YKMN - Meine Freundin, der Alkohol und ich - brauche dringend Rat

  • Hallo zusammen,

    ich habe mich hier angemeldet, weil ich für meine Situation Einschätzungen und Impulse von außen brauche, da ich mit meinem eigenem Wissen nicht mehr weiterkomme. Im eigenen Umfeld sind die Menschen zu weit weg und über Alkohol sprechen ist bekanntlich nicht leicht. Hier im Forum sind viele Menschen mit Erfahrungen zu dem Thema und ich hoffe, darauf zurückgreifen zu dürfen.

    Es geht vorrangig um meine Partnerin, wobei ich wahrscheinlich auf die eine oder andere Weise auch Teil des Problems bin. Ich war mir jetzt unsicher, ob ich schon in der Vorstellung ins Detail gehen oder noch warten soll. @Moderatoren: Bitte entschuldigt, wenn ich nicht den richtigen Informationsgrad treffe.

    Ich würde einfach mal versuchen chronologisch den Verlauf der Ereignisse der letzten Jahre wiederzugeben, um zu beschreiben, wie das Thema Alkohol bei uns aussieht. Falls es zu lang wird, entschuldige ich mich vorab und bedanke mich bei jedem, der dennoch bis zum Ende durchhält.

    Meine Freundin habe ich Ende 2018 kennengelernt. Sie war damals Mitte 20, ich Anfang 30. In den ersten Monaten Kennenlernen/Dating haben wir beide rückblickend betrachtend schon relativ viel getrunken. Also quasi bei jedem Treffen (egal ob auswärts oder bei sich zuhause) immer mehrere Gläser Wein, Longdrinks etc. Bestimmt so 4-5 oder auch mehr über einen Abend lang. Damals habe ich da nie wirklich drüber nachgedacht. Sie kam aus dem Ende der Studentenzeit mit viel Feiern, also habe ich ihren Konsum nicht als ungewöhnlich betrachtet und meinen eigenen auch nicht hinterfragt, weil ich unter der Woche weniger oder auch mal nichts trank.

    Nach wenigen Monaten Kennenlernen, wollte meine Freundin für eine Zeit ins Ausland zu gehen, um in einer Tauchbasis zu arbeiten, bevor in Deutschland der normale Arbeitsalltag beginnt. In den letzten Wochen dieses Aufenthalts hatte sie bei einem ihrer Taucheinsätze eine Panikattacke unter Wasser aufgrund schwieriger Vor-Ort-Bedingungen. Davon erzählte sie mir auch. Seitdem hat sie in bestimmten Situationen auch eine Art Höhenangst entwickelt.

    Als sie wieder in Deutschland war lebten wir noch ein gutes halbes Jahr getrennt und zogen dann zu Beginn 2020 (und Corona) zusammen in meine Wohnung. In dem halben Jahr war ihr Alkoholkonsum in meiner Erinnerung ähnlich hoch wie vor dem Auslandsaufenthalt. Nur wirkte sie manchmal vielleicht bereits etwas „aufgedrehter“, wenn wir uns trafen. Ich habe mir damals nichts dabei gedacht. Heute denke ich, dass sie davor am Tag eventuell schon etwas getrunken hatte. Als wir 2020 zusammenzogen lief erstmal alles gut bzw. „normal“ – heißt ab Abends meist mehrere Getränke wie oben (auch von meiner Seite) aber ich weiß ehrlich nicht mehr, ob das täglich war oder „nur“ ein paar Mal die Woche.

