Cayenne. Und wieder eine Neue

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später hier dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo Zusammen und schon einmal gleich vorweg: Danke für die vielen Berichte, die ich bisher lesen durfte. Ich bin erstaunt, dass es so viele von "uns" gibt. Ich dachte immer, ich bin alleine und schämte mich ziemlich.

    Ich stelle mich deshalb ehrlich gerne vor und glaube irgendwie daran, dass ich mit Euch weiter komme.

    Ich bin 47 Jahre alt und seit fast 30 Jahren mit meinem Mann zusammen. Vor 16 Jahren haben wir ein Kind bekommen und damals auch geheiratet. Vor ein paar jahren haben wir ein Haus gekauft und werkeln seither daran herum. Eigentlich leben wir unser perfektes Leben. Wenn da nicht dieses Riesenproblem wäre.

    Zu Beginn unserer Beziehung haben wir beide getrunken. Wir haben damals auch beide noch geraucht und uns so allabendlich benebelt. Wir waren in unserem Kosmos und haben auch niemanden anderen gebraucht. Mit unserem Kind kam die Veränderung. Ich habe mich eigentlich alleine um die Erziehung gekümmert. So fühlte es sich jedenfalls oft an. Für meinen Mann habe ich zurückgesteckt. Er war schließlich auch der Großverdiener. Ich war eigentlich eine gut finanzierte Alleinerziehende. Während dieser Zeit stand ich oft daneben. Ich konnte mich nicht mehr auf ihn verlassen. Denn meine Perspektive war nun eine andere. Er trank alleine. Ich habe mich je nach Lebensphase und Möglichkeit immer mal wieder darauf eingelassen. Ich habe mitgeraucht, mitgetrunken. Je nachdem, wie ich den Spagat zwischen Kind und Alltag mit meinem Mann geschafft habe. Er hat sich eigentlich nie wirklich auf uns eingelassen, sonder eher sein Ding durchgezogen. Ich habe mitgemacht.

    Es schlummert schon lange in mir, dass ich so nicht weiter machen kann. In regelmäßigen Abständen kochte ich dann über und konfrontiere ihn mit meiner Wut. ich sagte, ich möchte, dass er weniger trinkt. Er hat mir irgendwann einmal gesagt, dass er sich für das Trinken entscheiden würde, wenn ich ihn vor die Wahl stelle.

    Inzwischen wurde mein Trinkverhalten auch grenzwertig. Ich habe gemerkt, dass ich das Bier mit Limo strecke, damit ich mehr trinken kann. Unser Kind hat mich ja auch nicht mehr sooo sehr gebraucht. Wobei wir nicht mehr zusammen getrunken haben, sondern das Trinken nebenbei lief. Es war wie Wasser ständig am Anschlag und gegen 22 Uhr waren wir dicht.

    Irgendwann gab es für mich einen Schlüsselmoment: Er war mit einem seiner Saufkollegen unterwegs. Mitten in der Nacht kam er nach Hause und ich habe ihn eingekotet und im Erbrochenen schlafend auch der Toilette gefunden. Das ist nun ca. 2 Jahre her.

    Seither habe ich keinen Tropfen mehr angerührt.

    Nun hänge ich aber in dieser Endlosschleife gefangen und ich finde den Ausweg nicht mehr. Er trinkt ja weiter und ich spüre, wie meine Kraft schwindet. Ich steigere mich immer mehr hinein. Ich kann es nicht mehr ertragen. Wenn ich etwas sage, meint er nur, dass ich nicht von ihm verlangen kann, dass er meinen Wandel plötzlich mitmachen würde.

    Jedes Zischen einer Bierflasche triggert mich. Jede Flasche, die rumsteht erfüllt mich mit Ekel. Ich zähle die Flaschen, die noch da sind um zu checken, wie viele er getrunken hat. Es sind meistens ca. 3-4 Liter Bier pro Abend. Ich kann ihn nicht mehr riechen. Ich kann ihm teilweise nicht einmal mehr in die Augen sehen. Bei dem Gedanken daran verkrampft sich mein Magen. Mit ihm darüber zu sprechen traue ich mich nicht, weil ich vor der Konsequenz Angst habe. Wenn ich anfange, stehe ich meistens da, wie das Kaninchen vor der Schlange und habe nur Nebel im Kopf - zitternd. Ich schaffe keinen klaren Gedanken, Null!

