Lea .Hallo, ich stelle mich dann mal vor…

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Die Freischaltung für den geschützten Bereich kann nach frühstens 4 Wochen erfolgen. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo! Ich bin eine schon länger erwachsene Tochter von zwei Suchtkranken Eltern. Mein meist abwesender Vater, war definitiv Alkoholiker und wohl noch so einiges mehr. Meine Mutter hat gekifft solange ich denken kann, hat immer stolz betont das sie immerhin keine Säuferin sei und war meist mit ihren vielfältigen Dämonen beschäftigt. Inzwischen bin ich selbst Mutter von ganz wundervollen Kindern. Zu meinen Eltern besteht kein Kontakt mehr und Corona bedingt haben die Kinder auch praktisch keinen Kontakt mehr mit der Schwiegerfamilie. Die sind die Kontaktsperre nun aber langsam leid und genau deshalb habe ich mich heute hier angemeldet. Ich halte meinen Schwiegervater schon lange für einen Alkoholiker. Mir selbst tut der Kontakt nicht gut, aber ich suche Wege, wie ich den Kindern einen liebevollen Kontakt mit ihrer Oma ermöglichen kann. Brauche vielleicht auch Bestätigung, dass ich nicht nur aufgrund meiner eigenen Geschichte über reagiere… Brauche wohl irgendwie Austausch zu dem Thema!


    Vielleicht kann ich hier ja finden was ich suche.


    Lea

  • Hallo Lea,


    schön, dass Du hier hergefunden hast. Tut der Kontakt zum Opa denn den Kindern gut? Wenn Dir der Kontakt nicht gut tut, auch aufgrund Deiner Vorgeschichte, dann ist es ok sich abzugrenzen. Aber was ist mit den Kindern? Ist der Opa „anders“, merken sie ihm das an?

    Wie steht die Oma dazu?


    Wenn Du Dich gern austauschen möchtest, kannst Du für den offenen Bereich freigeschaltet werden.


    LG Cadda

  • Hallo Lea


    wir haben deine Bewerbung erhalten und ich schalte dich demnächst frei.


    Ich verschiebe dann deine Vorstellung auch in den zuständigen Bereich.


    Ist das ok für dich?

    Gruß Hartmut

    ---------------------


    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Na dann probiere ich nun mal aus…


    Hallo Cadda!


    Die Kinder haben Oma und Opa aufgrund von Corona ewig nicht gesehen und diese Ruhe habe ich sooo genossen.


    Vorher kamen sie gerade in ein Alter, in denen ihnen aufgefallen ist, das Opa anders ist. Mich macht das schon ewig irre, das Opa nie lange auf jemanden konzentriert ist. Ständig geht er raus zum Rauchen. Auch wenn die kinder warten oder er ausnahmsweise gerade mit ihnen spielt. Nun fragte ein Kind mich aber, direkt nach einem Besuchswochenende, völlig aus dem nichts „mag Opa uns eigentlich“ und begründete das dann mit dem dauernd weg gehen. Ich hab fix reagiert und die Sorge weg wischen können. Aber ich will nicht, das meine Kinder so ein Gefühl von Desinteresse vermittelt bekommen.


    Die Oma kann wirklich toll sein, genau das würde ich mir viel öfter für die Kinder wünschen. Sie kommt aber leider nicht alleine hier her. Dann wäre ihr Mann sauer, vielleicht lässt er sie auch gar nicht. Trotzdem wäre genau das mein größter Wunsch. Obwohl ich auch Angst habe, dass ich es mir nur schön rede. So nach dem Motto: ohne ihn wäre alles super. Aber in Wirklichkeit sind beide eher oberflächlich und wenig an echter Beziehung zu den Kindern interessiert.


    Wir leben weit weg und haben uns nie übermäßig oft gesehen. Deshalb denke ich auch manchmal, eventuell ist er nur ein sehr egozentrischer alter Mann. Den Alkoholiker habe ich ihm ja „attestiert“ und auch wenn mein Mann meint, könnte schon sein, dann ist es trotzdem ja vor allem so ein Gefühl von mir. Und der Umstand, das er hier teilweise sein Bier aus dem Kofferraum getrunken hat, so direkt zur Ankunft und vermutlich auch zwischendurch, wenn er rauchen ging. Da in der Familie aber grundsätzlich viel getrunken wird, sind die Grenzen so schwammig.


    Ich wünsche mir liebevolle Großeltern, auf die man als Kind bauen kann. Sie haben ja schon von meiner Seite nichts zu erwarten, deshalb hänge ich wohl so sehr an der Idee, es könnten wenigsten die anderen so sein, wie jedes Kind seine Oma und Opa verdient hat.


