AnnaBlume - Annas Geschichte

  • Hallo ich bin Anna,

    Ich habe mich hier angemeldet, weil ich beschlossen habe mit dem Trinken aufzuhören. Mich Alkoholikerin zu nennen fällt mir noch extrem schwer…

    Ich bin 49 Jahre alt und seit meiner Jugend gelte ich als ‚Party-Kanone‘. Auf jeder Party die letzte, die lauteste, die die es am wildesten krachen lässt. Obwohl ich schon im Studium fast täglich Alkohol getrunken habe und mindestens 2-3 mal die Woche wirklich betrunken war, habe ich mein Studium mit sehr guten Noten beendet.
    Nach dem Studium heiratete ich und bekam 2 Kinder. In Schwangerschaft und Stillzeit habe ich keinen Alkohol getrunken. Doch meine Ehe war unglücklich- ich fing wieder an immer wenn es ging auszugehen und dann richtig viel zu trinken. Damals ging das nicht häufig- die Kinder waren klein.
    Ich ließ mich scheiden, ein Kind erkrankte schwer, ich war voll berufstätig. Ich ging häufig aus und trank dann immer sehr viel ‚zum Ausgleich‘ für meinen stressigen Alltag. Mein Trinkverhalten änderte sich schleichend. Ich fing an auch alleine zu trinken wenn ich einsam war, traurig oder gestresst- das war ich sehr oft. Die Mengen waren noch nicht riesig, aber irgendwann trank ich auch alleine eine ganze Flasche Wein oder Sekt am Abend- nicht jeden Abend aber doch 3-4 mal die Woche. Wenn ich jetzt ausging, fing ich an Risiken einzugehen. Gingen meine Freunde nach Hause trank ich mit wildfremden Menschen in der Kneipe weiter - häufig bis zum Filmriss- und wachte dann neben irgendwelchen Typen auf die ich nüchtern nie gemocht hätte.
    Ich bildete mir ein eben eine ‚wilde Singlefrau‘ zu sein die sich nimmt was sie will und sich nicht um ‚die Guten Sitten‘ schert. In Wirklichkeit kam ich mit mir selbst nicht klar.
    Ein Problem ist schon immer, dass es diesen ‚point of no return‘ gibt- wenn ich drei Bier trinke, höre ich nicht mehr auf bis der Filmriss einsetzt. Trotzdem habe ich mein Leben immer oberflächlich gemeistert- einen guten Job, die Kinder immer versorgt.

    Vor zwei Jahren kippte ich beim Trinken vom Barhocker und kam mit einem Schädel-Hirn -Trauma ins Krankenhaus- danach trank ich 4 Wochen nicht, dann ging es weiter.

    Letztes Jahr im Winter sagte mir meine Tochter auf den Kopf zu dass sie sich Sorgen wegen meines Trinkens macht. Ich reagierte ablehnend und aggressiv, motzte sie sie an und sie weinte. Das tut mir heute sehr leid.

    Ich versuchte kontrollierter zu trinken- trinke seit mehreren Jahren jeden Januar keinen Schluck- trotzdem klappte das mit der Kontrolle immer nur für kurze Zeit. Diesen Januar klappte auch die Trinkpause schlechter- ich hatte lauter Ausreden doch zu trinken.

    Im Frühjahr kam es im Vollsuff zu einem sexuellen Übergriff durch einen Bekannten- ich war so dicht dass ich mich nicht mehr wehren konnte- auch das änderte nichts.

    Letztendlicher Auslöser zum Wunsch endlich etwas zu ändern kam am 2. Juni diesen Jahres. Ich erwachte mit Filmriss auf meiner Couch, hatte Verletzungen von denen ich nicht wusste, wie sie entstanden sind und hatte mein Handy verloren. Wieder gefunden wurde es auf der Straße an einer Ecke an der ich gar nicht unterwegs gewesen zu sein glaubte.

    Ich erkannte, dass ich auf so ein Leben keine Lust mehr habe- schämte mich fürchterlich und beschäftige mich seit dem intensiv mit dem Thema Alkohol.

    Ich habe seit 2. Juni keinen Schluck mehr getrunken! Ich will mich aber nicht zu sicher fühlen und glaube dass ich einen Austausch mit anderen Betroffenen brauche um nicht wieder rückfällig zu werden.

