara veranstalten müssen, wenn es mir damit nicht - da bin ich ehrlich - tatsächlich sehr schlecht gegangen wäre.


    Mein Verstand streikt: Er will sich nicht mehr mit Selbsthilfe beschäftigen. Ich dreh mich im Kreis und komme nicht mehr voran damit und das beste was ich im Moment tun kann, ist hier einfach mal auf Ausloggen drücken und dann einen Monat nicht mehr reinschauen. Nicht im Bösen, überhaupt nicht, aber es gibt mir einfach nichts mehr. Es belastet mich sogar und bei jeder Neuanmeldung habe ich das Gefühl ich müsste/könnte/sollte da doch jetzt unbedingt aufbauende Worte zu schreiben. Wieso eigentlich? Ich habe mich nicht hier angemeldet, weil ich anderen helfen möchte. Ich schreibe auch gerade keine Songs gegen Alkoholmissbrauch, weil ich damit anderen helfen will, sondern weil ich selbst eine Tonne zu verarbeiten habe.


    In dem Sinne: Ich bin hier erstmal raus. Ich werde im Zweiwochentakt bei den Anonymen vor Ort erscheinen, weil ich die Gruppe wirklich mag und mir die Leute gefallen. Ich werde auch das einmonatige Programm der Cannabisgruppe vermutlich durchziehen. Ich schreibe vermutlich, weil sich das mit Cannabis für mich ohnehin erledigt hat, da brauche ich keinen Anstandswauwau für und aus Höflichkeit da mitzumachen, nee, das klingt schon falsch.


    Ich mag viele Leute hier sehr gerne und ich will es nicht darauf anlegen, dass mir der Schädel platzt vor lauter nett sein und alles richtig machen wollen. Deshalb ist eine Pause gerade das beste, was ich tun kann.


    Macht's gut und bleibt trocken, ich schau hier morgen nochmal rein, aber dann für eine ganze Weile nicht mehr. Ich hoffe, ihr könnt das verstehen und falls jemand irgendwas in diesem Text findet, das ihn wirklich mit Sorge erfüllt, immer raus damit, ansonsten gerne einfach so stehen lassen. Vielen Dank.

  • hallo Lust for life

    Als du diesen Beitrag fertig geschrieben hattest und gepostet hast wie ging es dir da?

    Wahrscheinlich besser.das musste mal raus.

    Mir ging es vor kurzem auch so,als ich in mein Tagebuch reinschrieb.es erleichterte mich.

    Und mit dem möglichst viel mitlesen hab ich auch aufgehört. Das meiste ja,was mich nicht betrifft....klick und weg.

    Kann gut nachvollziehen das dann das Gefühl aufkommt,die Birne platzt.

    Kannst dir mal überlegen ob nicht ein Tagebuch nützlich sein könnte. Deins eben,zum liegenlassen von Gedanken und Frust und Freude zu teilen.

    Im geschlossenen Bereich gibts so gar ne Witz Ecke :) Rezepte und mehr. Also nicht nur Probleme und Sorgen.

    Bis demnächst

    Lg Bolle

  • "Ja, ohne Therapie wissen Sie ja gar nicht, warum Sie überhaupt getrunken haben? Das MÜSSEN Sie doch wissen!" Verdammt nochmal NEIN, muss ich nicht, irgendwann muss doch auch mal gut sein.

    Da ist was dran. Meine Therapeuten waren nicht in der Lage, den Grund für mein Versagen herauszufiltern, halt das typische multikausale Geschehen, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen, angefangenen bei einer familiären Prädisposition.


    Vielleicht kommt später ja noch mal der Punkt, an dem es Dich, nur das ist wichtig, interessiert, warum es so passiert ist. Dann kannst Du immer noch forschen.

    Ich fang schon an Gespenster zu sehen vor lauter Selbsthilfe und hinter jeder Ecke lauert der Rückfall, der ja eh immer eine Armlänge entfernt ist (dieser Vergleich regt mich auf bis zum Mond und zurück

    Wenn Du Dich von Suchtstoffen, so gut es eben geht, fern hälst, ist der Rückfall nicht wenige cm entfernt, sondern ziemlich weit weg. Ich nenne es Risikominimierung.


    Stell Deine Abstinenz für Dich, nicht für Dritte, an oberste Stelle. Gehe in Dich und sieh zu, dass Du von dem Gedanken Abschied nimmst, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Stoff. Die Abstinenz unter Vorbehalt stellen, lässt keinen langfristigen Erfolg erwarten.