    Hier mach ich mal Stopp, es sind so unendliche viele Gedanken…

  • Hallo Lea,


    ich möchte Dir mal ehrlich antworten. Ihr seht doch die Eltern bzw. Großeltern eh nicht so oft. Findest Du es da wirklich so bedenklich, wenn die Kinder auch ihren Opa sehen, auch wenn er eine Art an sich hat, die vielleicht nicht unbedingt nachvollziehbar ist (Desinteresse zwischendurch)? Ich sage es mal so: Es gibt da Verhaltensweisen von Familienmitgliedern, die da wesentlich bedenklicher sind und vielleicht nicht mal was mit dem Alkohol zu tun haben. Ich will nicht an Deiner Wahrnehmung zweifeln, es mag ja sein, dass Dein Schwiegervater ein Alkoholproblem hat. Aber wirkt sich das wirklich auf die Kinder aus? Außer, dass sie fragen, ob es sein kann, dass der Opa sie nicht mag, weil er ab und zu mal verschwindet? Könnte man dann so reagieren, dass Du ihnen sagst, dass das eine nicht so schöne Eigenschaft vom Opa ist, es aber nichts mit ihnen zu tun hat?


    Ich kenne so viele Familien, wo der Opa oder die Oma oder sogar der Vater viel gravierendere Dinge tut, wo es wirklich zur Sorge der Kinder wird. Aber könnte es vielleicht sein, dass Du den Kindern mehr schadest, wenn sie ihren Opa nicht mehr sehen dürfen, als wenn sie ihn selten sehen und dann eben seine merkwürdige Eigenschaft einfach wahrnehmen? Es gibt immer Menschen in der Familie, die einem nicht so sympathisch sind. Aber ob das einen Kontaktabbruch zu den Kindern rechtfertigt?


    Ich möchte Dir mit meinen Gedanken nicht vor den Kopf stoßen, aber das ist so das, was mir ehrlich gesagt durch den Kopf geht.


    Wäre es eine Möglichkeit, mit Deinem Schwiegervater zu reden? Ihm einfach zu erzählen, dass die Kinder schon gefragt haben, ob er sie nicht mag und ob er sich deshalb etwas bemühen könnte, nicht mitten in einer Sache zu gehen? Vielleicht nimmt er sich das zu Herzen und wird ihm erst dann bewusst.


    LG Cadda

  • Du stößt mich nicht vor den Kopf, es geht mir ja genau um den Austausch und Anregungen.


    Ich will den Kontakt auch gar nicht ganz abbrechen, sondern bin auf der Suche nach Lösungswegen, wie man ihn zukünftig so gestalten kann, das es allen gut geht.


    Für mich war dieser erste Vorstoß/Zweifel der Kinder ein riesen Warnsignal. Mir selbst geht es mit Besuchen der Schwiegereltern nicht gut. Früher war das mal anders, aber spannender Weise hat mein Wohlbefinden innerhalb der Familie genau in dem Moment aufgehört, in dem ich als einzige komplett nüchtern durch Weihnachten oder andere Familien Feiern gegangen bin. Anfangs wusste ich gar nicht warum es plötzlich so anders war. Aber in dieser Familie wird sich die Harmonie einfach herbei gesogen.


    Nachdem wir hier einmal einen heftigen Streit hatten, konnte ich auch deutlich erkennen wieviel Aggressivität in meinem Schwiegervater steckt und es ist nochmal sehr viel zerbrochen.


    Es ist eben die große Frage, wie harmlos ist es, wenn wir Eltern das merkwürdige Verhalten von einem Opa entschuldigen und die Kinder zu Opa aufschauen. Ist das ein erster Schritt ihn zu decken… Wie entwickelt er sich in den nächsten Jahren weiter. Kinder haben so feine Antennen. Wenn er weiter heimlich aus dem Kofferraum trinkt, halten sie das dann für normal, akzeptiert oder vielleicht cool.


    Natürlich spielt meine eigene Geschichte da arg rein, aber fängt nicht jedes Drama irgendwann klein und vermeintlich harmlos an?

  • Hallo nochmal,


    ihr könnt den Kindern aber sagen, dass das nicht cool oder normal ist. IHR macht es denen ja anders vor.


    Guck mal, Deine Eltern sind abhängig. Du bist es trotzdem nicht.

    Deine Kinder werden es nicht als normal empfinden, wenn Dein Schwiegervater zu viel trinkt, wenn ihr es ihnen erklärt.


    Ob der Kontakt ihnen schadet, kannst Du natürlich viel besser beurteilen. Aber ich würde vielleicht wirklich mal mit dem Schwiegervater reden und eben recht offen mit den Kindern kommunizieren. Natürlich dem Alter angepasst.


    LG Cadda

  • Hallo Lea,


    herzlich willkommen in unserem Forum.

    Es ist eben die große Frage, wie harmlos ist es, wenn wir Eltern das merkwürdige Verhalten von einem Opa entschuldigen und die Kinder zu Opa aufschauen. Ist das ein erster Schritt ihn zu decken…

    Ich würde nichts entschuldigen, sondern die Wahrnehmungen der Kinder ernst nehmen.

    Ich habe sehr lange meinen xy vor meinen Kindern entschuldigt und quasi ihre Wahrnehmungen zerredet. Kinder haben feine Antennen, und du auch, durch deine Vorgeschichte.

    Meine Tochter hat den Kontakt zu ihrem Vater abgebrochen, er war nicht einmal bei der Einschulung unserer Enkelin dabei.