    Letzte Woche habe ich es endlich geschafft, mich einer Freundin anzuvertrauen. Ich habe es auch klar angesprochen: Mein Mann ist ein Alkoholiker. Seit all der Zeit war das, als würde ich zu enge Schuhe ausziehen, dei Blasen an den Füßen sich erholen lassen. Nebenbei habe ich gemerkt, dass von den Freunden nur noch sehr wenige übrig geblieben sind. Ich bin so froh, wenigstens die eine noch zu haben, denn von meiner Familie habe ich mich inzwischen auch abgewendet.

    Manchmal denke ich, es ist ja eigentlich nicht schlimm, wenn er trinkt. Er tut mir ja nichts. Er schlägt mich nicht, er wird nicht aggressiv. Einerseits. Weil ich halt eben auch inzwischen genau weiß, wie ich mich verhalten muss, damit das genau nicht passiert. Ich rede es mir schön, entschuldige es, lüge mir selbst in die Tasche, weil ich am liebsten alles nur harmonisch und schön hätte. Wir haben doch eigentlich das Perfekte Leben.

    Ich habe in 2 Wochen einen Termin bei einem Psychologen. Ich möchte an meiner Co-Abhängigkeit arbeiten. Ich habe so das leise Gefühl, dass ich da ziemlich tief drinne stecke.

    Aber das Gespräch mit meinem Mann liegt mir auf dem Magen. Ich muss darüber sprechen. Im Moment könnte ich ihn aber nur mit Dreck bewerfen. Ich muss erst einmal klar werden. Ich kann es noch nicht als Krankheit sehen. Diesen Schritt schaffe ich im Moment nicht.

    ich hoffe, dass ich das bald schaffe. Aber nach 30 jahren kommt es nun auf die eine oder andere Woche auch nicht mehr an.

    Vielleicht ist der erste Schritt der schwerste?

    Euch danke ich für das Lesen meiner Vorstellung. Vielen Dank.

  • Hallo Cayenne,


    Willkommen in unserer Gruppe.


    Was du beschreibst löst Nicken in mir aus. Ähnlich habe ich es auch so erlebt, einschließlich des Mittrinkens.


    Ich habe leider keine Zeit, muss gleich los. Ich denke, es ist gut, dass du nun diese Schritte gehst und hier gelandet bist. Wir lesen uns.


    Lieber Gruß

    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • hallo cayenne .....

    Dein Bericht berührt mich sehr....

    Das Zischen der Bierflasche, das zählen der leeren Pullen....die trüben Augen, der Körpergeruch...

    Ich kenne dieses Gefühl...es ist schrecklich.

    Wenn man aufhört sich anzupassen, dann eskaliert auch ganz schnell das Miteinander.

    Ich wurde entliebt ,weil ich nicht mehr bereit war diese Menge an Alkohol zu ertragen.

    Entsorgt für den Alkohol.

    Hier im Forum wird alles sehr deutlich in Worte gefasst und unterstützt den Weg des Loslassens.

    Du gehst kaputt daran wenn du es nicht tust...und das ist keine liebe der Welt wert,auch wenn das noch so weg tut.

  • Hallo Cayenne!


    Willkommen hier im Forum! Ja ich kann sehr gut deine Situation nachempfinden denn ich habe Ähnliches selbst erlebt. Ich habe zwar nie mitgetrunken denn mir hat es schon gereicht meinen Ehemann so zu erleben und das viele Jahre lang. Ich habe irgendwann nur noch Haß, Wut und Abscheu empfunden, dieser Gestank, dieses Lallen, die ewigen Versprechungen aufzuhören, manchmal hätte ich ihm eine runterhauen können wenn er in so einem betrunkenen Zustand war. Irgendwann konnte ich einfach nicht mehr, ich musste reagieren und es gab nur eine Lösung und zwar die Flucht zu ergreifen. Gegangen bin ich nach 32 Jahren Ehe wovon die letzten 10 Jahre die Hölle waren. Ich habe diesen Schritt nie bereut mir hat nur leid getan daß ich nicht schon viel früher gegangen bin. Ich habe wieder ein gutes Leben und habe das hinter mir gelassen. Vergessen kann man so etwas nicht aber nach und nach verarbeiten, es geht ja auch darum die eigenen Fehler zu korrigieren und wieder zu sich selbst zu finden.


    Ich habe mich an seiner Seite auch immer alleine gefühlt und mich vor meinen Mitmenschen für ihn geschämt. Vor 10 Jahren fing ich an hier im Forum zu schreiben und merkte es gibt so viele mit meinen Erlebnissen das hat mir sehr geholfen.


