KaDett - Nüchternheit als Lebenseinstellung

  • Mir ist es peinlich wenn ich mir manches wieder ins Gedächtnis rufe.

    Hallo KaDett,

    dann ruf dir manches einfach nicht wieder ins Gedächtnis.

    Wenn (un)bewusst doch wieder ein unliebsamer Gedanke aufkommt, gehe ich damit ähnlich wie in der Meditation um: Ich nehme ihn wahr, ohne ihn zu bewerten, und lasse ihn weiterziehen. Meistens verschwinden diese Gedanken dann von selbst.

    Unsere Scham und Schuld leben nur in der Vergangenheit. Sie existieren im Hier und Jetzt nur, wenn wir sie in unseren Gedanken wiederbeleben.

    Das ist in meinen Augen auch kein Verdrängen, sondern ein bewusstes Loslassen – eine Entscheidung, keine Energie mehr in etwas zu investieren, was ich ohnehin nicht mehr ändern kann.

    Stattdessen fokussiere ich mich darauf, was hier und heute in meiner Macht steht. Für mich bedeutet das, nach vorne zu schauen und Raum für das zu schaffen, was aktuell zählt.

    „Lass los, was war. Akzeptiere, was ist. Öffne dich für das, was kommt.“

    Liebe Grüße Kurswechsel

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • bei mir ist es glücklicherweise so das ich mich gegenüber besonders mir nahestehenden Menschen nicht schämen muss. Heisst ich habe im Suff nichts getan weswegen ich mich schämen sollte oder müsste

    Kazik danke dir, ich muss mich nicht vor anderen schämen, habe niemandem geschadet.

    Ich schäme mich selbst vor mir. Dass ich so viel getrunken habe. Ich habe das nicht als Krankheit gesehen, sondern als erbärmliche Sauferei. Im Alltag habe ich trotzdem funktioniert, auch im Job. Aber auch darum geht’s mir nicht. Vielleicht habe ich es als Willensschwäche gesehen, oder mich als jämmerliche Person, die heimlich säuft. Also es geht um den Respekt, die Achtung vor mir selbst. Sowas in der Richtung. Ich habe mich während ich noch trank gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Dass es eine Krankheit ist, war mich nicht bekannt. Las ich erst hier. Irgendwie bin ich mit mir zu dem Thema nicht im Reinen. Weiß auch nicht wie ich es besser beschreiben könnte. Ich gehe wohl zu sehr mit mir selbst ins Gericht. Oder mein Anspruch an mich selbst hat einen auf den Deckel bekommen durch den dunklen Fleck auf der weißen Weste. Ich glaube ich sehe das zu verbissen. Irgendwie werfe ich mir es vor, Alkoholikerin geworden zu sein.

    Doch jetzt wo ich das so schreibe, fällt mir aber auch auf, dass ich soviel Gutes getan und vieles richtig gemacht habe in meinem Leben. Möglicherweise bin ich zu engstirnig. Niemand ist perfekt. Im Grunde habe mir gar nichts vorzuwerfen. Das muss ich mir selbst klar machen und mich mit mir versöhnen.

    Ansonsten bin ich selbstbewusst, meinen Alltag bekomme ich gut hin, Job und auch Haushalt, kümmere mich um kranke Familienmitglieder. Bin recht beschäftigt und zufrieden. Ich muss das einfach akzeptieren, dass ich getrunken hatte, aber inzwischen die Trinkerei abgelegt habe. Einfach erleichtert sein und nach vorne schauen.

    Irgendwie ist das verzwickt, so hin und her gerissen. Einerseits bin ich auch stolz auf mich, dass ich es geschafft habe aufzuhören.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

    Einmal editiert, zuletzt von KaDett (14. Januar 2025 um 15:39)

  • Kurswechsel über deinen Beitrag werde ich nachdenken. Werde da in mich gehen. Danke dir herzlich

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Oder mein Anspruch an mich selbst hat einen auf den Deckel bekommen durch den dunklen Fleck auf der weißen Weste.

    Wie kann eine Krankheit ein Fleck auf Deiner weißen Weste sein?

    Doch jetzt wo ich das so schreibe, fällt mir aber auch auf, dass ich soviel Gutes getan und vieles richtig gemacht habe in meinem Leben.

    Und selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, müsstest Du Dich nicht für Deinen Alkoholismus schämen.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Es ist ja die Erinnerung an das eigene Handeln in der nassen Zeit, bei mir war es überwiegend das eigene Unvermögen, dass ich nicht gehandelt habe um mich aus der Suchtspirale (früher) zu befreien.