    Irgendwann so ab Mitte 2020 fielen mir erstmals Dinge auf. Leere Flaschen in unserer Glas-Sammlung für den Container, die ich nicht zuordnen konnte. Oder das Alkoholflaschen sehr schnell leer wurden, obwohl wir davon in meiner Wahrnehmung wenig oder nichts getrunken hatten. Und immer häufiger, wenn sie zum Rauchen nach draußen ging, und zurückkam, kam sie über die Kellertreppen hoch statt durch die Haustür (wir waren in einer Wohnung mit Keller-Raum und Tiefgarage). Sie sagte sie geht über die Tiefgaragenzufahrt, weil das schneller geht oder sie beim Rauchen ein paar Schritte laufen will. Ich wurde misstrauisch, weil das in meinen Augen keinen Sinn ergab. Ich habe dann an einem Tag geschaut, was sie wirklich macht und war auch im Keller schauen. Dort war sie dann in unserem Abteil, wirkte sichtlich ertappt, angeblich „Dinge sortieren“. Wir hatten im Kellerraum in Kartons unsere extra Weinflaschen, die nicht in den Weinkühlschrank passten. Und dann habe ich in die Kartons reingeschaut und eine angebrochene Flasche Wein entdeckt. Nicht den, den wir gekauft hatten, sondern irgendeinen anderen, den sie zum Trinken dort versteckt hielt. Ab da war ich natürlich in Alarmbereitschaft. Ich weiß nicht mehr, in welchem Ton und welchem Inhalt wir über die Situation sprachen. Ich weiß nur, dass der Tenor war, ich bin für dich da, aber das ist eine ernste Sache, die wir in den Griff kriegen müssen (und werden). Sie erzählte mir, dass sie seit dem Tauchunfall 2019 mit wiederkehrenden Angstzuständen kämpft und deshalb mehr trinkt. Ich sollte auch erwähnen, dass sie nach ihrer Rückkehr erstmal Anlaufschwierigkeiten bei der Jobsuche hatte und auch während der Corona-Zeit einen weiteren Jobwechsel mit einer längeren Such-Zeit durchmachte, weil der erste Job auf 1,5 Jahre befristet war ohne Übernahmeoption. Der Stress und die Angst rund um das Thema Job haben wahrscheinlich zusätzlich nicht geholfen.

    Auf jeden Fall fand sie gut in den neuen Job rein und war zuversichtlich wieder die Kontrolle beim Trinken zu erlangen. Und wenn wir gemeinsam zuhause oder unterwegs was tranken, sollte ich den Takt angeben, wieviel. Sie hatte auch eine gute Freundin, mit der sie über das Thema sprechen konnte. Da ich kein Experte bin, dachte ich mir damals erstmal – probieren wir’s so.

    Leider ging der Plan nicht auf. Über die nächsten Monate gab es immer wieder Situationen mit heimlichem Trinken. Die Verstecke wurden kreativer. Sie trank heimlich, wenn sie alleine unterwegs war, hatte z.B. in einem unbedachten Moment noch ein kleines Fläschchen in der Handtasche vergessen. Ich begann es auch zu riechen, wenn sie getrunken hatte. Jedes Mal, wenn ich sie konfrontierte, tat es ihr sichtbar leid und sie gelobte Besserung. Irgendwann entdeckte ich dann in der Tiefgarage bei Öffnungen in den Wänden für Tageslicht und Belüftung leere Weinflaschen. Da war für mich ein Kipp-Punkt erreicht. Ich sagte ich kann die Beziehung so nicht fortsetzen. Sie müsse zumindest eine ganze Weile erstmal gar nichts trinken, damit ich sehe, dass sie überhaupt ohne kann. Wir einigten uns auf ein halbes Jahr und dass sie mit einer Beratungshotline spricht. Sie bot sogar an, ganz aufzuhören, aber ich meinte, wir warten erstmal ab, wie es läuft. Rückblickend war das wahrscheinlich ein Fehler, wobei man nie sagen kann, wohin die Entscheidung letztlich geführt hatte. Mit der Beratungshotline hatte sie telefoniert. Sie erzählte mir, dass die Situation dort nicht so dramatisch eingeschätzt wurde und man da gut rauskommen kann.


    Das war Ende August 2020. Ab da trat tatsächlich eine spürbare Veränderung ein. Soweit ich das beurteilen kann, hat sie die 6 Monate wirklich durchgehalten. Es gab keine Verstecke mehr, sie wirkte auch anders, probierte alkoholfreien Wein als geschmackliche Alternative zum Essen und kam mit der Enthaltsamkeit insgesamt in meiner Wahrnehmung gut klar. Ich selbst hatte meinen Konsum auch etwas reduziert. Heißt vermeiden ihr was „vor zu trinken“ und z.B. dann auch den alkoholfreien Wein mittrinken.

