EllaDrei - Dauer-Dilemma

  • hallo Ella,

    ich habe dass in einem anderen Thread von dir gelesen, und möchte dir hier antworten.

    Er ist zzt in Langzeitreha, und ich kann noch nicht absehen, wie es danach weitergeht. Für mich allerdings nur, wenn er trocken und clean wird/bleibt, weil der Co-Teufelskreis für mich sonst nicht zu stoppen ist.

    Nach der Langzeit geht die Arbeit weiter. Du bekommst ja einen anderen Menschen zurück. Zuerst einmal war ja das Vertrauen total weg, und es dauert sehr lange, dies wieder aufzubauen.

    Dann wollte da plötzlich jemand mitreden hat sich beteiligt, dass war eine völlig neue Situation für mich. Ich wollte mich darüber freuen, das ist mir aber nicht gleich gelungen. Statt dessen kam bei mir immer wieder der Gedanke : schafft er das alles, um was er sich kümmert? Angst dass es zuviel für ihn ist und er deshalb wieder anfängt zu trinken. Ich wollte nicht auch noch zur CO eines trockenen Alkoholikers werden, die wieder alles aus dem Weg räumt, damit er trocken bleiben kann.

    Nimm dir Zeit für dich, dass ist sehr wichtig

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Liebe Morgenrot,

    Ich wollte nicht auch noch zur CO eines trockenen Alkoholikers werden, die wieder alles aus dem Weg räumt, damit er trocken bleiben kann.

    das hast Du sehr treffend ausgedrückt, und das ist auch der Grund, warum ich ihn hier nicht quasi wohnen haben möchte . Ich möchte kein rohes Ei hier, um das ich mir 24/7 einen Kopf mache, mit Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Zukunftsängsten und allem ,was sonst noch dazugehört. Mittlerweile weiß ich meine Rückzugsmöglichkeiten zunehmend zu schätzen. Und Vertrauen - ohja, das wird auch hier ein großes Thema...

    Ich bin sicher, es wird mir schwerfallen, mir keine Sorgen zu machen, dass er in seiner Wohnung versacken könnte..Aber ich muss und will da durch.

    Danke für Deine Rückenstärkung!

  • Eine gute Woche ist Xy nun aus der Reha zu Hause, und es gibt bereits einen Rückfall in alte Verhaltensmuster. Was mich befürchten lässt, dass es auch einen Rückfall mit Alkohol / Droge gibt.

    Wir waren heute verabredet, was er unter einer sehr fadenscheinigen Begründung und auch erst auf Nachfrage mit einer seltsam wirren Nachricht abgesagt hat. Ich kenne ihn gut, da läuft gerade mit ziemlicher Sicherheit irgendwas schief.

    Kann sein, dass ich mich täusche ,aber meine Gedanken fahren wieder Karussell, Herzrasen und -stolpern, es setzt mir zu. Ein halbes Jahr hat er durchgehalten. Ich hab Distanz gewahrt, aber wohl noch immer nicht genug. Jetzt lässt er mich wieder im Unklaren, geht nicht ans Telefon, antwortet nur vage auf WhatsApp, während ich versuche, rauszufinden, was los ist, in Sorge bin, wütend, verletzt, die altbekannte Mischung. Pläne, die den Bach hinuntergehen, Hoffnungen, die zerbröseln. Da wollte ich nicht mehr hin. Ich war drauf gefasst. Trotzdem fühlt sich's schlimm an.

  • Hi EllaDrei,

    es war ja hier mehrmals Thema, dass es so kommen könnte, und dann wolltest Du Konsequenzen daraus ziehen.
    Weisst Du, wo Deine Grenzen sind?

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich bin ein Stück weiter. Xy hat jemanden, der ihn als eine Art Betreuer unterstützt, und den ich gestern kurz darüber informiert habe, dass er plötzlich nicht mehr erreichbar für mich ist. Der hatte eigentlich auch einen Termin mit ihm, bei dem es um Schuldenklärung gehen sollte, und den er ihm per SMS abgesagt hat. Aus dem genau gleichen Grund hat er aber mir abgesagt - er müsse die Schuldensituation für Termin bei Schuldnerberatung nächste Woche klären.

