Johanna89, bis zum Hals in Dysfunktionaler Beziehung und Co Abhängig

  • Hallo zusammen,

    ich habe mich nun auch endlich angemeldet. Seit einigen Wochen lese ich still und leise mit. Ich bin 36 Jahre alt, mein Mann 45 Jahre, unser Sohn wird bald 5 Jahre alt.

    Alkohol war schon immer ein Thema bei meinem Mann. Er war gerne in Kneipen mit seinen Kumpels. Aber seit etwa 2 Jahren hat es sich schleichend immer mehr verändert. Irgendwann ist er nicht mehr in Kneipen gegangen, hat für sich alleine getrunken. Immer mehr. Immer öfter. Immer früher am Tag.

    Er stürzte irgendwann im Rausch über Spielzeug und verletzte sich schwer. Kein Grund etwas zu verändern. Nach einer OP bekam er 2 Wochen später einen Schlaganfall, ein milder ohne Folgen, kein Grund etwas zu verändern.

    Wir sind umgezogen, und aufgrund der Verletzungen und Einschränkungen blieb alles an mir. Er sass meistens rum, trank. Er arbeitet von Zuhause aus, das war dann immer seine perfekte Ausrede. Meine Mutter kam um zu helfen, da fiel es zum ersten Mal auch ausserhalb unserer Familie auf das etwas nicht stimmt.

    Im Rausch kippte jedesmal die Stimmung von Euphorisch in Hass und Verachtung. Fiese Kommentare und blöde Sprüche. Ziemlich verletztend. Irgendwie schaffte ich den Umzug.

    Dann kam der Sommer, wir waren im Urlaub mit Bekannten, und auch dort trank er jeden Tag extrem viel. Eines Abends drohte er mir verbal. Unsere Freunde haben es mitbekommen, und am nächsten Morgen sagte ich ihm, dass ich will das er auszieht. Er reagierte ziemlich gelassen, vielleicht war ihm da schon klar dass ich keine Stunde später wieder zurückrudere?

    Die Trinkmenge steigerte sich um Laufe der Monate weiter. Inzwischen ist er bei etwa 1-1,5 Flaschen Schnaps plus "Beiwerk" in Form von Bier, Wein, Sekt,.. binnen 24 Stunden. Er macht immer öfter die Nächte mit sich selbst durch. Das Arbeiten schleift bereits ziemlich. Und die verbalen Drohungen wurden auch mehr.

    Regelmäßig entstehen wahnsinnig anstrengende, chaotische Situationen die mich unfassbar stressen. Ein - zwei Beispiele: Ich war mit meinem Sohn nachmittags unterwegs, mein Mann schon gut dabei. Mir war klar: Der gönnt sich jetzt noch richtig. Ist ihm am liebsten, wenn keiner da ist. Als ich am Abend heim kam, war mein Sohn im Auto eingeschlafen, ich trug ihn ins Bett, und als ich die Küche sah traf mich der Schlag: Alles voller Blut und Scherben. Ein Schaden in meiner Nagelneuer Arbeitsplatte. Ich fragte ihn was passiert sei. Ihm sei eine Tasse runtergfallen, beim einräumen der Spülmaschine. Ich konnte das nicht glauben, und mir fiel ein dass die Haustierkamera auch einen kleinen Bereich der Küche einsehen kann. Und tatsächlich: Er schlug MEINE Tasse mit roher Gewalt fluchend auf die Arbeitsplatte, bis sie zersrpang. er verletzte sich dabei offensichtlich an der Hand. Und schimpfte dabei über die Tatsache, dass ich nicht ausgetrunken hatte. Ich sagte ihm nicht, dass ich die Wahrheit kenne, aber als ich nochmal nachhakte blieb er bei seiner Version. "Du willst mir doch nicht unterstellen dass das Absicht war?!?!"