    Ich fang schon an Gespenster zu sehen vor lauter Selbsthilfe

    Im Sport nennt man es "übertrainiert". Es ist wichtig, mit der Zeit das angemessene Verhältnis zwischen Vorsorge und normalem Leben zu finden. Zum normales Leben zählt für mich, nicht dem Alkohol und trinkenden Bekannten hinterher zu laufen. Treffen mit stark zechenden Leuten waren und sind für mich tabu. Ich halte so was nicht mehr aus. Allerdings habe ich mir den Respekt vor der Krankheit bewahrt, ich nenne es Respekt, andere Demut, mir ist dieser Begriff zu unterwürfig.


    Ja und dann muss der Proband einfach loslegen. Schwimmen lernt man nicht am Beckenrand, sondern nur im Wasser. Beachte die Grundbausteine hier und Du hast es selbst in der Hand, Dich zu befreien.


    Zum Schluss eine kleine Anekdote. 2 Polytoxikomanen aus meiner Anfangszeit berichteten mir jeweils in der Sommerzeit, dass sie keinerlei Verlangen nach Alkohol hätten, aber der Gedanke, einfach mal 'ne Tüte zu quarzen, käme öfter auf. Sie konnten den Qualmdruck abwenden, indem sie sich sagten: "Wenn ich jetzt nachgebe, fängt die ganze Schei... wieder von vorne an.


    Alles Gute wünscht

    Carl Friedrich

  • Ganz kurz noch, weil nur mit Emotes zu reagieren ist mir dann doch zu unpersönlich. An Bolle : Ja, da ist ein richtiger Knoten geplatzt danach, das wirkt jetzt noch und mir geht es hervorragend. Das mit dem Tagebuch finde ich auch gut, ich kann mich sogar noch mit Grausen an meinen letzten Tagebucheintrag vor einigen Jahren erinnern, da stand unter anderem: "Ich möchte nie wieder Rasierwasser trinken." Das sagt alles glaube ich.


    Und an Carl Friedrich : Den Vergleich mit dem am Beckenrand festhalten finde ich hervorragend, trifft es einfach und hilft mir weiter. Das mit Alkohol nochmal "was gehen" könnte, da mache ich mir keine Illusionen, ist nicht möglich, aber vor allem will ich es auch einfach nicht mehr. Alkohol wird mir auch zunehmend egaler und ist viel seltener in meinen Gedanken. Das ist ein gutes Zeichen.


    Allgemein noch: Das Leben ohne Kiffen schlägt das Leben mit Kiffen um Längen, in jeglicher Hinsicht. Dafür musste ich halt - logischerweise - erstmal mit aufhören, um das zu merken. Aber jetzt merk ich's und zwar sowas von :). Wochenende wird anstrengend, aber auch wunderschön, die ganze Familie ist da und ich bin völlig ausgelastet. So, jetzt bin ich aber wirklich erstmal weg.

  • Tag 420: Ich nehme Leute nicht ernst, die sagen sie wären zufrieden trocken, aber sich trotzdem noch mit Trinkern umgeben. Das halte ich für eine überaus vernünftige Entscheidung. Wer daran zweifelt, sollte sich vielleicht mal selbst fragen, ob er mich noch ausreichend Ernst nimmt. Gründe dafür mag ich genug geliefert haben, aber geschenkt, zum Thema:


    "So ein Graßentzug ist ganz einfach, hörste auf zu kiffen und nach vier Tagen ist gut." Ich weiß schon sehr genau, wen ich Ernst nehme und warum, und so einfach, wie das gerne mal vermittelt wird, ist diese Geschichte bei weitem nicht. Ich zähle bei den Tagen ohne Graß nicht genau mit, aber ich bin jetzt bei ca. 15 Tagen und hätte ich letzte Nacht wieder nicht schlafen können, denn wäre ich definitiv zum Arzt. Von zu viel Schlafmangel kann man nämlich durchaus wahnsinnig werden und ich habe ein recht feines Näschen für psychotisches Verhalten meinerseits. Von gestern auf heute konnte ich jedoch sehr gut schlafen und ich müsste damit jetzt in Phase 2 des Entzugs sein, der unter anderem von sehr wirren Träumen gekennzeichnet ist, aber das kann ich ab.