    LG Marie

  • Liebe Aurora, Manu, liebe Marie,

    Vielen Dank für die herzliche Aufnahme.

    Du warst auch so lange mit deinem Mann verheiratet? Ich denke, so eine lange Zeit darf man nicht einfach aufgeben, oder? Ich könnte mir grundsätzlich gar keinen besseren Mann vorstellen. ich liebe ihn ja. Deshalb schmerzt dieses Gefühl des Ekels und die Enttäuschung um so mehr. Ende letzter Woche hat er mir gesagt, dass er am Wochenende chillen möchte. Er muss abschalten. "Sei mir nicht böse, wenn ich etwas zu viel trinke". Ich dachte, er überlegt, das ist gut! Und ich mache mir Gedanken über Konsequenzen, ich spinne ja total und verurteile ihn!

    Heute musste ich das Auto umparken und es kullert eine leere Bierdose unter dem Sitz vor. Gestern war aber kein Wochenende mehr. Er trinkt heimlich. Da ist direkt alles wieder zu nichte gemacht.

    Ich würde es so gerne einfach stehen lassen können. Ok, mein Mann trinkt. Na und? Aber ich glaube, über diesen Punkt bin ich leider schon drüber, nach der Zeit, das machen diese 30 Jahre halt auch.

    Ich lese hier voller Spannung alle möglichen Berichte. Auch die, der direkt Betroffenen. Es ist alles so lehrreich und öffnet die Augen. Ich nicke und denke, ich lese meine eigenen Worte. Unglaublich. ich dachte eigentlich ich bin doch nicht doof und auch nicht auf den Kopf gefallen. Ich kann doch reflektieren und durchschaue Verhaltensmuster. Aber hallo!

    Im Moment fühle ich mich eher wie ein Pawlowscher Hund, der sich eine Waschmaschine aufschwatzen hat lassen - eine aufblasbare noch dazu.

    Entschuldigt diesen Sarkasmus. Wir ticken wahrscheinlich doch alle recht ähnlich und wollen es manchmal nicht wahrhaben.

    Ich möchte lernen, meinen Nebel der Unfähigkeit aufzulösen um reagieren zu können, mit stiller Hoffnung, dass er sich für mich entscheidet.

    Liebe Grüße und einen sonnigen, herzerwärmenden Tag

    Cayenne

  • Du warst auch so lange mit deinem Mann verheiratet? Ich denke, so eine lange Zeit darf man nicht einfach aufgeben, oder? Ich könnte mir grundsätzlich gar keinen besseren Mann vorstellen. ich liebe ihn ja.

    Hmmm ja, geliebt habe ich ihn auch (dachte ich zumindest) und ich habe immer gedacht ich darf ihn nicht im Stich lassen ohne mich geht er total unter. Nein ich muß so lange bei ihm bleiben bis er aufhört zu trinken und dann werden wir endlich ein schönes Leben haben. Dann werden wir all die schönen Dinge machen von denen ich so träume. Solche Gedanken sind auch ein Selbstschutz um der bitteren Wahrheit nicht ins Auge zu sehen und um die eigene Co-Abhängigkeit auszuleben.


    Für mich war letztendlich ein Schlüsselerlebnis entscheidend, im Rahmen meines Berufes lernte ich ein Ehepaar Mitte 70 kennen, er trank immer noch, sie war mit den Nerven am Ende. Ich konnte mir einfach nicht mehr vorstellen noch viele Jahre so zu leben. Also muß ich letztendlich für mich sorgen denn er wird mich immer tiefer in seinen Sumpf ziehen.


    Auch mein Mann hatte viele gute Seiten, aber seine Alkoholseite wurde immer schlimmer und gravierender, zum Schluss war er jeden Tag betrunken.

    Er muss abschalten. "Sei mir nicht böse, wenn ich etwas zu viel trinke". Ich dachte, er überlegt, das ist gut! Und ich mache mir Gedanken über Konsequenzen, ich spinne ja total und verurteile ihn!

    Solche Sätze kenne ich auch vor mir hat er ein Bier getrunken und ich habe mich gewundert wovon er plötzlich so betrunken war. Er hatte natürlich seine heimlichen Vorräte und sich zwischendurch daran bedient. Ein Süchtiger braucht seine Menge Alkohol er kann gar nicht anders. Er kann auch nicht nur ein wenig trinken. Aber er versucht so zu tun als ob sein Konsum nicht so viel wäre. Dieses Lügen und Verschleiern ist auch die Sucht die aus ihm spricht. Vielleicht will er damit seinen Partner/in hinhalten denn so hat er ja auch ein gutes Leben (denkt er).