    Nach Ablauf der 6 Monate wollte meine Freundin sich wieder „rantasten“. Für mich war das in Ordnung, solange sie es langsam angeht. Im Grunde lief es aber nach kurzer Zeit darauf hinaus, dass sie auf relativ hohem Niveau wie früher trank und „nur“ das heimliche Trinken wegfiel. Im Grunde ist das auch der Stand bis heute. Das ist natürlich besser im Vergleich zu der damaligen Tiefpunktphase, aber auch weit entfernt von gesund. Man merkt bis heute, dass Stress-Situationen sie dazu ermuntern, zur Beruhigung zu trinken. Eines der Dinge, die sie in den letzten Jahren gestresst haben, ist durch mich verursacht:

    Circa. zwei Monate nach der 6-monatigen Trinkpause in 2021 ergab sich durch Zufall die Möglichkeit ein Grundstück ca. 60-80 Minuten außerhalb der Stadt zu erwerben – verbunden mit einer Bauverpflichtung innerhalb von vier Jahren. Wir beide mochten die Stadt und waren zwiegespalten. Ich war unterm Strich mehr für den Schritt als dagegen, weil das Angebot sehr gut war und aufgrund der hohen Kosten nur die Option für ein Eigenheim im Speckgürtel in Frage kam. Sie war eher dagegen, weil sie noch mehr als ich an der Stadt hing, hat aber letztlich zugestimmt, weil sie mit mir zusammen sein wollte und es für die nächsten 5 Jahre sowieso als logischen Schritt ansah. Ich habe aber gemerkt, dass sie während der Planungs- und Bauphase 2022-2023 doch innerlich damit zu kämpfen hatte, auch weil sie nach dem Umzug häufiger pendeln musste als ich. Mittlerweile jetzt nach dem ersten Jahr hadert sie in meiner Wahrnehmung deutlich weniger, denn jetzt mit Garten und Außenanlagen drum rum sieht es sehr schön aus und auch der Anschluss an die Nachbarschaft (Neubaugebiet, viele Leute im gleichen Alter) klappt für sie sehr gut. Sie hat auch mittlerweile einen neuen Arbeitgeber, wo sie eine etwas kürzere Strecke pendeln muss, mehr Homeoffice hat und sich dort sehr gut reinfindet mit top Feedback und locker bestandener Probezeit.

    Zusammengefasst verliefen also die Jahre 2021 – 2024 wie folgt. Kein heimliches Trinken, dafür sehr hoher Regel-Konsum. Hoch bedeutet, auch unter der Woche 3-4 Gläser Equivalent zu Wein, am Wochenende ähnlich oder etwas mehr. Es hilft natürlich nicht, dass ich als Mittäter oft mitziehe. Den Schuh muss ich mir anziehen.

    Ein paar Exzesse mit starker Betrunkenheit gibt es jährlich vielleicht ein halbes Dutzend; eher bei Parties/Feiern. Manchmal sind es Anlässe, wo ich dabei bin. In der Regel ist es aber eher, wenn ich nicht dabei bin. Ein paar Mal im Jahr bin ich außerdem dienstlich für ein paar Tage unterwegs. Dort habe ich auch schon 2-3x erlebt, dass diese Zeit mit vermehrtem Trinken genutzt wurde. Das konnte ich bei abendlichen Telefonaten mit ihr an der Stimme raushören.

    Ich habe irgendwann 2022/2023 versucht aktiver gegenzusteuern und eingefordert, dass wir beide an weniger Tagen trinken. An 5 Tagen in der Woche war erlaubt, an 2 nicht. Das war zu dem Zeitpunkt der höchste Kompromiss, den ich ihr abringen konnte. Jetzt Anfang 2024 haben wir diese Regel auf mein Hinwirken von 5:2 auf 4:3 umgestellt, nachdem sie wochentags von einem eigentlich normalen Abendessen mit einer Freundin stark angetrunken zurückkam. Das hat zumindest die Anzahl der Tage eingeschränkt. Trotzdem stört mich der hohe Konsum an den Tagen, wo getrunken wird. Auf der anderen Seite macht sie jährlich eine Art Entgiftungs- und Abnehm-Diät/Kur für 4-6 Wochen, wo sie gar nichts trinkt.

