Lavendel2024 - Ich bin EKA

  • Hallo, ich habe hier im Forum schon viele Beiträge gelesen und mich nun entschieden, auch meine Geschichte und Gedanken zu teilen.

    Ich bin EKA.

    Ich würde gerne erstmal die aktuelle Situation schildern und meine Gedanken dazu.

    Mein Vater ist nach einem Jahr Abstinenz wieder rückfällig geworden. Einsicht hat er keine.

    Meine Mutter hat dann den Entschluss gefasst, auszuziehen. Noch länger und vorallem nochmal wollte sie das nicht mitmachen.

    Wir haben gehofft, dass dann die Einsicht kommt.. aber Fehlanzeige. Es kam der zweite komplette Absturz. Mit Platzwunde und Krampfanfall. Er ist jetzt im Krankenhaus und es werden noch ein paar neurologische Tests gemacht.

    Er ist wohl etwas verwirrt und will natürlich nicht zum Entzug.

    Ich habe tatsächlich schon so gut wie mit der Sache und ihm abgeschlossen. Durch die Beiträge hier, weiß ich, dass man ihm nicht helfen kann, wenn er keine Hilfe möchte und keine Einsicht zeigt. Es ist auch nicht meine Schuld.

    Irgendwie weiß ich jetzt in der aktuellen Situation nicht, wie ich mich verhalten soll. Soll ich ihn kontaktieren? Oder erstmal warten bis er wieder zu Hause ist und schauen was passiert, ob er sich meldet.

    Wir haben uns jetzt schon ca 2 Monate nicht gesehen. Er schrieb mir nur als meine Mutter ausgezogen ist, ich solle sie zurück bringen usw. Ich habe ihm daraufhin deutlich und sachlich geantwortet und gesagt, dass er zum Entzug muss und er sich somit für den Alkohol und gegen die Familie entschieden hat.

    Aber darauf ist er nicht wirklich eingegangen, nur auf meine Mutter geschimpft, sie sei auf dem EgoTrip und der Alkohol ist nicht das Problem..

    Wahrscheinlich wird er dann zuhause wieder anfangen, dann legt er es aber auch darauf an zu sterben. Zweimal ist er nun schon davon gekommen, aber dann ist er alleine zuhause.

    Selbst wenn er es jetzt alleine schaffen sollte trocken zu bleiben, weiß ich nicht wie ich damit umgehen soll. Man wurde zu oft enttäuscht und er schrieb und sagte Dinge (nicht zu mir, aber zu meiner Mutter und meinem Freund), die man jetzt nicht so einfach unter den Tisch schieben kann.

    Es ist alles so ungewiss.. Ich will ihn nicht verlieren, aber das habe ich eigentlich schon und irgendwie auch damit abgeschlossen.. Trotzdem bleibt so ein Restfunke, wo man sich die heile Welt zurück wünscht.

    Danke fürs lesen.

    Ps: Wir haben bereits ein Kind und ich bekomme im November das zweite. So viel emotionalen Balst will ich mir auch nicht antun.

  • Guten Morgen Lavendel,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Wie Du schon festgestellt hast, ähneln sich leider die Geschichten der Angehörigen im Forum.

    An Deiner Stelle würde ich auf eine Reaktion von Deinem Vater warten. Und dann auch genau abwägen, ob Du Dir in Deiner Schwangerschaft, diese Konfrontation antun willst. Wichtig ist, dass Du auf Dich und Deine eigene Familie achtgibst und gut für Dich sorgst!

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Klicke den Link an und schreibe ganz kurz etwas, damit wir Dich für den offenen Bereich freischalten können.

    Wir werden dann Dein Thema zu "Erste Schritte für EKA" verschieben. Dort beginnt gleich der Austausch für Dich.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Lavendel.

    Und Du kannst Du überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo liebe Lavendel,

    es tut mir sehr leid zu lesen, was Du durchmachst.

    Es ist alles so ungewiss.. Ich will ihn nicht verlieren, aber das habe ich eigentlich schon und irgendwie auch damit abgeschlossen.. Trotzdem bleibt so ein Restfunke, wo man sich die heile Welt zurück wünscht.

    So wie ich Deine Nachricht lese, weisst Du eigentlich genau, was für Dich richtig ist: den Kontakt ganz abbrechen. Denn Du siehst das ganz richtig: Du hast Deinen Vater schon verloren.