    Ich konnte mit meinem Mann zum Schluß auch nichts mehr besprechen er hatte ja am nächsten Tag oft vergessen was besprochen wurde. Im Grunde wollte er zu Hause nur noch in Ruhe seinen Alkohol trinken, alles andere war egal.


    Wenn der Suchtkranke nicht will bist du machtlos, er reißt dich höchstens mit in den Abgrund. Bitter aber wahr all deine Liebe kann ihn nicht retten nur er alleine kann das.


    LG Marie

  • Gibt es denn hier im Forum auch Leute, bei denen es auch ohne Trennung geklappt hat?


    Ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben. Ertappe mich aber dabei, wie ich herumrechne, ob mir mein Gehalt zum Leben reichen kann. Das will ich eigentlich nicht. Aber ich glaube, diese Sicherheit brauche ich, um stabil genug zu werden.


    Im Moment weiß ich noch gar nicht, wie der erste Schritt gehen soll? Wie spreche ich darüber? Wie fängt man da an?

    Ich male mir das so aus, aber es macht irgendwie nichts Sinn.

    Ist es normal, dass man sich vorkommt, wie ein Verräter? Hier im Forum wildfremden Menschen Geheimnisse anzuvertrauen? Dinge, die man eigentlich mit dem Wichtigsten Menschen im Leben teilen müsste?

    Entschuldigt die Fetzen, die ich so von mir gebe. Ich hoffe, das ist ok. Ich habe das Gefühl, irgendjemand versteht mich da.

    Liebe Grüße

  • ich verstehe dich gut, ja.

    Die Gefühle sind ja trotzdem noch da und die Hoffnung das er was ändert.

    Ich hoffe auch noch, ein kleiner Rest in mir .....

    Ich habe ihn vor die Tür gesetzt...weil ich seine fiesen Äußerungen und die Aggressiv Art unter dem vielen Alkohol nicht mehr ausgehalten habe .

    Das ist 2 Monate her und wir haben uns seitdem nicht mehr gesehen

    Er hat nichts geändert und korrigiert auch nichts...ich würde dir gerne was anderes schreiben

    L.g manu

  • Gibt es denn hier im Forum auch Leute, bei denen es auch ohne Trennung geklappt hat?

    Ich hab von einem einzigen Fall gelesen hier, ja. Das gib't tatsächlich. Allerdings war's nicht ein Betroffener, sondern ein Alkoholiker, der das erzählt hat. Er ist immer noch mit seiner Partnerin zusammen, wenn ich das richtig gelesen habe.

    ABER: er war einsichtig. ER hat das geändert, er hat sich seine Sucht eingestanden und DANN NICHT AUFGEGEBEN, sondern dies als (guten) Grund gesehen, sofort damit aufzuhören. Er hat's geschafft. (ich glaub es ist sogar jemand von den LZT's hier... ggf. wird er sich ja melden)


    Was aber wohl nirgendwo zu finden ist: Ein nicht-einsichtiger Alkoholiker, der offenkundig Alkoholiker ist, und der seinen Konsum nachhaltig in eine geordnete Bahn lenken konnte. Das wär auch für mich ein absolutes Novum.


    Darum: Gehe davon aus, dass Du die räumliche Trennung an die bereits geistig vollzogene Trennung anpassen musst. Die Emotionen werden es Dir schlussendlich zeigen dass Du richtig gehandelt haben wirst.


    Hast Du ihm schon gesagt, dass Du nicht so weiter machen möchtest/kannst?

    Also so unmissverständlich, sodass er gewusst hat, dass er jetzt die Beziehung auf's Spiel setzt?

  • Hallo Florian,

    Hallo Manu

    danke für die ehrlichen Worte.

    Nein, das habe ich so deutlich noch nicht geschafft. Ich gehe viel Joggen und plane, sortiere meine Worte und Gedanken. Jedes Mal, wenn ich dann ansetze ist alles wie weggeblasen. Ich hab nur noch Watte im Kopf und bekomme keinen klaren Gedanken hin, von Worten ganz zu schweigen.


    Das ist mein Problem. Ich scheue jede Konfrontation. ich könnt mich so gar nicht an der Seite haben, mit solch einer Art.

    Ich muss da aber damit rausrücken. Es staut sich in mir ja nur noch mehr und mehr auf und kommt weg vom eigentlichen Problem.


