Vorgeschobene Gründe und das Rausschleichen aus der Sucht sind keine Seltenheit.
Viele Alkoholiker schieben Gründe vor und haben Angst, erkannt und abgestempelt zu werden. Schließlich möchte man aus Eigeninteresse keine Angriffsfläche bieten. Doch das kann sich als Bumerang herausstellen und in einem Rückfall enden.
Ich schließe mich da nicht aus. Bei meinen Versuchen, trocken zu werden, habe ich das selbst so gehandhabt und dachte, ich müsse es auch weiterhin so machen. Endete in einem fast tödlichen Rückfall.
Wenn mir das Ausmaß meiner Handlungen nicht klar ist, ich die Alkoholerkrankung auf die leichte Schulter nehme und denke, ich kann mit Rückfällen leben, weil sie dazugehören, und ich bereit bin, mit dieser Ansicht auch daran zu sterben, dann kann ich das machen. Aber ist das wirklich das Ziel?
Dieser Thread soll nicht dazu dienen, zu diskutieren, warum ich mich hinter der Sucht verstecke, sondern die Ernsthaftigkeit dieser Krankheit zu unterstreichen. In aller Regelmäßigkeit verrecken Alkoholiker an der Sucht.
Rausschleichen beginnt bei mir damit, nicht zum Arzt zu gehen, den kalten Entzug zu machen, Wege zu suchen, um nicht aufzufallen. Im stillen Kämmerlein mit mir selbst auszumachen, da ich nicht den Anschein geben will, alkoholkrank zu sein. Außerdem suche ich nach Gründen, warum ich nichts trinke, halte mich weiterhin in gefährlichen Bereichen auf und rechtfertige mich mit der viel umschrieben "Individualität"
Ich denke, Ehrlichkeit ist der Weg, der am meisten hilft. Natürlich treffe ich auch auf Menschen, die nicht den geistigen Horizont haben, um zu verstehen, was Sucht bedeutet. Da halte ich mich zurück oder ignoriere die Stammtischparolen von denen, die zu allem eine Meinung haben, aber deren IQ unter der Grasnarbe liegt.
Ich bin schon seit ein paar Tagen trocken, aber gerade am Anfang halte ich es für besser, sich nicht hinter eigenen Ausreden zu verstecken, sondern offen und ehrlich mit mir selbst umzugehen. Alkohol endet tödlich und das ist keine Diskussionsgrundlage.
Und hier, wenn ich mich mal öffne, gibt es auch "gefühlt" was auf die Mütze, wenn Wege eingeschlagen werden, die aus den Erfahrungen heraus in Rückfälle führen. Ich muss mich nicht rechtfertigen, wenn ich das Gefühl habe, es wäre gut, ohne Fallschirm aus dem Flugzeug zu springen . Das brauche ich nicht, aber ich muss mir doch in irgendeiner Form sagen lassen, dass das nicht gerade von Erfolg gekrönt ist.
Deswegen habe ich mich hier angemeldet und meine Einsichten am Stammtisch gelassen, weil sie nie erfolgreich waren. Und wenn ich eine Blaupause habe, die grob, aber zielführend einen Weg aufzeigt, umso besser. Grundbausteine sind doch hier klar zu lesen. Nicht dogmatisch , sondern pragmatisch.