    Das Auszuhalten und den Angehörigen loszulassen ist für nahe Angehörige schwer. Aber konsequentes Handeln durch die Angehörigen ist auch für einen alkoholkranken Menschen das einzige, was helfen könnte. Wenn Du Dich nun anstelle Deiner Mutter um Deinen Vater kümmerst, ist es noch unwahrscheinlicher, dass Dein Vater zur Einsicht gelangt.

    Leider haben wir Angehörigen auf die Alkoholsucht überhaupt keinen Einfluss.

    Ps: Wir haben bereits ein Kind und ich bekomme im November das zweite. So viel emotionalen Balst will ich mir auch nicht antun.

    Nimm das sehr ernst und schütze Dich und Deine Familie konsequent!

    Du und Deine Kinder, ihr habt es verdient, in einer friedlichen und geborgenen Situation zu leben. Mit dem Kontakt zu einer alkoholkranken Person ist das nicht möglich. Und Du selbst spürst das ja auch.

    Schaue vor allem, was Dir hilft, diese schwere Situation auszuhalten und mit den Zweifeln und der Trauer zurecht zu kommen, die so eine Situation mit sich bringt. Mir haben hier Gespräche beim Kriseninterventionsdienst in meiner Stadt sehr geholfen, die ich bis zum Beginn einer Psychotherapie regelmässig geführt habe.

    Ich rate Dir ganz dringend: Nimm den Kontakt zu Deinem Vater NICHT wieder auf. In einer Schwangerschaft und mit kleinen Kindern geht das nicht. Es wäre auch für Deine Kinder nicht gut, für die Du ja die Verantwortung trägst.

    Liebe Grüße und alles Gute und viel Kraft für Dich und Deine junge Familie, Siri

  • Vielen Dank für eure lieben Worte.

    Ich habe - auch durch die vielen Geschichten hier - verstanden, dass man nichts mehr für ihn tun kann, wenn keine Einsicht kommt.

    Ich frage mich, ob es generell (bei einigen Alkoholikern) auf Grund von übermäßigem Alkoholkonsum bzw Missbrauch auch gar nicht mehr zu einer Einsicht kommen kann. Der Alkohol macht ja den ganzen Körper und auch das Gehirn kaputt, vielleicht ist es dann so "kaputt", dass es bzw der Alkohol (als Übeltäter)diese Option der Einsicht nicht mehr zulässt.

    Versteht ihr wie ich meine?

    Ich gehe davon aus, dass bei meinem Papa keine Einsicht kommt. Er ist jetzt wohl wieder aus dem KH entlassen worden aber er war auch der Meinung, dass das ja mal passieren kann, dass man stürzt. Keine Rede vom Alkohol.

    Bei mir hat er sich auch nicht gemeldet, ich denke er will mich tatsächlich damit auf Grund der Schwangerschaft nicht belasten.

  • Hallo Lavendel,

    es gibt Alkoholiker, die nach jahrelangem Saufen abstinent geworden sind.

    Aber es gibt wenige, die es wirklich schaffen. Hier im Forum ist, so schrieb einmal jemand, das Sammelbecken für die trockenen Alkoholiker.

    Die Statistiken über Alkoholiker sind erschreckend. Es verstarben 2021 rund 14.000 Menschen ausschließlich an den Folgen ihres Alkoholkonsums in Deutschland. Darunter fehlen aber diejenigen, bei denen eine andere Todesart angegeben wurde.

    Es ist erschreckend, wie sich die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes, ihre Gesundheit kaputt saufen.

    Und ich gehörte viel zu lange dazu. Jedoch habe ich es geschafft damit aufzuhören und habe meine Sucht gestoppt.

    Bei Deinem Vater ist jedoch scheinbar keinerlei Einsicht zu erkennen und daher ist es gut, dass Du auf Distanz gehst.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Das ist wirklich eine erschreckende Zahl!

    Elly , wie hast du zu der Einsicht gefunden, wenn ich fragen darf?

    Dadurch das mein Vater ein Jahr abstinent war, macht es das nochmal schwieriger. Man hatte eine schöne Zeit zusammen und auch unser Sohn hat das Jahr mit Opa genossen. Jetzt ist es so wie vor einem Jahr bzw noch schlimmer.

    Aber man hatte das Jahr in der Abstinenz jedes Mal die "Angst" das er rückfällig wird bzw es nicht so bleibt.. Dadurch ist es jetzt irgendwie nicht so schwer, man hat ja immer damit gerechnet.

