Bin ich trocken zu unbequem geworden?

  • Hallo liebes Forum,

    Ich bin im Moment ziemlich nachdenklich.

    Der Grund dafür ist, dass mir in den letzten zwei Jahren etwa, nach und nach diverse Kontakte entweder ganz weg gefallen sind oder zumindest ziemlich ruhen.

    Wenige Kontakte wurden von mir unterbrochen, andere von den anderen.

    Das tut im ersten Moment schon relativ weh, da ich ein Mensch bin, der eh nie viele Kontakte hatte.

    Beim genaueren Hinsehen aber fällt mir auf, dass das alles Kontakte waren, die nicht unbedingt gesund waren. Ob es nun mein Vater war, der auch noch nasser Alkoholiker ist, eine Freundin, die den ganzen Tag kifft oder/und einfach Menschen, die sich ständig als Opfer der Gesellschaft sehen. Quasi: Die ganze Welt ist so böse und ich bin das arme Opfer.

    Im Grunde tun mir diese Kontakte auch gar nicht so wirklich gut, trotzdem ist da gerade ein Schmerz, relativ alleine da zu stehen. Nein, ich bemitleide mich jetzt nicht selber. Gerade so etwas mag ich nicht so gerne. Es schleichen sich aber doch zwischendurch Gedanken ein wie: bin ich so ein schlechter Mensch? Bin ich so unausstehlich?

    Ich selber halte mich übrigens nicht dafür. Ich bin meistens gut gelaunt, ausgeglichen und freundlich zu meinen Mitmenschen.

    Trotzdem piekt da etwas ein wenig.

    Jetzt ist es wohl an mir, mir gesündere Kontakte aufzubauen und dann zu schauen, wie diese verlaufen.

    Ich würde gerne mal eure Erfahrungen dazu hören. Habt ihr ähnliches erlebt? Habt ihr Menschen verloren/verlassen in eurer Trockenheit? Konntet ihr vielleicht nicht wirklich ungesunde Kontakte loslassen? Und warum nicht?

    Viele Grüße

    Twizzler

  • Guten Morgen.

    :mrgreen:Bin ich so unausstehlich?

    Nein, Du nicht. Aber die Anderen :mrgreen:

    Im Ernst: Die Kontakte die Du beschreibst sind aus berechtigten Gründen nicht mehr vorhanden. Sie tun Dir eben nicht gut.

    Ich habe auch viele Kontakte nicht mehr. Natürlich ist dadurch, dass ich mich nicht mehr mit Leuten zum „Party machen“ treffe weniger los bei mir.

    Ich habe dennoch Kontakte, aber ich stelle dieses bequeme Denken auch oft fest. Ich könnte durchaus mehr machen mit meinen Kontakten, also mehr unternehmen, Ich war früher eher motiviert, mich aufzuraffen.

    Zu Wissen, dass viele Aktivitäten früher auch „nebenbei“ mit Alkohol trinken zu tun hatten, war da schon eine nicht unerhebliche „Starthilfe“. Das erste Glas zu Hause wohl auch,

    Dass mich allerdings genau diese „Starthilfe“ am Ende aber wieder völlig lahm gelegt hat, habe ich in dem Moment ignoriert.

    Ja, ich glaube ich bin auch bequemer geworden zeitweise. Es ist auch ein wenig phasenweise. Bei mir liegt es dann nicht an mangelnden Möglichkeiten sondern am Aufraffen-können.

    LG Cadda

  • Guten Morgen Cadda, dank dir für deine Antwort.

    Ich kann mich in dem was du geschrieben hast total wieder finden. Ich war schon immer ein Mensch, der sehr gut alleine sein konnte, zumindest in meinen trockenen Phasen (Kind, Jugendliche und jetzt). Und die Bequemlichkeit kommt hinzu.

    Ich weiss schon was ich machen könnte um neue Leute kennenzulernen. Aber dazu muss ich mich halt bewegen. ;)

    Wenn der Zeitpunkt dafür erreicht ist, werde ich es schon merken. Es gibt ja in jedem Alter genug Möglichkeiten.

    Als ich noch getrunken habe, war es natürlich super, dass ich diesen "Weltschmerz" mit anderen teilen konnte. "Alles ist ja so schlecht. Ich armer Mensch auf dieser Erde". :mrgreen:

    Jetzt funktioniert das nicht mehr. Weder das Leben, noch die Einstellung bzw. das Denken passen mehr zueinander.

  • Guten Morgen

    als ich abstinent wurde, habe ich jede Menge menschliche Verluste gehabt. Und da habe ich gemerkt, dass so ziemlich alle meine „Freunde“ keine Freunde sondern Saufkumpane waren. Wir waren ja oft in Kneipen, beim Fußball, Festivals und Konzerte oder im eigen Garten für „Grillfeiern“.

    Als ich dann zwar noch überall dabei war aber nicht mitgetrunken habe, wurde ich den anderen zu langweilig. Ich fühlte mich immer mehr nicht zugehörig und kam dann auch immer öfter nicht mit.