    Ich sehe wie viel besser ich mich fühle, wie froh meine Tochter über meine Nüchternheit ist und wie viel leichter mein Alltag ist.

    Dennoch habe ich Angst und wenn ich meinen eigenen Text hier lese kann ich es dann doch klar sagen: Hallo, ich bin Anna und ich bin Alkoholikerin.

  • Hallo Anna,

    willkommen hier bei uns. Es ist schön, auch für Deine Tochter, dass Du jetzt auf dem Weg bist.

    Als ich hier ankam, ging es mir auch um den Austausch mit anderen Alkoholikern. Hier bist Du richtig.

    Glückwunsch zu vier Monaten Nüchternheit.

    Bitte klicke auf diesen Link und schreibe einen kurzen Satz dazu.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Dann können wir Dich für den weiteren Austausch freischalten.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Krass- ne? Und später erzählen alle wie toll die Party war. Ich hab dann immer zum Schein mitgeredet, weil ich ja die meisten Sachen gar nicht mehr wusste…

    Schlimm ist auch dieses Gefühl, dass man was schlimmes gemacht hat- alle wissen es - keiner sagt was. Furchtbar!

    Oft wollte ich es gar nicht so genau wissen/ hab mich vor mir selbst so geschämt. Aber das macht was mit einem…

  • Hallo Anna,

    Du bist jetzt freigeschaltet und kannst überall schreiben. Nur bitte die ersten vier Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den anderen Neuen.

    Es ist erstmal wichtig, dass Du für Dich weißt, dass Du Alkoholikerin bist. Anfangs fand ich die Bezeichnung auch noch recht unangenehm. Inzwischen habe ich viel Kontakt zu anderen Alkoholikern und es ist für mich normal geworden.

    Es ist so und so wird es auch bleiben. Vor über 1.000 Tagen habe ich diese Krankheit zum Stillstand gebracht. Aber sie wird immer bleiben.

    Mein Leben hat sich so sehr zum Guten gewendet. Ich kann alles mit einem Glas Alkohol zerstören. Das muss mir bewusst bleiben.

    Ich lasse Dir jetzt den Link mit den Grundbausteinen hier.

    Ist Deine Wohnung schon alkoholfrei?

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • In meiner Wohnung befindet sich nur noch Alkohol den ich auch zu aktivsten Zeiten nicht angerührt hätte- gruselig süße Liköre, sherry zum kochen. Wein und Bier hab ich auf alkoholfrei umgestellt. Alkoholfreies Bier hat mir auch geholfen ‚heimlich‘ auf Partys nix zu trinken. Inzwischen sag ich aber immer offener dass ich nix mehr trinke. Ehrlicherweise sag ich oft ‚im Moment‘ dazu. Dann ist das gegenüber nicht so erschüttert und fragt nicht weiter. Guten Freunden, meiner Tochter und meiner Partnerin hab ich gesagt was los ist- letztere hat bis jetzt solidarisch auch nix getrunken.

    Jetzt erst mal grundbausteine lesen. Danke! Und cool dass du es schon so lange geschafft hast!

  • Wenn ich nichts mehr da hatte, kam es gerne mal vor, dass ich etwas im Keller aus halbvollen, uralten Schnapsflaschen getrunken habe.

    Es war widerlich und ich habe normalerweise nur Bier getrunken. Wenn aber der Druck hoch genug ist, kann das gut vorkommen.

    Aus dem Grund ist es wichtig, jedweden Alkohol aus dem Umfeld zu verbannen. Das Suchthirn weiß, dass da noch welcher ist.

    Alkoholfreies Bier zu trinken, würde mich in meiner nassen Zeit widerspiegeln. Das Verhalten wäre schon zu ähnlich. Dazu kommt noch, dass das stark triggert, da das Bier mich ja vom Geschmack und Geruch an "Echtes" erinnert.

    Dazu kommt noch, dass das Alkoholfreie oft, noch bis zu 0,5 % Alkohol enthält.

    Alles was nach Alkohol aussieht, muss raus. Sonst gibt es bald einen unnötigen, gefährlichen inneren Kampf.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Habe gerade die Grundbausteine gelesen und sehe bei mir gute Grundlagen aber auch kritische Themen.