    Es gab auch im Februar schon einen Rückfall, da habe ich es ihm sofort angesehen bzw angemerkt, dass er etwas getrunken hat. Am nächsten Tag habe ich ihn zur Rede gestellt und quasi alles an den Kopf geworfen und ihn schon darauf hingewiesen, dass ich das nicht nochmal mitmache und er dann seinen Enkel auch nicht mehr sehen wird.

    Aber das hat er scheinbar vergessen.

    Ich glaube da durch, dass ich ihm das gesagt und mir das von der Seele gesprochen habe, ist es jetzt leichter für mich.

    Dennoch fällt es mir manchmal schwer, diese Krankheit nach zu vollziehen.

  • Dennoch fällt es mir manchmal schwer, diese Krankheit nach zu vollziehen.

    Diese Krankheit kann ein Mensch, der nicht alkoholsüchtig ist, nicht nachvollziehen. Und das solltest Du auch nicht, Lavendel.

    Ich selbst konnte mich in den nassen Zeiten oft selbst nicht verstehen. Denn ich wusste, dass ich meine Gesundheit ruiniere und habe trotzdem weitergesoffen und das jahrelang.

    Erst als es mir gesundheitlich sehr schlecht ging, habe ich es geschafft mich aus der Suchtspirale zu lösen. Mir ging es körperlich und seelisch sehr schlecht und ich musste mich entscheiden. Entweder saufe ich mich zu Tode oder ich höre auf damit.

    Ich glaube da durch, dass ich ihm das gesagt und mir das von der Seele gesprochen habe, ist es jetzt leichter für mich.

    Sehr gut! So weiß er, wie Du empfindest und dass Du seine Sauferei nicht weiter ertragen kannst und willst.

    Er hat es bestimmt nicht vergessen, aber die Sucht ist stärker.

    Jetzt liegt es an ihm, wie er weiterleben will.

    Und Du hast für Euch eine Entscheidung getroffen. Bleib dabei!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Diese Krankheit kann ein Mensch, der nicht alkoholsüchtig ist, nicht nachvollziehen. Und das solltest Du auch nicht, Lavendel.

    Ich habe heute früh auch über die Feststellung von Lavendel nachgedacht, dass man Schwierigkeiten hat, die Krankheit nachzuvollziehen. Das ist sicher auch einer der Gründe, warum man in die Co-Abhängigkeit schlittert. Man hat ja ständig die Lösung für den Süchtigen vor Augen und kann nicht glauben, dass er sie nicht sieht bzw. sich die Hilfe nicht holt.

    Ich habe mich richtig reingehängt, die Krankheit zu verstehen und dennoch bin ich immer wieder total perplex, dass mein Ex-Partner die Krankheit so massiv leugnet.

  • Hallo, ich war einige Jahrzehnte, fast täglich besoffen. Irgendwann tut man so ziemlich alles dem Alkohol unterordnen. Ich habe mir sehr oft Gedanken über den tot aufgrund meines Konsumes gemacht und habe es verharmlost. Ich habe mein Leben so akzeptiert das es früher oder später durch Alkohol beendet wird. Zum Glück habe ich noch die Kurve bekommen.

    Ich bin (M/geb. 71)und "lebe" glücklich, abstinent seit 05./24.

  • Erstmal großen Respekt an alle die die Sucht und der Krankheit überwinden konnten!

    Es ist so ein komplexes Krankheitsbild.

    Und schwer es zu akzeptieren, aber das ist was man tun muss. Man muss akzeptieren, dass der Alkoholiker sich so entschieden hat und keine Hilfe möchte. Es ist schwer aber was soll man tun außer es zu akzeptieren?

    Andere Menschen leiden unter anderen (auch tödlichen) Krankheiten, diese würden liebend gerne Hilfe in Anspruch nehmen aber manchmal muss man auch hier akzeptieren, dass die Krankheit vielleicht nicht heilbar ist.

    Manchmal kommt eher der Gedanke von Mitleid. Das der Alkoholiker sein ganzes Leben - im wahrsten Sinne des Wortes - aufgibt. Obwohl sie ja vielleicht wahnsinnig schlaue Menschen sind (im nüchternen Zustand). Man würde sie am liebsten nehmen und schütteln.. wach auf! Du verlierst bzw hast schon alles verloren. Deine Familie, Freunde, Job uvm. Du verpasst so viele tolle Dinge im Leben. Aber nur du kannst es wieder grade biegen oder landest im Grab.

