Hallo zusammen,
ich habe mich nun auch endlich angemeldet. Seit einigen Wochen lese ich still und leise mit. Ich bin 36 Jahre alt, mein Mann 45 Jahre, unser Sohn wird bald 5 Jahre alt.
Alkohol war schon immer ein Thema bei meinem Mann. Er war gerne in Kneipen mit seinen Kumpels. Aber seit etwa 2 Jahren hat es sich schleichend immer mehr verändert. Irgendwann ist er nicht mehr in Kneipen gegangen, hat für sich alleine getrunken. Immer mehr. Immer öfter. Immer früher am Tag.
Er stürzte irgendwann im Rausch über Spielzeug und verletzte sich schwer. Kein Grund etwas zu verändern. Nach einer OP bekam er 2 Wochen später einen Schlaganfall, ein milder ohne Folgen, kein Grund etwas zu verändern.
Wir sind umgezogen, und aufgrund der Verletzungen und Einschränkungen blieb alles an mir. Er sass meistens rum, trank. Er arbeitet von Zuhause aus, das war dann immer seine perfekte Ausrede. Meine Mutter kam um zu helfen, da fiel es zum ersten Mal auch ausserhalb unserer Familie auf das etwas nicht stimmt.
Im Rausch kippte jedesmal die Stimmung von Euphorisch in Hass und Verachtung. Fiese Kommentare und blöde Sprüche. Ziemlich verletztend. Irgendwie schaffte ich den Umzug.
Dann kam der Sommer, wir waren im Urlaub mit Bekannten, und auch dort trank er jeden Tag extrem viel. Eines Abends drohte er mir verbal. Unsere Freunde haben es mitbekommen, und am nächsten Morgen sagte ich ihm, dass ich will das er auszieht. Er reagierte ziemlich gelassen, vielleicht war ihm da schon klar dass ich keine Stunde später wieder zurückrudere?
Die Trinkmenge steigerte sich um Laufe der Monate weiter. Inzwischen ist er bei etwa 1-1,5 Flaschen Schnaps plus "Beiwerk" in Form von Bier, Wein, Sekt,.. binnen 24 Stunden. Er macht immer öfter die Nächte mit sich selbst durch. Das Arbeiten schleift bereits ziemlich. Und die verbalen Drohungen wurden auch mehr.
Regelmäßig entstehen wahnsinnig anstrengende, chaotische Situationen die mich unfassbar stressen. Ein - zwei Beispiele: Ich war mit meinem Sohn nachmittags unterwegs, mein Mann schon gut dabei. Mir war klar: Der gönnt sich jetzt noch richtig. Ist ihm am liebsten, wenn keiner da ist. Als ich am Abend heim kam, war mein Sohn im Auto eingeschlafen, ich trug ihn ins Bett, und als ich die Küche sah traf mich der Schlag: Alles voller Blut und Scherben. Ein Schaden in meiner Nagelneuer Arbeitsplatte. Ich fragte ihn was passiert sei. Ihm sei eine Tasse runtergfallen, beim einräumen der Spülmaschine. Ich konnte das nicht glauben, und mir fiel ein dass die Haustierkamera auch einen kleinen Bereich der Küche einsehen kann. Und tatsächlich: Er schlug MEINE Tasse mit roher Gewalt fluchend auf die Arbeitsplatte, bis sie zersrpang. er verletzte sich dabei offensichtlich an der Hand. Und schimpfte dabei über die Tatsache, dass ich nicht ausgetrunken hatte. Ich sagte ihm nicht, dass ich die Wahrheit kenne, aber als ich nochmal nachhakte blieb er bei seiner Version. "Du willst mir doch nicht unterstellen dass das Absicht war?!?!"
Das andere Beispiel: Wir waren auf einer 3-Stündigen Rückfahrt, ich hielt zum tanken, er hatte auf der ersten Etappe schon eine Flasche Wein und eine Flasche Prossecco (aus der Flasche...!) getrunken und war dann eingeschlafen. Ich klopfte beim Tanken an seine Scheibe, um zu wissen ob er noch etwas möchte von drinnen, er reagierte nicht, ich öffnete die Tür und - PENG - flog eine Flasche Wodka raus und zerbrach auf dem Boden. Warum ich denn einfach die Tür öffnen würde, ich könne doch auch klopfen?! Ich klaubte mühsam die Scherben auf, kaufte eine neue Flasche, hab aber wohl eine übersehen, denn da fuhr ich beim Anfahren noch rüber. Unfassbares Chaos. Und immer der Spagat, alles für meinen Sohn irgendwie stabil zu halten. Und noch ein paar weitere Kleinigkeiten, die alleine in diesen drei Stunden passiert sind. Ich war fix und fertig. Ein unfassbarer Druck auf der Brust, Herzklopfen, Schwindel und totale Erschöpfung. Ein sehr vertrautes Gefühl inzwischen. Ich kann einfach nicht mehr. Wenn er sich dann mal stundenweise zusammenreisst, weiß ich inzwischen sicher eines: Verzicht heisst nicht Veränderung, Verzicht heisst Eskalation. Er tut dann auch ernsthaft so, als sei GAR NICHTS gewesen. Er macht sich kaputt. Und mich gleich mit. Und mein Kind? Liebt ihn abgöttisch, deshalb halte ich auch alles ruhig und es wird ausgesprochen selten laut, weil ich nie groß reagiere auf Provokationen.
Was soll ich bloß tun? Nirgends ist dokumentiert, dass er ein Problem hat. Er selbst gesteht sich das glaube ich auch nicht ein. Wie lange macht sein Körper das mit? Er hat eh schon einiges an Vorerkrankungen, also Diabetes und Bluthochdruck usw.
Ich kann nicht mehr, und bin so froh, hier vielleicht ein wenig Input und Erfahrungsaustausch zu erleben. Ich bin doch nicht die einzige in so einer Situation..
Liebe Grüße.