    Eigentlich brauche ich jemanden der es ausspricht und ich brauche nur noch zu nicken. Feige, oder?


    Vielleicht habe ich es aber auch gelernt, im Laufe der Zeit, die Klappe zu halten - verlernt, zur Meinung zu stehen.

    Ich gehe jetzt eine Runde rennen - auch in der üblen Gewissheit, dass ich, wenn ich nach Hause komme, die Fahne riechen werde.

    Ich wünsche Euch einen entspannten Abend

    Danke für die Antworten.

    Das hilft alles sehr hier.

  • .... ist es möglich, einen Moment zu treffen, in welchem er noch nicht getrunken hat? Ein solcher Moment wäre gut, um das mal anzusprechen.


    Mach' Dir erst mal klar, was DU willst. (realistische Ziele)

    Sinne nach Möglichkeiten, wie die Erreichung dieser Ziele vonstatten gehen könnte.

    Diskutier' das mit Deinem Mann.

    Wenn er dabei ist, und das Problem einsieht: klasse, es kann los gehen.

    Wenn er es nicht einsieht: klasse, es kann losgehen.


    Wenn Du es nicht einsiehst: shit, da geht gar nix los.


    Du siehst: Du bist derzeit die einzige, die Dein eigenes Schicksal in die Hände nehmen kann und wird. Ändern willst Du sowieso was.


    Fragt sich nur noch: Wann wirst Du was auf welche Weise ändern?

  • Hallo Cayenne99,


    Ja, dieses Gefühl habe ich gerade auch, als ob ich eine Verräter bin. Mein Mann sitzt vor mir im Sessel und zockt FIFA (mit Bier natürlich) und ich sitze hier und schreibe "hinterrücks" über ihn. Da fühlt man sich irgendwie schlecht. Aber wir wollen ja unsere Partner gar nicht schlecht machen. Wir wissen einfach nur nicht mehr weiter und deshalb suchen wir Gleichgesinnte und jemanden, der uns verstehen und uns vielleicht einen neuen Blick auf das ganze verschaffen kann. Den klaren Blick haben wir, zumindest ich, definitiv verloren.


    Die Angst sich zu trennen, kenne ich zu gut. Ich denke schon sehr lange drüber nach. Früher waren es nicht ernst zu nehmende Trennungsgedanken, mittlerweile sind sie aber so stark geworden, dass ich im Internet schon nach einer kleinen Wohnung gucke. Dann denke ich wieder, aber was ist dann mit meiner Tochter? Wie machen wir das mit den gemeinsamen Schulden? Ich bräuchte neue Möbel... Woher soll ich auf einen Schlag das Geld nehmen? Ich arbeite Vollzeit und verdiene sagen wir mal, im guten Normalbereich. Aber wir leben zusammen, teilen alle Kosten. So bin ich das gewohnt (ich bin ein blödes Gewohnheitstier). Aber wie kriege ich das finanziell hin, dass mir nicht plötzlich alles um die Ohren fliegt? Wie wäre seine Reaktion? Würde er durchdrehen? Er ist ein sehr kontrollierender Mensch, vielleicht würde das nach der Trennung noch schlimmer werden, so dass ich mir wünschen würde, dass ich besser bei ihm geblieben wäre. Du siehst, ich finde mich auch absolut in deiner Situation wieder. Es ist sehr schwer. Aber ich denke, wir können uns hier alle gegenseitig sehr gut unterstützen. 🙂


    Das mit dem heimlich trinken kenne ich auch. Ich komme mir dann immer vor, wie im falschen Film. Man mag es nach so langer Zeit immer noch nicht glauben.

  • Hallo Cayenne, hallo Sunny,


    ich kenne das Gefühl von Verrat auch gut. Aber nach 26 Jahren Ehe, wobei die letzten Jahre die absolute Hölle waren, konnte ich seelisch und körperlich nicht mehr. Verräterin oder nicht, ich musste da raus wenn ich nicht völlig kaputt gehen wollte. Das Gefühl des Verrates lässt auch nach, bei mir war es als ich erkannte, dass mein Exmann ja erwachsen war, bewusst soff weil er es so entschieden hatte. Er wollte und konnte nicht aufhören. Ich hatte begriffen, dass ich gegen den Alkohol machtlos war, dass nur er selbst entscheiden konnte aufzuhören und dass ich keinerlei Verantwortung und Schuld hatte.