    Das andere Beispiel: Wir waren auf einer 3-Stündigen Rückfahrt, ich hielt zum tanken, er hatte auf der ersten Etappe schon eine Flasche Wein und eine Flasche Prossecco (aus der Flasche...!) getrunken und war dann eingeschlafen. Ich klopfte beim Tanken an seine Scheibe, um zu wissen ob er noch etwas möchte von drinnen, er reagierte nicht, ich öffnete die Tür und - PENG - flog eine Flasche Wodka raus und zerbrach auf dem Boden. Warum ich denn einfach die Tür öffnen würde, ich könne doch auch klopfen?! Ich klaubte mühsam die Scherben auf, kaufte eine neue Flasche, hab aber wohl eine übersehen, denn da fuhr ich beim Anfahren noch rüber. Unfassbares Chaos. Und immer der Spagat, alles für meinen Sohn irgendwie stabil zu halten. Und noch ein paar weitere Kleinigkeiten, die alleine in diesen drei Stunden passiert sind. Ich war fix und fertig. Ein unfassbarer Druck auf der Brust, Herzklopfen, Schwindel und totale Erschöpfung. Ein sehr vertrautes Gefühl inzwischen. Ich kann einfach nicht mehr. Wenn er sich dann mal stundenweise zusammenreisst, weiß ich inzwischen sicher eines: Verzicht heisst nicht Veränderung, Verzicht heisst Eskalation. Er tut dann auch ernsthaft so, als sei GAR NICHTS gewesen. Er macht sich kaputt. Und mich gleich mit. Und mein Kind? Liebt ihn abgöttisch, deshalb halte ich auch alles ruhig und es wird ausgesprochen selten laut, weil ich nie groß reagiere auf Provokationen.

    Was soll ich bloß tun? Nirgends ist dokumentiert, dass er ein Problem hat. Er selbst gesteht sich das glaube ich auch nicht ein. Wie lange macht sein Körper das mit? Er hat eh schon einiges an Vorerkrankungen, also Diabetes und Bluthochdruck usw.

    Ich kann nicht mehr, und bin so froh, hier vielleicht ein wenig Input und Erfahrungsaustausch zu erleben. Ich bin doch nicht die einzige in so einer Situation..

    Liebe Grüße.

  • Linde66 15. Dezember 2025 um 13:14

    Hat den Titel des Themas von „Ich, bis zum Hals in Dysfunktionaler Beziehung und Co Abhängig“ zu „Johanna89, bis zum Hals in Dysfunktionaler Beziehung und Co Abhängig“ geändert.
  • Hallo und herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Deine Bewerbung ist eingegangen und ich habe dich gerade für die Teilnahme im Forum freigeschaltet. Dein Thema ist jetzt im Angehörigenbereich. Du kannst dich überall austauschen, nur bitte die ersten 4 Wochen nicht mit den neuen Usern mit den orangeroten Namen.

    Ist das dein richtiger Name? Wenn ja, ändern wir ihn sicherheitshalber.

    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe Mitlesenden, ich bin unfassbar angespannt. Heute habe ich (heimlich) einen Termin bei einer Suchtberatungsstelle. Vielleicht kann man mir da noch mal ganz genau erklären was für Optionen es gibt. Für mich ist klar: wenn ich ihm sage, hole dir Hilfe oder du ziehst aus, wird er das brav machen. Aber eben ohne dahinter zu stehen. Sondern für mich. Und um zu beweisen „ich kooperiere doch, was willst du denn?!“ Vielleicht erwähnte ich es schon, aber bei ihm wurde vor einigen Jahren eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Da kommt also viel zusammen. Mit anderen Worten: Manipulieren kann wirklich gut! Und das macht die Lage so verzwickt. Niemand würde mir glauben. Ich wäre die Böse. Das Problem nur ich. Das kenne ich schon aus früheren Konflikten und deshalb fühle ich mich wahrscheinlich auch so ohnmächtig und Hilflos.
    Für mich ist die ganze Situation so anstrengend.

    Ich bin faktisch alleinerziehend. Den Alltag mit allem drum und dran meistere ich alleine. Nur das ein „grosses“ Kind - mein Mann - auch noch Verantwortung für sein Empfinden auf mich ablädt und im Inneren wie im Äusseren Chaos produziert. Urinpfützen um die Toilette, weil er betrunken nicht getroffen hat („Kann gar nicht sein, die Toilette ist undicht!“) oder sogar vermeintlich Urin im Flur, auf dem Weg zum Bad. Ist Inkontinenz eine typische Folge von zu viel Alkohol?