    Ich habe einige Freunde und Angehörige die mich sehr in meiner Abstinenz unterstützen- ich spüre dass sie sich schon länger gefragt haben ob sie es ansprechen sollen aber sich nicht getraut haben. Nur meine Tochter hat es offen angesprochen- mir wird gerade erst klar wie mutig ich das finde!

    Mit meiner Partnerin bin ich erst etwas über ein Jahr zusammen. Sie ist selbst keine alkoholikerin aber trinkt ganz gerne wenn sie ausgeht. Direkt vor mir war sie auch mit einer starken alkoholikerin zusammen- dessen ist sie sich aber nicht bewusst.

    Wir haben sehr viel gemeinsam getrunken - mit dem unterschied dass sie nicht getrunken hat, wenn wir nicht zusammen waren (wir leben nicht in der selben Stadt).

    Als ich meinen Beschluss gefasst habe hat sie sofort auch keinen Alkohol mehr getrunken- allerdings war da auch nicht klar dass das bei mir langfristig so bleiben soll. Bin gespannt auf die Lösung dazu. Ihr wird jetzt erst richtig klar (genau wie mir), dass bei mir wirklich eine Sucht vorliegt und ich nicht nur ab und zu zu viel trinke.

    Meine sonstigen ‚saufkumpanen‘ habe ich wirklich nur zum saufen getroffen und diese Verbindung macht ohne Alkohol gar keinen Sinn. Ab einem gewissen Pegel ist es ziemlich Wurscht wer da mit einem säuft.

    Meine Mutter ist ein Problem. Ihr hab ich was von ‚Wechseljahre-> Kopfschmerzen von Alkohol‘ erzählt aber wie alles was ich erzähle nimmt sie auch das nicht ernst und wird mich am härtesten versuchen zum trinken zu nötigen. Selbst wenn ich ihr sage dass ich alkoholikerin bin wird sie das als affig abtun, weil sie da eben keine Lust drauf hat. Ihre Mutter war Alkoholikerin- sie leugnet das bis heute.

    Ich mache Sport im Verein. Entgegen allen Klischees wird dort wenig Alkohol getrunken und es gibt einige in meiner Mannschaft die gar nicht trinken- aus Prinzip. Hier habe ich auch schon Bescheid gesagt und wurde nur gelobt. Auf meiner Arbeit trinkt niemand.

    Mir fällt gerade auf dass ich die Sauferei Null auf ein saufendes Umfeld schieben kann- ich musste mir zum richtigen abschießen ja richtiggehend Leute von außen suchen!

    Einerseits erbärmlich aber andererseits auch gut- so gibt es weniger Anlässe bei denen ich mich aktiv wehren muss. Ich kann es also auf niemanden schieben und es liegt ganz in meiner Hand!

  • Hallo Anna,

    Herzlich willkommen auch von mir.
    Ich wünsche Dir einen guten Austausch.

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich finde, das liest sich doch recht gut. Wie sieht es mit dem restlichen Alkohol in der Wohnung aus?

    Es muss ja längerfristig sicher sein. Du bist nicht immer gleich gelaunt. Kann auch mal was passieren. Auch - was bei mir noch schlimmer wäre - was richtig Gutes. Dann sieht das Suchthirn den Alkohol plötzlich als Belohnung.

    Wenn noch etwas da ist, ist es ein Spiel mit dem Feuer.

    Toll, dass Du das in Deinem Verein schon abgeklärt hast. :thumbup:

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Komme gerade von einer privaten Feier. Hatte ein wenig Angst ob ich gefragt werde warum ich nichts trinke- aber nein im Gegenteil. Mir wurde ein Schnaps angeboten den ich mit den Worten ‚ich trinke keinen Alkohol mehr‘ abgelehnt habe und die Person hat sich entschuldigt!!!! Das war überraschend und hat mich gefreut. Ich habe das Trinkverhalten der anderen beobachtet. Es wurde getanzt gesungen und angestoßen. Die meisten stiegen irgendwann von Bier auf Radler um und tranken immer mal Wasser. Das hätte ich auf Partys niemals gemacht- konnte ich gar nicht. Viele tranken auch gar nichts. Nicht weil sie fahren mussten- nur einfach so… auf so eine Idee wäre ich bis vor kurzem auch nicht gekommen. Wenn man Nix trinkt muss man fahren, ist schwanger oder hat sich das für eine Zeit vorgenommen, aber einfach mal so??? Hätte ich völlig absurd gefunden…

    Die sind mir früher nie aufgefallen! Und dann gab es eine Person, die schon ganz früh betrunken war und später auf hochprozentiges umgestiegen ist. Sie lallte, die Schminke verlaufen wurde sie anhänglich und stieß Gläser um. Das wäre meine Trink- Partnerin für den Abend gewesen.