    Könntest du dir vorstellen, mit deiner Schwiegermutter zu reden, oder mit den Kindern gemeinsam zu den Großeltern fahren, damit du dir selbst ein Bild machen kannst?



    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Morgenrot,


    es gab schon das ein oder andere vorsichtige Gespräch. Allerdings versucht meine Schwiegermutter zwar zu vermitteln, man erreicht ihn aber eigentlich mit nichts so wirklich.


    Wir wollten im Sommer hin fahren und Zelten, im Haus halte ich es nicht aus.


    Er wird demnächst operiert und muss danach in die Reha, das wäre eine tolle Gelegenheit, damit Schwiegermutter alleine her kommt. Aber niemand glaubt, das sie einer solchen Einladung folgen würde, weil er ihr daheim dann die Hölle heiß macht.


    Wenn es nur um den Opa ginge, dann würde ich mir diese Fragen vermutlich gar nicht erst stellen. Das kostet viel zu viel Kraft. Aber kann man die Oma irgendwie erreichen oder sind die beiden längst viel zu verstrickt in einander. Und wenn ja, wie ???


    Lg Lea

  • Hallo Lea,

    und Willkommen hier im Forum!


    Die Geschichte von Deinen Kindern und den Großeltern macht mich traurig.

    Ich habe ein sehr enges Verhältnis zu meinen 3 Enkelkindern und die kloppen sich drum, wer hier am WE sein darf. :lol:

    So haben wir eigentlich fast jedes WE eines hier.

    Für mich ist es schwer vorstellbar, das man sich nicht für seine Enkelkinder interessiert ?( . Aber es gibt sowas tatsächlich.

    Da ist das Verwirklichen der eigenen Pläne immer viel wichtiger, und die Ruhe ebenfalls.

    In Deinem Fall wohl auch die häusliche Ruhe...

    Dabei halten einen gerade Enkelkinder jung und fit ;) Ruhe werde ich genug haben, wenn ich inner Kiste liege.


    Ich würde es so machen, das ich die Schwiegermutter wissen lassen würde, das sie bei Euch Willkommen ist, hätte sie denn die Möglichkeit, mit Öffis zu Euch zu gelangen?

    Meene Jüte, hier im Forum nehmen Großmütter (und auch Großväter!) sonstwas auf sich, um die Enkelkinder sehen zu können, man wohnt ja nicht immer gleich nebeneinander.

    Wenn Deine Schwiegermutter also ihre Enkelkinder sehen möchte, soll sie halt zu Euch kommen.

    Nimmt sie nicht mal das auf sich, oder lässt sich von ihrem Trinker zuhause derart bevormunden, das er sie nicht weg lässt...dann ist es wohl besser,

    wenn die Enkelkinder auch weiterhin keinen Kontakt haben. So traurig das auch ist. ?(

    Denn so ein Vorleben von Abhängigkeit von einer alkoholkranken Person tut ihnen sicher nicht gut.

    Da würde ich lieber meinen eigenen Traum von einem harmonischen Oma,Opa,Enkelkinder-Verhältnis sausen lassen, als sowas meinen Kindern zuzumuten.


    Ich sehe gerade, das Du eben noch was geschrieben hast...

    Zitat

    Aber kann man die Oma irgendwie erreichen oder sind die beiden längst viel zu verstrickt in einander. Und wenn ja, wie ???

    Das ist schwer so von außen zu beurteilen.

    Wenn sich eine Frau derart von einem alkoholkranken Partner bevormunden lässt, liegt ja oft eine CO-Abhängigkeit vor.

    Und da steht dann oft der Wunsch nach einem "harmonischen Miteinander" über allem und man erträgt sehr viel, um keinen Stress mit seinem Säufer zu bekommen.

    Denn Ärger hat man mit dem meist sowieso aufgrund seiner Sauferei.

    Du kannst es ja ganz einfach drauf ankommen lassen...entweder mag sie kommen oder si ehat zu viel Angst vor ihrem Säufer daheim.


    Oh man, wie weit CO-Abhängigkeit gehen kann, wird mir gerade wieder klar.

    Und da soll mir noch jemand sagen, ein zufriedenes Leben mit einem nassen Alkoholiker sei unter Umständen möglich.

    Im Lebtach nicht!

    Es tut mir voll leid, das die Enkelkinder wegen einer Abhängigkeitsbeziehung auf Großeltern verzichten müssen.

    Aber was soll man machen?

    Sie werden auch so groß... klar...aber traurig is schon ?(


    LG an Dich

    Sunshine

  • Liebe Sunshine, vielen Dank für deine Begrüßung und deine ausführlichen Gedanken!


    Jetzt habe ich deine und auch die anderen Antworten mehrfach angeguckt, versucht selbst zu antworten, es auf mich wirken lassen und mich kreuz und quer hier durchs Forum gelesen. Es wird mir immer klarer, was für mich noch alles an diesem „einfachen“ Kontakt dran hängt und wie schwierig es ist die richtigen Entscheidungen zu treffen.


