Bergdohle - Fliege, mein Vogel

  • Hallo Bergdohle!

    Natürlich schaffst du solche Dinge alleine, daß du am Anfang noch unsicher bist ist doch ganz normal. Wenn ich daran denke was ich alles ausfüllen musste als ich meine Rente beantragt habe. Das war zum Schluß ein ganz dicker Umschlag aber es war anscheinend alles richtig denn es kamen keine Rückfragen und es wurde alles bewilligt.

    Mit der Zeit wurde ich dann sicherer obwohl es mich teilweise immer noch davor graut und ich es am liebsten erstmals vor mir herschiebe. Aber ich hatte nachdem viele Jahre alles mein Mann gemacht hatte war ich sehr bestrebt es auch alleine zu schaffen und somit immer unabhängiger zu werden.

    LG Marie

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • alkoholismus ist erst seit dem 18.juni 1968, nebenbei mein 5. geburtstag :/ . als krankheit anerkannt in deutschland. die co abhängigkeit ist es bis dato nicht.

    Danke für Deine Aufklärung, liebe dorothea. Dann sehe ich meinem Arzt sein Unwissen mal nach. Ich hab ihn übrigens gleich nach seinem Ausspruch aufgeklärt :)

  • Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass ich es selbst, als mir das mal jemand gesagt hat, nachgedacht habe und es mir dann erstmal klar wurde, welche Fähigkeiten in mir stecken.

    Liebe Aurora, vielen Dank für Deine aufbauenden und mutmachenden Worte. Ich werde auch darüber nachdenken, so wie Du damals. Und dann komme ich hoffentlich zu der gleichen Überzeugung. Danke nochmal.

  • Kann, darf man in diesem Alter noch mal von vorne anfangen?

    Ich stolpere gerade so ein wenig über diesen Ausdruck ‚von vorne anfangen‘. Es suggeriert ein wenig, dass man, wenn man eine Beziehung beendet, jedes Mal wieder sein Leben von vorne anfängt.
    Eine Trennung nach so langer Zeit ist natürlich einschneidend und das will ich auf keinen Fall runterspielen. Nur dein Leben, das fängt nicht von vorne an, sondern geht jetzt eben anders weiter.

  • ...und weil es eben nicht von vorne anfängt, hat man eigentlich keine Zeit zu verlieren bei den Veränderungen. Ich bin auch schon Mitte 50, liebe Bergdohle. Wenn nicht jetzt aufraffen, wann dann, denk ich mir. Aber auch mir fällt es schwer nach weit über 30 Jahren, die wir uns kennen, davon 10 mehr oder weniger zusammen. Dieses durch Dick und Dünn ist echt Segen und Fluch zugleich. Schweißt zusammen, was längst mal hinterfragt und möglicherweise auch getrennt gehört hätte.

  • Hallo, ich möchte gleich vorwegschicken, dass ich weiß, dass ich in dem Forum keine Hilfe für alle anderen bin, da ich meist nur der stille Leser bin und nur ab und an mal ein paar Fragen in das Forum werfe. Ich möchte nur einfach mal wieder was fragen und einen kleinen Zwischenbericht abgeben und hoffe, dass ich dennoch (auch trotz zurückhaltender Aktivität) Antworten bekomme. Danke schon mal.

    Mein Mann hat seit Anfang Mai mit Trinken aufgehört. Von einem Tag auf den anderen. Es ist mir ein Rätsel, wie er das konnte. Und da ich mittlerweile feine Antennen habe muss ich sagen, ja, es ist tatsächlich so. Hat jemand das schon mal erlebt von euch?

    Natürlich kamen dann Vorwürfe: Ich habe all die Jahre übertrieben reagiert. Er sei somit kein Alkoholiker. Er hat mir auch seine neuesten Blutwerte vorgelegt, die erstaunlicherweise, abgesehen von leicht erhöhten Leberwerten, im grünen Bereich lagen. Und wieder hinterfrage ich mich.

    Zwischenbericht: Nun, er trinkt nicht mehr, aber dafür kommen andere Dinge: Vor 3 Wochen wollte er mich quasi aus dem Haus schmeißen (in einer Woche bist du ausgezogen, egal wie...ich will nochmal durchstarten)und hat mich behandelt wie eine Fremde. Gestern meinte er: Lass uns einen Neuanfang machen. Das alles nimmt mich sehr mit. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich mit dem Gedanken anfreunde mein schönes Zuhause mit Garten zu verlassen um in eine kleine Wohnung zu ziehen. Bedeutet auch, ich muss aus der Komfortzone raus und meine 50% Arbeitskraft erhöhen...in einem Alter, wo andere kürzertreten.