    Momentan weiß ich nicht, wie ich weiter vorgehen soll. Ich liebe sie, aber die letzten Jahre waren auch für mich eine emotionale Achterbahnfahrt und ich merke, dass ich eine kleine Mauer um mich herum gebaut habe. Ich merke, wir drehen uns gerade im Kreis und treten auf der Stelle. Ich habe Angst mit Blick auf die Zukunft. Ein Szenario, wo wir verheiratet sind mit Kindern und sie wieder abdriftet wie in 2020 oder schlimmer, wäre der absolute Albtraum.

    Was kann ich beitragen, um das zu verhindern und es in eine gute Richtung zu drehen? Wie schätzt ihr die Lage insgesamt ein und was würdet ihr mir empfehlen, zu tun? Ich bin für jeden Input wirklich dankbar. Mit dem eigenen Latein bin ich so ziemlich am Ende.

  • Hallo YKMN,

    und ich merke, dass ich eine kleine Mauer um mich herum gebaut habe.

    das ist unter Umständen schon mal gar nicht so schlecht.

    Vielen Dank für Deine ausführliche Vorstellung. Hier findest Du viele Angehörige zum Austausch.

    Bitte klicke auf den Link.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Ein Wort in der Bewerbung genügt, da Du Dich hier ja vorgestellt hast. Dann können wir Dich, für den weiteren Austausch, freischalten.

    VG

    Alex

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hallo Ykmn,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich glaube dir, daß du mit deinem Latein am Ende bist. Suchtkrankungen des Partners kann man weder begreifen, noch beeinflussen. Leider ist das so. Der Versuch des kontrollierten Trinkens scheitert dann, wenn die Schwelle zum Alkoholismus überschritten ist. Ob das bei ihr so ist, kann ich nicht sagen.

    Ich habe Angst mit Blick auf die Zukunft. Ein Szenario, wo wir verheiratet sind mit Kindern und sie wieder abdriftet wie in 2020 oder schlimmer, wäre der absolute Albtraum.

    Als erwachsenes Kind (EKA) einer Alkoholikerin kann ich dir aus meiner Erfahrung nur ans Herz legen, mit einer nassen Alkoholikerin (so sie eine ist...) keine Kinder in die Welt zu setzen. Für mich war es ein Alptraum.

    Was kann ich beitragen, um das zu verhindern und es in eine gute Richtung zu drehen?

    Schwer zu sagen, ob Einflußnahme überhaupt möglich ist. Man kann niemanden trocken-lieben, das geht nicht.

    Hier im Forum kannst du beim Lesen und Schreiben einen für dich gangbaren Weg entwickeln. Dir gehts nicht alleine so mit dem Kopfkino.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Es ist traurig, aber wenn sie heimlich trinkt, obwohl sie sagt, sie möchte das nicht mehr tun, dann ist meines Erachtens offensichtlich, dass die Glocke geschlagen hat.

    Aber selbst, wenn nicht: Wenn sie offen und heimlich so weitertrinken will, obwohl sie auch noch aufhören könnte, dann ist es doch auch Mist für Dich.

  • Hallo YKMN,

    Deine Bewerbung ist jetzt eingegangen und Du bist freigeschaltet. Du kannst überall schreiben. Nur bitte, die ersten vier Wochen, nicht bei den anderen im Vorstellungsbereich.

    Ich habe dich in den Angehörigen Bereich verschoben. Viel Erfolg beim weiteren Austausch.

    VG

    Alex

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Es ist traurig, aber wenn sie heimlich trinkt, obwohl sie sagt, sie möchte das nicht mehr tun, dann ist meines Erachtens offensichtlich, dass die Glocke geschlagen hat.

    Aber selbst, wenn nicht: Wenn sie offen und heimlich so weitertrinken will, obwohl sie auch noch aufhören könnte, dann ist es doch auch Mist für Dich.

    Klar, wenn das mit dem heimlichen damals weitergegangen wäre, hätte ich mich auch irgendwann verabschiedet. Das liegt aber lange zurück. Was bleibt ist ein fehlendes Bewusstsein für die Menge des eigenen Konsums an Tagen, wo wir etwas trinken und damit verbunden Ängste auf meiner Seite.

  • Willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe, YKMN!

    Was bleibt ist ein fehlendes Bewusstsein für die Menge des eigenen Konsums an Tagen, wo wir etwas trinken und damit verbunden Ängste auf meiner Seite.