    Es ist nicht so das kein Interesse besteht uns zu sehen. Die Oma vermisst ihre Enkelkinder sicherlich sehr und bestimmt auch ihren Sohn. Aber wenn wir dann wirklich zusammen waren, im direkten Kontakt, fühlt es sich dann leider nicht mehr so an als hätte auch der Opa echtes Interesse, eher wie ne Pflicht Veranstaltung. Mit kurzen schönen Momenten, aber ansonsten extrem krampfig.


    Ich selbst habe Tage vor so einem Besuch schlechte Laune, kann den Besuch selbst kaum ertragen und brauche mehrere Tage um mich zu erholen. Allein die Vorstellung von seinem Geruch hier im Haus, macht mich ganz kribbelig. Natürlich bin ich vorbelastet und dementsprechend empfindlich. Aber wenn ich ehrlich bin, dann finde ich es weder falsch noch ungerecht ihm gegenüber einen Kontakt zu meiden, der sich nicht gut anfühlt.


    Durch eure Texte und mein quer Lesen ist mir allerdings aufgefallen, was an meinem Verhalten tatsächlich unfair ist. Bisher dachte ich, meine Abneigung liegt vor allem an vergangenen unangenehmen Begegnungen und einem großen Streit. Aber es liegt auch ganz klar daran, wie stark er mich triggert.


    Wenn ich die Kraft finde und mich wirklich traue, dann werde ich das Gespräch mit meiner Schwiegermutter suchen und ihr einen Besuch bei uns anbieten. Auch wenn normalerweise ihr Mann Auto fährt, so könnte sie durchaus selbst fahren und zu uns kommen.


    Leider vermute ich ehrlich gesagt eine Co Abhängigkeit und bin bei beiden sehr unsicher, ob sie sich die Alkoholproblematik überhaupt eingestehen. Innerhalb der Familie scheint das bisher nicht angesprochen worden zu sein. Maximal das sein Konsum nicht gut für die Gesundheit ist und er mit dem Alter immer schwieriger wird im Umgang.


    Vielleicht wird es Zeit, als eine der wenigen angeheirateten Familienmitglieder, den Finger in die Wunde zu legen und beim Namen zu nennen, was ich meine zu beobachten. Viel Gegenliebe kann ich da wohl eher nicht erwarten.


    Noch einmal vielen Dank fürs lesen! Sieht ganz so aus, als könnte ich noch einige Ratschläge und Anregungen gebrauchen in nächster Zeit.


    Lg Lea

  • Ich nochmal mit meiner Unsicherheit…


    Mein Mann und ich haben viel geredet und sind inzwischen sehr sicher, dass es sich bei den Schwiegereltern um einen nassen Alkoholiker und seine Co handelt.


    Ich war ja an dem Punkt, meine Schwiegermutter direkt auf unsere Beobachtungen an zu sprechen und ihr Besuchsmöglichkeiten ohne Opa an zu bieten.


    Mein Mann meint, das wird sie eh nie machen, wir ihr brechen nur Streit vom Zaun und treiben vielleicht einen Keil zwischen die beiden. Aus seiner Sicht können wir es bei den zwei drei Treffen Ohm Jahr belassen und gut. Die zwei würden sich eh nicht mehr ändern und sein Vater das Trinken ganz gewiss nicht einstellen.


    Glaubt ihr auch, das es unnötigen Streit gibt, wenn ich der Schwiegermutter einen alternativen Kontakt mit den Enkeln anbiete? Zusätzlich zu den „Pflicht“ Treffen an Weihnachten oder zu besonderen Anlässen.


    Ist es vergebene Liebesmüh und vielleicht nur meinem eigenen Bedürfnis geschuldet die Beziehung zwischen Oma und Enkelkindern zu „retten“.


    Steigere ich mich in die Sache rein und solle lieber versuchen die zwei drei Treffen im Jahr zu optimieren/friedlicher zu gestalten.


    Es macht mich so traurig und schrecklich hilflos. In der Familie haben sich offenbar alle mit der Situation arrangiert, bzw ziehen sich mehr und zurück. Aber ich wünsche mir so sehr eine richtige Oma für meine Kinder und auch der Oma würde ich so gerne die Chance geben mehr von ihren Enkeln mit zu erleben ;(


    Was denkt ihr?


    Liebe Grüße, Lea

  • Hallo Lea,


    solange niemand aussteigt aus dem leugnen und vertuschen wird sich nichts ändern.