    Damit ist klar dass er sich nach allen Seiten Luft für seinen Konsum verschaffen hat. Er muss mir jetzt nix mhr erklären, es ist vorbei. Sagen kann ich ihm das im Moment nicht, er ist ja weg, und das wird sicher vorerst so bleiben. Wichtiger ist ja auch, dass ich es mir bewusst mache.

    Bis Mittwoch war er voller Tatendrang, mit vielen Terminen in Sachen Nachsorge,um das Leben wieder irgendwie aufzurichten inklusive wieder einem wichtigen familiären Kontakt, der nach Jahren zustande kam und gut verlief.

    Diese einsamen Entscheidungen, alles wieder komplett aufzugeben und alle Konsequenzen auszublenden, nachdem es ein halbes Jahr gut funktioniert hat, man sich doch irgendwie etwas Lebenszeit zurückerobert hatte, das wird mir immer ein Rätsel bleiben.

  • Mensch Ella, das ist bitter! Auch wenn du es hast kommen sehen - wenn es passiert ist es trotzdem wieder eine Rutschpartie. Ja, also so, als sei der Boden plötzlich glatt, wie beim Sekundeneis, und ich muss höllisch aufpassen, um nicht zu fallen. So erlebe ich das.

    Ob Rückfall oder nicht - sein Verhalten tut dir jedenfalls nicht gut. Und es würde mich sehr wundern, wenn deine Ahnung sich nicht bestätigt.

    Ich kenne das natürlich alles nur zu gut. Muss nur 1 und 1 zusammen zählen und dann weiß ich, es ist wieder soweit. Offene Erdnuss-Dose = Alkoholkonsum - Fleisch im Kühlschrank dito - plötzlich gute Laune dito - putzt das ganze Haus dito - abends müde dito.... Gott ist das alles leicht durschaubar, quasi gar nicht möglich es nicht zu merken (rede jetzt über die Zeit bevor es kippt - dann ist es ja sowieso offensichtlich).

    Aktuell ist hier alles im grünen Bereich. Aber wie lange? Ich bange aber nicht mehr. Ich hab nun mein eigenes Leben, mein Hafen-Nest, gute rutschfeste Schuhe und eine tiefe Entschlossenheit ganz bei mir zu bleiben und nicht mehr zu "retten". Na ja, in guten Zeiten ist das alles so klar - aber wenn es dann los geht...?

    Ich wünsche dir, dass du es schaffst bei dir selbst zu bleiben. Du musst doch nix raus finden, du merkst noch früh genug was los ist.

    Ich finde es stark, dass du ihn jedenfalls nicht mehr in deine Wohnung aufgenommen hast. Obwohl du ja Sorge hattest er kommt in seiner eigenen nicht klar. Das ist so sehr wichtig, merke ich. Dein eigener Raum. Die Haustür als klare Grenze. Bei mir kommt keiner rein der getrunken hat. Punkt peng fertig.

    Ich lese dich! Jump! 🏵️

    (Oh, unsere Beiträge hatten sich überschnitten - hatte deinen letzten noch nicht gelesen)

  • Mal wieder zu früh auf Senden gekommen - leider kann man das nicht rückgängig machen... also weiter im Text: es tut sehr gut verstanden zu werden.

    Sicherer Rückzug in der Hinterhand ist wichtig. Hier ist der Fall ja etwas anders, weil auch xy selbst seinen "sicheren Rückzug" immer behalten wollte, um dort im Verborgenen völlig versacken und konsumieren zu können. Nach Tagen tauchte er dann wieder auf, und ihm war wenig anzumerken. Trinken in meiner Anwesenheit gab es erst in den letzten paar Monaten vor Entgiftung und Reha.