    Ich habe ein solches Bedürfniss nach einem Leben ohne Psychostress.

  • Hat jemand das schon mal erlebt von euch?

    Ja! Bei mir! Aber es meistens oft nur Trinkpausen. Wenn die Einstellung wirklich passt kann es klappen/ leider sieht man das von außen nicht.

    wollte er mich quasi aus dem Haus schmeißen

    Warum sollst du gehen und nicht er?

    Er klingt schwankend, instabil. Vielleicht solltet ihr euch wirklich- zumindest für eine gewisse Zeit - räumlich trennen.

    Leider bedeutet das Signalwort ‚durchstarten‘ bei Männern, dass sie sich gleich ne neue Frau suchen wollen. Und egal wie unansehnlich, unausstehlich oder saudoof sie sind- klappt trotzdem fast immer.

    Nur als Hinweis.

    Was genau willst du für dich?

  • Hallo Bergdohle,

    Hallo, ich möchte gleich vorwegschicken, dass ich weiß, dass ich in dem Forum keine Hilfe für alle anderen bin,

    Du bist ja nicht hier um anderen zu helfen sondern du bist für DICH hier. Es heißt ja nicht für umsonst Selbsthilfegruppe.

    Andererseits können zum Beispiel deine Fragen und die Antworten darauf und auch dein Lagebericht durchaus hilfreich für andere sein.

    Mein Mann hat seit Anfang Mai mit Trinken aufgehört. Von einem Tag auf den anderen.

    Sowas hat mein erster Mann auch immermal gemacht. Aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel um mich ruhig zu stellen. Ob das nun dauerhaft so bleibt weiß nur dein Mann.

    Ich habe ein solches Bedürfniss nach einem Leben ohne Psychostress.

    Das verstehe ich sehr gut. Ob nun sein Verhalten jetzt was mit seiner Sucht zu tun hat, weiß ich nicht. Dieses Zuckerbrot und Peitsche Verhalten haben nicht nur Alkoholiker. Es ist ein Verhalten, das mürbe macht weil es alles verdreht und du nie weißt, woran du bist. Darum ist die Idee der Trennung garnicht mal verkehrt. Auch wenn es schwerfällt. Aber "Psychospielchen" sind Gewalt. Ich hab das früher nicht gewusst. Als es mir bewusst wurde war ich ganz schön erschrocken, welcher Gewalt ich all die Jahre ausgesetzt gewesen war und was ich mir hab gefallen lassen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hi Bergdohle,

    ich habe auch von jetzt auf gleich aufgehört. Ich hatte immer Trinkpausen gemacht, und anfangs habe ich nur eine Trinkpause verlängert.
    Erst nach einiger Zeit bin ich in die Suchtberatung gegangen, mit der Einstellung, aufhören konnte ich immer, aber ich habe ja auch immer wieder angefangen.
    Und wie verhindere ich nun, dass ich wieder anfange.

    Ich schreibe immer wieder, dass mich meine Frau verlassen hatte. Als ich aufgehört habe und es so aussah, dass ich es ernst meine, war sie aber auch voller Hoffnung und begeistert, ich war und bin für sie ja auch derjenige, den sie haben wollte.

    Ich brauchte unbedingt Raum, um mich zu sortieren. Sie hat mir nicht mehr alles durchgehen lassen, ich brauchte aber auch Abstand. Ich musste mich frei bewegen können, um überhaupt herauszufinden, wie ich mich nüchtern in meinem Leben aufstelle.
    Und ich bin bis heute jemand, der Raum für sich braucht. Manchmal denke ich, das war eine der Funktionen des Trinkens, dass ich einen Raum brauchte, den ich für mich allein hatte. Der schafft sich von selbst, wenn keiner mehr was mit einem zu tun haben will, aber nüchtern muss man sich diesen Raum schaffen.

    Meine Frau hatte oft das Gefühl, dass ich sie eigentlich loswerden wollte. Das stimmte gar nicht. Aber sie saß mir mit ihrer Bedürftigkeit auf der Pelle.
    Wir haben unsere ganze Beziehung neu aufgestellt, und das dauerte.

    Eigentlich ein typischer Fall von "es ist nicht alles gut, nur weil der Trinker mit dem trinken aufhört"

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Auch mein mann hat es vor einigen jahren mal für fast ein halbes jahr geschafft von jetzt auf nachher eine Trinkpause einzulegen. Viele Jahre davor als er noch nicht trank, hatten wir auch mal eine Ehekrise weil er meinte er bräuchte jemand anderes, ja es kam dann zum "Neustart " in seinen Augen, ich war sehr coabhängig ( es gibt auch andere coabhängigkeit außer vom Alkohol und habe nur schwach den versuch gemacht um das vergangene aufzuarbeiten und uns Hilfe zusuchen z.B. Eheberatung. Ja ich bin geblieben und er hatte sich auch keine Hilfe gesucht. Eine Weile ging es gut bis er dann mit Alkohol anfing.