    Es ist wie es war und ich kann es nicht mehr ändern und mir ist der Ausstieg zum Schluss gelungen.
    Jeder Alkoholiker, der sich auf den nüchternen Weg macht und sich ein abstinentes Leben aufbauen kann, dem zolle ich großen Respekt, denn es ist eine enorme physische und psychische Leistung und manch Nicht-Alkoholiker würde an einer vergleichbaren Herausforderung scheitern. Diesen Respekt erbringe ich mir selbst gegenüber auch und wer es möchte kann auch stolz auf sich sein.
    Diese Erkenntnis steigert das Selbstwertgefühl und mit der Zeit wich meine Scham einer gesunden Selbstachtung.

    Kennst du den Text vom Mitbegründer der AAs ? „Wenn du einem geretteten Trinker begegnest…..“

    Du musst nur die Sichtweise ändern.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Wie kann eine Krankheit ein Fleck auf Deiner weißen Weste sein?

    Weil ich bis zum 30.12.2024 nicht gewusst habe, dass es eine Krankheit ist. Habe einfach nur getrunken und mich nicht dafür interessiert.

    Vielleicht war es bequemer gewesen, mich nicht mit dem Thema zu befassen. Habe das einfach ignoriert.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Es ist ja die Erinnerung an das eigene Handeln in der nassen Zeit, bei mir war es überwiegend das eigene Unvermögen, dass ich nicht gehandelt habe um mich aus der Suchtspirale (früher) zu befreien.

    Es ist wie es war und ich kann es nicht mehr ändern und mir ist der Ausstieg zum Schluss gelungen.
    Jeder Alkoholiker, der sich auf den nüchternen Weg macht und sich ein abstinentes Leben aufbauen kann, dem zolle ich großen Respekt, denn es ist eine enorme physische und psychische Leistung und manch Nicht-Alkoholiker würde an einer vergleichbaren Herausforderung scheitern. Diesen Respekt erbringe ich mir selbst gegenüber auch und wer es möchte kann auch stolz auf sich sein.
    Diese Erkenntnis steigert das Selbstwertgefühl und mit der Zeit wich meine Scham einer gesunden Selbstachtung.

    Kennst du den Text vom Mitbegründer der AAs ? „Wenn du einem geretteten Trinker begegnest…..“

    Du musst nur die Sichtweise ändern.

    Nayouk vielen Dank, das ist ein Ansatz.

    Kenne diesen Text von dem Mitbegründer der AAs nicht. werde einfach mal googeln ob ich sowas finde. Aber mit deinen Worten werde ich mich mal auseinandersetzten.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Heuel hat auch sowas ähnliches in ihrem Tread geschrieben und sie hatte eine wunderschöne Idee. Einen Brief an sich selbst schreiben und dann verbrennen. Das werde ich ebenfalls tun. Nehme mir Zeit dafür und ich bin sicher, dass ein paar Tränen fließen werden. Das machen sie gerade auch.Die Tränen kullern und hab nen Kloß im Hals..

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hilft Dir wahrscheinlich nicht weiter, aber bei mir war es bis zum Tag meines bewussten Entzuges in gewisser Weise genauso. Erst an diesem Tag habe ich meine Krankheit angenommen oder aktzeptiert. Verdrängung ist Teil der Krankheit. Da gibt es nichts zu bereuen oder wofür ich mich schämen. Das was ich getan habe habe ich getan weil ich krank bin. Und das meine ich nicht als Generalentschuldigung oder rechtfertigung für mein tun.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich habe mich auch oft geschämt und selbst verurteilt. Sowohl als ich noch getrunken hatte (und mir durchaus schon bewusst war, dass ich Alkoholikerin bin), als auch nachdem ich aufgehört hatte.

    Eine Zeitlang hatte mir das auch ziemlich zu schaffen gemacht. Im Laufe der Jahre ist das ganz verschwunden. Mittlerweile sehe ich es einfach als Teil von mir, ein Teil, der in der Vergangenheit liegt (also meine nasse Zeit liegt in der Vergangenheit - nicht mein Alkoholismus, denn Alkoholikerin bin ich natürlich immer noch).

    Also vertraue darauf, dass sich diese Gefühle verändern können und werden. Das mit dem Brief finde ich eine gute Idee. Gerade am Anfang, wenn diese Gefühle noch so präsent sind.

    VG Sue

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • Sue das mach zuversichtlich. Danke für deinen Beitrag.

    Es ist mir wichtig, mit mir selbst im Reinen zu sein, zu mir zu stehen. Jetzt habe ich viele gute Inspirationen und werde mich damit beschäftigen.

    Ich danke euch vielmals und glaube, dass ich ganz bald mich selbst umarme und mich annehme wie ich bin, da gehört dann die Vergangenheit auch dazu.

    Wenn ich damit durch bin, oder zum 1jährigen, werde ich mir etwas besonders schönes selbst schenken als Belohnung.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hallo Kadett,

    ja, die Scham, das war auch eins meiner großen Themen beim Trockenwerden.


