Opalia - Ausstieg, Durchquerung und Suche

  • Hallo liebes Forum!

    Super, Euch gefunden zu haben! Seit März lese ich hier viel und versuche nun, mich Euch vorzustellen. Das gestaltet sich etwas schwierig, weil meine Umstände einen höheren Wiedererkennungswert haben - ich hoffe, mich dann bald im geschützteren Bereich mit Euch austauschen zu dürfen.

    Heute ist der 29.Tag, den ich keinen Alkohol mehr getrunken habe.

    Schon 2010 habe ich zum ersten Mal hier um Aufnahme gebeten, wurde aber damals abgelehnt, da ich noch nicht mit Sicherheit sagen konnte, dass ich Alkoholikerin bin. Jetzt - 14 Jahre später - muss und kann ich das: JA, ich bin Alkoholikerin. Und meine Entscheidung, nüchtern zu bleiben, ist endgültig- die Abstinenz soll lebenslang bestehen bleiben.

    Ein wenig zu mir: Ich bin mittleren Alters, es begann mit der Trinkerei recht klassisch: mit 14 der erste Rausch mit Filmriss in einer Gruppe, in der ich die Jüngste war und mit den "Größeren" mithalten wollte. Meine zersplitterte Herkunftsfamilie ist Dynastie eines Berufsstandes, bei dem das "kultivierte" Trinken zum Lifestyle dazugehört. Allerdings gab es nur einen, der außer mir Alkoholiker war. Trotzdem wurde das Trinken vorgelebt. Während der letzten drei Schuljahre hatte ich bereits den Ruf, besonders "trinkfest" zu sein und begann, z.B. die Qualität von Weinen zu differenzieren. Verschiedene Jobs mit hoher Affinität zu Alkohol begünstigten, dass eine Regelmäßigkeit meines Trinkverhaltens eintrat. Aber die Kontrolle endgültig verlor ich dann durch das Ende einer traumatisch verlaufenen Beziehung. Seitdem trank ich dann auch alleine vor mich hin.

    Ich gehörte zu den sog. "Spiegeltrinkern". Immer über den Tag verteilt kleine Schlucke, sodass man es nicht merkt und ich weiter funktionierte. Gelegentlich kamen dann auch noch abends haltlose Gelage on top. Ich wurde immer streitsüchtiger, aggressiver einerseits, andererseits aber auch gefühllos, es gab kaum noch etwas, das mich erreichte- weder Schönes noch Sonstiges.

    Das war dann der Punkt, eines Abends zu beschließen: So geht´s nicht weiter! Erstmal zur Suchtberatung, dann zum Hausarzt. Die Entgiftung konnte ich aus diversen Gründen nicht stationär machen, aber hatte keine Entzugserscheinungen zum Glück! Mittlerweile habe ich zum großen Glück schon einen Platz für eine Analytische Psychotherapie ergattert. Dreimal war ich bisher bei einer Präsenz-Selbsthilfegruppe. Trotzdem bin ich auch hier bei Euch: weil es mir sehr viel leichter fällt zu schreiben, und man dadurch auch viel genauer hinsehen kann, mehr Ruhe zum Gedanken-Fassen und weniger Ablenkung hat.

    Die letzten 4 Wochen waren ein einziges ZickZack mit extrem vielen Schwankungen. Die damit zu tun haben, dass ich derzeit mein berufliches UND privates Umfeld nicht alkoholfrei gestalten kann. (Ich kenne die Artikel hier - Grundbausteine, den Notfallkoffer und über den Kalten Entzug). Es würde den vollständigen Kollaps meiner derzeitigen Lebensumstände bedeuten. Umso stolzer bin ich, es jetzt schon soweit geschafft zu haben, dass das Vermissen des Alkohols etwas in den Hintergrund tritt. Ich schlafe besser (=erholsamer) und es sind auch weitere Veränderungen geplant + im Gange. (Fitnesstudio angemeldet und schon mehrmals hingegangen- hat gut getan.)

