Vorstellung einer im Werden begriffenen Co-Abhängigen

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Guten Abend,


    ich nenne mich hier zwar Marguerite Duras, aber anders als die Schriftstellerin trinke ich so gut wie nie, mein Lebensgefährte dafür umso häufiger. Ich bin 27 und seit fast sechs Jahren mit ihm zusammen.

    Ich habe mich hier angemeldet, weil ich mich aussprechen möchte. Er befindet sich im schleichenden Beginn der Abhängigkeit. Wenn man all den klugen Webseiten Glauben schenkt, ist er natürlich (noch) nicht süchtig, aber ich bin es leid von den fließenden Übergängen zu lesen und dem jahrelangen Konsum über der sogenannten Gefährdungsgrenze, der noch nichts heißen muss, auch wenn er schädlich ist, sodass es ja überhaupt gar kein Problem gibt, wenn man denn irgendwann aufhören würde, was man ja tut, versprochen, morgen, wenn es Winter wird, auf jeden Fall bevor man 30 wird. Dass Menschen so unterschiedlich sind, so einzigartig und doch so verdammt gleich, dass einigen von euch schon hiervon die Ohren klingeln...

    Und dass ich es erst jetzt merke, obwohl ich bereits zwei Beziehungen mit süchtigen Männern (Cannabis und Speed sowie Alkohol) geführt habe. Einmal ein halbes Jahr, einmal ein ganzes Jahr. Jetzt hat es fast sechs gedauert. Wenn die Trennung meine Lösung wäre, würde ich hier nicht schreiben.


    So viel zur Vorstellung. Alles weitere im anderen Forumsbereich. Ich wäre dankbar über eine Freischaltung.

  • Hallo und willkommen Marguerite,


    du schreibst, dass die Trennung für dich keine Lösung ist. Das ist im Grunde genommen völlig okay, es ist deine Entscheidung und eine Trennung muss ja nicht immer sein.


    Mich interessiert aber, worum es bei einem Austausch hier für dich gehen soll. Das ist jetzt keine böse Frage oder so sondern einfach eine Info, vielleicht ein Denkanstoß, was deine Ziele sein könnten.


    Liebe Grüße

    Aurora

  • Liebe Aurora,


    ich mache das hier zum ersten Mal. Vielleicht hätte ich meine Ziele gleich deutlich formulieren sollen.


    Ich brauche Rat. Ist er wirklich abhängig oder soll das normal sein? Ich brauche eine andere Perspektive.

    Ich brauche einen Ort zum Sprechen. Ich bin auch nur ein Mensch. Ich brauche etwas Bestärkung. Ich möchte mit niemandem darüber reden, den ich kenne.

    Ich möchte nicht, dass er so endet wie sein Vater oder sein Großvater, aber ich weiß, dass ich wenig tun kann. Ich halte das alles aus. Aber ich muss es nicht alleine aushalten. Oder?

    Ich bin hier, um mich auszutauschen und vielleicht, wenn er die Kurve bekommt, anderen von meinen Erfahrungen zu berichten. Ich habe manchmal dieses Gefühl, dass er unweigerlich auf seinen Abgrund zusteuert. Ich werde nicht mitfallen. Vielleicht habe ich aber früh genug gehandelt. Ich muss mich stärken, um mit ihm darüber zu reden. Habe ich heute. Mein Eintrag gestern im Forum wirkte schon fast wie eine Befreiung. Ich muss mich wappnen, wenn er nachher trotzdem und doch wieder trinkt. Wenn er es nicht tut, kann ich erzählen, was ich zu ihm gesagt habe. Womöglich sind es Worte, die jemand anderem fehlen.


    Ich hoffe, das reicht. Ich nehme nahezu nie etwas übel. Sich wirklich zu verstehen ist unmöglich. Um etwas ähnliches zu versuchen, muss man nachfragen.


    Ich wünsche dir einen besinnlichen zweiten Advent.

  • Hallo liebe Maguerite,

    herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Hier kannst du dich mit den anderen Frauen austauschen. Ich wünsche dir sehr, daß du Antworten auf deine Fragen findest.


    Damit wir dich fürs Forum freischalten können, klicke bitte auf den Link hier unten und fülle dann das Schreibfeld kurz aus. Dann verschieben wir zeitnah dein Thema in den Angehörigenbereich.