    Ich erwähnte oben nicht dass die Menge von 1-1,5 Flaschen Schnaps (wenn er mit sich selbst durchmacht auch 2 Flaschen, vorzugsweise billiger Korn oder Whisky) plus Bier, Prossecco, Wein,… wirklich ausnahmslos jeden Tag konsumiert wird. Hat er sich einen halben Tag beherrscht, wird nachgeholt.

    Wenn er dann mal in irgendeiner Form Physisch anwesend ist, ist er entweder übertrieben freundlich, aber nur kurz, oder direkt genervt von den Umgebungsgeräuschen, die Kinder nun mal machen. Oder sagt gar nichts, aber man spürt mehr als deutlich, dass ihm irgendwas nicht passt. Machmal fragt er dann sogar „pro Forma“ ob er helfen könne, aber wenn dann offensichtlich Handlungsbedarf wäre (Sohn spielt im Spülbecken mit JetSki, und plötzlich schwappt alles über), sitzt er da und schaut, und ich muss meinen Toilettengang abbrechen um Schadensbegrenzung zu betreiben. Ja, alleine würde sich kaum etwas ändern. Ausser dass vielleicht diese erdrückende Erschöpfung auf meinen Schultern nachlassen würde. Heute habe ich mich immerhin aufgerafft zu duschen. Und wenn mir dann klar wird das selbst das so anstrengend ist, merke ich erst, wie sehr die Situation mich zerfrisst.
    Liebe Grüße

  • …mein 1. Termin bei der Suchtberatung war auch heimlich… ich erinnere mich noch genau…

    War in den 1990er Jahren…

    Ich wünsche dir, dass du für DICH gute Impulse bekommst…👍🙏


    Liebe Grüße , Simsalabim

  • Für mich ist klar: wenn ich ihm sage, hole dir Hilfe oder du ziehst aus, wird er das brav machen.

    Sei froh, davon würde manche Co träumen, wie Du hier nachlesen kannst.

    Was zögerst Du noch, nach welchen weiteren Optionen suchst Du? Hast Du nicht schon genug Schlimmes erlebt?

    Gleichzeitig auch noch ihn retten? Das funktioniert nicht, das kann er nur ganz allein, für sich, wenn er es wirklich möchte.

  • Leider weiss ich, dass er das nur machen würde, um von sich zu sagen: was willst du noch, ich gehe doch hin? .. aber unterm Strich absolut nicht dahinter steht, und dann heimlich trinken würde. Ich kenne dieses Muster schon. Die richtige Reihenfolge wäre, das er auszieht, und sich dann unter Beweis stellt. Alles andere würde nur noch mehr Druck machen, aber bei mir, weil er dann eine wahnsinnig hohe Erwartungshaltung an mich hätte. Zitat: Du musst dich dann aber auch mal mehr bemühen!

  • Der Termin bei dee Beratungsstelle war aber wirklich voll guter Inputs.

    Ich habe viele Fragen zum Krankheitsbild gestellt, denn ich möchte definitiv auch verstehen was da passiert.
    Personen mit Narzisstischer Persönlichkeitsstörung haben wohl ein höheres Risiko in die Abhängigkeit zu rutschen, nämlich dann, wenn der Suply von außen aufhört. Hinzu kommt seine Essstörung, er hatte eine Magen-OP, auch hier ist das Risiko durch eine Suchtverlagerung erhöht.

    Der Schlüsselsatz von ihr war aber: Wenn ich ihm helfen will, geht das nur, wenn ich Abstand nehme. Denn es stimmt, es geht mir wirklich nicht gut. Und ich bin ja nicht nur für mich verantwortlich… mein Sohn braucht seine Mama. Eine Mama, die nicht völlig runter ist mit den Nerven.
    Seit heute weiss ich, dass auch sein Job in akuter Gefahr ist.
    Ich gebe zu, ich bin völlig überfordert und weiss eigentlich, was richtig wäre. Aber dazu fehlt mir der Mut. Noch.