    Dann kam das Trauma und nach und nach fing ich wieder an hier und da mitzutrinken. Anders wäre ich sonst nicht mehr aus der Wohnung gekommen.
    Aber da merkte ich schon, es ist anders. Dann die Trennung von meinem Mann und ich wurde im kompletten Freundeskreis aussortiert.
    Jetzt wo ich gar nicht mehr trinke, bin ich auch meiner Schwester zu langweilig.

    Ich hab damit lange zu knabbern gehabt. Also mit den ganzen Verlusten von Menschen, die sich als Freunde bezeichnet haben. Mittlerweile bin ich froh, dass sie sich selbst aussortiert haben. Das waren nämlich alles Leute, die mir nicht gutgetan haben.

    Jetzt ist es generell sehr ruhig bei mir geworden. Mir ist eine wirklich gute Freundin geblieben und es liegt eigentlich an mir, wie oft ich etwas mit ihr unternehme oder ob ich mich noch weiteren Menschen zuwenden will. Aktuell mag ich es so wie es ist.

  • Das tut im ersten Moment schon relativ weh, da ich ein Mensch bin, der eh nie viele Kontakte hatte.

    Und die Kontakte, die Du hattest, waren sucht orientiert? Wenn man mittrinkt oder kifft, gilt man als Freund, wenn nicht, stört man das Gefüge. Das war bei vielen meiner Bekannten der Fall.

    Obwohl mir eine dominante Persönlichkeit zugeschrieben wird, bin ich dennoch freundlich und offen. Ich habe keine Schwierigkeiten, Kontakt zu knüpfen . Allerdings sehe immer mehr die Notwendigkeit, mich auf Menschen zu konzentrieren, die wirklich zu mir passen – Qualität statt Quantität. Wenn ich das mal so nett umschreiben darf..:whistling:

    Ich möchte auch nicht mehr der Hans Dampf in allen Gassen sein, der Partylöwe, der vor keinem Getränk zurückschreckte und auf jeder Feier den Entertainer heraushängen ließ , nur um die Aufmerksamkeit zu erlangen, die nur im Rausch möglich war.

    ch weiss schon was ich machen könnte um neue Leute kennenzulernen. Aber dazu muss ich mich halt bewegen.

    Und gleichzeitig trittst Du auf die Bremse.

    Wenn der Zeitpunkt dafür erreicht ist, werde ich es schon merken.

    Versuche es mal mit "Tun muss man tun". Das habe ich mal hier im Forum von einem Neunmalklugen gelesen.:mrgreen::)

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

  • Ich war schon immer ein Mensch, der sehr gut alleine sein konnte,

    Und ich nicht nur konnte. Sondern es auch will.

    Vielleicht hast Du noch nicht angefangen nach neuen Kontakten zu suchen, weil Du es einfach nicht brauchst?

    Ich habe 90 % meiner Kontakte verloren, weil die alle saufen. Habe sie mir ja so ausgesucht. Und ich "brauche" sie jetzt nicht mehr.

    Dann sind da noch 10 %. Und ich muss mich sowas von überwinden, wenn ich mich einmal mit jemandem treffe. Weil ich einfach keine Lust habe. Na und?

    Ich rede mit meinen Kolleginnen. Oder beim Krav Maga, wenn ich den Trainingspartner gerade im Schwitzkasten habe. ^^

    Echte Probleme schreibe ich hier rein, oder spreche mit meiner Partnerin darüber.

    Mir ist nie langweilig. Der Tag ist oft zu kurz. Was soll ich die Zeit mit anderen Leuten verplempern ;)

    Kurzum. Wenn es Dir so gut geht, dann lass es so. Es erwartet keiner etwas, außer Du selbst.

  • Hallo Twizzler,


    danke für das Thema.

    Ich bin durch die Trockenheit jetzt anders, mit mehr Augenmerk auf meinen Bedürfnissen, gleichzeitig haben sich durch die Trockenheit manche Bedürfnisse auch geändert (ich mag andere Gespräche z.B.) und gleichzeitig hat sich durch mein ganz normales Älterwerden (und weiser ;) ) auch manches geändert. Bin ich sorgsamer mit meiner Zeit und achtsamer mit mir.

    Eine ehemalige Freundin ist mir abhanden gekommen, ihr „fehlte“ mit mir die „Leichtigkeit“. das hat mich vor ein paar Jahren etwas ins Grübeln gebracht, ähnlich wie bei dir jetzt, vielleicht, aber ich habe mit einer anderen sehr guten Freundin darüber gesprochen, und sie empfand das nicht so. Und ich empfinde es auch nicht so. Da hat es dann einfach nicht mehr gepasst.


    Ich bin wie du wirklich gern alleine, aber ich ermahne mich manchmal, die wenigen Freundschaften, die ich habe, auch zu pflegen, denn gerade, weil ich auch keine(n) Partner(in) habe, ist die Verbundenheit, die ich zu meinen wenigen FreundInnen spüre, schon sehr wichtig für mich.

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