    Sie wurde von allen toleriert aber Gespräche mit ihr waren schwierig und auch schwer wieder raus zu kommen. Früher hatte ich das Gefühl dass viele auf Partys so betrunken waren wie ich. Ich glaube aber das war ganz und gar nicht so.
    Die Frau tat mir leid. Sie wird sich morgen an nichts erinnern und einen riesen Kater haben. Vielleicht wird ihr dämmern, dass ihr Zustand nur toleriert aber von niemandem toll gefunden wurde. Ich dachte immer ich sei der Kracher der Party- die Lustigste von allen- dabei war ich nur die vollste.

    Die Frau war mir gar nicht unsympathisch aber ich hätte sie lieber getroffen wenn sie nüchterner ist- der Zustand war anstrengend.

    Trotzdem war es ein schönes Fest- ich habe mich mit netten Menschen unterhalten und sogar ein wenig getanzt. Bin stolz auf mich!

  • Du hast Dich in dieser Frau gespiegelt. Das ist einer der Gründe, aus denen er mir immer unangenehm ist, betrunkene Leute zu sehen.

    Ich nenne das für mich "rückwirkend schämen".

    Ich kam, beim Lesen Deines Beitrages eben, aus dem Nicken nicht mehr heraus. Das sind praktisch die gleichen Erkenntnisse, die ich auch gemacht habe. Es ist gut für Dich, dass Du sie hier niedergeschrieben hast.

    Für mich war es sehr wichtig, dass sich meine Einstellung zu meinem früheren Trinkverhalten und Alkohol gegenüber grundlegend ändert. Und das hat es.

    Warnen möchte ich Dich aber auch noch. Deine Beobachtungen, auf einer richtigen Feier, habe ich erst nach einem halben Jahr Abstinenz gemacht. Und auch da, habe ich mich nach zwei Stunden auf Französisch verabschiedet, als es dann dort in die "Vollen" ging.

    Die Eindrücke können noch Tage später zu Suchtdruck führen. Ich hatte keinen, aber manche Bilder haben mich lange nicht los gelassen. Es ist einfach gefährlich. Und bei Alkohol ist z. B. Konfrontation grundlegend falsch. Wir raten grundsätzlich dazu, alkohollastige Feste zu meiden.

    Vielleicht war es das auch nicht. Deine Beobachtungen zeigen noch etwas Weiteres. Dein Blick ist (natürlich) noch sehr Alkohol-fixiert.

    Beim Einkaufen war anfangs für mich ein Spießrutenlaufen, wenn ich durch den Alkoholgang gelaufen bin. Also habe ich mir einen anderen Weg gesucht. Ich würde sagen, egal war es mir dann so nach ca. 2 Jahren. Da gibt es halt nichts für mich. Ich nehme es inzwischen in etwa so wahr, wie die Kosmetikabteilung. ;)

    Aber eben erst nach zwei Jahren. Speziell im ersten Jahr ist große Vorsicht geboten. Die Suchtstimme ist mindestens so schlau wie Du und versucht Wege zu finden. Nicht umsonst schaffen das nur ca. 10 %.

    Heute kannst Du Dich zuerst an Deinem klaren Tag erfreuen. Wünsche Dir noch einen schönen Sonntag.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hallo Anna,

    auch von mir ein herzliches Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    In meiner Wohnung befindet sich nur noch Alkohol den ich auch zu aktivsten Zeiten nicht angerührt hätte- gruselig süße Liköre, sherry zum kochen. Wein und Bier hab ich auf alkoholfrei umgestellt.

    Ist das noch immer so?

    Ich finde das sehr gefährlich, in der eigenen Wohnung Alkohol stehen zu haben.
    Im Prinzip ist ja Alkohol überall, egal, wo du hingehst, begegnest du ihm. Da sollte die eigene Wohnung doch der sicherste Ort sein….in sicher ist nun mal: komplett alkoholfrei.