    Ich finde du übertreibst nicht, und würde mal versuchen mit deiner Schwiegermutter zu reden und ihr deine Meinung mitteilen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Guten Morgen Lea,


    es tut mir wirklich leid, wenn ich durch meine Antwort jetzt wieder etwas durcheinander bringe, aber es ist nun einmal das, was mir durch den Kopf geht:


    Ich würde wegen 2-3 Treffen im Jahr hier ehrlich gesagt kein Fass aufmachen. Das hört sich jetzt plump an, aber genau so denke ich. Weißt Du, ich habe früher ein Dorf weiter von meinen Großeltern gewohnt und war sehr oft bei ihnen. Mein Opa hat auch oft Bier getrunken (und nein, das ist nicht der Grund, weshalb ich Alkoholikerin wurde, meine Eltern haben NICHT getrunken und mir auch immer vermittelt, dass es nicht richtig ist, wenn der Opa zu viel Bier trinkt) und ich hab ich fürchterlich lieb gehabt, er war ein toller Opa. Er hat sich mit uns beschäftigt, sich Zeit genommen, ganz viel mit uns geredet und Geheimnisse für sich behalten. Leider ist er Ende letzten Jahres verstorben, aber er war wirklich bis zuletzt ein wahnsinnig gutmütiger und herzlicher Mensch. Ich hätte es sehr bedauert, wenn meine Eltern früher dafür gesorgt hätten, dass ich meinen Opa nicht mehr sehen darf.


    Nun wirst Du, liebe Lea, natürlich denken "Naja, aber mein Schwiegervater ist ja nicht wie oben beschrieben. Er kümmert sich gar nicht so gut um die Kinder". Das stimmt ja auch. Die Frage ist hier nur: Liegt das daran, dass er abhängig ist oder wäre er vom Mensch her eh so? Und wenn er nicht abhängig wäre und einfach "nur" desinteressiert. Würdet ihr dann auch den Kontakt zum Opa verbieten, weil er einfach nicht so herzlich und sympathisch ist, wie die Oma?


    Ich will das nicht schön reden. Natürlich ist es Mist, wenn der Opa kein guter Opa ist. Aber ich kenne soooo unendlich viele Opas, die nicht so toll waren, wie meiner zum Beispiel. Oder auch Omas. Gehört es nicht aber einfach auch dazu, dass man Familienangehörige hat, die einem lieber sind und mit denen man ein besseres Verhältnis hat, als zu anderen Familienangehörigen. Wachsen Kinder nicht einfach mit solchen Dingen auf, ohne dass sie einen Schaden fürs Leben bekommen?


    Bei dieser Geschichte kann ich mir einfach nicht helfen. Da überlege ich, ob hier tatsächlich die Abhängigkeit im Vordergrund steht oder ob es einfach nur so ist, dass er nicht so sehr gemocht wird.


    Und wie gesagt: Es geht hier um 2-3 Treffen im Jahr und nicht darum, dass die Kinder ganze Wochenenden bei ihm verbringen oder ihn mehrmals die Woche sehen.


    Ich hätte gern was Anderes geschrieben, um Dich zu bestätigen, aber mir gehts einfach so, wie beschrieben bei der Geschichte.


    LG Cadda

  • Danke an Morgenrot!


    Liebe Cadda, in der Tat „ passt“ mir deine Antwort nicht und das spricht ja gerne mal dafür, dass irgendwo ein Nerv getroffen wird. Also sage ich erst einmal Danke fürs anstupsen. Leider bekomme ich es nicht hin, einzelne Passagen zu Zitieren, deshalb versuche ich es einfach so.


    Ganz bestimmt ist mein Schwiegervater auch ohne Alkohol nicht der angenehmste Typ. Allerdings wird er, seit er in Rente ist, nun immer aggressiver, was ich mit steigenden Alkoholkonsum in Verbindung bringe.


    Du hast sicherlich Recht, für 2-3 Treffen im Jahr sollte man das Fass nicht auf machen. Nur genau darum geht es mir ja. Ich würde so gerne einen Weg finden, wie wir für die Oma und die Kinder deutlich mehr und auch längere Treffen ermöglichen


    In anderen Familien gehört es sicherlich dazu, den einen mehr oder weniger zu mögen. Bei uns ist leider einfach sonst niemand mehr da und deshalb klammere ich mich wohl auch so an die Idee, wenigstens den Kindern eine liebevolle Oma zu ermöglichen. Natürlich spielt es dabei auch stark rein, dass ich mir wünschen würde, meine eigenen Eltern noch als Eltern und Großeltern in unserem Leben zu haben. Die zwei haben sich aber gegen Familie und für ihre Süchte und jeweiligen Egotrips entschieden. Beim Opa scheint die Entwicklung eine ähnliche zu sein, es bleibt also nur noch meine Schwiegermutter. Wenn sie sich ein wenig frei machen und ohne ihren Mann Kontakt haben könnte… Aber vielleicht ist das alles Illusorisch und nur Wunschdenken von mir.


    Du fragst, ob wir den Kontakt auch verbieten würden, wenn er nur desinteressiert und nicht abhängig wäre. Wenn er einfach nur ein unangenehmer Typ wäre. Ich weiß es nicht! Wir hatten ja früher mehr Kontakt und den fahren wir immer weiter zurück, weil es immer unangenehmer wurde. Diese Unruhe und Getriebenheit, wenn er am Frühstückstisch hin und her rutsch, wann er wohl das nächste Mal raus rennen kann zum Rauche. Das Flackern in seinen Augen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Meine Alarmglocken sind permanent in Aufruhr und da es mit dem Alter immer schlimmer wird, kann ich auch einfach keinen Kontakt ermöglichen, bei dem die Kinder Zeit unter seiner alleinigen Aufsicht verbringen. Ob das alles auch da wäre, würde er nicht trinken, Ich weiß es nicht. Ich kenne ja nur diese Version von ihm.