    Dazu gibt es hier im Forum auch schon einiges zu lesen, weil es nicht nur mir (und dir) so geht.


    Ich bin vor ein paar Jahren mal über einen Artikel gestolpert, der mir deutlich gemacht hat, dass die Scham (ganz oft) direkt mit der Sucht zusammenhängt, und dass sie zu fühlen mich eher daran hindert, aus dem nassen Denken herauszukommen. Der ist hier auch unter Literatur irgendwo verlinkt.

    Alkoholabhängigkeit ist eine Erkrankung, die dazu führte, dass ich nicht mehr selbstbestimmt und in Eigenverantwortung handeln konnte. So lange ich mich schäme, Schuldgefühle habe, tue ich so, als hätte ich eine Wahl gehabt, einen freien Willen, aber den hatte ich nicht mehr.

    Zuzugeben, machtlos (gewesen) zu sein, scheint manchmal offenbar eine größere Hürde zu sein, als sich selbst „die Schuld zu geben“ und sich für sein Verhalten zu schämen.

    Als ich verstanden hatte, dass diese Schuldgefühle und die Scham ein Symptom meiner Suchterkrankung sind, dass sie mich sogar in der Sucht festhalten, konnte ich viel differenziert damit umgehen.

    War und ist auch in meinem Erleben ein ganz zentraler Punkt in der Auseinandersetzung mit meinem Alkoholismus.


    Viele Grüße

    Thalia

  • Es ist wie es war

    Ich bin manchmal ein Wortnerd. I know.:oops: Aber ich würde schreiben, es ist wie es ist. Den Alkoholiker bin ich für den Rest meines irdischen Lebens. Und falls es sowas wie ein Leben nach dem Tod geben sollte auch da noch. Und nur falls es wieder jeglichem Erwarten doch eine Wiedergeburt gibt, gibt es vielleicht eine Chance das ich kein Alkoholiker mehr bin. Aber nüchtern betrachtet liegt die Wahrscheinlichkeit bei unter Null Prozent.;)

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • 😂 Das „war“ habe ich bewusst gesetzt, es bezieht sich auf mein Sein als nasser Alkoholiker, den darüber ist die Scham entstanden, Kazik

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Thalia von der Seite habe ich das noch gar nicht gesehen. Das ist ja absolut interessant sich da mal genauer mit zu befassen. Ich hatte das nicht von Anfang an, dass ich mich mit dem eigenen Versöhnen auseinandersetze. Die ersten Wochen und Monate war ich mit meiner Gesundheit voll beschäftigt. Die rosa Wolke hatte ich auch, auch 2-3x massiven Suchtdruck. Habe aber alles geschafft und auf meinen ausgeprägten Willen gesetzt. Da hatte ich leider noch nichts von Notfallkoffer gehört. Aber jetzt bin ich mitten in der psychischen Trockenheitsarbeit. Da kommt wohl so manches zum Vorschein, wo ich am Anfang einfach keine Zeit hatte mich damit zu beschäftigen. Die allerersten Wochen und Monate meiner Abstinenz stand meine körperliche Gesundheit absolut im Vordergrund. Jetzt habe ich Zeit und Muse mich um mein Seelenleben zu kümmern und mir Gutes zu tun. Das darf auch in die Tiefe gehen. Auch Tränen sind willkommen, die reinigen und befreien. Ich nehme mir soviel Zeit wie ich brauche. Auch hier kreuz und quer lesen bringt Ideen und Anregungen. Ich notiere mir viel, damit mein Kopf frei bleibt und ich nichts vergesse was mir wichtig für mich erscheint. Ich sehe das als besondere Selbstfürsorge und gehe da mit einer positiven Einstellung dran.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Also heute bin ich euch sehr dankbar. Für mich hat sich beim Schreiben und Lesen bereits einiges zum positiven entwickelt. Habe mir jede Mengen Notizen gemacht und werde mich liebevoll mit Fürsorge und Güte mit mir auseinandersetzen. Glaube es braucht gar nicht soooo viel wie ich dachte um mich mit mir zu versöhnen. Sehe einiges jetzt ganz anders. Das wird richtig gut, das weiß ich genau. Fühle mich jetzt schon erleichtert und mit einer optimistischen, zuversichtlichen Stimmung.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Fühle mich jetzt schon erleichtert und mit einer optimistischen, zuversichtlichen Stimmung.

    Freut mich. Vieles ergibt sich auch von selbst.

    Habe mir jede Mengen Notizen gemacht

    Nicht verraten, aber ich habe mich da jetzt nicht gleich so heftig hinein gekniet. Habe ja so viele Jahre gesoffen. Da konnte ich mir nüchtern schon ein paar Tage mehr geben. ;)

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Und auch wenn es sich für Dich vielleicht merkwürdig anhören mag, ich bin Dir auch dankbar.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

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