    Bewerbung - Alkoholiker Forum
    Im Alkoholiker Forum Bewerben auf geschütztere Bereiche.
    alkoholiker-forum.de


    Viele liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Alles gut, passt.

    Du wirst demnächst freigeschaltet. Du erkennst es daran, daß dein Name von orange auf blau wechselt und du hier von einer Kollegin oder einem Kollegen von mir benachrichtigt wirst.

    Liebe Grüße und noch einen schönen 2. Adventsonntag.

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Marguerite,


    herzlich Willkommen hier bei uns :)


    Ich habe Dich für den offenen Bereich freigeschaltet und Dein Thema direkt dorthin verschoben. Wenn das nicht in Ordnung sein sollte, meld Dich hierzu bitte noch einmal.


    Ansonsten geht es nun hier für Dich weiter :)


    LG Cadda

  • Danke fürs Verschieben. Ist genau richtig!


    Ich habe derweil einige Einträge gelesen stelle am besten meine drängendste Frage.

    Ist das bedenklich oder male ich den Teufel an die Wand? Ich denke, ich kann meiner Wahrnehmung trauen. Ich brauche eine Einschätzung schwarz auf weiß.


    Seit sechs Jahren trinkt mein Lebensgefährte eigentlich täglich. Manchmal am Sonntag nicht, da hat der Supermarkt ja geschlossen. Auf Vorrat eingekauft wird schon seit zwei Jahren nicht mehr. Seit einigen Monaten kauft er nur noch Dosen (Cola-Whisky), weil er nach eigener Aussage so besser dosieren kann. Er war bei einer halben Whisky- oder Rumflasche mit Cola täglich angekommen. Seitdem keine Flaschen mehr. Er trinkt immer abends, eben Erleichterungstrinken nach Feierabend, immer mindestens zwei Drinks, oft drei oder vier. Wenn etwas vorrätig ist, weil Bekannte was mitgebracht haben, wird der Alk nicht schlecht. Wird sofort aufgebraucht, stehen lassen ist nicht. Trinken und Rauchen gehört zusammen.

    So, kein Morgentrinken, kein heimliches Trinken. Also ist es vielleicht noch nicht zu spät. Aber im Rahmen ist da nichts mehr, oder? Aufhören will er schon seit Jahren, längere Pausen gibt es nicht. Wenn er krank ist, hat er auch Lust und trinkt, auch wenn er noch nicht wieder auskuriert ist.


    Ich male keinen Teufel an die Wand. Das ist doch kein Schleichen mehr, sondern ein beschleunigter Gang Richtung Abhängigkeit?! Er findet immer einen Grund: entweder Stress oder endlich mal kein Stress an freien Tagen.


    Vielen Dank für eine Einschätzung. Ferndiagnose geht nicht, aber ich muss doch nicht warten, bis er früher trinkt, um die Alarmglocken zu läuten?


    Ob er heute Abend nicht trinkt, bleibt abzuwarten. Noch ist nichts passiert. Wir wohnen zusammen, ich schreibe heimlich.

  • Hallo Marguerite,

    Einschätzung Schwar auf weiß? Warum brauchst du das von einem Forum?

    Wichtug ist nur deine eigene Wahrnehmung. Und nur die...

    Wenn Dir jemand Dritter das sagt, ja...es ist zu viel, er ist abhängig, was ändert das für dich?

    Du gibst die Verantwortung für deine Wahrnehmung dann ab?

    Klar, wir sind hier alle mit unseren Erfahrungen, und auch Hoffnungen, dass wir uns geirrt haben, dass bei meinem Mann/ Partner doch alles anderes und bei weitem nicht so schlimm ist.

    Wie gut er das mit den Dosen kontrolliert... Oder "ganz heroisch" nur nach dem Feierabend trinkt...

    Aber das ist soooo individuell. Was für einem zu viel ist und absolutes No-Go...ist für einen anderen Normalität.

    Warum musst du heimlich schreiben?

    Ist das Thema bei euch Tabu?

