Lebensmut74 - Leben ich bin wieder da

  • Hallo zusammen,

    ich freue mich dieses Forum gefunden zu haben. Ich bin weiblich und 50 Jahre alt. Wie bei vielen spielt Alkohol seit meiner Jugend eine Rolle in meinem Leben. Mit 14 der erste Vollrausch und jedes Wochenende Party bis zum Kontrollverlust. Der Grund damals: mit Alkohol war ich lustig, locker und hatte viel mehr Selbstbewusstsein.

    Im nüchternen Alltag war ich eher unsicher. Das ging so bis ich mit meiner Tochter schwanger wurde, Partyleben zu Ende und Alkohol in den eigenen 4 Wänden gab es noch nie. Als meine erste Ehe zu Ende ging und meine Eltern auf meine Tochter (damals 8 Monate) am Wochenende aufpasste, war ich schnell wieder die Partymaus am Wochenende .Es waren unglaublich, witzige Zeiten.

    Mit 27 lernte ich meinen zweiten Mann kennen und der hatte mit Alkohol null am Hut (dafür aber leider andere Suchtprobleme). Wir bekamen 2 Söhne und Alkohol spielte für mich keine Rolle mehr.

    Als ich 36 war zerbrach die Ehe und kurz darauf lernte ich meinen jetzigen Mann kennen (in einer Kneipe).Ich begann wieder zu trinken, erst am Wochenende dann aber auch zum ersten Mal auch in den eigenen 4 Wänden. Es hat sich schnell eingeschlichen, täglich zu konsumieren. Anfangs hatte der Alkohol auch noch die gewünschte Wirkung (macht mich lustig, locker, leicht, selbstbewusst) aber dann veränderte sich etwas. Die letzten 5 Jahre wurde ich gar nicht mehr betrunken sondern nur müde und bin früh ins Bett. Ich habe die letzten 10 Jahre täglich 1 Flasche Wein und zunehmend mehr Wodka getrunken (am Schluss so 200 ml). Ich war und bin beruflich erfolgreich und man würde nie denken, dass ich Alkoholikerin bin. Mit Corona und Homeoffice habe ich allerdings immer früher angefangen zu trinken. Wie oft mir der Gedanke kam, hör auf das ist ja kein Zustand, kann ich gar nicht sagen. Unter Alkoholeinfluss habe ich zich Verabredungen vereinbart, die ich wenn es soweit war, abgesagt habe, weil ich zu lethargisch war. Ich habe einfach abends zu nichts mehr Lust gehabt.

    Am 28.07. kam der große Wendepunkt, mit starken Koliken musste ich ins Krankenhaus, beim MRT sah man eine stak vergrößerte Fettleber und die Leberwerte waren außer Kontrolle. Zum Glück war es nur eine Dickdarmentzündung aber der Arzt hat ein sehr intensives Gespräch mit mir wegen meinem Alkoholkonsum geführt. Ich war eine Woche im Krankenhaus und als ich rauskam gleich in eine Selbsthilfegruppe. Ich bin jetzt 23 Tage trocken und es geht mir besser denn je. Gesundheitliche Gründe waren der Auslöser für die Abstinenz aber da ist noch so viel mehr, ich nehme ab, ich hab Lebensenergie, ich kann Auto fahren zu jeder Tageszeit (eine Freiheit, die ich all die Jahre nicht hatte).

    Ich weiß es ist noch ein langer weg und es werden noch Situationen kommen, wo herausfordernd und schwer sein werden. Aber der Anfang ist gemacht.

    Ja, ich bin Alkoholikerin und möchte abstinent bleiben!

    LG Eure Lebensmut74

  • Hallo Lebensmut,

    herzlich willkommen im Selbsthilfeforum für Alkoholiker.
    23 Tage ist ein guter Anfang!

    In dieser Selbsthilfegruppe tauschen sich bekennende Alkoholiker aus, die ein dauerhaft abstinentes Leben anstreben.
    Du siehst dich als Alkoholikerin und möchtest dauerhaft abstinent leben, so wie du schreibst.

    Wenn du hier einen Austausch mit Gleichgesinnten suchst, um durch Selbsthilfe deine Abstinenz zu stabilisieren, dann folge dem Link zur Bewerbung für den offenen Bereich.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Bitte anklicken und einen kurzen Satz schreiben, da du dich ja schon ausführlicher vorgestellt hast.

    Nach erfolgter Freischaltung werden wir Dein Thema zu "Erste Schritte für Alkoholiker" verschieben.

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Lebensmut74

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch in den nächsten 4 Wochen bitte nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Diese erkennst du am „orangeroten“ Namen.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo Lebensmut , das mit dem Autofahren kenne ich auch , fantastisch nüchtern zu sein und somit jederzeit das Auto nutzen zu können,

    Ist das deinem Umfeld aufgefallen das du betrunken warst?
    Ich hatte auch bei der jährlichen blutkontrolle keine guten Leberwerte mehr , damals fragte der Arzt nur ob ich Zuviel trinke was ich bejahte aber erst viel später nun endlich den Anfang zur Nüchternheit gemacht habe. Und was noch besser ist man riecht nicht mehr nach Alkohol!

    Da bist du doch schon auf einen tollen Weg

  • DTH77 ich habe erst nach der Arbeit angefangen zu trinken bzw. im Homeoffice (und da war das ein oder andere Teams-Meeting wo ich mir im nachhinein dachte: wtf :-). Aber privat habe ich vor Familienfesten oder Treffen schon einiges getrunken. Ich persönlich kam mir aber nach einer Flasche Wein noch stocknüchtern vor, wirklich betrunken wurde ich gefühlt nicht mehr. Falls es jemand aufgefallen ist, so hat mich niemand (weder privat noch geschäftlich) darauf angesprochen.