    Wenn ich nun aber richtig liege und es wirklich um die Sauferei geht… Liegst Du, liebe Cadda, dann vielleicht trotzdem richtig und es bringt gar nichts das Fass auf zu machen. Würde meine Schwiegermutter, als fest verstrickte Co, sich überhaupt gegen ihren Mann stellen können, um alleine Kontakt mit ihrem Sohn und ihren Enkelkindern zu haben. Oder ist das alles nur Wunschdenken von mir, weil ich mich an diesen letzten Strohalm Familie klammere?


    Lg Lea

  • Hallo Lea,


    verstehe mich bitte nicht falsch. Wenn Dein Schwiegervater vor den Kindern aggressiv wird, dann solltet ihr das natürlich nicht dulden. Unabhängig davon, ob er trinkt oder nicht. Davon bin ich jetzt aber nicht ausgegangen.


    Wie wäre es denn, wenn ihr es bei den wenigen Besuchen bei Beiden belasst und ihr die Oma einfach zusätzlich öfter einladen würdet. Ihr müsst es doch gar nicht unbedingt an der Abhängigkeit festmachen, also die Begründung. Ihr könntet der Oma doch sagen, dass Euch aufgefallen ist, dass sie offensichtlich mehr Interesse an den Kindern (und auch Euch) hat und die Kinder die Zeit mit ihr besonders genießen und es daher schön wäre, wenn sie an und zu auch mal allein kommen könnte.


    Der Schuss, ihr eine Co.Abhängigkeit zu diagnostizieren, könnte ja auch schnell mal nach hinten losgehen :S

    Zumal es ja auch solche Konstellationen gibt, in denen da Beide gar nicht zwingend unglücklich sind, obwohl einer trinkt.


    Vielleicht ergibt sich aber im Gespräch mit der Schwiegermutter auch, dass Du offen mit ihr reden kannst. Du könntest Dich doch da im Gespräch mal langsam herantasten.


    LG Cadda

  • Hallo Cadda,


    die Vorstellung Oma zusätzlich ein zu laden und so eine freundliche Begründung dafür zu finden fühlt sich erstmal richtig gut an. Da sie grundsätzlich fast nirgendwo alleine hin fährt und niemals so weit weg, stehen die Chancen dafür wohl leider schlecht.

    Der Schuss, ihr eine Co.Abhängigkeit zu diagnostizieren, könnte ja auch schnell mal nach hinten losgehen :S

    Zumal es ja auch solche Konstellationen gibt, in denen da Beide gar nicht zwingend unglücklich sind, obwohl einer trinkt.

    Hier muss ich dir schweren Herzens Recht geben. Mein Schwiegervater würde mich noch mehr hassen als er es jetzt schon tut und letztlich will das da ja niemand wirklich hören. Sie wird einsamer und der geringe Kontakt zu uns tut ihr sicherlich weh. Aber da gehen ja beide nicht davon aus es könnte etwas mit ihnen zu tun haben. Da bin ich einfach die böse Schwiegertochter und gut is.


    Vielleicht ergibt sich aber im Gespräch mit der Schwiegermutter auch, dass Du offen mit ihr reden kannst

    Sowas riecht mein Schwiegervater förmlich. Sie alleine erwischen, für ein ernsthaftes Gespräch ist so gut wie unmöglich.


    Wir müssen wohl erst einmal einen Weg finden die „normalen“ Treffen wieder auf zu nehmen und irgendwie angenehmer zu gestalten. Mein Mann denkt, vielleicht ist es sogar doch besser zu seinen Eltern zu fahren. Dort hat der Schwiegervater ganz andere Möglichkeiten sich zurück zu ziehen (zum saufen oder wozu auch immer er das braucht) ist ja grundsätzlich legitim und macht die Treffen eventuell entspannter. Wobei ich da im Haus halt die Wände hoch gehe, weil ich den Rauchgeruch und auch seinen schwer ertragen kann.


    Auf jeden Fall danke ich dir für deine Gedanken!


    Von Tag zu Tag entwickelt sich in mir ein Plan für unseren weiteren Weg. Es wird sich etwas ändern und es wird ein Gespräch geben, mit welchem Fokus zeigt sich vermutlich spontan.


    Ihr habt mir hier alle also jetzt schon sehr geholfen, das ist toll!


    Lea

  • So… jetzt lenke ich den Blick langsam mal wieder nach innen. Ich will versuchen zu sortieren was es mit mir macht, hier zu lesen und auch selbst etwas bei anderen zu schreiben.


    Oberflächlich hier her „getrieben“ hatte mich ja die schwierige Situation mit meinem Schwiegervater. Für diese „Baustelle“ habe ich sehr wertvolle Denkanstöße bekommen.


    Noch einmal vielen Dank dafür!!!