  • Guten Morgen Johanna,

    du musst einfach einen Fuß vor den anderen setzen. Du musst nicht sprinten und auch nicht springen, aber jeder kleine Schritt bringt dich voran.

    Du weißt ja schon, was du willst und was zutun ist. Mir hat die Auseinandersetzung mit der Co-Rolle Antrieb verschafft. Plane, informiere dich und bereite vor. Irgendwann kommt der Moment x und dann gehst du einfach.

    Diese Situation wäre für mich unerträglich und ich hätte Angst um die seelische Gesundheit meines Kindes.

    LG ☀️

  • Und ich bin ja nicht nur für mich verantwortlich… mein Sohn braucht seine Mama. Eine Mama, die nicht völlig runter ist mit den Nerven.
    Seit heute weiss ich, dass auch sein Job in akuter Gefahr ist.
    Ich gebe zu, ich bin völlig überfordert und weiss eigentlich, was richtig wäre. Aber dazu fehlt mir der Mut. Noch.

    Liebe Johanna,

    Willkommen hier im Forum!

    Stimmt, du bist für dich und für deinen Sohn verantwortlich. Und auch wenn du versuchst deinen Sohn von dem ganzen Chaos gutmöglichst abzuschirmen, bekommt er es dennoch mit. Kinder haben feine Antennen dafür. Er nimmt auch wahr, wie du auf deinen Mann reagierst, die grundlegende Haltung, die ihr zueinander habt. Der EKA Bereich des Forums (Erwachsene Kinder von Alkoholikern) ist voll mit Geschichten von Personen, die mit einem oder mehreren alkoholabhängigen Elternteilen aufgewachsen sind und die das geprägt hat - dazu muss der Suchtkranke nicht mal "direkt" gewalttätig gegenüber dem Kind werden.

    Bitte bedenke auch das bei deiner Entscheidung. Ich wünsche dir den Mut und die Zuversicht, die vielleicht aktuell noch fehlen.

    Liebe Grüße,
    Seepandarine

  • Liebe Lesenden,

    ich möchte mir mal wieder ein bisschen was von der Seele schreiben. Das hilft ganz gut, um alles ein bisschen zu sortieren.

    Die „Eskalationen“ folgen einem bestimmten Muster: er ballert sich richtig, richtig voll, macht dann ja auch teilweise durch, leistet sich wirklich ziemlich übles Benehmen, um dann für 1,2,3 Tage relativ „normal“ zu wirken (er trinkt natürlich trotzdem, immer die Mindest-24h-Dosis von min. 1 Flasche Schnaps plus Beiwerk). Und dann eskaliert es wieder.

    Übrigens, was neu ist: in seiner Tasche habe ich diese kleinen Flaschen mit Doppelkorn und Vodka gefunden, die man an der Kasse kaufen kann.

    Zurück bleibt bei mir immer absolute Verwirrung und Wut über dieses innere und äussere Chaos, das er mit jedem „Auftritt“ hinterlässt.

    Er verbringt ja wirklich fast den ganzen Tag in seinem Büro, wo er auch schläft. Eigentlich gut für mich. Aber sobald er dann betrunken unten aufschlägt, bricht Chaos aus. Blöde Sprüche, sinnloses Geschwafel („Kannst du mich morgen irgendwo hinfahren?“ - „Klar, wann denn und wohin?“ „Egal, Hauptsache weg!“ - „Ich müsste schon ungefähr wissen welche Uhrzeit und welche Richtung!“ - (wutentbrannt) „Also wenn eine einfache Frage so komplizierte Antworten nach sich zieht, VERGISS ES EINFACH!“).
    Und dann sitze ich da. Mit Herzklopfen, fühle mich gelähmt und erschöpft und ratlos.

    Gestern dann zunächst das Gegenteil.

    Er schwankte die Treppe herunter und stürzte die letzten drei Stufen fast ab, landete auf dem Po.

    Und sagte oh du bist noch hier, ich wollte nicht stören! - und das immer wieder. Ging dann wieder hoch. Dann tauchte er eine Stunde später wieder auf. Und da kippte es schon wieder in Verachtende und vernichtende Kommentare.

