wieweiter - Was tun?

  • Ich danke Euch.

    Ich mach gerade eine schlimme Zeit durch.

    Die Rentenversicherung will gerade wissen wie es mit der Erwerbungsunfähigkeitsrente weitergeht, die ja bis Juni 2025 befristet war obwohl sie schon eine Sterbeurkunde haben. Der Handyanbieter schreibt es tue ihm leid, dass er er den Vertrag kündigt und ob er nicht einen besseren Vertrag haben möchte, obwohl ich geschrieben habe, dass er verstorben ist. Nur die Verwaltung des Sonnenstudios schrieb herzliches Beileid und hat den Vertrag sofort gelöscht.

  • Jetzt verstehe ich dich erst richtig und warum du dich im Forum mit deiner Art so einbringst. Deshalb sage ich dir ein dickes Danke dafür.

    Hallo Hartmut, auch ich war, als ich hier im Forum ankam, etwas irritiert. Ich dachte, als ich deine Beiträge las, oh man, der schreibt sehr verbissen! Wohlwissend, das das hier eine ernste Sache ist und die Alkoholsucht auch zum qualvollen Tod führen kann.Je mehr ich aus deinen Absätzen herauslese, verstehe ich dich.Du hattest nur die beiden Optionenen,Leben oder qualvoll sinnlos dem Tod in die Arme zu laufen.Meinen größten Respekt, das du dich hier im Forum so einbringst.Auch von mir, danke für dein Angagement.Gruß Bono

  • Ich habe viel Zeit und denke viel nach. Seit einem einschneidenden Erlebnis vor langer Zeit, ich war so Ende Dreißig, konnte mich nichts mehr erschüttern. Geht nicht gab es nicht für mich. Um so hilfloser stand ich der Alkoholkrankheit meines xy gegenüber. Ich dachte immer es muss doch eine Lösung aus der Sucht geben. Aber da war noch seine Depression. Ich möchte niemanden Schuld geben, aber das berufliche Umfeld war nicht gerade hilfreich. Da gab es Vorfälle, die ich nur als no go bezeichnen kann. So geht man nicht mit Menschen um. So zum Beispiel zur Zeit von Corona. Xy hatte ja keinen Führerschein und die Arbeitsstätte nicht mit den öffentlichen zu erreichen. Er wurde von seinem Kollegen mitgenommen. Dann wurden 3 Schichten gebildet und klar, er kam nicht in die gleiche Schicht wie sein Kollege, ohne Grund. Ich könnte noch mehr schreiben. Sonntag war ein verlorener Tag, er war total panisch und kotzte sich die Seele aus dem Leib. Panik und Angstattacken. Wie gesagt, ich möchte keine Schuldzuweisungen machen, aber ein bischen Menschlichkeit täte auch gut.

  • Ich finde auch diesen Grundsatz, solange jemand trinkt, kriegt er keinen Platz bei einem Psyotherapeuten nicht in Ordnung.

    Wir hatten ein Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten und es hätte total gepasst. Er lehnte ab weil xy nicht trocken war. Mir kommt da immer der Gedanke, was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei? Ich hatte immer das Gefühl es müsste zuerst die Depression behandelt werden, da die die Ursache war. Es wurden aber immer nur die körperlichen Symptome behandelt. Auf die seelische Ursache wurde nicht eingegangen.

  • Hallo wieweiter!

    Um so hilfloser stand ich der Alkoholkrankheit meines xy gegenüber. Ich dachte immer es muss doch eine Lösung aus der Sucht geben.

    Das geht nicht nur dir so sondern allen Menschen die nicht süchtig sind. Sucht ist nur von Süchtigen zu verstehen. Ich habe auch immer gedacht:"Warum trinkt er nicht weniger bzw. gar nichts", ich verstand es lange Zeit als Willensschwäche. Bestimmt hast du alles Menschenmögliche versucht ihn vom Trinken abzuhalten und es hat trotzdem nicht funktioniert..