    Bei mir danach praktisch erstmal für einige Zeit einziehen zu wollen, hatte er mir als ne Art Rückfallprophylaxe für die erste Zeit verkaufen wollen. Aber das ist ja jetzt eh alles rum ums Eck.

    Du machst das gut mit Deinem Hafen-Nest Jump! . Und beschreibst die Anzeichen perfekt. Hier war es das letzte Wochenende ein übermäßiges Aufgebrachtsein über eine Kleinigkeit, bei der ich das Gefühl hatte, es steckt eigentlich Suchtdruck dahinter. Generell lief die Reha für meinen Geschmack zu glatt. Ich hab auf Nachfragen immer nur kurz angebundene Antworten bekommen a la "Alles bestens".

    Ich hab nun die letzten besorgten Nachrichten an ihn gelöscht und gestalte meine Tage ohne ihn. Organisiere weg, was eigentlich er mir helfen wollte. Mein Plan steht, dass auch ich nun als Retterin nicht mehr greifbar sein werde.

    Wir haben ja zuletzt nur noch eine Art Freundschaft geführt, allerdings auch kombiniert damit, dass er mit einer Selbstverständlichkeit auch mal übers Wochenende hier war. Und ja, es war Hoffnung da, dass es vielleicht wieder eine Beziehung werden könnte, wenn er sich stabilisiert.

    Das will ich jetzt nicht mehr. Ich sehe einfach keinen Ansatzpunkt mehr für zum Beispiel Gespräche, wenn doch das Thema Alkohol/Droge immer zwischen uns hängt, Konflikte auslöst oder auch unausgesprochen da ist. Ich möchte den Kopf frei bekommen von alldem, weil es mir einfach so sinnlos vorkommt, mich damit weiter auseinanderzusetzen, wenn er doch alle Hilfen nicht annehmen kann. Aber das wird für mich noch ein längerer Weg. Ich setze auf den Faktor Zeit.

    Liebe hiiumaa , auch Dir vielen lieben Dank für Deine mitfühlenden Worte. Wie ist denn Dein Stand? Bist Du weiter auf Abstand?

    Ich konnte keine Beziehungen (nicht nur partnerschaftliche, sondern auch zu Eltern und sonstigen nahestehenden Menschen)führen und das hatte nichts mit fehlender Liebe oder Sturheit oder sonstwas zu tun, sondern weil ich als Alkoholiker trinken musste.

    Soapstar , Dein Zitat hab ich mir mal hierher geholt aus einem anderen Thread. Es hilft (auch) mir, das so klar und deutlich zu lesen, um besser Abstand gewinnen zu können. Danke Dir.

    Habt einen schönen Tag

  • liebe Ella, das tut mir alles total leid, du hast mir oft so Ware und ehrliche Worte geschrieben, du bist so ein starker Mensch, du wirst auch das schaffen. Ich stehe ja ganz am Anfang, das weißt du, ich bin Mutter eines Alkoholkranken, Sohnes und stehe manchmal vor den Dingen, die ich hier lesen muss. Umso mehr bewundere ich euch, wie ihr damit umgeht, ich hoffe, dass ich für mich auch einen Weg finde. Du liest dich ziemlich klar und ich wünsche dir alles Gute für dein Vorhaben, liebe Grüße Foxi

  • Guten Morgen liebe foxi58 ,

    danke Dir sehr für Deine aufbauenden Worte. Glaub mir, ich war sehr oft gar nicht stark, sondern ein Häuflein Elend, hab xy bereitwillig wieder die Tür geöffnet, obwohl ich mir kuz zuvor geschworen hatte, mich nicht mehr auf ihn einzulassen. Wir kennen uns ja schon seit Jahrzehnten, da ist viel passiert, und es gibt viel Verbindendes. Auch jetzt werde ich auf mich aufpassen müssen, nicht "umzufallen". Ich hatte immer (zu) viel Mitgefühl mit ihm und mag ihn seit jungen Jahren - bester Nährboden für meine Co-Abhängigkeit . Nach seinen vielen Anläufen hatte ich diesmal während der Reha weniger Hoffnung, dass er es wirklich dauerhaft schafft. So hart es klingt, das war gut so, denn dann fällt man als Angehörige nicht ganz so tief. Hoffnung ist nicht immer eine gute Beraterin.