    Nun hoffe ich sehr, dass dieses Mal die Aufnahme bei Euch bewilligt wird ;-). Werde gerne weiter viel von Euch lesen und in anderen Strängen mitschreiben., wenn ich denke, etwas vielleicht Hilfreiches zu äußern zu haben.

    Danke fürs Lesen!

  • Hallo Opalia,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Meinen Glückwunsch zu Deinem Entschluss, vor einem Monat zum Arzt zu gehen und mit dem Saufen aufzuhören.

    Zuerst geht es hier erstmal nur um Dich selbst, denn in der Anfangszeit verändert sich sehr viel für Dich.

    Der Körper und die Seele müssen sich von dem jahrelangen Alkoholkonsum erholen.

    Das mit dem persönlichen und beruflichen Umfeld, dass dort überall Alkohol konsumiert wird, ist tatsächlich für Dich eine schwierige Situation.

    Hast Du in Deiner Familie und bei Deinen Freunden schon kundgetan, dass Du keinen Alkohol mehr trinkst?

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Elly! Danke für Deine schnelle Antwort!

    Was das Kundtun meiner Abhängigkeit und des Nicht-mehr-Trinkens betrifft, bin ich bisher ausgesprochen "wählerisch". Oder vorsichtig, besser gesagt. Mein Partner weiß es- leider trinkt er selbst viel zuviel und regelmäßig. Wir haben zu zweit ein eigenes Unternehmen und sind abhängig voneinander. Meiner Mutter sagte ich es auch, sowie zwei Freundinnen = Kolleginnen. Ansonsten konnte ich es schon zwei weiteren Personen mitteilen, die mir nicht so wichtig sind, und deren Reaktionen ich deswegen nicht fürchten musste.

  • Guten Abend Opalia,

    ein Partner, der weiter Alkohol trinkt, wird für Dich zu einer Herausforderung werden, die Du sehr wahrscheinlich bald so nicht mehr hinnehmen kannst.

    Man muss es nicht jedem erzählen, dass man Alkoholiker ist, aber die wichtigsten Menschen sollten informiert sein und auch Rücksicht auf einen nehmen.

    Möchtest Du Dich im offenen Bereich mit den anderen austauschen?

    Hier ist der Link für Dich:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema zu "Erste Schritte für Alkoholiker" im offenen Bereich verschieben.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Ja, es sagen mir alle (Arzt, Therapeuten, SHG), dass die Herausforderung immens sein wird. Aber ich kann mich doch jetzt deswegen nicht auf der Stelle sofort von meinem Partner trennen. Da hängt auch viel zu viel dran! (Selbständigkeit usw.). Das wäre für mich eine panische Kurzschlussreaktion.

    Ich habe richtige Furcht davor und noch überhaupt keine Perspektive, wie alles weitergehen kann- falls ich mich durch die Abstinenz stark verändern werde.

    Von meinem Partner kann ich keine Abstinenz "mir zuliebe" verlangen. Es ist unser Beruf, der mit dem Alk zu tun hat und auf Alk gründet. Außerdem war der bisher ein starkes Bindeglied unserer Beziehung- es steht total in den Sternen, was jetzt von dieser übrigbleiben oder sich neu bilden wird.

    Er leidet schon jetzt auch unter massiven Verlustgefühlen.

    Mich würden da Eure Erfahrungen wirklich interessieren.

    Danke für den Link, Elly!

    Einmal editiert, zuletzt von Opalia (22. Mai 2024 um 20:35)

  • Doch, Opalia, ich habe von meinem Partner erwartet, dass unser Haushalt alkoholfrei ist und er in meiner Gegenwart am Anfang nichts Alkoholisches trinkt.

    Und weil er so froh darüber war, dass ich nicht mehr saufe, hat er mich mit allem unterstützt!

    Er konnte auch immer nach 1 Glas Alkohol aufhören zu trinken, ich konnte das nie. Mittlerweile trinkt er sehr selten etwas Alkoholisches.


    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet.