    Ich hatte auch furchtbare Trennungsangst denn ich hatte einen Teilzeitjob und dementsprechend wenig Verdienst. Und mein Ex drohte mir auch immer wieder, dass ich ein Sozialfall werden würde, untergehen würde usw. Ha, bin ich aber nicht!


    Ich war bei einem Anwalt und habe mich informiert. Ich habe angefangen, mir Hilfe zu suchen und bin so auch auf dieses Forum gestoßen. Das war Anfang Mai 14 Jahre her.


    Also bitte keine Panik bekommen, von heute auf morgen alles erledigen zu müssen. Meistens ist eine Trennung die einzige Möglichkeit, aus diesem Suchtstrudel heraus zu kommen. Das ist das Ziel. Nun hat der Weg angefangen und mir ging das dann so, dass ich nach und nach immer schneller wurde, immer sicherer, mein Ziel, die Trennung, zu erreichen. Hat gedauert...


    Aber ich habe es geschafft und das könnt ihr auch.


    Liebe Grüße

    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Gibt es denn hier im Forum auch Leute, bei denen es auch ohne Trennung geklappt hat?


    Ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben. Ertappe mich aber dabei, wie ich herumrechne, ob mir mein Gehalt zum Leben reichen kann.

    Ja die gibt es...


    Aber das lag daran, dass ich quasi nie im Lande war und wir jetzt zwei andere Menschen sind.

    Und auch nach 4Jahren Nüchternheit weiter kontinuierlich an uns arbeiten und uns verändern. Die Chancen dazu sehe ich bei eher 0%


    Es sind nicht Barthell uns seine Frau die sich vor 10Jahren kennen gelernt haben...


    Du Kannst von deinem Gehalt leben, wir sind immer noch in Deutschland, vielleicht nicht so wie vorher, aber auf kurz oder Lang wirst du mit deinem Gehalt noch Ihn und seine Sucht finanzieren müssen wenn es so weiter geht, rechne das durch, ich bin fast sicher das klappt nicht.


    Und ganz ehrlich die Freiheit die du dir nicht mit Geld erkaufen kannst ist soviel mehr Wert.


    Selbst wenn er einen Entzug macht, eine Therapie und dann keine Rückfälle hat.

    Der Mann den du kennengelernt und lieben gelernt hast ist tot! Der wird nie wieder kommen, höchstens als Untoter der dich mit ins Grab zieht.

    Drastische Worte und Bilder, ja... Aber ihn los zu lassen und dich auf dich zu fokussieren ist das was dich schützt und dir Hilft.

    Ich schreibe das "von der Anderen Seite aus" ... Und meine es absolut nicht böse, aber Hoffnung die dich an ihn fesselt ist nicht die Lösung.


    Grüße


    Barthell

  • guten Morgen zusammen.
    Gestern habe ich nun den Mut zusammen genommen und gesagt, dass ich möchte, dass er nicht mehr trinkt.

    Das war wahrscheinnlich das Blödeste, was ich je getan habe. Resultat: Im Garten fehlen jetzt ein paar Pflanzen, die wurden zertrampelt und ausgerissen. er hatte doch mehr getrunken, als ich gedacht habe. Und mir geht es noch schlechter als zuvor.

    Ich hätte deine Worte, Barthell, vorher lesen sollen.

    Für meinen Mann habe ich die Gemeinsamkeit verlassen. Ich wende mich von ihm ab und bin böse zu ihm. Deshalb trinkt er. Es ist ja egal, ob er 1 oder 4 Bier trinkt, weil ich ja eh nichts merh von ihm wissen will.

    Eigentlich war mir diese Reaktion klar, nach all dem, was ich bei euch schon gelesen habe.

    Er hat mich dann gefragt, was war zuerst: Das Huhn oder das Ei? Hat jetzt jemand Schuld an der Misere, in der wir uns befinden?


    Therapien kommt für ihn nicht in Frage. ICH gehe zu keime Psych. Das kannste vergessen. Warum? Weil ich es nciht mache. Basta.

    Er ist so unheimlich stur.


    Wenn ich ehrlich zu mir bin: Ich habe es nicht anders erwartet, gehofft schon, ja.


    Wir haben gestern Abend keine Lösung gefunden. Immerhin hat er zugegeben, dass er heimlich trinkt um mir aus dem Weg zu gehen. Dass es ihm damit

    nicht gut geht.

    Ich konnte auf der anderen Seite zugeben, dass ich deshalb schlecht über ihn denke.