    Geht es auch um Deinen eigenen Konsum von Alkohol? Wenn Du schreibst, an 5 Tagen trinkt Ihr Alkohol und an 2 Tagen nicht. Oder an 3/4 Tagen. Das ist in meinen Augen schon ein sehr häufiger Alkoholkonsum.

    Wie ist das bei Dir selbst, stellst Du Deinen Konsum auch auf den Prüfstand? Denn die Gefahr bei häufigem Alkoholkonsum ist, dass man in die Sucht abrutscht, schneller als man es sich vorstellen kann.

    Generell ist jeglicher Alkoholkonsum für die Gesundheit schädlich.

    Scheinbar hat in Eurer Beziehung der Alkohol einen großen Stellenwert.

    Kannst Du auf längere Zeit mit dem Alkoholtrinken stoppen?

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Was hälst Du von einem alkoholfreien Haushalt?

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • Hi, ja das ist sehr häufig. Ich selbst kann längere Zeit ohne. Mir wäre es auch lieber, wenn wir an weniger Tagen in der Woche trinken würden, aber davon kriege ich sie nicht überzeugt.

  • Mir wäre es auch lieber, wenn wir an weniger Tagen in der Woche trinken würden, aber davon kriege ich sie nicht überzeugt.

    Und warum machst du das nicht einfach? Siehst ja wohin das führt. Interessiert dich deine eigene Gesundheit nicht?

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Was hälst Du von einem alkoholfreien Haushalt?

    Fände ich für mich persönlich blöd, weil ich gerne mal einen guten Wein, Cocktail oder Whisky trinke. Ich habe aber auch in meiner Wahrnehmung kein Problem damit, den eigenen Konsum runter zu regulieren. Meine Freundin leider schon, sie will nicht mitziehen. Ich sollte mich davon aber unabhängiger machen.

    Mein Hauptproblem ist aber nach wie vor, dass ich nicht weiß, wie ich mit meiner Freundin umgehen soll.

    2 Mal editiert, zuletzt von YKMN (19. November 2024 um 22:28)

  • Es geht vorrangig um meine Partnerin, wobei ich wahrscheinlich auf die eine oder andere Weise auch Teil des Problems bin.

    Du hast Dich wegen Deiner Partnerin angemeldet. Dir ist bewusst, dass sie ein Alkoholproblem hat, bzw. schon Alkoholikerin ist.

    Was erwartest Du Dir von einem Austausch in einem Alkoholikerforum, wo sich abstinente Alkoholiker austauschen?

    Hier kannst Du viele Geschichten der Angehörigen lesen, die sonst etwas geben würden, wenn ihre Lieben mit dem Saufen aufhören würden. Das beinhaltet u.a. auch, dass man im gemeinsamen Haushalt keinen Alkohol mehr konsumiert.

    Aber bisher kreisen Deine Partnerin und Du nur um den Alkohol. Und nur Deine Partnerin weiß allein, ob sie schon abhängig ist.

    Was kannst oder willst Du für Dich tun? Denn Du hast Dich hier zu Wort gemeldet.

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Ich möchte wissen, wie schwierig Leute mit Erfahrungen die Situation einschätzen. Ist es hier noch möglich, die Kurve zu kriegen und damit auch die Beziehung aufrecht zu erhalten? Sollte ich mich eher trennen, weil die Sache aussichtslos ist?

    Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll, und brauche frische Gedanken. Dieser hohe Regelkonsum ist trotz 4/3 Regel zu hoch und dass sie, wenn sie an den "erlaubten Tagen" alleine unterwegs ist, gerne mal stärker angetrunken nach Hause kommt, sehr beunruhigend. Und ich merke, wie sie sich auch teilweise dagegen versucht aufzulehnen - sagt dann ab und zu mal, sie kann es mir sowieso nicht Recht machen und ich sage grundsätzlich schon was ab dem zweiten Glas usw. Gleichzeitig wird auch meine Zündschnur immer kürzer, weil das alles an mir über die Jahre einfach Spuren hinterlässt.