    Ich habe in Deinem Faden gelesen, dass Du Dich wegen des endenden Mietverhältnisses Deines Sohnes sorgst und möchte Dir nochmal den sozialpsychiatrischen Dienst Eures Landkreises ans Herz legen. Hast Du schon einmal danach gesucht im Internet, oder dort mal angerufen? Sonst erkundige Dich doch mal über die Kreisverwaltung nach dieser Stelle.

    Du kannst Dich als Angehörige dorthin wenden und auf Deine Sorgen und den Bedarf Deines Sohnes hinweisen - Du hast ja auch chon die Beürchtung geäußert, dass er sich was antun könnte - dabei auch sagen, dass Du mit Deiner Kraft am Ende bist, selbst auf Abstand bleiben möchtest, er aus Deiner Sicht aber auf Hilfe angewiesen ist. Immerhin ist oder war er ja jetzt erneut in einer entsprechenden Klinik und es gab vor einiger Zeit diesen Polizeieinsatz, das verdeutlicht ja die Lage.

    Die Ansprechpartner können hoffentlich Hilfen benennen und gehen gegebenenfalls auch direkt mit ihm in Kontakt, da musst Du nicht dabei sein. Hier in meinem Bundesland ist das jedenfalls so. Ich empfände glaube jedes Gespräch mit Fachleuten derzeit als Entlastung. Manchmal sind Eltern auch einfach mit ihrer emotionalen Verstrickung zu nah dran, das habe ich selbst so erlebt mit meinem Sohn. Vielleicht kann Dein Sohn die Hilfe von Profis besser annehmen.

    Liebe Grüße

  • Liebe@EllaDrei, danke nochmal für den Hinweis, ich hatte das das letzte Mal so verstanden dass ich mich für mich da melden soll, ich habe ja mittlerweile Beratung.....Mein Mann arbeitet im Amt, er wird morgen zum sozialpsychiatrischen Dienst gehen und danach fragen.....in welchem Landkreis bist du denn?

  • Das möchte ich aus Anonymitätsgründen hier lieber nicht sagen, liebe foxi58 , bitte um Verständnis. Aber ziemlich sicher gibt es das auch bei Euch. Gib doch in einer Suchmaschine mal Euren Landkreis und sozialpsychiatrischer Dienst ein.

    Vielleicht war das missverständlich ausgedrückt. Es sollte ein Vorschlag sein, wie Du Experten einschalten kannst, um Dich dann selbst aus der Verantwortung herausziehen zu können, was ja auch hilfreich für Dich und Deinen Mann sein. Könnte

    Garantie gibt es natürlich nicht. Auch die werden sagen, dass Dein Sohn in irgendeiner Form mitarbeiten muss. Aber da nun auch das Thema Wohnungsverlust ansteht, können sie hoffentlich etwas raten.

    Ich könnte mir zB vorstellen, dass er ein Kandidat für betreutes Wohnen sein oder werden könnte. Aber das geht vermutlich auch nur nach vorheriger Entgiftung/Reha. Ist alles viel Spekulation, deshalb nehmt doch erstmal mit denen Kontakt auf.

  • Vor einer Woche ist Xy verschwunden. Es geht mir gut. Bin nicht in Grübeleien versunken wie sonst so oft - oder bin zumindest längst wieder aufgetaucht. Er hat mir mitgeteilt, dass er krank ist. Habe nur knapp reagiert und mich wieder ausgeklinkt. Mir fiel natürlich einiges dazu ein, aber ich hab es für mich behalten, es bringt ja nix.

    Heute treffe ich Kollegen bei einem Arbeitstreffen, und für das Wochenende hab ich mich über eine App mit einer größeren Gruppe Menschen zu einer Unternehmung verabredet. Es wird.

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