    Du kannst überall schreiben, jedoch bitte die ersten 4 Wochen nicht bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Opalia,

    herzlich Willkommen und herzlichen Glückwunsch zu 29 nüchternen Tagen. 💐

    Die letzten 4 Wochen waren ein einziges ZickZack mit extrem vielen Schwankungen. Die damit zu tun haben, dass ich derzeit mein berufliches UND privates Umfeld nicht alkoholfrei gestalten kann.

    Was genau meist du mit ‚Zickzack‘?

    Ein alkoholfreies Zuhause ist mir ganz wichtig. Mein Zuhause soll mir mein sicherer Ort sein und das ist es auch.
    Im Prinzip ist es doch so, dass mein Zuhause der einzige Ort auf dieser großen weiten Welt ist, wo ich entscheiden kann, dass er alkoholfrei ist….überall sonst kann mir Alkohol begegnen (können). Das kann ich nicht beeinflussen. Alkohol ist überall und er wird immer überall da sein.

    Mein nüchternes Leben ist in meinem Kopf. Es ist egal, ob andere Alkohol trinken, ich kann es nicht.

    Von meinem Partner kann ich keine Abstinenz "mir zuliebe" verlangen.


    Ich persönlich erwarte von niemandem, dass in meiner Gegenwart nur Wasser getrunken wird. Wenn es so ist, ist das super, wenn mir aber das Umfeld wegen des Alkoholkonsum einiger Leute nicht passt, dann muss ich eben gehen. Das ist dann meins.

    Die Welt um mich herum wird nicht trockener, nur, weil ich nicht mehr saufe.

    Nun bewege ich mich aber auch nicht in ‚Säuferkreisen‘, was vieles einfacher macht.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo Opalia,

    Deine Situation ist wirklich nicht einfach. Aber wenn Du nicht noch einmal 14 Jahre verlieren möchtest, wirst Du bald einen Weg finden müssen, zumindest Dein direktes Umfeld alkoholfrei zu gestalten. Eine ganz wichtige Lehre ( aus Erfahrung) hier lautet: Nur nicht trinken reicht nicht.

    Z. B. Könntest du für den Anfang eine erst mal nur räumliche Trennung vornehmen, indem Du Dir ein kleines Apartment suchst. So ganz sicher scheinst Du Dir Deiner Partnerschaft ja sowieso nicht zu sein.

    Von meinem Partner kann ich keine Abstinenz "mir zuliebe" verlangen. Es ist unser Beruf, der mit dem Alk zu tun hat und auf Alk gründet. Außerdem war der bisher ein starkes Bindeglied unserer Beziehung- es steht total in den Sternen, was jetzt von dieser übrigbleiben oder sich neu bilden wird.

    Er leidet schon jetzt auch unter massiven Verlustgefühlen.

    Er ist erwachsen, damit muss er klarkommen. Vielleicht öffnet es ihm sogar irgendwann die Augen für sein eigenes Problem.. Aber Dein Fokus sollte jetzt zu 100 % auf Dir und deiner Abstinenz liegen. So wichtig darfst und musst du dir sein.

  • Hallo Opalia,

    Ja, es sagen mir alle (Arzt, Therapeuten, SHG), dass die Herausforderung immens sein wird

    Natürlich, weil alle Ratschläge in dieselbe Richtung gehen. Alkoholfreies Umfeld, sowohl privat als auch beruflich. Du wirst hier auch nichts anderes lesen. Alles andere ist ein Ritt auf der Rasierklinge. Kontrolliertes ( Mit- )Trinken funktioniert auch nicht, wird hier auch nicht propagiert.

    Außerdem war der bisher ein starkes Bindeglied unserer Beziehung- es steht total in den Sternen, was jetzt von dieser übrigbleiben oder sich neu bilden wird.

    Diesen Zustand kannst Du in Zukunft nicht mehr halten ohne selbst wieder zu trinken.

