Mattie - Abstinent bleiben

  • Ohne die wirklich hilfreichen Aussagen von den erfahrenen "Forys" wäre meine vor ziemlich genau 4 Monaten begonnene Abstinenz heute nur noch einen Fliegenschiss wert.

    Was habe ich geschäumt, was hatte ich für Wut! Weil ich Knallerbse das anfangs überhaupt nicht verstanden habe. Mattie Schau mal in meinen Faden rein. Ich verspreche Dir, Du wirst über Dich selbst schmunzeln.

    Mir steht es nach so kurzer Zeit nicht unbedingt zu, nur hätte Dir Hartmut nicht seine Sichtweise mitgeteilt, ich habe wirklich überlegt Dir das so ähnlich zu schreiben.

    Also, es sind nur Erfahrungen und Meinungen. Keine Vorwürfe. Niemanden wird es interessieren, ob Du wieder säufst. Selbsthilfe durch geballtes Abstinenz-Wissen.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Ohne die wirklich hilfreichen Aussagen von den erfahrenen "Forys" wäre meine vor ziemlich genau 4 Monaten begonnene Abstinenz heute nur noch einen Fliegenschiss wert.

    Hi Rene,

    ich habe hier schon mehrere Kommentare von erfahrenen Forys bekommen, die ich mir am liebsten ausgedruckt hätte! So trage ich mir die wichtigsten Sätze in mein Schreibtagebuch. Viele Antworten haben mich bereits jetzt schon stark in meiner Sichtweise beeinflusst, und ich bin weiterhin offen für all die wichtigen Aspekte und die Grundsteine des Nüchternseins. Deswegen bin ich hier.

    Ich hoffe nur, dass es in meinem Faden geduldet wird, dass ich mich über scheinbaren Pillepalle wie Ernährung und äußere Veränderungen zu Beginn der Abstinenz austausche. Ich gehe gerade die ersten Schritte und suche noch meinen Weg. Und freue mich über jeden, der mich dabei begleitet, gerne plaudernd, gerne aber auch mit knallharten Fakten, die mich zum Nachdenken oder Umdenken bringen, aber ohne mir zu sagen "Du schaffst das nicht!".

    In diesem Sinne liebe Grüße

    Mattie

  • Du schaffst das nicht!

    Hi Mattie,

    wie geschrieben, wir sind hier eine Selbsthilfegruppe. Und da wird eben Tacheles geschrieben. Kein Rumgeeiere, wenn es um die Sucht geht. Und noch einmal zu dem obigen Zitat. Ich habe Dir das, was ich geschrieben habe, geschrieben, weil ich es mit Deinem Weg nicht schaffen würde, abstinent zu bleiben. Da bin ich mir ganz sicher. Und weil ich mir sicher bin, habe ich das Dir geschrieben, was ich geschrieben habe. Was Du damit anfängst, liegt natürlich ganz bei Dir. Aber Du solltest nicht erwarten, dass ich etwas nicht schreibe, weil Du es nicht lesen magst. Wie geschrieben, wir alle haben hier auch eine Verantwortung über uns selbst hinaus.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • @ Hera schrieb in einem anderen Thread (sorry, ich weiß nicht, wie ich Zitate aus anderen Threads in meinen Faden übertragen kann):

    "Nachdem ich das erste Jahr inklusive allen Feiertagen, Geburtstagen und so weiter alkoholfrei durch hatte, war meine Festplatte quasi neu überspielt und ich wusste, dass es gut "ohne" geht."

    Das ist wieder so ein Satz, den ich mir aufschreibe (schöne Formulierung!)und verinnerliche, denn genau das ist mein Ziel. Ich weiß, wenn ich einmal eine früher nasse Situation trocken erlebt habe, verliert sie ihren Schrecken beim nächsten Mal, und nach einem Jahr ist man quasi "durch" mit diesen Momenten, die man sich nie nie niemals ohne Alkohol hätte vorstellen können. Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass das Suchthirn grundsätzlich schweigt! Aber beim zweiten Urlaub ohne Alk beginnt die Reise einfach entspannter.