    Es ist traurig.

  • Das sollte jetzt nicht abwertend klingen

    So habe ich das nicht empfunden. Ich weiß ja, wie es um meinen Intelekt bestellt ist. Egal was jemand anderes meint.

    Worauf ich aber gerne hinweisen möchte, ist diese Pauschalisierung. Das ist ungünstig.

    Menschen sind sehr unterschiedlich und haben auch unterschiedliche Wahrnehmung.

    Ob Alkoholiker, oder nicht.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hallo zusammen

    Ich stehe quasi kurz vor der Geburt unseres zweiten Kindes.

    Jetzt stelle ich mir immer die Frage, ob ich meine Vater dann darüber informieren sollte.

    Aktuell haben wir wie gehabt keinen Kontakt. Aber ist es nicht eine Information, die man ihm mitteilen sollte? So aus Anstand und bevor er es von jemandem anderen hört bzw man sich zufällig trifft.

    Auf der anderen Seite bin ich mir nicht sicher, was er dann daraus macht. Wird er den Kontakt suchen oä..

    Wie es ihm konkret geht, weiß ich nicht aber ich vermute, dass er noch in der Schiene alle und jeder hat Schuld an der Situation, nur er nicht.

    Wie schätzt ihr das ein?

    Und noch eine Frage, die mich beschäftigt.. Was bzw wie erklären wir es unserem Sohn (fast 5)?

    Aktuell sagen wir immer, Opa möchte gerade keinen Besuch und Kontakt. Aber er sagt manchmal sowas wie... Opa haben wir lange nicht besucht. Wir versuchen, dann meist das Thema zu ändern.

    Habt ihr Ideen oder Erfahrungen?

    Danke schon mal (:

  • Hallo liebe Lavendel2024,

    Ich stehe quasi kurz vor der Geburt unseres zweiten Kindes.

    Jetzt stelle ich mir immer die Frage, ob ich meine Vater dann darüber informieren sollte.

    Vielleicht hilft es Dir beim Aufkommen solcher Fragen zu sagen, dass nach der Geburt noch genug Zeit ist, dies in Ruhe zu entscheiden, so dass Du die Gedanken beiseite schieben kannst? Jetzt stehst ja Du erst einmal im Zentrum und es ist wichtig, dass es Dir gut geht. Es gibt kein Anrecht, auch als enges Familienmitglied, über eine Geburt sofort informiert zu werden. Wenn Du wieder zu Kräften gekommen bist, könntest Du Deinem Vater eine Geburtsanzeige schicken, die alle bekommen.

    Falls er es von anderen erfahren sollte und den Kontakt sucht, Dir aber der Abstand wichtig ist, könntest Du ihm kurz mitteilen oder besser mitteilen lassen, dass Du erst wieder zu Kräften kommen musst und Dich bei Gelegenhiet meldest.

    Ich finde, dass eine junge Familie jedes Anrecht hat, sich selbst in so einer existentiellen Zeit am wichtigsten zu nehmen. Es ist Deine Zeit und die Zeit Deiner Familie, lass Dir das nicht nehmen.

    Zu den Fragen Deines Sohnes können Dir sicher andere mit Kindern besser raten. Für mich Kinderlose klingt es gut, wie ihr das macht.

    Alles Liebe und Gute für die Geburt.

    Siri

  • Vielen Dank Siri für deine Worte.

    Da hast du wahrscheinlich Recht! Wir lassen es einfach auf uns zukommen.

    Vielleicht hat er ja auch kein weiteres Interesse daran, da nach Aussage seiner Hausärztin alle Schuld haben (auch mein Baby) an der aktuelle Situatio, also das meine Mutti ausgezogen ist und er keine Kontakt mehr zu Freunde hat. Wo er aber auch selbst Schuld hat, wenn er denen merkwürdige Nachrichten schickt.

    Er lebt in irgendeiner surrealen Welt. Schreibt bei FB mit irgendwelchen Fake-Profilen von Frauen, wo demnächst auch eine bei ihm einziehen soll. Wahrscheinlich ist das eine Art "was du kannst, kann ich auch" gegenüber meiner Mutti oder/und er wird finanziell ausgenutzt.

    Traurig.

    Naja, ich versuche mich jetzt auf die Geburt zu konzentrieren und schaue was passiert. Mehr kann man ja nicht tun, wenn keine Hilfe gewünscht oder Einsicht vorhanden ist.

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