  • Herzlich willkommen liebe Lebensmut74 !

    Vieles was du schreibst erkenne ich von mir wieder. Auch dass diese ‚erwünschte‘ Wirkung von Alkohol einfach nicht mehr kam, kenne ich gut.
    Die Veränderungen wenn man nüchtern ist sind wirklich schön- aber es ist auch nicht immer ganz leicht.

    Hier schreiben finde ich unheimlich hilfreich, denn vieles was ich als individuell angesehen habe passiert auch bei anderen.

  • Hallo Lebensmut,

    jetzt geht es darum, deine frische Abstinenz zu festigen.

    Wie sieht den dein Umfeld aus, hast du ein alkoholfreies Zuhause?

    Das und einiges mehr ist am Anfang sehr wichtig um dich vor unüberlegten Handlungen zu schützen.
    Lies die mal den Artikel über die "Grundbausteine" durch.

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Für plötzlich aufkommenden Suchtdruck kannst du dich vorbereiten und deinen eigenen Notfallkoffer packen.

    Das Forenteam
    27. August 2021 um 21:40

    Schreibe ruhig, wie dein Alltag aussieht und wie dein Plan für die nächste Zeit ist.

    Viele Grüsse

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Nayouk24 ein alkoholfreies Umfeld habe ich nicht, da mein Mann noch nicht soweit ist den Schritt mitzugehen. Er trinkt allerdings Alkohol welcher mich null triggert (Bier und Weinbrand) Würde er Wein oder Wodka trinken, hätten wir sicher ein großes Problem. Er ist sehr stolz auf mich und wer weiß, vielleicht folgt er mir. Ich denke aber jetzt nur an mich und meinen Erfolg. Aktuell bin ich noch so im Abstinenthype, froh dass ich keinen Suchtdruck verspüre und das Leben voll genießen kann.

    AnnaBlume es tut wirklich gut zu wissen, dass man nicht allein ist :*

    Meine Selbsthilfegruppe im Ort ist auch eine große Unterstützung.

  • wer weiß, vielleicht folgt er mir

    Ist er auch abhängig? Denn wenn er es nicht ist, wäre es gut, wenn er zu Hause auf Alkohol verzichtet. Ich weiß das klingt erst mal heftig so was vom Partner zu verlangen, aber er will dich unterstützen und wenn er nicht süchtig ist, muss er zu Hause nicht trinken. Denn Alkohol ist leider Alkohol- ob Bier, Schnaps oder Eierlikör- bei akutem Suchtdruck nimmt man am Ende alles.

  • AnnaBlume : Er ist sehr viel schwerer abhängig als ich es je war. Den Weg aus der Sucht wird auch er nur schaffen, wenn er an einen gewissen Punkt erreicht hat.

    Druck und Vorhaltungen bringen nichts.

    Ich hab die Hoffnung, dass er durch mich erfährt wie schön es ist trocken zu sein. Er sagt auch, dass er das Gefühl hat eine ganz neue Frau an seiner Seite zu haben (im positiven Sinne)

    Ich bin nicht naiv mir ist schon klar, dass es für mich auch harte Zeiten geben wird und da bau ich auf meinen Willen, meine Selbstliebe und auf Menschen an die ich mich im Notfall wenden kann.(z.B. euch)

  • Ich werde Ihnen nicht vorschreiben ob sie trinken dürfen.

    Es geht darum, was es mit dir macht, wenn um dich herum Alkohol ist und in deiner Gegenwart getrunken wird. In der ersten Zeit wird davon abgeraten, sich diesem Risko auszusetzen.
    Du bist gerade mal knapp 5 Wochen abstinent. Mir wäre das viel zu früh gewesen. Das erste Mal im Restaurant war ich nach ca. 3 Monaten und ich war mit meiner Frau alleine, an einem Tisch.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo zusammen,

    es war ein wunderschöner Abend und nachdem ich erzählt habe, was mit mir los ist kam sehr viel Liebe, Verständnis und Zuspruch.

    Der Alkohol um mich rum triggered mich überhaupt nicht. Aktuell bin ich sowas von stark.

    Nachdenklich macht mich schon wie viele hier nach langer Abstinenz wieder rückfällig werden.......

  • Hallo ich kann mich " Na" nur anschließen. Versuche das Risiko zu minimieren. Ganz ausschalten wirst du es nicht können da Alkohol überall ist auch im TV wo er von tollen Menschen konsumiert wird. Also ganz weg geht nicht. Also mit der Versuchung leben dein Suchtzentrum ist auf ON geschaltet einen OFF Schalter gibt es nicht es bleibt immer in Standby!. Für mich war es nach meinem Rückfall in der Zeit der hohen Motivation ( die lässt nach) zu suchen wie bin ich dem Alkohol so verfallen . Suche nach den Gründen! Ich habe mich doch auch gefragt warum? Mir ging es ohne Alk doch toll warum wieder zurück ist das nicht absurd? Unterschätze dein Suchtgedächtniss, Suchtteufel nicht! Bei mir war über Jahre Ruhe. Ich will dir keine Angst machen aber nutze die Zeit um nicht unvorbereitet zu sein.

    Es ist toll, dass du den ersten Schritt in ein besseres, freieres Leben geschafft hast mach weiter!

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