Hallo zusammen,
ich freue mich dieses Forum gefunden zu haben. Ich bin weiblich und 50 Jahre alt. Wie bei vielen spielt Alkohol seit meiner Jugend eine Rolle in meinem Leben. Mit 14 der erste Vollrausch und jedes Wochenende Party bis zum Kontrollverlust. Der Grund damals: mit Alkohol war ich lustig, locker und hatte viel mehr Selbstbewusstsein.
Im nüchternen Alltag war ich eher unsicher. Das ging so bis ich mit meiner Tochter schwanger wurde, Partyleben zu Ende und Alkohol in den eigenen 4 Wänden gab es noch nie. Als meine erste Ehe zu Ende ging und meine Eltern auf meine Tochter (damals 8 Monate) am Wochenende aufpasste, war ich schnell wieder die Partymaus am Wochenende .Es waren unglaublich, witzige Zeiten.
Mit 27 lernte ich meinen zweiten Mann kennen und der hatte mit Alkohol null am Hut (dafür aber leider andere Suchtprobleme). Wir bekamen 2 Söhne und Alkohol spielte für mich keine Rolle mehr.
Als ich 36 war zerbrach die Ehe und kurz darauf lernte ich meinen jetzigen Mann kennen (in einer Kneipe).Ich begann wieder zu trinken, erst am Wochenende dann aber auch zum ersten Mal auch in den eigenen 4 Wänden. Es hat sich schnell eingeschlichen, täglich zu konsumieren. Anfangs hatte der Alkohol auch noch die gewünschte Wirkung (macht mich lustig, locker, leicht, selbstbewusst) aber dann veränderte sich etwas. Die letzten 5 Jahre wurde ich gar nicht mehr betrunken sondern nur müde und bin früh ins Bett. Ich habe die letzten 10 Jahre täglich 1 Flasche Wein und zunehmend mehr Wodka getrunken (am Schluss so 200 ml). Ich war und bin beruflich erfolgreich und man würde nie denken, dass ich Alkoholikerin bin. Mit Corona und Homeoffice habe ich allerdings immer früher angefangen zu trinken. Wie oft mir der Gedanke kam, hör auf das ist ja kein Zustand, kann ich gar nicht sagen. Unter Alkoholeinfluss habe ich zich Verabredungen vereinbart, die ich wenn es soweit war, abgesagt habe, weil ich zu lethargisch war. Ich habe einfach abends zu nichts mehr Lust gehabt.
Am 28.07. kam der große Wendepunkt, mit starken Koliken musste ich ins Krankenhaus, beim MRT sah man eine stak vergrößerte Fettleber und die Leberwerte waren außer Kontrolle. Zum Glück war es nur eine Dickdarmentzündung aber der Arzt hat ein sehr intensives Gespräch mit mir wegen meinem Alkoholkonsum geführt. Ich war eine Woche im Krankenhaus und als ich rauskam gleich in eine Selbsthilfegruppe. Ich bin jetzt 23 Tage trocken und es geht mir besser denn je. Gesundheitliche Gründe waren der Auslöser für die Abstinenz aber da ist noch so viel mehr, ich nehme ab, ich hab Lebensenergie, ich kann Auto fahren zu jeder Tageszeit (eine Freiheit, die ich all die Jahre nicht hatte).
Ich weiß es ist noch ein langer weg und es werden noch Situationen kommen, wo herausfordernd und schwer sein werden. Aber der Anfang ist gemacht.
Ja, ich bin Alkoholikerin und möchte abstinent bleiben!
LG Eure Lebensmut74