    Ich habe viele Jahre geraucht und kann es ein wenig die Sucht nachvollziehen aber mit dem Trinken kann man es auf keinen Fall gleichsetzen. Das finde ich ist viel massiver und heftiger.

    Aber da war noch seine Depression. Ich möchte niemanden Schuld geben, aber das berufliche Umfeld war nicht gerade hilfreich.

    Das ist überall so im Berufsleben darauf nimmt niemand Rücksicht. Aber bist du dir sicher er hätte nicht getrunken wenn alles gepasst hätte? Es trinken ja auch Menschen bei denen alles stimmt oder zumindest glatt läuft.

    Ich finde auch diesen Grundsatz, solange jemand trinkt, kriegt er keinen Platz bei einem Psyotherapeuten nicht in Ordnung.

    Er hätte sich ja auch stationär einweisen lassen können und dort entgiften und seine Depressionen behandeln lassen können. Wie sollte man ernsthaft eine Therapie machen wenn man angetrunken zum Psychologen geht? Dazu gehört schon ein einigermassen klarer Kopf.

    Ich hatte immer das Gefühl es müsste zuerst die Depression behandelt werden, da die die Ursache war.

    Nein das funktioniert nicht, es ist ja im Grunde egal warum jemand trinkt, er muß erst damit aufhören um weiterführende Therapien in die Wege zu leiten. Ausserdem ist er schon viel früher einen falschen Weg gegangen wenn man depressiv ist fängt man im Normalfall nicht an zu trinken sondern geht zum Psychologen.

    Bitte quäle dich nicht so mit diesen Gedanken das führt ja zu nichts. Er war suchtkrank und hat es wie mein Mann nicht geschafft aus der Suchtspirale auszusteigen. Sehr viele schaffen es trotz Therapie nicht und gehen einen ganz schrecklichen Weg.

    LG Marie

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hi wieweiter,

    ich hatte schwere Depressionen bevor ich ernsthaft mit dem saufen angefangen habe. Das zu Deiner Frage. Ich hatte auch schwere Depressionen während des saufens. Das grundsätzliche über meine Depressionen, also das Verstehen und Wege wie ich mir selbst helfe habe habe ich nüchtern gelernt. Und das geht auch nur nüchtern. Ich wäre aus jeder jeder Depressionsabteilung und aus jeder Therapie zurecht rausgeflogen wenn ich Alkoholiker gewesen wäre. Weil das dann von den professionellen verschwendete Resourcen gewesen wären. Und ich hätte das hoffentlich auch verstanden. Ich habe es auf jeden Fall heute verstanden. Denn ich wäre nicht auf die Idee gekommen eine Therapie während des saufens an zu fangen, denn die hätte erst Recht nicht funktioniert weil Alkohol Depressionen befeuert. Ich wusste das ich eine echte Depression nur nüchtern angehen kann. Und tatsächlich sind meine Depressionen seitdem ich nüchtern bin nicht mehr das "Problem". Und ich hoffe ich trete Dir jetzt nicht zu Nahe, aber Dein Partner hatte weder Krankheitseinsicht was seine Depressionen angeht noch das er Alkoholiker ist. Hätte er diese gehabt dann hätte er verstanden das er erst seinen Alkoholismus stoppen musste und dann die Depressionen angehen kann. Und ich vermute Mal das im schon klar war das er irgendeinen Rucksack trägt als er ernsthaft mit dem saufen begonnen hat. Denn obwohl Depressionen eine Hirnorganische Krankheit ist die theoretisch auch einen völlig gesunden Menschen ereilen kann, habe ich bis jetzt noch nicht einen einzigen depressiven Menschen kennengelernt bei dem die eigene Hilflosigkeit nicht erlernt war.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Denn obwohl Depressionen eine Hirnorganische Krankheit ist die theoretisch auch einen völlig gesunden Menschen ereilen kann, habe ich bis jetzt noch nicht einen einzigen depressiven Menschen kennengelernt bei dem die eigene Hilflosigkeit nicht erlernt war.

    Kannst Du mir den letzten Satz erklären?

    Ich hatte in jungen Jahren nach der Geburt meines ersten Kindes eine Depression.