    Ich lasse mich nicht darauf ein und antworte in den meisten Fällen noch nicht mal.

    Dennoch brennt es in mir.
    Am nächsten Tag als wäre nichts gewesen. Wenn ich dann noch reserviert und zurückhaltend bin, ernte ich noch mehr Verachtung. Heute sagt er lachend „Haha, mein Po tut weh von dem Sturz gestern!“ ich sage nur „Ja..“

    Kein Wort von den anderen Dingen die so passiert sind. Weiss er sowas wirklich nicht mehr?!?!

    Und nun war ja auch Weihnachten.

    Die Nacht auf Heiligabend war eine einzige Katastrophe. Ich habe bis in die Nacht Geschenke eingepackt und jede Stunde tauchte er auf und terrorisierte mich regelrecht mit blöden Sprüchen.
    Am nächsten Tag gegen Mittag lag er noch im Bett (um 7.00 morgens hatte er auch da schon zwei Flaschen Prossecco getrunken), und ich hatte noch viel vorzubereiten, da bin ich zu ihm rein und habe ihm leise und sehr deutlich gesagt dass er mir und unserem Sohn dieses Weihnachten nicht verderben wird. Er lallte nur verachtend „Merry Christmas“.

    Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, und mein Sohn hatte wunderbare Weihnachten. Heiligabend war meine ganze Familie hier. Mein Mann war eher Zaungast. Purzelte meist kurz vor Ankunft der Gäste oder Abfahrt zu Aktivitäten aus dem Bett.
    Mich nervt diese „pro forma“ Frage in halbwegs klaren Momente „Kann ich dir was helfen?“ Er fragt das wirklich nur um sein Gewissen zu beruhigen.
    Und dann bekam ich zwei recht teure Geschenke zu Weihnachten, ein Konzert im Sommer und noch eine Auswärts-Aktivität im März. Natürlich freue ich mich, aber wie soll das bitte funktionieren?!

    Momentan ist es eher so, als hätte ich ein großes erwachsenes Kind, das nur Chaos verursacht.
    Ich male mir immer häufiger aus, wie ich es gestalten könnte, auf Abstand zu gehen.

    Gestern fuhr meine Schwester, und ich winkte ihr zum Abschied und ich fragte mich: wie wäre es wohl, wenn ich jetzt die Tür schließen und wirklich einfach meine Ruhe hätte? Mein Kind ins Bett bringen, und dann Zeit für mich, alles ohne Anspannung und Angst?

    Dann gab es noch ein Problem mit einer Küchenschublade. Sie schleifte plötzlich an der darüber und zog nicht ganz ein. Das gab mir den Rest. Ich musste weinen vor Wut, dass eben nicht einfach ein Mann in Reichweite ist, der sagt „Zeig mal her, ich regel das!“ Mein Mann war ja schon längst wieder nach oben verschwunden. Ihn dazu holen hätte absolut keinen Sinn gemacht. Er kann nicht mal einen Imbus-Schlüssel erkennen. Und ich hätte wieder nur abwertende Kommentare über meine neue Küche geerntet. Also Krone gerichtet, YouTube-Tutorial gegoogelt und nachdem ich beide Schubladen raus, und wieder eingesetzt hatte, war alles wieder ok. Ein Beispiel für all diese kleinen Dinge, die ich jeden Tag alleine meistern muss.
    Wäre ich wirklich alleine, wäre das etwas anderes. Ich bin so wütend weil ja jemand DA is der helfen KÖNNTE aber stattdessen nur Stress und Chaos auslöst.

    Ich könnte aktuell alleine die Miete nicht zahlen, aber ausziehen will ich auf gar keinen Fall, wir sind im August erst eingezogen und mein Sohn hat sich hier gerade so eingelebt, hat Freunde gefunden und auch ich fühle mich wohl und sicher.

    Wäre da nur nicht….