    LG Stern

  • Hallo Marguerite,


    normalerweise kann ein nichtsüchtiger Mensch mal die Probe aufs Exempel machen und einfach vier Wochen nichts trinken. Oder auch vier Wochen lang nur zwei Bier pro Woche. Wenn das problemlos über die Bühne geht, dann besteht vielleicht kein Grund zur Sorge. Nun schreibst Du aber, daß er seit sechs Jahren täglich trinkt, etwa eine halbe Flasche Whisky oder Rum am Tag, das klingt dann für mich schon nach einer stabilen Abhängigkeit. Ich glaube, Du malst da keinen Teufel an die Wand, sondern liegst mit Deinem Gefühl richtig. Wie schätzt er sich denn selbst ein, hat er seiner Meinung nach ein Problem oder nicht? Hat er denn überhaupt mal versucht, eine Pause einzulegen?


    Grüße,

    H.

  • Danke für eure Antworten. Werde später darauf antworten.

    Das Thema ist nicht tabu, aber sehr wohl, dass ich mich hier an ein Forum wende. Zumindest denke ich, dass er da nicht gut darauf reagiert. Es soll ein Ort für mich sein, er soll gar nicht lesen, was ich alles so fühle. Möchte mehr Distanz und entscheiden, was ich ihm sage. Mein Inneres geht ihn nichts an, das würde er alles verstehen wie ein Rechtsanwalt.

    Verantwortung abgeben möchte ich nicht. Ich habe meine, er seine. Ich möchte wahrscheinlich jemanden, der sagt: Bleib weiter dran. Du übertreibst nicht. Und das mit der Pause, dass will er jetzt noch einmal starten. Eine Woche nichts trinken. Ich kann mich ehrlich gesagt an keine längeren Pausen erinnern.

    Jetzt habe ich doch schon viel getippt. Später noch mehr.

  • Hallo Marguerite,


    erst mal vielen Dank, dass du auf meine Fragen hin etwas mehr erklärt hast.


    Ich möchte wahrscheinlich jemanden, der sagt: Bleib weiter dran. Du übertreibst nicht.

    Genau das sage ich dir jetzt!


    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es im Laufe des Zusammenlebens mit einem Abhängigen immer schwieriger wird, den eigenen Wahrnehmungen zu vertrauen. Mein erster Mann hat wunderbar geschafft, mir das Wort im Mund umzudrehen, mich als zu empfindlich, blöd, völlig falsch und all sowas hinzustellen. Irgendwann war es dann so dass ich genau gesehen habe, was mit ihm los ist, es mir aber selbst garnicht mehr glauben konnte. Das war ein ganz merkwürdiges Gefühl.


    Ob dein Mann alkoholabhängig ist oder nicht, das kann nur er selbst sagen. Aber so ähnlich wie du es beschreibst kenne ich das auch von meinem Exmann. Und der war alkoholabhängig, ist auch vor 3 Jahren an den Folgen seiner Sucht verstorben.


    Er findet immer einen Grund: entweder Stress oder endlich mal kein Stress an freien Tagen.

    Oh ja, das ist ganz typisch. Einen Grund gibt es immer, da wird alles herangezogen, was ein Grund sein kann. Selbst das schöne Wetter, wenn man auf dem Balkon sitzen kann. Das ist doch ein Grund, vor Freude gleich einen zu heben. Oder wenn es regnet, was für ein Wetter, da muss man sich innerlich wärmen...


    Das sind typische Verhaltensweisen.


    Wie geht es denn DIR dabei? Du schreibst ja, dass du dich austauschen möchtest, mit Freunden nicht darüber reden möchtest. Das verstehe ich gut. Meistens findet man bei Menschen, die mit diesem Thema nichts zu tun haben, kein wirkliches Verständnis. Wie fühlst du dich denn so?

    Überfordert, machtlos, ängstlich? Oder wütend, verunsichert, desillusioniert? Was ist DEIN Ziel? Ihn aus der Sucht raus zu holen?


    Liebe Grüße

    Aurora

  • Ich weiß nicht, ob man es als Einsicht bezeichnen kann. Er weiß, dass er zu viel und vor allem zu oft trinkt. Ich habe ihn mehrfach darauf angesprochen, meine Sorgen geäußert. Das verlief manchmal ruhig, manchmal blockt er, manchmal werde ich wütend, weil er lacht, wenn ich ernst rede. Irgendwie ist das aber alles versandet. Lange Zeit habe ich mit dem Rauchen größere Probleme als mit dem Trinken gehabt. Er hat erst angefangen, nachdem wir zusammen waren. Eigentlich ist Rauchen ein absolutes No-Go, weil es mich anekelt. Anderes Thema.