    Es ist so festgefahren. An Tagen, wo sie nichts trinkt, ist es harmonisch, doch dann kommt nach 1-2 Wochen wieder eine Situation, die mich triggert - sei es, dass sie mit einer Freundin unter der Woche essen geht und angetrunken zuhause ankommt, oder dass sie am Wochende nicht erkennt, wann man mal aufhören sollte. Das tut sie zwar irgendwann, aber eben aus meiner Sicht zu spät. Und so drehen wir uns im Kreis seit einer ganzen Weile.

  • Wir sind hier kein Forum für kontrolliertes Trinken.

    Du wirst hier niemanden finden, der dir Tipps geben kann, denn es funktioniert einfach nicht. Kontrollverlust ist Symptom der Alkoholsucht.

    Deine Partnerin will nicht aufhören. Dann ist das eben so. Ohne ihre Eigeninitiative wird sich nichts ändern. Alle deine Regeln bringen nichts.

    Du kannst mit ihr weiterhin mittrinken - oder dich trennen und dir eine Partnerin suchen, die mit dir schön Cocktails trinken möchte, weil dir das so wichtig ist.

    Die Alkoholiker hier im Forum sind trocken, d. h. sie trinken gar nicht.

    Einer der allerwichtigsten Stützpfeiler der Abstinenz ist ein trockenes Umfeld und ein alkfreies Zuhause. Selbst wenn also deine Partnerin trocken werden wollte, dann könnte sie das nicht mit dir zusammen, weil du weiterhin trinken willst.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Also um es vorweg zu nehmen - wenn es gar nicht anders geht, würde ich auch letztlich aufhören, um die Beziehung aufrecht zu erhalten. Natürlich würde mir das nicht schmecken, doch wenn nur das funktioniert, könnte ich damit meinen Frieden machen.

    Ich habe am Ende des Tages keine Ahnung von dem Thema. Ich kann nicht einschätzen, wie ernst ihre Lage ist und was die richtige Reaktion darauf. Ich hatte einfach gehofft oder geglaubt, dass weil das heimliche Trinken wegfiel und sie die jährliche Entgiftung ohne Alkohol macht, dies gute Indikatoren dafür sind, dass ein normales Verhältnis zum Alkohol mit nur gelegentlichem Trinken möglich ist.

    Mittlerweile habe ich da meine Zweifel, weswegen ich auch eure Meinungen suche.

  • Es stört Dich, dass sie offensichtlich mehr Alkohol trinkt, als es Dir gefällt. Sie ist jedoch erwachsen und kann so viel Alkohol trinken, wie sie will.

    Und bist Du sicher, dass sie an den Tagen, wo sie angeblich nichts getrunken hat, wirklich nüchtern war?

    Jeder nasse Alkoholiker findet Wege, um auf seinen Level zu kommen. Kontrolliertes Trinken, d.h. nach 1 Glas aufhören, ist nicht möglich.

    Wenn es Dich zu sehr belastet, solltest Du für Dich eine Entscheidung treffen.

    Was kann ich beitragen, um das zu verhindern und es in eine gute Richtung zu drehen? Wie schätzt ihr die Lage insgesamt ein und was würdet ihr mir empfehlen, zu tun? Ich bin für jeden Input wirklich dankbar. Mit dem eigenen Latein bin ich so ziemlich am Ende.

    Du kannst nichts tun, um sie vom Trinken abzuhalten. Das kann nur sie allein entscheiden. So bitter es auch für die Angehörigen ist, sie können nichts tun.

    Sie selbst sieht kein Problem, Du sehr wohl. Du kannst sie nicht ändern, aber für Dich Konsequenzen ziehen.

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Die Alkoholiker hier im Forum sind trocken, d. h. sie trinken gar nicht.

    Und teilweise auch Angehörige. Ich trinke seit gut einem Jahr nichts mehr, weil mich meine Erlebnisse mit einem nassen Alkoholiker so runtergezogen haben, daß ich gar keine Lust mehr auf Alkohol habe. Und ich war davor auch eine Genusstrinkerin. Zu sehen, wie sich jemand an den Rande des Todes säuft, hat mich ziemlich erschüttert. Kontrolliertes Trinken funktioniert nicht. Und es ist auch sehr nervenaufreibend, merkst du ja auch. Weil sich euer Alltag danach richten muss. Mit dem ständigen Risiko daß alles auseinanderfliegt.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!