Erik. Mein Kampf mit (um?) einem/n beratungsresistenten Alkoholiker

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo alle miteinander.

    Ich bin wohl der klassische Co-Abhängige, mein Freund, den ich seit acht Jahren kenne, ist Alkoholiker.

    Als wir uns kennenlernten, waren wir beide reichlich gutem Wein zu gutem Essen und nächtelangen Gesprächen nicht abgeneigt. In einer depressiven Phase meines Lebens habe ich es dann mal ein halbes Jahr gründlich übertrieben und regelmäßig zu viel getrunken. Da ich aus einer suchtbelasteten Familie komme, habe ich das sehr wohl an mir gesehen und bin wieder auf ein normales Level zurück gekommen. Den Alkoholkonsum meines Freundes begann ich kritischer zu sehen.

    Vor vier Jahren sind wir zusammengezogen, nachdem er einen kalten Alkoholentzug mit Anfällen & Notarzt gemacht hatte.

    Ab da konnte er weder seine zunehmenden Depressionen noch seinen zunehmenden Alkoholkonsum kontrollieren. Er hat eine Langzeittherapie abgesessen ohne inneres Engagement und verweigert alle weitere Behandlung, ich habe den Hausmann gegeben und war neben meiner Arbeit auch noch Psychotherapeut, Putzmann, Koch und alles andere.

    Nach längerer Arbeitslosigkeit hat er wieder Arbeit gefunden, aber er trinkt abends sofort nach dem Nachhausekommen oder noch auf dem Heimweg und insbesondere an freien Tagen, im Urlaub oder am Wochenenden bis zur Besinnungslosigkeit. Er schiebt es auf seine Depressionen.

    Mittlerweile wohnen wir getrennt, die Beziehung ist vorbei, aber wir sind Freunde. Und das ist das Problem. Für ihn bin ich der letzte verbliebene Ansprechpartner und er gibt mir immer wieder das Gefühl, dass unsere Freundschaft etwas besonderes ist. Was seine Trinkerei und psychischen Probleme angeht nimmt er aber überhaupt keinen Rat an, weiß alles besser, schiebt die Schuld auf alle anderen und jammert mir gleichzeitig die Ohren voll.

    Ich bin hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, ihm zu helfen und ihm gleichzeitig das Fell so richtig über seine sturen Ohren zu ziehen. Manchmal habe ich den Eindruck, er will sich absichtlich zu Tode trinken.

    Ich bin hier, weil ich im Moment dabei bin, mich um meiner selbst Willen von ihm bzw. seiner Krankheit zu distanzieren, aber erwartungsgemäß klingt das in der Theorie viel einfacher als es in der Praxis ist. Ich falle immer wieder in alte Muster zurück.


    Danke fürs Zuhören

  • Erik

    Hat den Titel des Themas von „Mein Kampf mit (um?) einem beratungsresistenten Alkoholiker“ zu „Mein Kampf mit (um?) einem/n beratungsresistenten Alkoholiker“ geändert.
  • Hallo Erik,


    willkommen im Forum. Ich bin Alkoholikerin und kann dir kurz aus meiner Sicht schreiben. Es gibt hier viele Angehörige, die dir sicherlich auch noch viel Unterstützung geben können.

    Oft gehen Depressionen/Ängste und Alkoholismus miteinander her. Aber an einer Depression kann man erst arbeiten, wenn man nüchtern ist.

    Für deinen Ex-Partner wirst du nicht viel tun können. Er braucht eine Krankheitseinsicht, damit eine Abstinenz erfolgreich ist. Wie du schon schreibst, hat er die Langzeittherapie „abgesessen“. Das heißt ja eigentlich schon, dass er nicht aufhören möchte. Da kannst du ihn nur weitertrinken lassen und dich um dich selbst kümmern. Erst wenn er zu dir kommt und um Hilfe bittet, kannst du ihn unterstützen.


    Ich bin hier, weil ich im Moment dabei bin, mich um meiner selbst Willen von ihm bzw. seiner Krankheit zu distanzieren,


    Das ist aber der richtige Ansatz und wichtig, dass du das erkannt hast.