    Man sieht es ihm inzwischen auch an. Er hat eine ganz seltsame Lippenfarbe. Ist das normal?
    Er hat meistens knallrote Wangen. Und dieser unangenehme „Muff“ der von ihm ausgeht fällt mir auf, dieser wird im seltenen Fall dass er das Haus verlässt notdürftig übertüncht.
    So, das musste alles mal raus. Danke fürs Lesen ❤️

  • Puh, Johanna, ich sehe mich in Deiner Geschichte wieder, wenngleich mein Mann tagsüber nicht trinkt… es tut mir so leid, dass Du Dich so alleine fühlst. Aber hier bist Du nicht alleine, hier darfst Du alles schreiben, was Dir durch den Koof geht. Und Du kannst sicher sein, dass man Dich versteht. Vielleicht ist Dir das -so wie mir- ein kleiner Trost.

    Wie ist das bei Dir? Weiß Dein Umfeld von der Sucht Deines Mannes? Deine Schwester vielleicht?

    Ich drück Dich solidarisch aus der Ferne.

  • und ich fragte mich: wie wäre es wohl, wenn ich jetzt die Tür schließen und wirklich einfach meine Ruhe hätte? Mein Kind ins Bett bringen, und dann Zeit für mich, alles ohne Anspannung und Angst?

    Wie wäre es?

    Wenn du dir das mal ausmalst und es sich gut anfühlt, dann könntest du anfangen dich zu informieren.

    Es ist machbar. Klar, es ist viel Streß und Einsatz, aber es ist machbar. Viele Frauen hier haben sich auf den Weg gemacht. Und mit der Zeit kommt die Kraft zurück, weil sie nicht mehr an das destruktive und negative Umfeld gebunden ist.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Johanna,

    was du beschreibst löst Erinnerungen aus. An das, was ich selbst erlebt habe. Jahr für Jahr. Und wie mein Stresslevel, meine Erschöpfung immer mehr umschlug in Wut, Hass, Verachtung, Enttäuschung, Angst. Zum Schluss hatte ich dann schon seeeehr schlimme Gedanken, was ich mit ihm machen wollte.

    Gestern fuhr meine Schwester, und ich winkte ihr zum Abschied und ich fragte mich: wie wäre es wohl, wenn ich jetzt die Tür schließen und wirklich einfach meine Ruhe hätte? Mein Kind ins Bett bringen, und dann Zeit für mich, alles ohne Anspannung und Angst?

    Hast du diesen Gedanken zuende gedacht? Wie es sich anfühlen würde ohne diesen Druck, die Ängste, die Verachtung, die er dir entgegenbringt? Ist dieses Leben das, was du dir unter einer Partnerschaft vorstellst, was du gerne für dein Kind hättest? Was deine Zukunft ist?

    Und ist da Liebe? Liebst du deinen Mann? Oder hält dich was anderes da fest.

    Ich weiß wie schwer es ist, eine Entscheidung zu treffen. Bei mir hat das Jahre gedauert bis ich da rauskonnte. Und hinterher war ich sehr traurig über die verlorene Lebenszeit. Und dass ich mich so lange damit zufrieden gegeben hatte, mit nix eigentlich, dass ich es mir so lange nicht wert war, ein glückliches Leben zu leben.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Ach ihr Lieben. Danke für eure Worte. Es tut so gut, verstanden zu werden! Am Anfang, wenn ich im Bekanntenkreis mal angedeutet habe dass er schon viel trinkt, wurde ich eher belächelt. Im Sinne von „Ach, der gönnt sich das mal! Ist doch nichts bei! Wir haben doch alle schon mal Zuviel getrunken!“ Erst als einer seiner besten Freunde im gemeinsamen Campingurlaub 2024 hautnah mitbekam wie es so läuft mit dem Alkohol (….und da war es noch LANGE nicht so schlimm wie heute!!) war die Betroffenheit ziemlich gross.
    In den letzten 6-8 Monaten habe ich dann auch meine Mama und meine Schwester eingeweiht. Sie sorgen sich, aber wissen natürlich auch nicht alles. Die Scham ist dann doch noch ziemlich gross.
    Liebe Aurora , paradoxerweise hatte ich heute genau diesen Gedanken: ich verliere Zeit.