    Wozu brauchst du Alkohol zum Kochen, wenn du das Gericht dann doch gar nicht essen kannst?
    Wozu brauchst du ‚alkoholfreie Varianten‘ von Alkohol? Es gibt so schöne Säfte oder Tees, die nicht an Alkohol erinnern.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Ich habe über Eure Meinung zu alkoholfreien ‚ersatzgetränken‘ nachgedacht.

    Ich weiß dass alkoholfreies Bier triggern kann und deshalb potenziell gefählich ist. Aber ich hab das Gefühl dass das für mich gut funktioniert.

    Klingt jetzt beratungsresistent und nach blödem ‚ich hab’s im Griff‘ Geschwätz- weiß ich. Aber irgendwie ist es was anderes beim Anstoßen auf das Brautpaar ein alkoholfreies Bier in der Hand zu haben als ein Wasser.

    Ich weiß dass das falsch ist und auch Wasser ok ist, aber gestern hatte ich keine Sekunde den Gedanken, das alkoholfreie gegen echtes tauschen zu wollen.

    Ja der Blick auf die Feier war sehr Alkohol lastig- da geb ich Alex extrem recht. Ich schäme mich, wie mich die anderen auf den meisten Feiern gesehen haben- völlig voll- total hartnäckig und dabei noch überzeugt alle zu amüsieren. Letzteres stimmt vielleicht sogar- aber eben anders als erwünscht.

    Besoffen sieht man nicht, was eigentlich normal ist. Deshalb diese Analyse.
    Mir kam noch ein schrecklicher Gedanke: Die Frau war anhänglich und hungerte nach Bestätigung und Zuwendung. Gleichzeitig war sie nicht mehr in der Lage Menschen kritisch zu beurteilen. Was wenn meine ‚Abenteuer‘ mit Männern reine Gelegenheiten waren eine völlig wehrlose Frau abzuschleppen- egal ob sie attraktiv ist oder nicht…

    Was wenn mein Bestätungswunsch selbst schädigendes Verhalten war und der Übergriff im Frühling das erste mal das ich einen Übergriff als solchen wahr genommen habe. Der erste Schritt mich selbst wieder zu schützen? Wer so eine betrunkene Frau wie diese gestern abschleppt, ist an wirklichem Konsens doch gar nicht interessiert- außer er ist genauso blau- aber wer bringt die beiden dann nach Hause?

    Zur Beruhigung: Die Frau gestern wurde von zwei Freundinnen nach Hause gebracht, die sie quasi tragen mussten.

    Viele Gedanken die ich mir da mache…

  • Ich weiß dass alkoholfreies Bier triggern kann und deshalb potenziell gefählich ist. Aber ich hab das Gefühl dass das für mich gut funktioniert.

    Wie war dein Gefühl in der Zeit als du noch gesoffen hast? Wie war da dein anfängliches Gefühl? Dachtest du da nicht auch das es im "Griff" hast?

    Klingt jetzt beratungsresistent und nach blödem ‚ich hab’s im Griff‘ Geschwätz- weiß ich. Aber irgendwie ist es was anderes beim Anstoßen auf das Brautpaar ein alkoholfreies Bier in der Hand zu haben als ein Wasser.

    Ja, das klingt nicht nur so, sondern das ist es auch. Man kann auch mit Orangensaft anstoßen, was bei Feiern üblich ist.

    Aber das zeigt, dass man noch tief im "nassen Denken "ist. Wer als Alkoholiker alkoholfreies Bier trinkt, ist für mich noch nicht so weit, sondern legt nur eine Pause ein, weil er noch nicht bereit ist.

    Andernfalls würde er keinen Wert darauf legen. Wir empfehlen auch, im ersten Jahr auf solche Feiern zu verzichten und sich erst einmal zu stabilisieren sowie ein alkoholfreies Leben aufzubauen.

    Alex_aufdemweg hat dir einen Link zu den Grundbausteinen geschickt. Hast du sie schon durchgelesen? Was hältst du davon?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Aber irgendwie ist es was anderes beim Anstoßen auf das Brautpaar ein alkoholfreies Bier in der Hand zu haben als ein Wasser.