    Viele Grüße

    Seeblick

  • Hallo, Seeblick, vielen Dank.

    Nein, er möchte keine Hilfe von außen, das sehe ich mittlerweile. Er hat Therapien, auch Psychotherapien, angefangen, aber immer sehr schnell wieder abgebrochen. „Schuld“ hatten daran immer die anderen.

    Er bittet mich aber manchmal konkret um Hilfe, zb wenn er mal wieder einen kalten Entzug macht. Seine Spezialität, denn er „ist ja kein Alkoholiker“. Soll ich ihm die verweigern? Ich denke mir dann, besser bei mir als alleine. Kurze Zeit später geht der Konsum ungebremst wieder von vorne los. Leider macht sein Körper das von außen klaglos mit und die Leberwerte sieht man ja nicht.

  • Hallo Erik,


    diese Art von Hilfe meinte ich nicht. Da "benutzt" er dich nur, um kurzfristig sein Elend zu überstehen. Auch eine Strategie von einigen Alkoholikern, um die Partner bei der Stange zu halten. "Siehst du, ich kann ja ohne". Alles Selbstbetrug. Du musst ihn auch nicht dabei unterstützen. Falls du dir Sorgen machst, kannst du den Notarzt rufen. Eine Kalter Entzug kann tödlich enden und eine Entgiftung gehört unter fachliche Aufsicht durch einen Arzt (stationär oder ambulant).


    Mit Hilfe meinte ich, wenn er einsichtig wäre und eine Therapie machen möchte. Er Hilfe braucht, sich eine Suchtberatungsstelle zu suchen oder andere Einrichtung zu finden. Wenn er trocken ist, seine Abstinenz zu festigen. Aber den ersten Schritt muss er selbst machen und dazu scheint er nicht bereit zu sein.


    Seeblick

  • (…)Mit Hilfe meinte ich, wenn er einsichtig wäre und eine Therapie machen möchte. Er Hilfe braucht, sich eine Suchtberatungsstelle zu suchen oder andere Einrichtung zu finden. Wenn er trocken ist, seine Abstinenz zu festigen. Aber den ersten Schritt muss er selbst machen und dazu scheint er nicht bereit zu sein.


    Seeblick

    Ja. Ich erkenne den Unterschied. Ich habe ihm unzählige Unterlagen, Telefonnummern usw zusammengesucht und ich erinnere ihn in unregelmäßigen Abständen daran. Er könnte therapeutische, professionelle Hilfe suchen, wenn er wollte, auch anonym.

    Es ist verdammt schwer, das zu akzeptieren

  • Hallo Erik,

    herzlich Willkommen bei uns.


    Das einzige, was du noch nicht versucht hast, ist den Kontakt abzubrechen. Vielleicht kommt er dann an seinen Tiefpunkt und geht von sich aus zum Arzt und läßt sich helfen.

    Tu dir das nicht an, ihn durch Kalte Entzüge zu begleiten. Das sprengt alles, was man als Laie im Ernstfall tun kann.

    Er will wohl momentan keine Hilfe und von außen kann man nix machen. Dieses Ohnmachtsgefühl kennen viele von uns hier aus eigener leidvoller Erfahrung.


    Bewerbung - Alkoholiker Forum
    Im Alkoholiker Forum Bewerben auf geschütztere Bereiche.
    alkoholiker-forum.de


    Bitte klicke als nächstes auf diesen Link und fülle kurz das Formular aus. Dann wirst du fürs Forum freigeschaltet und dein Thema gleich in den Angehörigenbereich verschoben, o.k.?

    Dort unterstützen sich die Angehörigen gegenseitig bei solchen schwierigen Entscheidungen.


    Viele liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Den Kontakt habe ich bisher noch nicht abgebrochen. Ich habe allerdings versucht, ihn zu reduzieren, was jedesmal zu endlosen Schuldzuweisungen und Vorwürfen seinerseits geführt hat.