    Ich packe meinen Koffer für meine Städtewoche mit meiner liebsten Seelentrösterin (meiner Tochter) und habe einen Korb mit Snacks (Lakritz, Weingummis, Käsewürfel, Oliven, saure Gurken) und Getränken (Eistee, Wasser, Pfirsichsaft) fürs Hotelzimmer gepackt. Ich habe keine Angst mehr vor der Woche, es ist, als hätte ich durch die Visualisierung der auf mich zukommenden Stunden in meinem Kopf einen Schalter umgelegt, und ja, ich arbeite, um abstinent zu bleiben, auch stark rational und in Bildern.

    Ich lese mich weiterhin durchs Forum und bin sehr angetan von dem niveauvollen Austausch. Ich nehme hier weiterhin viel mit, auch wenn das manchmal bedeutet: nein, das wäre nicht mein Weg. Ich glaube einerseits, dass man die Abstinenz als Prio 1 setzen soll, aber teils zwischen den Zeilen zu lesende Ratschläge, wie: sich von der Partnerin/dem Partner zu trennen, wenn der weitertrinkt, oder die besten Freunde nicht mehr zu treffen, wären für mich eher ungeeignet. Ich finde es spannend, wie viele unterschiedliche ehemaligen Trinker es gibt, und ich glaube nicht, dass es - abgesehen von den nüchternen Grundbausteinen - nur einen Königsweg gibt, um dauerhaft abstinent zu bleiben.

    Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich den Laptop auf meine Städtereise mitnehme. Wenn ich mich kommende Woche nicht melde, liegt das daran, dass ich keine längeren Texte auf dem Handy/Tablet schreibe. Übernächste Woche gebe ich dann gern einen Erfahrungsbericht.

    Viele Grüße

    Mattie

  • Hi Mattie,

    ich als Alkoholiker kann, wenn es um Alkohol geht, meine Festplatte nicht überschreiben oder das "fehlerhafte" Programm löschen. Nicht jetzt, nie mehr. Und für mich wäre das mehr als riskant, wenn ich mir das einreden würde. Weil das schneller als ich gucken kann, in dem dem Gedanken mündet, ich hätte in Bezug auf Alkohol irgendwas unter Kontrolle.

    Und deshalb ist jede Situation in der ich mich körperlich, seelisch oder geistig auf Armlänge Alkohol nähere ein Risiko, welches ich konsequent vermeide.

    Ich finde es spannend, wie viele unterschiedliche ehemaligen Trinker es gibt, und ich glaube nicht, dass es - abgesehen von den nüchternen Grundbausteinen - nur einen Königsweg gibt, um dauerhaft abstinent zu bleiben.

    Was die Sucht angeht, sind alle Alkoholiker*innen gleich süchtig. Und was die erfolgreichen Wege um dauerhaft abstinent zu bleiben angeht, es gibt nur sehr, sehr wenige Wege insgesamt. Und diese ähnlichen bei genauer Betrachtung sehr. Und ich gehe lieber einen der sehr, sehr wenig erprobten Wege als auf "meinem" Weg im Rückfall zu landen.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Danke für deine Antwort, Kazik!

    ich als Alkoholiker kann, wenn es um Alkohol geht, meine Festplatte nicht überschreiben oder das "fehlerhafte" Programm löschen. Nicht jetzt, nie mehr. Und für mich wäre das mehr als riskant, wenn ich mir das einreden würde. Weil das schneller als ich gucken kann, in dem dem Gedanken mündet, ich hätte in Bezug auf Alkohol irgendwas unter Kontrolle.

    Eine Frage, die mich in diesem Zusammenhang wirklich interessiert: Wie schaffst du es, in Situationen, die früher mit Alkohol verbunden waren, nichts zu trinken? Muss sich da nicht etwas am Mindset ändern, damit das funktioniert? Oder plädierst du für absolute dauerhafte Vermeidung sämtlicher früherer Lebensumstände? Keine Familienfeiern, kein Silvester, kein Urlaub?

    Liebe Grüße

    Mattie

  • ich als Alkoholiker kann, wenn es um Alkohol geht, meine Festplatte nicht überschreiben oder das "fehlerhafte" Programm löschen. Nicht jetzt, nie mehr.

    Das formuliere ich für mich etwas anders: Mein Suchtgedächtnis lässt sich nicht deinstallieren oder löschen, jedoch in dem Sinne überschreiben, dass auf die alte eine neue Software aufgespielt wird. Diese neue Software bestimmt von nun an das Handeln, jedoch zickt die alte Software ab- und an schon mal herum und schüttelt das System auch mal kräftig durch.