    Ich möchte übrigens niemandem auf die Füße treten, aber der Unterschied zwischen kalten und warmen Entzug besteht Großteils in der medikamentösen Unterstützung und das möchte ich nicht, wenn ich es vermeiden kann. Ist eine persönliche Sache, aber begleitet fühle ich mich hervorragend vor allem durch familäre Unterstützung.


    Ansonsten achte ich auf mich. Danke nochmal für die H.A.L.T. Regel, die ich hier aus dem Forum kenne, die hilft so gut wie immer weiter, wenn ich merke, dass ich mich irgendwie unwohl fühle. Gut, reicht erstmal für heute. Ich bin jetzt ohnehin regelmäßig wieder hier, vorausgesetzt das ist bei noch laufendem Cannabisenzug in Ordnung.


    Sollte sich jemand zu Recht wundern, warum ich anders schreibe, als man das von mir gewöhnt ist: Ich bin halt nicht mehr bekifft und das ist verdammt nochmal gut so.

  • Hallo Carl Friedrich,


    Knifflige Frage, tatsächlich sogar. Es geht mir nämlich mehr um die Situation, in welche man sich begibt, als um alles andere. Trinker sind für mich Leute, die auf Effekt trinken. Es soll auch Menschen geben, die tatsächlich um des Geschmacks Willen Alkohol konsumieren, beispielsweise Weißwein zu Fisch, soll ja ganz toll sein, war für mich aber noch nie nachvollziehbar, weil für mich Essen und Alkohol einfach nicht zusammenpasst.


    Um ein konkretes Beispiel für meine Aussage zu geben: Eine mir Bekannte Person (trockener Alkoholiker) gibt beispielsweise noch regelmäßig Vodkarunden in seinem privaten Umfeld, eben mit genau den Kollegen von damals. Da spielt es aus meiner Sicht keine Rolle, ob die Anwesenden Gästen nur an genau diesem Abend trinken und sonst keinen Alkohol konsumieren. Das Problem hat doch der Trockene und natürlich respektiere ich eine solche Person dennoch, wenn ich sie in der SHG treffe. Nicht ernst nehmen, ist vermutlich einfach die falsche Ausdrucksweise: Für mich ist ihr Weg nichts und ich kann ihn Null nachvollziehen, das trifft es viel besser. Aber naja, heute ist bei mir ohnehin so ein Tag, wo ich immer knapp neben dem lande, was ich eigentlich ausdrücken möchte, aber damit kann ich Leben :).

  • Es geht mir nämlich mehr um die Situation, in welche man sich begibt

    Meine Worte, ein Abstinenter hat auf einer Veranstaltung, auf der der heftige Konsum im Vordergrund steht, nichts verloren, er dürfte sich dort auch nicht wohl fühlen. Deshalb gehe ich da auch nicht hin.


    Eine mir Bekannte Person (trockener Alkoholiker) gibt beispielsweise noch regelmäßig Vodkarunden in seinem privaten Umfeld, eben mit genau den Kollegen von damals.

    Und eines Tages trinkt er dann aus purer Solidarität, aufgrund eines spontanen Verlangens oder weil es an ihn heran getragen wurde, er sei doch schon so lange trocken, da könne er doch mal wieder, einfach doch mal einen mit. Ich halte das für eine Hochrisikonummer, die im Rückfall enden kann.

    Da spielt es aus meiner Sicht keine Rolle, ob die Anwesenden Gästen nur an genau diesem Abend trinken und sonst keinen Alkohol konsumieren.

    Entscheident ist für mich, dass der Alkohol dort das wahre Bindeglied der Zusammenkunft zu sein scheint und nicht nur beiläufig mal 1-2 Gläser getrunken werden. Ich würde mich in der Runde nicht wohl fühlen und wäre schnell weg.


    Gruß

    Carl Friedrich

  • Aber um das Ganze noch mit dem angemessenen Ernst zu beantworten: Na klar trinkt so jemand irgendwann wieder. Ich sitze da nur daneben und schüttel innerlich mit dem Kopf, weil ich mich eigentlich nur wundere, warum er es nicht schon längst getan hat. Ich weiß nicht, was solche Leute sich beweisen möchten und deshalb verstehe ich nicht so ganz, warum sie dafür Zuspruch ernten. Auf der anderen Seite muss man sagen: Jeder Tag ohne Alkohol ist besser als mit - egal für wen, wenn du mich fragst. Der Allmächtige hat die kognitiven Fähigkeiten nun einmal nicht jedem gleich gegeben, trotzdem wird dieser Mensch sicherlich ein besseres Leben führen, als wenn er gar keine SHG besuchen würde und auch das ist in Ordnung.