    In meiner Vita steht leider schon eine ziemlich Erfahrungsliste mit kalten Entzügen. Ich weiß um die Risiken und deshalb ist es mir lieber, er ist unter meiner Aufsicht, wo zumindest ich dann den Notarzt rufen kann (und das ggf. auch tue). Sonst macht er das alleine.

  • Hallo Erik,

    wie wäre die Vorstellung, ihm die Verantwortung für seine Entscheidungen zurückzugeben?

    Du kannst ja nicht ewig sein Aufpasser sein, oder willst du das für dich selber so haben?

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ich hab mir darüber schon viele Gedanken gemacht. „Es ist ja eine Krankheit, und wenn er jetzt Alzheimer hätte, würde ich auch auf ihn aufpassen.“

    Würde ich. Aber ehrlicherweise geht das auch nur bis zu einem bestimmten Punkt.

    Ich stelle mir aber auch die Frage, inwieweit ich jemandem die Verantwortung für sein Leben überlassen darf, der diese Verantwortung gar nicht zu 100% übernehmen kann?

    Ober baue ich mir da nur eine Hintertür für mich selbst?

  • Ich denke ja.


    Denn du bist bzw. warst der Partner.

    Gerade für den Fall, daß jemand nicht mehr die Verantwortung fürs eigene Leben wahrnehmen kann, gibt es gesetzliche Betreuer.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hartmut

    Hat den Titel des Themas von „Mein Kampf mit (um?) einem/n beratungsresistenten Alkoholiker“ zu „Erik. Mein Kampf mit (um?) einem/n beratungsresistenten Alkoholiker“ geändert.
  • Hallo Erik,


    willkommen bei uns. Ich habe dich freigeschaltet und dich gleichzeitig in den zugehörigen Bereich verschoben. Ist das so weit in Ordnung für dich?


    Hier geht es dann weiter.

    Gruß Hartmut

    ---------------------


    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Hallo Erik, ich sag einfach mal herzlich willkommen!


    Viele dieser Fragen, habe ich mir selbst schon gestellt, es ging dabei allerdings um meine Eltern.


    Meine persönliche Antwort an mich: Ich kann nur dann angemessen Verantwortung für mich selbst tragen und achtsam und liebevoll mit mir sein, wenn ich auf keinen Fall irgendwie Verantwortung für andere erwachsene Menschen übernehme.


    Der Weg dorthin war allerdings steinig und schmerzhaft und laaaaang. Ich wünschte, ich hätte schon damals dieses Forum gekannt, das Gefühl mit diesen Gedanken nicht alleine zu sein, ist wirklich schön.


    Grüße, Lea

  • ... „Es ist ja eine Krankheit, und wenn er jetzt Alzheimer hätte, würde ich auch auf ihn aufpassen.“

    Würde ich. Aber ehrlicherweise geht das auch nur bis zu einem bestimmten Punkt.

    Ich stelle mir aber auch die Frage, inwieweit ich jemandem die Verantwortung für sein Leben überlassen darf, der diese Verantwortung gar nicht zu 100% übernehmen kann?

    Ober baue ich mir da nur eine Hintertür für mich selbst?

    Ja und nein – die Hintertür. Wie oft willst Du das versuchen? … es ist ja eine Krankheit, ja, man kann sie auch zum Stillstand bringen, durch Abstinenz.

    Kalter Entzug … gewagte Prozedur. An deiner Stelle würde ich immer einen Arzt konsultieren und wenn dein Freund es sowieso vorhat, was spricht dagegen, wenn er den Arzt konsultiert?

    Du allein kannst nichts machen, du kannst ihm dabei helfen, ihr könnt es gemeinsam probieren. Doch will der Alkoholiker nicht, kannst du zwar bemitleiden, gut zureden … doch ändern wirst du nichts.

    Es ist wie ein Kampf gegen den Rauch, während das Feuer fleißig weiter brennt.

    Gerade für den Fall, daß jemand nicht mehr die Verantwortung fürs eigene Leben wahrnehmen kann, gibt es gesetzliche Betreuer.