    Wir müssen weiter daran arbeiten. Ich möchte es auf jeden Fall probieren.

    Wenn ich im Forum lese, sehe ich dass ihr Euren Partnern oft ein Ultimatum gestellt habt. Das habe ich gestern noch nicht hinbekommen.

    Ich brauche noch etwas Stabilität, die hole ich mir bei meinem Psych. Hoffentlich habe ich den Richtigen erwischt.

    Nach all diese Zeit, möchte ich mir diese Zeit noch lassen.

  • Das war wahrscheinnlich das Blödeste, was ich je getan habe. Resultat: Im Garten fehlen jetzt ein paar Pflanzen, die wurden zertrampelt und ausgerissen. er hatte doch mehr getrunken, als ich gedacht habe. Und mir geht es noch schlechter als zuvor.

    Rede dir das nicht ein! NEIN NEIN NEIN! es war nicht das blödeste was du je getan hast! Du hast da eine Situation von der du merkst, dass sie dir nicht gut tut und hast die Möglich etwas dagegen zu tun und dazu gehört auch das an zu sprechen! Das mit den Pflanzen ist von ihm genau so gedacht: "Ich tue dir weh, richtig weh, damit du dich mies fühlst und mich in Zukunft ungestört saufen lässt!" So zieht der Süchtige dich in seine Dreiecksbeziehung mit dem Alkohol hinein und bindet dich darin, manipuliert dich, setzt dich unter Druck: "störst du mich, tue ich dir weh und du bleibst eh weil Isso"


    DU hast keinen Fehler gemacht! bleibe da dran!


    Therapien kommt für ihn nicht in Frage. ICH gehe zu keime Psych. Das kannste vergessen.

    Typisch für einen nassen Alki: Ich habe ja kein Problem... nur alle Andern ... und Psychologe? warum denn stimmt doch alles mit mir ... völlig verzogene Weltanschauung... Abhaken unter "ist kein "ich"-Problem, ist ein "DU"-Problem" und keine Kraft rein investieren die dir sonst an anderer Stelle fehlt, denn egal wie stark du bist, irgendwann ist deine Kraft am Ende.... darum verschwende sie nicht sondern nutze sie erstmal für dich, denn DU bist wichtig, alles Andere ist erstmal höchstens dringlich, und meistens nichtmal das!

    Ich brauche noch etwas Stabilität, die hole ich mir bei meinem Psych. Hoffentlich habe ich den Richtigen erwischt.

    Nach all diese Zeit, möchte ich mir diese Zeit noch lassen.

    Sprich offen deine Bedenken und Sorgen an und falls du das Gefühl hast, dass es nicht "passt" sprich auch das erst einmal an bevor du ihm keine 2. Chance gibst ;) aber halte auch nicht an ihm fest wenn du dich nicht gut aufgehoben fühlst



    Grüße


    Barthell

  • Hallo Cayenne!

    Gestern habe ich nun den Mut zusammen genommen und gesagt, dass ich möchte, dass er nicht mehr trinkt.

    Das war wahrscheinnlich das Blödeste, was ich je getan habe. Resultat: Im Garten fehlen jetzt ein paar Pflanzen, die wurden zertrampelt und ausgerissen. er hatte doch mehr getrunken, als ich gedacht habe. Und mir geht es noch schlechter als zuvor.

    Es war überhaupt nicht blöd daß du es angesprochen hast, leider war es nicht der richtige Zeitpunkt da er betrunken war. Aber ist er überhaupt irgendwann total nüchtern? Wenn er täglich trinkt hat er mehr oder weniger immer Alkohol im Blut.

    Für meinen Mann habe ich die Gemeinsamkeit verlassen. Ich wende mich von ihm ab und bin böse zu ihm. Deshalb trinkt er. Es ist ja egal, ob er 1 oder 4 Bier trinkt, weil ich ja eh nichts merh von ihm wissen will.

    Na klar irgendeinen Grund wird es immer geben um zu trinken, da muß die böse Ehefrau, der unfreundliche Nachbar, der blöde Kollege herhalten um die Trinkerei zu rechtfertigen. Es gibt keinen Grund um zu trinken, Probleme sind da um sie zu lösen und nicht zu ertränken. Irgendetwas findet sich doch immer, aber bitte zieh dir diesen Schuh niemals an.


    Wenn ich im Forum lese, sehe ich dass ihr Euren Partnern oft ein Ultimatum gestellt habt. Das habe ich gestern noch nicht hinbekommen.