    Er sagt immer mal wieder, wenn er Angst hat, er will nie wieder trinken. Er hat Angst vor Krankheiten und Tod. Er hat so Phasen von Selbstmitleid, macht Versprechen, dann sucht er wieder Gründe, um zu trinken und er genießt es eben usw. Letztlich warte ich auf die Pause. Wenn er eine macht, wäre das ja ein Beweis, dass er zwar seine Gesundheit missachtet, aber nicht abhängig ist.

    Übrigens trinkt er gerade seinen zweiten Drink, weil Glühwein ja nach einer Woche schlecht wird, wenn er geöffnet ist und er ab morgen ja nichts trinkt.

  • Liebe Marguerite,


    na jaaa, mein Ex hat auch Pausen gemacht zwischendurch. Immer wenn er gemerkt hat, dass ich immer stinkiger wurde und zankte und so, immer wenn die Gefahr bestand, dass ich aktiv werden könnte, hat er eine Trinkpause eingelegt. Das können Abhängige.


    Nach einer gewissen Zeit wurde er dann immer nervöser und unruhiger und missmutiger, nahm den kleinsten Anlass zum Streit und dann ging die Sauferei wieder los. Und wer war dann Schuld daran, dass er ja saufen MUSSTE? Ich natürlich, die schrecklichste aller Frauen :cursing: .


    Liebe Grüße

    Aurora

  • Meiner hatte mehrere Wochen Pausen gemacht. Als "Beweis"...bis zu ein halbes Jahr. Ich hab dann diese Zeit als "gute Zeit" empfunden, Er aber gar nicht ,( wie er nach dem Gehen sagte,)..er hat es mit dem " Fahren mit Handbremse" verglichen.

    Und dann trank er, wieder täglich...

    Hat sich selbst vorgemacht, dass er nicht abhängig ist.

    Gruß

    St.

  • Liebe Aurora, ich verachte ihn leider allzu oft. Bin wütend. Meine Liebe ist derzeit kalte Asche im Wind. Ich möchte Ruhe und meine Gefühle nicht mit ihm teilen. Ich bin an sich Einzelgängerin. Ich bin es leid mich zu rechtfertigen für meine Gefühle und anpassen werde ich mich schon gar nicht.

    Ich bin aufgeregt, also bedeutet er mir etwas. Es ist ja nicht so, als sei alles schwarz weiß.


    Mein Ziel. Eigentlich so leben wie ich möchte. Mit ihm geht das, ohne ihn auch. Mit ihm wird es gerade schwerer. Dass ich ihn nicht mehr liebe, kränkt ihn. Das habe ich ihm gesagt. Wie soll man lieben, wenn man wütend ist, sich ekelt.

    Ich will ihm eine Chance geben. Er kann so zärtlich sein, so visionär, engagiert.

    Ich bin keine, die, wenn es schwer wird, gleich das Lager abbricht. Es ist möglich, seinen Teufelskreis zu durchbrechen. Er muss herausfinden, ob er es noch alleine schafft oder ob er bereits Hilfe braucht.


    Ich möchte mich allerdings nicht hinhalten lassen, vertrösten lassen, noch mehr mit ihm aufbauen, um letztlich mitanzusehen, wie er vor die Hunde geht. Ich möchte mir Klarheit verschaffen und ein Ultimatum setzen, wenn es nötig ist.

  • Ja, er und ich können ihm nicht so wichtig sein, wenn er das alles auf die leichte Schulter nimmt.

    Was heißt das dann? Keine Pause der Welt kann ein Beweis sein?

    Letztlich warte ich auf den Moment, in dem er meine Sorgen ernst nimmt. Er lässt jegliche Konsequenz vermissen, was nicht darauf hindeutet, dass er mich mehr als alles liebt. Würde er mir sagen, dass er keine Liebe mehr empfindet, ich würde da ganz anders reagieren.

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