    Gesetzliche Betreuer … tolle Idee!

    Das wird bei einem Nichtfamilien-Mitglied, der keine geistige Erkrankung oder Behinderung hat, schwer möglich sein (vgl. BGB § 1896-1908).

  • Ich hab mir darüber schon viele Gedanken gemacht. „Es ist ja eine Krankheit, und wenn er jetzt Alzheimer hätte, würde ich auch auf ihn aufpassen.“

    Würde ich. Aber ehrlicherweise geht das auch nur bis zu einem bestimmten Punkt.

    Ich stelle mir aber auch die Frage, inwieweit ich jemandem die Verantwortung für sein Leben überlassen darf, der diese Verantwortung gar nicht zu 100% übernehmen kann?

    Ober baue ich mir da nur eine Hintertür für mich selbst?

    Hallo lieber Erik,


    Ich war ebenfalls Angehörige eines depressiven Alkoholikers. Wir sind bereits getrennt, er war zwar irgendwie einsichtig, hat Therapien und Entzüge hinter sich, aber ich sah nur, es wurde schlimmer und schlimmer. Noch immer bewegt sich dieser Mensch in seiner Opferrolle…sie suchen oft die Schuld woanders, finden Gründe um trinken zu müssen und am Ende sind sie das arme Lämmchen. (Verzeih, aber in mir stecken noch so viele Emotionen was diese Beziehung und den Kerl angeht).

    Ich dachte all die Zeit, ich sei stark, ich kann differenzieren..er ist doch so ein guter Mensch…Erik, ich würde dir gerne Hoffnungen machen können, aber eigentlich will ich dir klar und direkt sagen „LAUF!!!“ es wird nichts besser! Und ehe du dich versiehst, liegst du auf dem Boden.

    Ich bin noch immer dabei mich wieder aufzusammeln, zusammenzukleben. Mich hat es erst nach der Trennung umgehauen! Aber so richtig.

    Lass das nicht zu! Tue Dir das nicht an!

    Ich wusste nicht, wie hart es ist, sich selbst zu vergeben. Vergeben, all das zugelassen und mitgemacht zu haben…Liebe, Freundschaft…Erik, Du bekommst am Ende nichts zurück. Gar nichts!


    Die vermeintlich „beste“ Freundin meines Ex unterstützt ihn unterschwellig bei seiner Sucht. Sie hat er immer geschützt, auf Händen getragen…heute verstehe ich weshalb. Eine bessere Co wird er niemals finden! Und jetzt machen sie einen auf Happy Family..beide sind derart krank, jeder auf seine Art!

    Ich konnte nur endgültig den absoluten Kontaktabbruch vollziehen, damit ich wieder heilen kann.

    Was hat mir meine Loyalität, meine Hoffnung und meine tiefe Liebe gebracht?? Nichts außer Leid, Schmerz, tiefe Verletzungen, Verlust des Selbstwertgefühls, Verlust von Vertrauen usw…

    Ende vom Lied: ich befinde mich nun in professioneller Hilfe, da ich davon richtig einen wegbekommen habe. Während der Beziehung hatte ich bereits einen Therapeuten, auch wenn der alles schlimmer gemacht hat bzw überhaupt keine Stütze für MICH war. Lass das bitte nicht so weit kommen. Ich wünsche das niemandem.


    Bzgl deines Zitats, es ist eine Krankheit, bei Alzheimer würde ich ja auch helfen…nun. Dieser Vergleich hinkt gewaltig…ein Alkoholiker KANN sich selbst helfen, Hilfe bekommen, wenn er es denn will! Und genau da liegt der entscheidende Faktor…


    Herzlichst,

    Sensual

  • Ich habe eben im Thread von Busseschubser etwas gelesen, was mich sehr ansprach: er schrieb, das Forum würde in ihm mehr Gedanken an Alkohol auslösen als er in den sechs trockenen Monaten vorher hatte.

    Bei mir gibt es eine ähnliche Reaktion von der anderen Seite: ich werde auf meinen Freund wütender und wütender, je mehr ich hier lese.

    :/

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