    Ich denke, dass auch ein mangelndes Selbstwertgefühl durch die Trinkerei kompensiert wurde.

  • Er brauchte ständig Bestätigung, für jede Kleinigkeit. Das hat mich oft genervt. Was für mich in einer Partnerschaft selbstverständlich war, war für ihn eine tolle Leistung, die ich sofort würdigen sollte.

    Es ist wie es ist und lässt sich nicht mehr ändern. Dennoch tut es weh, dass es so enden musste.

  • Hallo wieweiter,

    ich versuch das Mal zu erklären. Ich hatte postnatale Depressionen als ich oben geschrieben habe nicht auf dem Schirm. Und ich kann mir vorstellen das postnatale Depressionen wie bei Dir häufig keine tiefere Ursachen haben.

    Ich habe allerdings auch schon Frauen kennengelernt bei denen sie eine tiefere Ursache hatten.

    Was ich geschrieben habe sind meine Erfahrungen meiner "normalen" Depression. Und das was ich von anderen Depressiven auf meinem langen Weg erfahren habe.

    Ich hoffe das hilft Dir weiter.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich denke es wird eine Weile dauern den Verlust meines Partners zu verarbeiten. Der Verstand sagt mir, dass er erlöst ist und ich nun auch keine Angst mehr davor haben muss was mich hinter der Wohnungstür erwartete. Dennoch ist es der Verlust eines im Grunde liebenswerten Menschen, der mit seiner Sucht nicht klar kam und keinen Ausweg kannte als sich zu Tode zu trinken.

  • Ich schreibe jetzt noch etwas und ich möchte Dir wieder nicht zu nahe treten. Hätte er eine Krankheitseinsicht in seine Depressionen gehabt dann hätte er gewusst das eine unbehandelte Depression nicht nur eine sehr schwere Krankheit ist sondern auch ein hohes Risiko für vermeidbaren Selbsttötungen haben. Und die Kombination von Alkohol und Depressionen ist eine tödliche Kombination. Und das wird er auch gespürt haben. Aber er hat sich auch entschieden seine Selbstötung mit Alkohol durch zu führen. Ein grauenhafter Weg/Tod. Aber es war eine Selbsttötung.

    Und ich habe das hier schon einmal in einem anderen Faden geschrieben. Eine Selbsttötung eines nahestehenden Menschen ist ein okayer Grund wütend zu sein auf diese Person. Viele Menschen spüren das nicht oder wollen das nicht spüren. Auch das ist okay.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • So habe ich es auch empfunden. Seine Gedanken kreisten oft um den Suizid seines Vaters und er interessierte sich auch sehr für das Schicksal von Robert Enke.

    Er hat oft von Suizid gesprochen, hätte es aber letztendlich nicht aktiv gemacht. Es war ein Selbstmord auf Raten.

    Einmal editiert, zuletzt von wieweiter (6. Februar 2025 um 23:10)

  • habe ich bis jetzt noch nicht einen einzigen depressiven Menschen kennengelernt bei dem die eigene Hilflosigkeit nicht erlernt war.

    Solche Generalisierungen finde ich unpassend. Für Verhaltenstherapeuten ist alles "erlernt", für Tiefenpsychologen ist es Ausdruck eines inneren Konflikts. Und die ganz Schlauen reden vom bio-psycho-sozialen Modell, sozusagen die All-inklusive-Variante. Hier im Forum irgendwelche Analysen und Zuschreibungen zu Leuten zu machen, die wir nicht mal kennen, finde ich schwierig.

    Und Depression trifft nicht nur "theoretisch" jeden, sondern das ist tatsächlich so. Klar finde ich bei jedem immer einen Hintergrund. Der Konstruktivismus lässt grüßen.