    Was ist also wichtiger für Dich?

    lG WW

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • dass ich nach der anfänglichen Abschreckung im Frühling aus meinem stillen "Mitlese-Modus" auftauche.

    Hui, und kaum aufgetaucht, schon kommt einer (ich) daher und quatscht Dich an ^^

    Wie läuft es? Noch abstinent unterwegs?

    Habt Ihr euch geeinigt?

    Hoffe ich muss jetzt nicht 14 Jahre auf die Antwort warten. Hast ja einen langen Atem. Wer ein halbes Jahr tauchen kann. ;)

    Ich muss zugeben, dass mich das besonders interessiert. Weil ich genau das gleiche "Problem" hatte wie Du. Und sie trinkt immer noch.

    Viele Grüße

    Alex

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hallo zusammen - und danke fürs "Anstupsen", @ Alex_aufdemweg !

    Eure Antworten haben mich ganz schön erschreckt, oder verschreckt auch teilweise- deswegen schrieb ich erstmal ein paar Monate jetzt nichts mehr. Aber das ist wohl manchmal so bei den Neuen hier, und ich lese, dass es niemand "böse meint". ;)

    Nun kommt es mir aber langsam etwas "feige" vor, nur still und heimlich hier täglich mehrmals zu lesen. Unser Unternehmen ist ein Saisongeschäft von April bis Ende Oktober. In dieser Zeit war ich extrem beansprucht, wenig zuhause, und vom Handy aus zu tippseln ist mir da auch zu mühsam.

    Nun ist mehr Ruhe. Ich möchte mich herantasten, wovon und wie anonym ich hier schreiben kann. Heute bin ich also 6 Monate und 27 Tage , also demnächst 7 Monate komplett abstinent und auch rauchfrei. Bisher wechselte ich weder den Job noch die Beziehung.

    Von meinem Partner traue ich mich nicht zu verlangen, das gesamte Haus zu "ent-alkoholisieren". Warum, wovor ich da solche Angst habe, gilt es demnächst noch weiter zu ergründen! Es wäre außerdem ziemlich sinnlos, da unsere Firma mit all den (Flaschen-)Lagerräumen auf demselben übersichtlichen Grundstück liegt. Und die kann man ja nun nicht so ohne weiteres auflösen.

    Diesen Zustand kannst Du in Zukunft nicht mehr halten ohne selbst wieder zu trinken.

    Was ist also wichtiger für Dich?

    lG WW

    Diese These ist in meinen Augen gewagt. Ich halte mich für ziemlich reflektiert, oft sogar zu sehr. Das befähigt mich, mir meinen "sicheren Raum" im Inneren zu schaffen. Im Äußeren gibt es ihn allerdings auch (nur nicht zuhause): mein kleines Ferienhaus unweit von hier, wo ich jederzeit hin kann. Bisher funktioniert es bestens, mich in vereinzelten Momenten der Gefährdung innerlich dort "hinzubeamen" - und sofort ist das Suchthirn wieder still.

    Die Arbeit als solche, der ständige Kontakt mit Alkohol, gefährdet mich deutlich weniger als befürchtet. Ich mache sie gern, bin ja auch eher im Hintergrund und im organisatorischen Umfeld tätig, weniger direkt an den Flaschen. Ich kann das gut abstrahieren. So, wie manche Bäcker ja auch ihren eigenen Süßkram nicht mehr anrühren, weil sie ihn nicht mehr sehen / riechen können oder sonst vielleicht zu dick werden oder Diabetes bekommen würden. (Etwas hinkender Vergleich.) Das Team weiß, dass ich Alkoholikerin geworden bin, und hat einen großartigen Umgang damit. (Von meinem Partner abgesehen.)

    Die größte Anfechtung liegt darin, mich hin und wieder zu fragen, ob ich denn überhaupt "wirklich süchtig" bin, da es mir recht leicht fällt und kein großer Kampf ist, und ich ja nie "unter der Brücke" gelandet war... :roll: . Das ist der kleine Sucht-Teufel auf der Schulter, der sich gelegentlich meldet. Er ist gut in die Schranken zu weisen, indem ich mir dann sofort mein Trinkverhalten in konkreten Situationen in Erinnerung rufe. Und wie die Rückfälle nach diversen vorangegangenen Rauchpausen abliefen. Das verscheucht ihn meistens schlagartig.