    Zeit, die mein Kind verdient hätte. Zeit, in der ich nicht völlig erschöpft und wie gelähmt und überreizt den Tag irgendwie meistere, sondern die Mama sein kann, die er verdient.

    Mich hält die Angst vor der finanziellen Unsicherheit und vielleicht auch Angst vor Konsequenzen die ich noch nicht auf dem Radar haben könnte. Angst, etwas nicht bedacht zu haben. Und Angst das mein Kind dann wegen Umgangsrecht bei ihm ist, auch nachts, auch wenn er betrunken ist. Er ist ein Meister der Manipulation.
    Und Veränderung macht ja immer Angst… ach es ist zum verzweifeln. Ich drehe mich im Kreis.

  • Hallo Johanna,

    das was du beschreibst ist wirklich heftig. Für mich hört es sich an, als verdichtet sich da immer mehr eine Gefahr für dich und dein Kind. Bei solchen Mengen ist er doch kaum noch zurechnungsfähig.

    Dann noch die narzisstische Persönlichkeitsstörung. Wenn das diagnostiziert wurde, dann gibt es da ja vermutlich auch einen Befund-Bericht?

    Vielleicht kannst du alle nötigen Unterlagen schon sicher stellen? Mein Impuls wäre auch, dass du dich ans Jugendamt wendest. Wegen deiner Sorge mit dem Umgangsrecht. Das bedeutet dann aber natürlich auch, dass es dann so nicht mehr weiter gehen kann. Aber das sollte es ja auch nicht.

    Gehst du arbeiten? Wenn du dir die Wohnung alleine nicht leisten kannst, dann ist das so. Deshalb dieses Leben zu ertragen ja verrückt. Eine Anwältin wäre vermutlich wichtig. Du hast dann ja auch Anspruch auf Unterhalt. Vielleicht kannst du Wohngeld bekommen? Du hast eine andere Steuerklasse. Also lass dich beraten. Hier mehr Planungssicherheit zu bekommen ist wichtig, um sich zu trauen sich abzugrenzen, finde ich.

    Bin mal wieder auf den Antwort Button gekommen, statt Zitate 🤦🏼‍♀️...daher konnte ich meinen Beitrag auch nicht mehr gegenlesen. Also entschuldige, wenn manches zu pushy rüber kommt... Ich höre dann auch lieber mal auf.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Kennt ihr Cos dieses Verhalten, dass nach einer heftigen Trunkenheit/durchgezechter Nacht ein paar Tage der „aufgesetzten Normalität“ folgen? Und wieso tut ein Alkoholiker so, als sei gar nichts gewesen? Wissen sie das alles wirklich nicht mehr? Was sie gesagt haben? Wie abwertend sie waren? Wie können sie erwarten, dass ihr Umfeld dann auch so tut als sei nichts gewesen? Ich möchte das ja auch wirklich verstehen. Diese Verwirrung und kalt-warm Spielchen können einen wirklich verrückt machen. Es ist keine Konstante. Und das lähmt mich so sehr. Raubt mir Kraft. Macht mich unfassbar müde. Und was am schlimmsten ist: es lässt mich glauben das ja alles gar nicht so schlimm ist. Das er es vielleicht doch einsieht. Und ich habe ein schlechtes Gewissen wegen meiner „Exit-Pläne“. Bis zur nächsten Eskalation. Und mein Verstand weiss, dass es nicht von alleine besser wird. Schließlich erlebe ich dieses „vertraute“ Muster schon lange. Habe es nur noch nicht verstehen können WARUM er dann so „normal“ ist. Vielleicht kann mir das einer aufdröseln? Vielleicht liest es ja sogar ein Betroffener und kann es aus Sicht des Alkoholikers schildern? Hach es ist alles so anstrengend. 😥

    Meine berufliche Situation ist etwas komplexer, würde ich das hier aufschlüsseln könnte man mich erkennen. Fakt ist aber, ohne externe finanzielle Hilfe (Unterhalt/Wohngeld) könnte ich mir die Miete alleine nicht leisten. Und das ist ja auch alles wieder so kompliziert.