    Diese Schüttelattacken der alten Software lassen mit der Zeit immer mehr nach und tauchten bei mir nur noch sporadisch mal auf. Ich habe damit meinen Frieden gemacht. Es zeigt mir, dass die Krankheit noch da ist und in mir lediglich ruht. Ansonsten käme ich womöglich noch auf die Idee, ich sei geheilt und genau das wäre fatal.

    Damit kann und konnte ich für mich am meisten anfangen.

  • Hi Mattie,

    ich als Alkoholiker kann, wenn es um Alkohol geht, meine Festplatte nicht überschreiben oder das "fehlerhafte" Programm löschen. Nicht jetzt, nie mehr. Und für mich wäre das mehr als riskant, wenn ich mir das einreden würde.

    Ich bezieh das jetzt auf mich und von "löschen" hab ich nichts geschrieben. Bitte nichts hinzudichten oder den Sinn verändern, da wäre ich wirklich dankbar dafür. Es ging darum, alte Gewohnheiten neu zu überschreiben, das Saufen an Geburtstagen, Silvester, Weihnachten usw... und das ging bei MIR sehr wohl. Ich hab mir mit Sicherheit nichts "eingeredet", ich hab das aktiv erlebt. Meine Erfahrungen, meine Wortwahl! Das ist das immer wieder betonte wichtige erste Jahr.

    (Sorry Mattie für's hier Weiterschreiben)

  • Hi Mattie,

    ich plädiere nicht, sondern ich schreibe wie ich es mache.;) Ich bin jetzt bald neun Monate abstinent und in dieser Zeit habe ich konsequent jedes Risiko vermieden (Keine Feier, kein Urlaub, keine Veranstaltung, you name it). Wenn ich mich mit Menschen aus meinem Umfeld treffe, ist die Vereinbarung, dass sie in meiner Gegenwart keinen Alkohol trinken. Und wenn ich mich treffe, dann nicht an Orten, die alkohollastig sind und schon gar nicht an Orten, wo ich selbst missbräuchlich oder abhängig getrunken habe. Und das werde ich mindestens ein Jahr, wahrscheinlich länger durchziehen. Und bis jetzt fehlt mir auch nichts. Klar werde ich mir irgendwann irgendetwas wegen z.B. Urlaub überlegen, aber da bin ich zuversichtlich.;)

    Wie schaffst du es, in Situationen, die früher mit Alkohol verbunden waren, nichts zu trinken? Muss sich da nicht etwas am Mindset ändern, damit das funktioniert?

    Wenn eine Situation/Ort/Menschen für mich explizit hauptsächlich mit Alkohol trinken verbunden ist, vermeide ich sie für immer.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Das wär dann Karneval zum Beispiel. Oder Junggesellenabschiede. Aber Silvester kommt trotzdem. Auch wenn ich nirgends hingeh, verbinde ich das mit Alkohol, weil ich da immer betrunken war, auch wenn ich zuhause war. Und da kommt dann das Mindset, von dem du sprichst. Menschen, mit denen man immer getrunken hat, das löst sich von alleine auf, weil da dann der Grund des sich Treffens wegbricht. Aber ansonsten wird die Welt nicht trockener, nur weil ich es bin.

  • Ich bezieh das jetzt auf mich und von "löschen" hab ich nichts geschrieben. Bitte nichts hinzudichten oder den Sinn verändern, da wäre ich wirklich dankbar dafür.

    Hi Hera ,

    ich habe in der Ich Form geschrieben (Ich als Alkoholiker). Ich habe zu dem, was Du geschrieben nichts hin zu gedichtet noch den Sinn verändert. Und ich habe vor allem Deine Erfahrungen nicht infrage gestellt. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du mir das nicht unterstellst.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Eine Frage, die mich in diesem Zusammenhang wirklich interessiert: Wie schaffst du es, in Situationen, die früher mit Alkohol verbunden waren, nichts zu trinken? Muss sich da nicht etwas am Mindset ändern, damit das funktioniert?

    Ich schreibe da jetzt meinen, nicht forumskonformen Senf dazu, und das mit knapp 25 Jahren Trockenheitserfahrung.