    Meine Partnerschaft ist eine Riesenbaustelle. Er trinkt, hat inzwischen seine Verunsicherung gänzlich abgeschüttelt und kann gut damit leben, mich einfach als krank zu betrachten, ein bisschen zu bedauern manchmal, jedoch selbst damit nichts zu tun haben zu müssen (wollen). Dass ich mich ihm gegenüber zunehmend verschlossen habe und kaum noch Nähe möglich ist, nimmt er derzeit hin und hofft einfach auf "bessere Zeiten"...

    Mein Umgang damit, ob, wie und wie lange das so weitergeht, ist ein Thema für ein anderes Mal- sonst wird das ja hier jetzt zu lang. Ich suche erstmal, was bei Dir, Alex_aufdemweg , so geschrieben steht. :)

  • Ich suche erstmal, was bei Dir, Alex_aufdemweg , so geschrieben steht. :)

    Schön, dass du dich gemeldet hast Opalia.

    Du kannst jetzt aufhören zu suchen. Ich habe keinen Faden mehr im offenen Bereich. Das ist ratsam, weil ich nicht gerade einzelne Passagen vor dem Scheidungs Gericht zitiert haben wollte.

    Ich schreibe seit langer Zeit im grünen Bereich weiter.

    Du kannst dir nach dieser Aussage also denken, wie es weitergegangen ist.

    “Bessere Zeiten“ wären für deinen Mann, wenn du wieder saufen würdest.

    Du wirst dir schon überlegen, wie du das dein ganzes restliches Leben haben möchtest.

    Ihm scheint das Trinken auf alle Fälle wichtiger zu sein, als die Nähe zu dir. Oder deine Sicherheit durch ein alkoholfreies zu Hause.
    Doch das ist, wie du sagst, eine andere Baustelle. Die kam bei mir auch auf.

    Ansonsten, erst mal herzlichen Glückwunsch zu sieben Monaten. :thumbup:

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Schön, dass du dich mal wieder gemeldet hast.
    Und herzlichen Glückwunsch zu 6 Monaten und 27 Tagen. 💐

    Die größte Anfechtung liegt darin, mich hin und wieder zu fragen, ob ich denn überhaupt "wirklich süchtig" bin, da es mir recht leicht fällt und kein großer Kampf ist, und ich ja nie "unter der Brücke" gelandet war... :roll: .

    Die Frage, ob du überhaupt ‚wirklich süchtig‘ bist, finde ich sehr gefährlich. Denn wärst du nicht ‚wirklich süchtig‘, wäre eine absolute Abstinenz nicht lebenswichtig. Und wenn sich da Gedanken dazugesellen, dass da doch was geht mit einem Glas Alkohol, bist du schon mitten im Rückfall drin.

    Mir fiel das Nüchternsein auch von Anfang an ziemlich leicht. Kein Saufdruck, keine ‚komischen‘ Gedanken, kein Gefühl von Verzicht. Kein einziges Mal habe ich gedacht, dass jetzt ein Glas Wein ganz toll wäre. Kein einziges Mal habe ich neidisch zum Sektglas am Nebentisch geschielt…

    Über ein Jahr habe ich auf den ‚großen Knall‘ gewartet. Ich war unsicher, weil ich mir so sicher war.
    Irgendwann habe ich bemerkt, dass meine Nüchternheit ganz fest mit mir verbunden ist. Sie ist in meinem Kopf. Sie ist irgendwie so selbstverständlich, sie gehört zu mir.
    Dennoch ist auch immer präsent, dass ich Alkoholiker bin….und dass ich auch immer Alkoholiker bleiben werde. Die Alkoholsucht ist lediglich gestoppt. Sie geht nie wieder weg.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo Opalia,

    schön wieder von Dir zu hören und herzlichen Glückwunsch zu fast 7 Monaten Abstinenz.

    und ich ja nie "unter der Brücke" gelandet war...