  • Und nochmal ganz kurz, weil manche sich an einem Begriff wie "der Allmächtige" sicherlich stören: Ich hätte das natürlich auch anders ausdrücken können und schreiben, dass die Fähigkeit zur Selbsterkenntniss nun einmal nicht jedem im gleichen Maße gegeben ist und man nur mit dem Arbeiten kann, was man hat. Die Sache ist jedoch die: Ich nehme meine Religion durchaus ernst, nicht überzogen ernst, aber ernst genug um regelmäßig zu beten, im E-Mail Austausch mit einem Pfarrer zu sein, dessen Predigten ich sehr zu schätzen weiß und demnächst der katholischen Kirche hier zumindest mal eine Chance einzuräumen.


    Es ist nicht alles schlecht an der Religion und sie ist auch keine Krücke für Menschen, die zu faul zum denken sind. Es gibt, wie ich finde sehr seriöse Menschen, die gläubige Christen waren und sind. Manch einer wäre sicherlich erstaunt, wie viele Wissenschaftlicher überzeugte Gläubige waren. Einstein und sein Ausspruch "Gott würfelt nicht", ist da nur das populärste Beispiel.


    Um das nun zu schließen, der Hautgrund, warum ich dennoch vom Allmächtigen geschrieben habe, ist folgender: Gott die Ehre geben, wo sie ihm gebührt, ist eins der Gebote, die ich wirklich ernst nehme. Ich möchte jedoch niemanden hier missionieren. Mir ist vollkommen egal, an was irgendjemand glaubt. Wir sind alle aus einem Grund hier und der ist nicht, weil wir zu viel Schokolade gefuttert haben ;) .

  • So, eine Sache muss noch sein, da hilft alles nichts. Ich habe, als ich hier zum ersten Mal mein Glaubensbekentniss ablegte, einen gravierenden Fehler gemacht, für den ich dann wohl zu recht angefahren worden bin: Ich habe damals die Nachfolge Jesu Christi und das Freikommen vom Alkohol in einen Topf geworfen und dafür zu allem Überfluss auch noch die Bibel zitiert. Das war sehr dumm von mir, denn diese Dinge gehören überhaupt nicht zusammen. Da habe ich geistliches und weltliches vermischt, was dann tatsächlich stark wie Sektiererei wirkt, die arbeiten nämlich äußerst gerne so.


    Zur Klärung: Ich habe mich, durch eigene Kraft und Hilfe dieser Selbsthilfegruppe vom Alkohol lösen können und danach zum Glauben gefunden. Diese Zwei Dinge haben sonst nichts miteinander zu tun. Dennoch ist mein Glaube wichtig für meine Abstinenz, weil er mir dabei hilft, zufrieden mit dieser zu sein, er ist jedoch keine Bedingung. Andere Menschen finden andere Lösungen um zufrieden zu sein und auch das ist selbstverständlich völlig in Ordnung. So, das sollte dann jetzt aber wirklich erst einmal reichen zu dem Thema.

  • Hallo Lust for Life,

    Da war überhaupt nichts dummes dran aus meiner Sicht ! Und nichts wofür du dich entschuldigen musst! Die Nachfolge Jesu christi und das dadurch freikommen von Alkohol stehen in keinem Widerspruch!!!! Für dich nicht, für mich nicht, für meinen Mann nicht. Für viele andere ist das nicht so, aber für uns darf das so sein! Du hast nirgends geschrieben gehabt, dass es nur so geht, aber es kann und darf so gehen, und das finde ich extrem wichtig das hier festzuhalten. Mir hilft Gott und Jesus seit 11 Jahren in jeder Lebenslage, ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich bin und da stehe ich auch zu, ich glaube an das Leben in Fülle durch unseren Schöpfer und möchte auch nie wieder anders denken oder ungläubig sein.

    Und natürlich hat du es mit eigenem Willen und eigener Kraft geschafft, aber gestärkt und getragen durch Jesus Christus. So habe ich es damals verstanden und verstehe es auch heute noch. Warum ungläubige das nicht können, und dann mit Sekte kamen, ist für mich völlig klar, denn wer das nicht selber erlebt hat, kann es nicht nachvollziehen!

    Lieben Gruß,

    Blume


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    You can´t connect the dots looking forward. You can only connect them looking backwards.