    Aktuell komme ich da aber nicht weiter. In so einem Fall packe ich das komplette Thema innerlich zusammen, verschnüre es zu einem Päckchen, packe es in eine Schublade und die bleibt nach Möglichkeit zu, bis der richtige Zeitpunkt kommt es an zu gehen. Mir gefällt das Bild von mir, als altem verzauberten Apothekerschrank, mit unzähligen großen und kleinen Schubladen 😂


    Verzaubert deshalb, weil die Schubladen auch durchaus ein Eigenleben entwickeln können. Und dann knarrt und ruckelt es so laut, dass ich irgendwann gezwungen bin die Schublade auf zu machen oder wenigstens zaghaft rein zu schauen, um zu fragen was da eigentlich los ist.


    Meine Eltern stecken seit Jahren in Schubladen die ihnen ziemlich gut passen. Jeder für sich, ziemlich allein und mit ordentlichen Sicherheitsschlössern und Schutzzaubern 👻


    Mein Leben ist um so viele Facetten lebenswerter, fröhlicher und leichter geworden, seit ich sie dorthin verbannt habe. Ich wünschte allerdings, ich wäre früher an diesem Punkt angekommen. So viel vergeudete Lebenszeit 😭 das tut mir eigentlich am meisten weh.


    Nun bin ich ja neulich ganz direkt nach meinem persönliche Weg dorthin gefragt worden.

    Daher auch meine Frage an Lea:

    Wie hast du das hinbekommen?

    Ich weiß jeder muss seinen Weg finden, aber ich sehe vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.

    Ich brauche dringend jemanden der mir helfen kann. Irgendwie fühle ich mich auch von allen Seiten nicht richtig verstanden und hoffnungslos.

    Ehrlich gesagt fällt es mir schwerer als Gedacht, mir meinen Weg nochmal ganz genau zu betrachten.


    Der Weg war nämlich laaaang, viel länger als es gesund für mich war und sich dieser Tatsache zu stellen ist wahnsinnig schmerzhaft.


    Theoretisch hätte ich es mir wirklich einfacher machen können. Aber ich konnte es dann leider eben doch nicht.


    Im Anschluss an eine beschissene Kindheit, ach ne Kindheit würde ich das rückblickend lieber nicht nennen wollen, musste ich für meinen Wunschberuf viele hundert Kilometer weit weg ziehen.


    Nach einer gewissen Zeit, ohne nennenswerte Unterstützung von irgendwo, hatte ich einen psychischen Einbruch, der mich in eine Verhaltenstherapie getrieben hat. Dort habe ich zwar einiges über mich gelernt, rückblickend denke ich allerdings der Therapeut hatte keinen blassen Schimmer von Entwicklungstrauma oder auch nur eine Idee davon, wie man mir ernsthaft hätte helfen können.


    Dafür hatte er massenhaft Mitgefühl, hat ständig Dinge gesagt wie: oh sie Arme. Das muss aber schlimm gewesen sein. Na da ist es ja kein Wunder das sie…


    Dem konnte ich mich damals aber überhaupt nicht öffnen, es kam mir eher absurd vor. Trotzdem hatte sich durch ihn mein Blick auf meine Herkunftsfamilie grundlegend geändert oder er hat mich dazu gebracht in Zukunft genauer hin zu gucken.


    Es folgten unzählige Jahre, in denen ich zwar räumlich getrennt war, emotional aber ständig die Verantwortung für meine Mutter übernehmen musste. Das war immer so ein auf und ab. Wir hatten zeitweise sehr wenig Kontakt, weil ich ihn eigentlich nicht mehr wollte, aber trotzdem war sie ja meine Mutter, brauchte meine Hilfe, ich wollte keine schlechte Tochter sein und und und.


    Ich habe unzählige Male gebettelt, gedroht, verlangt, sie möge sich in Therapie begeben, ihr Leben in den Griff bekommen. Dies oder jenes ändern. Ich habe mich fachlich informiert, ihr Informationen besorgt, sie immer wieder besucht, ganz egal wie schlecht ich mich davor dabei und danach gefühlt habe. Ich habe sogar mehrere „überlebenspakete“ mit Nahrung und Shampoo und sowas geschickt, als ich mal gar nicht mehr weiter wusste.


    Ich habe es zeitweise auch immer wieder geschafft mich emotional zu distanzieren und den Kontakt abgebrochen. Aber meine Gedanken waren weiter bei ihr, ich konnte niemanden finden der mein Verhalten verstanden hätte, die Familie hat mir ins Gewissen geredet : „eine Mutter bleibt immer die Mutter“ „man kümmert sich um seine Mutter“ solche Dinge. Ein Teil von mir hat sich da schon immer gegen gewehrt, aber der Rest hat seiner Umgebung geglaubt. Die waren ja oftmals auch älter und weiser als ich und hatten auch ganz sicher keinen Bock darauf die Verantwortung selbst übernehmen zu müssen. Als Kind verlässt man seine Mutter nicht, basta! Ich dachte auch ich wäre schrecklich herzlos und undankbar. Das übliche halt 🤪


    Ich sehe das inzwischen völlig anders! Der erwachsene Anteil meiner Persönlichkeit weiß ganz genau welche Menschen meine Loyalität und Fürsorge verdient haben und welche ganz bestimmt nicht.