  • Johanna,

    bei uns ist es genauso. Es ist immer so normal nach der Eskalation. Und ich sehe keine Entzugserscheinungen, die doch da sein müssten… ich fürchte, ich bin zu blind.

    Und ja, Du hast Recht, rein rational weiß man genau, dass sich nichts ändert, aber die Ruhe „nach“ dem Sturm lässt einen zweifeln. Mich quälen diese fiesen Gedanken („Vielleicht ist es doch nicht so schlimm? Vielleicht übertreibe ich?“) auch. Doch ich weiß eigentlich genau, wie es ist. Genauso wie Du…

    Aber ich weiß, irgendwann macht es sicher Klick und man kann sich lösen. Ich freunde mich gerade erst mit diesem Gedanken an…

  • So ein Verhalten gibt es auch bei Nicht Süchtigen. Streit, ein angespannter Abend, und dann lässt man Gras darüber wachsen. Alles menschlich. Der Unterschied ist. Bei Nicht-Süchtigen bleibt es situativ, meist gefolgt von Einsicht oder zumindest einer Veränderung.

    Bei Süchtigen hingegen ist es ein festes Muster. Absturz, dann ein paar Tage gespielte Normalität, als wäre nichts gewesen. Nicht aus Vergessen, sondern um Konsequenzen zu vermeiden und das Trinken abzusichern.

    In diesem Moment hat die Sucht das Denken übernommen. Kein Charakterfehler, sondern Suchtdynamik. Ein „nasser“ Alkoholiker muss ja trinken.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Lieber Hartmut, danke für deine Worte. Ja vermutlich ist es das, was so verwirrt: man kennt diese Situativen Spannungen, aus denen jeder lernt, auch wenn man keine grossen Worte mehr verliert. Ich denke der Unterschied bei nassen Alkoholikern, speziell meinem Mann ist: die spirale dreht sich immer wieder im Gegenteil: es passieren viele Dinge, die verletzen, und er wird sicher im Nachgang in irgendeiner Form ein schlechtes Gewissen haben oder?! Nur, dass eben keine Veränderung auftritt. Es fühlt sich eher an wie Gleichgültigkeit. Oder „war halt Betrunken, kann ich ja nix für“, irgendwie in dieser Art. Natürlich schwingt da auch eine grosse Portion Mitleid bei mir mit. Und vermutlich ist das einer der vielen Gründe die mich halten. Das Gefühl, ihn sonst im Stich zu lassen. Aber gleichzeitig spüre ich deutlich dass ich momentan eigentlich hauptsächlich mich, meine Grenzen und Ressourcen und damit automatisch auch mein Kind im Stich lasse. Und eines habe ich hier schon oft gelesen: er ist erwachsen und für sich verantwortlich. Ich bin für mich und mein Kind verantwortlich.

    Eine Sache ist passiert die mich ziemlich irritiert: wir waren zusammen unterwegs im Auto, er witzelte über die Probefläschchen mit Obstler, die am Doppelkorn befestigt waren. „Das Zeug geht ja gar nicht, und das sage ich, wo doch Alkoholikern der Geschmack eigentlich egal ist!“ Ich war kurz etwas geplättet und fragte dann ob er das ernst meinen würde, dass er sich Alkoholiker nennt. Denn das war neu. Er sagte, eher zynisch: „Ja klar, was bin ich denn sonst?!“ Und das war es dann auch wieder. Komischerweise fühlte ich hauptsächlich ein Gefühl: Entwaffnung.

    Als wäre die Tatsache, dass er es ausgesprochen hat, nun gekoppelt an Verantwortung, im Sinne von „Ich habe es gesagt, sie weiss es jetzt, dann soll sie doch schauen dass sie es für mich regelt“. Oder „Ich habe es ausgesprochen, dann kann sie mir nicht vorwerfen ich würde mein Problem nicht anerkennen“. Oder „Ich habe es ausgesprochen, da wird sie mich doch nicht verlassen/im stich lassen“

    Auf alle Fälle wieder totale Verwirrung.
    Das ist schon ein paar Tage her, aber beschäftigt mich immer noch. Konsequenzen bzw Verhaltensänderungen sind natürlich keine Feststellbar. Im Gegenteil.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!