    Steve Jobs

  • Für viele andere ist das nicht so, aber für uns darf das so sein!

    Es war aber nicht so liebe Blume. Ich hatte vielleicht eine Ahnung, aber noch keinen Funken Glaube in mir, als ich aufgehört habe mit dem Alkohol. Ich hatte noch nicht einmal eine Bibel zur Hand, die habe ich mir erst einige Monate danach bestellt. Niemand möchte oder kann dir deinen Glauben nehmen, wie auch mir meinen niemand nehmen wird.

    Die Nachfolge Jesu christi und das dadurch freikommen von Alkohol stehen in keinem Widerspruch!

    Richtig, aber ich habe das damals so hingestellt, als ob es dasselbe wäre und das ist es nicht. Zu Gott finden ist so viel mehr als nur mit dem Trinken aufhören, das können sich viele nicht vorstellen. Solltest du dir also Sorgen machen, dass ich die Bedeutung des Glaubens für mich schmälern möchte, dann kann ich dich beruhigen: Das Gegenteil ist der Fall und deshalb finde ich den Vergleich Rückblickend einfach nicht gelungen.

  • Hallo LfL

    Ich denke schon, dass ich alles ganz gut verstanden habe. In deinem Beitrag aus Februar steht auch nicht, dass du erst zum Glauben gefunden hat und dadurch dann trocken geworden bist. Absolut nicht. Im Gegenteil, genau das, was du heute versucht hast richtig zu stellen und ich aufgriff, steht da drin, nämlich dass du in den letzten Wochen zum Glauben gefunden hast und dieser dir dabei hilft, immer weiter und weiter trocken zu bleiben. Und das meinte ich, genau das finde ich wichtig festzuhalten, mit Gott an seiner Seite KANN man ( und ich verstecke mich bestimmt nicht hinter dem man, passt halt eben wieder dieses Wort, es ist ja schließlich dafür da, in angemessenen Situationen

    Benutzt zu werden) die Kraft bekommen, einen bestimmten Weg zu gehen.

    Und natürlich lässt sich der Glaube/zu Gott finden nicht nur auf alkoholsucht reduzieren, der Glaube ist sooooo viel mehr als dieses eine kleine Bruchstück. Aber ich habe aus deinem Beitrag überhaupt nicht lesen können, dass dein Glaubensweg nur was mit dem Alkohol zu tun hat. Aber wie dem Auch sei, es erschließt sich mir nicht, warum Du deinen Beitrag nun so anders empfindest, aber es ist nun auch egal.

    Alles Liebe weiterhin auf deinem Weg!

    Lieben Gruß,

    Blume


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    Steve Jobs

  • Tag 426: So, jetzt habe ich den Cannabisentzug langsam hinter mir. Manchmal habe ich noch etwas unerwartete Schweißausbrüche und ich träume seltsames Zeug, aber das ist ok. Seltsames Zeug träume ich ohnehin öfter mal, aber das ist eine etwas andere Art von Träumen, die ich hier nicht beschreiben kann, aber das ist ja gar nicht notwendig: In jedem Fall geht es mir blendend!


    Zahnarzttermin hatte ich mittlerweile den Dritten, ja, es geht ziemlich langsam voran, aber es geht voran und das ist das wichtigste. Da habe ich mich nebenbei bemerkt mit den Jahren auch ziemlich reingesteigert: So besonders schlecht sind meine Zähne gar nicht und so besonders schlimm ist so ein Zahnarzttermin nun auch wirklich nicht. So richtig unangenehm finde ich nur den Bohrer, der Rest ist dann doch eher harmlos. Betäuben mussten wir noch nichts, das kommt beim nächsten mal und am meisten Angst hatte ich übrigens, als es hieß: "Ich tupfe den Zahn jetzt mal mit Alkohol ab", aber nein, davon habe ich nichts gemerkt und es ist auch kein Suchtdruck entstanden.


    Viele Dinge bereiten mir Freude, meine Fitness steigt von Tag zu Tag und irgendwo im Hinterkopf plane ich nun auch mit dem Rauchen aufzuhören. Damit werde ich jedoch warten, bis es wirklich kalt geworden ist, denn mein Plan ist es, zunächst nur noch vor der Haustür zu rauchen und da werde ich dann im Winter schnell die Lust dran verlieren. Ich hoffe euch geht es ebenso gut und ihr könnt das Leben genießen. Das war es jedenfalls erstmal von meiner Seite aus für heute.

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