    Unter der Brücke war ich auch nicht und da muss man auch nicht gewesen sein, um Alkoholiker zu sein.
    Aber ich glaube, das weisst Du selbst auch.

    Dieses "in Frage stellen", ob oder ob nicht, ist für mich ein perfider, langfristig angelegter Versuch des Suchthirns, oder wie ich es auch schon mal genannt habe, vom "Gesandte des Teufels".
    Du hast eine schwierige Situation in Deiner Partnerschaft und im beruflichen Umfeld und beschreibst selbst, dass es eher auseinander driftet, als dass es zusammen kommt.
    Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Du Dich entscheiden kannst:
    1. Du arrangierst Dich weiterhin irgendwie und setzt Dich damit einem Risiko aus.
    2. Du setzt Dich und Deine Abstinenz an erste Stelle und handelst danach.

    Der "Gesandte" schlägt Dir Nummer 1 vor, weitere Vorschläge könnten folgen.
    Du hast jetzt 7 Monate erreicht, in einem Umfeld, welches es mir unmöglich gemacht hätte, abstinent zu bleiben.
    Das ist ein hohes Gut. Ich wünsche Dir, dass Du gut weiterhin auf Dich aufpassen kannst.
    Ich stelle mir vor, dass es für mich sehr anstrengend sein würde.

    Viele Grüsse

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ein Jahr. Das ist an sich "bloß ein Tag wie jeder andere". Er war gefüllt mit vielen Aktivitäten, mit Arbeit - und mit ganz vielen Gedanken.

    Bis zum Abend war ich innerlich mit meinem Meilenstein allein. Ein bestärkendes oder anerkennendes Wort meines Partners gab es nicht. Dafür Blümchen und eine herzliche Umarmung von meiner Suchtberaterin, die ich heute anlässlich meines Einjährigen nochmals besuchte. Und Nachrichten von der Präsenz-SHG, in der ich einen guten und stabilen Platz finden konnte.

    Jetzt sitze ich im warmen Abendlicht allein an einem Fluss und lasse das Jahr Revue passieren. Dieses Forum ist fester täglicher Bestandteil meiner Nüchternheit - wie auch die Psychoanalyse, die für 2 Jahre bewilligt wurde.

    Mein (steiniger) Weg mit all seinen herausfordernden Schwierigkeiten ist mit dem heutigen Tag nicht zu Ende. Schon immer war ich in vielen Dingen ein "Spätzünder", und für ein paar Entscheidungen ist vielleicht die Zeit noch nicht reif.

    Doch ich bleibe nüchtern. Alles ist nun einmal durch. Mein Umfeld ist großartig im Umgang mit meiner Abstinenz. Und ich bin DANKBAR, dass ich nicht kämpfen oder mich mit Verzichtsgefühlen quälen muss.

    Es ist nicht alles Glitzer. Manchmal ist die Intensität des Lebendigen schwer auszuhalten. "Negative" Empfindungen, von denen ich glaubte, dass sie alkoholinduziert waren, waren dies NICHT und sind jetzt mitunter zu heftig. Dann kommt ein Winken aus der Suchthirn-Ecke. Ein Übungsfeld bleibt das.

    GUT, dass es Euch hier gibt! 😀

  • Dafür Blümchen und eine herzliche Umarmung von meiner Suchtberaterin, die ich heute anlässlich meines Einjährigen nochmals besuchte.

    Wie schön und wie aufmerksam. Toll :thumbup:

    Meinen Glückwunsch zu Deinem einjährigen Jahrestag! Super und immer weiter so! ;):thumbup:

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Ich gratuliere dir auch sehr herzlich zu 1 Jahr 🎉💐 Das finde ich ne tolle Leistung. Bei mir ist es auch bald soweit, dass ich 1 Jahr nüchtern bin.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

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