    Manche Situationen haben mich ganz einfach gelangweilt, weil ich nicht mehr über die gleichen Witze lache wie Betrunkene zum Beispiel.
    Und in Kneipen zum Beispiel bin ich eh schon lange nicht mehr gegangen, weil es mir nicht mehr um Kontakte, sondern nur noch ums Trinken ging und das konnte und wollte ich auch alleine.

    Ansonsten habe ich erst mal wenig geändert, bin überall hingegangen, wo ich hingehen wollte.
    Alle Situationen, die ich besoffen erlebt habe, nüchtern erlebt und festgestellt, dass es für mich funktioniert, die Situationen vom Trinken emotional und kognitiv zu trennen und selbst in eine Situation, in der mich der Saufdruck mal überraschte (und das war wirklich nur zwei Mal ganz am Anfang in der ganzen Zeit) bin ich bewusst noch mal gegangen und als ich mich drauf eingestellt hatte, passierte gar nichts mehr.

    Vieles von dem macht mir nüchtern sogar mehr Spaß, weil es jetzt Genuss ohne Reue ist.
    Anderes hat sich von selbst verändert, weil ich die Welt nüchtern anders erlebt habe.
    Manche Schwierigkeiten tauchten aber auch erst so richtig auf, als ich mich nicht mehr abgeschossen und betäubt habe.
    Das betraf aber mehr meine Gesamtsituation, weniger konkrete Trinksituationen..

    Wir sind hier beim Erfahrungsaustausch. Viele haben erlebt, dass sie das triggern würde. Ich habe erlebt, dass es mich nicht triggert.
    Ein Einzelfall bin ich nicht, das weiss ich.
    Aber ich habe auch keinerlei Rückfallerfahrung, nachdem ich wirklich aufhören wollte.
    Meine Kontrollversuche, irgendwann "vernünftig" zu trinken, waren alle gescheitert. Aber nachdem ich eingesehen hatte, dass das nicht funktioniert, konnte ich hingehen, wo ich wollte.

    Du bist für Dich selbst verantwortlich, Du musst hier nur nehmen, was für Dich passt.
    Allerdings bezahlst Du für jeden Fehler, den Du machst, auch selbst.
    Wenn Du Dich beispielsweise ärgerst, dass Du immer wieder angefangen hast, dann musst Du selbst gucken, wie Du das änderst.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

    Einmal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (7. September 2025 um 17:33)

  • Das formuliere ich für mich etwas anders: Mein Suchtgedächtnis lässt sich nicht deinstallieren oder löschen, jedoch in dem Sinne überschreiben, dass auf die alte eine neue Software aufgespielt wird. Diese neue Software bestimmt von nun an das Handeln, jedoch zickt die alte Software ab- und an schon mal herum und schüttelt das System auch mal kräftig durch.


    Diese Schüttelattacken der alten Software lassen mit der Zeit immer mehr nach und tauchten bei mir nur noch sporadisch mal auf. Ich habe damit meinen Frieden gemacht. Es zeigt mir, dass die Krankheit noch da ist und in mir lediglich ruht. Ansonsten käme ich womöglich noch auf die Idee, ich sei geheilt und genau das wäre fatal.

    Damit kann und konnte ich für mich am meisten anfangen.

    Das klingt toll und erweitert Heras schöne Bild von der überschriebenen Software. Danke Carl Friedrich

    Danke euch allen sehr, und Hera , wir lesen uns eben in anderen Fäden. Deine Beiträge sind mir wichtig.

    Warum ich in den letzten Jahren nicht dauerhaft abstinent wurde, ist mir ziemlich klar: Ich habe allen Leuten meine Abstinenz als Trinkpause verkauft, und als dann das erste Mal richtig großer Saufdruck kam, war ich machtlos, weil ich mir den Ausweg ja sozusagen selbst schon parat gelegt hatte. Das ist jetzt anders, obwohl ich nicht vorhabe, ein großes Coming Out zu betreiben. Aber es gibt meine innere Kapitulation, über die ich mit meinen engsten Vertrauten rede.