    Trotzdem zogen die Jahre ins Land, ich habe fleißig gelitten, wie sich das für eine anständige Tochter gehört und mir damit selbst sehr sehr vieles schwer oder auch gänzlich kaputt gemacht.


    Ich bin immer weiter der Idee nach gehechelt, eine liebevolle fürsorgliche Mutter zu bekommen, die sich wirklich auf mich und meine Bedürfnisse einlassen würde, wenn ich nur dies das jenes…


    Und ich hatte Angst davor völlig allein zu sein auf dieser Welt. Das ich das längst war… na wer gesteht sich das schon gerne ein.


    Dann gab es eine Zeit, in der unser Kontakt wirklich auf ein Minimum beschränkt war. Das tat mir gut und war auch irgendwie stimmig.


    Aber dann habe ich meinen Mann und seine Familie kennen gelernt und mir vor unserer Hochzeit mal wieder selbst in die Tasche gelogen. Ich hatte so gehofft, vor anderen benimmt sie sich anders, reißt sich zusammen, hat echtes Interesse an meinen Bedürfnissen, stellt mich in den Mittelpunkt anstatt sich selbst… meine Sehsucht nach einer richtigen Mutter ist als Braut nochmal ganz schmerzhaft aufgebrochen. Naja, ob meine Sehnsucht erfüllt wurde, kann sich ja jeder hier mit seinen eigenen Bilder ausmalen. Obwohl es verrückter Weise auch eine vermeintliche Freundin von mir gab, die hinterher meinte ich hätte in meiner Erzählungen über meine Mutter ein völlig falsches Bild gezeichnet. Und das war eine der ganz wenigen Freundinnen denen ich mich anvertraut hatte. Wer es nicht selbst erlebt hat…


    Für mich selbst hatte ich danach irgendwie aufgegeben, das war so eine Art Schlüsselerlebnis. Wenn eine Mutter nicht einmal einen einzigen Tag sich selbst in den Hintergrund stellen konnte und ihrer Tochter den großen Tag sorglos genießen lassen konnte, was für eine Zukunft hätten wir dann noch.


    Tja… aber dann wurde mein erstes Kind geboren und ich hatte die wahnsinnige Sehnsucht, wenn sie mir schon keine Mutter sein konnte oder wollte, so würde sie doch wenigstens ihrem Enkel eine Oma sein wollen. Sich endlich ändern. Mein Traum von einer tollen Oma für mein Kind hat den gesunden Menschenverstand ausgeschaltet.


    Mehrere Jahre und ein weiteres Enkelkind weiter. Unzählige Begegnungen in denen ich gehofft habe und die dann in der Realität wirklich ätzend waren. Und vor allem therapeutische Begleitung die mir immer wieder gesagt hat, das nicht mein Wunschbild falsch ist sondern ihre eingebildete Realität krank ist. Und endlich endlich hatte ich wirklich genug und wollte den Kontakt abbrechen.


    Ausschlaggebend war die Liebe zu meinen Kindern und zu meinem Mann. Typisch für jemanden mit meiner Vergangenheit, das ich es mir nicht einfach selbst wert sein konnte.


    Es war nicht mehr möglich alles vor den Kindern geheim zu halten. Es wurde vor deren Augen gestritten. Ich war vor solchen Begegnungen nicht die Mutter die ich sein wollte. Während dessen und manchmal wochenlang danach erst recht nicht. Telefonate haben mich aus der Bahn geworfen. Ständig haben sich Gedanken und Gespräche um sie gedreht. Mein Mann hat das Mitleid für sie verloren und mir gesagt er kann voll und ganz verstehen, wenn ich das nicht mehr will. Sie hat die Kinder passiv aggressiv gegen mich aufgebracht. Mit kleinen aber spitzen Bemerkungen durch die ich als die böse da stand. Vermutlich könnte ich ewig so weiter schreiben…


    Und was ich mein halbes Leben nicht für mich selbst tun konnte, das wollte ich nun unbedingt für meine eigenen Kinder tun!!!


    Ich konnte mir nicht vorstellen, diesen wundervollen kleinen Wesen weiter das an zu tun, was ich ihnen in den ersten Lebensjahren zugemutet hatte. Sie sollten frei sein voll all diesen fürchterlichen Gefühlen, Momenten, Erfahrungen. Wenigstens so frei, wie sie das mit mir als Mutter überhaupt sein können. Denn ich werde das niemals ganz los sein. Ich trage Ängste, Verhaltensweisen und wer weiß was noch alles mit mir rum. Kann meine Dämonen nur in Schach halten aber nie ganz los werden.


    Aber was ich tun kann, ist meine Mutter und alles was mit ihr zu tun hat in eine Schublade zu sperren und den Schlüssel weg zu werfen!!!


    Sie rütteln da drinnen ordentlich rum und wenn ich ehrlich bin habe ich manchmal große Angst davor, das sie irgendwann ausbricht.


    Doch für den Moment sind wir anderen frei, endlich frei!

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