    Ich selbst kann jedenfalls am meisten hier für mich raus ziehen, wenn Leute von sich selbst sprechen. Das lässt mir auch die Luft zu entscheiden was für mich passt und was nicht. Ich lese so oft "du musst", "du solltest", "wenn ich an deiner Stelle wäre, dann würde ich...". Unsinn! Wenn du an meiner Stelle wärst mit meiner eigenen Geschichte und meinen Prägungen, dann würdest du es so machen wie ich, denn dann wärst du ja nicht du...🙃

    Ja, bei Leuten mit Kindern, da verstehe ich das eher mit den Aufforderungen. Aber selbst da kann ich mir vorstellen, dass ein Bericht eines EKA mehr bewirkt, als alle Apelle.

    Aber ich schweife ab.

    Liebe wieweiter, ich verstehe deine Wut und deine Fragen. Ich habe den Eindruck, dass in punkto Sucht und Depressionen in den letzten Jahren ein großer Wandel statt gefunden hat. Während es bei meinem Mann vor 15 Jahren noch ein Frevel war, neben der Sucht auch Depressionen anzusprechen und das ständig abgetan wurde mit: "wenn du auf hörst zu saufen, dann gehen die weg" oder auch eine medikamentöse Behandlung abschätzig als "Pille statt Pulle" abgetan würde - ist es in der letzten Reha und Entgiftung ins komplette Gegenteil gerutscht. Mein Mann hat berichtet, dass den Leuten eine Depression fast schon "aufgezwungen" wurde. Aber jedenfalls gab es hier sehr viel Hilfestellung und spezielle Therapien, auch in der Suchtklinik. Es gibt auch Psychiater, die sich mit Sucht auskennen. Und vor allem war es das Suchthilfezentrum, dass dann die entsprechenden passenden Stellen (Ärzte, Sucht-Reha mit angeschlossener Psychosomatik) empfehlen konnte.

    Ich kann mir vorstellen, dass eine Depression eine Suchtentwicklung befördern kann. Aber wenn der Schalter gekippt ist, dann ist Sucht Sucht, egal wieso, weshalb, warum.

    Quäl dich nicht so sehr mit hätte und wäre... Er ist an seiner schweren Krankheit verstorben. Niemand konnte ihm helfen. Die Profis genausowenig wie du. Hier hat niemand Schuld. Auch nicht dein xy.

    Ich wünsche dir, dass du deinen Frieden findest.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Solche Generalisierungen finde ich unpassend

    Hallo Jump, das entspricht genau meinen Erfahrungen.Die Deutung von Depressionen und Sucht oder beides zusammen ist ein komplexes Thema. Ich wär da sehr vorsichtig. Die Sache in Schubladen zu stecken. Depressionen und Sucht verlaufen ja bei jedem individuell. Ich mag da keine Verallgemeinerungen und ich kenn mich bei dem Thema ganz gut aus.

  • Als Kind ist es faktische Hilflosigkeit.

    Bei einem Erwachsenen können die Depressionen dergestalt sein, dass nur Tiefenhirnstimulation dagegen hilft.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich hab jetzt einige Zeit hier mitgelesen. Und ich denke für eine Selbsthilfegruppe seid ihr ganz schön radikal. Ihr duldet keine andere Meinung. Co ist co und alk ist alk. Es gibt nur schwarz oder weiß. Finde ich nicht gut. Gerade Menschen, die zweifeln brauchen Hilfe. Ihr lehnt Menschen, die nicht eure Überzeugung haben ab. Denkt mal drüber nach. Auch ihr seid nicht unfehlbar. Ich hab das schon mal angesprochen, es gibt auch Menschlichkeit. Alkis sind auch Menschen. Und ich bin jetzt raus. Könnt ihr gerne zensieren.

  • Alkis sind auch Menschen

    Stimmt. Ich bin auch trockene Alkoholikerin. Dennoch rate ich Co-Abhängigen, sich abzugrenzen. Weil ich selbst ebenfalls einige Jahre co-abhängig war. Und es war die Hölle, dabei zuzusehen, nichts machen zu können.

    Aufgrund Deiner Situation verstehe ich trotzdem das, was Du schreibst,

    Ich finde auch nicht, dass Dein Beitrag zensiert werden sollte. Es ist das, was in Dir vorgeht.

    LG Cadda

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