    Es ist nicht so, dass ich sorglos in jede Situation gehe, die ich mit dem Trinken verbinde: Es gibt eine Verwandte und zwei Nichten in meiner Familie, die sich jeden Sommerabend auf der Terrasse mit literweise Weißwein abfüllen, ein 'lustiges Trüppchen', wie es in der Familie heißt. Problem ist, ich mag die alle drei sehr, und wir führten auch stark alkoholisiert sehr tiefgehende Gespräche, die mir gutgetan haben. Aber die drei möchte ich erst einmal nicht mehr treffen, da muss ich mich noch wesentlich gefestigter fühlen, um ein Treffen überstehen zu können. Die würden auch für mich nicht aufs Trinken verzichten. Warum nicht, ist nicht meine Baustelle.

    Und so könnte ich noch einige Situationen aufzählen, denen ich aus dem Weg gehe. Nur manches muss und will ich in meinem neuen Leben behalten, weil es mir wichtig ist. Ich sitze abends meistens in einem Relaxsessel mit einem Beistelltisch, auf dem früher immer das Glas Wein stand. Ein typischer Trinkort für mich. Soll ich beide Möbel aus dem Fenster werfen, damit mich nichts mehr erinnert? Nein, auf dem Tisch stehen jetzt Saftschorle und Cracker, ich kuschele mich mit Decke und Musik auf den Ohren in dem Sessel ein, und es wird von Tag zu Tag vertrauter.

    Ich bleibe wachsam.

    Liebe Grüße

    Mattie

  • Ich schreibe da jetzt meinen, nicht forumskonformen Senf dazu, und das mit knapp 25 Jahren Trockenheitserfahrung.

    Ich weiß nicht, was das mit "nicht forums-konform" zu tun hat. Die Grundbausteine basieren auf den Erfahrungen aller und nicht auf einzelnen Langzeit-Trockenen.

    Dass es hier und da Ausreißer gibt, die es anders machen, heißt nicht, dass es nicht funktioniert. Es bedeutet nur, dass die Mehrheit es so nicht schafft. Deshalb steht am Anfang die Risikominimierung, um sich selbst erst einmal zu stabilisieren. Rückfälle sind im ersten Jahr an der Tagesordnung.

    Ich muss für mich klären, ob ein Experiment mit dem Risiko eines Rückfalls es wirklich wert ist oder ob eine stabile Ausgangssituation wichtiger ist, um trocken zu bleiben. Wer sich in einem alkoholreichen Umfeld sicher fühlt, nur weil dort nicht das Lieblingsgetränk ausgeschenkt wird oder andere nur sporadisch trinken, zeigt damit, dass der notwendige Weitblick noch fehlt.

    Wenn es so einfach wäre, warum sind dann alle Trinkpausen zuvor kläglich gescheitert? Nur einen Schalter im Kopf umzulegen, reicht eben nicht aus.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007


  • Ein Einzelfall bin ich nicht, das weiss ich.

    Nein, das bist Du in der Tat nicht, Lebenskünstler.

    Ich sehe es z.B. (nur ein Beispiel) immer wieder bei Wettkämpfen (mache Triathlon - jetzt wieder - wettkampfmäßig), wo man im Ziel neben den gewöhnlichen und mehr oder weniger isotonischen Durstlöschern meistens auch Bier (mit und ohne Alkohol) angeboten erhält. Oder beim Kuchenbuffet das eine oder andere Stück Mehlspeise dabei ist, wo sicher der eine oder der andere Tropfen drinnen ist. Das riecht man ja auch.

    Soll ich jetzt deswegen nicht mehr an diesen Wettbewerben teilnehmen, bloß weil an den "Labestationen" (die heißen wirklich so) bzw. im Zielbereich nicht nur Wasser oder die üblichen Energy-Drinks angeboten werden, sondern potenziell auch Bierbecher stehen..?

    Niemand zwingt mich, zum Becher zu greifen - mache ich auch nicht. Warum auch?

    Mich triggert da rein gar nichts - im Gegenteil, ich weiß, dass ich meinen Sport an den Nagel hängen könnte, würde ich wieder mit der Trinkerei anfangen. Und das habe ich nicht vor, da ich hier etwas gefunden habe, was mir Spaß macht, mich motiviert und für die erforderliche Portion Ausgleich zu den sonst stressigen Alltagssituationen sorgt. Das ist für mich "Mindset" genug.

  • Hartmut,

    an dieser Stelle widerspreche ich Dir.