    Ja, es ist was anderes: Nämlich, dass du mit dem alkoholfreien Bier gefährlich nah am Alkohol dran bist. Mit Wasser (oder O-Saft) bist du das nicht. Und du zeigst dir damit, das ein Leben mit Wasser nicht nur möglich ist, sondern dass du nix anderes brauchst (was vielleicht nur den anderen zeigen soll, dass du eben nicht mit Wasser auf das Brautpaar anstößt?)
    Abgesehen davon ist ‚mit Bier anstoßen‘ auf das Brautpaar auch nicht besonders ‚edel‘.

    Klingt jetzt beratungsresistent und nach blödem ‚ich hab’s im Griff‘ Geschwätz- weiß ich.

    Das ist es auch.

    Aber wir sind hier auch nicht da, um zu beraten. Wir empfehlen dir die Grundbausteine, weil sie sich bei ganz vielen Alkoholikern bewährt haben und sie in ein nüchternes Leben begleitet haben.
    Wir können dir nur unsere Erfahrungen mitteilen. Was du daraus machst, ist deins.

    Ich weiß dass das falsch ist und auch Wasser ok ist

    Und warum willst du so bewusst Fehler machen?


    Vielleicht hast du meine Frage oben übersehen. Ich stelle sie nochmal.

    In meiner Wohnung befindet sich nur noch Alkohol den ich auch zu aktivsten Zeiten nicht angerührt hätte- gruselig süße Liköre, sherry zum kochen. Wein und Bier hab ich auf alkoholfrei umgestellt.

    Ist das noch immer so?

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Leider ja. Ehrlich gesagt gruselt mich gerade davor das Zeug raus zu holen und in den Müll zu packen. Da ist ein Widerstand, den ich selbst nicht ganz verstehe.

    Hab das Zeug ja nicht getrunken- teilweise uralt und verklebt.

    Ich war kurz davor einfach zu schreiben ‚jaja hab ich gemacht‘ aber das wäre echt Quatsch.
    Ihr kennt unsereins gut und habt sofort die klaffende Lücke im Text gefunden…

    Boah. Da brauch ich jetzt Überwindung aber gerade dieser komische Widerstand zeigt ja dass der Bettel raus muss. Ok ich versuche es nochmal….

  • Geheimtipp:

    Wenn du die Flaschen entsorgst, lasse sie zu.

    Der Vorgang des Aufschraubens und der Geruch kann Suchtdruck auslösen. Und zack hängt eine Flasche am Hals.

    Bitte nicht beratungsresistent beiseite wischen, sondern umsetzen.

    Bist du schon soweit?

    Hier meint es niemand böse mit dir, wenn wir dir sowas rückmelden.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Geschafft!!! Oh Gott war das schlimm. Nicht eklig, sondern verführerisch. Bei jeder Flasche die ich ins Waschbecken gekippt hab hab ich mich beim schnuppern erwischt- selbst das ekelhafteste Zeug roch lecker. Ein Mal ist mir was über die Finger gelaufen- das musste ich schnell abwaschen, damit ich es nicht ablecke. Scheiße wie erbärmlich! Die leeren Flaschen (zwei große Aldi-Tüten!!!) musste ich auf den Balkon stellen- wegen dem Geruch. Das Wasser im Waschbecken musste aus dem gleiche Grund lange nachlaufen. Ach du Scheiße. Mannomann.
    Bei nicht angebrochenen Flaschen (wohl ehemalige Geschenke) dachte ich kurz ‚ach Schade‘ aber dann ‚nein, weg damit‘.
    Oh das war nicht schön weil doch sehr entlarvend- aber auch irgendwie befreiend.

    Danke für Eure Hartnäckigkeit. Puh.

  • Ich frage mich ja jedes einzelne mal, wenn ich vom Auskippen von Flaschen lese, warum die Leute nicht von selber drauf kommen, wie gefährlich das ist.

    Du bist mit dem Leichtsinn nicht alleine.

    Als ordentlicher Bürger muß man die Flaschen ordnungsgemäß leeren, bevor man sie in den Container wirft? Vielleicht ist das die Antwort, ich weiß es nicht. Man kann auch volle Flaschen in den Container werfen. Die werden eh industriell geschreddert und gespült.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

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