    Das sollte man auch nicht wenn man nicht bereit ist das Ultimatum einzuhalten, er würde dich überhaupt nicht mehr ernst nehmen.

    Wir müssen weiter daran arbeiten. Ich möchte es auf jeden Fall probieren.

    Das steht dir natürlich frei aber er hat ja deutlich gesagt er wäre nicht bereit dazu und du alleine kannst wenig bei ihm ausrichten.


    LG Marie

  • Cayenne... Du sagst "wir müssen weiter daran arbeiten".


    Frage: Wen meinst Du mit "wir"?


    Für mich sieht das eher nach "ICH muss weiter daran arbeiten" aus. D.h. es wird darauf hinaus laufen dass Du Dich selber kaputt machst. Weil ER säuft.


    Das ist kein Leben, Cayenne.... Und Du weisst das.


    Sei unbequem! Ziehe Deine Konsequenzen. Du darfst jetzt mal an DICH DENKEN. (und dementsprechend handeln)


    Ich gehe davon aus dass Dir Dein Psychiater/Psychologe dasselbe sagen wird.


    Einfach soviel (meine Meinung zumindest):

    Wenn Dir vorgeschlagen wird ,deswegen irgendwelche Medikamente einzunehmen, damit Du's aushältst:

    RENN WEG! GANZ SCHNELL!

    Weil das kann's nicht sein. Du würdest nur DEIN Leiden erträglicher machen. Dann leidest Du nur ein wenig weniger, damit ER ungehindert weitersaufen kann, und musst ebenso Substanzen zu Dir nehmen, die sich u.a. auf die Lebenserwartung auswirken.

  • Hallo Ceyenne

    Im Garten fehlen jetzt ein paar Pflanzen, die wurden zertrampelt und ausgerissen. er hatte doch mehr getrunken, als ich gedacht habe. Und mir geht es noch schlechter als zuvor.

    er hat sein Ziel damit erreicht, ist dir das klar?

    Dir geht es wieder schlechter, du hinterfragst dich, und was du falsch gemacht hast.

    So hat er jetzt erstmal wieder "Ruhe" und kann weitersaufen.

    Er hat dir die Verantwortung wieder zugeschoben, es ist ein perfides Spiel mit einem nassen Alkoholiker.

    Er wird immer wieder deine Grenzen überschreiten, sie zertrampeln wie die Pflänzchen.




    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Vielen Dank für's Aufbauen und Zusprechen!

    Danke, Danke, Danke.

    Und ich dachte beim Schreiben - zwischen den Zeilen genau das, was ihr ausgesprochen habt.

    Nein, Florian, ich werde keine Tabletten nehmen. Bestimmt nicht.

    Das "Wir" sehe ich aber schon. Und wenn es am Ende das ist, dass ich mit geradem Rücken gehen kann.

    Ich bin wahrscheinlich abhängig von ihm.

    Das gemobbte Schulkind, das ausgelacht wurde, weil es alte Kleider tragen muss.

    Das Scheidungskind, das auf keinen Fall selbst eine gescheiterte Ehe haben möchte.

    Das von der Mutter verlassene Kind, mit einem Alki als Vater....

    Das Mädchen, das nicht alleine sein möchte. etc. Hätte ich mal schon eher machen sollen, so ca. vor 30 Jahren.

    An diesen Themen muss ich arbeiten um meinen Weg gehen zu können. Er hat mir in der Zeit ja auch unheimlich viel über meine Problem hin geholfen. Das hat ihn sicher auch belastet. Und ich habe die ganzen Jahre über nie ernsthaft etwas gesagt, Mal gemosert, mal n bissl gemotzt. Aber nie wirklich ernsthaft. Das werfe ich mir im Moment vor. Ich hätte direkt nach der Geburt unseres Sohnes gleich sagen müssen: STOPP. So geht es nicht. Hör auf zu Trinken.

    Aber, aber, aber. Auch ich hatte meine Ausreden, so wie er jetzt die Ausreden fürs Trinken hervorholt.

    Das ist für mich der "Wir" Aspekt.

    Ich versuche ihn als Menschen zu respektieren. Ich möchte nicht, dass wir uns gegenseitig Dreck ins Gesicht schmeißen. Ich hoffe, dass wir das ohne hinbekommen. Im schlimmsten Fall ist es dann die Trennung.

    Aber an diesem Punkt bin ich noch nicht. Nicht heute.

    Allerdings klingeln mir eure Worte in den Ohren.

    Das macht mich wahnsinnig traurig.

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