    Ich war jahrelang in Gruppen unterwegs.
    Nirgends ging es um Risikominimierung.
    Auch in der Suchtberatung, kein Wort davon.

    Angesichts der Tatsache, dass es weder hier noch dort belastbare Zahlen gibt, wie viel Prozent der Anfänger am Ende wirklich trocken bleiben, kann ich nur konstatieren, dass es überall welche gab, die es geschafft haben, und viele, die rückfällig wurden. Ist hier auch so, fällt wegen der Vorauswahl nur nicht so auf.
    Ich kann im Rückblick keine großen Unterschiede in den Erfolgsaussichten der jeweiligen Methode erkennen.

    Seitdem beobachte ich, das eben jeder von dem am Meisten überzeugt ist, mit dem er oder sie selbst trocken wurde.
    Ich selbst glaube schon lange nicht mehr an einen Königsweg.
    Bei mir war das entscheidend, dass es mir gereicht hat, und ich weiss, dass es anderen anders geht als mir.

    Am Ende zählt, dass es geklappt hat.
    Und es muss letztlich immer jeder selbst wissen, was er kann und was nicht (ich spar mir Gendersprache, meine aber alle)

    LG Lk

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • an dieser Stelle widerspreche ich Dir.

    Das kannst du machen.

    Meine Erfahrungen sind schlicht andere– und sie beruhen auf realen Begegnungen mit Alkoholikern sowie auf 18 Jahren intensiver Auseinandersetzung mit diesem Thema hier im Forum .

    Deshalb frage ich mich auch wie du dir ein umfassendes Bild von der Situation hier machen willst, wenn du erst seit wenigen Monaten dabei bist und dich bereits als Langzeit-Trockener angekommen bist?

    Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass hier nicht ein paar Dutzend, sondern zigtausende Menschen aufgeschlagen sind. Das ergibt ein völlig anderes Gesamtbild als das, was du aus deiner Arbeit mit einer begrenzten Zahl betreuter Alkoholiker kennst.

    Ich vermute, es waren keine Tausend – und genau deshalb hinkt dieser Vergleich. Es geht hier nicht um einen Wettbewerb, wer es besser macht. Es geht ums Überleben.

    Und wer Risiken eingeht, geht zwangsläufig Kompromisse ein –mit der Folge, dass die Gefahr eines Rückfalls real und allgegenwärtig bleibt.

    st hier auch so, fällt wegen der Vorauswahl nur nicht so auf.

    Weiß jetzt nicht, was du damit meinst. Hier kommt jeder rein, der Alkoholiker ist, sich dazu bekennt und das Ziel hat, ein abstinentes Leben zu führen.

    Und wenn andere das nicht möchten, bitte schön, wir nehmen es bereits durch die Vorauswahl ernst. Wir sind hier aber auch kein Auffangbecken für jemanden, der sagt: "Na gut, ich probiere es einfach mal." Eine gewisse Ernsthaftigkeit sollte schon dahinterstecken.

    Das macht wohl den Unterschied aus. Und das Forum steht für Risikominimierung und den Grundbausteine.

    Es mag nicht für jeden der richtige Ort hier sein. Niemand wird gezwungen, sich damit zu arrangieren. Es ist jedoch ein Ort, der Risiken minimiert und ehrlich auf Fallstricke hinweist.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • … jetzt muss ich aus der Co-Fraktion hier auch mal was sagen:


    Gerade weil es außerhalb manchmal weichgespült zugeht… gefällt mir als Co dieser strikte Kurs und die dazu passenden Spielregeln… die mir persönlich auch helfen, meinen Weichspülkurs zu hinterfragen…

    Mir hat einmal ein langjähriger Leiter einer SuBerStelle gesagt, bezogen auf den regelmäßigen Alkoholkonsum meines Mannes und meiner Sorge darüber: „wegen einer Delle am Auto schmeißt man nicht das ganze Auto weg“…

    Ich habe immer wieder die Aussagen gehört, die mich in meinem CoZustand haben bleiben lassen… in meinem Faden steht, wie lange ich das bis jetzt „geschafft“ habe…


    Danke, für klare Linie und Spielregeln… hier im Forum… einfach SPITZE…👍

    Vollmondiger Gruß, Simsalabim

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