    Jetzt leben wir so zu sagen in einer WG. Ich dachte auch dass ich nichts haben werde da ich auch nur zu 40% gearbeitet habe, unser Haus ihm gehört , wir viele Schulden haben . Den gedanken hatte ich auch nur kurz die " Komfortzone " verlassen zu müssen. Aber es ist keine Komfortzone die es zu verlassen gilt. Komfortzone wirst du haben wenn du nach Hause in deine eigene Wohnung kommst ,wo dich niemand wertlos macht, was hast du von einem Komfortgarten wenn du abends vorgehalten bekommst dass du alles falsch machst, faul bist usw..

    Ich habe gerne gearbeitet und hätte gerne aufgestockt aber mein Körper hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich genieße meinen Freiraum den ich in meiner Wohnung habe merke aber auch wie schwierig es ist in einer gemeinsamen Wohnung. Ich habe immer noch Probleme mein Zimmer nach meinem Geschmack einzurichten. Auf der Arbeit hatte ich Kolleginen mit denen mich auch Freundschaft verband. Ich habe angefangen Dinge selbstständig zu unternehmen , ja manchmal ist es schwierig weil bei vielen Geld verbunden ist und wenn es nur Eintritt kostet aber es macht auch Spass sich umzuhören was es alles gibt mit wenig Geld oder keines.

    Ich darf lernen dass ich auch wertvoll bin und bin erstaunt wie oft ich das erleben darf.

    Mariexy

    Ich glaube ich muss meinen Namen in Mariewertvoll ändern. Denn ich bin keine xy mehr

  • Was genau willst du für dich?

    Ich will einfach nur Ruhe. Ich will heimkommen und wissen es erwartet mich nichts...nur Frieden. Ich will wieder selbstbestimmt leben und nicht nur ein Leben führen, was aus Reaktionen von mir auf Aktionen von ihm besteht. Und im Grunde meines Herzen weiß ich, dass die Trennung, sei sie vorübergehend um sich neu zu sortieren, oder dauerhaft, weil ich merke, da führt kein Weg mehr zurück, die einzige Möglichkeit ist. Denn hier im Haus triggern wir uns immer wieder gegenseitig. Ich brauche nur Mut.

  • Darum ist die Idee der Trennung garnicht mal verkehrt. Auch wenn es schwerfällt.

    Wie recht Du hast! Das Gute an dem Ganzen ist, je mehr Mist er macht, desto mehr bringt es mich Richtung Trennung. Vor 1 Jahr hätte mich der Gedanke auf mich selbst gestellt zu sein in Panik versetzt. Jetzt stelle ich mir auf der Heimfahrt von der Arbeit oft vor, wie es wäre in eine ruhige Wohnung zu kommen. Und es fühlt sich gut an. Leider habe ich immer mal wieder richtige Panikanfälle bei dem Gedanken es durchzuziehen. Aber die werden immer kürzer.....

  • Aber es ist keine Komfortzone die es zu verlassen gilt. Komfortzone wirst du haben wenn du nach Hause in deine eigene Wohnung kommst ,wo dich niemand wertlos macht, was hast du von einem Komfortgarten wenn du abends vorgehalten bekommst dass du alles falsch machst, faul bist usw..

    Das hast Du sehr treffend formuliert, Mariexy....bzw. Mariewertvoll <3. Er sagte doch auch glatt unlängst zu mir, dass ich mich schon durch sein ganzes Leben schmarotzt hätte. Hallo, ich war zu Hause bei den Kindern...und die sind gut gelungen, wenn ich das mal so sagen darf. Habe geputzt, gekocht, Erledigungen gemacht etc... Gestern war ich bei einer meiner guttuenden Freundinnen und die meinte: So darf niemand mit einem reden! Und sie sagte: Überlege Dir gut: Willst du in Zukunft im Driver's seat sitzen oder einfach mitkutschiert werden?

  • aber es macht auch Spass sich umzuhören was es alles gibt mit wenig Geld oder keines.

    Das habe ich auch festgestellt. Ich singe im Kirchenchor für 0 Euro. Und bin in einer Outdoorgruppe für 0 Euro. Und ich weiß, bei uns in unserer Kleinstadt gibt es noch mehr, was umsonst ist und mir Spass machen würde. Man muss sich nur umhören und offen sein.

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